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Über "Meine freie deutsche Jugend" von Claudia Rusch

Gedächtnisgemeinschaft "Generation Trabant"

Titel: Über "Meine freie deutsche Jugend" von Claudia Rusch

Hausarbeit , 2010 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Johanna Elstermann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Erinnerungsbücher wie Meine freie deutsche Jugend von Claudia Rusch, um das es in der vorliegenden Ausarbeitung gehen soll, nehmen eine besondere Rolle ein, da sie nicht nur über den Prozess des Erwachsenwerdends erzählen, sondern auch über einen Staat schreiben, der parallel dazu verschwand.
Die Ich-Erzählinstanz führt den Leser, in Meine freie deutsche Jugend über 27 pointenreichen Erinnerungsgeschichten, durch ihre Kindheit und Jugend in der DDR. In den einzelnen Geschichten wechselt der Standpunkt der Erzählerin vom Kind zur Jugendlichen oder zur Erwachsenen. Rusch wird mit jeder Geschichte älter, ähnlich dem Protagonisten eines Bildungsromans.
Anders als im Erinnerungsbuch Zonenkinder von Jana Hensel, die den Anspruch hat im “Wir” für eine ganze Generation zu sprechen, geht es Claudia Rusch um Erinnnerungen an ihre individuelle Lebensgeschichte, diese ist einerseits geprägt von außergewöhnlichen Erfahrungen eines Oppossitionellenkindes in einem totalitären Staat und andererseits von typischen Kindheitsmustern in der DDR.
Auf welch schicksalshafte Weise das Leben von Claudia Rusch mit der Existenz der DDR verbunden ist, wird schon am Geburtsdatum deutlich. Sie wurde 1971 geboren und feierte ihre Volljährigkeit im Jahr des Mauerfalls 1989. Damit wurde sie nicht nur vom Gesetz mit größeren Entscheidungsfreiheiten ausgestattet, sondern auch die Begrenzungen der DDR- BürgerInnen wurden gleichzeitig mit dem Fall der Mauer aufgehoben.
Von Kritikern wurde ihr Buch in eine Reihe mit teils systemkritischen (u.a. Mein erstes T-Shirt von Jakob Hein) teils „ostalgischen“ (u.a. Zonenkinder von Jana Hensel) Auseinandersetzungen ihrer Generation mit Kindheit und Aufwachsen in der DDR gestellt. Entsprechend wurden Hensel und Rusch auch als östliches Pendant zur westlichen Generation Golf bezeichnet, der entsprechende Begriff Generation Trabant war schon 2001 geprägt worden. Auf den Aspekt der Gedächtnisgemeinschaft Generation Trabant werden ich im letzten Punkt eingehen.
Die vorliegende Ausarbeitung ist so aufgebaut, dass auf eine gesamte Inhaltsangabe, aufgrund der Segmenthaftigkeit der einzelnen Erzählungen, verzichtet wird. Im ersten Punkt wird die Rolle des politischen Regimes und seiner Institutionen für die Identitätsbildung der werdenden Schriftstellerin untersucht.
Zuletzt wende ich mich auch der Frage zu, wodurch das Verhältnis der autobiographischen Darstellung zum Prozess der Erinnerung gekennzeichnet ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Totalitärer Staat und Identitätsbildung

2. 1 Leitmotiv: Die Sehnsucht nach Reisefreiheit

2. 2 Identität und Öffentlichkeitsebenen

2. 3 Schwerter zu Pflugscharen

2. 4 Die Jugendweihe als Institution

3. Gedächtnisgemeinschaft Generation Trabant

4. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Erinnerungsbuch Meine freie deutsche Jugend von Claudia Rusch unter dem Aspekt der Identitätsbildung in einem totalitären Staat. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das erzählende Ich seine individuelle Lebensgeschichte als Oppositionellenkind mit dem Aufwachsen in der DDR sowie dem Prozess der kollektiven Erinnerung innerhalb der sogenannten „Generation Trabant“ verknüpft.

  • Identitätskonstruktion im Kontext eines totalitären politischen Regimes.
  • Die Rolle von Alltag und Institutionen wie der FDJ oder der Jugendweihe.
  • Differenzerfahrungen und Außenseiterrollen in der DDR-Gesellschaft.
  • Die mediale und kulturelle Einordnung der „Generation Trabant“.
  • Theorie der Gedächtnisgemeinschaft und kollektive Identitätsarbeit.

Auszug aus dem Buch

2.2 Identität und Öffentlichkeitsebenen

Das hohe Maß der politischen Kontrolle lässt die Erzählerin früh lernen, den privaten vom öffentlichen Diskurs zu trennen ein wesentliches Merkmal des Alltags im DDR Staates. Sie wohnte teilweise mit ihrer Mutter im Haushalt des Systemkritikers Robert Havemann, der für das Fußvolk der Stasi den Ausdruck Kakerlaken verwendete. Diesen Ausdruck kennt die kindliche Claudia nur in diesem Kontext, wodurch es zur komischen Anekdote mit dem Titel Die Stasi hinter der Küchenzeile kommt, in der sie lernt, dass Kakerlake ein anderer Begriff für Küchenschabe ist. Sie vermittelt uns damit auch, dass sie teilweise noch zu jung war um mit den Anforderungen des ständigen Sondierens der privaten und öffentlichen Ausdrucksweisen umzugehen.

Als fünfjähriges Kind nimmt sie die ständige Präsenz des Staatssicherheitsdientes als selbstverstänlich wahr und bezieht es sogar positiv auf sich selbst: „Für mich waren die ewig wartenden Männer beruhigend. Sie passten auf mich auf. Ganz im Sinne der Stasi-Ballade: Leibwächter.”6 Das Wesen des Stasiregimes wird in der Geschichte mit dem Titel Der Verdacht beschrieben. Wie stark das Stasisystem, vor allem mit Hilfe der informellen Mitarbeiter (IM), ein Klima des Misstrauens in der DDR schuf, wird hier anhand Ruschs Familiengeschichte deutlich. Nach dem Fall der Mauer konnten sie Einblick in die Akte ihres in Untersuchungshaft verstorbenen Großvaters nehmen, dessen von der Staatssicherheit gegebener Deckname „Tanne“ war.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Erinnerungsbuch von Claudia Rusch vor, ordnet es literarisch ein und skizziert das Forschungsinteresse an der Identitätsbildung eines Oppositionellenkindes in der DDR.

2. Totalitärer Staat und Identitätsbildung: Dieses Kapitel analysiert, wie die staatliche Struktur der DDR und die damit verbundene politische Kontrolle die Identität der Autorin maßgeblich beeinflusst haben.

3. Gedächtnisgemeinschaft Generation Trabant: Hier wird die generationelle Verortung der Autorin und die kollektive Erinnerungsarbeit an der DDR-Vergangenheit wissenschaftlich reflektiert.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Identitätsbildung und Sinnstiftung zusammen und betont die Bedeutung der autobiographischen Prosa als Mittel zur Wahrheitsfindung gegen eine indoktrinierte Öffentlichkeit.

Schlüsselwörter

Claudia Rusch, Meine freie deutsche Jugend, DDR, Identitätsbildung, Generation Trabant, Stasi, Kindheit in der DDR, Oppositionellenkind, Gedächtnisgemeinschaft, Autobiographie, politisches Regime, Jugendweihe, Erinnerungsarbeit, Wendeliteratur, DDR-Alltag.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Claudia Ruschs autobiographisches Werk Meine freie deutsche Jugend und untersucht die Wechselwirkung zwischen individueller Identitätsentwicklung und dem Aufwachsen in einem totalitären Staat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Auswirkungen politischer Überwachung auf das kindliche Selbstbild, die Abgrenzung zwischen privater und öffentlicher Identität sowie die Einordnung der Autorin in die „Generation Trabant“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rusch durch den Prozess des Erinnerns und Schreibens eine eigene Identität konstruiert, die sich einerseits gegen die staatliche Indoktrination stellt und andererseits kollektive Erfahrungen widerspiegelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und autosoziologische Herangehensweise, um die Autobiographie im Kontext von Geschichtswissenschaft und Gedächtnisforschung zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden unter anderem das Leitmotiv der Reisefreiheit, der Umgang mit dem Staatssicherheitsdienst, die Bedeutung der Jugendweihe und die theoretische Fundierung der Generation als Gedächtnisgemeinschaft thematisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR, Identität, Generation Trabant, Stasi, Autobiographie und Erinnerungsarbeit charakterisiert.

Welche besondere Bedeutung hat die „Schwedenfähre“ im Text?

Die Schwedenfähre fungiert als zentrales Leitmotiv für die Sehnsucht nach Freiheit und die räumliche Begrenzung der DDR, die dem erzählenden Kind früh bewusst wird.

Wie geht die Autorin mit dem Stasi-Erbe um?

Rusch verarbeitet die Erfahrungen ihrer Familie mit der Stasi, indem sie persönliche Anekdoten mit der reflektierten Perspektive der Erwachsenen kombiniert, um das Klima des Misstrauens in der DDR offenzulegen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Über "Meine freie deutsche Jugend" von Claudia Rusch
Untertitel
Gedächtnisgemeinschaft "Generation Trabant"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Autor
Johanna Elstermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V167563
ISBN (eBook)
9783640841783
Sprache
Deutsch
Schlagworte
meine jugend claudia rusch generation trabant
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johanna Elstermann (Autor:in), 2010, Über "Meine freie deutsche Jugend" von Claudia Rusch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167563
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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