Methoden der Generierung von Produktideen als Grundlage der Neuproduktentwicklung


Hausarbeit, 2011

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung der Generierung von Produktideen

3. Quellen für Produktideen
3.1 Interne Quellen
3.2 Externe Quellen

4. Methoden der Generierung von Produktideen
4.1 Systematisch-logische Verfahren der Ideenproduktion
4.1.1 Morphologische Analyse
4.1.2 Methode der Osborn Checkliste
4.2 Intuitiv-kreative Verfahren der Ideenproduktion
4.2.1 Brainstorming
4.2.2 Methode 6-3-5
4.2.3 Bionik
4.3 Mischformen
4.3.1 SIT-Verfahren

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Maggi Produktpioniere

Abbildung 2: Ritter Sport kauft ein Drittel des Unternehmens Chocri

Abbildung 3: Morphologischer Kasten

Abbildung 4: Morphologische Analyse

Abbildung 5: Methode 6-3-5

Abbildung 6: Lotusan Fassadenfarbe mit Lotuseffekt

Abbildung 7: Silikonbeschichtung für Boote als Imitation der Haifischhaut

Abbildung 8: SIT-Methode der Ideengenerierung

1. Einleitung

Neue Produktideen und innovative Angebote fördern das Unternehmenswachstum. Diese Erkenntnis ist in Zeiten von stärker globalisierten Wettbewerb und zunehmender Homogenität von Leistungen im Absatzmarkt in den Unternehmen bekannt. Diese versuchen deshalb ständig der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein und mit innovativen Leistungen Brachenerfolge zu erzielen.[1]

Manchmal genügt etwas Muße und eine gute Flasche Rotwein für eine Neuproduktidee oder der Zufall führt zu einer bedeutenden Erfindung wie die der „Post-it“[2]. Diese zählen heute zu den fünf gebräuchlichsten Büroartikeln und erzeugen in Deutschland einen Pro-Kopf-Verbrauch von 55 Haftnotizzetteln pro Jahr. Art Fry, ein Mitarbeiter der Forschungsabteilung des Unternehmens 3M[3], welcher ebenfalls begeisterter Chorsänger war, war verärgert über die ständig verrutschenden Papierschnipsel mit denen er im Gesangsbuch seine Einsätze markierte. Bei der Lösung dieses Problems half, wie so häufig, der Zufall. Er besinnte sich auf den Versuch seines Kollegen, Spencer Silver, einen neuen Klebstoff zu entwickeln, welcher allerdings nur schwach klebend war und somit für die Produktion als ungeeignet erschien. Dieser schwach haftende Kleber war ohne Rückstände ablösbar und trotzdem stark genug um kleine Zettel ausreichend zu halten. Die Idee der Haftnotizen wurde entwickelt und beschert dem Unternehmen 3M weltweit Umsätze in dreistelligen Millionenbeträgen.[4]

Andernfalls sind die Wege, die zu einer Innovation führen sehr vielseitig und man kann auf ein großes Repertoire von Methoden zur Generierung von Produktideen zurückgreifen. Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Generierung von Produktideen für die Neuproduktentwicklung. Zunächst wird auf die Bedeutung der Innovationstätigkeit von Unternehmen eingegangen. Anschließend werden die Möglichkeiten von internen und externen Quellen für Produktideen analysiert. Der Hauptteil befasst sich mit den verschiedenen Methoden zur Ideengenerierung welche in Systematisch-logische und Intuitiv-kreative Verfahren unterteilt werden.

2. Bedeutung der Generierung von Produktideen

Innovative Produkte ermöglichen den Unternehmen erhebliche Wachstumsvorteile. Bei echten Innovationen lassen sich erhebliche Zeitvorsprünge im Absatzmarkt generieren, welche einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb darstellen und somit die Abschöpfung der Konsumentenrente ermöglichen. Innovationen ermöglichen in der Regel auch höhere Preisspielräume und die Gewinnung neuer Kunden. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass innovative Unternehmen 25 – 50 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten tätigen, die nicht älter als fünf Jahre sind.[5] Die Generierung von Ideen für Neuprodukte hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, da durch Globalisierung und Internationalisierung die technische Entwicklung beschleunigt wurde und zunehmend mehr Konkurrenz für Unternehmen entsteht. Besonders Unternehmen in den westlichen Industrienationen können ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit häufig nur durch Innovationen gewährleisten, da das niedrige Lohnniveau der Schwellen- und Entwicklungsländer diesen erhebliche Kostenvorteile für die Produktion von herkömmlichen Produkten ermöglicht. Auch die einzelnen Produkte in den gesättigten Märkten der westlichen Industrieländer haben sich zunehmend angeglichen und sind somit homogen beziehungsweise austauschbar geworden. Dies erfordert neue Ideen für das Design der Produkte, die Kommunikation und den Service des Unternehmens.[6] Manche Branchen gelten von sich aus schon als innovativ, was den Stellenwert von neuen Produkten in diesen Branchen verdeutlicht. Als Beispiel dazu könnte man die Modebranche oder die Informationstechnikbranche anführen. Der Marktführer für Internet- Suchmaschinen und weitere zahlreiche Online Applikationen ist das Unternehmen Google.Inc. Ein Teil der Firmenphilosophie von Google ist die Kreativitätsförderung der Mitarbeiter. Ein Google Mitarbeiter kann 20 Prozent seiner Arbeitszeit nutzen um an eigenen Ideen zu arbeiten egal ob mit oder ohne Erfolg.[7] Das betriebliche Umfeld stellt somit einen wichtigen Faktor für die Generierung von Produktideen dar und sollte möglichst kreativitätsfördernd sein. Dies kann sich in einer positiven Grundstruktur, einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber Neuem, einer kooperativen Mitarbeiterförderung und einer kreativitätsfördernder Organisationsstruktur die den funktionsübergreifenden Gedankenaustausch fördert, widerspiegeln.[8]

3. Quellen für Produktideen

Ideen für neue Produkte können aus vielen verschiedenen Quellen stammen. Häufig wird deshalb zwischen internen und externen Quellen unterschieden. Diese Einteilung wird auch hier nachfolgend eingehalten.

3.1 Interne Quellen

Die Unternehmenseigenen Möglichkeiten zur Ideengewinnung werden als interne Quellen bezeichnet. Diese Quellen stehen nur dem jeweiligen Unternehmen zur Verfügung und sollten deshalb intensiv genutzt und gezielt weiterentwickelt werden. Besonders ist hierbei die unternehmensinterne Kommunikation zu erwähnen, welche einen erfolgreichen Ideenaustausch im Unternehmen begünstigt.[9] Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Marketingabteilung in den Unternehmen beschäftigen sich permanent mit der Entwicklung und Verbesserung von Produktideen. Jedoch sollte man nicht die anderen Bereiche im Unternehmen für die Erreichung dieses Ziels vernachlässigen, da gerade der Produktionsbereich, der Beschaffungsbereich und der Kundendienst wichtige Anregungen für neue Produkte liefern können. Daher ist es empfehlenswert ein innerbetriebliches Vorschlagswesen mit einer entsprechenden Vergütung für relevante Vorschläge einzuführen.[10] Im internationalen Vergleich liegt die Nutzung eines Vorschlagswesens in deutschen Unternehmen zwar weit vorn[11], jedoch sind uns die japanischen Unternehmen bei der Nutzung dieser Quellen einen entscheidenden Schritt voraus. Mitarbeiter japanischer Unternehmen generieren über 200mal so viele Verbesserungsvorschläge als deutsche Unternehmen.[12]

3.2 Externe Quellen

Die externen Quellen bezeichnen die Möglichkeiten der Ideengenerierung außerhalb des Unternehmens. Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass diese Quellen in der Regel auch den Wettbewerbern zur Verfügung stehen und dies die Chance auf eine echte Produktinnovation verringert.[13]

Ein neues, und besonders durch die technische Entwicklung der Informationstechnologie begünstigtes Konzept zur Ideengewinnung ist das Open Innovation Konzept. Dies wird auch schon von einigen Unternehmen praktiziert und bedeutet, dass der Innovationsprozess teilweise ausgelagert wird und die Kunden aktiv in die Unternehmensprozesse eingebunden werden. Die Kunden werden dazu angeregt einen Beitrag zu Problemlösungen oder Produktinnovationen zu leisten.[14] Das Unternehmen Chocri, ein Anbieter für Mass Customization Schokolade im Internet, hatte beispielsweise die Schokoladenverpackung und sogar den Preis der Schokolade in ihrem Blog zur Diskussion gestellt und konstruktive Beiträge der Kunden wurden mit reichlich Schokolade belohnt.[15] Zur Ideengenerierung durch Kundeninformation eignen sich auch Ideenwettbewerbe, wie sie beispielsweise von dem Unternehmen Nestlé mit der Marke Maggi praktiziert werden. Maggi nennt dies „Produkt-Pioniere“ und regt somit die Kunden an, die neuen Produkte zu probieren und möglichst viele Rezeptideen, wie die neuen Produkte alternativ zubereitet werden können, einzuschicken. Diese Rezeptideen werden dann auf der Internetseite des Unternehmens präsentiert und mit zahlreichen Preisen belohnt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Maggi Produktpioniere

Quelle: https://www.maggi.de/extras/bratbeutel/Produkt-Pioniere/

Solche Ideenwettbewerbe verschaffen den Unternehmen zahlreiche Ideen für neue Produkte sowie neue Verwendungsmöglichkeiten für bestehende Produkte. Zusätzlich geben sie dem Kunden das Gefühl, dass man auf seine Meinung Wert legt.[16]

Die Konkurrenzanalyse zählt ebenfalls zu den praktizierten Möglichkeiten der externen Ideengenerierung. Dabei werden genau die Leistungen der Wettbewerber analysiert und gegebenenfalls verbessert oder nachgeahmt.[17] Das Benchmarking ist eine Vorgehensweise die noch über die Konkurrenzanalyse hinaus geht und bedeutet, dass man auch andere Branchen analysiert um daraus Handlungsalternativen für das eigene Unternehmen abzuleiten.

Wichtige Informationen über Verbraucherwünsche und eventuelle Veränderungen im Markt können auch von sog. Experten wie Einkäufern, Handelsorganen, Lieferanten, Kammern oder Unternehmensberatern in Erfahrung gebracht werden. Diese haben üblicherweise einen engen Kontakt zum Markt bzw. zu den Verbrauchern und können daher entscheidende Informationen zur Produktideenentwicklung geben.[18] Auch der Marktforschung kann bei der Generierung von Ideen eine hohe Bedeutung zugeschrieben werden. Durch die Beobachtung unbefriedigter oder noch nicht ausreichend befriedigter Bedürfnisse potentieller Kunden können neue Ideen für mögliche Produkte entstehen.[19] Durch Patentrecherchen kann man feststellen welche Erfindungen von anderen Personen oder Unternehmen gemacht wurden, welche ebenfalls eine Anregung zur eigenen Ideengenerierung darstellen könnten. Auch der Kauf von fremden Ideen oder sogar der Zukauf von innovativen Unternehmen wird häufig praktiziert.[20] Das etablierte traditionsreiche Unternehmen Ritter Sport kaufte sich zu einem Drittel in das Berliner Start-up Unternehmen Chocri, der bereits erwähnte Onlineshop für individuelle Schokolade, ein. Für Ritter Sport ist dieser Kauf eine Erweiterung ihres Ideenpools und der Schokoladenhersteller Chocri möchte dadurch weiter wachsen und mehr in Produktionskapazitäten und Marketing investieren. Beide Unternehmen sollen in Zukunft eigenständig bleiben und sich lediglich ergänzen. Für Ritter Sport stellt dies die günstigere Alternative im Gegensatz zur eigenen Etablierung eines Onlineshops dar.[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ritter Sport kauft ein Drittel des Unternehmens Chocri

Quelle: http://www.ritter-sport.de bzw. http://www.chocri.de

4. Methoden der Generierung von Produktideen

Für die Generierung von innovativen Produktideen ist es notwendig sich von der reinen Ideensammlung zu lösen und aktiv eine eigene Ideenproduktion durch die Einleitung von kreativen Denkprozessen zu fördern. Für die Entwicklung von Produktideen durch kreative Prozesse steht eine Vielzahl von Verfahren zur Verfügung. Diese werden entsprechend der Art ihrer Vorgehensweise in systematisch-logische und intuitiv-kreative Verfahren unterschieden.[22] Neben diesen beiden Verfahren existieren auch diverse Mischformen auf die ebenfalls im Folgenden eingegangen wird.

4.1 Systematisch-logische Verfahren der Ideenproduktion

Die systematisch-logischen Verfahren oder auch diskursive[23] Verfahren genannt, führen den Prozess der Lösungssuche systematisch und bewusst in einzelnen, logisch ablaufenden Schritten durch. Diese Methoden beschreiben ein Problem vollständig, indem es analytisch in kleinste Einheiten aufgespaltet wird. Die einzelnen Kriterien bzw. Ausprägungen sollen dadurch eindeutig, vollständig und überschneidungsfrei beschrieben werden.[24] Zu den diskursiven Methoden gehören Fragenkataloge, Checklisten, Funktionsanalysen, Morphologie und die Methoden der systematischen Konfrontation. Im Folgenden werden die systematischen-logischen Verfahren der morphologischen Analyse und der Osborn Checkliste detaillierter beschrieben werden.

[...]


[1] vgl. Mayer de Groot (2009), S.1

[2] Post-it – Haftnotitzzettel als Gedächtnisstütze oder Organisationshilfe im Büro

[3] 3M bedeutet Minnesota Mining & Manufacturing Company

[4] vgl. o.V. (2005), S.1

[5] vgl. Wölm (2001), S.51

[6] vgl. Wölm (2001), S. 50

[7] vgl. o.V. (2006a), S.1

[8] vgl. Wölm(2001), S. 51

[9] vgl. Meffert (2008), S. 422

[10] vgl. Wölm (2001), S.52

[11] o.V. (2007), S.1

[12] vgl. Wölm (2001), S. 51

[13] Vgl. Meffert (2008), S. 422

[14] Vgl. Meffert (2008), S.302

[15] Vgl. Tönnesmann (2009), S.1

[16] vgl. Wölm (2001), S. 53

[17] vgl. Kotler (2001), S. 522

[18] vgl. Wölm (2001), S. 54

[19] vgl. Gierl (2007), S. 322

[20] vgl. Gierl (2007), S. 320

[21] vgl. Trentmann (2010), S. 1f.

[22] vgl. Meffert (2008), S. 422

[23] Diskursiv – mit logischer Notwendigkeit fortschreitend

[24] vgl. Dornberger (2006), S. 17

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Details

Titel
Methoden der Generierung von Produktideen als Grundlage der Neuproduktentwicklung
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
„Strategisches Marketingmanagement“
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V168130
ISBN (eBook)
9783640850600
ISBN (Buch)
9783640850754
Dateigröße
1193 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Produktideen, Kreativitätstechniken, Neuproduktentwicklung, Produktmanagement
Arbeit zitieren
Konrad Eismann (Autor), 2011, Methoden der Generierung von Produktideen als Grundlage der Neuproduktentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168130

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