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Kroatische Literatur und Krieg

Krieg und Kriegsfolgen in Kroatien im Spiegel ausgewählter Literatur

Title: Kroatische Literatur und Krieg

Seminar Paper , 2008 , 29 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer (Author)

Didactics - Politics, Political Education
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Wir hatten 1982 eine Reise
durch Jugoslawien gemacht, von Koper über Riejka, Senj, Zadar, Šibenik bis Dubrovnik,
nach Mostar, Sarajevo, Banja Luka, Slunj, Zagreb, Varaždin bis Ptuj. Dieses Jugoslawien
hatten wir noch im Sinn, als wir in Slunj (wo wir das Hotel suchten, in dem wir damals zu
Abend gegessen und über Doderers Werk gesprochen hatten) durch einen Stau Richtung Plitvitze,
wie wir es immer zu tun pflegten, eine Nebenstraße nahmen, um schneller an die Küste
zu gelangen. Wir hatten in den 1990ern vom Krieg gehört, gelesen, waren entsetzt gewesen
über das, was sich nur wenige hundert Kilometer weit von uns entfernt abspielte, aber alles
war doch abstrakt geblieben. Wirklich konkret wurde es auf diesen Nebenstraßen zwischen
Slunj und Gradcac: zerstörte Dörfer, ausgestorbene Landschaften, Schattenbilder grauenhafter
Ereignisse, nur ein paar Greise, die noch in den Ruinen umhergingen. Diese Bilder verfolgten
uns den ganzen Urlaub, unseren ersten nach dem Krieg in Zadar. Bis heute waren wir immer
wieder in Kroatien, die Autobahn führt mittlerweile so durchs Land, dass man jene zerstörten
und unbewohnten Stätten nicht mehr sieht, in Zadar wie auch anderswo sind die Einschusslöcher
an den Häusern verschwunden, die zerstörten Häuser durch neue, moderne ersetzt. Ich
habe mir seither immer wieder die Frage gestellt, wie kann man als direkt Betroffene/r mit
solchen Erfahrungen umgehen, kann man das jemals vergessen, kann man es bewältigen?
Die folgende Arbeit soll ein (fragmentarischer, wie mir nach der Durchforstung des Materials
noch viel stärker bewusst ist) Versuch sein, zu verstehen, wie die Literatur auf diese Situation
einer radikalen Veränderung (politisch, gesellschaftlich, menschlich) reagiert und welche Botschaften
sie vermitteln kann. Ich habe das Lesen der kroatischen, deren Auswahl jedoch dadurch
begrenzt war, dass ich nur die deutschsprachigen Übersetzungen lesen konnte, als sehr
bereichernd empfunden, auch für die Auseinandersetzung mit der modernen österreichischen
und deutschen Literatur.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Krieg und Literatur

1.1 Literatur der Moderne bis 1945

1.2 Literatur in der SRFJ

2 Der Krieg von 1991 - 1995 und Kriegsfolgen im Spiegel der Literatur

2.1 Deutschsprachige Literatur

2.1.1 Südlicher Sommer – Ein Blick auf Kroatien aus der Ferne

2.1.2 Meine Ankunft in Wörtern – Ein Rückblick auf die alte Heimat

2.2 Kroatische Literatur

2.2.1 Lyrik – Dežulovic und Rešinski

2.2.2 Krieg und Kriegsfolgen in der Prosa

2.2.3 Junge Literatur aus dem neuen Kroatien

3 Schlussüberlegungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie kroatische Literatur den Krieg von 1991 bis 1995 sowie dessen gesellschaftliche Folgen verarbeitet und inwiefern diese Werke zur Bewältigung der radikalen Veränderungen beitragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Literatur als Instrument dient, um Kriegserfahrungen darzustellen, oder ob sie sich bewusst von der politischen Vereinnahmung distanziert.

  • Krieg und Kriegsfolgen in der kroatischen Literatur
  • Die Rolle der deutschsprachigen Literatur als Mittler und Perspektive von außen
  • Transformation des kroatischen Staates und die Rolle der jungen Generation
  • Literarische Aufarbeitung von Schuld, Trauma und Identitätsverlust
  • Die Bedeutung des "Neorealismus" und die Abkehr vom Phantastischen in der Prosa

Auszug aus dem Buch

1 Krieg und Literatur

Homers „Ilias“, Grimmelshausens „Simplizissimus“, Tolstois „Krieg und Frieden“, Borcherts „Draußen vor der Tür“ uvm. – Krieg und Kriegsfolgen haben Literatur beeinflusst. Bereits nach früheren Kriegen gab es auch in Kroatien Literatur zum Thema: zur Darstellung, zum Verständnis, vielleicht auch zur Bewältigung. Dennoch muss in Kriegszeiten Krieg nicht das dominante Thema sein.

Miroslav Krleža (1893 – 1981) ist einer der bedeutendsten kroatischen Autoren. Sein Werk erscheint nach 1914, ein Zeitpunkt, der wichtig für die kroatische Literatur gewesen ist: „Seit dem ersten Weltkrieg [...] entwickelte sich die kroatische Literatur aufgrund der gewaltigen Strömungen der Epoche aus einer zurückgezogenen, man könnte fast sagen, provinziellen Literatur, die ausschließlich mit ihrem eigenen Dasein beschäftigt war, wieder zu einer Literatur, die im Rhythmus der Weltereignisse atmete und dabei ihrer traditionell gehegten Meinung, dass nationalen Belangen und der Verwirklichung ästhetischer Werte Rechnung zu tragen sei, nicht untreu wurde.“ (Frangeš 1995, S. 319).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Krieg und Literatur: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der kroatischen Literatur von der Moderne bis 1945 und innerhalb der SRFJ.

2 Der Krieg von 1991 - 1995 und Kriegsfolgen im Spiegel der Literatur: Hier wird analysiert, wie Autoren sowohl in der deutschsprachigen als auch in der kroatischen Literatur auf den Zerfall Jugoslawiens und den Krieg reagieren.

3 Schlussüberlegungen: Die Arbeit resümiert, dass Literatur über den Krieg hinaus das alltägliche Leben und die Suche nach Sinn thematisiert und dabei die Auswirkungen des Krieges kritisch reflektiert.

Schlüsselwörter

Kriegsfolgen, Kroatische Literatur, Jugoslawien, Identität, Zeugenliteratur, Traumabewältigung, Transformation, Moderne, Kriegsdarstellung, Exilliteratur, Nationale Identität, Literaturrezeption, Realismus, Erinnerungskultur, Gesellschaftspolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Auseinandersetzung mit dem Kroatienkrieg (1991–1995) und dessen Auswirkungen auf Gesellschaft und Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören Krieg und Trauma, die Rolle des Exils, die Bedeutung der Herkunft sowie die kritische Aufarbeitung von nationalen Identitätskonstrukten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Literatur auf radikale gesellschaftliche Veränderungen reagiert und ob sie zur Bewältigung oder Darstellung dieser Erlebnisse beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Werke, um den Zusammenhang zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in deutschsprachige Perspektiven sowie Analysen kroatischer Lyrik und Prosa nach 1990, inklusive der Rolle junger Autorinnen und Autoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kriegsfolgen, Transformation, Identität und Zeugenliteratur geprägt.

Wie gehen junge Autoren mit dem Kriegserbe um?

Junge Autoren wie Savicevic oder Simic integrieren den Krieg oft nur als marginalen Hintergrund oder reflektieren ihn durch die Linse persönlicher Erlebnisse und alltäglicher Probleme.

Welche Rolle spielt die Berichterstattung in der Literatur?

Die Literatur kritisiert häufig die Unzulänglichkeit oder die oberflächliche Sensationsgier der medialen Kriegsberichterstattung, die die tatsächliche menschliche Tragik oft verdeckt.

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Details

Title
Kroatische Literatur und Krieg
Subtitle
Krieg und Kriegsfolgen in Kroatien im Spiegel ausgewählter Literatur
College
Klagenfurt University  (Zentrum für Friedensforschung)
Course
Politische Bildung: Seminar Krieg, Frieden und Politik
Grade
1,00
Author
MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer (Author)
Publication Year
2008
Pages
29
Catalog Number
V167844
ISBN (eBook)
9783640847730
ISBN (Book)
9783640844128
Language
German
Tags
Kroatie Krieg Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer (Author), 2008, Kroatische Literatur und Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167844
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