Die Arbeit untersucht die Motive für die Stiftung der Erlöserkirche in Jerusalem durch Wilhelm II.
Welche politische und religiöse Symbolik steckt in der Erlöserkirche?
Wie spiegelt sie sich in Geschichte und Zeitgeist des endenden 19.Jahrhunderts wieder?
1898 reist Wilhelm II. mit großem Gefolge nach Palästina. Das Ziel: Eine Pilgerfahrt. Der Höhepunkt der Reise: Die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem. Das Spektakel wird in großem Stil inszeniert und nochmals als Höhepunkt der „Kaisertage“ gefeiert. Eine Kirche wird zu einem Symbol der Zeitgeschichte.
Inhaltsverzeichnis
- I. Imperialismus der Religionen.
- II. Ein Haus Gottes in der Heiligen Stadt.
- II.I. Der Muristan – Ein muslimisches Hospital?
- II.II. Die Protestanten – Religiöse Pioniere in Jerusalem.
- II.III. Unter heiligem Boden begraben.
- II.IV. Der Deutsche Adler baut (s)einen göttlichen Horst.
- II.V. Der letzte Kreuzzug.
- III. Das Ende eines Zeitalters.
- IV. Quellen- und Literaturverzeichnis.
- IV.I. Quellenverzeichnis.
- IV.II. Literaturverzeichnis.
- V. Anhang.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältige politische und religiöse Symbolik, die in der Erlöserkirche in Jerusalem steckt. Sie beleuchtet, wie diese Symbolik die Geschichte und den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts widerspiegelt und welche Rolle sie im Kontext des europäischen religiösen Imperialismus und der „Orientalischen Frage“ spielte.
- Analyse des religiösen und politischen Imperialismus der europäischen Großmächte im 19. Jahrhundert.
- Untersuchung der Rolle des Deutschen Kaiserreichs und Kaiser Wilhelms II. bei der Errichtung der Erlöserkirche in Jerusalem.
- Historische und archäologische Betrachtung des Standorts Muristan als Grundlage für den Kirchenbau.
- Darstellung der Bedeutung der Erlöserkirche als Symbol für nationales Prestige und religiöse Präsenz im Heiligen Land.
- Die Inszenierung der Kaiserfahrt Wilhelms II. und der Einweihung der Kirche als "letzter Kreuzzug".
- Die Verknüpfung von Architektur, Religion und Politik als Ausdruck des wilhelminischen Zeitalters.
Auszug aus dem Buch
Die Erlöserkirche in Jerusalem
Wir schreiben das Jahr 1898...
Das „lange" 19. Jahrhundert neigt sich langsam aber sicher seinem Ende zu. Gleichsam vergeht damit ein Jahrhundert, geprägt von politischen Revolutionen wie dem Vormärz aber auch von wirtschaftlichen, dem Höhepunkt der Industriellen Revolution. Es entstanden neue Nationalstaaten wie das Deutsche Kaiserreich. Säkularisation, Kulturkampf und die Trennung von Staat und Kirche machten die Religion zu einer mitunter nationalen Angelegenheit. Seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 könnte man behaupten die christlichen Konfessionen hätten sich „in verschiedene Lager aufgeteilt“, welche von den europäischen Großmächten, die sich den Imperialismus zum Leitmotiv gemacht haben, schon seit langem zu selbsternannten Schutzobjekten instrumentalisiert werden. Während Russland seine Hand über die Orthodoxen Christen hält, sieht man Frankreich als Beschützer der Katholiken...¹ Das Deutsche Reich unter Wilhelm II. könnte man als „protestantisch geprägt“ bezeichnen. Der Kaiser ist selbst konfessionell evangelisch, achtet jedoch auch seine katholischen Untertanen und sorgt für Gleichberechtigung und Schutz.² Wilhelm II. war, wie einige seiner Vorgänger, bewandert in Architektur³ und engagierte sich auch für den evangelischen Kirchenbauverein.⁴ Auch Großbritannien unter seiner Anglikanischen Kirche kann zu den Protestanten gezählt werden. Im Zuge der aufgekommenen „Holy Land Mania“ gewinnen die Nationalstaaten an Interesse daran nicht nur kolonial, sondern auch religiös „zu expandieren“, mitunter vor dem Hintergrund der „Orientalischen Frage“⁶. Russland und Frankreich wollen sich „einen Platz unter der Sonne Jerusalems“ reservieren und diverse „Heilige Stätten" dort unter ihren „Schutz“ stellen Großbritannien und das Deutsche Kaiserreich waren zunächst die Ersten. Sie gründeten 1841 ein Englisch-Preußisches Bistum in Jerusalem.⁸ Ende des 19.Jahrhunderts nimmt das Deutsche Kaiserreich, genauer gesagt Wilhelm II., das Heft schließlich selbst in die Hand und plant konkret in Jerusalem eine Kirche zu errichten.⁹ Es sollte die erste deutsche evangelische Kirche werden, die je in Jerusalem erbaut wurde. Durch den Fund einer vermeintlichen Reliquie erhält die Kirche schnell einen „heiligen“ Namen: Erlöserkirche. Das Projekt gelingt. ¹⁰ 1898 reist Wilhelm II. mit großem Gefolge nach Palästina. Das Ziel: Eine Pilgerfahrt. Der Höhepunkt der Reise: Die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem. Das Spektakel wird in großem Stil inszeniert und nochmals als Höhepunkt der „Kaisertage" gefeiert.¹¹ Eine Kirche wird zu einem Symbol der Zeitgeschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Imperialismus der Religionen: Dieses Kapitel erläutert den politisch-religiösen Kontext des späten 19. Jahrhunderts, in dem europäische Großmächte Religionen instrumentalisierten und sich im Heiligen Land engagierten, was letztlich zur Planung der Erlöserkirche führte.
II. Ein Haus Gottes in der Heiligen Stadt: Dieses Kapitel analysiert die historische und symbolische Bedeutung des Standorts der Erlöserkirche im Muristan, seine Vorgeschichte und die Rolle der Protestanten in Jerusalem.
II.I. Der Muristan – Ein muslimisches Hospital?: Dieses Unterkapitel beleuchtet die antike und mittelalterliche Geschichte des Muristan-Geländes, auf dem die Erlöserkirche erbaut wurde, und seine Entwicklung von einem Forum Romanum bis zu einem Hospital.
II.II. Die Protestanten – Religiöse Pioniere in Jerusalem: Dieses Unterkapitel beschreibt die Gründung des Englisch-Preußischen Bistums und den daraus resultierenden Wettbewerb der europäischen Großmächte um Einfluss im Heiligen Land.
II.III. Unter heiligem Boden begraben: Dieses Unterkapitel erklärt, wie das Gelände des Muristan in den Besitz des Deutschen Kaiserreichs gelangte und wie archäologische Funde zur Namensgebung und symbolischen Bedeutung der Erlöserkirche beitrugen.
II.IV. Der Deutsche Adler baut (s)einen göttlichen Horst: Dieses Unterkapitel detailliert den Bau der Erlöserkirche von 1893 bis 1896, die verwendeten Materialien aus Deutschland und die persönliche Beteiligung Kaiser Wilhelms II. am Entwurf des Glockenturms.
II.V. Der letzte Kreuzzug: Dieses Unterkapitel verbindet die Palästinareise Kaiser Wilhelms II. mit dem Johanniterorden und interpretiert die Einweihung der Erlöserkirche als symbolischen "letzten Kreuzzug", der Religion und Politik vereint.
III. Das Ende eines Zeitalters: Dieses Fazit fasst die Arbeit zusammen und interpretiert die Erlöserkirche als ein Symbol für den Wettlauf der Nationen um politisches Prestige und religiöse Behauptung im "langen 19. Jahrhundert".
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet alle Primär- und Sekundärquellen auf, die als Grundlage für die wissenschaftliche Untersuchung dienten.
V. Anhang: Dieses Kapitel enthält ergänzendes Bild- und Kartenmaterial, das die beschriebenen Orte und Ereignisse visuell unterstützt.
Schlüsselwörter
Erlöserkirche, Jerusalem, Wilhelm II., Deutsches Kaiserreich, 19. Jahrhundert, Heiliges Land, Imperialismus, Religion, Politik, Muristan, Protestantismus, Kirchenbau, Orientalische Frage, Kreuzzug, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische und religiöse Symbolik der Erlöserkirche in Jerusalem und wie sie den Zeitgeist des späten 19. Jahrhunderts widerspiegelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind der religiöse Imperialismus der europäischen Großmächte, die Rolle des Deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. im Heiligen Land, der Kirchenbau als politisches Statussymbol und die historische Bedeutung des Standorts Muristan.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: "Welche politische und religiöse Symbolik steckt in der Erlöserkirche? Wie spiegelt sie sich in Geschichte und Zeitgeist des endenden 19. Jahrhunderts wieder?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Quellen und Sekundärliteratur, wobei eine weitestgehend chronologische Herangehensweise zur Untersuchung der Vorgeschichte und des Baus der Erlöserkirche gewählt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den religiösen Imperialismus der Großmächte, die Geschichte des Geländes der Erlöserkirche (Muristan), die Rolle der Protestanten und des Englisch-Preußischen Bistums, die Inbesitznahme des Muristan durch das Deutsche Reich, den Bau der Erlöserkirche unter Wilhelm II. und die symbolische Bedeutung seiner Palästinareise als "letzter Kreuzzug".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Erlöserkirche, Jerusalem, Wilhelm II., Deutsches Kaiserreich, 19. Jahrhundert, Heiliges Land, Imperialismus, Religion, Politik, Muristan, Protestantismus, Kirchenbau, Orientalische Frage, Kreuzzug und Symbolik charakterisiert.
Warum war der Standort der Erlöserkirche, das Muristan, so bedeutsam?
Der Muristan war schon in der Antike ein "politisches und religiöses Zentrum", beherbergte im Mittelalter drei Kirchen und wurde durch archäologische Funde einer vermeintlichen "zweiten Stadtmauer" noch weiter aufgewertet, was der Kirche ihren "heiligen" Namen gab.
Welche Rolle spielte Kaiser Wilhelm II. beim Bau der Erlöserkirche?
Wilhelm II. war persönlich an der Planung und Realisierung der Erlöserkirche beteiligt, engagierte sich für den evangelischen Kirchenbauverein, reiste 1898 zur Einweihung nach Palästina und entwarf sogar persönlich den Glockenturm, womit er die Kirche stark mit seiner politischen und religiösen Persönlichkeit verknüpfte.
Was verbirgt sich hinter dem Konzept des "letzten Kreuzzuges" im Kontext der Erlöserkirche?
Wilhelm II. sah sich als direkter Nachfahre der mittelalterlichen Kreuzritter. Seine Palästinareise und die Einweihung der Erlöserkirche wurden als ein "neuer wundersamer, einzigartiger Kreuzzug" inszeniert, der politischen und religiösen Erfolg für das deutsche Christentum und die deutsche Kultur bringen sollte.
Inwiefern war der Bau der Erlöserkirche ein Ausdruck des "Imperialismus der Religionen"?
Der Bau war Teil eines "Wettlaufs der Nationen" um politisches Prestige und religiöse Dominanz im Heiligen Land. Die Großmächte instrumentalisierten Religion, um kolonial und religiös zu expandieren, wobei das Deutsche Kaiserreich mit der Erlöserkirche seinen Anspruch auf einen "Platz unter der Sonne Jerusalems" unterstrich.
- Quote paper
- Sascha Grylicki (Author), 2011, Die Erlöserkirche in Jerusalem. Ein Platz an der Sonne des Heiligen Landes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676634