Bei Hegel ist Gott zugleich Schöpfer und Lenker des Ganzen. Als „Absoluter Geist“ – konkretisiert in „Weltgeist“ und „Volksgeistern“ – ist Gott daher in jeglicher Geschichte präsent und somit verantwortlich auch für jegliches Fortschreiten der Geschichte, sei es in positiver oder negativer Richtung. –
Hier ist anzumerken, dass schon Hegels Übergang vom Geist zum Absoluten (so in der ‚Phänomenologie des Geistes‘) nicht nachvollziehbar ist, weil dabei Glauben und Wissen in unzulässiger Weise vermischt werden. Ein Überblick über „das Ganze“ ist ohnehin nicht möglich.
Großenteils hat Marx dies schon in seiner frühen Hegel-Kritik erkannt. Vor allem vermisst er bei Hegel eine Analyse der kapitalistisch entfremdeten Arbeit. Geschichtsphilosophisch rückt Marx jedoch nicht die menschliche Arbeit in den Mittelpunkt, sondern behauptet, alle bisherige Geschichte sei eine Geschichte von Klassenkämpfen.
Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Geschichte nicht nur aus Klassenkämpfen besteht. Andere Triebkräfte sind erkennbar, insbesondere Imperialismus, Totalitarismus und übersteigerte Partikular-Interessen.
Meine Folgerung: Weder Hegel noch Marx bestimmt zufriedenstellend die tatsächlichen Triebkräfte der Geschichte. Genau dies bestärkt mich in meiner Annahme der überragenden geschichtsphilosophischen Bedeutung der Synthesen von Bewusstsein und Arbeit.
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- Klaus Robra (Author), 2025, Bewusstsein und Arbeit – Motoren der Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681303