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Matronyme in der russischen Namensgebung

Titel: Matronyme in der russischen Namensgebung

Hausarbeit , 2022 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Maria Vlasova (Autor:in)

Russistik / Slavistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen dieser Arbeit werden die russischen Matronyme in den Blick genommen und zunächst aus historischer, dann rechtlicher und sprachlich-formaler Perspektive beleuchtet. Ziel dieser Arbeit ist es, die Gründe und Besonderheiten des Auftretens von Matronymen zu verdeutlichen und vergleichend zu dem Vorkommnis in anderen sprachlichen Systemen hervorzuheben. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede angerissen. Abschließend werden einige Überlegungen zur Implementierung und Relevanz von Matronymen in der russischen Namensgebung vorgestellt und im internationalen Vergleich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) eingebettet. Dann werden einige Vorschläge zu weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen von Matronymen formuliert. Es wird für Matronyme, im Sinne einer gleichberechtigen und gerechten Namensgebung in der russländischen Föderation plädiert, aber auch auf mögliche Gefahren und Bedenken hingewiesen.

Das russische Personennamensystem zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es obligatorisch aus drei Komponenten besteht: dem Vornamen, Vatersnamen (Patronym) und Familiennamen. Der sogenannte Vatersname hat in der russischen Namensgebung eine lange Tradition; an Schulen, in Krankenhäusern und generell bei respektablen und älteren Personen nimmt er eine besondere Rolle ein. Die sogenannten Matronyme, als Namen, die nach der Mutter einer Person vergeben werden, sind in den letzten Jahren stark in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fokus gerückt. Immer mehr Menschen, vor allem Mütter, wünschen sich für die Zweitnamenstellung ihres Kindes statt des Vatersnamens einen "Mutternamen".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • 1. Einleitung.
  • 2. Matronyme im Russischen.
    • 2.1 Ein historischer Überblick zu Matronymen im Russischen.
    • 2.2 Gesetzlicher Rahmen für matronymische Namensgebung in der russländischen Föderation
    • 2.3 Sprachlich-formale Beschreibung von Matronymen im Russischen.
  • 3. Matronyme in anderen Ländern
  • 4. Abschließende Bemerkungen zu Matronymen im internationalen Vergleich.
  • 5. Fazit und Ausblick
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Matronyme in der russischen Namensgebung. Ihr primäres Ziel ist es, die Gründe und Besonderheiten des Auftretens von Matronymen zu ergründen, deren historische Entwicklung, rechtliche Rahmenbedingungen und sprachlich-formale Eigenschaften zu beleuchten und sie in einem internationalen Vergleich hervorzuheben, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.

  • Historische Entwicklung und Vorkommen von Matronymen in Russland
  • Analyse des gesetzlichen Rahmens für die matronymische Namensgebung in der russländischen Föderation
  • Sprachlich-formale Beschreibung und Bildung von Matronymen im Russischen
  • Vergleichende Betrachtung von Matronymen in der russischen und anderen Sprachsystemen und Kulturen
  • Diskussion der gesellschaftlichen Relevanz und zukünftiger Forschungsansätze im Kontext moderner Genderverständnisse

Auszug aus dem Buch

2.1 Ein historischer Überblick zu Matronymen im Russischen

In der altostslavischen bzw. altrussischen Kultur gehörten überwiegend Patronyme, sogenannte Vatersnamen (rus. „očestvo), zur Norm in der Proprialisierung von Personen. Erste Aufzeichnungen zur Existenz von Vatersnamen gibt es bereits aus der Zeit vor der Christianisierung (945)¹. Dabei erfüllten Vatersnamen noch nicht dieselbe Funktion wie im modernen Verständnis (wie z.B. die Höflichkeitsfunktion), sondern dienten zunächst der Unterscheidung von Personen, die denselben Vornamen hatten. Personennamen wurden dann um das Suffix {-ič-} ergänzt, sodass Namen wie z.B. ,Andrej'>,Andreevič“ entstanden. Dabei erfüllten solche Namen die Funktion ähnlich zu unseren heutigen Familiennamen. Seit dem 13. Jahrhundert erhielten zunehmend Personen hohen Standes einen Vatersnamen, der als Ergänzung zum Vornamen verstanden wurde und deren Bildung sehr divers war (Safronov 2021: 83). In der Moskauer Rus' hatte der Vatersname im Gegensatz zu anderen Regionen die Funktion, den sozialen Status einer Person der Elite zu verdeutlichen. Diese Funktion behielt der Vatersname bis ins 19. Jahrhundert bei – manche WissenschaftlerInnen gehen auch davon aus, dass dies noch in der gegenwärtigen Zeit der Fall ist (Uspenskij 2022: 209f.).

Matronyme, die im Gegensatz zu Patronymen einen Bezug zur Mutter oder einem weiblichen Familienmitglied im Namen einer Person aufzeigen, sind sehr selten, traten jedoch vereinzelt auch in Zeiten der altrussischen Kultur auf. Matronyme wurden meistens dann vergeben, wenn es für relevant empfunden wurde und für das Erbrecht einer Person von Belangen war (vgl. Sičinava: Arzamas). Ein solcher Grund war häufig ein außereheliches Kind², das entsprechend nach der Mutter benannt wurde (ebd.). Die berühmteste Überlieferung ist die zum Fürsten Jaroslav Vladimirovič, der mit seiner Konkubine Nastas'ja ein Kind zeugte, das den Namen Oleg Nastas'ič (später galizischer Fürst, ca. 1130-1187) erhielt (ebd.).

Aber auch im Falle einer legitimen Ehe konnten Matronyme in der Namensgebung auftreten. So ist z.B. der jüngste Sohn des Fürsten Mstislav Velikij, der ebenfalls im 12. Jahrhundert lebte, nicht nur als Vladimir Mstislavič, sondern auch als Vladimir Mačešič (später Kiever Fürst, ca. 1132-1171) bekannt gewesen. Da er von der zweiten Ehefrau des damaligen Fürsten geboren worden war, hatte er nicht den gleichen Verwandtschaftsbezug zu seinen Geschwistern, stand diesen persönlich und politisch weniger nahe wie diese untereinander und erhielt deshalb das Matronym ,Mačešičʻ (rus. ,mačecha‘– dt. „Stiefmutter ‘3) (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Matronyme in der russischen Namensgebung ein und skizziert die historische, rechtliche und sprachlich-formale Perspektive, aus der die Arbeit das Phänomen beleuchtet.

2. Matronyme im Russischen: Dieses Hauptkapitel untersucht die russischen Matronyme detailliert, beginnend mit einem historischen Überblick, gefolgt von der Analyse des gesetzlichen Rahmens für die matronymische Namensgebung in der russländischen Föderation und einer sprachlich-formalen Beschreibung der Matronyme.

3. Matronyme in anderen Ländern: Das Kapitel vergleicht die Präsenz und Funktion von Matronymen in verschiedenen anderen Ländern und Kulturen, darunter Spanien, Island und skandinavische sowie arabische und anglo-sächsische/deutschsprachige Räume.

4. Abschließende Bemerkungen zu Matronymen im internationalen Vergleich: Hier werden die Ergebnisse im internationalen Kontext zusammenfassend bewertet, die gesellschaftliche Bedeutung von Parentonymen reflektiert und zukünftige Forschungsbedarfe identifiziert.

5. Fazit und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel fasst die historischen, rechtlichen und sprachlichen Erkenntnisse zu Matronymen zusammen und betont ihre wachsende gesellschaftliche und kulturelle Relevanz in der modernen russischen Namensgebung.

Schlüsselwörter

Matronyme, Patronyme, russische Namensgebung, Anthroponymik, Familienrecht, Parentonyme, altrussische Kultur, Namensforschung, soziale Reife, Geschlechterrollen, Sprachwissenschaft, Namensbildung, historischer Überblick, internationaler Vergleich, gesellschaftlicher Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Matronymen (Namen, die von der Mutter abgeleitet sind) im Kontext der russischen Namensgebung, deren historischen Entwicklung, rechtlichen Grundlagen und sprachlichen Besonderheiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die historische Entwicklung von Matronymen, der gesetzliche Rahmen in der russländischen Föderation, die sprachlich-formale Bildung von Matronymen im Russischen sowie ein internationaler Vergleich dieses Phänomens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Gründe und Besonderheiten des Auftretens von Matronymen zu verdeutlichen und diese im Vergleich zu anderen sprachlichen Systemen hervorzuheben, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine multi-perspektivische Methode, die historische, rechtliche, linguistische und vergleichende Ansätze kombiniert, um Matronyme tiefgehend zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt zunächst die Matronyme im Russischen, einschließlich ihres historischen Überblicks, des gesetzlichen Rahmens und ihrer sprachlich-formalen Beschreibung. Anschließend werden Matronyme in anderen Ländern vergleichend betrachtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Matronyme, Patronyme, russische Namensgebung, Anthroponymik, Familienrecht, Parentonyme, altrussische Kultur, Namensforschung, soziale Reife, Geschlechterrollen, Sprachwissenschaft, Namensbildung, historischer Überblick, internationaler Vergleich und gesellschaftlicher Diskurs.

Warum waren Matronyme in der altrussischen Kultur so selten?

Matronyme waren historisch selten und traten meist in speziellen Fällen auf, wie bei außerehelichen Kindern, wenn das Erbrecht der Mutter von Belang war, oder wenn die Mutter einen höheren sozialen Status oder eine besondere Bedeutung für das Kind hatte.

Wie flexibel ist die Bildung von Matronymen im Russischen sprachlich?

Die Bildung von russischen Matronymen weist eine bemerkenswerte Flexibilität auf, insbesondere in Bezug auf die Suffixe und die Anpassung femininer Vornamen an ursprünglich maskuline Formen, was die sprachliche Möglichkeit und Variation dieser Namensformen verdeutlicht.

Welche Herausforderungen bestehen bei der Implementierung von Matronymen in Russland heute?

Trotz gesetzlicher Spielräume führt der Wunsch nach matronymischer Namensgebung oft zu administrativem Widerstand, und die tatsächliche Durchsetzung hängt stark von der Hartnäckigkeit der Antragstellenden und der Interpretation der Sachbearbeiter ab.

Welche besonderen Funktionen erfüllen Parentonyme (Vaters- und Mutternamen) im Russischen im Vergleich zu anderen Kulturen?

Im Russischen erfüllen Parentonyme oft eine implizite Statusfunktion und dienen als Ausdruck von Respekt und hierarchischen Verhältnissen, beispielsweise in Bildungseinrichtungen, was in vielen anderen Kulturen, wo Parentonyme lediglich auf die Abstammung verweisen, nicht der Fall ist.

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Details

Titel
Matronyme in der russischen Namensgebung
Hochschule
Universität Hamburg  (Slavistik)
Note
1,0
Autor
Maria Vlasova (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
18
Katalognummer
V1676123
ISBN (PDF)
9783389174364
ISBN (Buch)
9783389174371
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slavistik Russland Sprachen Matronyme
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maria Vlasova (Autor:in), 2022, Matronyme in der russischen Namensgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676123
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Leseprobe aus  18  Seiten
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