Literarische Sozialisation im Vorschulalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mediennutzung von Vorschulkindern
2.1 Überblick
2.2 Das Bilderbuch
2.3 Der Fernseher
2.4 Auditive Medien
2.5 Neue Medien

3. Anfänge literarischer Sozialisation
3.1 Erste literarische Wahrnehmungen
3.2 Das Vorlesen
3.3 Bedingungen der frühen literarischen Sozialisation

4. Aktuelle Vorlesedaten
4.1 Vorlese-Studie 2007
4.2 Vorlese-Studie 2008
4.3 Vorlese-Studie 2009

5. Welche Faktoren fördern die literarische Sozialisation im Vorschulalter?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich einen Blick auf die literarische Sozialisation im Vorschulalter werfen.

Dazu werde ich im Anschluss an die Einleitung im zweiten Kapitel zunächst auf die Mediennutzung der Vorschulkinder eingehen. Schon Vorschulkinder nutzen ein vielfältiges Medienangebot aus Bilderbüchern, dem Fernsehen, auditiven Medien und den sogenannten neuen Medien. Bei der Betrachtung der literarischen Sozialisation in dieser Altersgruppe ist es sicherlich sinnvoll sich das Medienverhalten dieser Altersgruppe näher anzuschauen, da Medien bereits bei kleinen Kindern eine große Rolle spielen und das Aufwachsen von Beginn an durch Medien geprägt ist und von Medien begleitet wird.

Im dritten Kapitel werde ich dann die Anfänge der literarischen Sozialisation näher erläutern. Dazu gehe ich zunächst auf die ersten literarischen Wahrnehmungen in der frühen Kindheit ein. Im Anschluss daran folgt eine kurze Betrachtung des Vorleseprozesses und einige Ergebnisse aus der Vorleseforschung, da das Vorlesen eine wichtige Station bei der Heranführung des Kindes an Literatur darstellt. Schließlich gehe ich in diesem dritten Kapitel auf die Bedingungen der frühen literarischen Sozialisation ein. Die Familie spielt hier eine zentrale Rolle.

Im vierten Kapitel stelle ich Ergebnisse aus aktuellen Vorlesestudien vor. Die Studien der Stiftung Lesen in Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Wochenzeitschrift Die Zeit aus den Jahren 2007, 2008 und 2009 zeigen welchen Stellenwert das Vorlesen in der heutigen Zeit hat und wie häufig und von wem es praktiziert wird.

Im abschließenden fünften Kapitel werde ich aus den Erkenntnissen der vorherigen Kapitel Schlüsse für eine mögliche Förderung der literarischen Sozialisation im Vorschulalter ziehen. Dazu werde ich verschiedene Faktoren beleuchten, die sich günstig auf die literarische Sozialisation in diesem Alter auswirken.

2. Mediennutzung von Vorschulkindern

2.1 Überblick

Kinder leben in einem variantenreichen Medienverbundsystem, in dem sowohl die klassischen Medien (Fernseher, Bücher, Hörmedien etc.) als auch neuere Medien wie z.B. Computer und Internet einen immer höheren Stellenwert in ihren Alltagsaktivitäten einnehmen. Für die Altersgruppe der drei- bis sechsjährigen Kinder gilt, dass die Mediennutzung der älteren Kinder auf sie übertragbar ist. Somit sind auch Vorschulkinder schon Medienkinder.

So sehen laut Angaben der Eltern 52,3% der Kinder fast täglich fern, 74% beschäftigen sich mit Bilderbüchern, 34,8% nutzen Hörspielkassetten und 26,7% Musikkassetten fast täglich.[1] Weitere Medien, die von Vorschulkindern genutzt werden sind: Radio, Videofilme, Videospiele, Computerspiele und Walkman. Die letztgenannten Medien werden insgesamt weniger häufig von ihnen genutzt.

Grüninger und Lindemann haben festgestellt, dass Geschlecht, Alter, Schichtzugehörigkeit und der Kontakt zu Gleichaltrigen Einfluss auf die Nutzungshäufigkeit und die Nutzungsdauer der genannten Medien haben. Bei einzelnen Medien muss auch die Anzahl der Geschwister und die Existenz eines eigenen Kinderzimmers berücksichtigt werden.[2]

2.2 Das Bilderbuch

Das Bilderbuch stellt für Kinder im Vorschulalter ein sehr geeignetes Medium dar, da sie es eigenständig rezipieren können, es aber auch zum Vorlesen durch eine Bezugsperson geeignet ist und die verschiedenen Bilderbücher in ihrer Komplexität variieren.

97,3% der Haushalte sind mit Bilderbüchern ausgestattet. 74% der Vorschulkinder betrachten Bilderbücher fast täglich, 30,5% mehrmals pro Woche und lediglich 0,3% nie.[3] Damit ist es das am meisten genutzte Medium dieser Altersstufe.

Einfluss auf die Nutzungshäufigkeit und die Nutzungsdauer von Bilderbüchern haben vor allem Schichtzugehörigkeit und Alter der Kinder. Je älter die Vorschulkinder sind, desto seltener und desto kürzer nutzen sie dieses Medium. Je höher der sozio-ökonomische Status der Familien ist, desto häufiger und desto länger beschäftigen sich die Kinder mit Bilderbüchern.[4] Entscheidend scheint hierbei der Bücherbesitz und der Schulabschluss der Eltern zu sein, der diesen Einfluss ausübt. Eltern mit höherer Bildung scheinen also ein größeres Augenmerk und eine stärkere Gewichtung auf das Bücherlesen zu legen, als Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss.

Mädchen widmen Bilderbüchern geringfügig mehr Zeit und sie tun dies durchschnittlich länger am Tag als Jungen.[5]

Einen weiteren Einfluss auf die Bilderbuchnutzung hat die Existenz eines eigenen Kinderzimmers. Kinder, die ein eigenes Zimmer in der Wohnung besitzen, betrachten Bilderbücher häufiger und länger.[6] Ihnen steht ein Rückzugsraum zur Verfügung, indem sie sich ungestört allein mit dem Medium beschäftigen können, der aber auch die Möglichkeit für ungestörte Vorlesesituationen bietet.

2.3 Der Fernseher

Der Fernseher stellt hinsichtlich der Nutzungsdauer das wichtigste Medium für diese Altersstufe dar. Anhand der Daten der AGF/GfK Fernsehforschung zeigt sich, dass im Jahr 2009 52% der Vorschulkinder im Alter von 3-5 Jahren täglich fernsahen. Die tägliche Sehdauer dieser Altersgruppe lag bei 71 Minuten, die Verweildauer sogar bei 128 Minuten. Waren die Kinder also einmal vor dem Fernseher angekommen, sahen sie im Durchschnitt etwas mehr als zwei Stunden fern.[7]

Das Geschlecht spielt bei der Fernsehnutzung der Kinder kaum eine Rolle. Jungen schauen nur zu einem geringen Anteil mehr Fernsehen als Mädchen. Entscheidender ist hier das Alter. 58% der Sechs- bis Neunjährigen sehen bereits täglich fern, sie sehen täglich länger fern (86 Minuten) und weisen eine höhere Verweildauer pro Tag auf (141 Minuten) als die Drei- bis Fünfjährigen.[8] Mit zunehmendem Alter nimmt der Stellenwert des Fernsehens somit zu.

Ebenso nimmt mit Abnahme des sozio-ökonomischen Status die Fernsehnutzung zu. Kinder scheinen bei mangelnden Angeboten seitens der Eltern auf das Fernsehen auszuweichen. Sie kompensieren auf diese Weise ein anregungsarmes Klima in ihrem Umfeld. Der Fernseher wird damit häufig aus Langeweile genutzt. Hurrelmann, Hammer und Stelberg haben schon 1995 an Untersuchungen zum Fernsehverhalten von Grundschulkindern festgestellt, je häufiger sich Kinder langweilen, desto häufiger sehen sie fern und desto länger ist die durchschnittliche Fernsehdauer. In der unteren Schicht berichten fast die Hälfte der Kinder über häufige Langeweile (47%), in der oberen Schicht lediglich 19%.[9]

Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen den Tätigkeiten, die die Kinder ausführen, und dem Fernsehkonsum. Vielseher finden sich überdurchschnittlich häufig unter denen, die Freizeitaktivitäten, wie Malen, Basteln, Sport, im Garten spielen u.ä. seltener oder nie ausführen.[10]

Vorschulkinder, die von ihren Eltern regelmäßig vorgelesen bekommen oder mit ihnen basteln, sehen im Durchschnitt weniger fern als die Kinder, die seltener mit ihren Eltern solche Tätigkeiten durchführen.[11]

Grüninger und Lindemann haben auch festgestellt, je mehr sich die Kinder mit Bilderbüchern beschäftigen, desto geringer ist ihr Fernsehkonsum. Dies er-klären sie damit, dass Eltern, die ihr Kind zum Lesen anregen, dem Fernsehen gegenüber eher kritisch eingestellt sind und die Nutzung einschränken.[12] Auf jeden Fall besteht ein Zusammenhang zwischen dem Fernsehkonsum der Vorschulkinder und ihrem Leseverhalten.

2.4 Auditive Medien

Zu den auditiven Medien, die Vorschulkinder nutzen, gehören Hörspielkassetten, Musikkassetten und das Radio.

[...]


[1] Vgl. Grüninger, Christian / Lindemann, Frank: Vorschulkinder u. Medien. Eine Untersuchung zum Medienkonsum von drei- bis sechsjährigen Kindern unter besonderer Berücksichtigung des Fernsehens. Opladen: Leske u. Budrich 2000, S. 78.

[2] Vgl. ebd., S. 102.

[3] Vgl. Grüninger / Lindemann: Vorschulkinder u. Medien. S. 79.

[4] Vgl. ebd., S. 81.

[5] Vgl. ebd., S. 79.

[6] Vgl. ebd., S. 81.

[7] Vgl. Feierabend, Sabine / Klingler, Walter: Was Kinder sehen. Eine Analyse der Fernsehnutzung Drei- bis 13-Jähriger 2009. Media Perspektiven 4/2010. S. 183.

[8] Ebd.

[9] Hurrelmann, Bettina / Hammer, Michael / Stelberg, Klaus: Familienmitglied Fernsehen. Fernsehgebrauch und Probleme der Fernseherziehung in verschiedenen Familienformen. Opladen: Leske u. Budrich 1996.

[10] Vgl. Grüninger / Lindemann: Vorschulkinder u. Medien. S. 146.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Grüninger / Lindemann: Vorschulkinder u. Medien. S. 147-148.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Literarische Sozialisation im Vorschulalter
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Didaktik)
Veranstaltung
Literarische Sozialisation: Die biographische Perspektive
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V167965
ISBN (eBook)
9783640848492
ISBN (Buch)
9783640845248
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literarische Sozialisation, Vorschulalter
Arbeit zitieren
Sandra Stommel (Autor), 2010, Literarische Sozialisation im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167965

Kommentare

  • Gast am 1.11.2013

    Ich würde mir gerne Ihre Arbeit kaufen, doch ich würde gerne wissen, wie viel Sie über die Definition/Begriffdifferenzierung von Literarische Sozialisation geschrieben haben

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Titel: Literarische Sozialisation im Vorschulalter



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