Die Analyse von organischen Materialien im Boden kann über viele Vorgänge und Gegebenheiten in der jüngeren Vergangenheit Auskunft geben. Primäre Forschungsrichtung der sog. Paläobotanik (oder auch Paläo-Ethnobotanik) ist die archäologische Interpretation der Lebensweisen früherer Menschen. Einerseits kann bestimmt werden welche Pflanzen in der Region des entnommenen Bodenprofils zu seiner Entstehungszeit natürlich verbreitet waren, andererseits kann man sich ein Bild der Pflanzennutzung vergangener Zivilisationen machen. Die Methoden welche wir im Labor kennen gelernt haben sind die Pollen- und Makrorestanalyse.
Aus den Pollen verschiedener Bodenhorizonte kann man Verbreitungsmuster einzelner Arten im Zeitverlauf ermitteln, die dann später in Pollendiagrammen und Vegetationskarten dargestellt werden. Das Problem dabei ist dass das Ergebnis durch Pollenflug stark verändert werden kann, und dass zur Auszählung der Pollen aus einer Probe vorher eine aufwendige Behandlung des Bodenmaterials nötig ist. Die Aufbereitung der Bodenprobe zur Pollenanalyse und deren Methodik selbst wird im ersten Teil des Protokolls behandelt.
Makroreste werden selten weit transportiert und lassen deshalb genauere Schlüsse im Bezug auf das tatsächliche Untersuchungsgebiet zu. Außerdem können Großreste, sofern die Möglichkeit besteht genaue, sehr feine Schnitte zu machen, ohne weitere Schritte unter dem Mikroskop oder Binokular betrachtet werden. Methodik und Nutzen der Makrorestanalyse werden in Teil zwei genauer beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Aufbereitung von Bodenmaterial zur Pollenanalyse
1.2. Pollenanalyse
2. Makrorestanalyse
2.1. Makrorestanalyse
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Vermittlung und Erläuterung der paläobotanischen Arbeitsweisen zur Untersuchung von organischem Bodenmaterial, um Rückschlüsse auf vergangene Vegetationsstrukturen und die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt ziehen zu können.
- Methodik der Probenaufbereitung für die Pollenanalyse
- Physikalische und chemische Trennverfahren von Bodenbestandteilen
- Analyse und Interpretation von Pollendiagrammen
- Methodik der Untersuchung von pflanzlichen Makroresten
- Rekonstruktion vergangener Siedlungs- und Lebensweisen
Auszug aus dem Buch
1.1. Aufbereitung von Bodenmaterial zur Pollenanalyse
Im Bodenmaterial welches man aus dem Bohrkern entnimmt sind noch einige organische und mineralische Bestandteile die vor der Auszählung der Pollen entfernt werden müssen um das Erkennen der Pollen zu vereinfachen und damit Verfälschungen des Ergebnisses zu vermeiden. Es müssen vor der Betrachtung der Probe also einige Arbeitsschritte durchgeführt werden. Jede Probe umfasst 1cm³; die einzelnen, insgesamt 16 Proben, werden in gleichen Abständen zueinander aus dem Bodenkern gestochen, jede mit einer eigenen Nummer versehen die ihre Zugehörigkeit zu den einzelnen Horizonten festhält.
Durch Zugabe von Salzsäure entfernt man den Kalk aus dem Material. Dazu werden zunächst 25ml HCl zur Probe gegeben, nachdem die Reaktion ausgeklungen ist wird Säure zugeführt bis keine Reaktion mehr zu erkennen ist. Bei Hochmoortorfen, wie in unserem Fall, ist dieser Schritt nicht nötig.
Für Torfe, und Böden die keine reinen Seesedimente darstellen, ist die Behandlung mit Natronlauge nötig. Diese entfernt Huminsäuren, welche in Seesedimenten nicht enthalten sind. Nachdem 25ml der 10%igen Natronlauge dem Bodenmaterial hinzugefügt wurden, muss dieses Gemisch 10 Minuten aufgekocht werden. Um Spritzen beim Kochen zu verhindern bastelt man sich für das Kochgefäß (Glaskolben) einen Deckel aus Alufolie. Nach dem Kochen nimmt man die Gläser von der Herdplatte und lässt sie abkühlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Paläobotanik ein und erläutert die Grundkonzepte der Pollen- und Makrorestanalyse.
1.1. Aufbereitung von Bodenmaterial zur Pollenanalyse: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert die chemischen und physikalischen Laborprozesse zur Isolierung von Pollenkörnern aus Bodenproben.
1.2. Pollenanalyse: Hier wird die Auswertung der Pollen unter dem Mikroskop sowie die Erstellung und Interpretation von Pollendiagrammen zur Bestimmung florengeschichtlicher Zeitabschnitte behandelt.
2. Makrorestanalyse: Dieses Kapitel widmet sich der Untersuchung größerer Pflanzenteile zur archäologischen Rekonstruktion menschlicher Siedlungsaktivitäten.
2.1. Makrorestanalyse: Dieser Abschnitt spezifiziert die praktische Anwendung der Untersuchung von Samen, Früchten und Holzhölzern für absolute Datierungen und Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte.
Schlüsselwörter
Paläobotanik, Pollenanalyse, Makrorestanalyse, Bodenproben, Acetolyse, Flusssäure, Vegetationsgeschichte, Pollendiagramm, Siedlungsarchäologie, Holzanalyse, Radiocarbonmethode, Stratigraphie, Sedimentation, Huminsäuren, Kulturzeigerpflanzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erläutert wissenschaftliche Methoden der Paläobotanik, mit denen Bodenmaterial analysiert wird, um vergangene Umwelt- und Lebensbedingungen zu rekonstruieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Pollenanalyse zur Untersuchung von Vegetationsmustern und die Makrorestanalyse zur Erforschung menschlicher Siedlungsaktivitäten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beschreibung der notwendigen Laborprozesse (Aufbereitung) und der daraus resultierenden analytischen Möglichkeiten in den Fachbereichen Geographie und Archäologie.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden chemische Aufbereitungsverfahren wie die Behandlung mit Salzsäure, Natronlauge, Flusssäure und Acetolyse sowie mikroskopische Auszählverfahren angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die schrittweise Anleitung zur Probenaufbereitung, die Methodik der mikroskopischen Bestimmung von Pollen und die archäologische Auswertung von Makroresten wie Samen oder Holz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Paläobotanik, Pollen- und Makrorestanalyse, Bodenstratigraphie und die Interaktion des Menschen mit der Natur.
Warum ist die Zugabe von Flusssäure in der Pollenanalyse notwendig?
Die Flusssäure dient dazu, mineralische Bodenbestandteile aufzulösen, die andernfalls die mikroskopische Analyse der Pollen stören oder verfälschen würden.
Wie unterscheidet sich der Weitflug vom Fernflug bei der Pollenverbreitung?
Der Weitflug umfasst Distanzen bis zu 100 Kilometern, während der Fernflug Pollen über eine Distanz von mehr als 100 Kilometern transportiert.
Welchen Zweck erfüllt die Makrorestanalyse bei Holzbalken?
Die Analyse von Holzbalken dient dazu, Siedlungstätigkeiten nachzuweisen und mittels Radiocarbonmethode eine absolute Datierung der entsprechenden Siedlungsperiode vorzunehmen.
Warum darf bei der Acetolyse kein Wasser vorhanden sein?
Da bei der Acetolyse Schwefelsäure eingesetzt wird, muss das Material wasserfrei sein, da Schwefelsäure extrem heftig mit Wasser reagiert.
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- Matthias Jüttner (Author), Tobias Ihlenfeld (Author), Martin Bayr (Author), 2006, Palaeobotanische Labormethoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167733