Dialekte trifft man im Alltag häufig an. Egal ob man einen Dialekt in einem Gespräch bemerkt, oder ob man über die Frage diskutiert, ob es nun „dreiviertel zwölf“ oder „viertel vor zwölf“ heißt. Dabei geht es oft um die Frage, wie es denn eigentlich richtig heißt, ohne zu beachtet, dass verschieden Regionen verschiedene Bezeichnungen für die gleichen Begriffe haben oder gar einige Wörter im Dialekt haben, welche es in anderen Dialekten nicht gibt. Man macht sich auch oft ein Bild von der anderen Person und versucht sich herzuleiten, wo eine Person herkommt, wenn sie einen Dialekt spricht. Denn wenn jemand Bayerisch spricht, geht man davon aus, dass er auch aus Bayern kommt.
Um diese Thematik soll es in der folgenden Arbeit gehen. Die Fragestellung lautet dabei, inwieweit man anhand von Dialekten die regionale Herkunft einer Person bestimmen kann. Dabei wird auch der Nutzen dieser Herkunftsbestimmung für die forensische Linguistik betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Einführung in Dialekte
- 3. Die deutsche Standardsprache
- 4. Unterschiede deutscher Dialekte
- 4.1 Auswirkungen der zweiten Lautverschiebung
- 4.2 Kurzabriss der Entwicklung der Dialekte nach der zweiten Lautverschiebung
- 5. Herkunftsbestimmung anhand einzelner Wörter
- 6. Probleme bei der Herkunftsbestimmung
- 7. Nutzen für die forensische Linguistik
- 8. Fazit
- 9. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Thematik der Dialekte und untersucht, inwieweit die regionale Herkunft einer Person anhand ihrer Dialektmerkmale bestimmt werden kann. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem potenziellen Nutzen dieser Herkunftsbestimmung für die forensische Linguistik.
- Beleuchtung von Dialekten im Allgemeinen und deren Definition.
- Analyse der historischen Entwicklung und Rolle der deutschen Standardsprache.
- Detaillierte Betrachtung der Entstehung deutscher Dialekte, insbesondere durch die zweite Lautverschiebung.
- Untersuchung der Möglichkeiten zur Herkunftsbestimmung basierend auf lexikalischen Unterschieden einzelner Wörter.
- Darstellung der Herausforderungen und Probleme, die bei der dialektbasierten Herkunftsbestimmung auftreten können.
- Erörterung des praktischen Nutzens von Dialektanalysen für die forensische Linguistik, inklusive Fallbeispielen.
Auszug aus dem Buch
5. Herkunftsbestimmung anhand einzelner Wörter
Die Lexik in einzelnen Dialekten kann sich voneinander unterscheiden. Dieser Teilbereich fällt in die Dialektgeographie, welche ein Teil der Dialektologie ist. Dabei geht es darum, die geographische Verteilung von linguistischen Merkmalen zu kartieren. Das für den deutschen Sprachraum einflussreichste Werk diese Disziplin ist das zwischen 1889 und 1923 entstandene „Sprachatlas des Deutschen Reichs“, welches bis heute in der Dialektforschung verwendet wird. Das Werk umfasst insgesamt 1.500 Karten, auf welcher dialektspezifische Laute und Formen eingezeichnet sind und umfasst 45.000 unterschiedliche Ortschaften in Deutschland. Auch mithilfe diesem kann man einzelne Wörter oder Laute bestimmten Regionen zuordnen und so die Herkunft eines Sprechers oder einer Sprecherin bestimmen.
Auch der Tagesanzeiger hat dafür eine Internetseite erstellt, bei der man anhand verschiedener Wörter, welche den gleichen Begriff beschreiben, seine Herkunft ermitteln kann. Das funktioniert zwar nicht mit vollständiger Korrektheit, doch kann man erkennen, wo welche Begriffe besonders verwendet werden. Dabei geht es über Deutschland hinaus und bezieht auch Österreich, Schweiz und Luxemburg mit ein. Während der Erarbeitung dieser Arbeit wurde die Internetseite von mehreren Personen getestet, wobei sich herausstellte, dass die Herkunftsbestimmung größtenteils richtig war und es nur einige, wenige falsche Bestimmung gab. Das ist zwar keineswegs repräsentativ, zeigt aber, dass eine Herkunftsbestimmung anhand von Sprache grundsätzlich möglich ist. Ein Beispiel aus dieser Umfrage ist die Bezeichnung für ein rundes, flaches, süßes Gericht aus einem Teig aus Eiern, Mehl und Milch. Einige Begriffe werden dabei Deutschlandweit verwendet wie beispielsweise 'Pfannkuchen'. 'Pannekuchen' ist dagegen nur im westlichen Teil Deutschlands und in München, Berlin und Salzburg zu finden. 'Plinse' hingegen im Osten Deutschlands, vor allem in Sachsen und Südbrandenburg. In Österreich sagt man dazu 'Palatschinken' und in Luxemburg 'Pengech´. Anhand dieses Beispiels kann man erkennen, dass einzelne Regionen andere Begriffe benutzen, um das Gleich zu beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Thematik von Dialekten im Alltag vor und formuliert die Forschungsfrage zur Herkunftsbestimmung von Personen mittels Dialekten und deren Nutzen für die forensische Linguistik.
2. Einführung in Dialekte: Definiert Dialekte als regional abgrenzbare Sprachsysteme, erläutert ihre Eigenschaften und das Spannungsverhältnis zur Standardsprache sowie ihre Unterteilung in Nieder-, Mittel- und Oberdeutsch.
3. Die deutsche Standardsprache: Beschreibt die historische Entwicklung der deutschen Standardsprache, ihre Vereinheitlichung durch Medien und die daraus resultierende Abwertung von Dialekten.
4. Unterschiede deutscher Dialekte: Beleuchtet die Auswirkungen der zweiten Lautverschiebung als entscheidenden Faktor für die Entstehung und Abgrenzung deutscher Dialekte und gibt einen kurzen Abriss ihrer fortlaufenden Entwicklung.
4.1 Auswirkungen der zweiten Lautverschiebung: Erklärt die Rolle der zweiten Lautverschiebung bei der Differenzierung deutscher Dialekte und deren Abgrenzung durch Isoglossen, insbesondere im Hinblick auf den Konsonantismus.
4.2 Kurzabriss der Entwicklung der Dialekte nach der zweiten Lautverschiebung: Beschreibt, wie sich Dialekte durch Faktoren wie Siedlungsgeschichte, Sprachkontakt, Urbanisierung und Mobilität stetig weiterentwickeln und zum Regiolekt führen.
5. Herkunftsbestimmung anhand einzelner Wörter: Erläutert, wie durch die Analyse lexikalischer Unterschiede in Dialekten, mithilfe von Sprachatlassen und spezifischen Wortbeispielen, die regionale Herkunft von Sprechern bestimmt werden kann.
6. Probleme bei der Herkunftsbestimmung: Diskutiert Herausforderungen wie die gesellschaftliche Abwertung von Dialekten, zunehmende Mobilität und Urbanisierung, die den Gebrauch und die eindeutige Zuordnung von Dialekten erschweren.
7. Nutzen für die forensische Linguistik: Zeigt auf, wie Dialekte trotz ihrer geringen Verschriftlichung und der aufgeführten Probleme dennoch zur Herkunftsbestimmung von Tätern in forensischen Fällen beitragen können, insbesondere bei unbeabsichtigten dialektalen Einflüssen in Schriftstücken.
8. Fazit: Fasst die Rolle der Dialekte für die Herkunftsbestimmung zusammen, betont ihre Bedeutung als kulturelles Erbe und erkennt die Komplexität und die Notwendigkeit einer kombinierten Analyse in der forensischen Linguistik.
Schlüsselwörter
Dialekte, Mundarten, forensische Linguistik, Herkunftsbestimmung, Sprachwissenschaft, Standardsprache, Lautverschiebung, Sprachgeographie, Isoglossen, Regiolekt, Linguistik, Varietät, Identität, Kulturelles Erbe, Sprachkontakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die regionale Herkunft einer Person anhand von Dialekten bestimmt werden kann und welchen Nutzen diese Methode für die forensische Linguistik hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Entwicklung deutscher Dialekte, die Rolle der deutschen Standardsprache, Methoden der Herkunftsbestimmung anhand sprachlicher Merkmale sowie die Herausforderungen und Anwendung dieser Methode in der forensischen Linguistik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwieweit man anhand von Dialekten die regionale Herkunft einer Person bestimmen kann und wie diese Erkenntnisse in der forensischen Linguistik genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine linguistische Analysemethode, die auf Dialektologie und Sprachgeographie basiert, um dialektale Merkmale zu identifizieren und deren geografische Verteilung zu kartieren, ergänzt durch die Untersuchung soziolinguistischer Faktoren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen Grundlagen von Dialekten und der deutschen Standardsprache erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Entstehung und Unterschiede deutscher Dialekte (insbesondere durch die zweite Lautverschiebung), der Herkunftsbestimmung anhand einzelner Wörter, sowie den Problemen und dem Nutzen dieser Methode für die forensische Linguistik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Dialekte, Mundarten, forensische Linguistik, Herkunftsbestimmung, Sprachwissenschaft, Standardsprache und Lautverschiebung charakterisiert.
Wie beeinflusst die zweite Lautverschiebung die deutschen Dialekte?
Die zweite Lautverschiebung ist essenziell für die deutschen Dialekte, da sie nur in Teilen des deutschen Sprachraums stattfand und maßgeblich zur regionalen Abgrenzung und Differenzierung der Dialektlandschaft in Nieder-, Mittel- und Oberdeutsch beigetragen hat.
Welche Rolle spielen einzelne Wörter bei der Herkunftsbestimmung?
Einzelne Wörter und ihre spezifischen regionalen Bezeichnungen können wertvolle Hinweise zur Herkunftsbestimmung geben. Durch dialektgeographische Kartierungen und Sprachatlas-Daten lassen sich lexikalische Unterschiede bestimmten Regionen zuordnen.
Welche Probleme erschweren die Herkunftsbestimmung durch Dialekte?
Probleme umfassen die gesellschaftliche Abwertung von Dialekten zugunsten der Standardsprache, die zunehmende Mobilität und Urbanisierung der Bevölkerung, die zu Sprachkontakt und Homogenisierung führt, sowie die begrenzte Verschriftlichung von Dialekten.
Können Dialekte bei der Aufklärung von Kriminalfällen helfen?
Ja, Dialekte können in der forensischen Linguistik nützlich sein, indem sie, besonders bei unbeabsichtigten dialektalen Einflüssen in schriftlichen Dokumenten wie Drohbriefen, Hinweise auf die regionale Herkunft eines Autors liefern und somit zur Aufklärung von Fällen beitragen.
- Arbeit zitieren
- Leonard Dürrwald (Autor:in), 2024, Dialekte und deren Nutzen für die Herkunftsbestimmung von Personen in Bezug auf die forensische Linguistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1675714