Captatio Benevolentiae

Strategien antiker Rhetorik im Prolog des Höfischen Romans


Examensarbeit, 2008
99 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1. Der Prolog
2.2. captatio benevolentiae
2.3. Der höfische Roman

3. Überlieferung und Rezeption antiker Rhetoriken im Mittelalter
3.1. Die Reduktion rhetorischer Tradition auf ein Mindestmaß
3.2. Augustinus und die christliche Beredsamkeit
3.3. Die Fortführung der rhetorischen Tradition im Rahmen der artes liberales

4. Zur Bildung mittelhochdeutscher Autoren
4.1. Probleme der biographischen Forschung
4.2. Mittelalterliche Bibliothekskataloge als Chance zur Klärung des Bildungshintergrundes
4.3. Vermutungen über die Bildungsmöglichkeiten der Dichter
4.3.1. Mündliche Überlieferung und Nachahmung literarischer Vorbilder
4.3.2. Klosterschulen
4.3.3. Domschulen
4.3.4. Unterricht auf der Burg durch Weltgeistlichen oder Mönch

5. Die captatio benevolentiae in der römisch-antiken Rhetorik
5.1. Die vorteilhafte Präsentation der eigenen Person im Prolog
5.2. captatio benevolentiae mittels Herabsetzung der gegnerischen Partei
5.3 Erlangung des Wohlwollens durch Schmeicheleien an den Richter
5.4. Zielgerichtete Darstellung des Verhandlungsgegenstandes

6. Antike Rhetoriken als Modell für mittelalterliche Prologe

7. Analyse der Prologe
7.1. Hartmann von Aue
7.1.1. Der „Iwein“-Prolog
7.1.2. Der “Gregorius”-Prolog
7.2. Ulrichs von Zatzighofen “Lanzelet”-Prolog
7.3. Wolfram von Eschenbach - „Parzival“
7.4. Gottfried von Straßburg - „Tristan und Isolde“
7.5. Wirnt von Grafenberg: “Wigalois“
7.6. Die „Crone“ Heinrichs von dem Türlin

8. Fazit

9. Literatur
9.1. Textausgaben
9.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Rhetorik begegnet uns in den meisten Bereichen des täglichen Lebens: Kinder im Vorschulalter bedienen sich ihrer Strategien unwissentlich, so dass deren Eltern schnell die Argumente ausgehen. Der Schuhcremeverkäufer auf dem Jahrmarkt präsentiert seine Ware dermaßen eindrucksvoll, dass mancher Kunde auf der Stelle einen Dekadenvorrat seines Produktes erwirbt. Universitäten bieten praktische Rhetorikkurse für angehende Lehrer an, die sich von einer derartigen Ausbildung Vorteile im Umgang mit Schülern, Eltern und Kollegen versprechen. Moderne Sachbuchautoren überzeugen ihre Leser von der lebensnotwendigen Relevanz des Serviettenfaltens für das alltägliche Zusammensein und die Moderatoren drittklassiger Fernsehshows verleihen dem fragwürdigen Geschehen eine Spur von Seriosität. Intelligente Neonazis, freilich in der Minderheit, bereiten ihren braunen Unfug mit Hilfe rhetorischer Tricks beängstigend schlüssig auf. Nur die Rhetorik befähigt geniale Anwälte dazu, einen Freispruch für mutmaßliche Schwerverbrecher zu erwirken und ermöglicht es Politikern auf höchster Ebene, mit sinnentleerten Programmen Wählerstimmen zu ködern.

Diese Auflistung ließe sich um beliebig viele bewundernswerte und abschreckende Beispiele erweitern, eines steht jedenfalls fest: Rhetorik ist Alltag und sie verleiht all jenen Menschen sehr viel Macht, die sich ihrer mit mehr oder weniger großer Raffinesse bedienen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine neuzeitliche Erkenntnis, denn der rhetorische Siegeszug begann bereits vor zwei ein halb tausend Jahren in der griechischen Antike: Die frühesten schriftlichen Zeugnisse angewandter Rhetorik reichen zurück bis Homer, der in seine Ilias und Odyssee erstmals die Beredsamkeit eingebaut hat. Nachdem in Griechenland das Adelsregiment abgeschafft wurde und sich so eine frühe Form der Demokratie entwickeln konnte, zogen die Sophisten von Stadt zu Stadt und steigerten das Durchsetzungsvermögen ihrer Schüler durch die Dialektik und die Rhetorik[1]. Etwa einhundert Jahre lang dauerte eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Philosophen und Sophisten: Während sich Sokrates und sein Schüler Platon noch entschieden gegen die Sophistik wandten, sorgte Platons berühmtester Schüler Aristoteles für die entscheidende Annäherung: Er sprach der Rhetorik den Rang als eigenständige, wissenschaftliche Disziplin zu, deren Aufgabe in erster Linie nicht mehr darin bestand, die Wahrheit ans Licht zu bringen; für Aristoteles zählte vielmehr die Überzeugungskraft und Glaubhaftigkeit einer Rede. Spätestens im zweiten Jahrhundert nach Christus, nach dem Sieg über Hannibal und dem damit verbundenen Vordringen in das hellenistische Staatensystem, öffneten sich die Römer der griechischen Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Auf diesem Weg gelangte auch die Rhetorik ins republikanische Rom und fand dort, wie Horst Luhrmann schildert, einen einträglichen Markt vor, weil die römische Aristokratie begriff, wie effektiv sich rhetorische Lähigkeiten im politischen Kampf einsetzen ließen.2 Die beiden ältesten lateinischen Rhetoriklehrbücher, die erhalten geblieben sind, entstanden im ersten Jahrhundert vor Christus: Die rhetorica ad herennium und Ciceros de inventione. Cicero hat sich jedoch in reiferen Jahren von seinem unvollendeten Jugendwerk distanziert und mit seiner Schrift de oratore, fertiggestellt im Jahre 55 vor Christus, die wohl bedeutendste rhetorische Darstellung der Antike geschaffen.

Gut eintausend Jahre nachdem Quintilian mit seiner institutio oratoria - dem letzten wirklich bedeutenden Werk über die Rhetorik der Antike - die rhetorische Ausbildungstheorie perfektioniert hat, stellte Heinrich von Veldecke, der „erste im eigentlichen Sinn höfische Dichter, der durch seine Verskunst, seine Behandlung des neuen, höfischen Minnethemas und seine Schilderungen schöner ritterlicher Formen Epoche machte“3, seine Adaption des klassischen Äneasstoffes fertig (um 11804 ); wie schon bei der französischen Vorlage bildeten ritterlicher Kampf und höfische Minne, nicht die Verherrlichung Roms, den Mittelpunkt des deutschsprachigen Eneasromans. Mit der Lertigstellung dieses Epos beginnt für die moderne Mediävistik die Gattungsgeschichte des höfischen Romans. Der große Erfolg dieser literarischen Strömung ist wohl im Grunde darauf zurückzuführen, dass die höfischen Dichter den negativen Erscheinungen der mittelalterlichen Wirklichkeit ein Gesellschaftsbild entgegengesetzt haben, „in dem alles fehlte, was das Leben damals beschwerlich und drückend machte, in dem alle wirtschaftlichen und sozialen Zwänge, alle politischen Konflikte ausgeklammert waren und nur das Streben nach moralischer und gesellschaftlicher Vollkommenheit die Menschen bewegte.“5 Ganz gleich, ob es sich im Einzelfall um die Adaption eines antiken Stoffes, um einen Artusroman, um eine Tristandichtung, oder um einen Mischtypus handelt, die höfischen Romane des deutschen Mittelalters haben einige Gemeinsamkeiten, die eine Klassifizierung rechtfertigen: Sie handeln immer von Liebe und Rittertum, dem Leser begegnen höfische Damen, deren Tugendhaftigkeit zumeist noch ihre äußere Schönheit übertrifft, und vorbildliche Ritter, die sich ihrem Ehrenkodex6 kompromisslos verpflichtet fühlen. Der Hof an sich erscheint als das Licht, als der Maßstab für alles andere, als der Inbegriff des Tugendhaften und Guten und steht damit im Kontrast zur Welt außerhalb des Hofes, welche zur Grauzone der fehlenden Moral und Ehre herabgewürdigt wird. Anders als die nationalen Heldenepen spielen die höfischen Romane in einer märchenhaften Phantasiewelt und „ihr Sinn besteht in der Stilisierung und Idealisierung einer höfischen Ritterideologie ohne nationale Grenzen. “7

Es besteht kein Zweifel daran, dass es sich beim Gesellschaftsentwurf der höfischen Dichtung um ein äußerst unrealistisches Bild handelt, er darf deshalb als Gegenentwurf zur Realität betrachtet und interpretiert werden.8 Sowohl inhaltlich als auch formal unterscheiden sich die höfischen Romane des deutschen Mittelalters erheblich voneinander, zumindest hinsichtlich ihrer äußeren Struktur haben sie jedoch eine Gemeinsamkeit, die sich selbstverständlich nicht nur auf den höfischen Roman beschränken lässt: Die Dichter haben ihren Werken immer einen Prolog vorangestellt, in dem sie sich - fernab des Erzählstoffes - in theoretischer Weise äußern, sich persönlich an den Leser beziehungsweise Hörer des Stückes wenden und zum Teil den Sinn ihres Werkes erörtern.

Zwischen diesen Prologen und antiken Rhetoriken besteht insofern eine Verbindung, als sich die Dichter des Mittelalters eines Katalogs zweckdienlicher Topoi bedienten, welche ganz offensichtlich viele Analogien zur Theorie der antiken Gerichtsrede aufweisen. Insbesondere die antiken Strategien für die captatio benevolentiae lassen sich sehr häufig in den mittelhochdeutschen Prologen auffinden; dieser Umstand verwundert nicht, denn auch ein mittelalterlicher Dichter war gewissermaßen Anwalt seiner Sache und strebte danach, die Gunst seines Publikums, welches in dessen Fall die Funktion eines Richters hatte, zu gewinnen.

Die vorliegende Arbeit möchte also der Frage nachgehen, wie viel antike Rhetorik tatsächlich in den Prologen des höfischen Romans steckt und spezialisiert sich dabei auf den wesentlichen Aspekt der captatio benevolentiae. Es soll untersucht werden, inwieweit Hartmann von Aue, Ulrich von Zatzighofen, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg, Wirnt von Grafenberg und Heinrich von dem Türlin in ihren Prologen einer antiken Rhetoriktradition nacheifern; dabei muss gegebenenfalls auch erörtert werden, inwieweit die Dichter sich von dieser Tradition entfernt haben, um eigene Wege zu beschreiten. Bevor man jedoch überhaupt an eine Analyse der Prologe denken kann, sind einige umfangreiche Vorarbeiten zu leisten: Zunächst einmal muss die Rezeptionsgeschichte antiker Rhetoriken bis in das Mittelalter hinein überblickt werden, damit deutlich wird, welche Rhetorikschulen für das hohe Mittelalter überhaupt relevant waren und auf welche Rhetoriken für die mittelhochdeutschen Dichter theoretisch eine Zugriffsmöglichkeit bestand. Wenn wir in den einzelnen Fällen schon nicht nachweisen können, welche Werke die Autoren tatsächlich gelesen haben, soll dieser kurzen Rezeptionsgeschichte zumindest eine reflektierte Abhandlung über die Bildungsmöglichkeiten im Hochmittelelter folgen; mit diesem Arbeitsschritt kann die Kenntnis lateinischer Rhetorik zwar nicht bewiesen, zumindest aber wahrscheinlich gemacht werden. Eine sinnvolle und fruchtbare Analyse mittelhochdeutscher Prologe setzt darüber hinaus eine profunde Kenntnis antiker Rhetoriken voraus. Es ist deshalb sinnvoll, eine repräsentative Auswahl lateinischer Texte zu analysieren und dadurch ein nützliches Instrument für die Analyse der Prologe zu erstellen. Erst nach diesen Vorüberlegungen mach es Sinn, mit mittelhochdeutschen Texten zu arbeiten. Der Analyse der einzelnen Prologe wird jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt sein, die dem Leser einen knappen Forschungsüberblick bezüglich des vorliegenden Textes zur Verfügung stellt.

2. Theoretische Vorüberlegungen

2.1. Der Prolog

Es gibt eine Reihe von Begriffen, die synonym zum Prologbegriff verwendet werden können (Einleitung, Vorrede, Beginn, Prooemium, Exordium, ...) und deren Differenzierung uns an dieser Stelle nicht weiter beschäftigen soll. Franz Finster kommt in seinen terminologischen Untersuchungen zum Prologbegriff zu dem Schluss, „daß das Wort Prolog, [...], zw allen Zeiten auf mehrere literarische Gattungen /.../ Anwendung gefunden hat und daß sich aus der Benennung der

Erscheinungsform keineswegs eine sichere Zuordnung bestimmter Prolog-Begriffe zu einem bestimmten Gattungstyp ableiten lässt."9

Ursprünglich geht die Bezeichnung auf das griechische prò-logos (vor dem Sprechen/Wort,) zurück10. In der Folgezeit haben die Römer den Begriff (prologus, urspr. der Vorredner) für die Komödie entlehnt und später auf die antike Rhetorik übertragen. Bereits im 8. Jahrhundert erschien eine althochdeutsche Übersetzung des lateinischen Wortes (fora-sprahha11 ). Der Prologbegriff als lateinisches Lehnwort blieb der mittelhochdeutschen Sprache wohl bis ins 13. Jahrhundert hinein vorenthalten[12], zumal in den Handschriften vergleichbare Gliederungstitel meist keine Rolle spielten. Der Begriff der Vorrede in mittelhochdeutschen Texten war weitaus gebräuchlicher, wobei uns keine einzige mittelhochdeutsche Dichtung bekannt ist, in der die Funktionen der Vorrede erörtert werden.[13] Man muss also in Betracht ziehen, dass der Begriff Prolog eher eine Hilfskonstruktion der modernen Mediävistik als ein gebräuchlicher Terminus der mittelhochdeutschen Dichter ist. Es stellt sich nach dieser knappen terminologischen Abhandlung die Frage nach einer präzisen Definition des Prologs im höfischen Roman. Im Sachwörterbuch Mediävistik[14] heißt es: ,,Prolog (griech.-lat. prologas = Vorspruch, auch: prooemium, exordium), einleitender Teil eines (erzählenden od. dramatischen Werks, der dazu dient, die Rezipienten für das Anliegen d. Autors zu gewinnen, gleichzeitig wird auch die gemeinsame Verständigungsbasis (lit. Horizont, frühere Werke d. Autors) bestimmt und der Sinn d. Werks erörtert. Das schemat. Gepräge ma. P.e ergibt sich aus dem Verfahren der antiken Rhetorik, die lit. Gesprächssituation am Modell der forensischen Rede zu messen und die Strategien der captatio benevolentiae mit Hilfe eines Katalogs zweckdienlicher Topoi zu realisieren. Charakteristisch ist die Zweiteiligkeit des Prologs: 1. allg. Sentenz oder

Proverbium (prooemium, prologus praeter rem), 2. Einf. in das Werk mit Nennung von Quelle u. Entstehungsumständen (prologus, prologus ante rem)“. Diese Beschreibung erfasst in der Tat wesentliche Aspekte des Artusprologs. Dennoch ergeben sich bei der vorliegenden Definition gewisse Probleme: Es ist keineswegs sicher, dass sich aus der Adaption antiker Rhetorik ein schematisches Gepräge der Prologe ergab; selbst wenn diese Arbeit Analogien zur Gerichtsrede aufzeigen kann, muss man sich stets der individuellen Schaffenskraft der Autoren bewusst bleiben, denn auch ein kreatives Spiel mit altbekannten Topoi fuhrt zu eigenständigen Ergebnissen. Man kann, wie Brinkmann dargelegt hat, den Prolog des antiken Dramas nicht als unmittelbaren Vorläufer des mittelalterlichen Prologs sehen, „weil das Drama des Altertums im Mittelalter keine Fortsetzung fand.“[15] Darüber hinaus hat die moderne Forschung eine Zweiteilung als Charakteristikum mittelalterlicher Prologe widerlegt.[16]

2.2. captatio benevolentiae

Bei der captatio benevolentiae handelt es sich um eine rhetorische Figur, mit der sich der Redner zu Beginn seines Vortrages beziehungsweise der Autor zu Beginn seines Werkes der Gunst des Publikums versichern will.17 Wörtlich in die deutsche Sprache übersetzt bedeutet der Begriff schlicht „Erlangen des Wohlwollens“, in der rhetorischen Praxis steht er jedoch umfassend für eine Vielzahl von Prologstrategien, welche in Abschnitt fünf dieser Arbeit detailliert erörtert werden. Der Begriff geht ursprünglich auf die antike Rhetorik zurück18, ist jedoch bis in die Gegenwart hinein ein zentraler Bestandteil der rhetorischen Theorie geblieben. Hier nur zwei Beispiele für die Erwähnung der captatio benevolentiae in der römisch­antiken Rhetorik: Der anonyme Autor der Herenniusrhetorik spricht davon, dass man den Zuhörer belehrbar, wohlwollend und aufmerksam machen soll:

Quoniam igitur docilem, benivolum, attentum auditorem volumus habere, quo modo quidque confici possit, aperiemus.[19]

Auch der junge Cicero stimmt in seinem unvollendeten Werk de inventione dieser Aussage zu:

Nunc quoniam exordium princeps debet esse, nos quoque primum in rationem exordiendi praecepta dabimus.20

In der Antike ist die captatio benevolentiae also eine der drei Aufgaben, die vom Redner in der Einleitung zu beachten sind; ganz besondere Bedeutung kommt der captatio benevolentiae nach wie vor in der Gerichtsrede zu, da die Überzeugungskraft des Redners dort eine entscheidende Bedeutung hat.

Um Wiederholungen zu vermeiden, soll die Klärung des Begriffes an dieser Stelle enden, denn das Bedeutungsspektrum der captatio benevolentiae im rhetorischen System der Antike wird in Kapitel fünf der Arbeit detailliert aufgearbeitet.

2.3. Der höfische Roman

Der Begriff „höfischer Roman“ muss im Rahmen dieser Vorüberlegungen ebenfalls geklärt werden, denn es ist keineswegs klar, welche Prologe überhaupt Gegenstand der Betrachtung sein werden.

Das Adjektiv „höfisch“ ist an sich sehr unpräzis, denn, wie Peter Ganz salopp aber treffend formuliert, „der Begriff schillert so vielfarbig wie Benzin in einer Regenpfütze“.21

Dieser Umstand ist insofern bemerkenswert, als der Begriff für die Mediävistik nach wie vor eine „tragende Säule des Lehrgebäudes“22 ist.

Wenn wir vom höfischen Leben zur Zeit der Minnesinger reden, meinen wir damit in der Regel das Leben der höfischen Kreise, also des Adels an den deutschen Höfen im 12. und 13. Jahrhundert; in diesem Sinne ist „höfische Dichtung“ also Literatur, die für ein solches Publikum produziert wurde. Von grundlegender Bedeutung für die Ausbildung einer neuen adeligen Lebenskultur war das „Bestreben, sich von der kirchlichen Deutungshoheit zu lösen und das Bedürfnis nach höfischer Repräsentation“'23. Der höfische Roman darf also mit Sicherheit als Ausdruck der Emanzipation des weltlichen Adels verstanden werden und die „Höfischheit“ oder „Hoffähigkeit“ liegt in diesem Fall weniger in der Thematik, sondern darin, dass das Werk für den Hof intendiert ist. Bei solch einem Bezug auf das Publikum werden beispielsweise Unterscheidungen zwischen „höfischem Epos“ und „Heldenepos“ hinfällig, ein Beleg dafür ist unter anderem, dass in manchen Handschriften das Nibelungenlied neben dem Parzival aufgezeichnet ist. Die literarische Adaption französischer Werke in der Blütezeit höfischer Dichtung lässt darauf schließen, das Frankreich das große höfische Vorbild für Deutschland gewesen ist.24

Darüber hinaus bezeichnet der Begriff „höfisch“ auch einen Zeitstil und dient zur Periodisierung der mittelhochdeutschen Literaturgeschichte: Die Zeit zwischen 1150 und 1350 wird zumeist unterteilt in die „vor-“, „früh-“, „hoch-“ und „späthöfische“ Periode. Es gibt Literaturgeschichten, die beinahe die ganze Literatur in dieser Einteilung zusammenfassen[25], da die Grenzen höfischer Epik nach allen Seiten offen sind; andere Autoren, wie zum Beispiel Kurt Ruh, fassen die Darstellung des „höfischen Romans“ so eng wie möglich und klammern alle Symbiosen mit der Legende, der Helden- und der Geschichtsepik aus.[26]

Der höfische Roman als literarischer Gattungsbegriff, nicht nur als „literarurgeschichtliche Ordnungskathegorie“27, erfordert in der Tat eine relativ enge Definition; gerade mit dem Versuch einer solchen Definition wird man aber vor ein großes Problem gestellt, denn der Roman an sich muss sich selbst Modelle schaffen, damit er zur Gattung wird; für den höfischen Roman gibt es jedoch kein verbindliches Modell. Eines steht fest: Die neuen Lormen des Erzählens, die seit der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden, unterschieden sich in StoffWahl und ihren Sinnbezügen fundamental von den älteren Formen.[28] Dennoch gingen die Erzählstoffe der entstehenden höfischen Romane auf die unterschiedlichsten Traditionen zurück: Historische Stoffe aus der Antike (Eneasroman) und der karolingischen, beziehungsweise deutschen Geschichte (Rolandslied, Herzog Ernst) fanden große Beachtung. Hartmann von Aue nahm sich des Artusstoffes mit seinem Erec erstmals in deutscher Sprache an, nachdem der Lranzose Chretien de Troyes die ursprünglich englische Artusgestalt zum „weltliterarischen Ereignis“[29] gemacht hat; für die Entwicklung des höfischen Epos auf deutschem Boden ist die Bedeutung Chretiens kaum zu überschätzen, denn er hat mit seinem literarischen Werk die Vorlagen für die bedeutendsten Artus-, beziehungsweise arthurischen Gralromane der höfischen Kultur geliefert (Erec et Enide, Cliges, Lancelot, Yvain und Perceval). Gottfrieds von Straßburg „Tristan“ ist ein weiterer Beleg für die Vielfalt höfischer Epik, denn es handelt sich dabei weder um einen historischen noch arthurischen Stoff; Gottfried hat einen Versromans des am Londoner Hof dichtenden Thomas de Bretagne adaptiert, welcher ursprünglich auf eine keltische Sage zurückging[30], und schuf damit zweifelsfrei einen der großartigsten höfischen Romane des deutschen Mittelalters.31

Angesichts dieser verschiedenen Konzeptionen wäre es unsinnig, von einer Gattungstradition des höfischen Romans zu sprechen, denn dieser Typus wird durch kein grundlegendes Modell definiert. Die höfischen Romane haben vielmehr unübersehbare thematische Gemeinsamkeiten, welche Dorothea Klein folgendermaßen beschreibt: „Es sind spannende, berührende, auch irritierende Geschichten, die zentrale Probleme der sich neu formierenden Adelwelt diskutieren: Herrschaft, Krieg, Gewalt und ihre Legitimation, das Verhältnis der Geschlechter, Liebe und Ehe, Interaktionsregeln, soziale Normen und Werte, die zivilen Formen des gesellschaftlichen Miteinanders

Der christliche Ritter avancierte dabei zum Leitbild der höfischen Männlichkeit und hatte ein Gewaltmonopol und Fehderecht, wobei die Waffen nur eingesetzt werden sollten, um „Frieden und Recht zu wahren oder um die gestörte Rechtsordnung wieder herzustellen, zum Schutz der Armen und Bedrängten, der Witwen und Waisen, zur Verteidigung der Kirche und des christlichen Glaubens und /...7 zum Schutz des eigenen Herrn."32 Neben diesem kontrollierten Umgang mit Gewalt umfasste die höfische Erziehung und Lebensart auch die vier antiken Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit und spezifisch christliche Normen wie Demut, Mitleid, Barmherzigkeit, Beständigkeit, Lauterkeit und Treue.[33]

Für die Zwecke dieser Arbeit wird, bis auf eine Ausnahme, eine relativ eng gefasste Definition des Begriffes „höfischer Roman“ von Nutzen sein, da die Anzahl der zu berücksichtigen Werke ansonsten unüberschaubar würde. Die Analyse des „Gregorius“- Prologs erscheint neben der Betrachtung des „Iwein“- Prologs sinnvoll, da auf diese Weise ein runderes Bild von Hartmanns Prologtechnik entstehen kann, denn der Prolog des „Iwein“ ist, wie wir später sehen werden, wenig aufschlussreich. Der Miteinbezug dieses Prologes ist insofern gerechtfertigt, als der Text unzählige höfische Elemente enthält.[34]

3. Überlieferung und Rezeption antiker Rhetoriken im Mittelalter

3.1. Die Reduktion rhetorischer Tradition auf ein Mindestmaß

„Die Barbarisierung der Kultur seit dem Frühmittelalter hatte den intellektuellen Reichtum und die Methodenfülle der Alten weithin verschüttet, der Verlust des Griechischen ihn seiner wertvollen Quellen beraubt, das Vordringen des Islam den lateinischen Kulturkreis schrumpfen lassen. Wiederentdeckung und Neugewinnung wurden nötig. /...7 Doch blieb die einstige Fülle unerreicht und ließ sich nicht einfach wiederbeleben. Nur weniges, freilich Wichtiges hatte den Unbilden der Zeit getrotzt und dem Vergessenwerden widerstandenZ“35 Johannes Fried bezieht dieses vernichtende Urteil auf die quellengeschichtliche Überlieferung der antiken Rhetorik im frühen Mittelalter. Ernst Robert Curtius’ Bewertung ist noch schärfer: Die Rhetorik im Verbande mit den artes liberales weise im Mittelalter die „Entartungssymptome der Erstarrung, des Substanzschwundes, der Verfratzung,36 auf.

Man muss Curtius und Fried insofern recht geben, als der griechischen Rhetorik überhaupt keine Beachtung bei der Überlieferung geschenkt wurde. Was von der klassischen römischen Rhetorik übrig blieb, beschränkte sich in aller Regel auf die pseudo - ciceronianische rhetorica ad herennium (ca. 90 v. Chr.)37 und Ciceros Jugendwerk de inventione (ca. 86 v. Chr.)38. Aus den Jahren um 1200 sind von diesen Rhetoriken 150 beziehungsweise 180 Handschriften erhalten.39 Während im Mittelalter die Grammatik mit Donatus40 und die Dialektik mit Boethius41 verbunden wurde, galt Cicero als die Autorität für den Rhetorikunterricht.42 Ironischerweise hat Ciceros umfangreiches und wesentlich reiferes Werk de oratore (ca. 50 v. Chr.) weitaus weniger Beachtung gefunden, obwohl der Meister seines Faches sich darin ausdrücklich von seinem Jugendwerk distanziert hat. Die mittelalterliche Rhetorik ist also ciceronianischer Art, aber ganz und gar nicht im Sinne eines erfahrenen Cicero, der viele soziale, ethische und soziale Fragestellungen in sein Vermächtnis eingeflochten hat. Der institutio oratoria Quintilians erging es meist ähnlich: Obwohl es sich dabei um ein umfangreiches, höchst anspruchsvolles Kompendium antiker Rhetorik handelt, fand es bis in das 12. Jahrhundert hinein so gut wie keine Beachtung und wurde erst allmählich in das mittelalterliche Bildungssystem integriert; was die zahlenmäßige Verbreitung der Schrift angeht, war jedoch auch die institutio oratoria weit weniger einflussreich als die zwei kleineren Werke, die Cicero zugeschrieben wurden.

Vielleicht war jedoch gerade der Anspruch, den die Meisterwerke de oratore und institutio oratoria an seine Rezipienten stellten, dafür verantwortlich, dass man sich in der Rhetorik auf einen relativ kleinen gemeinsamen Nenner beschränkt hat. So klein dieser Nenner auch war, er war knapp und präzise und wurde so zum

Schulprogramm der artes liberales im Mittelalter.

Johannes Fried kommentiert diese Reduktion folgendermaßen: „Es gab nichts, was hätte ablenken können. Was man las, sah oder schrieb, es wurde nach denselben rhetorischen und dialektischen Methoden traktiert. So hatte der Mangel auch sein Gutes; man lernte, mit dem Wenigen zu wuchern. Es entstand eine einheitliche und feste Basis einer Verständigungsgemeinschaft [...]. “43

Ausschließlich auf Cicero beschränkt hat sich die Überlieferung in der Spätantike freilich nicht. Es entstanden einige kleinere rhetorische Abhandlungen, die zwangsläufig weit weniger einflussreich waren als ihre großen Vorbilder. Meistens handelte es sich dabei um kommentatorische und kompilatorische Werke, die nicht innovativ waren, sondern sich stets auf die großen Vorbilder der klassischen Antike bezogen haben. Die Autoren dieser Rhetoriken hatten sich zum Ziel gesetzt, die klassische Tradition der Rhetorik über die Wirren der Zeit hinaus zu bewahren. Karl Halm hat die wichtigsten Rhetoriken vom ersten Jahrhundert bis zur Karolingerzeit unter dem Titel rhetores latini minores herausgegeben.[44] Darunter befinden sich beispielsweise die kompilatorische Arbeit des Julius Viktor[45] aus dem vierten Jahrhundert und die ars rhetorica des Fortunahan[46]. Ebenfalls in Halms Buch publiziert ist die einflussreiche rhetorische Abhandlung des Martianus Capella[47], dem letzten nichtchristlichen Kompilator antiker Bildung. Bis heute sind 243 Handschriften seiner Abhandlung aus dem Mittelalter überliefert[48] und auch die anderen Werke der „rhetores minores“ sind in mittelalterlichen Bibliotheksbeständen erhalten geblieben.

3.2. Augustinus und die christliche Beredsamkeit

Die grundlegende Problematik der Spätantike bestand gewissermaßen in einer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Reichskrise des dritten Jahrhunderts, welche die römische Kultur in ihren Grundfesten erschütterte.[49] Während die rhetores latini minores noch lasen, zusammenfassten und kommentierten, traf die christliche Lehre auf die überkommene antike Kultur. Es ereignete sich eine Abwertung des weltlichen Wissens durch die göttlich inspirierten und „frommen Eiferer“50 ; wahrscheinlich verhärteten sich die Fronten während den Christenverfolgungen unter Decius, Valerian und Diokletian.[51]

Tertullian beispielsweise kritisierte den Rückgriff auf antikes Gedankengut und legt dar, dass jegliche Abweichung von der kirchlich-apostolischen Lehre als Irrlehre zu gelten habe.[52] Titianus’ Urteil über die „heidnische“ Rhetorik war auch nicht schmeichelhafter: Die Rhetorik, so schreibt er, sei nur zur Ungerechtigkeit und Verleumdung erfunden worden.[53] Einige gelehrte Vertreter des Christentums vertraten gegenüber der Rhetorik einen ähnlichen kompromisslosen Kurs. Ein solcher Starrsinn hätte leicht zu einer Verdrängung antiker Lehren im mittelalterlichen Bildungsbetrieb führen können, denn die einzigen Institutionen, die bis in das 12. Jahrhundert hinein für deren Überlieferung und Vermittlung sorgten, waren die Kloster- und Dombibliotheken. Keinem Novizen wäre unter diesen Vorraussetzungen eine rhetorische Bildung zuteil geworden und kein mittelalterlicher Autor hätte seinen Stil durch das Studium des Triviums verfeinern können. Es hat sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen, dass sich viele Christen der überkommenen Kultur nach wie vor verbunden fühlten, denn einflussreiche und hervorragende Kirchenväter haben sich sehr reflektiert mit der Problematik auseinandergesetzt und eine vermittelnde Rolle im Streit um die heidnischen Wissenschaften eingenommen. Unter den vielen Befürwortern eines Kompromisses war Augustinus (354-430) wohl der bedeutendste. Als Sohn einer gläubigen Christin und eines römischen Veteranen war er repräsentativ für beide Lager. Der Kirchenvater war ohne Zweifel bestens mit der rhetorischen Tradition vertraut, denn in jungen Jahren machte er beispiellos Karriere als Rhetoriklehrer, der in Karthago, Rom und Mailand unterrichtete. Nach seiner Taufe im Jahr 387 hat er jedoch sein Bild von der Beredsamkeit relativiert.[54] Augustinus rechtfertigte den Nutzen der Rhetorik für das Christentum gleich zu Beginn des vierten Buches seiner doctrina Christiana: „Denn weil durch die Rhetorik sowohl von Wahrem als auch von Falschem überzeugt wird, wer wagte da zu sagen, dass die Wahrheit mit ihren Verteidigern waffenlos gegen die Lüge bestehen muß, so dass jene, die offensichtlich von falschen Dingen zu überzeugen versuchen, es verstehen, den Hörer im Einleitungsteil ihrer Rede wohlwollend, aufmerksam oder aufnahmefähig zu machen, diese solches aber nicht vermögen? Sollten jene Falsches bündig, klar und plausibel erzählen, diese dagegen Wahres so, dass es langweilig anzuhören und nicht zu verstehen ist und schließlich nicht gerne geglaubt wird? [...] Wer könnte so töricht sein, dies für weise zu halten?55

Augustinus rechtfertigt in rhetorischer Perfektion die Instrumentalisierung der antiken Rhetorik für christliche Zwecke und beruft sich dabei auf einen zentralen Aspekt dieser Arbeit: Der Christ soll sich die Strategien der captatio benevolentiae aneignen, um mit seinem missionarischem Eifer dem rhetorisch geschulten Heiden entgegentreten zu können. Die Argumentation des Augustinus, die hier stellvertretend für andere christliche Theorien behandelt wird, hat sich schließlich durchgesetzt.

Die Werke Ciceros durften nun ohne moralische Bedenken überliefert, abgeschrieben und kommentiert werden. In den folgenden Jahrhunderten haben sich viele hochrangige Gelehrte der Thematik angenommen - natürlich in lateinischer Sprache.

3.3. Die Fortführung der rhetorischen Tradition im Rahmen der artes liberales

Augustinus legte dem christlichen Redner die Beschäftigung mit den heidnischen Wissenschaften nahe und meinte damit die Beschäftigung mit den artes, welche zum zentralen Gegenstand des mittelalterlichen Bildungswesens wurden. Die artes liberales bezeichneten im Hellenismus einen Kanon von sieben Wissenschaften, durch die man Bildung erwerben konnte. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes bringt zum Ausdruck, dass das Studium dieser Bildungsinhalte in der Antike den freien Menschen Vorbehalten war, im Gegensatz zu den Sklaven. Unter dem Einfluss des Christentums im Mittelalter wandte man sich im Allgemeinen von dieser Definition ab und stellte die „befreiende Wirkung in den Vordergrund, die das Studium der artes auf die menschliche Seele hat“.56 Die sieben Disziplinen bestanden aus dem Trivium der Grammatik, Dialektik und Rhetorik; darauf baute das Quadrivium auf, welches aus Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie bestand.57 Die mittelalterliche Rezeption antiker Rhetorik fand im Grunde ihre Rechtfertigung im zeitgenössischen Schulbetrieb, wobei auf dem Trivium das Hauptgewicht dieser Bildung lag. Nach bestem Wissen und Gewissen - erinnern wir uns an dieser Stelle an Augustinus - haben in der Folgezeit bedeutende Kleriker die Rhetorik in ihre lehrreichen Traktate eingearbeitet:

Der Bischof Isidor von Sevilla (ca. 560 - 636) hat in seinen etymologiae fast alle Wissensbestände aus klassischen Quellen abgehandelt. Das Werk ist in seinem Umfang etwa vergleichbar mit einer zweibändigen Brockhaus-Enzyklopädie und wurde zu einem „ExportschlageE für die ganze westliche Welt, denn „die Anzahl der fachlichen und begrifflichen Wissensgegenstände, über die man etwas in einer einzigen umfangreichen Handschrift erfahren konnte, war überzeugend..“58 Natürlich war die Qualität der Artikel in Isidors Kompilation von der Quellenlage abhängig, er hat schließlich die Welt nicht selbst erforscht. Isidors Stärke liegt in der Darstellung des Triviums, wobei Rhetorik und Dialektik etwa 75 Prozent des Umfanges ausmachen.

Alcuin (ca. 735 - 804), der wohl bedeutendste Gelehrte seiner Zeit, wurde von York an den Hof Karls des Großen berufen, um dort dessen bildungspolitische Vorhaben zu unterstützen. Alcuin besaß neben fachlicher Kompetenz wohl auch ein gewisses didaktisches Geschick, denn er verfasste viele seiner Schulbücher in Dialogform. Die Rhetorik wird bei Alkuin als Dialog zwischen Karl dem Großen und seinem Magister Albinus abgehandelt59, wobei die Schrift im Wesentlichen die ciceronianische Rhetorik zusammenfasst.

Alcuins Schüler Hrabanus Maurus (ca. 784 - 856) führte in seinem Werk de institutione clericorum rhetorische Passagen des Augustinus an, welche insofern bemerkenswert sind, als sie viele Passagen aus Ciceros de oratore enthalten, einer ansonsten fast völlig vergessenen Schrift.60 Man könnte die Reihe der Gelehrten, die sich im christlichen Auftrag mit der antiken Rhetorik auseinander gesetzt haben, noch um viele Namen erweitern[61], was für die Fragestellung dieser Arbeit jedoch wenig sinnvoll zu sein scheint.

Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass antike Rhetoriken für das christliche Mittelalter eine kaum zu überschätzende Bedeutung hatten. Die Werke Ciceros standen den Gelehrten des Mittelalters zur Verfügung und wurden über Jahrhunderte hinweg in religiöse Traktate eingeflochten, schließlich waren die Kirchenväter mit gutem Beispiel voran gegangen. Wer rhetorische Studien betreiben wollte, musste definitiv der lateinischen Sprache mächtig sein. Notker Labeo (ca. 950 - 1022) von der Klosterschule St. Gallen hat in seine nova rhetorica, einer Auseinandersetzung mit Ciceros Systemrhetorik, erstmals eine althochdeutsche Terminologie in den lateinischen Text eingearbeitet, diese Einschübe waren jedoch für ein Verständnis der Rhetorik bei weitem nicht ausreichend.[62] Das Werk hat zeitgenössisch keine Wirkung gehabt[63] und mit Sicherheit hat kein mittelhochdeutscher Dichter sich je damit beschäftigt. Manegold von Lautenbach (1030 - 1103) fügte erstmals vollständige mittelalterliche Kommentare zu de inventione und der rhetorica ad herennium hinzu[64], in etwa zu der Zeit, als Hartmann von Aue seinen Erec fertiggestellt hat.

4. Zur Bildung mittelhochdeutscher Autoren

Wer die Einflüsse der antiken Rhetorik auf die Prologe des höfischen Romans nachweisen will, muss zwangsläufig die Frage nach der Bildung mittelhochdeutscher Autoren stellen. Setzen wir einfach einmal voraus, dass es einen gewissen Einfluss der forensischen Rhetorik auf mittelalterliche Autoren gegeben hat: Eine rein zufällige und beliebige Wiederkehr rhetorischer Figuren bei ganz verschiedenen Autoren des Mittelalters kann wohl ausgeschlossen werden, auch wenn zu diesem Zeitpunkt der Arbeit noch keine detaillierte Analyse der Prologe vorliegt; es ist einfach nicht vorstellbar, dass die Dichter intuitiv die passenden Mittel zur captatio benevolentiae angewandt haben, auch wenn Wibald von Corvey der Meinung war, dass für Laien keine literarische Bildung notwendig gewesen sei, denn diese seien oft von Natur begabt gewesen;[65] die Analyse der Prologe wird seine Meinung jedoch grundlegend relativieren, denn viele rhetorische Muster kehren immer wieder und folgen einer bestimmten Regelmäßigkeit.

Neben einer gründlichen Bestandsanalyse rhetorischer Figuren in den Prologen muss diese Arbeit also auch der Frage nachgehen, wie antike Rhetorikelemente zum Instrument mittelhochdeutscher Autoren werden konnten.

4.1. Probleme der biographischen Forschung

Man muss mehrere Vermutungen allgemeiner Natur darüber anstellen, wie sich die Autoren ein rhetorisches Instrumentarium aneignen konnten, denn über die Biographie der Dichter wissen wir in den meisten Fällen fast nichts. Für die Herkunft Hartmanns stehen vier verschiedene Geburtsorte zur Auswahl, die nicht von vornherein ausscheiden[66], die Heimat Heinrichs von dem Türlin wird irgendwo zwischen Kärnten, Steiermark, Südtirol und Friaul vermutet[67] und angeblich beurkundete Nachkommen Heinrichs von Veldecke haben die Forschung zu der Annahme verleitet, dass der Dichter wohl aus einem Dorf in der Nähe von Spalbeke, heute auf belgischem Boden, stammte.[68] Die Forschung weiß nichts genaues über die Herkunft der Dichter und deren Auftraggeber, selbst die Lebenszeit der Autoren und die Entstehungszeit der wichtigsten Werke kann die Mediävistik nur aufgrund von vagen termini ante quem und - post quem versuchen zu rekonstruieren. Während uns die Chroniken großer Königshäuser oder auch Klöster einen recht umfangreichen Einblick in historische Zusammenhänge erlauben, scheint sich im Mittelalter niemand für die Biographie eines „unbedeutenden“ Dichters interessiert zu haben. Wir sind also darauf angewiesen, was die Dichter in ihren Werken über sich selbst oder über andere Dichter aussagen.

Angesichts dieses bedauernswert ungenauen Forschungsstandes, der nicht einmal die biographischen Eckpfeiler ausreichend beleuchten kann, wäre der Versuch zum Scheitern verurteilt, nach einem konkreten Hinweis darauf zu suchen, welche Bildung ein mittelhochdeutscher Dichter durchlaufen hatte, geschweige denn, welche Schule er besucht oder von welchem Lehrer er sein Handwerk erlernt hat; wenn wir derartiges wüssten, würde diese Arbeit nicht die Frage aufwerfen, ob, sondern nur in welchem Ausmaß die mittelalterlichen Prologe von antiker Rhetorik beeinflusst wurden.

4.2. Mittelalterliche Bibliothekskataloge als Chance zur Klärung des Bildungshintergrundes

Wenn uns die Biographie der Dichter in diesem Punkt schon nicht weiterhilft, so könnte man auf einem anderen Weg empirisch versuchen, deren rhetorische Bildung zu erklären: Man müsste dazu den groben Wirkungsraum der Autoren mit den Bibliotheksbeständen um 1200 in Deutschland vergleichen und damit wenigstens klären, ob im näheren Umkreis der Dichter eine theoretische Zugriffsmöglichkeit auf Cicero, Quintilian und andere Rhetoriken vorhanden war. Einen ersten Überblick über mittelalterliche Bibliotheksbestände verschafft uns Sigrid Krämers Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters.[69] Mit diesem Werk wird versucht, in systematisch umfassender Weise die mittelalterlichen Bibliotheken Deutschlands nach dem heute noch vorhandenen Handschriftenbestand zu rekonstruieren. Es ist sicher, dass das Kompendium keine abschließende und verlässliche Lösung der Fragestellung präsentieren kann, hauptsächlich aus folgenden Gründen: Erstens sind nur die Werke aufgeführt, die heute noch erhalten sind; wir müssen also davon ausgehen, dass das Handschriftenerbe im Vergleich zum tatsächlichen mittelalterlichen Bestand stark dezimiert ist. Zweitens ist für die erhaltenen Werke nur sehr schwer nachvollziehbar, welchen Weg sie im Lauf der Jahrhunderte zurückgelegt haben, beziehungsweise wo sie sich im Mittelalter tatsächlich befunden haben. Nur in den seltensten Fällen findet sich dazu ein Eintrag im Buch.[70] Drittens sind nicht einmal die erhaltenen Bibliotheksbestände vollständig katalogisiert. Viertens konnten viele Texte, die in Handschriftenkatalogen nur zweifelhaft erschlossen sind, nicht eindeutig identifiziert werden. Sigrid Krämer weist auf die Problematik des

Handschriftenerbes hin:

„Es [das Buch] kann nur eine Vorarbeit sein für alle kommenden Publikationen auf dem Felde der Handschriften- und Bibliotheksgeschichte. Vollständigkeit bei einer Arbeit wie der vorliegenden auch nur anstreben zu wollen, wäre Hybris. Daher wird meine erste Auflage mit allen Mängeln und Unvollständigkeiten behaftet sein müssen, die ein solches erstes Vordringen in ein Gebiet mit sich bringt, bei dem es bislang keine Vorarbeiten gegeben hatte. Nun kann die eigentliche Forschung der Provenienzgeschichte der Handschriften beginnen und das Handschriftenerbe ist sicherlich nur eine Vorarbeit dazu.“71

Wie schon gesagt: Man könnte trotzdem versuchen nachzuweisen, ob im wahrscheinlichen Umfeld der Dichter eine Zugriffsmöglichkeit auf antike Rhetoriken bestand.

Doch was hätten wir dadurch gewonnen? Selbst wenn Krämer uns ein lückenloses und historisch korrektes Abbild mittelalterlicher Bibliotheksbestände zur Verfügung stellte, so könnten wir doch nie mit Gewissheit klären, ob man dem Dichter Zugang zur entsprechenden Literatur gewährt hat; selbst wenn wir das für wahrscheinlich hielten, wüssten wir nicht, ob der Autor Gebrauch von dem Bildungsangebot machte.

4.3. Vermutungen über die Bildungsmöglichkeiten der Dichter

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir wissen nichts und müssen deshalb Vermutungen allgemeiner Art über die Möglichkeiten rhetorischer Bildung im Mittelalter anstellen. Wie viele andere Forscher kommt auch Winfried Christ zu dem Schluss, dass der „desolate Stand bisheriger Forschung zu Bildungsgeschichte des Mittelalters“72 eine empirische Untersuchung des Problems unmöglich macht, auch wenn die Rhetorik im Mittelalter „allgegenwärtig“73 gewesen sei. Fernab des mittelalterlichen Schulbetriebes in Kloster- und Domschulen, der im folgenden Teil der Arbeit näher beleuchtet werden soll, gab es für die Dichter wohl zwei Möglichkeiten, die Strategien forensischer Exordialtopik zu erlernen:

4.3.1. Mündliche Überlieferung und Nachahmung literarischer Vorbilder

Das, was aus der lateinischen Tradition kam, musste nicht zwingend durch eine klassische Bildung oder eigene Lektüre erworben worden sein: Zum Einen bestand die Möglichkeit, dass gewöhnliche Lehrer, also keine Theologen, den Schreiber in ihrer Kunst unterwiesen haben. Es ist durchaus denkbar, dass ein talentierter Schriftsteller keine Ahnung von der lateinischen Sprache hatte und sich aus diesem Grund an einen Meister des Faches wandte, der ihm jene Bestandteile der antiken Rhetorik beibrachte, die für das „Handwerk“ des Dichters brauchbar gewesen sind. Diese Art der Wissensweitergabe wäre eine mögliche Erklärung dafür, dass nur ein reduzierter Katalog rhetorischer Figuren immer wieder kehrt und andere Bereiche der Rhetorik weniger Beachtung finden.

Wolfram von Eschenbach gilt beispielsweise als illiteratus, er war der lateinischen Sprache wahrscheinlich nicht mächtig; die Forschung konnte bis jetzt jedoch keine befriedigende Klärung dieser Frage erreichen. Für Wolframs Parzival - Prolog gab es jedenfalls keine Vorlage[74], die er einfach hätte abschreiben können, denn Chrétiens Conte du Gral umfasst nur die Bücher III - XII. War Wolfram nur ein Naturtalent, das ganz zufällig die passenden Elemente der captatio benevolentiae anwandte und variierte? Viele weitere Passagen im Parzival lassen im Grunde darauf schließen, dass Wolfram sorgfältig in den artes liberales ausgebildet worden ist. Wie kann ein Mann des Mittelalters, der sich nach eigenen Aussagen von den bildungsbewussten Dichtern abgrenzte[75], ohne lateinische Bildung arabische Planetennamen[76] in sein Werk einarbeiten? Wie konnte Wolfram uns die Namen von so vielen verschiedenen Edelsteinen nennen, ohne ein Buch darüber gelesen

[...]


[1] Gorgias von Leontinoi (ca. 480-380 v. Chr) gilt als Bindeglied zwischen den Ursprüngen der Rhetorik in Sizilien und Athen. Protagoras von Abdera (ca. 481 - 411 v. Chr.) war der wichtigste Begründer der Dialektik. Isokrates (436-338 v. Chr.), Schüler des Gorgias, war ein sehr bedeutender Rhetorikschulgründer, wandte sich jedoch scharf gegen die Sophisten, denn die Vorstellung von der Rhetorik sollte nach seiner Meinung philosophischer und moralischer sein.

[2] Manlred Luhrmann: Die Antike Rhetorik, Düsseldorf 1984, Seite 43.

[3] Max Wehrli: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter, München 1990, Seite 243.

[4] Die Datierungen der verschiedenen mittelhochdeutschen Epen variieren, zumal sie von der Lorschung zum Teil sehr kontrovers diskutiert werden; sie sind im Lall dieser Arbeit der Literaturgeschichte von VOLKER Meid entnommen: Reclam Buch der deutschen Literatur, Stuttgart 2004.

[5] JOACHIM Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 1986, Seite 12.

[6] Demütigkeit gegenüber Gott, Barmherzigkeit gegenüber den Mitmenschen und Tapferkeit gegenüber den Feinden.

[7] Volker Meid: Reclam Buch der deutschen Literatur, Stuttgart 2004, Seite 55.

[8] Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 1986, Seite 12.

[9] Franz Finster: Zur Theorie und Technik mittelalterlicher Prologe. Eine Untersuchung zu den Alexander- und Willehalmprologen Rudolfs von Ems. Bochum 1971, Seite 22.

[10] Duden: Etymologischen Wörterbuch, Seite 633.

[11] Vgl. Franz Finster: Zur Theorie und Technik mittelalterlicher Prologe, Seite 21.

[12] Ebd.

[13] Vgl. Franz Finster: Zur Theorie und Technik mittelalterlicher Prologe, Seite 22.

[14] Peter Dinzelbacher (Hrsg.): Sachwörterbuch Mediävistik, Stuttgart 1992, Seite 655.

[15] Henning Brinkmann: Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung. Bau und Aussage, 1964, Seite 1.

[16] Samuel Jaffe hat einen Übersetzungsfehler mittelalterlicher Poetiken ausgemacht, der richtig übersetzt nicht von zwei Prologteilen, sondern von zwei Prologarten handelt.

[18] Walter Haug: Literaturtheorie im deutschen Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, Darmstadt 1992, Seite 9.

[19] Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur du lateinisches Mittelalter, München 1973, Seite 86.

[17] Manfred Fuhrmann: Die Antike Rhetorik, Seite 48.

[18] Captatio benevolentiae wird sinngemäß schon in der griechischen Rhetorik erwähnt. Der lateinische Begriff wird in der römisch-antiken Rhetorik von allen namhaften Autoren verwendet.

[19] Rhetorica ad Herennium I, 8 in: Theodor NÜßLElN (Hrsg.): Rhetorica ad Herennium, Darmstadt 1994, Seite 14.

[20] Cicero, de inventione I, 15 in: Theodor NÜßLElN: (Hrsg.) M. Tullius Cicero. De inventione, Darmstadt 1998, Seite 44.

[21] Peter Ganz: Der Begriff des „Höfischen“ bei den Germanisten, in: Werner Schröder (Hrsg): Wolfram-Studien IV, Berlin 1977, Seite 17.

[22] Ebd.

[23] Dorothea Klein: Mittelalter. Lehrbuch Germanistik, Stuttgart 2006, Seite 155.

[24] Peter NusSER: Deutsche Literatur im Mittelalter. Lebensform, Wertvorstellungen und literarische Entwicklungen, Stuttgart 1992, Seite 190.

[25] Joachim Bumke handelt zum Beispiel den Gregorius und den armen Heinrich im Rahmen seines umfangreichen Kapitels über die Höfische Epik ab. Vgl. JOACHIM Bumke: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter, München 1990, Seite 133-195.

[26] Kurt Ruh: Höfische Epik des deutschen Mittelalters I. Von den Anfängen bis Hartmann von Aue, Berlin 1911.

[27] Vgl. Kurt Ruh: Höfische Epik des deutschen Mittelalters I, Seite 6.

[28] Diese älteren Lormen waren in der Regel Nacherzählungen von biblischen Geschichten oder Heiligenleben, Erzählungen von Gestalten und Ereignissen der Reichsgeschichte oder den Nacherzählungen mündlich überlieferter Geschichten aus der heroischen Vergangenheit. Vgl. Dorothea Klein: Mittelalter. Lehrbuch Germanistik, Seite 158

[29] Peter Nusser: Deutsche Literatur im Mittelalter, Seite 193.

[30] Vgl. WOLFGANG Spiewok: Gottfried von Strassburg. Tristan und Isolde. Originaltext mit einer Versübersetzung und einer Einleitung von Wolfgang Spiewok, Amiens 1991, Seite 8.

[31] Dorothea Klein: Mittelalter. Lehrbuch Germanistik, Seite 158.

[32] Ebd., Seite 156.

[33] Ebd.

[34] Hartmanns „Gregorius“ ist ein Gattungsexperiment, das sich von der volkssprachlichen Legende löst. Vgl. Hartmann von Aue: Gregorius, der arme Heinrich, Iwein. Herausgegeben und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt am Main 2004, Seite 791. Die Gattungszuweisung des Armen Heinrich ist bis heute nicht geklärt, denn es gibt keine vergleichbaren literarischen Texte. Die Gattungszuweisung hängt entscheidend von der Interpretation des Textes ab. Für eine höfische Erzählung sind die religiösen Dimensionen ungewöhnlich wichtig. Vgl. Ebd., Seite 883f.

[35] Johannes Fried: Vom Nutzen der Rhetorik und Dialektik für das Leben. Eine Einführung, in: Johannes Fried (Hrsg.): Dialektik und Rhetorik im früheren und hohen Mittelalter. Rezeption, Überlieferung und gesellschaftliche Wirkung antiker Gelehrsamkeit vornehmlich im 9. und 12. Jahrhundert, München 1997, VIII-X.

[36] Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, Seite 81.

[37] Es handelt sich dabei um die älteste römische Rhetorik, die uns komplett erhalten ist. Bis in das 15. Jahrhundert hinein wurde sie fälschlich Cicero zugeschrieben; den tatsächlichen Namen des Autors kennen wir bis heute nicht.

[38] Cicero hat dieses Werk in jungen Jahren mit seinem Kapitel über die Auffindung des Stoffes begonnen. Diesem Kapitel folgt noch die Argumentationstechnik in der Gerichts-, Volks-, und Festrede; Cicero hat de inventione nie fertiggestellt und sich später sogar von seiner „jugendlichen Dummheit“ distanziert.

[39] Gert Ueding (Hrsg.): Rhetorik. Begriff - Geschichte - Internationalität, Tübingen 2005, Seite 109.

[40] Ars maior, ca. 350 n. Chr.

De topicis differentiis. Buch IV widmet sich der Rhetorik und wurde oft mit de inventione zusammen verwendet.

[41] Gert Ueding/Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte, Technik, Methode. Stuttgart/Weimar 2005, Seite 63.

[42] Johannes Fried: Vom Nutzen der Rhetorik und Dialektik für das Leben, X.

[43] Karl Halm (Hrsg.): Rhetores Latini Minores, Leipzig 1863.

[44] Kommentar zu Ciceros de inventione.

[45] Ars rhetorica. Das Werk lehnt sich an Quintilian an und führt viele Beispiele aus Ciceros Werk an.

[46] De nuptiis Philologiae etMercurii, frühes 5. Jahrhundert.

[47] Stichwort „Artes Liberales“ in: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 1, Tübingen 1992.

[48] Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, Seite 81.

[49] Gert Ueding/Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte. Technik. Methode, Stuttgart 2005, Seite 48.

[50] Vgl. Hans-Joachim Gehrke/Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, Stuttgart 2000, Seite 374f.

[51] Depraescriptione haereticum, zitiert nach Karl Heilmann: Quellenbuch der Pädagogik 5, Dortmund 1955, Seite 2.

[52] James J. Murphy: Rhetoric in the middle ages. A history of rhetorical theory from saint Augustine to the renaissance, Los Angeles 1974, Seite 46.

[53] Ernst Dassmann: Augustinus. Heiliger und Kirchenlehrer, Stuttgart 1993, Seite 11 -24.

[54] Karla POLLMANN (Hrsg.): Augustinus. Die christliche Bildung. Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Karla Pollmann, Stuttgart 2002, Seite 149f.

[55] Stichwort „Artes Liberales“ in: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 1, Tübingen 1992.

[56] Stichwort „Artes Liberales“ in: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik.

[57] Udo Kindermann: Isidor von Sevilla, in: Wolfram Ax: Lateinische Lehrer Europas. Fünfzehn Portraits von Varro bis Erasmus von Rotterdam, Köln/Weimar/Wien 2005, Seite 279.

[58] Karl LangOSCH: Mittellatein und Europa. Führung in die Hauptliteratur des Mittelalters, Darmstadt 1990, Seite 51.

[59] Gert Ueding (Hrsg.): Rhetorik. Begriff. Geschichte. Internationalität, Tübingen 2005, Seite 20.

[60] Einen guten Überblick bietet Gert Ueding in: Rhetorik. Begriff. Geschichte. Internationalist.

[61] James C. King/Petrus W. Tax (Hrsg): Notker der Deutsche. Die kleineren Schriften Bd. 7, Tübingen 1996, L.

[62] Gert Ueding (Hrsg.): Rhetorik. Begriff. Geschichte. Internationalität, Seite 111.

[63] Ebd., Seite 20.

[64] Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, München 1973, Seite 86.

[65] Thomas Cramer: Hartmann von Aue. Erec, 26. Auflage, Frankfurt a. M. 2005, Seite 44 f.

[66] Gudrun Felder: Kommentar zur „Cröne“ Heinrichs von dem Türlin, Berlin/New York 2006.

[67] Gabriele Schieb: Henric van Veldeken, Stuttgart 1965, Seite 1-6.

[68] Sigrid Krämer: Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, München 1989.

[69] Ebd., X.

[70] Sigrid Krämer: Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, XIII.

[71] Winfried Christ: Rhetorik und Roman. Untersuchungen zu Gottfrieds von Straßburg „Tristan und Isold“. Meisenheim am Glan 1977, Seite 27.

[72] Ebd., Seite 21.

[73] Es gibt eine Theorie, die diese These entkräftet: Wolfram bezieht sich offensichtlich immer wieder auf seinen Gewährsmann Kyot, der der lateinischen und arabischen Sprache mächtig gewesen sein soll und ihm die Vorlage für den Parzival geliefert habe. Kyots Werk als Wolframs Hauptquelle ist jedoch nirgends sonst erwähnt worden noch erhalten geblieben. Die moderne Forschung geht davon aus, dass es sich bei Kyot nur um eine Konstruktion Wolframs handelt. Zur Forschungskontroverse siehe Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach, Seite 244f.

[74] Ebd., Seite 6.

[75] Wahrscheinlich stammen die Planetennamen aus der lateinischen Übersetzung einer arabischen Quelle, dazu Paul Kunitzsch: Die Planetennamen im Parzival, Zeitschrift für deutsche Sprache 25, 1969, Seite 169-174.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Captatio Benevolentiae
Untertitel
Strategien antiker Rhetorik im Prolog des Höfischen Romans
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
99
Katalognummer
V167836
ISBN (eBook)
9783640847693
ISBN (Buch)
9783640843480
Dateigröße
1221 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
captatio, benevolentiae, strategien, rhetorik, prolog, höfischen, romans
Arbeit zitieren
Florian Schomanek (Autor), 2008, Captatio Benevolentiae, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167836

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