Einleitung
Die wirtschaftliche Bedeutung des Internets hat seit Mitte der neunziger Jahre immens zugenommen. Ein möglichst innovativer Internetauftritt stellt für ein Unternehmen nicht nur die Schnittstelle zum Markt dar, er ist gewissermaßen die Visitenkarte, mit der sich das Unternehmen den Stakeholdern präsentiert. Eine eigene attraktive Internetpräsenz ist regelmäßig mit hohen Kosten verbunden, und es stellt sich die Frage, wie diese bilanziell zu behandeln sind.
Gegenstand der Untersuchung
Die folgende Untersuchung bezieht sich auf Kapitalgesellschaften, die sowohl nach HGB als auch nach IAS/IFRS bilanzieren. Das Augenmerk dieser Arbeit richtet sich auf Internetauftritte, die von den bilanzierenden Unternehmen jeweils selbst genutzt werden. Es wird herausgearbeitet, ob und in welcher Form Internetauftritte und die damit einhergehenden Kosten sowohl nach handelsrechtlichen als auch nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften zu bilanzieren sind.
Zielsetzung der Arbeit
Ziel der Untersuchung soll es zunächst sein, das Wesen eines Internetauftritts zu erläutern (Kapitel 2), bevor im Kapitel 3 die bilanzielle Behandlung nach HGB einer näheren Betrachtung unterzogen wird. Hier kommt dem im Jahr 2009 beschlossenen BilMoG große Bedeutung zu, da durch die damit einhergehende Reform des HGB eine Brücke zu den IAS/IFRS (Kapitel 4) geschlagen wird. Die Arbeit soll verdeutlichen, inwieweit durch die Modernisierung des HGB die Angleichung von nationalen und internationalen Regelungen anhand des Beispiels „Internetauftritt“ realisiert werden konnte. Ein entsprechend zusammenfassender Vergleich zwischen den Bilanzierungsregeln nach HGB und IAS/IFRS wird im Kapitel 5 gezogen. Sowohl dieser Vergleich als auch der darauf folgende Ausblick sollen abbilden, welche Herausforderungen, Spielräume und ausstehenden Regelungen mit der bilanziellen Behandlung von Internetauftritten einhergehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gegenstand der Untersuchung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
2 Charakteristika eines Internetauftritts
3 Bilanzielle Behandlung nach HGB
3.1 Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit
3.2 Konkrete Bilanzierungsfähigkeit
3.3 Zugangs-/ Folgebewertung
3.4 Ergebnis
4 Bilanzielle Behandlung nach IAS/ IFRS
4.1 Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit
4.2 Konkrete Bilanzierungsfähigkeit
4.3 Zugangs-/ Folgebewertung
4.4 Ergebnis
5 Vergleich HGB und IAS/ IFRS
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung von Internetauftritten bei Kapitalgesellschaften. Das primäre Ziel ist es, die handelsrechtlichen Regelungen (HGB) unter Berücksichtigung der durch das BilMoG erfolgten Änderungen mit den internationalen Vorschriften (IAS/IFRS) zu vergleichen und aufzuzeigen, inwieweit eine Angleichung der Bilanzierungsregeln erreicht wurde.
- Wesen und Charakteristika von Internetauftritten
- Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach HGB
- Bilanzierung nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS)
- Einfluss des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)
- Gegenüberstellung der nationalen und internationalen Bilanzierungspraxen
Auszug aus dem Buch
3 Bilanzielle Behandlung nach HGB
Um zu überprüfen, ob ein Internetauftritt in handelsrechtlicher Sicht aktivierungsfähig ist, muss zunächst geklärt werden, ob es sich um einen Vermögensgegenstand handelt. Da im HGB der Begriff „Vermögensgegenstand“ jedoch nicht definiert ist, sollte auf die herrschende Meinung in Literatur und Rechtsprechung zurückgegriffen werden. Hier besteht allgemeiner Konsens dahingehend, dass unter „Vermögensgegenstand“ bzw. dem aus steuerrechtlicher Sicht deckungsgleichen Begriff „Wirtschaftsgut“ ein greifbares Gut zu verstehen ist, welches dem Bilanzierenden wirtschaftliches Nutzungspotential verspricht. Darüber hinaus muss das Gut verkehrsfähig und selbstständig bewertbar sein.
Bilanzierungsfähig kann ein Internetauftritt nur sein, wenn er dem bilanzierenden Unternehmen von wirtschaftlichem Nutzen ist, sprich dem Geschäftsbetrieb dauerhaft dient. Ein Internetauftritt kann von dem bilanzierenden Unternehmen nicht nur als kontinuierliches Werbemittel, sondern beispielsweise auch als Instrument zum Zwecke des Vertriebs eingesetzt werden, was einen betrieblichen Vorteil mit sich bringt und somit das Kriterium der Greifbarkeit erfüllt.
Um einen Internetauftritt als verkehrsfähig einzustufen, muss festgestellt werden, inwieweit er durch das Urheberrecht geschützt ist. Das Urheberrecht liegt nach § 2 UrhG bei dem Schöpfer des Werkes und ist nach § 29 UrhG nicht übertragbar. Jedoch ist es nach § 31 UrhG möglich, dass der Schöpfer einem Dritten ein Nutzungsrecht einräumt, was diesen wiederum zu einer wirtschaftlichen Verwertung des Internetauftritts legitimiert.
Letztlich muss ein Vermögensgegenstand gem. §§ 240 Abs. 1 und 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB vom Unternehmen zum Abschlussstichtag einzeln bewertet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die ökonomische Relevanz von Internetauftritten und die Problemstellung der bilanziellen Erfassung.
2 Charakteristika eines Internetauftritts: Erläuterung der technischen und funktionellen Grundlagen von Internetauftritten für Unternehmen.
3 Bilanzielle Behandlung nach HGB: Analyse der Aktivierungsfähigkeit und Bewertung nach den Vorgaben des HGB unter Berücksichtigung des BilMoG.
4 Bilanzielle Behandlung nach IAS/ IFRS: Untersuchung der Bilanzierungsgrundsätze für immaterielle Vermögenswerte gemäß IAS 38 und weiterer relevanter Standards.
5 Vergleich HGB und IAS/ IFRS: Synoptischer Vergleich der nationalen und internationalen Bilanzierungsregeln zur Harmonisierung.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Bilanzreformen und Einschätzung der künftigen Entwicklung bei der Bilanzierung von Internetauftritten.
Schlüsselwörter
Internetauftritt, HGB, IAS, IFRS, BilMoG, immaterielle Vermögensgegenstände, Bilanzierung, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Vermögenswert, Aktivierungsfähigkeit, Nutzungsdauer, Entwicklungskosten, Unternehmensrechnung, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe bilanzielle Behandlung von Internetauftritten in der Unternehmensbuchhaltung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Internetauftritten sowie deren Bewertung nach nationalem Handelsrecht (HGB) und internationalen Standards (IAS/IFRS).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich der Bilanzierungsregeln, um zu klären, ob und wie Internetauftritte aktiviert werden können und inwieweit sich die Vorschriften angenähert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer vergleichenden Untersuchung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anforderungen an die Bilanzierungsfähigkeit nach HGB und IAS/IFRS, inklusive Fragen der Zugangs- und Folgebewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Bilanzierung, Internetauftritt, HGB, IAS, IFRS, BilMoG und immaterielle Vermögensgegenstände.
Welchen Einfluss hatte das BilMoG auf die Bilanzierung von Internetauftritten?
Das BilMoG hat das Aktivierungsverbot für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände aufgehoben und ermöglicht somit nun eine Aktivierung, was eine Angleichung an internationale Standards darstellt.
Ist die Aktivierung eines Internetauftritts nach IAS/IFRS immer verpflichtend?
Nein, die Aktivierung hängt davon ab, ob das Unternehmen nachweisen kann, dass die Definitions- und Ansatzkriterien eines immateriellen Vermögenswertes erfüllt sind.
- Quote paper
- Sören Rose (Author), 2010, Bilanzielle Behandlung von Internetauftritten nach HGB und IAS/IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167743