Bringt die Wissenschaft ewiges Leben?


Essay, 2010

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Unser heutiges Leben wird von einer Vielzahl von Technologien bestimmt, die mehr oder weniger dazu beitragen sollen, dass wir angenehm und ausgefüllt die Zeit verbringen können. An nur einem Tag begegnen wir derart viel Technik und technischen Lösungen, dass wir nicht mehr dazu in der Lage sind, am Abend zu benennen, was wir überhaupt alles genutzt haben. Sei es die Kaffeemaschine, mit Hilfe derer wir morgens den ach so nötigen Espresso zubereiten, das Auto, damit wir schnell und sicher zu unserer Arbeitsstätte kommen oder die Musikanlage, um uns von einem wieder einmal anstrengenden Tag erholen können, an dem dermaßen viele Eindrücke auf uns niedergegangen sind, dass wir das meiste schon wieder vergessen oder verdrängt haben.

Man mag sich angesichts unseres strukturierten und voll ausgefüllten Tagesablaufs die Frage stellen, wie denn die Menschen vor einigen hundert Jahren gelebt haben, obwohl ihnen keine Handys, Computer oder Flugzeuge zur Verfügung standen. Es ist für viele schwer vorstellbar, dass der Horizont lediglich bis zum nächsten Dorf reichte, die Konversation auf einige wenige Personen beschränkt war und Informationen, wenn sie denn ankamen, viele Wochen Verzögerung mit sich brachten. Doch wie weit wird sich die heutige Entwicklung noch fortsetzen, wann ist einmal Schluss mit der Gier nach immer mehr Fortschritt, nach immer mehr Abwechslung und Zeitvertreib? Sollten wir nicht doch inne halten, uns auf wirklich wesentliche Dinge besinnen, anstatt danach zu streben, auch die letzten Ressourcen unserer Erde zu erschließen, auszubeuten und dann ganz empört die Schuld auf andere schieben?

Ohne Frage hat das zunehmende Interesse am wissenschaftlichen Denken eine Menge an Dingen hervorgebracht, die wir gerne nutzen und welche zweifellos von Vorteil sind. Andererseits hat die Technologiesierung der Welt aber auch ihre Schattenseiten und der Mensch hat Dinge erfunden, die außer Leid und Unheil, abgesehen von dem Profit für einige wenige, kaum zu einer verbesserten Situation der Mehrzahl der Bevölkerung geführt haben. Die Frage stellt sich ,wie weit Wissenschaft noch gehen darf, wenn sie nicht bereits einige immanente Grenzen überschritten hat? Es soll im Folgenden ein kleiner Exkurs gewagt werden, der sich mit der Welt der Medizin beschäftigt und die Frage aufwirft, inwieweit der Traum von einem ewigen Leben verwirklicht werden kann.

Um die rasante Entwicklung in den letzten Jahrzehnten sichtbar zu machen, sei ein Ausflug in die Geschichte erlaubt. Bis in das 17. Jahrhundert hinein wurde dem griechischen Arzt und Anatom Galenus von Pergamon Glauben geschenkt, was er über das Herz und dessen Funktion aussagte. Als ein Schüler Aristoteles war er der Überzeugung, dass Organe Blut ansaugen, wenn sie dieses benötigen und es anschließend verbrauchen. Das Blut selber zirkuliert nicht im Körper, sondern wird von der Leber aus verdauter Nahrung produziert. Im Herzen dann reichert es sich mit der Luft aus der Lunge an und fließt anschließend durch die Poren der Herzkammerwände in die Adern. Transportiert wird das Blut von selbständig pulsierenden Arterien und nicht etwas durch das Pumpen des Herzens. Galenus Ansicht wurde über etwa 1 500 Jahre als Grundlage für Vorlesungen im Fach Anatomie genutzt. Erst 1543 wurde Kritik laut seitens des flämischen Anatoms Andreas Vesalius, der bemängelte, dass Galenus lediglich Tiere seziert hatte. Der Schlüssel zum Aufschluss über den Körperbau musste aber allein die menschliche Leiche sein. Allerdings wollte zu diesem Zeitpunkt noch niemand von der Vorstellung Abstand nehmen, dass das Herz als Sitz der Seele und Instanz Gottes das edelste Organ darstellte. Man konnte das Herz nicht als Teil einer Maschinerie begreifen, wie es einige Jahrzehnte später der Philosoph und Naturwissenschaftler René Descartes postulierte.

Nach Descartes war der Körper nicht mehr als ein Mechanismus. Integraler Bestandteil seiner Philosophie waren physiologische Modellvorstellungen. Da er den lebenden Organismus des Menschen auf dessen Mechanik reduzierte, wurde er zum Begründer der neuzeitlichen Iatrophysik, welche sich mit Menschenmodellen und der Konstruktion von Menschenautomaten beschäftigte.

Nach der medizinischen Lehre der Iatrophysik sind sämtliche Lebensvorgänge und krankhaften Veränderungen im Organismus physikalisch und mechanisch bedingt. Der Blutkreislauf wird nach dieser Auffassung auf die Hydrodynamik zurückgeführt. Die mechanische Funktion des Herzens wird mit der Funktion einer Pumpe und die mechanischen Funktionen von Armen und Beinen mit der Funktion von Hebeln verglichen.

Da zu Descartes Zeit der Einfluss und die Macht der Kirche derart groß waren, veröffentlichte er seine Schrift Traité de l ‘homme zeitlebens nicht. Sie wurde erst nach seinem Tod mit dem Titel De homine herausgebracht. In dieser Schrift geht er besonders auf die Funktion des Herzens ein. Descartes erklärt zuerst ausführlich die Bahn des Blutes und die Funktion des immer kreisenden Blutes in unserem Gehirn. Er vergleicht den Kreislauf des Blutes mit einem immer fortlaufenden Fluss, der verschiedene Maschinen antreiben kann. Außerdem geht er genau auf die Wege des Blutes zum Herzen ein, wobei er die einzelnen Funktionen der Venen und Arterien beschreibt. Er erklärt den Weg der Hohlvene, die wichtigste und größte Vene, die zum Herzen hinreicht und nach ihm, den Stamm eines Baumes bildet, dessenZweige alle anderen Venen im Körper sind. Sie nimmt aus den kleinsten Körperteilendas sauerstoffarme Blut auf und transportiert es zum Herzen. Nun öffnet sich dielinke Herzkammer und lässt einen Tropfen Blut hinein, welcher sich durch die Hitzeausdehnt und sodann weiteres Blut in das Herz tropfen kann. Somit wird das Bluterwärmt und mit Sauerstoff angereichert. Nun verlässt es die rechte Herzkammerdurch die Hauptarterie und breitet sich in Körper aus. Descartes klärt noch die Frage, wieso die Arterien, die das gesamte Blut, das aus dem Herzen in sie einfließt, halten können und nicht platzen, was gleichzeitig zum Versiegen des Blutes in den Venen führen würde. Er beschreibt einen beständigen Kreislauf des Blutes, das in die Arterien fließt und in kleine Nebenarme, die zu kleinen Ästen der Venen werden und somit das Blut wieder zurück ins Herz leiten, welches dann wieder zurück in die Nebenarme fließt. Mit dem gesamten Kreislauf des Blutes erklärt Descartes ferner alle anderen Funktionen der menschlichen Organe. Er beweist seine These damit, dass er erklärt, wie das Blut in die Venenäste im Magen einfließt und dass der Magen nur Magensäure bilden kann, wenn das Blut 100 - 200 Mal am Tag immer wieder durch das Herz fließt, dort neuen Sauerstoff und neue Wärme bekommt und diese an die restlichen Extremitäten und Organe abgibt. Danach beweist er mit dem Kreislauf des Blutes die Tüchtigkeit der Lebensgeister. Er glaubt, dass das wärmste und lebhafteste Blut in unser Gehirn strömt, um dem vernünftigen Verstand Leben einzuhauchen, um jede einzelne Bewegung bis in die kleinste Pore auszuführen und um jeden einzelnen der Sinne aufzuwecken. Er behauptet, die Lebensgeister seien wie ein sehr feiner Hauch oder wie eine sehr reine und lebhafte Flamme, die Nerven und Muskeln mit Wärme füllt und sie zur Bewegung ankurbelt.

[...]

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Details

Titel
Bringt die Wissenschaft ewiges Leben?
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Veranstaltung
Kritik des wissenschaftlichen Denkens
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V167721
ISBN (eBook)
9783640846870
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bringt, wissenschaft, leben
Arbeit zitieren
Arne Viecens (Autor:in), 2010, Bringt die Wissenschaft ewiges Leben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167721

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