Ist Fleischkonsum im 20.Jahrhundert aus utilitaristischer Sicht gerechtfertigt?


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bewusstes Leben
2.1 Sind sich Tiere ihrer selbst bewusst?
2.2 Erfordert Denken eine Sprache?
2.3 Das Lustempfinden von Tieren

3. Fleischkonsum aus gesundheitlichen Grunden
3.1 Lebenserwartung im Zusammenhang mit Fleischkonsum
3.2 Auswirkungen von Tierprodukten auf den menschlichen Organismus

4. Fleischkonsum im 20. Jahrhundert und seine Auswirkungen auf die Ernahrungslage der Weltbevolkerung
4.1 Fleischkonsum als verschwenderischer Lebensstil
4.2 Unterernahrung im Zusammenhang mit Fleischkonsum

5. Fazit und Ausblick

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, ob es aus utilitaristischer Sicht im 20. Jahrhundert gerechtfertigt ist Fleisch und Tierprodukte zu konsumieren.

Im ersten Teil soil festgestellt werden, ob Tiere vernunftbegabt und selbstbewusst sind und ob sie, wenn diese Frage bejaht werden kann, als Personen bezeichnet werden konnen. Sollten Tiere als Personen bezeichnet werden konnen, die mit einem Bewusstsein ihrer selbst ausgestattet sind und ein Gefuhl von Vergangenheit und Zukunft besitzen, so sind sie als Wesen zu bezeichnen, die durchaus ein lustvolles Leben fuhren. Auf dieser Basis ware es utilitaristisch unrecht, ein solches lustvolles Leben aus minderwichtigen Grunden; wie zum Beispiel die des Verzehrs, zu beenden.

Im zweiten Teil wird eine Verbindung zwischen Fleischkonsum und Gesundheit geschaffen. Es soll auf der Grundlage von verschiedenen Forschungen und Studien dargestellt werden, ob der Verzehr von Fleisch und Tierprodukten fur den Menschen lebensnotwendig ist oder ob sich der Bedarf des Menschen an Nahrung auch anders decken lasst. Viele Studien sprechen sogar dafur, dass der Konsum von Fleisch die Entstehung von bestimmten Krankheiten hervorruft. Da Krankheit im Allgemeinen die Lust am Leben mindert und die heute verbreiteten Krankheiten wie Krebs und Arteriosklerose sehr viele Menschenleben fordern und die Glucksmenge der gesamten Menschheit durch sie eindeutig verringert wird, ist es aus utilitaristischer Sicht wichtig, dieser Frage nachzugehen, .

Im dritten Teil der vorliegenden Hausarbeit werden die Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Ernahrungslage der gesamten Welt betrachtet. Angesichts der Unterernahrung und der Nahrungsmittelknappheit, die sich hauptsachlich in den Entwicklungslandern finden lassen, soll die Ernahrungsweise der industriellen Nationen kritisch betrachtet werden. Utilitaristisch gesehen ist es wichtig; einen Blick auf Unterernahrung und Hungersnote zu werfen, da das grundlegende physiologische Bedurfnis des Menschen immer an erster Stelle eines glucklichen und lustvollen Lebens steht und das Leben eines Menschen mafigeblich beeinflusst.

Im abschliefienden Fazit dieser Hausarbeit werden die Ergebnisse aus den drei dargestellten Teilen kritisch betrachtet und in Verbindung mit einer utilitaristischen Lebensweise gebracht.

2. Bewusstes Leben

In diesem Abschnitt wird der Frage nachgegangen, ob nicht menschliche Tiere vemunftbegabt und selbstbewusst sind und ob sie sich ihrer selbst als abgegrenztes Individuum mit einem Gefuhl von Zukunft und Vergangenheit bewusst sind. Auf der Basis der Beantwortung dieser Frage soll festgestellt werden, ob es aus utilitaristischer Sicht unrecht ist, ein Tier zu toten.

2.1 Sind sich Tiere ihrer selbst bewusst?

Die erste Frage, die sich stellt ist, ob Tiere selbstbewusst sind. Aus Versuchen mit Menschenaffen geht hervor, dass zumindest einige Tiere eine bewusste Vorstellung ihrer selbstbesitzen (vgl. Singer (1994), S. 148-153).

In besagten Versuchen wurde den Menschenaffen, in diesem Fall Gorillas, die amerikanische Gebardensprache beigebracht, mit der sie sich mit ihren Pflegern verstandigen konnten. In einer dieser Versuchsreihen wurde einem Gorilla namens „Chantek“ ein Foto eines anderen Gorillas gezeigt, der mit einem Finger auf seine Nase zeigte. „Chantek“ ahmte die Gebarde des Gorillas auf dem Foto nach und zeigte ebenfalls auf seine Nase. Diese Reaktion von „Chantek“ bedeutet, dass er eine Vorstellung seines eigenen Korpers besitzt und fahig ist, diese Vorstellung aus der zweidimensionalen Ebene zu ubertragen, so dass es ihm gelingt die notwendige Korperhandlung auszufuhren (ebd., S. 149).

Auch sind Menschenaffen fahig Zeichen zu verwenden, um sich auf vergangene oder zukunftige Ereignisse zu beziehen, wodurch sich zeigt, dass sie uber ein Zeitgefuhl verfugen. Dies wurde deutlich, als ein Schimpanse mittels der Gebardensprache an Weihnachten fragte, wo denn der Weihnachtsbaum sei. Das Forscherteam hatte alle Jahre zuvor zur selben Zeit den Baum aufgestellt und als es in besagtem Jahr anfing zu schneien und der Baum noch nicht aufgestellt worden war, fragte der Schimpanse nach ihm. Aus dieser Begebenheit lasst sich schliefien, dass Menschenaffen ein Gefuhl fur die Zeit besitzen.

Auch das Menschenaffen uber ein Selbstbewusstsein verfugen, kann anhand von einem Beispiel bewiesen werden. Bei einer Schimpansin namens „Washoe“ wurde beobachtet, dass sie, wenn man ihr einen Spiegel vorhielt und sie fragte wer die gezeigte Gestalt im Spiegel sei, antwortete: „Ich, Washoe.“ (ebd., S. 148).

Lasst sich aufgrund dieser Beweise darauf schliefien, dass die Zeichensprache verwendenden Menschenaffen selbstbewusste Wesen sind? Bejaht man diese Frage, so stellt sich die weitere Frage, ob sie eine Ausnahme unter den Tieren darstellen, oder ob die Zeichensprache sie blofi in die Lage versetzt, den Menschen Eigenschaften aufzuzeigen, die sie und andere Tiere schon lange besitzen (ebd., S. 150).

2.2 Erfordert Denken eine Sprache?

Einige Philosophen, so zum Beispiel Stuart Hampshire und Michael Leahy, behaupten, dass Denken Sprache erfordert, dass es nicht moglich ist zu denken, ohne seine Gedanken in Worte fassen zu konnen. Leahy behauptet weiter, dass Tiere, da ihnen die Sprache fehle, auch keine Absichten haben oder aus bestimmten Grunden handeln konnen (vgl. Singer (1994), S. 151). Nimmt man nun an, dass kein Wesen ohne Sprache eine Person sein kann, dann folgt daraus logisch, dass neben den Tieren, die keine den Menschen verstandliche Zeichensprache verwenden, auchjunge Menschen keine Personen sein konnen.

Es ist jedoch, wie Peter Singer bemerkt, ,,[...] uberhaupt nichts Unbegreifliches an einem Wesen, das die Fahigkeit zum begrifflichen Denken besitzt, ohne eine Sprache zu haben; [...]“(ebd., S. 152). Denn aus weiteren Versuchsreihen geht hervor, dass auch Menschenaffen, die der Zeichensprache nicht fahig sind, in Begriffen denken konnen. Einer Schimpansin namens „Julia“ wurde eine komplizierte Aufgabe gestellt, in der sie die Fahigkeit bewies, Verhaltnisse zwischen Dingen zu erkennen und zu schlussfolgern (ebd., S. 152-153). Da die Schimpansin uber keine Sprachform verfugte, beweist ihr Verhalten, dass es Wesen ohne Sprache gibt, die komplexe Denkvorgange bewaltigen konnen.

Die beschriebenen Versuche weisen also darauf hin, dass Tiere sowohl ein Gedachtnis fur Vergangenes als auch Erwartungen fur die Zukunft besitzen, uber ein Selbstbewusstsein verfugen, Absichten hegen und dementsprechend zu handeln imstande sind.

2.3 Das Lustempfinden von Tieren

Verfugen nichtmenschliche Tiere uber besagte Fahigkeiten, so sind sie dazu imstande, Lust zu empfinden. Ein Wesen kann jedoch offensichtlich keine Lust empfinden, wenn es tot ist. Aufgrund dessen ist es laut Singer unrecht, ein Wesen zu toten, wenn es in seinem zukunftigen Leben Lust empfinden wird. Versucht man nun den Wert verschiedener Lebewesen zu vergleichen, so wird man feststellen, dass dies nicht ohne weiteres moglich ist, da ein Mensch zum Beispiel nicht wissen kann, zu welcher Art von Lust, quantitativ und qualitativ, z.B. eine Maus fahig ist. Laut Singer verhalt es sich folgendermafien:

„Statt dessen, so heifit es, sollen wir erkennen, dafi jedes Leben vom Standpunkt der je verschiedenen Wesen selbst gleichen Wert hat. Es mag wohl stimmen, dafi das Leben einer Person ein Philosophiestudium einschliefien kann, wahrend das bei einer Mans nicht moglich ist; aber die Freuden eines Mauselebens sind alles, was eine Mans hat, und es ist anzunehmen, dafi sie der Maus ebensoviel bedeuten wie die Freuden im Leben einer Person dieser Person bedeuten. Wir konnen nicht sagen, das eine sei mehr oder weniger wert als das andere.“ (Singer (1994), S. 142)

Gegen die Totung nichtmenschlicher Tiere sprechen aus utilitaristischer Sicht auch andere Grande. Die Verbindung zwischen Mutter und Kind bei Saugetieren soil hier als Beispiel angefuhrt werden. Wird einer Mutterkuh ihr Kalb weggenommen, damit die Milch fur den Menschen verfugbar wird, so rufen die Mutter noch tagelang klaglich nach ihren Kalbern. Bei anderen Tieren kann ein solcher Verlust sogar den Tod bedeuten.; Nicht abstreitbar istjedoch die Tatsache, dass dieser Verlust Schmerz und ein Gefuhl von Leid hervorruft. Bei vielen Vogelarten verhalt es sich ahnlich, wenn der Partner stirbt, da viele Vogel eine lebenslange Bindung zu ihrem Partner haben (ebd., S. 159).

Fur einen Utilitaristen sind dies Grande, das Toten von Tieren abzulehnen, wobei es unerheblich ist, ob es als Person bezeichnet wird oder nicht.

Daraus lasst sich schliefien, dass es unrecht ist, Tiere zu toten um sie zu essen, da die Moglichkeit besteht, dass sie noch Monate oder Jahre eines lustvollen Lebens vor sich haben. Des Weiteren lasst sich das Vergnugen, das der Mensch beim Verzehr von Fleisch empfindet, nicht gegen ein monate- oderjahrelanges lustvolles Leben aufwiegen.

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Details

Titel
Ist Fleischkonsum im 20.Jahrhundert aus utilitaristischer Sicht gerechtfertigt?
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Proseminar - Praktische Philosophie - Utilitarismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V167645
ISBN (Buch)
9783640842650
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fleischkonsum, jahrhundert, sicht
Arbeit zitieren
Jana Terpelle (Autor), 2010, Ist Fleischkonsum im 20.Jahrhundert aus utilitaristischer Sicht gerechtfertigt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167645

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