Handlungsorientierte Konzepte bei Schülern mit einer geistigen Beeinträchtigung


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kennzeichen einer Handlung
2.1 Antizipation
2.2 Realisation
2.3 Bewertung

3. Handlungsorientierter Unterricht
3.1 Einführung von Handlungsorientiertem Unterricht

4. Projektunterricht

5. Handlungsorientierter Unterrichtsentwurf

6. Grenzen des Handlungsorientierten Unterrichts

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man begreift nur, was man selber machen kann, und man fasst nur, was man selbst hervorbringen kann.1

Johann Wolfgang von Goethe

Das obenstehende Zitat soll für die vorliegende Ausarbeitung wegweisend sein, die sich mit dem Unterrichten von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung beschäftigt und in welcher der Fokus auf das Handeln im Unterricht gelegt werden soll.

Heutzutage sehen sich Lehrkräfte mit einer Fülle von Konzepten, Verfahren, Methoden und Materialien konfrontiert, die bei vielen Adressaten in letzter Konsequenz lediglich zu Verwirrung führen. Ein genau auf die Schülerschaft zugeschnittenes und Erfolg versprechendes Konzept kann es, wenn überhaupt möglich, nur schwerlich geben, gerade wenn man sich die derzeitige Problematik der Inklusion vor Augen hält.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Handlungsorientierung im Unterricht und soll damit einen kleinen Beitrag dazu leisten, wie vor allem für Schüler mit einer geistigen Beeinträchtigung ein Rahmen innerhalb der Schule geschaffen werden kann, in welchem ein so weit wie möglich eigenständiges Lernen und Weiterentwickeln ermöglicht werden kann. Nur durch Theorie und Vermittlung dieser etwas zu lernen, birgt die Gefahr, dass Inhalte nicht vollends verinnerlicht werden und so oftmals der lebenspraktische Bezug verloren geht. Doch gerade die Vorbereitung auf das Leben mit all seinen Facetten und Problematiken sollte Aufgabe von Schule und Unterricht sein. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass der gesamte schulische Alltag als Möglichkeit zum Handeln und somit zum Lernen angesehen wird und auch jene Zeiten dafür genutzt werden, die nicht explizit als Unterricht deklariert sind. In den Schulstunden selber wird oft eine künstliche Situation geschaffen, die mit der Realität und dem, was Schüler im späteren Leben erwarten wird, recht wenig gemein hat. Der Handlungsorientierte Unterricht erwirkt seine Legitimation dadurch, dass er dabei helfen kann, personale und soziale Kompetenzen zu fördern und dadurch einen Grundstein legen kann für die spätere Verwirklichung von Wünschen und Ansprüchen von Schülern, ohne dass ein allzu weites Abschweifen von der Realität befürchtet werden muss.

In einem ersten Teil geht es allgemein um Handlungen, deren Definition, Motive und Bedeutungen. Anschließend wird der Handlungsorientierte Unterricht als eine Form des Lernens eingeführt sowie als Weiterführung der Projektunterricht. An einem konkreten Beispiel wird aufgezeigt, wie eine solche Arbeit bei Schülern mit einer geistigen Beeinträchtigung realisiert werden kann. Abschließend werden die Grenzen und Probleme des Handlungsorientierten Unterrichts diskutiert und es erfolgt eine Schlussbemerkung mit einem weiteren Ausblick.

2. Kennzeichen einer Handlung

Menschliche Handlungen sind im Allgemeinen gekennzeichnet durch Bewusstheit, Intentionalität und Zielgerichtetheit sowie die aktive Auseinandersetzung mit einer oder mehreren Situationen im System Person-Umwelt. Ein weiteres Merkmal ist die ganzheitliche Auseinandersetzung in Hinsicht auf die handelnde Person durch das Zusammenwirken motorischer, kognitiver und affektiver Personenaspekte. Handeln konstituiert sich also aus menschlichen Erfahrungen des Wissens und der Kunstfertigkeit und führt in den meisten Fällen zu Handlungsprodukten oder ruft Wirkungen hervor. Nach Auffassung der Aneignungstheorie bildet Handeln das Bindeglied zwischen Person und Umwelt und dient, nach kognitiven Handlungstheorien, des Auf- und Ausbaues von kognitiven Strukturen, zu denen auch Handlungsschemata zählen.2

Handlungen werden als Verhaltensweisen definiert, die Maßnahmen und Sachen bewusst einsetzen, um ein beabsichtigtes Ergebnis zu erreichen. Eine exakte Abgrenzung von Verhalten, Tätigkeit und Handeln ist schwierig, da es innerhalb dieser Begrifflichkeiten an vielen Stellen zu inhaltlichen Überschneidungen kommt. Tätigkeit ließe sich allerdings als additive und zielbezogene Verknüpfung von Handlungen auffassen. Zieht man das Beispiel der Lehrertätigkeit hinzu, so umfasst die Tätigkeit eines Lehrers beispielsweise Handlungen wie Unterrichten, Korrigieren, Unterstützen und Ähnliches. Der Begriff Verhalten ist der am weitesten gefasste, da Verhaltensweisen bewusst und unbewusst, willkürlich und unwillkürlich, absichtlich und zufällig sein können. Handlungen sind weit mehr als Fertigkeiten, da sie zielgerichtete und in ihrem inneren Aufbau verstandene Vollzüge darstellen.

Nach Dietrich können drei Hauptmerkmale von Handlungen zusammengefasst werden:

1. Eine Handlung ist eine zielgerichtete Tätigkeit, in der eine Person versucht, durch Veränderung von Selbst- und/oder Weltaspekten einen für sie befriedigenden Zustand zu erreichen beziehungsweise aufrechtzuerhalten.
2. Eine Handlung ist eine proaktive oder reaktive Auseinandersetzung mit einer oder einer Abfolge von Situationen. Eine Person stellt auf der Grundlage mehr oder weniger komplexer Situationsdeutungen den Grad der Handlungsdringlichkeit und das Ausmaß der Ermöglichungschancen der Zielrealisierung fest. Daraus ergibt sich die konkrete Handlung in ihrer vorher festgelegten Intensität.
3. Eine Handlung ist die Auseinandersetzung der personalen Ganzheit mit einer Situation. Physische und psychische Bestandteile wirken zusammen, insofern Handlungsintention, Handlungsorganisation und Handlungsevaluation miteinander verflochten sind.3

Somit lässt sich eine Handlung durch einige grundlegende Komponenten charakterisieren. Sie hat eine motivationale Grundlage, da ein bedeutsamer Zustand erreicht werden soll oder, wenn dieser bereits erreicht ist, aufrecht erhalten werden soll sowie ein Ziel, da es sich um eine intentionale Tätigkeit handelt. Weiter ist sie eine aktive Auseinandersetzung mit einer Situation; diese Auseinandersetzung ist ganzheitlich, also mit physischen, psychischen und motorischen Bestandteilen. Eine Handlung hat eine erkennbare Struktur und sie wird am Erfolg gemessen oder kontrolliert, hat also ein mehr oder weniger befriedigendes Ergebnis. Eine Handlung wird demnach solange ausgeführt, bis es abschließend zu einem Ergebnis kommt, welches für die handelnde Person derart ausfällt, dass ein gestecktes Ziel erfolgreich erreicht worden ist. Durch die Handlung an sich wirkt eine Person gestaltend auf seine Umwelt ein und erhält gleichzeitig Prägungen durch die Umwelt. Wenn Menschen handeln, dann deuten und begreifen sie Situationen, nehmen Informationen auf und verarbeiten diese und sind aktiv tätig. Dadurch können sie ein immer komplexer und differenzierter werdendes Handlungsrepertoire durch innere Strukturierungsprozesse gewinnen.4

Nachfolgend soll kurz auf drei grundlegende Komponenten eingegangen werden, wie sie die Handlungsregulationstheorie herausgearbeitet hat. Menschliches Tun im Sinne einer Handlung wird durch Planen (Antizipationskomponente), Durchführen (Realisationskomponente) und Kontrollieren (Bewertungskomponente) reguliert.

2.1 Antizipation

Antizipation meint sowohl die grundlegende Motivation wie auch die Zielbildung, wobei das Ziel entweder offen oder geschlossen sein kann. Um die genannten Aspekte transparenter zu machen, sei folgende Erklärung gegeben. Die grundlegende Motivation kann für Schüler einer Klasse darin bestehen, möglichst viel Geld einzunehmen, um eine bevorstehende Klassenreise finanzieren zu können. Die Zielbildung ist das Herstellen von Spielzeug mit der Absicht, dieses anschließend zu verkaufen. Offen wäre das Ziel, wenn es darum gehen würde, möglichst viel von dem hergestellten Spielzeug zu verkaufen. Ginge es dagegen um das Erreichen einer vorher festgelegten Summe, so würde es sich um ein geschlossenes Ziel handeln. Wichtig ist noch die Unterscheidung zwischen Werkziel und Wirkziel. Bei Erstgenanntem besitzen die Spielzeuge eine gute Qualität, wohingegen bei Letztgenanntem die Spielzeuge zwar eine sehr gute Qualität besitzen, jedoch schwer verkaufbar sind. Dann wäre die Handlung gelungen, jedoch nicht erfolgreich. Zur Antizipation gehört desweiteren das Entwerfen von Aktionsprogrammen, das heißt, Vorstellungen werden entwickelt, wie das Handlungsziel erreicht werden kann. Dadurch lassen sich die einzelnen Teilhandlungen organisieren und strukturieren. Die Teilhandlungen stehen dabei immer in Relation zueinander und bilden so ein komplexes Ganzes. Möglich ist es weiter, die verschiedenen Teilhandlungen in mehrere Einzeloperationen zu zerlegen, um viele kleine Abschnitte zu erhalten, die nach und nach abgearbeitet werden können und die Komplexität des Ganzen relativieren. Wie an den Ausführungen erkennbar, ist eine sorgfältige und umfassende Planung für den Handlungsorientierten Unterricht von besonderer Notwendigkeit. Dem übergeordneten Handlungsziel wird ein Aktionsprogramm zugeordnet, welches in sich untergliedert ist und in dem der gesamte Handlungsablauf antizipiert wird. Innerhalb dieses Planungsprogrammes werden dann wiederum Teilziele des Handelns ausgemacht, in eine Hierarchie gebracht und aufeinander abgestimmt. Ziele und Aktionsprogramme stehen allerdings nicht bereits am Anfang fest, sondern werden in Verständigungsprozessen ausgehandelt. Seitens der Schüler muss es zu einem Akzeptieren und Übernehmen der Zielsetzung und Thematik eines Handlungsvorhabens kommen und sie müssen bereit sein, für die Ermöglichung der Zielrealisierung einzustehen. Nur so kann Lernen als handelndes Lernen interpretiert werden.5

[...]


1 http://www.entdeckendes-lernen.de/1elernen/zitat.htm (Stand 30.07.2010)

2 Vgl. STEIN, ROLAND (1997): Technische Berufsausbildung Lernbeeinträchtigter - Pädagogische Konzepte und Organisation. - Bad Heilbrunn, Seite 139.

3 Vgl. GUDJONS, HERBERT (2008): Handlungsorientiert lehren und lernen - Schüleraktivierung, Selbsttätigkeit, Projektarbeit. - 7. Aufl., Bad Heilbrunn, Seite 46-47.

4 Vgl. GUDJONS, HERBERT (2008): Handlungsorientiert lehren und lernen - Schüleraktivierung, Selbsttätigkeit, Projektarbeit. - 7. Aufl., Bad Heilbrunn, Seite 47-48.

5 Vgl. GUDJONS, HERBERT (2008): Handlungsorientiert lehren und lernen - Schüleraktivierung, Selbsttätigkeit, Projektarbeit. - 7. Aufl., Bad Heilbrunn, Seite 48-49.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Handlungsorientierte Konzepte bei Schülern mit einer geistigen Beeinträchtigung
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V167719
ISBN (eBook)
9783640846856
ISBN (Buch)
9783640843152
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
handlungsorientierte, konzepte, schülern, beeinträchtigung
Arbeit zitieren
Arne Viecens (Autor), 2010, Handlungsorientierte Konzepte bei Schülern mit einer geistigen Beeinträchtigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167719

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