Die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers und ihre Anwendung in der Sozialpädagogik


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung
2.1. Zur Person Carl Rogers
2.2. Rogers Entwicklung der klientenzentrierten Beratung
2.3. Kritik

3. Die Grundhaltungen der Beratung
3.1. Wertschätzung
3.2. Echtheit
3.3. Empathie
3.4. Zusammenwirken der Grundhaltungen

4. Schwierigkeiten der Anwendung der klientenzentrierten Beratung in spezifischen Situationen
4.1. Fehlende Motivation der Klienten
4.2. Umgang mit Konfrontation im Beratungsprozess

5. Stellenwert der klientenzentrierten Beratung in der Sozialpädagogik

6. Zusammenfassende Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt Situationen im Leben, in denen Menschen die beratende Hilfe anderer benötigen. Durch Freunde, Verwandte oder die Familie kann das oftmals zufrieden stellend geschehen. Manchmal reichen diese Hilfestellungen aber leider nicht aus. Hier ist professionelle Unterstützung gefragt. Beratungsangebote werden sowohl von Seiten der Psychologie, als auch der Sozialpädagogik bereitgestellt. Dabei wird die Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen, wie zum Beispiel in der Ausländerberatung, der Familienberatung oder auch in der Drogenberatung angeboten.

In der Sozialpädagogik wendet man oftmals die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers an (vgl. Seite 2008: 12). Seine Theorie, welche besagt, dass der Klient von selbst in der Lage ist, sich zu helfen, entsprechen dem sozialpädagogischen Beratungsansatz, in dem der Ratgebende versucht den Ratsuchenden dabei zu unterstützen, eigenständig Lösungen für sein Problem zu finden.

In dieser Hausarbeit soll zunächst herausgearbeitet werden, wie Rogers zu seinen Grundannahmen gelangte. In diesem Kontext sollen auch die historische Entwicklung der klientenzentrierten Beratung und Rogers zentrale Grundhaltungen kurz dargestellt werden. Ferner soll die Frage geklärt werden, ob man bei der klientenzentrierten Beratung nur von der Grundlage einer Methode oder einem eigenständigen Beratungskonzept sprechen kann und in welchen Feldern der Sozialpädagogik es Probleme mit der Anwendbarkeit dieser Form der Beratung gibt.

Im Text wird dabei von Beratern und Klienten in der männlichen Form gesprochen. Dies geschieht jedoch nur der Einfachheit halber und beinhaltet ausdrücklich auch Beraterinnen und Klientinnen.

2. Historische Einordnung

Der Begriff klientenzentrierte Beratung ist untrennbar mit dem Begründer Carl Rogers (1902 bis 1987) verbunden. Schon im Jahr 1942 brachte er seine Gedanken in dem Buch „Counseling and psychotherapy“ zum Ausdruck, in dem er anfangs noch von einer nicht-direktiven Beratungsbeziehung sprach. Später entwickelte er seine Theorie zu dem klientenzentrierten Beratungsansatz weiter. Die klientenzentrierte Beratung ist dem Bereich der humanistischen Theorien zu zuordnen. Kernpunkt ist dabei der personenzentrierte Ansatz, welcher sich von den bis dahin üblichen Methoden der Problemorientierung abhob. In Deutschland waren Vertreter dieser Philosophie Reinhard und Annemarie Tausch. Durch sie wurde die klientenzentrierte Beratung auch unter dem Namen „Gesprächspsychotherapie“ bekannt, da sie sich anfangs verstärkt auf den verbalen Charakter der Beratung bezogen (vgl. Rechtien 2004: 41).

Die klientenzentrierte Beratung hat sich neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie als dritte Kraft in der Psychotherapie etablierte, findet darüber hinaus aber vielfach Anwendung in der Sozialarbeit, Pädagogik oder der Seelsorge.

2.1. Zur Person Carl Rogers

Um zu verstehen, wieso eine Person ein bestimmtes Menschenbild hat, ist es oftmals hilfreich Hintergründe über die Vergangenheit zu erfahren. Auch bei Rogers kann man erkennen, wie biographische Elemente zur Entwicklung der klientenzentrierten Beratung beigetragen haben, weshalb hier kurz einige Eckpunkte seines Lebens vorgestellt werden sollen.

Carl Ranson Rogers wurde im Jahr 1902 als viertes von sechs Kindern in Oak Park, Illinois geboren. Seine protestantisch geprägten Eltern erzogen ihn extrem puristisch, konservativ und autoritär. In dieser Zeit fühlte er sich meist sehr einsam und sehnte sich nach emotionaler Nähe (vgl. Schmid 1995: 77). Als Rogers zwölf Jahre alt wurde, zog er mit seinen Eltern auf eine Farm. Das dortige Leben bewog ihn, zu einem Studium der Agrarwissenschaften (vgl. Brem-Gräser 1993: 2). Allerdings verschob sich schon bald sein Interessensgebiet und er studierte fortan Theologie, wo er auch seinen Abschluss machte. Während dieses Studiums erhielt er die Möglichkeit sechs Monate in Asien zu verbringen, was seine religiösen Ansichten grundlegend veränderte, da er hier anerkannte Persönlichkeiten kennen lernte, welche andere religiöse Grundüberzeugung vertraten. „Rogers begann, nicht am Sinn der Religion, aber am Sinn spezifischer religiöser Lehren zu zweifeln.“ (Rechtien 2004: 40). Er begann fortan in der Erziehungsberatung zu arbeiten und studierte zeitgleich klinische Psychologie. 1931 promovierte er an der Columbia University. Hier wurde eine stark naturwissenschaftlich-statistische Auffassung der Psychologie vertreten, ihm fehlte jedoch eine Berücksichtigung der gefühlsmäßigen Anteile (vgl. ebd. 2004: 40). Auch stellte er fest, dass ein Wissen um die Lösung eines Problems nicht weiterhilft, wenn nicht die emotionalen Bedürfnisse befriedigt werden. Aus diesem Kontext heraus entwickelte er seinen personenzentrierten Ansatz. Im Verlaufe seines Lebens arbeitete er an verschiedenen Institutionen und Universitäten im Bereich der Psychologie. Zusammen mit anderen Kollegen gründete er in La Jolla das Center for the Studies of the person. 1987 starb Rogers.

2.2. Rogers Entwicklung der klientenzentrierten Beratung

Im Verlaufe seiner Tätigkeit als Psychologe erkannte Rogers, dass die bis dahin gängigen Methoden der Tiefenpsychologie und des Behaviorismus nicht immer fruchtend wirkten. Auch stellte er fest, dass „seine Klienten oftmals besser als er selbst wüssten, welcher Art ihre Probleme und die Wege zu ihrer Lösung seien.“ (Rechtien 2004: 40). Er schrieb den Klienten also die Eigenschaft zu, durch die richtige Gesprächsführung seitens des Beraters zu einer Selbstexploration fähig zu sein und aufgetretene Probleme somit beheben zu können. Dabei sollte im Beratungsprozess das Individuum, also der Ratsuchende, im Mittelpunkt der Betrachtungen. stehen: „Das Ziel ist es nicht, ein bestimmtes Problem zu lösen, sondern dem Individuum zu helfen, sich zu entwickeln, so dass es mit dem gegenwärtigen Problem und mit späteren Problemen auf besser integrierte Weise fertig wird.“ (Rogers 1985:. 36). Rogers geht davon aus, dass auf diese Weise auch andere Probleme von dem Klienten ohne äußerliche Hilfe angegangen und erfolgreich bewältigt werden können. Entscheidend für den Berater ist dabei, dass er dem Klienten keine Ratschläge, fertige Lösungen oder Interpretationen anbietet, sondern rein durch die Auseinandersetzung mit den emotionalen Prozessen neue Wege und Betrachtungsweisen von dem Klienten gefunden werden können (vgl. Weinberger 1994: 31). Diese Auffassung berücksichtigt also vorrangig den gefühlsmäßigen Anteil und betrachtet kognitive Anteile eher als zweitrangig (vgl. Rechtien 2004: 40).

Dass der Klient allein in der Lage ist, seine Probleme und dessen Hintergründe zu erkennen, zu verarbeiten und eine neue Umgangsform mit Ihnen zu finden, ist auf Rogers Menschenbild zurück zu führen. Der Mensch ist für Rogers von Grund auf positiv und somit auch immer nach dem Bestmöglichen bestrebt. Dies macht sich in seiner angeborenen Tendenz zur vollständigen Selbstentfaltung bemerkbar (vgl. ebd. 2004: 45). Hier unterscheidet Rogers sich in seinem Menschenbild signifikant von Freud, welcher im Menschen das Gegenteil sieht. Jeder Mensch hat nach Rogers eine treibende Kraft inne wohnen, welche in Richtung Selbstentfaltung, Autonomie, Komplexität und Weiterentwicklung treibt (vgl. Seithe 2008: 20). Dieses Verhalten beschreibt er als Selbstaktualisierungstendenz. Grundsätzlich strebt der Mensch nach größerer Reife und Selbstverwirklichung, aber auch nach dem „Angenommen sein“, einem weiteren menschlichen Bedürfnis (vgl. ebd. 2008: 20). Der Mensch als soziales Wesen ist auf Kontakte angewiesen. Erfährt er durch andere Anerkennung, so empfindet er die Befriedigung dieses Bedürfnisses bei sich selbst und erlebt gleichzeitig wie positiv die Befriedigung dieses Wunsches bei anderen wirkt. Das Bedürfnis nach Selbstachtung entsteht aus der Erfahrung des Angenommenseins. So wie der Mensch von anderen geachtet wird, so bringt er sich selbst auch Wertschätzung entgegen. „Irrationales, zerstörerisches und unsoziales Verhalten ist neurotisch, d.h. Ausdruck von Störungen dieser Entwicklung.“ (Rechtien 2004: 45). Indem der Berater im Verlaufe des Beratungsprozesses die drei Grundhaltungen der klientenzentrierten Beratung Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung anwendet, schafft er eine Atmosphäre des Vertrauens und verhilft so dem Klienten zu einer offenen Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmungswelt und dem Selbstkonzept. Durch die dadurch stattfindende Selbstexploration wird der Klient sich zunehmend klarer über sein Verhalten werden und schrittweise zu einer Klärung seiner inneren Konflikte gelangen. Gleichsam hilft ihm der angeborene Triebeffekt der Selbstaktualisierung zur positiven Weiterentwicklung des Organismus.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers und ihre Anwendung in der Sozialpädagogik
Hochschule
Universität Leipzig  (Professur für Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Beratung
Note
1,0
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V168068
ISBN (eBook)
9783640850655
ISBN (Buch)
9783640850778
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beratung, Carl Rogers, Grundhaltungen der Beratung, Empathie, Wertschätzung, Echtheit, klientenzentriert
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers und ihre Anwendung in der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168068

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