In der vorliegenden Arbeit wird der handlungs- und produktionsorientierte Umgang mit der Ganzschrift „Wuschelbär“ von Irina Korschunow im Deutschunterricht einer dritten Klasse dargestellt.
Zur Wahl dieses Themas bewegte mich zum einen mein persönliches Interesse an Kinderliteratur und zum anderen die starke Bedeutung von Büchern im Leben von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere die rasant veränderten Medienbedingungen in der heutigen Gesellschaft stellen m.E. eine Konkurrenz für das Medium Buch dar. Die kindliche Lebenswelt wird immerzu drastischer durch die elektronischen Medien wie bspw. Fernsehen, Computer und Video beeinflusst. Daraus entstand eine öffentliche Diskussion in der Gesellschaft über die Gefährdung der Printmedien, insbesondere der Ablösung des Buches durch die elektronischen Medien. Die Leseförderung gilt daher als eine wichtige Aufgabe, die einerseits von den Eltern und andererseits in der Schule angegangen werden muss. In einer Studie der Stiftung Lesen zum Lesealltag von Kindern und Jugendlichen gaben die 12- bis 13-Jährigen das Fernsehen als wichtigstes Medium an. Hinsichtlich der Ergebnisse der „PISA-Studie 2000“ zeigte sich, dass deutsche Schüler unterdurchschnittliche Kenntnisse und Fähigkeiten in der Lesekompetenz aufwiesen. Die Bundesrepublik Deutschland erreichte unter 31 Teilnehmerstaaten in diesem Bereich den 21. Platz. Damit unterstützen beide Studien die These, dass einerseits die Bedeutung der technischen Medien im Leben der Kinder und Jugendlichen zugenommen hat und andererseits die Lesefertigkeit der Schüler sich verringerte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht
2.1.1. Entstehungshintergrund des handlungs- und produktionsorientierten
Literaturunterrichts
2.1.2. Grundlegende Konzeption und Zielsetzung des handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterrichts
2.1.3. Verfahrensweisen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
2.1.4. Kritikpunkte am handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht
2.2. Leseförderung- Motivation zum Lesen
2.2.1. Zum Begriff der Leseförderung
2.2.2. Das Kinderbuch als Mittel der Leseförderung
2.2.3. Kriterien zur Auswahl einer geeigneten Ganzschrift für den Unterricht
2.3. Die Ganzschrift „Wuschelbär“ von Irina Korschunow
2.3.1. Zur Autorin Irina Korschunow
2.3.2. Zum Inhalt des Kinderbuches
2.3.3. Formale Analyse des Kinderbuches
3. Planung der Unterrichtseinheit
3.1. Thema der Unterrichtseinheit
3.2. Stellung der Unterrichtsstunden in der Unterrichtseinheit
3.3. Bemerkungen zur Lerngruppe
3.3.1. Eigenarten der Lerngruppe
3.3.2. Lernverhalten und Leistungsvermögen
3.3.3. Zur Lernausgangslage der Lerngruppe
3.4. Lernziele der Unterrichtseinheit
3.5. Erläuterung und Begründung der Ziel-/Inhaltsentscheidungen
3.6. Begründung für die Auswahl der Ganzschrift „Wuschelbär“
3.7. Methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
3.7.1. Handlungs- und produktionsorientierte Verfahrensweisen
3.7.2. Arbeits- und Organisationsformen
3.7.3. Medien
4. Darstellung ausgewählter Unterrichtsstunden
4.1. Darstellung der 3. Unterrichtsstunde: „Wuschelbär ist eifersüchtig – Wir entwickeln ein Rollenspiel zu Wuschelbärs Verhalten gegenüber Benjamin und dem weißen Bären“
4.1.1. Themenbezogene Zielsetzung
4.1.2. Lernausgangslage
4.1.3. Sachanalyse des Lerngegenstandes
4.1.4. Begründung und Erläuterung der Ziel-/Inhaltsentscheidungen
4.1.5. Begründung und Erläuterung der methodischen Entscheidungen
4.1.6. Geplanter Stundenverlauf
4.1.7. Reflexion der Unterrichtsstunde
4.2. Darstellung der 5. Unterrichtsstunde: „Wuschelbär im Wald - Wir erfinden einen Traum von Wuschelbär“
4.2.1. Themenbezogene Zielsetzung
4.2.2. Lernausgangslage
4.2.3. Sachanalyse des Lerngegenstandes
4.2.4. Begründung und Erläuterung der Ziel-/Inhaltsentscheidungen
4.2.5. Begründung und Erläuterung der methodischen Entscheidungen
4.2.6. Geplanter Stundenverlauf
4.2.7. Reflexion der Unterrichtsstunde
4.3. Darstellung der 8. Unterrichtsstunde: „Verschiedene Angebote an Aufgabenstellungen zur Ganzschrift Wuschelbär“
4.3.1. Themenbezogene Zielsetzung
4.3.2. Lernausgangslage
4.3.3. Sachanalyse des Lerngegenstandes
4.3.4. Begründung und Erläuterung der Ziel-/Inhaltsentscheidungen
4.3.5. Begründung und Erläuterung der methodischen Entscheidungen
4.3.6. Geplanter Stundenverlauf
4.3.7. Reflexion der Unterrichtsstunde
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den handlungs- und produktionsorientierten Umgang mit der Ganzschrift „Wuschelbär“ von Irina Korschunow in einer dritten Grundschulklasse, um die Lesemotivation zu fördern und den Schülern ein tieferes Textverständnis zu ermöglichen.
- Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
- Bedeutung der Leseförderung durch Kinderliteratur
- Planung und didaktische Begründung einer Unterrichtseinheit
- Praktische Erprobung verschiedener Verfahrensweisen (Rollenspiel, kreatives Schreiben, visuelle Gestaltung)
- Reflexion der Unterrichtseinheit hinsichtlich Lesemotivation und Erschließung
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Entstehungshintergrund des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
In den sechziger Jahren wurde die Literaturwissenschaft durch Konzeptionen der Rezeptionsästhetik ergänzt, wodurch der individuelle Leseakt erkannt und erfasst wurde. Hieraus entstanden die anfänglichen konkretisierbaren Ansätze eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts. Unter dem Begriff der Rezeptionsästhetik vereinen sich literaturtheoretische Ansätze, die sich auf die Rezeption literarischer Texte und die Rolle des Lesers beziehen. Die Rezeptionsästhetik beinhaltet, dass ein Text kein statisches Gebilde darstellt. Vielmehr wirkt der Text auf Leseprozesse ein. Der Leser wird bei der Rezeption durch die Unbestimmtheit eines Textes zu subjektiven Gedankenvorgängen herausgefordert. Somit wird der Leser zum Mitproduzenten des Autors. Die Rezeption von Texten ist dadurch kein vollständig verobjektivierbares Geschehen, sondern erheblich von der momentan deutenden Aktivität des Lesers geprägt.
Allerdings blieb der Rezeptionsprozess Anfang der siebziger Jahre noch weitgehend auf den kognitiven Bereich ausgerichtet. Die einseitige Erziehung des „kritischen Lesens“ förderte zwar ein emanzipierendes und aktives Verhalten in der Gesellschaft, vernachlässigte jedoch das individuelle Lesesubjekt selber. In den achtziger Jahren dagegen gewannen zunehmend verschiedene Strömungen und Einflüsse im Literaturunterricht an Bedeutung, die neben der kognitiven auch die affektive und psychomotorische Seite des Lesens stärker einbezogen. Aus dieser Entwicklung heraus nahm seit den neunziger Jahren der Einfluss der kritischen Komponente ab und förderte somit die Durchsetzung einer poetischen Kompetenz. Dieser liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Leser die Fähigkeit besitzt in eine poetische und fiktionale Welt einzutreten, sie verstehen und in ihr sich frei bewegen sowie kreativ-produktiv arbeiten kann. Somit führte einerseits die Kritik an einem analytischen und interpretierenden Unterricht und andererseits die zunehmende Berücksichtigung einer individuell-sinnlichen Leseart zu der Entwicklung eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt den handlungs- und produktionsorientierten Umgang mit der Ganzschrift „Wuschelbär“ dar und formuliert die Leitfragen zur Förderung der Lesemotivation und Interpretation.
2. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel beleuchtet den Entstehungshintergrund und die Konzeption des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts sowie die Bedeutung von Leseförderung und Kinderbüchern.
3. Planung der Unterrichtseinheit: Hier werden die organisatorischen, didaktischen und methodischen Rahmenbedingungen der Unterrichtseinheit dargelegt sowie die Lerngruppe analysiert.
4. Darstellung ausgewählter Unterrichtsstunden: Drei konkrete Unterrichtsstunden werden detailliert geplant und reflektiert, wobei Verfahren wie das Rollenspiel und kreatives Schreiben angewendet wurden.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst den Lernerfolg der Klasse zusammen und reflektiert die Wirksamkeit der gewählten Literaturverfahren für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Ganzschrift, Wuschelbär, Leseförderung, Lesemotivation, Grundschule, Deutschunterricht, Kinderliteratur, Rollenspiel, kreatives Schreiben, Rezeptionsästhetik, sinnerfassendes Lesen, Textverständnis, Unterrichtsplanung, Literaturdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung und praktischen Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Kinderbuch „Wuschelbär“ in einem 3. Schuljahr, wobei ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz verfolgt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Förderung der Lesemotivation, dem Einsatz von Kinderliteratur in der Grundschule sowie der Erprobung von Verfahren, die Schüler aktiv und produktiv in den Lese- und Interpretationsprozess einbinden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch handelnden Umgang mit Texten den Zugang zu Büchern zu erleichtern, ihre Lesefreude zu steigern und sie zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit Literatur zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf die literaturdidaktische Theorie des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts, ergänzt durch erkenntnisse zur Leseförderung und rezeptionsästhetische Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Planung der Unterrichtseinheit unter Berücksichtigung der spezifischen Lerngruppe sowie die praktische Darstellung und Reflexion ausgewählter Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Leseförderung, Ganzschrift, Wuschelbär, Lesemotivation und kreatives Schreiben.
Warum wurde das Kinderbuch „Wuschelbär“ als Ganzschrift ausgewählt?
Die Auswahl erfolgte aufgrund der altersgerechten Thematik (Eifersucht, Vernachlässigung), der Mischung aus phantastischen und realen Elementen, dem überschaubaren Textumfang sowie der hohen Identifikationsmöglichkeiten für die Kinder.
Welche Rolle spielt das Rollenspiel in der Unterrichtseinheit?
Das Rollenspiel dient als szenisches Verfahren dazu, den Schülern einen emotionalen Zugang zum Text zu ermöglichen und ihnen zu helfen, sich aktiv in die Buchfiguren hineinzuversetzen, besonders wenn sie auf einer analytischen Ebene noch Schwierigkeiten haben.
- Quote paper
- Astrid Becker (Author), 2003, Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit der Ganzschrift "Wuschelbär" von Irina Korschunow in einem 3. Schuljahr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16807