Das Hambacher Fest 1832


Hausarbeit, 2008

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Auf dem Weg zum Fest
2.1. Ausgangslage und Vorbedingungen
2.2. Aufruf, Festverbot, Wiederzulassung

3. Das Fest
3.1. Die Vorbereitung
3.2. Die Politischen Reden
3.3. Nachversammlung und Wirkungen

4. Das Hambacher Fest in der Erinnerungskultur zweier deutscher Staaten

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit „Das Hambacher Fest 1832“

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

In der Arbeit mit dem Thema „Das Hambacher Fest 1832“ soll der Verlauf und die Bedeutung des Hambacher Festes für die demokratisch-nationale Bewegung auf dem Gebiet des Deutschen Bundes dargestellt werden. Die Zeit der Aufklärung hatte den bürgerlich-liberalen Geist in den Bevölkerungen Europas wach gerufen, der vor allem auf dem Gebiet des Deutschen Bundes nach Einheit von Staat und Nation rief. Durch den Wiener Kongress wurden diese Wünsche jedoch enttäuscht, was dazu führte, dass sich im Bürgertum sehr schnell Widerstand regte. Ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse sorgten zudem vor allem in der Pfalz, das fast zwei Jahrzehnte zu Frankreich gehört hatte und die Ideen der Französischen Revolution noch immer beherbergte, für Unmut. Durch die Einschränkung der Pressefreiheit sollte die Opposition Mundtot gemacht werden. Die Opposition umging die Zensur, indem sie Feste veranstaltete, um dort ihre Ideen zu verbreiten und neue Anhänger zu gewinnen.

Das Hambacher Fest war nicht das einzige Fest seiner Art. Die Auseinandersetzung mit den Behörden steigerte seine Popularität jedoch über den Rheinkreis hinaus. Und als die Behörden ihr anfängliches Festverbot aufhoben, hatte die liberale Oppositionsbewegung ihren ersten Sieg errungen und das Fest somit zum Symbol der Machtlosigkeit der Regierung gegenüber der Opposition gemacht. Durch den Neustadter Preßverein organisiert, zog dieses Fest 20.000-30.000 Besucher aus allen Teilen des Deutschen Bundes und sogar dem Ausland an. Die Hauptredner Siebenpfeiffer und Wirth, sowie ca. 20 andere Redner sprachen vor allem von einem geeinten und freien Deutschland und Europa. Teile unserer heutigen Grundrechte wie die bürgerlichen Rechte Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit- und Vereinigungsfreiheit, Freizügigkeit (freier Wohnungswechsel) und Handels- und Gewerbefreiheit wurden gefordert. Obwohl bei dem Großteil der Forderungen Übereinstimmung herrschte, kam es immer wieder zu Diskussionen um deren Umsetzung, was auch in der Nachversammlung am 28. Mai deutlich wurde. Ergebnislos trennten sich die dort Anwesenden.

Trotzdem erfuhr das Fest einen großen Widerhall in der Presse und Öffentlichkeit. Dies führte soweit, dass es in einigen Regionen zu Unruhen kam. Die Regierungen hingegen nutzten dieses Fest, um noch härter gegen die Opposition vorgehen zu können und drängten viele von ihnen in die Illegalität oder ins Ausland.

Der Gedanke an das Hambacher Fest und seine Ideen blieb jedoch in der Bevölkerung bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wurde Hambach in den Hintergrund gedrängt. Erst in den 60er und 70 er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts entdeckte die Regierung Rheinland-Pfalz Hambach wieder und baute das Schloss zu einer Erinnerungsstätte für den Kampf um Demokratie, Einheit und Freiheit aus. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Ideen des Hambacher Festes von europäischer Bedeutung, denn sie hatten schon 1832 die Hoffnung eines vereinten friedlichen Europas hervor gebracht.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Als Basis für diese Arbeit dienten vor allem die Werke von Hannes Ziegler[1], Cornelia Foerster[2] und das Buch zur Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher Festes[3]. Diese Werke geben einen guten Überblick über die politischen Bedingungen der damaligen Zeit, den Festablauf und behandeln sehr detailliert den Inhalt der politischen Reden. Vor allem das Werk Freiheit, Einheit und Europa beleuchtet das Fest in vollem Umfang und setzt sich mit den Ursachen, Zielen und Wirkungen des Hambacher Festes auseinander.

Durch seine Aktualität sind die Literatur- und Quellenhinweise von Bedeutung. Aus diesem Werk heraus hat sich die Arbeit von Dieter Schiffmann[4] für die Auseinandersetzung mit der Thematik „Das Hambacher Fest in der Erinnerungskultur zweier deutscher Staaten“ als besonders wertvoll herauskristallisiert.

2. Auf dem Weg zum Fest

2.1. Ausgangslage und Vorbedingungen

Am 27. Mai 1832 wurde auf dem Schloss Hambach bei Neustadt in der Pfalz der Höhepunkt einer bürgerlich-liberalen Bewegung, in Form des Hambacher Festes, erreicht, die im gesamten Deutschen Bund durch den Versuch der öffentlichen Meinungsbildung über Fragen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens versuchte, eine allmähliche Veränderung der vorhandenen Macht- und Herrschaftsstrukturen innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten einzuleiten. So galt dieses Fest als „Kulminationspunkt der Einheits- und Freiheitsbestrebungen zwischen Wiener Kongress 1814/15 und der Revolution von 1848/49.“[5]

Diesem Fest ging eine Entwicklung voraus, die sich seit dem Sieg der Völker Europas über Napoleon in dem Gedanken freisetzte, einem Streben nach Einheit von Staat und Nation nachzugehen. Diese nationalen Hoffnungen wurden jedoch mit dem Wiener Kongress 1815 und der dort festgelegten Politik der „Restauration“[6] enttäuscht. Gegen diese Bestrebungen regte sich bald in Deutschland wie ganz Europa Widerstand. Viele Bürger der Pfalz, die fast zwei Jahrzehnte zu Frankreich gehört hatten, bewahrten immer noch die Ideen der Französischen Revolution und als die Pfalz 1816 mit Bayern vereinigt wurde blieben die Gewerbefreiheit, mehr Freiheit für die Presse und die Unabhängigkeit der Gerichte bestehen.[7]

Zu den politischen Auseinandersetzungen kamen wirtschaftliche und soziale Faktoren, die die isolierte geographische Lage des Rheinkreises noch weiter erschwerte. Da keine unmittelbare Verbindung zum Königreich Bayern bestand, ergaben sich daraus ungünstige zollpolitische Folgen für die pfälzische Wirtschaft, die vor allem den Absatz von Wein und Tabak behinderten. Missernten, schlechte Weinbauerträge und die wachsende Holznot ließen die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen und riefen in den ärmeren Regionen regelrechte Hungersnöte hervor.[8]

Die großbürgerliche Opposition erhielt einen bedeutenden Anteil an Anhängern aus den Bevölkerungsschichten, die besonders hart von den wirtschaftlichen Krisen betroffen waren. Der Unmut über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse wurde im Landtag und über die Presse verbreitet. 1831 wurde der Landtag geschlossen und die politische Opposition verlagerte sich auf die Presse. Zunehmende Beschlagnahmungen und Schließungen von Druckereien, sowie die Zensur machten es der Opposition immer schwieriger ihre Ansichten und Ideen unter die Bevölkerung zu bringen und so neue Anhänger zu gewinnen. Um die Einschränkungen durch die bayrischen Landesherren zu umgehen, und die unteren Bevölkerungsschichten besser zu erreichen wurde als Alternative zum geschriebenen Wort das politische Fest genutzt. Die Vorteile des Festes gegenüber den Zeitungen waren, dass die Redner flexibel auf die Stimmung der Zuhörer eingehen konnten, die unteren Bevölkerungsschichten durch unmittelbar mündlich-emotionale Reden eher erreichbar waren und die Zensur nur schwer gegen die Reden einsetzbar war. So boten diese Feste einen Ersatz für politische Diskussionen und die Meinungsbildung und ermöglichten den Beteiligten politische Strategien und das Vorgehen der Oppositionsbewegung zu diskutieren.[9]

2.2. Aufruf, Festverbot und Wiederzulassung

Der 26. Mai war der Tag der bayerischen Verfassung. Für das bayerische Königshaus und die von Max I. Joseph erlassene Verfassung, lud ein Neustädter Geschäftsmann auf das Hambacher Schloss, um dort eine Huldigungs- und Dankesfeier zu veranstalten. 32 Neustadter Mitglieder des Preßvereins[10] griffen diese Idee auf und beschlossen dieses konservativ gedachte Konstitutionsfest unter einer anderen Zielsetzung zu veranstalten. Der neue Gedanke des Festes wurde dadurch verdeutlicht, dass der Termin des Festes vom 26. Mai auf den 27. Mai verschoben wurde. Damit wollten die Neustadter Preßvereinsmitglieder zum Ausdruck bringen, dass dieses Fest dazu gedacht sei, das zu Erringende, den Kampf für die Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt, der Erstrebung gesetzlicher Freiheit und der deutschen Nationalwürde in den Vordergrund zu stellen und nicht die alten monarchischen Errungenschaften zu feiern.[11]

[...]


[1] Ziegler, Hannes: Patrioten auf dem Schloss, Das Hambacher Fest in:(Hrsg.) Kermann, Joachim; Nestler, Gerhard und Schiffmann, Dieter: Freiheit, Einheit und Europa, Das Hambacher Fest von 1832, Ursachen, Ziele, Wirkungen, Ludwigshafen am Rhein 2006.

[2] Foerster, Cornelia: Das Hambacher Fest 1832, Volksfest und Nationalfest einer oppositionellen Massenbewegung in:(Hrsg.) Düding, Dieter; Friedemann, Peter; Münch, Paul: Öffentliche Festkultur, Politische Feste in Deutschland von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg, Reinbek bei Hamburg 1988.

[3] Hambacher Fest: 1832 - 1982; Freiheit und Einheit, Deutschland und Europa; eine Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher Festes, Hambacher Schloss
Neustadt an der Weinstraße, Neustadt an der Weinstrasse 1983.

[4] Schiffmann, Dieter: Das Hambacher Fest-Ein deutscher Erinnerungsort, Die Nachgeschichte des Hambacher Festes im Spannungsfeld von kollektivem Gedächtnis und Geschichtspolitik in:(Hrsg.) Kermann, Joachim; Nestler, Gerhard und Schiffmann, Dieter: Freiheit, Einheit und Europa, Das Hambacher Fest von 1832, Ursachen, Ziele, Wirkungen, Ludwigshafen am Rhein 2006.

[5] Foerster, S. 113.

[6] Bei der „Restauration“ ging es darum, die alte vorrevolutionäre Ordnung unter der Herrschaft der rechtmäßigen Fürsten wiederherzustellen. Vor allem den Staatsmännern der „Heilige Allianz“ Preußen, Österreich und Russland waren nationale und liberale Ideen fremd. Mathy, S. 15.

[7] Mathy, S. 15.

[8] Gruber, S. 154.

[9] Foerster, S. 114.

[10] Den Vorstand des Preßvereins bildeten Philipp Jakob Siebenpfeifer, Johann Georg August Wirth, Joseph Savoye und Friedrich Schüler. Dieser Preß- und Vaterlandsverein kämpfte für die Pressefreiheit in Deutschland, was zugleich der Kampf für ein liberales Verfassungssystem darstellte, und setzte somit eine charakteristische Grundrechtsentwicklung in Gang, die vor allem durch Friedrich Schüler in der Paulskirche ihren vorläufigen Abschluss finden sollte. Fiedler, S. 44.

[11] Hambacher Fest, S. 125.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Hambacher Fest 1832
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V167699
ISBN (eBook)
9783640846733
ISBN (Buch)
9783640843114
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neustadter Preßverein, Siebenpfeiffer, Karl Mathy, Paulskirche
Arbeit zitieren
MAGISTER ARTIUM Karsten Mertens (Autor), 2008, Das Hambacher Fest 1832, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167699

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