Die Arbeit beschäftigt sich mit der französischen Jesuitenmission bei den Huronen in Québec um 1634.
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Berichte der beiden ausgewählten Missionare präzise zu analysieren und dabei die „europäisch-christliche Brille“ so weit wie möglich abzulegen. Dadurch soll einerseits sichtbar werden, welche Aspekte der Lebensweise der „indigenen Gemeinschaften“ Neu-Frankreichs ohne diese möglicherweise verzerrende Perspektive erkennbar bleiben. Andererseits wird so ermöglicht, genau diese „Brille“ selbst in ihrer Wirkung zu reflektieren. Eventuell auftretende Veränderungsprozesse und Entwicklungen in der Sichtweise auf die indigenen Gastgeber sollen dabei speziell in den Blick genommen werden. Hierzu soll zuerst ein kurzer Überblick über die Jesuiten-Mission und ihre Berichterstattung, sowie über die damals in Neu-Frankreich lebenden indigenen Völker gegeben werden. Im Anschluss soll sich dann, nach einer kurzen Vorbemerkung, den beiden Patres und ihren Berichten gewidmet werden, indem an eine knappe Schilderung ihrer Missionstätigkeit eine genauere Analyse von Berichtausschnitten anknüpft. Am Ende sollen, im Zuge eines Fazits, die Ergebnisse beider Untersuchungen nochmals gegenübergestellt werden, nicht zuletzt um etwaige Unterschiede in den Sichtweisen der beiden Patres hervorzuheben, schließlich gibt es weder „die indigenen Gemeinschaften“, noch „die Missionare“ oder „die Jesuiten“ schlechthin, es gibt nur Menschen.
Hinweis: In dieser Arbeit erscheinen historische Fremdbezeichnungen wie "Indianer", die in den zeitgenössischen Quellen verwendet wurden. Sie werden ausschließlich zur Wiedergabe der Originalterminologie genutzt und spiegeln nicht den heutigen Sprachgebrauch wider.
Inhaltsverzeichnis
- I. Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam (S. 1-2)
- II. Leben unter Indianern (S. 2-25)
- II. I. Die Jesuiten-Mission in Nouvelle-France und ihre Berichterstattung (S. 2-5)
- II. II. Die „Indianerstämme“ Neu-Frankreichs (S. 5-7)
- II. III. Vorbemerkungen zur Untersuchung (S. 8-10)
- II. IV. Paul Le Jeune (S. 10-25)
- II. IV. I. Ankunft - Relation von 1632 (S. 11-13)
- II. IV. II. Annäherung – Relation von 1633 (S. 13-19)
- II. IV. III. Anpassung – Relation von 1634 (S. 19-25)
- III. Zwei Missionare (S. 25-26)
- IV. Anhang (S. 26-27)
- V. Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 28-30)
- V. I. Quellenverzeichnis (S. 28-29)
- V. II. Literaturverzeichnis (S. 30)
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Untersuchung der Berichte des Jesuitenpaters Paul Le Jeune aus dem 17. Jahrhundert. Das Hauptziel ist es, die „europäisch-christliche Brille“ des Missionars kritisch zu beleuchten, um sowohl die Lebensweise der nordamerikanischen Ureinwohner in Neu-Frankreich zu rekonstruieren als auch die Entwicklung von Le Jeunes eigener Perspektive und die daraus resultierenden Kulturkontakte zu analysieren.
- Analyse der Missionsberichte von Paul Le Jeune (1632-1634).
- Erforschung des Kulturkontakts zwischen französischen Jesuiten und indianischen Völkern in Neu-Frankreich.
- Kritische Betrachtung der europäischen und indigenen Sichtweisen im 17. Jahrhundert.
- Untersuchung der jesuitischen Missionsstrategien und ihrer Anpassung.
- Darstellung der Lebensweise der Montagnais und Huronen aus Missionsperspektive.
- Quellenkritische Bewertung der "Jesuit Relations" als ethnographische Quelle.
Auszug aus dem Buch
II. III. Vorbemerkungen zur Untersuchung
Vorab sollte man sich nochmals eine ungemein wichtige Frage stellen, die am Horizont der Jesuiten, aufgrund ihrer religiösen und missionarischen Überzeugungen, offenbar nie erschien: Weshalb lassen „die Indianer“ überhaupt zu, dass europäische Missionare unter ihnen leben und dabei ihre althergebrachten Traditionen in Frage stellen und damit gefährden?
Dies führte ja häufig zu Konflikten mit den zum Teil sehr angesehenen Schamanen oder Medizinmännern. Auch die Feststellung „der Indianer“, Kontakt zu Europäern könne zu gefährlichen Epidemien führen, spricht dagegen, Missionare bei sich wohnen zu lassen.
Die Jesuiten sprechen in ihren Berichten generell von einer besonders großen Gastfreundlichkeit „der Indianer", die jene traditionell über alles achten. Das mag durchaus stimmen, trotzdem muss dies nicht automatisch auch für die „fremden Europäer“ gelten. Es gibt durchaus Gegenbeispiele, wie etwa der Tod des bekannten „Coureur des Bois“ Étienne Brûlé (1592-1632) zeigt, ein Mann den Samuel de Champlain 1608 als „Scout“ oder Handelsagenten zu „den Huronen“ geschickt hatte, wo er ihre Sprache lernte und seitdem zeitweise „nach indianischen Gepflogenheiten“ in der Wildnis lebte. Er wurde 1632 in Toanché, höchstwahrscheinlich von seinen indianischen „Gastgebern“, getötet. Warum?
Anton Quack bietet einen äußerst interessanten Erklärungsanstoß, den er selbst zwar nur auf die ungünstig agierenden Franziskaner-Rekollekten bezieht, den man jedoch auch auf die Waldläufer und Jesuiten-Missionare anwenden kann und stets „im Hinterkopf behalten“ sollte: „Interkulturelle Missverständnisse [...] häuften sich; offenbar duldeten die Huronen ihrerseits die Missionare nur, weil sie den Pelzhandel mit den Franzosen nicht gefährden wollten.“
Dass der Handel mit den Franzosen für „die Indianer“ in Nord-Frankreich eine immense Rolle spielte, geht auch aus zahlreichen Jesuiten-Berichten hervor. Prinzipiell erscheint es ohnehin logisch, dass das Einhandeln europäischer Güter, die großteils „überlegen“ und vor allem deshalb sehr wertvoll waren, weil sie (noch) nicht selbst hergestellt werden konnten, als sehr lukrativ empfunden wurde. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich nicht direkt negativ auf den Handel ausgewirkt hätte, Missionare abzulehnen, ist umgekehrt fast sicher, dass die gastfreundliche Aufnahme von Agenten und Missionaren, sowie die damit einhergehenden engen und „guten“ Beziehungen den Handel für „die Huronen“ begünstigte, was auch die verschiedenen Haltungen erklären würde, mit denen verschiedene Gesellschaftsgruppen den Europäern, gemäß den Berichten der Jesuiten begegneten. Gerade Häuptlinge und „reiche Huronen“, die mutmaßlich an langfristigem Wohlstand durch den Handel interessiert waren, zeigten sich den Jesuiten, sowie dem christlichen Glauben gegenüber am meisten aufgeschlossen und wetteiferten geradezu darum, Missionare bei sich aufzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam: Dieses Kapitel führt in die Arbeit ein und erörtert die "zivilisatorische Arroganz" europäischer Zeitgenossen gegenüber den Ureinwohnern Nordamerikas, insbesondere im Kontext der Motivationen der Jesuitenmission.
II. Leben unter Indianern: Dieser Hauptteil analysiert den Kulturkontakt und die Lebensweise der Indianer Neu-Frankreichs aus der Perspektive der Jesuitenberichte.
II. I. Die Jesuiten-Mission in Nouvelle-France und ihre Berichterstattung: Hier wird ein Überblick über die Anfänge der Jesuitenmission in Neu-Frankreich, ihre Ausbreitung und die strategische Bedeutung ihrer jährlichen Berichte, der "Relations", gegeben.
II. II. Die „Indianerstämme“ Neu-Frankreichs: Das Kapitel beschreibt die kulturelle Vielfalt der indigenen Völker um Québec und entlang des St. Lorenz-Stroms im 17. Jahrhundert, deren Sprachunterschiede und Beziehungen zu den Europäern.
II. III. Vorbemerkungen zur Untersuchung: Dieses Kapitel hinterfragt, warum die Indianer die Missionare duldeten, und beleuchtet die Rolle von Gastfreundschaft, Epidemien, Konflikten mit Schamanen und insbesondere den Pelzhandel als Motivatoren.
II. IV. Paul Le Jeune: Hier wird das Leben des Jesuitenpaters Paul Le Jeune vorgestellt und eine detaillierte Analyse seiner zentralen Berichte (Relations von 1632, 1633, 1634) als Primärquellen durchgeführt.
II. IV. I. Ankunft – Relation von 1632: Der erste Bericht Paul Le Jeunes über seine Ankunft in Tadoussac wird analysiert, wobei seine anfänglichen Eindrücke von den Indianern, ihre Erscheinung und seine Kritik am Alkoholhandel thematisiert werden.
II. IV. II. Annäherung – Relation von 1633: In diesem Kapitel wird Le Jeunes zunehmende Annäherung an die indianische Kultur, sein Spracherwerb und seine Missionsstrategien, insbesondere die Bildung indianischer Kinder, behandelt.
II. IV. III. Anpassung – Relation von 1634: Le Jeunes weiterer Prozess der Anpassung an das Leben unter den Montagnais, seine detaillierten Beschreibungen indianischer Sitten, Sprache und seine fortgesetzte Auseinandersetzung mit der indigenen Religion stehen im Fokus.
III. Zwei Missionare: Das Kapitel thematisiert die oberflächliche Anpassung der französischen Missionare im Gegensatz zur Akkulturation und vergleicht die Erfahrungen von Paul Le Jeune und seinen Mitbrüdern.
IV. Anhang: Dieser Abschnitt enthält eine aufschlussreiche Biografie von Jean de Brébeuf, einem weiteren bedeutenden Jesuitenmissionar, dessen Wirken und Berichte im Kontext der Jesuiten-Relationen beleuchtet werden.
V. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung aller im Rahmen der Arbeit verwendeten primären Quellen und sekundären Literatur.
Schlüsselwörter
Paul Le Jeune, Jesuiten, Neu-Frankreich, Indianer, Montagnais, Huronen, Missionierung, Kulturkontakt, 17. Jahrhundert, Jesuiten-Relationen, Ethnologie, Kolonisation, Handel, Spracherwerb, Zivilisationskritik, Quellenkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Berichte des französischen Jesuiten Paul Le Jeune aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, um die Interaktion zwischen den französischen Missionaren und den Ureinwohnern Neu-Frankreichs zu analysieren und die Perspektive des Missionars kritisch zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Kulturkontakt und die Missionierung in Neu-Frankreich, die Analyse europäischer und indigener Sichtweisen, die Entwicklung von Missionsstrategien, die Lebensweise der Montagnais und Huronen sowie eine kritische Bewertung der historischen Quellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Berichte Paul Le Jeunes genauestens zu untersuchen, um die Lebensweise der Indianer Neu-Frankreichs jenseits der "europäisch-christlichen Brille" zu erkennen und diese Brille selbst zu analysieren, insbesondere im Hinblick auf Veränderungen in der Sichtweise des Missionars.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse historischer Missionsberichte und verwendet Ansätze der Historiographie und Ethnologie, um die Quellen kritisch zu bewerten und die Dynamik des Kulturkontakts zu erforschen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt das Leben der Jesuiten unter den Indianern, die Jesuiten-Mission in Neu-Frankreich, die verschiedenen "Indianerstämme", Vorbemerkungen zur Untersuchung der Duldung von Missionaren sowie detaillierte Analysen von Paul Le Jeunes Relations aus den Jahren 1632, 1633 und 1634.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Paul Le Jeune, Jesuiten, Neu-Frankreich, Indianer, Missionierung, Kulturkontakt, 17. Jahrhundert, Jesuiten-Relationen, Ethnologie, Kolonisation, Handel, Spracherwerb und Quellenkritik.
Warum duldeten die Indianer die Jesuitenmissionare überhaupt?
Die Duldung der Missionare durch die Indianer war komplex. Einerseits spielten Gastfreundschaft und Neugier eine Rolle, andererseits waren es pragmatische Gründe wie der Handel mit den Franzosen und die Vorteile, die sich daraus ergaben, sowie die Hoffnung auf mächtige Verbündete oder "Zauberer".
Welche Rolle spielte der Handel zwischen Franzosen und Indianern?
Der Handel war von immenser Bedeutung; das Einhandeln europäischer Güter war sehr lukrativ. Die gastfreundliche Aufnahme der Missionare und gute Beziehungen begünstigten den Handel, was ein wichtiger Faktor für die Duldung der Jesuiten war.
Wie entwickelte sich Paul Le Jeunes Sicht auf die Indianer in seinen Berichten?
Le Jeunes Sicht entwickelte sich von anfänglicher Faszination und Optimismus zu einer zunehmenden Vertrautheit und Anpassung. Obwohl er stets eine "zivilisatorisch arrogante" Haltung beibehielt und "Wilde" oder "Barbaren" verwendete, zeigte er auch Lob für bestimmte indianische Tugenden und Sitten.
Welche Herausforderungen und Erfolge kennzeichneten den Spracherwerb der Missionare?
Der Spracherwerb war ein zentrales Element der Missionsstrategie. Le Jeune nutzte handgeschriebene Wörterbücher und suchte gezielt nach Lehrern, um die Sprachen der Indianer zu erlernen, wobei er trotz Schwierigkeiten und kritischer Selbstreflexion erhebliche Fortschritte machte, die für die Mission unerlässlich waren.
- Arbeit zitieren
- Sascha Grylicki (Autor:in), 2015, Zwei Missionare. Das Leben der Jesuiten Jean de Brébeuf und Paul Le Jeune in Neu-Frankreich im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676631