Jupiters innere Metamorphose vor der Entführung Europas


Facharbeit (Schule), 2010

13 Seiten, Note: 13


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lateinischer Text und Übersetzung

3. Philologischer Kommentar

4. Interpretation
4.1 Zusammenfassung und Einordung in den Kontext
4.2 Interpretation von Jupiters Verhalten
4.3 Ovids Intention und Übertragung auf die Gegenwart

5. Literaturverzeichnis

6. Selbständigkeitserklärung

1. Einleitung

In meiner Seminararbeit beschäftige ich mich mit der von dem römischen Dichter Ovid verfassten Metamorphose, welche von dem römischen Gott Jupiter und der Königstochter Europa handelt. In der Geschichte geht es um eines der zahlreichen Liebesabenteuer Jupiters. So verwandelt er sich in einen Stier und entführt und vergewaltigt daraufhin die Jungfrau Europa. Ich gehe nicht ausführlich auf die Entführung an sich ein, sondern untersuche vielmehr das Verhalten Jupiters vor der eigentlichen Entführung.

Ich habe mich für diese Metamorphose entschieden, da sie deutlich macht, wie stark die Liebe sein kann, und dass sie auch hoch angesehene Herrscher wie Jupiter zu Taten verleitet, die ihr Stolz sonst niemals zugelassen hätte. Außerdem gefällt mir die poetische und ausschmückende Schreibweise Ovids sehr, die sich besonders in dieser Metamorphose wiederfinden lässt.

2. Lateinischer Text und Übersetzung

Ovid, Metamorphosen, Liber II, V. 843-858 & V. 862-868

dixit, et expulsi iamdudum monte iuvenci

litora iussa petunt, ubi magni filia regis

V. 845 ludere virginibus Tyriis comitata solebat.

Non bene conveniunt nec in una sede morantur maiestas et amor: sceptri gravitate relicta ille pater rectorque deum, cui dextra trisulcis ignibus armata est, qui nutu concutit orbem,

V. 850 induitur faciem tauri mixtusque iuvencis

mugit et in teneris formosus obambulat herbis.

quippe color nivis est, quam nec vestigia duri calcavere pedis nec solvit aquaticus auster; colla toris exstant, armis palearia pendent,

V. 855 cornua vara quidem, sed quae contendere possis

facta manu, puraque magis perlucida gemma. nullae in fronte minae, nec formidabile lumen: pacem vultus habet.

(...)

gaudet amans et, dum veniat sperata voluptas, oscula dat manibus. vix iam, vix cetera differt; et nunc adludit viridique exsultat in herba,

V. 865 nunc latus in fulvis niveum deponit harenis

paulatimque metu dempto modo pectora praebet virginea plaudenda manu, modo cornua sertis inpedienda novis;

So sprach er und die schon lange vom Berg vertriebenen jungen Stiere ziehen zum befohlenen Strand, wo die Tochter des großen Königs es gewohnt war, begleitet von thrygischen Jungfrauen zu spielen. Herrscherwürde und Liebe passen nicht gut zusammen und halten sich nicht an einer Stelle auf: Nachdem er die Erhabenheit des Zepters zurückgelassen hatte, nahm jener Vater und Herrscher der Götter, dessen rechte Hand mit dem Dreizack bewaffnet ist, der die Welt durch ein Nicken erschüttert, die Gestalt eines Stieres an und, unter die Jungstiere gemischt, brüllt er und spaziert schön im zarten Gras umher. Denn er hat die Farbe des Schnees, den weder Schritte eines harten Fußes niedergetreten haben, noch der nasse Südwind aufgelöst hat; der Hals strotzt vor Muskeln, von den Schultern hängt die Wamme herab, zwar sind die Hörner kurz, aber du kannst behaupten, dass sie von Hand gemacht und strahlender als ein reiner Edelstein sind. Keine Drohungen auf der Stirn, auch kein furchterregender Blick: Die äußere Gestalt zeigt Frieden.

(...)

Der Liebende freut sich und gibt, solange bis das erhoffte Vergnügen kommt, den Händen Küsse: Mit Mühe schon, mit Mühe verschiebt er das Weitere; und nun nähert er sich im Spiel und springt ausgelassen im grünen Gras umher, nun legt er die schneeweiße Seite im goldfarbenen Sand nieder und, weil die Furcht allmählich gewichen ist, bietet er bald der jungfräulichen Hand die Brust zum Streicheln an, bietet er bald die Hörner an, um sie mit neuen Kränzen zu umwickeln.

3. Philologischer Kommentar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit dixit (so sprach er) ist Jupiter gemeint. Dies bezieht sich auf einen Befehl, den er vorher Merkur gegeben hatte. magni filia regis (die

Tochter des großen Königs) steht für Europa. litora iussa ist poetischer Plural und diesen habe ich im Singular übersetzt. iussa steht hier, weil Jupiter Merkur zuvor den Befehl gegeben hatte, die Stiere zum Strand zu treiben. Für petunt bietet sich hier die Übersetzung „ziehen“1 an, da es am besten das Verhalten von Tieren wie Jungstieren beschreibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Obwohl das Langenscheidt Lexikon für maiestas eine Übersetzung wie „Majestät“, „Würde“ oder „Hoheit“ vorsieht2, habe ich mich für die

Übersetzung „Herrscherwürde“3 entschieden, da so Jupiters hohe Position unter den Göttern deutlicher wird.

sceptri gravitate relicta bildet einen Ablativus Absolutus. Ich habe die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

temporale Übersetzung gewählt, weil hier die Abfolge von Jupiters

Handeln beschrieben wird. Die kausale Übersetzung ergibt hier keinen Sinn, da keine Begründungen für das Geschehen geliefert werden. Für gravitate habe ich die Übersetzung „Erhabenheit“1 benutzt, da so am besten deutlich wird, dass Jupiter nicht nur den eigentlichen Gegenstand zurücklässt sondern vor allem seine hohe Stellung. deum ist die Kurzform von deorum2 und mit ille pater rectorque deum ist Jupiter gemeint. cui dextra (...) armata est bedeutet wörtlich zwar etwas wie: „dem die rechte Hand bewaffnet ist“3, jedoch habe ich mich für die Übersetzung im Genitiv (dessen) entschieden, da es im Deutschen angemessener klingt. tirsculis ignibus bedeutet wörtlich übersetzt „mit den dreizackigen Feuern“, jedoch ist damit Jupiters Dreizack gemeint, weshalb ich es auch so übersetzt habe. orbem bezeichnet eigentlich den „Erdkreis“4. An dieser Stelle bietet sich jedoch „Welt“ an5. Obwohl Latein Lektüre aktiv! für induitur die Übersetzung „sich etwas anziehen“6 vorschlägt, habe ich mich für die Übersetzung „annehmen“ entschieden, da es hier um Jupiters äußere Gestalt und nicht um etwas wie Kleidung geht.

[...]


1 METAMORPHOSEN ÜBERSETZUNG, S. 87

2 Vgl. LANGENSCHEIDT, s.v. maiestas

3 LATEIN AKTIV, S. 36

1 Vgl. LANGENSCHEIDT, s.v. gravitas 2,c

2 LATEIN AKTIV, S. 36

3 Vgl. METAMORPHOSEN ÜBERSETZUNG, S. 87

4 LATEIN AKTIV, S. 37

5 Ebd.

6 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Jupiters innere Metamorphose vor der Entführung Europas
Hochschule
Ursulaschule Osnabrück
Note
13
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V167775
ISBN (eBook)
9783640847297
ISBN (Buch)
9783640845057
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beste Seminararbeit des Kurses
Schlagworte
jupiters, metamorphose, entführung, europas
Arbeit zitieren
Marcus Fuchs (Autor), 2010, Jupiters innere Metamorphose vor der Entführung Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167775

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