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Sprachbiografische Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung

Die Bedeutung für den Russischunterricht im Kontext des aktuellen Krieges in der Ukraine

Titel: Sprachbiografische Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung

Hausarbeit , 2022 , 17 Seiten

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sprachbiografien ermöglichen einen Zugang zu den sprachlichen Ressourcen eines Individuums. Damit verbunden sind bestimmte Empfindungen, also Gefühle und Emotionen, die unter dem sogenannten Spracherleben subsummiert werden. Das Konzept von Sprachbiografien wird sowohl in der Forschung als auch in der Schule genutzt, um Mehrsprachigkeit als solche sichtbar zu machen und zu stärken. Die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit im Kontext von Flucht und Migration sowie die Bedeutung von Sprache im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen ist ein junges, aber bereits etabliertes interdisziplinäres Forschungsfeld. Dabei werden oftmals sprachbiografische Elemente hinzugezogen und nutzbar gemacht. Der Bezug zur Fluchtbewegung von UkrainerInnen, die aktuell in das deutsche Schulsystem integriert werden, fehlt allerdings bislang noch. Auch im Zusammenhang mit dem Russischunterricht in Deutschland, an dem zunehmend mehr ukrainisch-sprachige Kinder teilnehmen, ist ein Bewusstsein und rücksichtsvoller Umgang notwendig.

Im Kontext dieser Arbeit sollen daher Überlegungen und Implikationen der sprachbiografischen Ansätze in Bezug auf die Bedeutung des Ukraine-Krieges und damit dem Zuwachs an ukrainisch-sprachigen Kindern für den Russischunterricht reflektiert werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die Aufmerksamkeit auf den Russischunterricht im deutschsprachigen Raum zu legen und auf mögliche Implikationen für den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht, unter Berücksichtigung individueller Sprachbiografien und traumatischer Erlebnisse, hinzuweisen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Zum sprachbiografischen Ansatz und seinen Implikationen
    • 2.1 Zugänge zum sprachlichen Repertoire im sprachbiografischen Ansatz
    • 2.2 Forschungsstand zu Sprachbiografien in der Mehrsprachigkeitsforschung
    • 2.3 Vorteile und Wirksamkeit für den (Fremdsprachen-)Unterricht
  • 3. Traumatische Erlebnisse und deren Folgen für das Spracherleben
    • 3.1 Bedeutung sprachbiografischer Methoden im Kontext traumatischer Erlebnisse
    • 3.2 Umsetzung im (fremdsprachlichen) Russischunterricht unter Berücksichtigung traumatischer Erlebnisse und weitere Überlegungen für die eigene Schulpraxis
  • 4. Zusammenfassung der Ergebnisse
  • 5. Fazit und Ausblick
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit reflektiert Überlegungen und Implikationen sprachbiografischer Ansätze in Bezug auf die Bedeutung des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Zuwachs an ukrainisch-sprachigen Kindern für den Russischunterricht. Das primäre Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf den Russischunterricht im deutschsprachigen Raum zu lenken und auf mögliche Implikationen für den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht, unter Berücksichtigung individueller Sprachbiografien und traumatischer Erlebnisse, hinzuweisen.

  • Vorstellung des theoretischen Konzepts des sprachbiografischen Ansatzes und Klärung grundlegender Begriffe.
  • Darstellung sprachbiografischer Methoden, die in Forschung und Schule genutzt werden.
  • Überblick über den aktuellen Forschungsstand sprachbiografischer Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung und deren Vorteile für den Unterricht.
  • Fokus auf das Spracherleben im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen und Vorstellung zentraler Forschungsergebnisse.
  • Übertragung der Grundlagen auf den Fremdsprachenunterricht (Russischunterricht) und Reflexion der Umsetzung in Bezug auf Mehrsprachigkeit, Sprachbiografie, Spracherleben und Trauma.
  • Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsarbeiten.

Auszug aus dem Buch

Traumatische Erlebnisse und deren Folgen für das Spracherleben

Brigitta Busch hat im Kontext der Mehrsprachigkeitsforschung in ihren sprachbiografischen Untersuchungen außerdem die Bedeutung von Verlust und Trauma für das individuelle Spracherleben betont. Ihr zufolge begünstigen traumatische Erlebnisse (z.B. durch Flucht, Migration usw.) den sogenannten Sprachwechsel bzw. Sprachverlust und beeinflussen das damit verbundene Spracherleben. Sie führt dabei unterschiedliche Beispiele an, die sich beispielsweise auf Überlebende des Holocaust oder Menschen, die während der NS-Zeit im Exil lebten, beziehen und die sich von ihrer Erstsprache distanziert oder in der neuen Umgebung an ihr festgehalten haben (Busch 2021: 71). Menschen, die von Sprachwechsel oder -verlust betroffen sind, sind laut Busch oft auch Opfer von Gewalt und Diskriminierung. In diesem Zusammenhang wird die Verbindung von Sprache, Identität und Erfahrungen besonders deutlich (ebd.).

Die Autorin betont außerdem die negativen Auswirkungen, die z.B. bestimmte Sprachpolitiken auf das psychische und sprachliche Erleben haben (Busch 2021: 73). Durch das Untersuchen zahlreicher Sprachbiografien, in denen ein erzwungener Sprachwechsel zum Ausdruck kommt, konnte auf dadurch entstandene Sprachstörungen im Verlauf der Sprachbiografie geschlossen werden (Busch 2021: 70). In diesem Kontext lässt sich außerdem festhalten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Aufgeben bzw. dem Verlust einer Sprache und „dem Grad der persönlich erlebten, unmittelbaren Bedrohung“ bestünde (Busch 2021: 72). Je bedrohlicher und traumatischer ein Erlebnis für das Individuum also ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass es zu einem Sprachwechsel bzw. Sprachverlust kommt. Sprachwechsel oder -aufgabe sind dabei nicht „primär durch mangelnde Gelegenheit, die Sprache zu benutzen, sondern durch emotionale Faktoren und den Bruch mit früheren Identitätspositionen“ bedingt (ebd.).

Der Sprachwechsel bzw. die Sprachaufgabe werden von vielen Betroffenen als Verlust wahrgenommen, der mit negativen Gefühlen verbunden ist (Busch 2021: 74). Dabei können beispielsweise migrationsbedingte traumatische Erfahrungen „Auslöser verschiedener Ängste und psychosomatischer Erkrankungen werden“ (Busch 2021: 76). So beschreiben viele Betroffene ihre Erfahrungen in Bezug auf die Erstsprache in der neuen sprachlichen Umgebung, dass sie wie „der Fremde in sich, wie eine geheime Gruft oder wie ein behindertes Kind [...]" sei (ebd.). TraumapatientInnen, so Busch, greifen deshalb oft auf eine andere als ihre Erstsprache zurück oder es werden bei der Verwendung der Erstsprache, mit der ein schmerzliches Erlebnis verbunden wird, gravierende Symptome hervorgerufen, insbesondere, durch einen langanhaltenden Sprachwechsel bzw. Sprachverlust (Busch 2010: 29).

Busch plädiert jedoch darauf, dass das sprachliche Repertoire im Kontext sprachbiografischer Auseinandersetzungen „Ressourcen bereithalten [kann], die helfen können, innere Abwehrkräfte zu stärken“ (Busch 2021: 77) und somit Sprachwechsel bzw. Sprachverlust vorzubeugen bzw. nachhaltig entgegenzuwirken, um schließlich zur eigenen Sprachlichkeit zurückzufinden (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Sprachbiografien und deren Bedeutung in der Mehrsprachigkeitsforschung ein, insbesondere im Kontext des Russischunterrichts angesichts des Ukraine-Krieges und ukrainisch-sprachiger Kinder.

2. Zum sprachbiografischen Ansatz und seinen Implikationen: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des Sprachenrepertoires und des Spracherlebens, stellt sprachbiografische Methoden vor und beleuchtet deren Vorteile und den Forschungsstand für den Fremdsprachenunterricht.

3. Traumatische Erlebnisse und deren Folgen für das Spracherleben: Hier wird die Auswirkung traumatischer Erlebnisse auf das individuelle Spracherleben, Sprachwechsel und Sprachverlust diskutiert und die Relevanz sprachbiografischer Methoden in diesem sensiblen Kontext hervorgehoben.

4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung von Sprachbiografien als Instrument zur Sichtbarmachung sprachlicher Ressourcen und die Notwendigkeit traumasensibler Ansätze im Unterricht.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit, traumatische Erlebnisse im schulischen Kontext zu berücksichtigen, fordert eine stärkere Diskussion der Rolle des Russischunterrichts und identifiziert Forschungsbedarf zu Spracherleben Geflüchteter und der Wirksamkeit sprachbiografischer Arbeit.

Schlüsselwörter

Sprachbiografie, Mehrsprachigkeit, Russischunterricht, Ukraine-Krieg, Trauma, Spracherleben, Sprachverlust, Sprachenporträt, Fremdsprachendidaktik, Sprachbewusstheit, Identität, Flucht, Migration, Lehrkräftebildung, Sprachpolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Bedeutung sprachbiografischer Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung und deren Relevanz für den Russischunterricht, insbesondere im Kontext des aktuellen Krieges in der Ukraine und dem Zuzug ukrainisch-sprachiger Kinder.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind das Konzept des Sprachenrepertoires und des Spracherlebens, die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse auf die Sprache, sprachbiografische Methoden wie das Sprachenporträt, sowie deren Anwendung und Implikationen für den fremdsprachlichen Russischunterricht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf den Russischunterricht im deutschsprachigen Raum zu lenken und auf mögliche Implikationen für den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht, unter Berücksichtigung individueller Sprachbiografien und traumatischer Erlebnisse, hinzuweisen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit sprachbiografischen Ansätzen und einem methodischen Überblick über deren Anwendung in Forschung und Praxis, wie beispielsweise das Sprachenporträt und narrative Interviews, ohne eine eigene empirische Studie durchzuführen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt das theoretische Konzept des sprachbiografischen Ansatzes, seine Implikationen, den Forschungsstand sowie die Vorteile für den Fremdsprachenunterricht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Spracherleben im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen und dessen Umsetzung im Russischunterricht unter Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit und Trauma.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Sprachbiografie, Mehrsprachigkeit, Russischunterricht, Ukraine-Krieg, Trauma, Spracherleben, Sprachverlust, Sprachenporträt, Fremdsprachendidaktik und Sprachbewusstheit charakterisiert.

Wie können Lehrkräfte auf traumasensible Inhalte im Russischunterricht reagieren?

Lehrkräfte sollten auf traumasensible Inhalte achten und benötigen dafür eine Professionalisierung, um entsprechende Kompetenzen im Umgang mit belasteten Kindern zu entwickeln. Der Einsatz von sprachbiografischen Methoden wie dem Sprachenporträt kann dabei helfen, sprachliche Ressourcen sichtbar zu machen und Lernhemmnissen entgegenzuwirken.

Welche Rolle spielt das „Sprachenporträt“ in der Arbeit mit traumatisierten SchülerInnen?

Das Sprachenporträt dient als ein Instrument, um die subjektive, emotionale Färbung und das leibliche Erleben von Sprache sichtbar zu machen. Es kann biografische Elemente und emotionale Zusammenhänge aufdecken, den Selbstwert stärken und einen positiven Einfluss auf den Spracherwerb des Aufnahmelandes haben.

Inwiefern beeinflusst der Krieg in der Ukraine die Einstellung zum Russischen bei ukrainisch-sprachigen Kindern?

Durch den Krieg in der Ukraine kann es bei ukrainisch-sprachigen Kindern zu zunehmend negativen Einstellungen bis hin zu einem radikalen Verzicht auf die Verwendung des Russischen kommen, was sich als Sprachwechsel- oder Sprachverlustphänomen äußert und das Sprachenlernen beeinträchtigt.

Warum ist die Professionalisierung von Lehrkräften im Umgang mit traumatisierten Kindern so wichtig?

Die Professionalisierung von Lehrkräften ist entscheidend, da sie Kompetenzen im traumasensiblen Umgang vermittelt. Dies ermöglicht es, traumasensible Inhalte im Unterricht zu berücksichtigen, Sprachverzicht und traumatische Erfahrungen adäquat zu thematisieren und somit die Lernenden besser zu unterstützen.

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Details

Titel
Sprachbiografische Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung
Untertitel
Die Bedeutung für den Russischunterricht im Kontext des aktuellen Krieges in der Ukraine
Hochschule
Universität Hamburg  (Erziehungswissenschaft)
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
17
Katalognummer
V1676128
ISBN (PDF)
9783389174340
ISBN (Buch)
9783389174357
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache Russland Mehrsprachigkeit Sprachbiographie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Sprachbiografische Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676128
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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