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Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem

Doppelt benachteiligt

Title: Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem

Term Paper , 2010 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carolin Bengelsdorf (Author)

Pedagogy - School System, Educational and School Politics
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Die Bildung stellt einen zentralen Aspekt für die Lebenschancen und Zukunftsperspektiven eines jeden Menschen dar. Das Bildungssystem hat durch die Vermittlung von Wissen und die Vergabe von Zertifikaten einen entscheidenden Einfluss auf die soziale Platzierung. Der Bildung wird in der modernen Wissensgesellschaft eine immense Bedeutung zugesprochen. Angesichts dessen wirken sich Unterschiede im Erwerb von Bildung für das ganze spätere Leben aus. Auch ist Bildung eine wichtige Variable, um die Integration von Migranten in Deutschland auf annähernd allen relevanten Bereichen des Lebens zu erklären. Jedoch widmete sich die sozialwissenschaftliche Forschung erst in den letzten Jahren intensiver dem Verbleib und der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Rahmen des deutschen Bildungssystems. Die Befunde dazu sind alarmierend: Migrantenkinder besuchen öfter eine Hauptschule und verlassen zahlreicher das Bildungs-system ohne einen Abschluss. Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien gehen drastisch häufiger auf Sonderschulen für Lernbehinderte als deutsche Schüler. Gleichzeitig besuchen deutlichen seltener Schüler mit einem Migrationshintergrund Realschulen oder Gymnasien und mehr als doppelt so viele Deutsche wie Migranten haben eine Fachhochschul- oder Hochschulausbildung. Somit liegt die Annahme nahe, dass diese Kinder und Jugendliche einer Benachteiligung im deutschen Bildungswesen ausgesetzt sind und vor allem schlechter gestellt sind. Im Unterschied zu den Ansätzen, die davon ausgehen, dass die Ursache für die Benachteiligung in Defiziten der Kinder mit Migrationshintergrund und ihrer Eltern gesucht werden, bietet der Ansatz der institutionellen Diskriminierung eine weitere Ebene. Bei diesem Konzept wird davon ausgegangen, dass Ungleichheit durch Gesetze, Institutionen und Organisationen mit ihren Regeln, Verfahren und kollektiven Deutungsmustern routinemäßig hergestellt wird. Dabei spielen die Entscheidungstragenden, die sogenannten ‚gate-keeper‘, die diese gestalten, vertreten und verteidigen, eine wichtige Rolle. Dabei entwickeln die Entscheidungstragenden bei der systematischen Herstellung dieser Art Benachteiligung kollektiv, aber auch individuell Diskurse der Legitimierung, welche die Ungleichheiten naturalisieren und/oder verwissenschaftlichen. Auf diese Weise kommt es zur Verfestigung und zur Reproduktion dieser Diskurse.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wer sind Migrantenkinder und -jugendliche?

3. Ein Zugang zur Bildungssituation in Deutschland

3.1. Der Stellenwert von Bildung in der modernen Wissensgesellschaft

3.2. Wie steht es um die Bildungssituation von Migrantenkinder und- jugendlichen?

4. Erklärungsansätze zur Ursache von Benachteiligung

5. Institutionelle Diskriminierung im Bildungssystem

5.1. Der Begriff der institutionellen Diskriminierung

5.2. Die Untersuchung von Diskriminierung in der Schule

5.3. Mechanismen institutionalisierter Diskriminierung in der Schule

6. Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem: doppelt benachteiligt

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die systematische Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund innerhalb des deutschen Bildungssystems. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit institutionelle Diskriminierungsmechanismen zu einer "doppelten Benachteiligung" führen und wie diese Prozesse, etwa bei der Schuleinschulung oder der Zuweisung zu Sonderschulformen, ablaufen.

  • Stellenwert von Bildung in der modernen Wissensgesellschaft
  • Empirische Daten zur Bildungssituation von Migrantenkindern
  • Konzepte zur Erklärung von Bildungsbenachteiligung
  • Analyse institutioneller Diskriminierung als zentrale Ursache
  • Mechanismen der Selektion im deutschen Schulalltag

Auszug aus dem Buch

Die kulturell-defizitäre Erklärung

Die kulturalistische Erklärung bezieht sich auf kulturelle Werte- und Deutungsmuster, um in Bezug auf den mangelnden Schulerfolg von Migrantenkinder in Deutschland die Ursache zu definieren. Dabei wird die Herkunft der Migranten aus vormodernen Gesellschaften als Anlass ausgemacht und die traditionellen Einstellungen zur Schule und zum Lernen besonders hervorgehoben. So argumentieren Grosch et al. (1990), dass türkische Migranten eine traditionelle Haltung dem Lernen und der Schule gegenüber hätten, entsprechend derer das Auswendiglernen und die absolute Autorität der Lehrer in allen Bereich des schulischen Betragens und Erfolges der Kinder selbstverständlich seien. Diese traditionelle Haltung steht entgegengesetzt zur modernen Haltung, so dass Migranteneltern Skepsis und Misstrauen gegenüber dem deutschen Schulsystem aufbauen. In einem solchen einheimischen Klima würden die Migrantenkinder entweder die ablehnende Einstellung der Eltern zur Schule nachahmen oder sie müssten sich unter Austragung eines Kultur- und Generationskonfliktes selbst platzieren. Somit bezieht sich dieser Erklärungsansatz auf die Muster der kulturellen Werte und Deutungen, die einer erfolgreichen Bildungslaufbahn von Zuwanderern möglicherweise entgegenstehen und ihr zufolge ist das Schulversagen als Folgeproblem der kulturellen Eingliederung durch kulturelle Distanz zu sehen, „vermittelt in der anderskulturellen Sozialisation gegenüber der Mehrheitsgesellschaft“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund ein und stellt das Konzept der institutionellen Diskriminierung als zentralen Erklärungsansatz vor.

2. Wer sind Migrantenkinder und -jugendliche?: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Migration und Migrationshintergrund erörtert, um die Zielgruppe der Arbeit wissenschaftlich einzugrenzen.

3. Ein Zugang zur Bildungssituation in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung und liefert einen Überblick über die empirisch nachweisbare schlechtere Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund.

4. Erklärungsansätze zur Ursache von Benachteiligung: Hier werden verschiedene theoretische Perspektiven vorgestellt, darunter kulturell-defizitäre, humankapitaltheoretische und institutionelle Ansätze zur Erklärung von Bildungsungleichheit.

5. Institutionelle Diskriminierung im Bildungssystem: Das Kapitel erläutert den theoretischen Begriff der institutionellen Diskriminierung und untersucht konkrete Mechanismen, durch die Schulen Benachteiligung produzieren.

6. Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem: doppelt benachteiligt: Eine Synthese, die aufzeigt, wie die fehlende Beherrschung des Hochdeutschen und das Fehlen eines bildungsbürgerlichen Habitus zu einer massiven doppelten Benachteiligung führen.

7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Abkehr von defizitorientierten Erklärungsmodellen hin zu einer Analyse der internen Selektionsmechanismen des Bildungssystems.

Schlüsselwörter

Bildungssystem, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, Bildungsbenachteiligung, Selektion, Schulerfolg, Chancengleichheit, Integration, Schulalltag, Sonderschule, Zweite Generation, Bildungsbiografie, Migrantenkinder, Bildungsselektion, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Ursachen für den häufig geringeren Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Neben dem Stellenwert von Bildung in der Wissensgesellschaft stehen theoretische Erklärungsmodelle für Bildungsungleichheit und das Phänomen der institutionellen Diskriminierung im Zentrum.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den Nachweis zu erbringen, dass nicht allein individuelle Defizite, sondern institutionelle Mechanismen der Schule für die "doppelte Benachteiligung" von Migrantenkindern verantwortlich sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?

Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung bestehender empirischer Bildungsstudien sowie soziologischer Theorien zur Diskriminierung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Bildungssituation, eine theoretische Diskussion verschiedener Erklärungsansätze und eine detaillierte Untersuchung institutioneller Diskriminierung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie institutionelle Diskriminierung, Bildungsselektion, Migrationshintergrund und Chancengleichheit charakterisieren.

Was bedeutet der Begriff "institutionelle Diskriminierung" in diesem Kontext konkret?

Er beschreibt Prozesse, bei denen Organisationen wie Schulen durch ihre festen Regeln, Routinen und Entscheidungspraktiken – oft unbeabsichtigt – Gruppen aufgrund ihrer Herkunft benachteiligen.

Wie trägt der Schulalltag zur "doppelten Benachteiligung" bei?

Durch Praktiken wie die Einschulung, Übergangsempfehlungen oder Zuweisungen zu Sonderschulen werden bestehende sprachliche oder soziale Nachteile durch das System eher zementiert als abgebaut.

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Details

Title
Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem
Subtitle
Doppelt benachteiligt
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Grade
1,0
Author
Carolin Bengelsdorf (Author)
Publication Year
2010
Pages
28
Catalog Number
V167609
ISBN (eBook)
9783640842322
ISBN (Book)
9783640842124
Language
German
Tags
migrantenkinder institutionelle diskriminierung Bildungssystem migrantenjugendliche Bildungssituation Wissensgesellschaft Benachteiligung Schule Bildung OECD Migrationshintergrund Migrant Jugendliche Kinder Eltern PISA kulturell-defizitäre Erklärung humankapitaltheoretische Erklärung Gomolla Minderheiten Diskriminierung Mechanismen institutionalisierter Diskriminierung Grundschule Sekundarstufe Hauptschule Realschule Gymnasium Migrantenfamilien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carolin Bengelsdorf (Author), 2010, Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167609
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