Patriotismus in Shakespeare`s "Henry V"


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Patriotische Lesart
2.1 Chorus
2.2 Nebenfiguren
2.3 König Henry V
2.4 Darstellung der Franzosen

3. Nicht-patriotische Lesart
3.1. Plot
3.2. König Henry V
3.3 Nebenfiguren

1. Einleitung

“But if it be a sin to covet honour, I am the most offending soul alive.” (IV.iii. 28f)1

Diese Aussage, getätigt von König Henry V. in der Nacht vor der Schlacht von Agincourt, zeugt vom patriotischen Charakter des englischen Herrschers, dem nichts mehr am Herzen liegt, als die Ehrenhaftigkeit seines Handelns. Das Historienspiel um den großen englischen König Henry V. und die Eroberung des französischen Throns gilt als das „patriotischste Stück Shakespeares“2. Als Shakespeare es schrieb, 1599, befand sich Britannien in den unruhigen Zeiten des Elisabethanischen Zeitalters „in einer Zeit ständiger Kriegsgefahr und Kriegsbereitschaft“3 ; und auch in der Folgezeit wurde das Stück immer dann wieder aktuell, wenn es darum ging das englische Volk für die Verteidigung heimatlicher Ehren zu motivieren: „Das war so während der Napoleonischen Kriege wie auch in beiden Weltkriegen (...).“4 Der heroische König, der all jene wünschenswerten Eigenschaften eines starken, selbstbewussten und menschlichen Staatsoberhaupts verkörpert, gelingt mit einer dem französischen Heer zahlenmäßig bei weitem unterlegenen, aber motivierten Schar englischer Soldaten die Eroberung der französischen Krone und damit der Hand der Prinzessin Katharine. In diesem, durch den englischen Klerus legitimierten, dadurch also gottgewollten (I,i) Angriffskrieg verlieren nur einige wenige englische, aber viele der überlegenen französischen Soldaten ihr Leben in der Eroberung von Harfleur und der darauf folgenden Schlacht bei Agincourt.

Das Stück Shakespeares bietet ergo einem patriotisch geneigten Leser ein breites Spektrum an Identifikationsmöglichkeiten, einem kritischen Leser hingegen eröffnet das Stück eine durchaus gegenläufige Lesart; von einem König, dessen Krieg und Motivation nicht widerspruchsfrei legitim und selbstlos ist, und dessen Reden und Taten sowie die seiner Gefolgschaft nicht derart heldenhaft und patriotisch sind, wie sie zunächst erscheinen.

Einerseits zeigt Shakespeare den idealen König und eine glorreiche englische Nation, andererseits auch die Grausamkeit des Krieges, der durch eine selbstgerechte, sich selbst bereichern wollende Gesellschaft heraufbeschworen wird.

Diese beiden sehr gegensätzlichen Lesarten sollen in dieser Arbeit zumindest ansatzweise herausgearbeitet werden. Zunächst soll die patriotische, anschließend die kritische Lesart näher beleuchtet werden, um schließlich darzustellen, dass beide Möglichkeiten gleichberechtigt ihren Sinn im Stück finden und diese Koexistenz von Shakespeare durchaus beabsichtigt gewesen sein könnte.

2. Patriotische Lesart

Dass Shakespeare aus den Chroniken der Herrschaft Henry V. eben die siegreiche Schlacht von Agincourt zum Handlungsmittelpunkt gewählt hat, ist an sich ein Hinweis auf den patriotischen Pathos des Stücks. Schließlich sind Henry V. und seine Mannen trotz Minderzahl ohne große Verluste siegreich. Doch schon die Tatsache, dass das gesamte britische Reich seinem König Henry V. folgt zeugt von der nationalen Stärke, die hier demonstriert werden soll. Als Henry die Invasion plant, rechnet er mit dem „traditionellen“ Angriff Schottlands (I.ii.143ff), sobald die Truppen England verlassen würden. Um sich eben vor den Aufständischen innerhalb seines Territoriums schützen zu können, zieht Henry mit nur einem Viertel der verfügbaren Männer nach Frankreich (I.i.213f). Die Hauptmänner Fluellen, Macmorris und Jamy, die ihn mit ihren Truppen begleiten sind Symbol für die Einigkeit der englischen Völkergruppen, die für die gemeinsame Sache ins Feld ziehen, und so eine neue britische Nation demonstrieren. „Heinrich V. instrumentalisierte darum den Krieg auch zur Integration der aus- und gegeneinanderstrebenden Landesteile: je ein englischer (Gower), walisischer (Fluellen), schottischer (Jamy) und irischer (Macmorris) Offizier waren seine Hauptleute. Wer wollte ihm da noch in den Rücken fallen?“5

Als deutlichen Verweis auf den patriotischen Charakter des Stücks kann aber vor allem die Darstellung des Königs Henry V. gewertet werden, was die folgenden Ausführungen näher beleuchten sollen.

2.1 Chorus

Der Chorus ist jedem Akt vorangestellt und gibt Informationen über Handlungsort und -situation. Allerdings trägt er durch zahlreiches Lob am „star of England“ (Ep.6) zur Idealisierung des englischen Königs bei.

Der Chor, der Henry V. beinahe freundschaftlich „Harry“ (III.29) nennt, bezeichnet ihn unter anderem auch als: „mirror of all Christian kings“ (II.6), „ a grace of kings“ (II.28) „royal captain“ (IV.29) oder auch als „conqu`ring Caesar“ (V.28).

Auch die königlichen Charaktereigenschaften finden Erwähnung und Beschreibung. So wird zum Beispiel auf Henrys Bescheidenheit und seine Nähe zum einfachen Volk verwiesen. Vor der Schlacht besucht der König seine Männer und „bids them good-morrow with a modest smile/ And calls them brothers, friends and countrymen“ (IV.33-34). In dieser Szene schafft es der König mit seiner bloßen Anwesenheit seine erschöpften Truppen [„(...) and their gesture sad/Investing lank-lean cheeks and war-worn coats“ (IV.25-26)] zu motivieren und mobilisieren:

„Upon his royal face there is no note How dread an army hath enrounded him; Nor doth he dedicate one jot of colour Unto the weary and all-watched night; But freshly looks and overbeares attaint With cheerful semblance and sweet majesty; That every wretch, pining and pale before, Beholding him, plucks comfort from his looks.” (IV.34-42)

Der Chorus skizziert also einen sehr menschlichen König, der seinem Volk nahe steht und außer dieser auch andere für einen Herrscher wünschenswerte Charaktereigenschaften in sich trägt.

2.2 Nebenfiguren

Das positive Bild, das der Chorus zeichnet, wird auch durch das Verhalten und Kommentierung der Nebenfiguren bestätigt.

Henry V. zieht mit einem Heer nach Frankreich, das eigentlich viel zu klein ist, um siegreich aus der Konfrontation hervorzugehen. Nicht zuletzt deswegen befinden sich die Männer nach der Belagerung von Harfleur und der anschließenden Schlacht von Agincourt in einem desolaten Zustand (IV.22ff). Trotzdem folgen sie ihrem Kriegsherren in die Schlacht und sind motiviert genug, um sie trotz aller Widrigkeiten für sich zu entscheiden. Allein diese Zeichen sind Beweis für Vertrauen und Loyalität, welche die Engländer ihrem König entgegenbringen.

Diese Ergebenheit erwirbt Henry durch seine Eigenschaften, besonders aber durch seine Menschlichkeit, die ihm auch durch die Nebenfiguren attestiert werden. Die Bischöfe, die den Herrscher als einen „true lover of the holy Church“ (I.i.23) bezeichnen, loben ihn außerdem als hervorragenden Rhetoriker, kriegserfahrenen Kämpfer und Politiker, dem selbst zugetraut wird den „Gordian knot“ (I.i.46) lösen zu können. All diese Eigenschaften hat Henry zudem autodidaktisch erworben, quasi aus seiner selbst heraus, was als besondere Leistung hervorgehoben wird. (Vgl. I.i.38ff)

In den späteren Kriegszeiten befindet sich Henry mit seinen Männern auf gleicher Augenhöhe - er lebt und kämpft mit ihnen gemeinsam und unprivilegiert. Erpingham, einer der Offiziere Henrys, der auf dem „churlish turf of France“ (IV.i.15) ruht, sagt selbst „Now I lie like a king“ (IV.i.17). Gegebenheiten wie diese machen King Henry für sein Volk zum „noble Harry“ (IV. i.33) und der sterbende Herzog von York richtet seine letzten Worte an seinen König: „Commend my service to my sovereign“ (IV.vi.23).

2.3 König Henry V.

Natürlich sind es die Darstellung, Taten und Aussagen Henrys V. selbst, die Shakespeare nutzt um dessen Größe herauszustellen.

Dem König, der mit seinen Männern nach Frankreich zieht, um den Thron zu erobern, sind die Gräuel des Krieges bewusst. Bei der Beratung mit seinen Bischöfen warnt er sie eindringlich keine Auseinandersetzung zu katalysieren, ohne sich der Folgen bewusst zu sein :

„We charge you, in the name of God, take heed; For never two such kingdoms did contend Without much fall of blood; whose guiltless drops Are everyone a woe, (…)

(I.ii.23-26)

Henry zeigt hier seine moralischen Bedenken bezüglich eines der vielen “Unschuldigen”, die für einen unrechtmäßigen Anspruch büßen müssten. Dazu lässt er dem französischen König am Abend vor der Schlacht ausrichten: „ We would not seek a battle as we are; / Nor, as we are, we ]say we will not shun it“ (III.vi.169f).

Henry kann die zukünftigen Schrecken für Land und Leute einkalkulieren, will aufgrund dessen einen Krieg vermeiden und zieht schließlich nur in denselben, weil er es als seine Pflicht sieht seine Rechte zu wahren. Trotzdem ist er hier als verantwortungsvoller und im Grunde defensivere der beiden Könige dargestellt.

In seinem Krieg ist der König nicht zurückhaltend und bloßer Stratege. Henry V. kämpft auf dem selben Schlachtfeld wie seine Männer (Vgl. IV.iii.2), streift nachts durch die Lager und betont auch in seiner großen Motivationsrede vor der Schlacht von Agincourt die Solidarität zu seinen Soldaten. Er nennt sie „noblest English“ (III.i.17), Söhne Alexanders (vgl. III.i.18ff), bezeichnet sie und sich selbst als „band of brothers“ (IV.iii.60) nicht ohne auch den Geringsten unter ihnen zu adeln: „For he to-day that sheds his blood with me / shall be my brother; be he ne`er so vile/ This day shall gentle his condition „ (IV.iii.61-63). Der Herrscher und sein Volk treten in Frankreich als eine Einheit auf und dies erklärt die bereits erwähnte, große Loyalität, die ihm seine Männer entgegenbringen.

Henry hebt an anderer Stelle, als Soldat getarnt hervor, dass er selbst, der König, ist wie ein jeder andere Soldat auch: „the violet smells to him as it doth to me/ (...) / his ceremonies laid by, in his naked-ness he appears but a man“ (IV.i.101ff). Dies zeigt noch einmal, dass er ein sehr humaner König ist, der sich nicht nur selbst als Teil seines Volkes sieht und verstanden werden will, sondern auch nach diesen Maximen lebt und handelt. Seinen soldatischen Herausforderer, der sich dem König, den er für ebenbürtig hielt, gegenüber beleidigend und strafbar verhalten hat, begnadigt und belohnt er sogar (vgl. IV.viii.51ff).

[...]


1 Shakespeare, William: King Henry V.. Hrsg. Hamblock, Dieter, Stuttgart: Reclam 2006 Das Werk King Henry V von William Shakespeare wird im Folgenden nach dieser Ausgabe unter der Angabe des entsprechenden Akts, Szene und Zeile zitiert.

2 Krippendorff, Ekkehart: Politik in Shakespeares Dramen. Frankfurt am Main 1992, S. 193

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Ebd. S.186

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Patriotismus in Shakespeare`s "Henry V"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Anglistisches Institut)
Veranstaltung
Elisabethan Plays
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V167875
ISBN (eBook)
9783640847938
ISBN (Buch)
9783640844050
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
patriotismus, shakespeare`s, henry
Arbeit zitieren
Laura Helm (Autor), 2008, Patriotismus in Shakespeare`s "Henry V", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167875

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