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Bewusstsein und Arbeit – Motoren der Geschichte

Eine neue Begründung

Summary Excerpt Details

Bei Hegel ist Gott zugleich Schöpfer und Lenker des Ganzen. Als „Absoluter Geist“ – konkretisiert in „Weltgeist“ und „Volksgeistern“ – ist Gott daher in jeglicher Geschichte präsent und somit verantwortlich auch für jegliches Fortschreiten der Geschichte, sei es in positiver oder negativer Richtung. –
Hier ist anzumerken, dass schon Hegels Übergang vom Geist zum Absoluten (so in der ‚Phänomenologie des Geistes‘) nicht nachvollziehbar ist, weil dabei Glauben und Wissen in unzulässiger Weise vermischt werden. Ein Überblick über „das Ganze“ ist ohnehin nicht möglich.
Großenteils hat Marx dies schon in seiner frühen Hegel-Kritik erkannt. Vor allem vermisst er bei Hegel eine Analyse der kapitalistisch entfremdeten Arbeit. Geschichtsphilosophisch rückt Marx jedoch nicht die menschliche Arbeit in den Mittelpunkt, sondern behauptet, alle bisherige Geschichte sei eine Geschichte von Klassenkämpfen.
Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Geschichte nicht nur aus Klassenkämpfen besteht. Andere Triebkräfte sind erkennbar, insbesondere Imperialismus, Totalitarismus und übersteigerte Partikular-Interessen.
Meine Folgerung: Weder Hegel noch Marx bestimmt zufriedenstellend die tatsächlichen Triebkräfte der Geschichte. Genau dies bestärkt mich in meiner Annahme der überragenden geschichtsphilosophischen Bedeutung der Synthesen von Bewusstsein und Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Zur Geschichte des Wortes ,Bewusstsein‘
2. Zur philosophischen und allgemein-weltanschaulichen Tradition des
Begriffs Bewusstsein
Neuere Begriffs-Bestimmungen
„Falsches Bewusstsein“?
3. Zum Begriff ,Arbeit‘
4. Vergleich der Begriffe Bewusstsein und Arbeit
Die Neue Situation
a) durch KI
b) durch die neuen philosophischen Entwicklungen seit den 1980er Jahren

Folgerungen: Bewusstsein = Arbeit? Arbeit = Bewusstsein?
Alternative Konzepte
5. Sind Arbeit und Bewusstsein Motoren der Geschichte?
Historische Persönlichkeiten als Heroen der Geschichte

Fazit

Literaturhinweise

Einleitung

Bei Hegel ist Gott zugleich Schöpfer und Lenker des Ganzen. Als „Absoluter Geist“ - konkretisiert in „Weltgeist“ und „Volksgeistern“ - ist Gott daher in jeglicher Geschichte präsent und somit verantwortlich auch für jegliches Fortschreiten der Geschichte, sei es in positiver oder negativer Richtung. -

Hier ist anzumerken, dass schon Hegels Übergang vom Geist zum Absoluten (so in der ,Phänomenologie des Geistes’) nicht nachvollziehbar ist, weil dabei Glauben und Wissen in unzulässiger Weise vermischt werden. Ein Überblick über „das Ganze“ ist ohnehin nicht möglich.

Großenteils hat Marx dies schon in seiner frühen Hegel-Kritik erkannt. Vor allem vermisst er bei Hegel eine Analyse der kapitalistisch entfremdeten Arbeit. Geschichtsphilosophisch rückt Marx jedoch nicht die menschliche Arbeit in den Mittelpunkt, sondern behauptet, alle bisherige Geschichte sei eine Geschichte von Klassenkämpfen.

Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Geschichte nicht nur aus Klassenkämpfen besteht. Andere Triebkräfte sind erkennbar, insbesondere Imperialismus, Totalitarismus und übersteigerte Partikular-Interessen.

Meine Folgerung: Weder Hegel noch Marx bestimmt zufriedenstellend die tatsächlichen Triebkräfte der Geschichte. Genau dies bestärkt mich in meiner Annahme der überragenden geschichtsphilosophischen Bedeutung der Synthesen von Bewusstsein und Arbeit.

1. Zur Geschichte des Wortes ,Bewusstsein‘

Hierzu heißt es in einem Internet-Artikel:

„Der Begriff „Bewusstsein“ wurde vom deutschen Philosophen Christian Wolff anfangs 18. Jahrhundert auf der Grundlage des lateinischen „conscientia“ konstruiert. In der Bedeutung geht „Bewusstsein“ jedoch über das „conscientia“ hinaus, welches üblicherweise mit „Gewissen“ übersetzt wird. Einfluss hatte hier insbesondere Descartes’ „cogitatio“ (Denken), das von ihm mit „conscientia“ gleichgesetzt wurde. „Bewusstsein“, das sowohl auf den sinnlich-äusseren Bereich (Physik, Biologie) wie auf die geistig innere Sphäre (Moral, Ethik, Religion) verweisen konnte, wurde damit zum Gegenstand der Wissenschaften. Zunächst beschäftigten sich Philosophen mit dem Bewusstsein, dann aber begannen auch Psychologen und die Vertreter der empirischen Naturwissenschaften nach dem Wesen des Bewusstseins in der Materie zu forschen.“1

Bedeutungen von 'conscientia'

Microsoft-Copilot sagte am 5.11.2025:

„Grundbedeutungen

Das lateinische Substantiv conscientia hat grundsätzlich drei miteinander verwandte Bedeutungen: Mitwissen (Mitwisserschaft), Bewusstsein/Gefühl/Überzeugung und Gewissen.

Wortherkunft und Bildungen

Der Begriff leitet sich von dem Verb conscire/conscire (sich bewusst sein, wissen; PPA conscitus) ab und bedeutet wörtlich „mit Wissen/mit Bewusstsein“; in der antiken Verwendung schwanken Nuancen zwischen rein kognitiver Kenntnis und moralischer Beteiligung. Klassische Textbelege und Nuancen

In Autoren wie Cicero, Seneca und Tacitus erscheint conscientia sowohl in der Bedeutung „inneres Bewußtsein/Überzeugung“ als auch im Sinne von „Schuldbewußtsein/ Gewissensbisse“; Formulierungen zeigen, dass das Wort je nach Kontext positiv (stabiles Selbstbewusstsein) oder negativ (peinigendes Schuldbewusstsein) gemeint sein kann.

Neuzeitliche Rezeption und Übersetzungen

Wörterbücher und moderne Nachschlagewerke geben die üblichen Übersetzungen mit Varianten: Mitwissen; Bewusstsein, Empfindung, Überzeugung; Gewissen bzw. Schuldgefühl. In romanischen und germanischen Sprachen hat die Wurzel zur Entwicklung von Begriffen wie franz. conscience, engl. conscience usw. geführt.

Sprachliche Konsequenz für Bedeutungstrennung

Für wissenschaftliche oder theologische Diskussionen ist wichtig, die drei Ebenen zu unterscheiden: (1) epistemisch/kognitiv: „wissen“ oder „bewusst sein“, (2) affektiv/erleben: „Gefühl/Überzeugung“, (3) moralisch-praktisch: „Gewissen/Schuldbewußtsein“; die lateinische Verwendung deckt alle drei und entscheidet sich kontextuell.

Pons CONSCIENTIA - Latein-Deutsch Übersetzung | PONS

Navigium conscientia- Latein-Deutsch Übersetzung im Latein-Wörterbuch von Navigium.“

Bedeutungen der romanischen Ableitungen aus 'conscientia'

Copilot sagte am 5.11.2025

„Herkunft und Gemeinsamer Kern

Das Wort stammt aus dem lateinischen conscientia und vereint die Bedeutungen „Mitwissen“, „Bewusstsein/Überzeugung“ und „Gewissen“; aus dieser Dreifaltigkeit entwickelten sich die romanischen Ableitungen, die heute vor allem die Bedeutungen „Gewissen“ und „Bewusstsein/Erkenntnis“ tragen.

Vergleich der romanischen Ableitungen

Sprache

Wortform

Hauptbedeutungen

Französisch

conscience

Gewissen; auch Bewusstsein, Kenntnis; juristisch/ethisch gebräuchlich

Spanisch conciencia

Gewissen; Bewusstsein, Wahrnehmung; „consciencia“ medizinisch (Bewusstseinszustand) Italienisch coscienza

Gewissen; Bewusstsein, Selbsterkenntnis; auch gesundes Urteilsvermögen

Portugiesisch

consciencia

Gewissen; Bewusstsein, Kenntnis; gelegentlich Verantwortungsgefühl

Rumänisch

constila

Gewissen; Bewusstsein, Bewusstheit; normative und psychologische Verwendung

Sources:

Typische semantische Verschiebungen

Dominanz der moralischen Bedeutung: In allen genannten Sprachen ist die Bedeutung „Gewissen“ (moralische Instanz, Unrechts-/Rechtsbewertung) zentral; dies entspricht der klassischen Entwicklung aus dem lateinischen Gebrauch.

Bewusstsein und Erkenntnis: Parallel zur moralischen Lesart existiert die allgemeinere Bedeutung „Bewusstsein / Kenntnis“ (z. B. Bewusstheit eines Zustands oder Wissensstand) und tritt in Kontexten wie „Bewusstsein verlieren/erlangen“ stärker hervor.

Fachspezifische Nuancen: Medizinisch wird in Spanisch/Portugiesisch oft zwischen „consciencia/consciencia“ (Allgemeinbewusstsein) und „estado de consciencia“ unterschieden; juristisch/ethisch sind Begriffe für Verantwortlichkeit und Mitwisserschaft gebräuchlich.

Wortbildungen und Ableitungen

Ableitungen wie conscientieux / concienzudo / coscienzioso / consciencioso / con?tiincios zeigen die Übertragung von Gewissen zu „gewissenhaft/pflichtbewusst“.

Zusammensetzungen mit Verbformen (z. B. prendre conscience FR; tomar conciencia ES) markieren den Übergang vom Nicht-Wahrnehmen zum Bewusstwerden; solche Konstruktionen betonen die kognitiv-perzeptive Seite des Wortfeldes.

Kurze Anwendungs- und Übersetzungshinweise

Wenn du „conscience/conciencia/coscienza“ ins Deutsche übersetzen willst, prüfe Kontext: moralisch? Gewissen; kognitiv/psychologisch? Bewusstsein/Erkenntnis; medizinisch? Bewusstseinszustand.

Bei Übersetzungen in juristischen oder ethischen Texten empfiehlt sich sorgfältige Wortwahl, weil „Mitwissen/Mittäterschaft“ (lateinisch ursprüngliche Nuance) in modernen Sprachen oft mit separaten Begriffen ausgedrückt wird; das klassische Spektrum bleibt aber im Hintergrund. ...

Pons CONSCIENTIA - Latein-Deutsch Übersetzung | PONS

de.wiktionary.org conscientia - Wiktionary.”

Bedeutungen der anglophonen Ableitungen aus 'conscientia'

Copilot sagte am 5.11.2025:

„Bedeutungsübersicht

Die anglophonen Ableitungen aus lateinisch conscientia konzentrieren sich auf zwei Kernfelder: kognitive Bewusstheit (being aware) und moralische Instanz (Gewissen). Historisch ging die Semantik vom lateinischen Mitwissen/inneren Wissen zu modernen Formen wie conscience, conscious und conscientious über.

conscience

Bedeutung: inneres moralisches Urteil; Gefühl von Recht und Unrecht; Gewissensregung oder -bissen.

Register: Standardsprachlich, stark ethisch/juristisch konnotiert.

Bemerkung: Direktes Erbe von conscientia; im kirchlich-rechtlichen Diskurs auch technische Verwendung (z. B. „gravely bound in conscience“).

conscious / consciously

Bedeutung: bei Bewusstsein sein; sich einer Sache gewahr sein; absichtlich.

Register: neutral bis wissenschaftlich (Psychologie, Medizin) für den Bewusstseinszustand; allgemeinsprachlich für Aufmerksamkeit oder Absicht.

Bemerkung: betont die epistemische/kognitive Seite der Wurzel, weniger die moralische. consciousness

Bedeutung: Zustand des Bewusstseins; Gesamtheit mentaler Erfahrungs- und Wahrnehmungszustände; in Philosophie und Psychologie zentral.

Register: Fachsprachlich (Philosophie, Kognitionswissenschaft) wie auch allgemeiner Gebrauch (z. B. „public consciousness“).

Bemerkung: Entwicklung vom lateinischen Bewusstseinsbegriff; trennt häufig zwischen individuellen Zuständen und kollektiver Bewusstheit.

conscientious / conscientiously / conscientiousness

Bedeutung: pflichtbewusst, gewissenhaft; adverbial: gewissenhaft/achtsam; Substantiv: Gewissenhaftigkeit.

Register: positiv bewertetes Persönlichkeitsmerkmal; häufig in Bewerbungen, Beurteilungen, Recht (z. B. „conscientious objection“ als Gewissensverweigerung).

Bemerkung: zeigt semantische Verschiebung von innerer Gewissensinstanz zur Eigenschaft eines Handelns/Charakters.

spezielle Nominal- und Fachbildungen

conscientious objector: Person, die aus Gewissensgründen militärischen Dienst oder Teilnahme ablehnt; juristisch etablierter Begriff.

conscientiology / conscientiology usage: seltene wissenschaftliche Neubildung in einigen modernen Diskursen zur „Lehre des Bewusstseins“; nicht allgemein anerkannt im akademischen Kanon.

Übersetzungs- und Gebrauchshinweise

Für Übersetzungen ins Deutsche: moralische Bedeutungen meist mit Gewissen, kognitive Bedeutungen mit Bewusstsein, adjektive Formen mit gewissenhaft/ bewusst je nach Kontext. Bei juristischen oder medizinischen Texten Kontext prüfen (z. B. Bewusstseinszustand vs. Gewissensentscheidung).

Quellen: Beispielsammlungen und lexikalische Einträge zu conscientia und seinen Derivaten.

Reverso Context

conscientia - Deutsch Übersetzung - Englisch Beispiele | Reverso Context

de.wiktionary.org conscientia - Wiktionary.”

Der “Vollständigkeit” halber können, z.B. bei Microsoft-Copilot, die entsprechenden Bedeutungen von ,Bewusstsein‘ in weiteren, auch außereuropäischen Sprachen erfragt werden. Die Auskünfte sind jedoch nicht zielführend, weil sie, außer den bereits benannten, keine weiteren Aspekte als für den auf ,conscientia’ beruhenden Begriff Bewusstsein relevant erscheinen lassen. - Unbedingt zu berücksichtigen ist jedoch die mehr als drei Jahrtausende umfassende geschichtliche Tradition der philosophischen und allgemein-weltanschaulichen Inhalte und Gehalte des Begriffs. Dies im Folgenden.

2. Zur philosophischen und allgemein-weltanschaulichen Tradition des Begriffs Bewusstsein

a) im Hinduismus (seit ca. 2500 v.Chr.)

Copilot sagte am 5.11.2025:

„Überblick

Im Hinduismus bezeichnet „Bewusstsein“ (Sanskrit: cit, vijn?na u. a.) die grundlegendere Wirklichkeit, durch die Erfahrung, Wissen und Sein möglich werden. Es ist sowohl metaphysisches Prinzip (die Grundlage der Welt) als auch psychologische Erfahrung (wachen, träumen, tiefschlafende Gewahrsein) und Ziel spiritueller Praxis.

Klassische Begriffe und Ebenen

Atman — das individuelle Selbst oder innere Bewusstsein, das in vielen Schulen als permanenter, erkennender Kern verstanden wird; Atman wird in manchen Traditionen identisch mit dem höchsten Prinzip Brahman gesehen.

Brahman — das transzendente, unwandelbare Absolute, das alles durchdringt; Bewusstsein gilt hier als eine grundlegende Eigenschaft oder Manifestation dieses Einen.

Cit / Citta / Vijn?na — verschiedene Nuancen von Bewusstheit: cit oft für reines, transzendentes Bewusstsein; citta für das mentale Feld (Gedanken, Gefühle, Erinnerungen); vijn?na für unterscheidendes oder geteiltes Erkennen.

Zustandstheorie des Bewusstseins

Traditionell werden drei (manchmal vier) Hauptzustände unterschieden: Wachen (j?grat), Träumen (svapna), Tiefschlaf (su?upti); hinzu kommt Turiya als die vierte, transzendente Schicht reinen Gewahrseins, die alle drei durchdringt und das wahre Selbst offenbart.

Diese Gliederung spielt eine zentrale Rolle in den Upanishaden und Vedanta-Lehren zur Selbsterkenntnis.

Philosophische Schulen und Akzentuierungen

Vedanta (insbesondere Advaita): Betont die Identität von Atman und Brahman; Bewusstsein ist das allein Wirkliche, die Welt erscheint durch M?y? als scheinbar getrennt. Realisation dieses Bewusstseins führt zur Befreiung (mok?a).

S??khya und Yoga: Trennen purusha (reines Bewusstsein) von prak?ti (Natur, Geist/Material); Befreiung entsteht durch Unterscheidungswissen zwischen Bewusstsein und den sich verändernden psychophysischen Faktoren. Praxis (Yoga) reinigt das citta, so dass purusha klar erkannt wird.

Tantra und ??kta-Traditionen: Legen Gewicht auf Bewusstsein als dynamische, oft weiblichpersonifizierte Kraft (Devi, ?akti), arbeiten mit Ritual, Symbolen und Energiekanälen zur direkten Kultivierung höheren Bewusstseins.

Entwicklungsgeschichte und wichtige Texte

Upanishaden (ca. 1. Jahrtausend v. Chr. und später): Kernquellen für die metaphysische Deutung von Atman/Brahman und die Zustandstheorie des Bewusstseins.

Vedanta-Kommentare und spätere Schulen formten die Debatten über Personalität vs. NichtPersonalität des Bewusstseins; Advaita-Vedanta formulierte eine radikale Nichtdualität, andere Schulen entwickelten differenziertere ontologische Modelle.

Moderne Denker wie Sri Aurobindo erweiterten traditionelle Konzepte, indem sie Bewusstsein auch evolutionär deuteten — als etwas, das sich sowohl im Individuum als auch kosmisch entfaltet und transformiert werden kann.

Praxisrelevanz

Meditation, Selbstbefragung (?tma-vic?ra), Mantra und Yogatechniken werden genutzt, um die Mehrschichtigkeit des Bewusstseins zu erfahren, Unterscheidungswissen zu entwickeln und die direkte Erfahrung von Atman/Brahman oder höheren Bewusstseinszuständen zu erlangen.

Ethik und Ritual unterstützen die innere Klärung des citta und bereiten auf höhere Einsichten vor.

Kurze Zusammenfassung

Bewusstsein im Hinduismus ist zugleich ontologisch (grundlegende Wirklichkeit), psychologisch (verschiedene Zustände und Geistesmomente) und soteriologisch (Weg und Ziel spiritueller Befreiung). Verschiedene Schulen betonen unterschiedliche Aspekte — von der strikten Nichtdualität des Advaita bis zur dualistischen Unterscheidung von Bewusstsein und Natur — und moderne Denker haben das Spektrum um evolutionäre und integrative Lesarten erweitert.

Wisdom Library

Bewusstes Bewusstsein: Symbolik und Bedeutung

religion.ORF.at

Brahman - Lexikon der Religionen.“

b) im Buddhismus (seit ca. 6./5. Jh. v. Chr.)

„Im Buddhismus ist „Bewusstsein“ kein festes Selbst, sondern ein fließender Strom von Momenten, der durch Ursachen und Bedingungen entsteht und vergeht. Es ist zentral für das Verständnis von Geist, Erfahrung und Befreiung.

Hier ist ein Überblick über die Bedeutungen und historischen Entwicklungen des Bewusstseinsbegriffs im Buddhismus:

Bedeutungen von Bewusstsein im Buddhismus

Kein dauerhaftes Ich: Bewusstsein wird als nicht-substantiell verstanden - es gibt kein festes Selbst, das Erfahrungen besitzt. Stattdessen ist es ein kontinuierlicher Strom von Bewusstseinsmomenten, die entstehen und vergehen.

Fünf Skandhas (Aggregatzustände): Bewusstsein ist eines der fünf Skandhas, die das individuelle Dasein ausmachen - neben Form, Gefühl, Wahrnehmung und Geistesformationen. Es ist das Erkennen eines Objekts, aber nicht unabhängig davon.

Primärbewusstsein und Geistesfaktoren: In der tibetischen Tradition wird zwischen Primärbewusstsein (bloßes Gewahrsein) und Geistesfaktoren (wie Aufmerksamkeit, Wille, Emotionen) unterschieden. Das Bewusstsein ist also nicht isoliert, sondern immer mit mentalen Faktoren verbunden.

Abhängiges Entstehen: Bewusstsein entsteht bedingt - durch Kontakt mit Sinnesobjekten und Sinnesorganen. Es ist also nicht unabhängig, sondern Teil eines kausalen Netzwerks.

Geschichte und Entwicklung. Früher Buddhismus (P?li-Kanon):

Bewusstsein (vinn??a) wird als momenthaft beschrieben - es entsteht in Abhängigkeit von Sinnesobjekt und Sinnesbasis. Es ist nicht das Selbst, sondern ein vergänglicher Prozess.

Abhidhamma-Tradition:

Entwickelte eine detaillierte Klassifikation von Bewusstseinsarten (z.B. Sinnesbewusstsein, Denkbewusstsein).

Betonung auf Analyse der Bewusstseinsmomente und deren Bedingungen.

Mahayana und Yog?c?ra:

Einführung des Konzepts des Alaya-Vijn?na („Speicherbewusstsein“), das karmische Eindrücke speichert.

Bewusstsein wird hier als Basis für Erfahrung und Wiedergeburt verstanden, aber auch als transformierbar auf dem Weg zur Erleuchtung.

Moderne Interpretationen:

Einige buddhistische Lehrer vergleichen Bewusstsein mit einem Spiegel, der Erfahrungen reflektiert, ohne sie festzuhalten.

In der Praxis wird Bewusstsein durch Achtsamkeit und Meditation erforscht und verfeinert.

Praxisbezug

Meditation: Ziel ist es, das Bewusstsein zu klären, seine Muster zu erkennen und letztlich die Illusion eines festen Selbst zu durchschauen.

Ethik und Befreiung: Ein reines, achtsames Bewusstsein ist Voraussetzung für Mitgefühl, Weisheit und Erleuchtung. ...

www.abhidhamma.de

BGM, 24 - Abhidhamma Study Buddhism Primärbewusstein und Geistesfaktoren - Study Buddhism.“ (Microsoft-Copilot 5.11.2025)

c) im Taoismus (seit ca. 6./5. Jh. v. Chr.)

„Kurzdefinition

Im Taoismus ist Bewusstsein weniger ein abgegrenztes Ich als eine Form des Gewahrseins im Fluss des Dao; es wird nicht primär als substanzielle innerliche Entität diskutiert, sondern als Ausdruck und Teilhabe am kosmischen Weg.

Historischer Hintergrund

Die klassischen Texte des frühen Daoismus wie das Daodejing und das Werk des Zhuangzi prägen die daoistische Sicht auf Geist und Bewusstsein; sie legen nahe, dass rechte Haltung und Einsicht aus dem Einstimmen auf das Dao erwachsen und nicht aus intellektueller Anstrengung allein.

Wesentliche Konzepte

Dao als ursächliche Wirklichkeit und Quelle aller Erscheinungen; Bewusstsein erscheint und funktioniert nur in Relation zum Dao. Wu Wei als Handeln durch Nicht-gekünsteltes-Sich- Einfügen, das eine natürliche, nicht-zweckorientierte Form des Gewahrseins fördert.

Ziran (Natürlichkeit) und Yin-Yang als Rahmen, in dem Bewusstseinsformen dynamisch ausbalanciert und transformiert werden.

Bewusstsein und Praxis

Bewusstsein wird durch meditative und kultivierende Praktiken geformt: kontemplative Loslösung, Atem- und Bewegungsübungen (z. B. Qigong, Tai Chi) sowie innere Alchemie (neidan) zielen darauf ab, das Herz-Geist Feld zu klären und die Resonanz mit dem Dao zu vertiefen; praktische Texte und Lehrtraditionen betonen weniger theoriebasierte Analyse als lebendige Einkehr und Harmonisierung.

Zusammenfassung

Im Taoismus ist Bewusstsein ein relationales, dynamisches Geschehen: es ist Ausdruck der Beziehung zum Dao, wird durch Natürlichkeit und Nicht-Handeln kultiviert und ist in erster Linie praxistheoretisch verankert statt metaphysisch als eigenständiges Selbst gedacht.

Gedankenwelt Taoismus: Der Weg und seine Tugenden - Gedankenwelt

Wikipedia Daoismus - Wikipedia.“ (Microsoft-Copilot 5.11.2025)

d) im Judentum (seit ca. 2000 v.Chr.)

„Überblick

Im Judentum wird „Bewusstsein“ nicht als einsames philosophisches Konzept behandelt, sondern in verschiedene religiöse, ethische und mystische Kategorien eingebettet. Wichtige Richtungen sind die Tora-gebundene Halacha, rabbinische Ethik, chassidische Praxis und kabbalistische/chesidische Mystik; jede betont andere Aspekte von Selbstwahrnehmung, Gewissen und spirituellem Erkennen.

Begriffe für Seele und Bewusstsein

Nephesch - die lebendige, körpernahe Seele; Grundfunktion des Lebens und der Triebe.

Ruach - der Atem/Geist; emotionales und intellektuelles Bewusstsein.

Neshamah - die höhere göttliche Seele; Quelle von Erkenntnis und Gottesbeziehung.

Da’at - Wissen oder Bewusstheit; Verbindung zwischen Intellekt und Herz, wichtig für moralische Einsicht.

Diese Unterscheidungen erscheinen besonders ausgeprägt in kabbalistischer Literatur, die Bewusstseinsstufen systematisiert.

Gewissen und ethisches Bewusstsein

Das jüdische Verständnis von Gewissen verbindet inneres moralisches Empfinden mit gebotener Praxis. Konzepte wie yetzer hatov und yetzer hara (gutes und schlechtes Streben) erklären innere Neigungen und die Notwendigkeit bewusster Entscheidung zur Gebotsbefolgung. Das Studium der Tora und das Gebotshandeln schärfen das moralische Bewusstsein und formen Gewissenstätigkeit.

Kollektives Bewusstsein und Erinnerung

Gedenken und kollektive Erinnerung sind zentrale Formen jüdischen Bewusstseins. Feste, Jahrzeit und liturgische Erinnerungen verankern historische Erfahrungen im kollektiven Gedächtnis und prägen Identität und moralische Sensibilität der Gemeinschaft.

Mystik: Bewusstsein als Verbindung zu Gott

In kabbalistischen und chassidischen Strömungen ist Bewusstsein primär die Möglichkeit, Gottesgegenwart zu erkennen. Spirituelle Praxis zielt darauf ab, die Neshamah zu aktivieren und das alltägliche Bewusstsein zu transzendieren, wobei unterschiedliche Ebenen von Erkenntnis und Gotteserfahrung beschrieben werden.

Moderne Deutungen und Praxis

Zeitgenössische jüdische Denker verbinden traditionelle Begriffe mit moderner Psychologie, Ethik und Philosophie. Bewusstsein wird sowohl individuell als auch sozial gedacht: Selbstreflexion, Studiengemeinschaft (Havruta) und ethisches Handeln gelten als Mittel zur Vertiefung von Bewusstheit und Verantwortlichkeit.

Wikipedia Prinzipien des jüdischen Glaubens - Wikipedia

Chabad Lubawitsch Die Ebenen des Seelenbewusstseins - Jüdische.Info - Chabad.“ (Microsoft-Copilot 5.11.2025)

e) im Christentum

„Überblick

Im Christentum wird „Bewusstsein“ meist in Verbindung mit Gotteserfahrung, Gewissen und spiritueller Reifung verstanden; Begriffe wie persönliche Beziehung zu Jesus, geistliche Wachheit und die Formung ethischer Entscheidungsfähigkeit stehen im Mittelpunkt.

Begriffe und Ebenen des christlichen Bewusstseins

Geistliche Wachheit: Achtsamkeit gegenüber Gottesgegenwart, Gebet und Sakramenten.

Gewissen: innere Unterscheidung von Gut und Böse, geformt durch Schrift, Tradition und Gewissenserziehung.

Mystische Erkenntnis: Tiefere Bewusstseinszustände, in denen Gläubige Gottesnähe als Erfahrung beschreiben.

Christusbewusstsein und christliche Mystik

Der Begriff „Christusbewusstsein“ wird in modernen spirituellen Strömungen und in Teilen christlicher Mystik verwendet, um einen Bewusstseinszustand zu bezeichnen, in dem man die Gesinnung und Gegenwart Christi innerlich vergegenwärtigt und Liebe, Mitgefühl und Einheit erfährt; solche Beschreibungen finden sich sowohl in populären spirituellen Texten als auch in anthroposophisch geprägten Deutungen.

Ethik und Gewissen

Christliches Bewusstsein ist eng verbunden mit moralischer Responsivität: das Gewissen ruft zur Umkehr, zur Nächstenliebe und zur konkreten Umsetzung des Evangeliums im Alltag; geistliche Praxis (Liturgie, Bibelstudium, Gemeinschaft) schärft diese ethische Sensibilität. Gemeinschaftliches Bewusstsein und Liturgie

Gemeinde, Liturgie und gottesdienstliche Erinnerung prägen kollektives Bewusstsein: Feiertage, Sakramente und gemeinsames Gebet halten die Heilsgeschichte präsent und formen die Identität und das Gewissen der Gemeinschaft.

Moderne Zugänge

Zeitgenössische Theologie und Seelsorge verknüpfen traditionelle Vorstellungen von Bewusstsein mit Psychologie, Achtsamkeit und sozialethischen Fragen; das Ziel bleibt die persönliche Beziehung zu Gott und die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, nicht die bloße Technik spiritueller Zustände.

Wikipedia Christliche Spiritualität - Wikipedia

Wisdom Library Religiöses Bewusstsein im Christentum - Wisdom Library.“ (Microsoft-Copilot 5.11.2025)

f) im Islam „Überblick

Im Islam wird „Bewusstsein“ (arabisch oft mit Begriffen wie Wahrnehmung, Achtsamkeit, Gottesbewusstheit) nicht als rein philosophisches Phänomen betrachtet, sondern eingebettet in Gottesbezogenheit, ethische Verantwortlichkeit und religiöse Praxis. Zentrale Themen sind die Gottesfurcht und Gottesgegenwart (taqwa), das Gewissen als moralische Richtschnur und spirituelle Wachheit durch Gebet und Erinnerung an Gott.

Wesentliche Begriffe und Seelenkonzepte

Nafs - die Seele oder das Selbst, die in unterschiedlichen Stufen erscheint (von unbewusster Triebnatur bis zur läuternden Seele) und das moralische Ringen des Menschen beschreibt.

Ruh - der göttliche Atem/Geist, der Leben und spirituelle Anlage schenkt.

Qalb - das „Herz“ als Sitz des Bewusstseins, der Einsicht und der spirituellen Empfänglichkeit.

Aql und ilm - Vernunft und Wissen, die Bewusstseinsprozesse klären und moralische Einsicht ermöglichen. Diese Konzepte strukturieren, wie im Islam innere Wahrnehmung, Willensentscheidungen und geistige Reife verstanden werden.

Gewissen, Verantwortung und Taqwa

Bewusstsein im Sinne von Gewissen heißt im Islam, die eigene Stellung vor Gott zu erkennen und verantwortungsbewusst zu handeln; Taten werden als Rechenschaft vor Gott gedacht. Gesellschaftliche Pflichten und individuelle Rollen werden als göttliche Verantwortung formuliert, die Bewusstheit und Gewissenhaftigkeit in der Ausführung erfordern.

Praxis: Ritual, Achtsamkeit und tägliche Erinnerung

Rituelle Praxis (insbesondere das fünfmalige Gebet, Dhikr/Erinnerung an Gott und Fasten) dienen nicht nur rituellen Zwecken, sondern schulen beständig die innere Wachheit und Gewissensgegenwart. Achtsamkeitsähnliche Beschreibungen in zeitgenössischen Texten zeigen, wie Gebet und Gewahrsein zusammenwirken: das rituelle Gebet wird etwa als „Pilgerfahrt zu Gott“ verstanden und als Mittel, die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Gottesbeziehung zu lenken.

Spiritualität und Sufismus

Mystische Traditionen (Sufismus) entwickeln das Thema Bewusstsein als schrittweise Öffnung des Herzens für die direkte Erfahrung Gottes; Übungen von Dhikr, Meditation und spiritueller Anleitung zielen auf eine dauerhaftere Gottesbewusstheit und auf die Läuterung des Nafs. Diese Texte unterscheiden oft zwischen äußerer Gesetzesbefolgung und innerer spiritueller Reife und betonen die Verbindung von Wissen, Liebe und innerer Präsenz.

Zielorientierung und eschatologischer Horizont

Im islamischen Verständnis prägt die Einsicht in das Leben als Prüfung und die Erwartung der Rechenschaft im Jenseits das Bewusstsein: Das Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Diesseits und die Bedeutung des Jenseits formt Motivation, ethisch und gottesfürchtig zu leben.

Moderne Deutungen und praktische Implikationen

Zeitgenössische muslimische Theologen und Community-Akteure verknüpfen klassische Begriffe mit modernen Konzepten wie Achtsamkeit, psychologischer Selbstreflexion und sozialer Verantwortung; dabei bleibt das normative Zentrum die Gottesbeziehung und die Verpflichtung gegenüber Mitmenschen und Gemeinschaft.

Kurze Literaturliste zum Weiterlesen

Artikel zu Verantwortung und Pflichten im Islam.

Aufsätze zu Gewahrsein, Achtsamkeit und Gebetspraxis.

Einführung in islamische Spiritualität und Sufismus.

Ausführungen zum Lebenssinn im islamischen Verständnis und zur eschatologischen Prägung des Bewusstseins.

IslamiQ Verantwortung: Sich seiner Aufgabe bewusst sein - IslamiQ

islam.de Gewahrwerden und Achtsamkeit als erste Schritte auf dem Pfad der ...“ (Microsoft-Copilot 5.11.2025)

Neuere Begriffs-Bestimmungen

Einleuchtende Bestimmungen des Bewusstseins finden sich auch bei Hegel und Marx, in neuerer Zeit u.a. bei E. Habermann (1996), B. Libet (2005), M. Kiefer (2015), J. Bauer (2019) sowie bei Autorinnen und Autoren der Epigenetik.

bei Hegel

Fichtes Ich = Ich ist bei Hegel ein Ausdruck des Selbst-Bewusstseins. Das Selbstbewusstsein gilt ihm als „die Wahrheit des Bewusstseins“[2]; was jedoch nicht zur Isolierung oder Verabsolutierung des Bewusstseins führt, denn Hegel verpflichtet das Selbstbewusstsein der Einzelperson sogleich auf die Anerkennung aller anderen Personen, denen er die gleiche Souveränität und Autonomie zubilligt. Zudem gewinnt das Bewusstsein bei Hegel höhere Wahrheiten in Vernunft und Geist - und somit im Zugang zu jedweder dialektischen Subjekt-Objekt-Beziehung.

Was allerdings nicht bedeutet, dass Hegels ,Phänomenologie des Geistes’ insgesamt zur Erklärung des Bewusstseins herangezogen werden kann. Denn Hegel verkennt u.a., dass das Bewusstsein substanziell durch Wahrnehmungen aller Art entsteht, die ihrerseits auch durch die - von Hegel völlig ignorierten - Instanzen der Gefühle und Emotionen einerseits, und von Verstand, Vernunft und Geist andererseits beeinflusst und bestimmt werden; so dass die Wahrnehmung als solche schon deshalb nicht einfach in der aufsteigenden Stufenfolge der ,Phänomenologie ...‘ „aufgehoben“ werden kann. Zumal Hegel schließlich - in unzulässiger Vermischung von Glauben und Wissen - den Geist und das Wissen im „Absoluten“ aufgehen lässt.

bei Marx

Dieser stellt zunächst fest:

„Das Bewusstsein kann nie etwas anderes sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozess.“2

Im Übrigen gewinnt Marx seinen Bewusstseins-Begriff vor allem aus seiner Kritik an Hegels Verabsolutierungen des Geistes. Während Hegel das Leben der Menschen mittels eigener Begriffe - wie z.B. ,Absolutes Wissen’, ,Weltgeist‘, ,Volksgeist‘ usw. - sozusagen von oben herab erklären will, behauptet Marx das Umgekehrte: Nicht das Bewusstsein bestimme das Sein, sondern das gesellschaftliche Sein bestimme das Bewusstsein. -

Wozu allerdings sogleich Folgendes anzumerken ist: Marx hat offensichtlich bereits erkannt, dass das Sein als Ganzes schon deshalb nicht durch das Bewusstsein bestimmt werden kann, weil das Ganze des Seins nicht überschaubar ist; dies im Unterschied zum gesellschaftlichen Sein der Individuen. - Da aus diesen aber bekanntlich jegliche Gesellschaft besteht, ist Marxens Bewusstseins-Begriff wie folgt zu präzisieren und zu erweitern: Die Gesellschaft stellt - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß - jeder Einzelperson materielle und nichtmaterielle Grundlagen der Existenz zur Verfügung; darunter auch die Mittel zur Herausbildung der jeweiligen intellektuellen Kompetenz, die jegliches Bestimmen überhaupt erst ermöglicht; so dass hier eine Wechselbeziehung vorliegt: Die Gesellschaft produziert die Rahmenbedingungen des Bestimmens, d.h. der intellektuellen Kompetenz. Und diese erst ermöglicht es der Einzelperson, (mit) zu bestimmen, wie die Gesellschaft beschaffen ist und/oder beschaffen sein sollte. Diese Wechselbeziehung hat Marx leider nicht genau analysiert, auch wenn er gelegentlich bemerkt, dass auch die Theorie politische Macht gewinnen kann, sobald sie die Massen ergreift. Wozu Marxens Überzeugung passt, dass revolutionäres Bewusstsein aus dem Klassen-Bewusstsein entsteht - was allerdings die Unterscheidung zwischen ,Klasse an sich’ und ,Klasse für sich’ voraussetzt, wie dies in Marx’ Konzepten auf Schritt und Tritt nachweisbar ist, auch wenn er die beiden Schlüsselbegriffe nicht selbst geprägt hat. Gesellschaftliche Klassen bilden sich sozusagen „naturwüchsig“, existieren als solche an sich; Klassenbewusstsein entsteht erst im Zuge von Aufklärung, Theorie-Bildung und politischer Emanzipation - als Bewusstsein der jeweiligen Klasse für sich. 3

bei Ernst Habermann

Ihm verdanken wir ein vertieftes Bewusstsein dessen, was spätestens seit Charles Darwin immer mehr zur Gewissheit wurde: dass nämlich die Fähigkeit zur Moral zum evolutionären Erbteil des Mensch-Seins gehört, dem Menschen also angeboren ist; wozu Habermann ausführt:

„Die Evolution hat zwei feine Sensoren der Solidarität erfunden, nämlich Gewissen und Mitleid, und mit der Befindlichkeit gekoppelt. Die biologisch vorgegebene, spätestens beim Menschenaffen ... gesicherte Einfühlung ist eine wichtige Grundlage unseres Ethos.“4

Wobei Habermann neben dem Streben nach guter Befindlichkeit zwei weitere, evolutionär entstandene Grundfaktoren der Ethik nennt: die Gegenseitigkeit und die Überwindung des puren Egoismus durch Altruismus und Zusammenarbeit. Es sind Faktoren, die Habermann problemlos mit Kants Kategorischem Imperativ verbindet:

„Der Einzelne soll sein spezielles Verhalten so einrichten, daß es sich als Maxime aller Partner eigne.“ (ebd.)

Dies sei ein Satz, mit dem Kant „zutiefst recht“ hatte. - Auch Freiheit und rechtliche Gleichheit sind jedenfalls nicht vom Himmel herabgefallen, sondern evolutionär entstanden.

bei Benjamin Libet

Wie dieser schon in seinen Experimenten der 1980er Jahre herausgefunden hat, beeinflusst das Bewusstsein in hohem Maße auch das Unbewusste. Zu diesem erklärt Libet:

„Wir betrachten eine psychologische Funktion oder ein Ereignis als unbewusst, wenn die Person kein berichtbares Bewusstsein des Ereignisses hat.“5

Das Träumen rechnet Libet erstaunlicherweise zu den völlig bewussten Prozessen, obwohl es dabei zu Verzerrungen kommen könne und die Träume „gewöhnlich nur schlecht oder überhaupt nicht erinnert“ würden (S. 124, ausnahmsweise mit deutlichem Seitenhieb auf Freud !). Im Übrigen handele es sich beim Unbewussten (Ubw) wahrscheinlich um „etwas Geistiges“, wobei durchaus auch „Repräsentationen der Erfahrung“ Teile des Ubw seien. Woraus folgt, dass anscheinend sämtliche Gedächtnis-Systeme für das Verstehen des Ubw heranzuziehen sind! (Vgl. Libet a.a.O. S. 132 f.). Dementsprechend folgert Libet:

„Jegliche Veränderungen oder Modifikationen der sich entwickelnden Erfahrung sind für die jeweilige Person einzigartig. Sie spiegeln die eigene Geschichte von Erfahrungen und den emotionalen und moralischen Charakter der Person wider. Die Veränderungen finden jedoch unbewusst statt! Folglich kann man sagen, dass der einzigartige Charakter einer bestimmten Person sich selbst in unbewussten Prozessen ausdrücken kann.“ (S. 157)

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, in welchem Maße wir tatsächlich durch das Ubw konditioniert oder gar determiniert werden; und damit die Frage nach der Willensfreiheit.

Libets Ergebnisse:

a) „Es gibt eine unerklärte Lücke zwischen der Kategorie der physischen Phänomene und der Kategorie der subjektiven Phänomene.“

b) „Die Annahme, dass die deterministische Natur der physikalisch beobachtbaren Welt subjektive bewusste Funktionen und Ereignisse erklären kann, ist ein spekulativer Glaube und keine wissenschaftlich bewiesene Aussage.“ (S. 195)

Mit erheblichen Folgen für die Einschätzung der Willensfreiheit. Libet zufolge kann der Wille zwar keine Handlung bewusst einleiten, da dies unbewusst geschehe; dennoch könne das Bewusstsein, d.h. der freie Wille ständig ein Veto einlegen. Alles beginne mit „unbewussten Initiativen“, danach aber:

„Der bewusste Wille würde dann eine Auswahl zwischen diesen Initiativen treffen und entscheiden, welche davon sich im Handeln nieder-schlagen soll, welche unterdrückt oder abgebrochen werden sollen, so dass es nicht zur motorischen Handlung kommt.“ (S. 179)

Hieran knüpft Libet weitreichende Überlegungen, und zwar sogar zu den Fragen nach dem Wesen des Menschen, des Universums und der Naturgesetze. Da er den naturwissenschaftlichen Determinismus in Bezug auf das Ubw ablehnt, kann er dem freien Willen in jedem Fall die Möglichkeit des Eingreifens einräumen. Hierzu erklärt er:

„Die bewusste Absicht erscheint etwa 150 msec vor der motorischen Bewegung. Das lässt genügend Zeit dafür, dass die Bewusstseinsfunktion in diesen Prozess eingreift. Der Prozess kann ein Auslöser sein, der ermöglicht, dass ein Willensprozess vollendet wird; dafür gibt es jedoch keine direkten Belege. Es gibt jedoch Belege dafür, dass der bewusste Wille den Prozess stoppen oder unterdrücken kann, so dass es nicht zu einer Handlung kommt. In einem solchen Fall könnte der freie Wille das Ergebnis steuern. Das passt zu unserem Gefühl, dass wir Kontrolle über uns selbst haben, etwas, das die ethischen Systeme von uns verlangen.“ (S. 246)

Folgerichtig bejaht Libet die ethischen Implikationen des freien Willens, wobei er auch bestimmten ethischen und religiösen Auffassungen zustimmt, so auch den Zehn Geboten und der gängigen christlichen Fassung der Goldenen Regel. Theologen hätten sogar die Grenzen der Allmacht Gottes aufgewiesen; die menschliche Willensfreiheit sei demnach von Gott so gewollt.

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

1. Libet erweitert die Einsicht in das Ubw durch seine Experimente, aus denen hervorgeht, dass in Entscheidungssituation das Ubw früher als das Bewusstsein in Aktion tritt. Nicht das Bewusstsein, sondern das Ubw leitet den Entscheidungsprozess ein.

2. Da auch sämtliche Erfahrungen ins Ubw bzw. ins Gedächtnis eingehen (können), finden im Ubw bereits Abwägungen, auch ethischer und lebenspraktischer Art, statt.

3. Das Ubw schlägt dem Bewusstsein jeweils Entscheidungs-Optionen vor.

4. Nicht der Determinismus, sondern der freie Wille des Bewusstseins entscheidet über die vom Ubw vorbereiteten Optionen.

5. Die neuen Einsichten in das Ubw bestätigen weitgehend die ethischen und die (meisten) religiösen Auffassungen hinsichtlich der Willensfreiheit und der Verantwortung des Menschen für sein Tun und Lassen.

Außerdem ist zu beachten, dass es einen absolut freien Willen nicht geben kann, zumal die Willensfreiheit schon durch das je eigene Denken und Empfinden bedingt wird, wie Peter Bieri (1944-2023) nachgewiesen hat. Dies steht im Einklang mit der wissenschaftlich begründeten Bewusstseins-Philosophie, wobei allerdings auch die gesellschaftlich bedingten Einschränkungen der Willensfreiheit zu berücksichtigen sind. Selbst wenn es eines Tages gelingen sollte, das Marxsche ,Reich der Freiheit’ weltweit zu etablieren, würde die Konditionierung durch das eigene Denken wahrscheinlich fortbestehen (vgl. Bieri 2001). Und dies, obwohl zu bedenken ist, dass angeblich auch die Gedanken frei sind, so dass anzunehmen ist, dass Bewusstsein, Denken und Willensfreiheit zwar in wechselseitiger Abhängigkeit stehen, genau darin aber (relativ) frei sind. Insofern gibt es tatsächlich keine unbedingte, sondern eine bedingte Willensfreiheit. - Zudem erinnert Bieris Erkenntnis an Hegel s, danach von Engels übernommene Definition von Freiheit als „Einsicht in die Notwendigkeit“, eine eher unheimliche Vorstellung, gäbe es nicht auch die konkreten Freiheiten wovon, wodurch und wozu, und zwar auf Grund des Erkennens von Möglichkeiten. Es gilt, sowohl die Notwendigkeiten als auch die Möglichkeiten zu erkennen und demgemäß zu handeln.

bei Markus Kiefer ,

dem Ulmer Neurowisssenschaftler, der 2015 einen Forschungsbericht vorgelegt hat, in dem er Libets Ergebnisse weitgehend bestätigt und wirkungsvoll ergänzt. Zum Verhältnis von Bewusstem und Unbewusstem stellt er fest:

„Unser Bewusstsein kontrolliert unbewusste Prozesse im Gehirn. Der Wille und die automatische Verarbeitung arbeiten Hand in Hand, nicht gegeneinander. Das hat eine Forschergruppe an der Universität Ulm herausgefunden.

<http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24954512>. ...

Unbewusste Prozesse, die im Widerspruch zu unseren Absichten stehen, werden weitgehend von unserem Bewusstsein blockiert."Unser Wille ist freier als gedacht", sagt Markus Kiefer, Wissenschaftler an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Ulm.

Seine Forschungsgruppe konnte mit Messungen der Hirnaktivität im Magnetresonanztomographen (MRT) zeigen, dass bewusste Vorsätze die Arbeit unserer automatischen Systeme im Gehirn steuern. Die Forscher wiesen erstmals nach, dass solche Vorsätze für eine gewisse Zeit Netzwerke von Bereichen im Gehirn etablieren, die den unbewussten Informationsfluss im Gehirn steuern. .. .“7

Widerlegt wird damit Sigmund Freud s Annahme, unser Unbewusstes sei autonom und nicht vom Bewusstsein zu kontrollieren. Kiefers Ergebnisse zeigen eindeutig, dass unser Bewusstsein zu den Absichten passende unbewusste Vorgänge in unserem Gehirn verstärkt, nicht passende dagegen abschwächt. Dadurch werde gewährleistet, dass unser bewusstes "Ich" Herr im Haus bleibt und nicht durch eine Vielzahl unbewusster Tendenzen beeinflusst wird, erklärt Kiefer: "Wir sind also keinesfalls Sklaven unseres Unbewussten, wie lange Zeit angenommen." ... Die bewussten Absichten und Einstellungen entscheiden somit darüber, ob ein unbewusster Prozess in unserem Gehirn überhaupt ablaufen kann.“6 7

bei J. Bauer : Zur Entwicklung des Selbst

Für die Entwicklung vom Säuglingsalter zum Kindes- und Jugendalter spielt das Selbst eine entscheidende Rolle. Erst das Selbst schafft Bewusstsein auf der Grundlage u.a. von Wahrnehmung, Gedächtnis, Verstand und Selbstbewusstsein und damit den Zugang zu allen Ressourcen der Vernunft und des Geistes. Nietzsche hatte dieses Selbst irrtümlich noch mit dem Leib gleichgesetzt. Warum er sich damit im Irrtum befand, geht vor allem aus den Forschungsergebnissen hervor, die der Neurowissenschaftler Joachim Bauer u.a. in seinem Buch Wie wir werden,, wer wir sind (2019) vorgetragen hat. Darin weist er auf, dass das Selbst - anders als Nietzsche es vermeinte - nicht mit dem Leib identisch, d.h. nicht angeboren ist, sondern erst durch zwischenmenschliche Beziehungen im Säuglingsalter zu entstehen beginnt:

„Der menschliche Säugling, obwohl ein fühlendes, mit der Würde des Menschen ausgestattetes Wesen, verfügt über kein Selbst. Die neuronalen Netzwerke, in denen sich Letzteres einnisten wird, sind zum Zeitpunkt der Geburt noch unreif und funktionsuntüchtig. Seine Entstehung und Grundstruktur verdankt das menschliche Selbst jenen

Bezugspersonen, die uns - vor allem in den ersten Lebensjahren - als »Extended Mind«, das heißt, als eine Art externe Leitstelle gedient haben. An der Komposition des Selbst sind Resonanzvorgänge beteiligt, wie sie sich zum Beispiel zwischen zwei Gitarren beobachten lassen: So, wie der Klang der einen Gitarre die Saiten einer zweiten Gitarre zum Klingen bringen kann, so können Bezugspersonen ihre inneren Melodien - ihre Art zu fühlen, die Welt zu deuten und in ihr zu handeln - via Resonanz auf den Säugling übertragen. Da dieser Transfer sich - in reduzierter Form - lebenslang fortsetzt, ist unser Selbst eine Komposition aus entsprechend vielen Themen und Melodien.“ (a.a.O. S. 7)

Das Selbst ist also nicht einfach der Leib, sondern ein Gemisch, ein mixtum compositum, aus dem personalen Individuum - als Einheit aus Leib, Seele und Geist -, seinen Bezugspersonen, seiner Umwelt und der Gesamtheit seiner Erfahrungen. J. Bauer präzisiert:

„In Säuglingen und Kleinkindern komponiert sich ein Selbst, dessen Themen von ihren Bezugspersonen über Resonanzvorgänge in sie hineingelegt wurden. Je weiter wir heranwachsen und persönlich reifen, desto mehr wird das Selbst zu einem Akteur, der mitspricht und beeinflusst, was mit ihm geschieht. Wir entwickeln ein Gefühl, das uns spüren lässt, welche an uns herangetragenen Angebote zu uns passen und zu

einem stimmigen Teil unseres Selbst werden könnten, und welche unserer Identität Gewalt antun würden. Der Mensch ist das einzige Wesen, das sich an der Konstruktion seiner selbst - und seines Selbst - beteiligen kann, ein Hinweis, der in dieser expliziten Form erstmals durch den Renaissance-Philosophen Pico de la Mirandola gegeben wurde.“ (a.a.O. S. 8, Hervorhebungen K.R.)

Näheres und Weiteres hierzu führt J. Bauer auf 255 Seiten in 15 Kapiteln aus, darunter speziell zum Selbst-System in den Kap. 1-6, 10, 11, 13 und 14, daneben und zusammen mit Themen wie Resonanz (darunter dem „Resonanzraum der Gesellschaft“, wenn auch nur auf gut 6 Seiten), Pädagogik, Arbeit, Partnerschaft, Psyche und Neurobiologie.8

zur Epigenetik

Die Diskussion darüber hat vor ca. zwei bis drei Jahrzehnten verstärkt eingesetzt. In einem Artikel von ,Spektrum der Wissenschaft’ heißt es dazu:

„Die Epigenetik beschäftigt sich mit einer Frage, auf die Wissenschaftler bis heute keine eindeutige Antwort haben: Wie weit sind wir und alle Lebewesen durch unsere Gene vorprogrammiert, und wie stark kann die Umwelt dieses Programm verändern und prägen? Die Antwort liegt in den epigenetischen Prozessen unserer Zellen. Diese molekularen Mechanismen sorgen - abhängig von äußeren Umständen - dafür, dass Gene stärker oder schwächer abgelesen werden. Die dort in der DNA-Sequenz hinterlegte Information wird dabei nicht verändert.

Bei epigenetischer Regulation verändern Enzyme bestimmte Abschnitte der DNA, um sie besser oder weniger gut ablesen zu können. Das greift aber nicht in die Nukleotidsequenz des DNA-Strangs ein, sondern in die Ebene »darüber«, daher spricht man von Epigenetik (von griechisch: epi =über). Zellen steuern so unter anderem, wann sie welche Proteine produzieren - und in welchen Mengen.

Der Mechanismus ist von Genforschern lange vernachlässigt worden. Dabei kann der Zellkern per Epigenetik auf Umwelteinflüsse reagieren und abhängig davon regulieren, wann und in welchem Ausmaß welche Gene ein- und ausgeschaltet werden. Epigenetische Mechanismen machen auch das immer gleiche Erbgut der unterschiedlichsten Zellen flexibel: Wie Haut-, Herz- oder Darmwandzellen ihre identischen DNA-Sequenzen einsetzen, kann unter epigenetischer Regulation auch von Umweltfaktoren abhängen.

Epigenetische Regulatoren beeinflussen, wie eng verpackt - und damit zugänglich - einzelne Chromosomen-Bereiche vorliegen. Geregelt wird der Zugriff zunächst durch das Anheften oder Ablösen kleiner chemischer Gruppen. Das so modifizierbare Markierungsmuster des Genoms wird dann von Spezialenzymen gelesen, die weitere Schritte einleiten und zum Beispiel Gene an- oder ausknipsen.

Die Entdeckung der Epigenetik hat ein lang gehegtes Dogma der Biologie umgestoßen: die Idee, dass die Eigenschaften eines Organismus durch das bei der Geburt vererbte Genmaterial unveränderbar bestimmt wird. Tatsächlich erlaubt die Epigenetik selbst subtilen Umweltveränderungen den Zugriff auf unser Erbgut. Auch Krankheiten oder die Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen kann epigenetisch beeinflusst sein.“9 Und in ,Open Science’ findet sich folgende Ergänzung:

„Viele Gene von Pflanzen, Tieren und auch einfachen Lebewesen werden nicht ständig abgelesen, sondern gezielt an- und abgeschaltet. Wie sich Wachstum, Entwicklung oder Umwelteinflüsse ohne Veränderung der DNA-Sequenz auf die Genaktivität auswirken und welche Mechanismen dahinterstecken, untersucht die Epigenetik. Eine kurze Einführung in dieses spannende Forschungsgebiet und konkrete Beispiele im Überblick.

An- und Ausschalter für Gene

„Das Leben ist mehr als die Summe seiner Gene“ - diesen Ausspruch hörte man öfters von Thomas Jenuwein, einem der Pioniere der Epigenetik, wenn er über seine Arbeit sprach [1]. Der Deutsche lebte und forschte lange in Wien und legte im Jahr 2000 mit seiner Arbeit einen Meilenstein auf dem Gebiet der Epigenetik: Mit seinem Team am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) entdeckte er einen wichtigen Mechanismus, der beim Menschen und bei der Maus die Gene steuert, ohne dabei die DNA zu verändern [2].

Epigenetik als Kontrollebene über der DNA

Vor der Entschlüsselung des menschlichen Genoms glaubte man, dass allein die DNA für die Einzigartigkeit jedes Menschen verantwortlich und die Steuerung der Gene in deren Sequenz selbst festgelegt sei. Dementsprechend große Hoffnung wurde auch in das Human Genome Project, ein groß angelegtes Projekt zur Sequenzierung des gesamten menschlichen Erbguts, gesetzt [3]. Man war der Ansicht, damit den Menschen zu entschlüsseln und Krankheiten heilen zu können. Doch schon bald nach der Veröffentlichung des noch teilweise unvollständigen Human-Genoms im Jahr 2000 bzw. der Publikation der vollständigen Sequenz im Jahr 2003 folgte die Ernüchterung: Gene steuern nicht nur, sondern werden selbst auch gesteuert.

Wie Jenuwein und andere Epigenetiker*innen dann zeigen konnten, gibt es eine weitere Kontrollebene über der DNA: so genannte epigenetische Mechanismen, welche als „Schalter“ fungieren und Gene ein- und ausschalten können, und das zum Teil dauerhaft. Der Name „Epigenetik“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „über“ oder „oberhalb“ der Genetik. Die Gesamtheit der epigenetischen Information wird als „Epigenom“ bezeichnet und stellt die Regulationsebene über dem Genom dar. Das Forschungsfeld der Epigenetik entwickelte sich im Lauf der folgenden Jahre rasant weiter und ist noch immer ein aktuelles Forschungsthema [4-6].

Obwohl die Epigenetik somit ein noch ein relativ junger Forschungszweig ist und erst Anfang der 2000er-Jahre in den Fokus internationaler Forschungsarbeiten rückte, gehen ihre Ursprünge in der Geschichte viel weiter zurück: Der Begriff Epigenetik selbst wurde bereits im Jahr 1942 vom britischen Entwicklungsgenetiker Conrad Hal Waddington geprägt. Dieser vertrat damals schon die Ansicht, dass aus den Erbanlagen eines Organismus im Laufe der individuellen Entwicklung eine Reihe verschiedener Erscheinungsformen entstehen könne. ...

Epigenetik beim Menschen

Eineiige Zwillinge sind ein gutes Beispiel dafür, dass für die Entwicklung und Ausprägung von Merkmalen nicht nur die DNA ausschlaggebend ist. Obwohl Zwillinge das gleiche Erbgut in allen ihren Zellen tragen, unterscheiden sie sich doch zu einem bestimmten Grad. Dafür ist ihre Umgebung verantwortlich, da sie die epigenetischen Veränderungen ihres Genoms verschieden prägt.

Ein weiteres Beispiel, an dem epigenetische Prägung untersucht wurde, ist der so genannte niederländische Hungerwinter 1944/45, als die Deutschen Nahrungsmitteltransporte in die Niederlande blockierten [9-11]. Die zu dieser Zeit schwangeren Holländerinnen brachten untergewichtige Babys zur Welt, was aufgrund der Umstände nicht weiter erstaunlich ist. Doch den Kindern wurde auch ein „epigenetisches Gedächtnis“ mitgegeben: Obwohl sie später immer genug zu essen hatten, entwickelten sie sich anders als ihre Geschwister, die im Mutterleib keinen Mangel litten. Der Nachwuchs aus dem Hungerwinter litt überdurchschnittlich oft an Depressionen, Übergewicht oder Schizophrenie. Der Hunger hatte seine Spuren im fetalen Erbgut hinterlassen. Des Weiteren stellte sich heraus, dass die Töchter der Hungerwinter-Mütter selbst verhältnismäßig kleine Kinder zur Welt brachten, obwohl sie gut versorgt waren. Die Information über die Lebensbedingungen der Großmütter hatte sich also über eine Generation hinweg auch auf die Erbsubstanz der Enkel*innen übertragen.

Heute weiß man außerdem, dass das Epigenom des Menschen sowohl durch Sport als auch durch Ernährung beeinflusst werden kann - sowohl positiv als auch negativ.

Bestimmte Chemikalien wurden bereits als riskant bezüglich ihrer Wirkung auf das menschliche Epigenom eingestuft. Auch von bestimmten Krankheiten beim Menschen weiß man heute, dass sie nicht auf Änderungen der DNA-Sequenz beruhen, sondern mit einem veränderten Epigenom in Zusammenhang stehen.“10

Und vereinfachend, aber originell und einleuchtend heißt es in der folgenden "Definition einfach erklärt - Was ist Epigenetik?

Hast du schon mal gehört, dass unsere Gene unser Schicksal bestimmen?

Die Epigenetik zeigt: Wir haben viel mehr Möglichkeiten, als wir denken!

In diesem Artikel erfährst du: Was ist Epigenetik genau? Was bedeutet Epigenetik im Alltag?

Und: Warum die Erkenntnis der Epigenetik unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit komplett verändert.

Epigenetik Definition - einfach erklärt

Der Begriff Epigenetik stammt aus dem Griechischen: „epi“ bedeutet „auf ‘ oder „über“ - also „über den Genen“.

Die Epigenetik beschreibt jene Prozesse, welche die Aktivität unserer Gene beeinflussen - dabei bleibt die DNA-Sequenz selbst unverändert.

Was das bedeutet?

Ziemlich viel. Denn unsere DNA ist zwar wie ein Bauplan - aber ob bestimmte GenAbschnitte aktiviert oder stillgelegt werden, hängt von epigenetischen Mechanismen ab. Und genau darum geht es bei der Frage: Was ist Epigenetik?

Was bedeutet Epigenetik für dein Leben?

Die kurze Antwort: Sehr viel.

Denn epigenetische Veränderungen entstehen durch Umwelteinflüsse wie z.B.: Stress, die Art der Ernährung, die Qualität unseres Schlafs sowie unserer sozialen Beziehungen und das Maß unserer körperlichen Aktivität.

Das heißt:

Deine Gedanken beeinflussen deine Zellfunktionen. Dein Lebensstil wirkt auf deine Genaktivität. Deine Gewohnheiten können vererbbare Spuren im Körper hinterlassen, die aber durch Lebensstilveränderungen umkehrbar sind.

Die Wirkungsweise der Epigenetik stellt also die Verbindung zwischen unserer Veranlagung und unserem Verhalten her.

Wenn du dich bei den Themen Stress, Ernährung und/oder Schlaf wiedererkennst, stehen wir dir als Epigenetik Coach, Ernährungscoach und Experte für Schlafberatung mit gezielter, individueller Begleitung zur Seite. Kontaktiere uns gern für ein unverbindliches Erstgespräch - wir sind für dich da.

Was ist Epigenetik aus wissenschaftlicher Sicht?

In der Forschung spricht man von Mechanismen, welche die Genregulierung steuern: DNA-Methylierung, Histonmodifikation und micro-RNA.

Das klingt fremd und kompliziert - aber zusammengefasst geht es hierbei darum, wie die Gene aktiviert und abgeschrieben oder stillgelegt werden:

Das geschieht wie mit einem Schalter, der die Gene an- oder abschalten kann. Und dieser Schalter wird größtenteils durch deinen Lebensstil aktiviert.

Epigenetik Bedeutung für Gesundheit & Krankheit

Die Frage „Was bedeutet Epigenetik?“ wird besonders dann spannend, wenn es um die Erhaltung unserer Gesundheit geht:

Warum wird z.B. bei eineiigen Zwillingen der Eine krank und der Andere nicht - obwohl sie identische Gene haben?

Warum kann Stress im Kindesalter sich auf die spätere Lebensqualität auswirken?

Und wie ist es möglich, dass positive Veränderungen im Lebensstil genetische Aktivität langfristig beeinflussen?

Die Antwort liegt oft in der Epigenetik. Und das macht sie zu einem der interessantesten Forschungsfelder unserer Zeit.

Fazit: Was ist Epigenetik - und warum betrifft sie dich?

Die Frage „Was ist Epigenetik?“ ist nicht nur wissenschaftlich spannend - sondern sie betrifft dein Leben.

Denn sie zeigt:

Du selbst hast großen Einfluss auf deine Gesundheit. Nicht alles ist vorprogrammiert. Du kannst mit dem, was du denkst, fühlst, isst und tust, mehr steuern, als du dir vorstellen kannst.“11

Auch diese Beispiele aus der Epigenetik verdeutlichen somit, wie das Bewusstsein durch die Dialektiken von Subjekt und Objekt, Ich und Welt, Individualität/Personalität und Gesellschaft geprägt wird und selbst prägend auf diese einwirkt bzw. einwirken kann.

„Falsches Bewusstsein“?

Hierzu bemerkt Sandro Abbate (2016):

„Karl Marx schrieb bereits vor rund 130 Jahren über die Ideologie. Ideologie, das seien den Interessen der herrschenden Klasse dienende Gedanken, die als allein gültig dargestellt werden.

„Wenn in der ganzen Ideologie die Menschen und ihre Verhältnisse wie in einer Camera obscura auf den Kopf gestellt erscheinen, so geht dies Phänomen ebenso sehr aus ihrem historischen Lebensprozeß hervor, wie die Umdrehung der Gegenstände auf der Netzhaut aus ihrem unmittelbar physischen.“

Ideologie ist somit ein falsches Bewusstsein, eine gewollte Sinnestäuschung. Der slowenische Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Zizek geht der Frage nach dem Wesen der Ideologie in Sophie Fiennes' Film "The Pervert's Guide to Ideology" nach. Dabei begibt er sich auf eine Reise durch die Filmindustrie und leitet den Zuschauer dazu an, mehr oder minder bekannter Filme mit anderen Augen zu schauen und zu erkennen, was nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Beispielhaft ist hier der John Carpenters Film "Sie leben" aus dem Jahr 1988. In dem Film zieht der arbeitslose John Nada durch Los Angeles und findet in einer verlassenen Kirche einen Karton voller Sonnenbrillen. Zunächst wundert ihn nur, dass er keine Farben mehr sieht, wenn er die Brille aufsetzt. Als er jedoch durch die Stadt geht erkennt er etwas viel Verwirrenderes. Betrachtet er Werbeplakate oder Zeitschriftentitel, erscheinen ihm Befehle wie „Gehorche!“, „Konsumiere!“ oder „Sieh fern!“, auf Geldscheinen liest er „Dies ist dein Gott!“ Er sieht die versteckten, wahren Botschaften hinter den Dingen.

Postideologische Zeiten?

Nun ist es eine weitverbreitete Meinung, dass Ideologie unsere Sinne vernebelt - wie eine Brille eben, die wir nur abnehmen müssten, um wieder klar zu sehen, was wirklich ist. Das sei aber die ultimative Illusion, so Zizek. Ideologie werde uns nicht übergestülpt, sondern sei uns unmittelbare Beziehung zur sozialen Welt. In der angeblich postideologischen Gesellschaft sind wir zu Subjekten des Vergnügens geworden. Wir genießen unsere Ideologie. Deshalb sei es durchaus schmerzhaft, die Wahrheit, nämlich das Leben in einer Lüge, zu erkennen. Oder eher einer Fiktion? Vielleicht ist es aber gerade die Fiktion, die unsere Realität konstruiert und strukturiert. Neben der Ideologie in Filmen, deckt Zizek die glücklichen, glücklichmachenden Oberflächen von Waren auf. Ähnlich hatte das auch der Kulturwissenschaftler und Kunsttheoretiker Wolfgang Ullrich beschrieben. In seinem Buch "Alles nur Konsum" stellt er die These auf, dass Konsumenten durch die Waren selbst erzogen werden. Produkte liefern Identifikationspotenziale, Codes für den Umgang in sozialen Gruppen und bieten sogar ökologisch-pädagogische Aspekte. Ullrich sieht Waren als Zeichensysteme. Konsumgüter seien Medien, die Botschaften transportieren und im Endeffekt gelesen werden wie ein Buch. Konsum als Kulturtechnik. Jedes Produkt hat neben dem Gebrauchswert einen Fiktionswert. Womit wir wieder zu Zizek und somit zu Lacan und dessen triadisches Modell kommen. Demnach ist die Realität des Menschen symbolisch konstruiert, also letztendlich nichts anderes als eine kollektiv praktizierte Fiktion. Denkt man das ein Stück weiter, wundert es nicht sehr, dass Theorien Anklang finden, die unser gesamtes Leben für eine Illusion halten.“12

Zuvor (1999) hatte schon Wolfgang Fritz Haug festgestellt:

„Die engelssche Bestimmung von Ideologie als fB bildete lange Zeit einen der populärsten Begriffe des Marxismus der Intellektuellen. Er signalisierte den Anspruch und das Versprechen unverstellter Welterkenntnis dank marxistischer Aufklärung über die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Nach emphatischer Rezeption in der Studentenbewegung erfuhr die Rede vom fB unterm Eindruck der Diskursanalyse, des materialistischen Kulturalismus und des Problematischwerdens edukationistischer Wahrheitsansprüche zunehmende Kritik.

Vor allem in der Nachfolge der frühen Georg Lukacs und Karl Korsch sowie im Umkreis der von diesen inspirierten Frankfurter Schule sieht man »das Problem des fB nicht nur im Mittelpunkt der marxschen Doktrin«, sondern als »gleichsam deren Gerüst« (Gabel 1964). Sofern derartige Auffassungen sich auf Marx stützen sollen, ist zu berücksichtigen: 1. Die radikale Kritik aller Bewusstseinsphilosophie durch Marx macht auch das fB zu einem Begriff, der entsprechender Vermittlungen bedarf: »the real problems of humanity are not mistaken ideas but real social contradictions« (Larrain 1983). 2. Für Marx ist die Tatsache, »dass in den Köpfen der kapitalistischen Produktions- und Zirkulationsagenten sich Vorstellungen über die Produktionsgesetze bilden müssen, die von diesen Gesetzen ganz abweichen, und nur der bewusste Ausdruck der scheinbaren Bewegung sind« (K III), noch nicht gleichbedeutend mit Ideologie; zwischen dem spontanen Schein und dieser steht die Ausarbeitung durch Ideologen in komplexen Superstrukturen der Herrschaftsreproduktion. 3. Anstelle des totalisierenden Singulars »das fB« spricht Marx im Kapital fast immer konkreter von Anschauungen, Denk- oder Gedankenformen, Vorstellungen, verwendet also den offeneren Plural und vermeidet zumeist die Kategorie Bewusstsein. 4. Die Bestimmungen »falsch« oder »verkehrt« beziehen sich bei Marx in letzter Instanz zumeist auf gesellschaftliche Strukturen und Prozesse selbst, also nicht nur auf bewusstseinsmäßige Vorstellungen derselben; Theodor W. Adorno wird mit Ausdrücken wie »falsche Welt« oder »falsches Leben« daran anknüpfen.“13

Tatsächlich hatte Adorno schon 1954 erkannt:

„In dem Vakuum dazwischen verliert sich das dialektische Problem der Ideologie: daß diese zwar falsches Bewußtsein, aber doch nicht nur falsch sind. Der Schleier, der notwendig zwischen Gesellschaft und deren Einsicht in ihr eigenes Wesen liegt, drückt zugleich kraft solcher Notwendigkeit auch dies Wesen selbst aus. Unwahr werden eigentliche Ideologien erst durch ihr Verhältnis zu der bestehenden Wirklichkeit“ (Adorno 1954, 472f.).14

Es gibt also falsches Bewusstsein, und zwar u.a. dann, wenn Menschen durch Fakes, Ideologien oder sonstige Fehlmeldungen und -deutungen in die Irre geführt werden.

3. Zum Begriff ,Arbeit‘

a) Wortgeschichtliches

Aus dem ,Etymologischen Wörterbuch des Deutschen’ (Wolfgang Pfeifer):

„Arbeit f. ‘zweckgerichtete körperliche und geistige Tätigkeit des Menschen, Produkt dieser Tätigkeit, Werk’, ahd. arbeit f., arbeiti n. ‘Mühsal, Plage, Anstrengung, Ertrag der Arbeit’ (8. Jh.), mhd. ar(e)beit f. n., asächs. ar?ed, ar?id f., ar?edi n., mnd. arb?t m. n. f. (daraus schwed. arbete und dän. arbejde), mnl. arbeit m. f., nl. arbeid m., aengl. earfo^e, earfe^e n., anord. erfiöi n., got. arbai^s f. lassen sich, soweit es das ursprüngliche (mehrfach zu einem neutralen Stamm umgebildete) Femininum betrifft, zurückführen auf germ. *ar??jiöiz ‘Mühsal’, das als Abstraktbildung zu einem untergegangenen germ. ?n-Verb *ar??j? ‘bin verwaistes und daher aus Not zu harter Arbeit gezwungenes Kind’ angesehen werden kann. Damit ist eine Verbindung zu ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ (s. 1Erbe) hergestellt, von dem sich vermutlich auch arm (s. d.) herleitet sowie außerhalb des Germ. aslaw. rab? ‘Knecht, Diener, Sklave’, rabota ‘Knechtschaft, Sklaverei’, russ. rabota ‘Arbeit’ (s. Roboter). Die Ausgangsbedeutung der germ. Bildung ‘schwere körperliche Anstrengung, Mühsal’ reicht bis ins Nhd. (zuweilen durch Zusammensetzungen wie Mords-, Riesenarbeit veranschaulicht); im Mhd. tritt der Begriff ‘Mühsal, Not, die man leidet oder freiwillig übernimmt’ besonders hervor. Danach tritt der Sinn von ‘mühseliger, qualvoller Tätigkeit’ zurück, und Arbeit erstreckt sich auf jede zweckgerichtete, zunächst körperliche, später auch geistige Tätigkeit des Menschen. Die positive Bewertung der Arbeit (zuerst bei Luther) vollzieht sich unter dem Einfluß des aufsteigenden Bürgertums und der zunehmenden Entwicklung kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Sie entspricht der wachsenden Erkenntnis von der Rolle und Bedeutung der menschlichen Arbeit für die Entwicklung der Gesellschaft. Marx und Engels schließlich bestimmen sie als “eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen”. Der daneben bestehende konkrete Sinn (‘Produkt der Tätigkeit’), im Ahd. vereinzelt schon angedeutet, entwickelt sich vollends im Nhd“15

b) zum .Arbeitsbegriff'im Wandel der Zeiten ‘ ( 2020)

Hierzu heißt es in einem Artikel der ,Bundeszentrale für politische Bildung’:

„Arbeit ist ein zentraler Begriff der Menschheit, der sich im Laufe der Geschichte grundlegend gewandelt hat. Um kaum einen Begriff ranken sich so viele kontroverse Theorien, Diskussionen, Welt- und Leitbilder. Im Folgenden soll kursorisch dargestellt werden, wie sich der "Arbeitsbegriff" gewandelt hat.

Jahrhundertelang wurde mit Arbeit Mühsal und Qual assoziiert, Feldarbeit ist auch heute noch mühsam. (© AP)

Im antiken Griechenland war der Arbeitsbegriff negativ besetzt. Homer besang den Müßiggang des altgriechischen Adels als erstrebenswertes Ziel und betrachtete körperliche Arbeit nur als den Frauen, Sklaven und Knechten gemäße Tätigkeit. Aristoteles spitzte die Auffassung zu, indem er Arbeit in Gegensatz zur Freiheit setzte. Frei sei ein Mann nur, wenn „er nicht unter dem Zwang eines anderen lebt“. Jede Arbeit brächte aber solchen Zwang mit sich. Für Xenophon war Arbeit eine „banausische“ Tätigkeit, die unfähig macht für den Kriegsdienst und nicht die Muße gewährt, die für anspruchsvolle Tätigkeiten, die Pflege sozialer Beziehungen und die Mitwirkung im Gemeinwesen erforderlich sei. Positive Würdigungen finden sich nur selten, etwa in der Aufforderung Hesiods, in der kargen bäuerlichen Lebenswelt Böotiens die eigene Existenz durch harte Arbeit zu sichern oder die Formulierung des Perikles, dass in Athen Armut keine Schande sei, wenn man sie nur durch eigene Arbeit zu überwinden trachte. Auch die Römer übernahmen im Wesentlichen die griechische Missachtung der Arbeit. So heißt es bei Cicero: „Alle Handwerker befassen sich mit einer schmutzigen Tätigkeit; denn eine Werkstatt kann nichts Edles an sich haben.“ Nur vorübergehend vermochte sich in der Zeit der römischen Republik eine etwas positivere Bewertung der Landarbeit zum Beispiel in Catos „De agricultura“ durchzusetzen. Die schöpferische Gestaltung stand dabei im Vordergrund der neuen Bewertung.

Im Christentum wurde dann nicht nur die unterschiedliche Wertschätzung von Kopf- und Handarbeit eingeebnet. Beide Tätigkeiten sind jetzt auch positiv belegt. Jesus und seine Jünger waren schließlich Handwerker und Fischer, bevor sie zu predigen begannen. Kennzeichnend für die christliche Aufforderung zur Arbeit ist der bekannte Satz des Paulus: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Mit der christlichen Hochschätzung körperlicher Arbeit wird ein fundamentales Kriterium sozialer Differenzierung und Diffamierung in der griechisch-römischen Welt niedergerissen. Zugleich wurde Handarbeit aber auch in diesen Zeiten als Plackerei und Mühsal wahrgenommen, ein Doppelcharakter, der sich heute noch in den Sprachwurzeln von „arbeiten“ (sich plagen, quälen), „labour“ (sich abmühen) gegenüber „work“ bzw. „werken“ (kreatives Schaffen) wiederfindet. Dieselben Wurzeln hat im Übrigen auch das französische Wort für Arbeit (travail). Es kommt vom lateinischen „tripalium“ (tripalare=quälen), was sowohl eine Vorrichtung zum Beschlagen von wilden Pferden wie auch ein Folterwerkzeug meinte. Auch das Äquivalent für „Arbeit“ im Griechischen („ponos“=Mühe, Qual, Leid) hat dieselbe negative Bedeutung.

Im 11./12. Jahrhundert vollzieht sich in Europa die Durchsetzung einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Die gesamte Gesellschaft wird im Sinne einer funktionalen Kooperation von drei Ständen gedeutet, nämlich von Klerikern, Rittern und Arbeitenden: die einen beten, die anderen kämpfen, wieder andere arbeiten. Der Stand derer, die arbeiten, ist dabei zunächst durch die Arbeit der Bauern definiert; doch treten bald andere hinzu, Kaufleute und städtische Handwerker, schließlich sogar Professoren und die Intellektuellen an den neuen Universitäten. Die positive Deutung der Arbeit erhöhte sich in den folgenden Jahrhunderten noch. Es setzte eine Kategorienbildung ein, zwischen Menschen, die arbeiten, von jenen, die zwar arbeitswillig, aber nicht arbeitsfähig waren und jenen, die als arbeitsfähig galten, denen aber ein Mangel an Arbeitswilligkeit unterstellt wurde.

Im Zeitalter der Reformation und noch stärker im 17. und 18. Jahrhundert wurde Arbeit schließlich als Legitimation von Eigentum und Quelle von Reichtum aufgewertet. Martin Luther berief sich in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ (1520) ausdrücklich auf den Paulus-Satz, dass wer nicht arbeiten wolle, auch nicht essen soll. Müßiggang erklärt Luther zur Sünde: „Müßiggang ist Sünde wider Gottes Gebot, der hier Arbeit befohlen hat. Zum anderen sündigst du gegen deinen Nächsten.“

In der Philosophie der Aufklärung setzten sich Unterscheidungen von „Kunst“ und „Arbeit“ sowie „geistiger Arbeit“ und „körperlicher Arbeit“ durch. Arbeit galt jetzt als allgemeine Bürgertugend, sie konnte aber vereinzelt auch ein gegen den adligen Müßiggang gerichtetes, kritisches Moment enthalten. Bei Thomas Hobbes (1588-1679) wird die Arbeit zum ersten Mal als Quelle des gesellschaftlichen Reichtums hervorgehoben. Vorher galt Armut wie auch Reichtum als ein Umstand göttlicher Fügung. Adam Smith fügte eine Unterscheidung von „produktiver Arbeit“ und „unproduktiver Arbeit“ hinzu. Zur unproduktiven Arbeit zählt Smith praktisch alle Tätigkeiten und Handlungen, die in der politischen Theorie seit Aristoteles großes Ansehen genossen: Handhabung politischer Ämter, Dienst für die Justiz, Militär und Religion. Aber auch Schauspieler, Opernsänger, Possenreißer, Musiker, Tänzer etc. zählt er dazu.

Bei Karl Marx nahm der Arbeitsbegriff schon in den Frühschriften eine Schlüsselposition ein. Arbeit macht für Marx das Wesen des Menschen aus. Dies inspirierte den Schwiegersohn von Karl Marx, den französischen Sozialisten Paul Lafargue zur berühmt gewordenen Streitschrift „Das Recht auf Faulheit“.

Mit den berühmten Eingangssätzen, die sich an der Diktion des Kommunistischen Manifestes orientierten: "Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht, eine Sucht, die das in der modernen Gesellschaft herrschende Einzel- und Massenelend zur Folge hat. Es ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen gehende Arbeitssucht."

Später unterteilte Marx die Arbeit in die konkrete, auf die Produktion eines bestimmten Produktes gerichtete (die es in allen Gesellschaften gibt), und die abstrakte Verausgabung von Arbeitskraft im Kapitalismus, ungeachtet ihres Gebrauchswertes. Die Arbeit im Kapitalismus trägt nach Marx immer einen entfremdeten Charakter und das nicht nur deswegen, weil die Arbeitenden keinen Einfluss auf den Charakter und die Ziele ihrer Arbeit hatten und die Produkte und Mittel der Arbeit ihnen nicht gehörten, sondern eben auch aufgrund der Arbeitsteilung, die dem Einzelnen den Blick auf das Ganze entzieht. Ziel der Arbeiterklasse sollte es daher sein, diesen Doppelcharakter der Arbeit und damit deren Entfremdung zu beseitigen.

Der Prozess der Dekommodifizierung sorgt außerdem für ein verändertes Verständnis von Arbeitskraft als Grundlage für die Sicherung des Lebensunterhaltes. Zunehmend sicherte der aufkommende Wohlfahrtsstaat, beginnend mit den Bismarckschen Sozialreformen, auch unabhängig vom Einsatz der eigenen Arbeitskraft den Lebensunterhalt. Diese Entwicklung entstand als Gegenentwurf zur Kommodifizierung, die während der Zeit der Industrialisierung zur zunehmenden Unterordnung der Arbeitskraft unter die Anforderungen des Marktes führte. Im Nationalsozialismus wurde der Arbeitsbegriff stark ideologisiert. Arbeit war ein zentraler Bezugspunkt in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Bezeichnend waren militante Wortschöpfungen wie „Arbeitsfront“, „Arbeitsschlacht“ sowie die Wiedereinführung und Umdeutung des 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit. Völlig pervertiert wurde der Arbeitsbegriff mit dem Eingangsspruch der Konzentrationslager „Arbeit macht frei“.

Auch in den sozialistischen Staaten gab es eine Verherrlichung des Arbeitsethos, so wurde in der DDR seit 1950 der Titel eines „Held der Arbeit“ vergeben. Die Verfassung der DDR kannte nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern auch eine Arbeitspflicht nach Art. 24,2: „Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.“ Die Arbeitspflicht wurde z.B. in Form eines „Dienstes für Deutschland“ 1952/1953 als Jugendarbeitsdienst umgesetzt, oder sie konnte darin bestehen, dass Arbeitnehmer bis zu sechs Monate verpflichtet wurden, in einem anderen Betrieb am gleichen Ort zu arbeiten.

Ende der 1950er Jahre beschrieb Hannah Arendt die „Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht". Die These „von der Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht“ wurde im Zuge der Wirtschaftskrisen Mitte und Ende der siebziger Jahre mit der verbundenen Zunahme der Arbeitslosigkeit sehr populär. So hat sich 1982 ein ganzer Soziologentag mit der „Krise der Arbeitsgesellschaft?“ befasst. Die These vom Ende der Arbeitsgesellschaft erlebt immer wieder eine neue Renaissance, so z.B. durch die viel beachtete Aussage von Jeremy Rifkin oder auch von Ulrich Beck, dass „der Kapitalismus auf Dauer die Arbeit abschaffen wird“.

Ab den 1980er Jahren wird eine Ausweitung des Arbeitsbegriffes diskutiert, angestoßen u.a. von Bahrdt, der die enge Sichtweise der Arbeitssoziologie in Frage stellt. Trotz Marx‘ weit gefasstem, philosophischen Verständnis des Arbeitsbegriffes beschreibt dieser bis dahin vordergründig nur eine enge Auswahl an Arbeitsbereichen im primären (z.B. Landwirtschaft) und sekundären (z.B. Industrie) Sektor.

Auch die feministische Bewegung stellt zunehmend Forderungen, Leistungen der Frauen innerhalb der Familie und des Haushalts als dem Arbeitsbegriff zugehörig anzuerkennen. Hierunter fallen z.B. Fürsorge und Pflege Angehöriger, wie älterer Menschen und Kinder, aber auch Unterstützung innerhalb des eigenen sozialen Netzwerkes. Durch den Wandel in der Geschlechterordnung kommt es erst langsam dazu, dass vermehrt auch Männer diese Tätigkeiten ausführen (weitere Informationen finden Sie auf der Interner Link: Themenseite „Care-Arbeit“).

Ab Mitte der 1980er Jahre entsteht, auch unter dem Eindruck der zunehmenden Ter- tiärisierung, also der Entwicklung zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit gleichzeitiger Abnahme der Beschäftigungszahlen im primären und sekundären Sektor, ein fortschreitender Wandel des Verständnisses von Arbeit. Die zunehmende Digitalisierung, die neben Veränderungen im Bereich der Arbeit auch alle anderen Lebensbereiche tangiert, zeigt durch synonym verwendete Begrifflichkeiten wie Industrie 4.0, Wirtschaft 4.0 und Arbeit 4.0 ihre weitreichenden Konsequenzen für unser heutiges Verständnis von Arbeit.

Die zunehmende Verwendung moderner und mobiler Informations- und Kommunikationstechnik am Arbeitsplatz führen sowohl zu einer Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit als auch zum Verschwimmen der Lebensbereiche Arbeit und Freizeit. Eine Befragung des Digitalverbandes Deutschland Bitkom 2012 ergab, dass fast die Hälfte der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause aus, im sogenannten Home-Office, arbeitet. Die schwindende Abgrenzung von Arbeit und Freizeit und die moderne Kommunikationstechnik führen dazu, dass sich die Erreichbarkeit der Arbeitnehmenden auch über die reguläre Arbeitszeit hinaus erstrecken kann und teils auch von Unternehmen eingefordert wird. Diese Entwicklungen stellen beide Seiten vor neue Herausforderungen und beeinflussen auch das heutige Verständnis des Arbeitsbegriffes.“16

speziell zu Hegel und Marx

In der Vorrede zur ,Phänomenologie des Geistes’ erklärt Hegel:

„Das Geistige allein ist das Wirkliche; es ist das Wesen oder Ansichseiende, - das sich Verhaltende und Bestimmte, das Anderssein und Fürsichsein - und [das] in dieser Bestimmtheit oder seinem Außersichsein in sich selbst Bleibende; - oder es ist an und für sich. -“

Demgemäß ist für Hegel auch jegliche Arbeit etwas Geistiges, eine dialektische SubjektObjekt-Beziehung. Im Einzelnen:

„Hegels Grundkonzept von Arbeit

Für Hegel ist Arbeit zuerst eine menschliche, zielgerichtete Tätigkeit, mit der der Mensch die Natur bearbeitet und dadurch Gegenstände, Verhältnisse und letztlich sich selbst schafft. Arbeit ist ein Vermittlungsprozess, in dem Bewusstsein und Welt nicht getrennt bleiben: durch Arbeit wird das Subjekt in die Welt eingetragen und die Welt zugleich in ein Produkt des Geistes verwandelt.

Arbeit als Objektivierung und Selbstbestimmung

Arbeit bedeutet Objektivierung des Geistes. Indem der Mensch seine Zwecke in Dinge verwandelt, objektiviert er seine innere Freiheit. Diese objektivierten Werke sind zugleich

Fremdheit und Rückspiegelung: sie können dem Produzenten als etwas äußerlich Gegebenes begegnen und ihn zur Reflexion über seine eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse führen.

Arbeit im Herr-Knecht- (Meister-Sklave-)Dialektik

In der Phänomenologie des Geistes spielt Arbeit eine zentrale Rolle in der Herr-KnechtDialektik. Der Knecht gewinnt durch die Arbeit an der Natur eine konkrete Tätigkeit und damit ein unmittelbares Bewusstsein seiner Wirksamkeit; dadurch entwickelt sich bei ihm ein Gefühl von Selbständigkeit und Erfahrung, während der Herr in passiver Anerkennung verharrt. Arbeit wird hier zur Bedingung für Selbstbewusstseinsbildung und für Anerkennung zwischen Menschen.

Arbeit und bürgerliche Gesellschaft / Sittlichkeit

Hegel betrachtet Arbeit auch als sozialen und rechtlichen Begriff. In der Philosophie des Rechts gehört Arbeit zu den konkreten Formen, in denen Individuen ihre Bedürfnisse befriedigen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Arbeit ist Teil der wirtschaftlichen Verfassung, zugleich aber erst in der Sittlichkeit (Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat) wird die freie Persönlichkeit vollständig verwirklicht: Arbeit allein garantiert nicht die volle moralisch-politische Identität des Subjekts, sie ist ein Mittel der Bedürfnisbefriedigung und der Persönlichkeitsentwicklung.

Zusammenfassung — Kernpunkte

Arbeit ist konkrete menschliche Tätigkeit, durch die Natur in von Menschen geschaffene Gegenstände verwandelt wird.

Sie ist Objektivierung des Geistes und Weg der Selbstbestimmung: durch Produkte spiegelt sich das Ich und entwickelt sich weiter.

In der Herr-Knecht-Dialektik bildet Arbeit die Grundlage für Selbstbewusstsein und Anerkennung.

Sozialpolitisch ist Arbeit Teil der bürgerlichen Wirtschaftsordnung und bindet das Individuum an rechtliche und sittliche Formen gesellschaftlicher Verwirklichung.

Quellen: Hegels Arbeitsbegriff in Forschungsliteratur und Einführungen.

www.degruyterbrill.com Hegels Begriff der Arbeit - degruyterbrill.com

Academia.edu (PDF) Der Begriff der Arbeit in der Philosophie Hegels - Academia.edu.“ (Microsoft-Copilot)

Karl Marx kritisiert Hegels Idealismus vom Standpunkt seines dialektischen und historischen Materialismus aus. Dabei billigt er Hegel zu, auf dem „Standpunkt der modernen Nationalökonomie“ zu stehen und daher das Wesen der menschlichen Arbeit zunächst korrekt erfasst zu haben. In den ,Ökonomisch-philosophischen Manuskripten’ von 1844 schreibt Marx:

„Das Große an der Hegelschen Phänomenologie und ihrem Endresultat - der Dialektik der Negativität als dem bewegenden und erzeugenden Prinzip - ist also einmal, dass Hegel die Selbstzerzeugung des Menschen als einen Prozeß faßt, die Vergegenständli- chung als Entgegenständlichung, als Entäußerung und Aufhebung dieser Entäußerung; dass er also das Wesen der Arbeit faßt und den gegenständlichen Menschen, wahren, weil wirklichen Menschen, als Resultat seiner eigenen Arbeit begreift.“

Die Kehrseite: Marx kritisiert, dass „die Arbeit, welche Hegel allein kennt und anerkennt, ... die abstrakt geistige“ sei. Unbekannt sei Hegel dagegen die konkrete, entfremdete Arbeit, wie sie in der modernen Nationalökonomie, d.h. im Kapitalismus, anzutreffen ist. Den Grund hierfür sieht Marx darin, dass Hegel jegliche Entfremdung des menschlichen Wesens ausschließlich als „Entfremdung des Selbstbewußtseins“ versteht; im Einzelnen:

„Karl Marx setzt sich in seinen frühen Schriften und vor allem in der Kritik der politischen Ökonomie mit Hegels Begriff der Arbeit auseinander. Marx übernimmt dialektische Formen, wendet sie aber materialistisch an und greift Hegel nicht nur formal, sondern inhaltlich an: Er sieht im hegelschen Arbeitsbegriff eine Verabsolutierung des Geistes und eine Verkennung der realen, konkreten Verhältnisse der Arbeit.

Hegels Arbeitsbegriff

Formale Idee: Für Hegel erscheint Arbeit primär als Tätigkeit des Geistes, durch die der Begriff sich in und an der Welt verwirklicht. Arbeit wird im System als Moment der Selbstverwirklichung des Geistes verstanden.

Logische Stellung: Arbeit ist bei Hegel weniger ein konkreter sozio-ökonomischer Prozess als eine rationale Kategorie im Werden des Geistes und der Freiheit.

Marx’ grundsätzliche Kritik (Kernpunkte)

Umkehrung („auf den Kopf gestellt“): Marx wirft Hegel vor, die Beziehung zwischen Bewusstsein und materieller Praxis verkehrt darzustellen. Bei Hegel erscheint der Geist als Produzent der materiellen Welt; Marx kehrt dies um: materielle Produktionsverhältnisse bestimmen das Bewusstsein.

Ideologischer Charakter: Hegels Darstellung verschleiert nach Marx die realen sozialen und ökonomischen Bedingungen von Arbeit und erzeugt eine mystische Verklärung gesellschaftlicher Verhältnisse.

Abstraktion vom konkreten Menschen: Hegels Begriff abstrahiere die Arbeit zu einer geistigen Tätigkeit und lasse die sinnlich-körperliche, konkret soziale Seite des Arbeitenden sowie die Verhältnisse (Besitz, Autorität, Ausbeutung) außer Acht.

Fehlende Analyse der Entfremdung: Marx betont, dass unter kapitalistischen Verhältnissen Arbeit zur Quelle der Entfremdung wird — die Produkte, der Arbeitsprozess, die eigene Arbeitskraft und die Mitmenschen werden entfremdet. Hegel erkennt diese Entfremdung nicht in ihrer ökonomisch-sozialen Form.

Wert- und Warenform fehlt: Hegels Logik behandelt nicht die spezifische Form, in der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft erscheint — als Warenform der Arbeitskraft, als Quelle von Mehrwert und als Voraussetzung für Klassenherrschaft.

Marx’ positiver Begriff von Arbeit (als Korrektiv)

Arbeit als materielle Praxis: Arbeit ist ein realer Stoffwechsel des Menschen mit der Natur; sie ist praktisches, objektivierendes Eingreifen, durch das Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen.

Arbeit als gesellschaftlicher Prozess: Arbeit ist immer bereits in soziale Beziehungen eingebettet; ihre Gestalt bestimmt und wird bestimmt durch Produktionsweisen, Eigentumsverhältnisse und Klassenzusammenhänge.

Arbeit und Menschennatur (Gattungswesen): Für Marx ist produktive Tätigkeit konstitutiv für das „Gattungswesen“ des Menschen; echtes, nicht entfremdetes Arbeiten ist Ausdruck menschlicher Kreativität und Selbstbestimmung.

Werttheoretische Dimension: Marx analysiert, wie Arbeit in der kapitalistischen Form zur Quelle des Tauschwerts und des Mehrwerts wird und so Ausbeutung objektiviert.

Konsequenzen für Theorie und Praxis

Methodischer Wandel: Marx’ Kritik führt zur materialistischen Dialektik: philosophische Kategorien müssen an konkreten ökonomischen Verhältnissen überprüft werden.

Politische Relevanz: Indem Marx Arbeit als Kern der Klassenverhältnisse analysiert, verbindet er philosophische Kritik mit einer Programmatik gesellschaftlicher Veränderung (Überwindung kapitalistischer Produktionsverhältnisse).

Begriffliche Präzisierung: Marx verwandelt einen abstrakten, logischen Arbeitsbegriff in eine empirisch fundierte Theorie der Arbeit, die Entfremdung, Warenform, Lohnarbeit und Kapitalverhältnisse umfasst.

Schlussbemerkung

Marx kritisiert Hegel nicht bloß formal, sondern rückt die Existenzbedingungen der Arbeit in den Mittelpunkt: Arbeit ist für Marx primär reale, leibliche und soziale Praxis, deren spezifische Formen und Folgen nur aus den materiellen Produktionsverhältnissen verstanden werden können. Die Kritik zielt darauf, die philosophische Vereindeutigung des Arbeitsbegriffs aufzubrechen und ihn als Schlüssel zur Analyse von Herrschaft, Ausbeutung und Möglichkeit menschlicher Emanzipation zu begreifen.“ (Microsoft-Copilot 8.11.2025) Demgemäß stellt Marx seine eigene Auffassung vom Wesen der menschlichen Tätigkeit (a.a.O.) wie folgt heraus:

„Wenn der wirkliche, leibliche, auf der festen wohlgerundeten Erde stehende, alle Naturkräfte aus- und einatmende Mensch seine wirklichen, gegenständlichen Wesenskräfte durch seine Entäußerung als fremde Gegenstände setzt, so ist nicht das Setzen Subjekt; es ist die Subjektivität gegenständlicher Wesenskräfte, deren Aktion daher auch eine gegenständliche sein muß. Das gegenständliche Wesen wirkt gegenständlich, und es würde nicht gegenständlich wirken, wenn nicht das Gegenständliche in seiner Wesensbestimmung läge. Es schafft, setzt nur Gegenstände, weil es durch Gegenstände gesetzt ist, weil es von Haus aus Natur ist. In dem Akt des Setzens fällt es also nicht aus seiner „reinen Tätigkeit“ in ein Schaffen des Gegenstandes, sondern sein gegenständliches Produkt bestätigt nur seine gegenständliche Tätigkeit, seine Tätigkeit als eine Tätigkeit eines gegenständlichen natürlichen Wesens.

Wir sehen hier, wie der durchgeführte Naturalismus oder Humanismus sich sowohl von dem Idealismus als dem Materialismus unterscheidet und zugleich ihr beide vereinigende Wahrheit ist. Wir sehen zugleich, wie nur der Naturalismus fähig ist, den Akt der Weltgeschichte zu begreifen.“ (Hervorhebungen K.R.)

Eine genauere Bestimmung des Arbeitsprozesses nimmt Marx in ,Das Kapital’ vor, wo es heißt:

"Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner

Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er auf diese Bewegung auf die Natur ausser ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmässigkeit. Wir haben es hier nicht mit den ersten tierartig instinktmässigen Formen der Arbeit zu tun. Dem Zustand, worin der Arbeiter als Verkäufer seiner eignen Arbeitskraft auf dem Warenmarkt auftritt, ist in urzeitlichen Hintergrund der Zustand entrückt, worin die menschliche Arbeit ihre erste instinktartige Form noch nicht abgestreift hatte. Wir unterstellen die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschliesslich angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war. Nicht dass er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiss, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muss. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. Ausser der Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckmässige Wille, der sich als Aufmerksamkeit äussert, für die ganze Dauer der Arbeit erheischt, und umso mehr, je weniger sie durch den eignen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreisst, je weniger er sie daher als Spiel seiner eignen körperlichen Kräfte geniesst." (Karl Marx (1867) in "Das Kapital", Erster Band: S. 192f.)

Zusätzlich habe ich Copilot die folgende Frage vorgelegt:

Was hielt Marx von der Dialektik zwischen Subjekt und Objekt?

Copilots Antwort (14.11.2025):

„Marx verstand die Dialektik von Subjekt und Objekt als eine historisch-materialistische Beziehung, in der der Mensch durch Arbeit die objektive Welt verändert und sich zugleich selbst verändert - eine aktive, gesellschaftlich eingebettete Dialektik.

Hier sind die zentralen Aspekte von Marx’ Sichtweise:

Subjekt-Objekt-Dialektik bei Marx

Der Mensch als tätiges Subjekt: In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 beschreibt Marx den Menschen als ein Wesen, das sich durch Arbeit in der Welt verwirklicht.

Die Arbeit ist die Vermittlung zwischen Subjekt und Objekt - sie verwandelt die Natur und formt zugleich das menschliche Bewusstsein.

Entfremdung als gestörte Dialektik: Im Kapitalismus wird diese Beziehung entfremdet. Der Mensch produziert Objekte (Waren), die ihm gegenübertreten wie fremde Mächte. Das Subjekt wird zum Objekt seiner eigenen Tätigkeit - ein zentraler Gedanke in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie.

Gesellschaftliche Vermittlung: Für Marx ist das Subjekt nie isoliert, sondern immer gesellschaftlich bestimmt. Die Dialektik von Subjekt und Objekt ist also nicht nur philosophisch, sondern auch historisch und sozial vermittelt - durch Klassenverhältnisse, Produktionsbedingungen und Ideologie.

Unterschied zu Hegel und Schelling

Marx übernimmt die dialektische Methode von Hegel, aber materialisiert sie: Nicht das Denken, sondern die materielle Praxis steht im Zentrum.

Während Hegel die Entfremdung als Moment der Selbstverwirklichung des Geistes begreift, sieht Marx sie als gesellschaftliches Problem, das überwunden werden muss.

Fazit

Marx’ Dialektik von Subjekt und Objekt ist eine praxeologische Dialektik: Der Mensch verändert die Welt durch Arbeit und verändert sich dabei selbst - aber unter Bedingungen, die ihm oft fremd sind. Die Überwindung dieser Entfremdung ist Ziel der kommunistischen Praxis. ...

Sources: Wikipedia Dialektik bei Marx und Engels - www.kritiknetz.de.“ (Hervorhebungen KR)

Außerdem ist zu beachten, dass Marx in späteren Jahren den Geschichtsverlauf nicht mehr rein naturalistisch, sondern als Ergebnis von Klassenkämpfen, also von gesellschaftlichen Konflikten, analysiert hat.

c) Geistige und körperliche Arbeit

U.a. aus Marxens Hegel-Kritik schloss der marxistische Theoretiker Alfred Sohn-Rethel (1899-1990), es müsse möglich sein, die „Denkform“ in Analogie zur „Warenform“ zu verstehen. Dass dies ein Irrweg war, hat u.a. Thomas Meyer (2020) nachgewiesen.17 Die SubjektObjekt-Dialektik lässt sich zweifellos nicht auf die Zusammenhänge zwischen Denkform und Warenform reduzieren. Subjekt und Objekt sind keine feststehenden Größen, sondern geschichtlich den Prozessen ständiger Veränderung unterworfen. - In Bezug auf das Verhältnis von geistiger und körperlicher Arbeit sind andersartige Aspekte zu berücksichtigen. Demgemäß habe ich Microsoft-Copilot am 7.11.2025 die Frage vorgelegt:

Wie viel Geistiges steckt in körperlicher Arbeit?

Copilots Antwort:

„Kernantwort

Körperliche Arbeit enthält sehr viel Geistiges: Wahrnehmung, Entscheidung, Planung, Problemlösen, Erinnerung, Feinmotorik und oft auch Kreativität und soziale Intelligenz sind ständig im Spiel. Die simple Trennung in «Körper» versus «Geist» verkennt, wie eng kognitive und motorische Prozesse miteinander verflochten sind.

Warum körperliche Arbeit geistig ist.

Aufmerksamkeit und Wahrnehmung: Körperliche Tätigkeiten erfordern fortlaufendes Wahrnehmen von Material, Werkzeug, Raum und Kolleginnen und Kollegen sowie schnelles Reagieren auf Veränderungen.

Entscheidungen und Problemlösen: Schon routinierte Handgriffe enthalten permanente kleine Entscheidungen (z. B. Anpassung an unvorhergesehene Widerstände, Qualitätskontrolle). Diese Entscheidungen sind kognitiv anspruchsvoll und gelegentlich kreativ.

Planung und Prognose: Abläufe müssen geplant, Schritte antizipiert und Risiken abgeschätzt werden — mentaler Aufwand, der oft implizit abläuft.

Feinmotorik und Wissen: Motorische Fertigkeiten basieren auf erlerntem, oft implizitem Wissen; dieses «Körperwissen» ist eine Form geistiger Kompetenz.

Effekte körperlicher Arbeit auf Gehirn und Psyche

Körperliche Aktivität verbessert Stressregulation, Konzentration und geistige Fitness; Bewegung fördert neurobiologische Prozesse, die Kognition und Stimmung stärken.

Gleichzeitig erleben Beschäftigte in überwiegend körperlichen Tätigkeiten spezifische psychische Belastungen (z. B. hohes Arbeitstempo, monotone Belastung), die mentale Gesundheit beanspruchen und Schutzmaßnahmen erfordern.

Wann geistige Aspekte besonders sichtbar werden

Lern- und Ausbildungsphasen: Wenn neue Fertigkeiten erworben werden, ist der mentale Anteil hoch (Aufmerksamkeit, Feedback-Verarbeitung, Fehleranalyse).

Komplexe oder ungeplante Aufgaben: Bei unvorhergesehenen Problemen, kreativen Anpassungen oder Qualitätsentscheidungen steigt der kognitive Anteil deutlich.

Team- und Kommunikationssituationen: Koordination, Instruktion und Konfliktlösung sind primär geistige Anforderungen.

Fazit und Implikationen

Körperliche Arbeit ist nicht «geistlos». Sie beinhaltet vielfältige kognitive Prozesse, die Anerkennung, angemessene Entlohnung, Weiterbildung und gesundheitlichen Schutz verdienen.

Wer Arbeit, Ausbildung oder Gesundheitspolitik gestaltet, sollte die Verknüpfung von physischen und geistigen Anforderungen beachten, um Belastungen zu reduzieren und Kompetenzentwicklung zu fördern.

Springer Humane Arbeit als geistige Arbeit? | SpringerLink

Deutsche Hirnstiftung So wirkt Sport auf Gehirn und Psyche - Deutsche Hirnstiftung.“

Am 8.11.2025 stellte ich Copilot die Frage:

Lassen sich die Zusammenhänge zwischen geistiger und körperlicher Arbeit als dialektische Subjekt-Objekt-Beziehungen erklären?

Copilots „Kernantwort

Ja. Die Wechselbeziehung von geistiger und körperlicher Arbeit lässt sich sinnvoll als dialektische Subjekt-Objekt-Relation beschreiben: beide Pole konstituieren sich wechselseitig, verändern einander und bilden dadurch eine dynamische Einheit statt einer starren Zweiteilung.

Warum dialektisch? Grundzüge der Argumentation

Gegenseitige Bestimmung: Geistige Arbeit (Planen, Abstrahieren, Reflexion) formt die Bedingungen körperlicher Arbeit; zugleich liefert körperliche Arbeit die sinnlich-konkreten Bedingungen und Grenzen für geistige Tätigkeit. Diese wechselseitige Bestimmung ist ein klassisch dialektisches Verhältnis, weil Subjekt und Objekt nicht isoliert, sondern in Bewegung zueinander existieren.

Einheit von Abstraktem und Konkretem: In konkreten Produktionsprozessen ist das Trennende (Geist vs. Körper) nur analytisch; real existiert eine Einheit, in der sich formale (intellektuelle) und materielle (manuelle) Momente gegenseitig durchdringen und sich historisch verändern.

Gesellschaftliche Vermittlung: Die spezifische Form, wie Subjekt- und Objektseiten verbunden sind, ist gesellschaftlich vermittelt (z. B. durch Arbeitsteilung, Organisation,

Eigentumsverhältnisse). Daher ist das Subjekt-Objekt-Verhältnis nicht naturgegeben, sondern historisch veränderbar und damit dialektisch zu erfassen.

Theoretische Bezugspunkte und Belege

Marxistische und marxistisch inspirierte Analysen betonen, dass Arbeit als Vermittlung zwischen Mensch und Natur sowohl subjektive (Zweck, Bewusstsein) als auch objektive (Werkzeug, Produkt) Momente hat; die Dialektik zeigt sich in der Transzendenz dieser Trennung durch praktische Tätigkeit.

Neuere systematisierende Zugänge formulieren die Subjekt-Objekt-Relation in Sozialisationsund Arbeitsprozessen explizit und zeigen, wie Identität, Handlungsfähigkeit und Objektwelt wechselseitig geformt werden.

Arbeiten, die den dialektischen Begriff von Arbeit entwickeln, betonen die reale Abstraktion des kapitalistischen Produktionsprozesses und wie wissenschaftliche, geistige Arbeit zugleich konkrete gesellschaftliche Relationen hervorbringt und umformt.

Historisch-kritische Studien, die das Verhältnis von geistiger und körperlicher Arbeit untersuchen, argumentieren, dass formale Trennungen oft ideologisch sind und die tatsächlichen Vermittlungsformen der Arbeit verschleiern.

(Quellen: Beiträge zu Subjekt-Objekt-Relationen in Sozialisation und Arbeit; dialektische Begriffe von Arbeit und wissenschaftlicher Arbeit; Untersuchungen zu geistiger und körperlicher Arbeit.)

Konkrete Folgen für Analyse und Praxis

Analyse: Forschung muss konkrete Formen der Vermittlung untersuchen (z. B. Wissensarbeit in der industriellen Fertigung, körperliche Routine in kreativen Berufen) statt abstrakte Kategorien gegeneinander auszuspielen.

Praxis: Veränderungsstrategien (Betriebsorganisation, Bildung, Arbeitszeit) sollten die wechselseitigen Effekte beachten, weil Eingriffe auf einer Seite die andere unmittelbar umformen. Fazit

Die dialektische Subjekt-Objekt-Relation bietet eine theoretisch tragfähige und empirisch fruchtbare Perspektive auf das Verhältnis von geistiger und körperlicher Arbeit: Sie erklärt, wie beide Seiten nicht nur nebeneinander bestehen, sondern sich wechselseitig erzeugen, hemmen und verwandeln — und wie diese Prozesse historisch und gesellschaftlich kontingent sind.

Springer Subjekt-Objekt-Relationen in der Sozialisation, in der Arbeit und im ...

www.thur.de Dialektischer Begriff von Arbeit und die wissenschaftliche Arbeit - Thur“

4. Vergleich der Begriffe Bewusstsein und Arbeit

Die neue Situation

ist a) durch KI, b) durch die neuen philosophischen Entwicklungen seit den 1980 Jahren entstanden.

a) durch KI

Eine neue Situation ist insofern eingetreten, als Grund zu der Annahme besteht, KI könne sehr wohl einen Gesamt-Überblick über die Welt vermitteln, weil sie über die Gesamtheit der bisher von Menschen bereitgestellten Informationen verfügt. Besteht nicht das Ganze aus der Summe der Informationen? Um hierüber Klarheit zu gewinnen, habe ich fünf Fragen formuliert und diese a) an das Internet allgemein und b) speziell an die KI-Suchmaschine ,Microsoft-Copilot‘ gestellt. Nur von Letzterer habe ich auf alle 5 Fragen akzeptable Antworten erhalten. Im Wortlaut insgesamt:

1. Hat KI Gefühle?

Hierzu Kerem Gülen (2024):

„Kann KI Emotionen empfinden?

Auf keinen Fall - KI kann keine Emotionen empfinden. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, das durch die oft menschenähnlichen Interaktionen zwischen Menschen und KI-Systemen genährt wird. KI simuliert Reaktionen, die man von einem emotionalen Wesen erwarten würde, und zwar auf der Grundlage von Mustern, die sie aus riesigen Datenmengen gelernt hat. Diese Simulationen können erstaunlich überzeugend sein, aber im Kern sind sie das Ergebnis komplexer Algorithmen, die Informationen verarbeiten und programmierte Reaktionen produzieren.

KI-Systemen mangelt es an Bewusstsein oder Selbstwahrnehmung, auch jenen, die für die Konversation oder Interaktion auf scheinbar emotionale Weise konzipiert sind. Sie arbeiten auf der Grundlage codierter Anweisungen und erlernter Daten, ohne persönliche Erfahrungen oder emotionale Zustände. Im Wesentlichen kann KI zwar emotionale Intelligenz nachahmen und auf eine Weise reagieren, die Verständnis oder Empathie suggeriert, aber diese Reaktionen basieren nicht auf echten Gefühlen, sondern auf kalkulierten Ergebnissen, die darauf ausgelegt sind, bestimmte Funktionen oder Auf gaben zu erfüllen.19

2. Ist KI zur Liebe fähig?

Hierzu schreibt Tobsen (2025):

„Zukunftsaussichten für KI und Liebe

Die Zukunft der künstlichen Intelligenz (KI) in Bezug auf Liebe verspricht eine faszinierende Reise voller Möglichkeiten und Herausforderungen. Stellen Sie sich vor, wie KI in der Lage sein könnte, nicht nur menschenähnliche Emotionen zu simulieren, sondern auch echte Verbindungen zu schaffen. Diese Entwicklung könnte zu einer Revolution in der Art und Weise führen, wie wir Beziehungen eingehen und pflegen.

Ein möglicher Ausblick könnte darauf hindeuten, dass KI-basierte Partner in der Lage sind, auf eine noch tiefere und persönlichere Ebene mit uns zu interagieren. Durch die Analyse unserer Vorlieben, Gewohnheiten und Emotionen könnte KI uns helfen, uns selbst besser zu verstehen und unsere Beziehungen zu verbessern.“[20]

Und bei Microsoft-Copilot heißt es zur gleichen Frage:

„Warum KI nicht wirklich lieben kann.

KI folgt algorithmenbasierten Regeln und verarbeitet Daten ohne eigenes Bewusstsein. KI hat keine inneren Gefühle, keine Selbstwahrnehmung und keine autonome moralische Verantwortung. Deshalb fehlt ihr das zentrale Erlebnis- und Entscheidungsfeld, das menschliche Liebe ausmacht.

Was KI leisten kann

KI kann Zuneigung simulieren, Trost spenden, Erinnerungen organisieren, Vorschläge für Beziehungsarbeit machen und soziale Signale zuverlässig erkennen. Solche Unterstützung kann echte menschliche Beziehungen verbessern und Einsamkeit lindern. Simulation bleibt aber Simulation ohne echtes Erleben.

Ethische und praktische Folgen

Vertrauen in KI-„Liebe“ kann zu emotionaler Abhängigkeit und Täuschung führen.

Anwendungen sollten transparent sein und Nutzern klar machen, dass sie mit pro Schlussfolgerung und Empfehlung

KI kann Menschen emotional unterstützen, aber nicht lieben. Für echte Liebe bleiben zwischenmenschliche Beziehungen unerlässlich. Wer emotionale Unterstützung von KI nutzt, sollte sich der Grenzen bewusst sein und menschliche Nähe aktiv pflegen.“[21]

3. Hat KI einen Überblick über „das Ganze“?

Microsoft Copilot:

„Kurzantwort

KI kann große Mengen an Informationen zusammenführen und Muster erkennen, sie hat jedoch keinen intrinsischen, menschenähnlichen Überblick über "das Ganze" in dem Sinne von bewusstem, allumfassendem Verstehen.

Was KI sehr gut kann.

Datenintegration: KI kann heterogene Datenquellen zusammenfassen und Verbindungen zwischen ihnen herstellen.

Mustererkennung: KI entdeckt systematische Zusammenhänge und Trends, die für Menschen schwer sichtbar wären.

Synthese und Zusammenfassung: KI erstellt kompakte Übersichten aus großen Textmengen und Zahlen.

Szenarien und Simulationen: KI kann mögliche Entwicklungen durchspielen und Wahrscheinlichkeiten abschätzen.

Worum KI kein vollständiges "Ganzes" hat

Beschränkter Datenzugang: KI weiß nur, was ihr gezeigt oder erlaubt wurde; sie hat keine automatische, vollständige Sicht auf alle relevanten Informationen.

Fehlendes Bewusstsein: KI besitzt kein subjektives Verständnis, keine Ziele oder Werte außerhalb der programmierten oder trainierten Vorgaben.

Kontextlücken und Verzerrungen: Trainingsdaten können lückenhaft oder voreingenommen sein, dadurch entsteht kein neutrales Gesamtbild.

Zeitliche Begrenzung: Ohne Live-Anbindung sind viele Modelle auf historischen oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bekannten Daten begrenzt.

Interdisziplinäre Tiefe: KI kann Querverbindungen schlagen, ersetzt aber nicht die tiefen, oft normativen Urteile von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen.

Praktische Bedeutung für Entscheidungen

Unterstützung statt Ersatz: KI liefert wertvolle Einsichten und Entscheidungsgrundlagen, sie ersetzt jedoch nicht das strategische Urteilsvermögen von Menschen.

Best Practices: Mehrere Datenquellen nutzen, Modellannahmen prüfen, Unsicherheiten quantifizieren und menschliche Expertise einbinden.

Transparenz: Modelle, Datenherkunft und Unsicherheiten offenlegen, um ein verlässlicheres "Ganzes" zu erreichen.

Fazit

KI liefert mächtige Werkzeuge, um große Teile des Informationspuzzles zu sehen und zu verknüpfen, sie bietet aber keinen vollständigen, selbstbewussten Überblick über "das Ganze". Die verlässlichste Ganzsicht entsteht durch die kombinierte Arbeit von KI und verantwortlichen Menschen.“[22]

(Ansonsten anscheinend keine brauchbare Auskunft im Internet!)

4. Kann KI die „unvollendete Entelechie der Materie“ (Bloch) vollenden?

„Kurzantwort

KI kann Blochs «unvollendete Entelechie der Materie» nicht im philosophischen Sinne vollenden, sie kann aber Prozesse und Bedingungen modellieren, die das Noch- Nicht organisatorisch und technisch weiterführen.

Ernst Blochs Begriff der unvollendeten Entelechie der Materie

Ernst Bloch beschreibt Materie als ein offenes, finalitätsdurchdrungenes Noch-Nicht, das latent Richtung Zukunft und Möglichkeit treibt und nur durch spekulativen Materialismus angemessen erfasst wird.

Warum KI das philosophische Vollenden nicht leisten kann.

Kein metaphysischer Zugang: KI hat keine Fähigkeit zu ontologischer Selbsttranszendenz oder metaphysischer Setzung; sie operiert innerhalb formaler Repräsentationen.

Keine normativ-teleologische Autonomie: Blochs Entelechie verlangt Finalität und normatives Werden, das nicht automatisch aus datenbasierten Optimierungszielen hervorgeht.

Abhängigkeit von Menschen: Ziele, Werte und begriffliche Rahmungen werden von Menschen vorgegeben; KI kann sie nur ausführen oder extrapolieren.

Epistemische Begrenzung: KI kennt nur beschriebene, messbare Aspekte; qualitative, spekulative Dimensionen bleiben außerhalb ihrer direkten Erkenntnismöglichkeiten.

In welchem Sinn KI beitragen kann.

Forschung und Simulation: KI kann große Datenmengen, historische Entwicklungen und Möglichkeitsräume modellieren und Wahrscheinlichkeiten für bestimmte «Zukünfte» berechnen.

Material- und Technikentwicklung: KI beschleunigt Technologien, die materielle Potenziale realisieren und dadurch Aspekte des Noch-Nicht in konkrete Formen überführen.

Inspirations- und Diskurswerkzeug: KI kann Denkfiguren, Analogien und Synthesen anbieten, die menschliche Denkprozesse über Blochs Konzepte hinweg produk- tivieren.

Praktische Konsequenz

Die «Vollendung» im Blochschen Sinn bleibt eine philosophisch-politische Aufgabe menschlicher Praxis und Kontingenz, bei der KI als leistungsfähiges, aber instrumentelles Werkzeug fungiert. Humanzentrierte Zielsetzung, normative Diskussionen und performative Handlungen sind notwendig, damit materielle Möglichkeiten in eine von Menschen verantwortete Zukunft verwandelt werden.“[23]

(Im Internet sonst: anscheinend nichts!)

5. Kann KI die Welt erklären?

„Kurzantwort

Ja und nein. KI kann viele Aspekte der Welt plausibel erklären, Muster sichtbar machen und Vorhersagen liefern, sie liefert aber keine vollständige, endgültige Erklärung aller Wirklichkeit.“

(Microsoft Copilot)

Ausführlicher:

„Sie sagten: Kann KI die Welterklärung vollständig übernehmen?

Copilot sagte, Kurzantwort:

Gründe gegen vollständige Übernahme

Epistemische Grenzen: KI arbeitet mit Daten, Modellen und Annahmen, sie erzeugt Erklärungen innerhalb dieser Rahmen, sie kann jedoch nicht garantieren, dass diese Rahmen vollständig oder prinzipiell ausreichend sind.

Fehlendes Bewusstsein: KI hat kein subjektives Erleben und kann keine phänomenalen Zustände erklären, die Bewusstsein oder Qualia betreffen.

Normative Fragen: Wert- und Sinnfragen lassen sich nicht allein durch algorithmische Optimierung beantworten. Moralische Rechtfertigungen erfordern menschliche Urteilskraft.

Ontologische Offenheiten: Grundfragen zur Existenz, Kausalität und erster Ursachen überschreiten oft rein empirische Methoden.

Vertrauen und Validierung: Modelle brauchen menschliche Überprüfung, Interpretation und kritische Reflexion, besonders bei Underdetermination und Bias.

Bereiche, in denen KI die Welterklärung massiv erweitert:

Mustererkennung und Hypothesengenerierung in großen Datensätzen.

Simulation komplexer Systeme wie Klima, Ökosysteme, Genomik oder Kosmologie.

Interdisziplinäre Integration großer Wissensmengen und Vorschlag neuer Forschungsrichtungen.

Automatisierte Experimentplanung und Entdeckung in Laboren und Observatorien.

Risiken bei zu starker Delegation

Verzahnung von Fehlern und Verzerrungen mit hohem gesellschaftlichen Einfluss.

Black-Box-Erklärungen ohne nachvollziehbare Gründe.

Entwertung menschlicher Urteilsformen in Ethik, Politik und Wissenschaft.

Empfehlung

KI als kooperatives Erkenntniswerkzeug einsetzen, das menschliche Expertise, kritische Reflexion und normative Urteilskraft ergänzt. Menschen müssen die finalen Interpretationen, Wertentscheidungen und Verantwortungszuschreibungen behalten.“ (Microsoft-Copilot 16.10.2025)

Dies bedeutet in Kurzform:

1. KI hat keine Gefühle, ist aber in der Lage, Gefühle und Emotionen zu analysieren.
2. KI ist zu echter Liebe nicht fähig. Vorstellbar ist dennoch, dass KI Informationen bereitstellt, die den zwischenmenschlichen (Liebes-)Beziehungen förderlich sind. Umstritten ist, ob „Liebes-Roboter“ sinnvoll sind.
3. KI hat keinen Überblick über das Ganze, zumal sie zu Utopie, Metaphysik und bewusster, einfühlsamer Zukunftsplanung unfähig ist.
4. „KI kann Blochs «unvollendete Entelechie der Materie» nicht im philosophischen Sinne vollenden.“ (s.o.)
5. „KI kann viele Aspekte der Welt plausibel erklären, Muster sichtbar machen und Vorhersagen liefern, sie liefert aber keine vollständige, endgültige Erklärung aller Wirklichkeit.“ (s.o.)

Zu bedenken ist dennoch, dass KI eines Tages nicht nur mit dem Menschen konkurrieren, sondern auch dessen Fähigkeiten in jeder Hinsicht übertreffen und ihn sogar endgültig vernichten könnte (wie Kurzweil u.a. prophezeien). Dem entgegen steht nur, was den Menschen bisher befähigt, die KI zu kontrollieren (wenn auch ohne ausreichende allgemeine gesetzliche Regelung!): Erstens die Unendlichkeit der neuronalen Kombinatorik des menschlichen Gehirns, zweitens seine Befähigung zu Empathie, Metaphysik und Utopie sowie, last not least, sein Bewusstsein, und dabei vor allem: das Wissen um Freiheit, Selbstbestimmung, Menschenwürde u.a.m.

Wobei KI dem Menschen durchaus behilflich sein kann, da sie ihn befähigt, sein Verhältnis zur Welt immer wieder zu überprüfen; zumal jetzt - an Hand der Kl-Suchmaschinen - zu anscheinend jedem Problem umfassende, einschlägige Informationen jedermann jederzeit zugänglich sind. So auch bei allen Versuchen der Welterklärung.18

b) durch die neuen philosophischen Entwicklungen seit den 1980 Jahren

Dazu gehören

1. „Die Evolution hat zwei feine Sensoren der Solidarität erfunden, nämlich Gewissen und Mitleid, und mit der Befindlichkeit gekoppelt. Die biologisch vorgegebene, spätestens beim Menschenaffen ... gesicherte Einfühlung ist eine wichtige Grundlage unseres Ethos.“

Damit vermittelt Ernst Habermann (1996) ein vertieftes Bewusstsein dessen, was spätestens seit Charles Darwin immer mehr zur Gewissheit wurde: dass nämlich die Fähigkeit zur Moral zum evolutionären Erbteil des Mensch-Seins gehört, dem Menschen also angeboren ist.

2. Benjamin Libet hat schon in seinen Experimenten der 1980er Jahre herausgefunden, dass das Bewusstsein in hohem Maße auch das Unbewusste beeinflusst.

Das Träumen rechnet Libet erstaunlicherweise zu den völlig bewussten Prozessen, obwohl es dabei zu Verzerrungen kommen könne und die Träume „gewöhnlich nur schlecht oder überhaupt nicht erinnert“ würden (ausnahmsweise mit deutlichem Seitenhieb auf Freud !). Im Übrigen handele es sich beim Unbewussten (Ubw) wahrscheinlich um „etwas Geistiges“, wobei durchaus auch „Repräsentationen der Erfahrung“ Teile des Ubw seien. Woraus folgt, dass anscheinend sämtliche Gedächtnis-Systeme für das Verstehen des Ubw heranzuziehen sind!

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

a) Libet erweitert die Einsicht in das Ubw durch seine Experimente, aus denen hervorgeht, dass in Entscheidungssituation das Ubw früher als das Bewusstsein in Aktion tritt. Nicht das Bewusstsein, sondern das Ubw leitet den Entscheidungsprozess ein.
b) Da auch sämtliche Erfahrungen ins Ubw bzw. ins Gedächtnis eingehen (können), finden im Ubw bereits Abwägungen, auch ethischer und lebenspraktischer Art, statt.
c) Das Ubw schlägt dem Bewusstsein jeweils Entscheidungs-Optionen vor.
d) Nicht der Determinismus, sondern der freie Wille des Bewusstseins entscheidet über die vom Ubw vorbereiteten Optionen.
e) Die neuen Einsichten in das Ubw bestätigen weitgehend die ethischen und die (meisten) religiösen Auffassungen hinsichtlich der Willensfreiheit und der Verantwortung des Menschen für sein Tun und Lassen.

3. Markus Kiefer stellt 2025 zum Verhältnis von Bewusstem und Unbewusstem er fest:

„Unser Bewusstsein kontrolliert unbewusste Prozesse im Gehirn. Der Wille und die automatische Verarbeitung arbeiten Hand in Hand, nicht gegeneinander.“

Widerlegt wird damit Sigmund Freud s Annahme, unser Unbewusstes sei autonom und nicht vom Bewusstsein zu kontrollieren. Kiefers Ergebnisse zeigen eindeutig, dass unser Bewusstsein zu den Absichten passende unbewusste Vorgänge in unserem Gehirn verstärkt, nicht passende dagegen abschwächt. Dadurch werde gewährleistet, dass unser bewusstes "Ich" Herr im Haus bleibt und nicht durch eine Vielzahl unbewusster Tendenzen beeinflusst wird, erklärt Kiefer: "Wir sind also keinesfalls Sklaven unseres Unbewussten, wie lange Zeit angenommen." ... Die bewussten Absichten und Einstellungen entscheiden somit darüber, ob ein unbewusster Prozess in unserem Gehirn überhaupt ablaufen kann.“19

4. Zur Entwicklung des Selbst erklärt Joachim Bauer (2019) Folgendes:

Für die Entwicklung vom Säuglingsalter zum Kindes- und Jugendalter spielt das Selbst eine entscheidende Rolle. Erst das Selbst schafft Bewusstsein auf der Grundlage u.a. von Wahrnehmung, Gedächtnis, Verstand und Selbstbewusstsein und damit den Zugang zu allen Ressourcen der Vernunft und des Geistes. Wörtlich:

„,So, wie der Klang der einen Gitarre die Saiten einer zwei-ten Gitarre zum Klingen bringen kann, so können Bezugspersonen ihre inneren Melo-dien - ihre Art zu fühlen, die Welt zu deuten und in ihr zu handeln - via Resonanz auf den Säugling übertragen. Da dieser Transfer sich - in reduzierter Form - lebenslang fortsetzt, ist unser Selbst eine Komposition aus entsprechend vielen Themen und Melodien.“

Das Selbst ist also nicht einfach der Leib, sondern ein Gemisch, ein mixtum compositum, aus dem personalen Individuum - als Einheit aus Leib, Seele und Geist -, seinen Bezugspersonen, seiner Umwelt und der Gesamtheit seiner Erfahrungen.

5. zur Epigenetik

Bei epigenetischer Regulation verändern Enzyme bestimmte Abschnitte der DNA, um sie besser oder weniger gut ablesen zu können. Das greift aber nicht in die Nukleotidsequenz des DNA-Strangs ein, sondern in die Ebene »darüber«, daher spricht man von Epigenetik (von griechisch: epi =über). Zellen steuern so unter anderem, wann sie welche Proteine produzieren - und in welchen Mengen.

Die Entdeckung der Epigenetik hat ein lang gehegtes Dogma der Biologie umgestoßen: die Idee, dass die Eigenschaften eines Organismus durch das bei der Geburt vererbte Genmaterial unveränderbar bestimmt wird. Tatsächlich erlaubt die Epigenetik selbst subtilen Umweltveränderungen den Zugriff auf unser Erbgut. Auch Krankheiten oder die Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen kann epigenetisch beeinflusst sein.

Deine Gedanken beeinflussen deine Zellfunktionen. Dein Lebensstil wirkt auf deine Genaktivität. Deine Gewohnheiten können vererbbare Spuren im Körper hinterlassen, die aber durch Lebensstilveränderungen umkehrbar sind.

Die Wirkungsweise der Epigenetik stellt also die Verbindung zwischen unserer Veranlagung und unserem Verhalten her.

Die Frage „Was ist Epigenetik?“ ist nicht nur wissenschaftlich spannend - sondern sie betrifft dein Leben.

Denn sie zeigt:

Du selbst hast großen Einfluss auf deine Gesundheit. Nicht alles ist vorprogrammiert. Du kannst mit dem, was du denkst, fühlst, isst und tust, mehr steuern, als du dir vorstellen kannst. (Vgl. s.o. S. 16 ff.)

Auch diese Beispiele aus der Epigenetik verdeutlichen somit, wie das Bewusstsein durch die Dialektiken von Subjekt und Objekt, Ich und Welt, Individualität/Personalität und Gesellschaft geprägt wird und selbst prägend auf diese einwirkt bzw. einwirken kann.

Folgerungen: Bewusstsein = Arbeit? Arbeit = Bewusstsein?

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) soll einmal gefragt worden sein, wann und wie er denn eigentlich arbeite; äußerlich sei doch gar nichts festzustellen. Fichte hat angeblich geantwortet: „Ich arbeite immer.“ - Dazu passt der folgende Eintrag im ,Philosophischen Wörterbuch‘ von Schmidt/Schischkoff (1961, S. 158 f.):

„Philosophie ist für Fichte die wissentliche Selbstbeobachtung der schöpferisch-ethischen Aktivität der Persönlichkeit (des „Ich“, wie F., etwas mißverständlich, sagt); deshalb nennt er seine Philosophie „Wissenschaftslehre“ ... .“

Und:

„Es gibt . ursprünglich nur e i n e absolute Tätigkeit, das Ich. Dinge außer uns stellen wir uns dadurch vor, daß das Ich eine Realität in sich aufhebt, d.h. außer sich setzt, und diese aufgehobene Realität in ein Nicht-Ich setzt, das ja auch eine „Tathandlung“ des Ich ist.

Die Überzeugung, daß das Bewußtsein einer dinglichen Welt außer uns absolut nichts weiter ist als das Produkt unseres eigenen Vorstellungsvermögens, gibt uns zugleich die Gewißheit unserer Freiheit. Nicht als bestimmt durch die Dinge, sondern als die Dinge bestimmend ist das Ich zu denken: die Welt ist nichts anderes als das Material unserer Tätigkeit, das versinnlichte Material unserer Pflicht. Alles, was zur Tätigkeit gefordert ist, ist auch sittlich gefordert.“

Dementsprechend ist anzunehmen, dass Fichte tatsächlich überzeugt war, er „arbeite immer“. Diesen Ausspruch habe ich am 1.11.2025 der KI-Suchmaschine Microsoft-Copilot vorgelegt. Hier die Antwort:

„Sie sagten:

Wie beurteilst Du Fichtes Behauptung: "Ich arbeite immer."?

Copilot sagte:

Deutung des Satzes "Ich arbeite immer"

Fichtes Aussage lässt sich als programmatische Formel seiner Philosophie lesen: das Ich ist nicht passiv Gegebenes, sondern selbsttätig; Bewusstsein und Wirklichkeit entstehen durch eine fortwährende Setzung und Tätigkeit des Ichs. In der Wissenschaftslehre ist die Idee der Selbsttätigkeit des Ich zentral, und Fichte betont Bildung und Selbstbildung als aktive Leistung des Subjekts.

Was die Aussage nahelegt — positive Seiten

Selbstbestimmung und Autonomie: Sie unterstreicht, dass menschliches Leben durch fortwährende, selbstinitiierte Tätigkeit geformt wird; Moral und Bildung sind Aufgaben, die aus eigener Aktivität entstehen.

Ethos der Pflicht und Beständigkeit: Fichte verknüpft Handeln mit Pflichtbewusstsein: beständige Arbeit ist moralisch sinnvoll, sie schafft charakterliche Festigkeit und Gemeinschaftsverantwortung.

Kulturelle / erzieherische Dimension: In seinen Reden (z. B. zur Nation) fordert Fichte fortwährende Erziehung und Selbstvervollkommnung als nationale und individuelle Pflicht.

Beschränkungen und kritische Einwände

Vernachlässigung von Passivität und Ruhe: Psychologisch und biologisch ist ständige Arbeit unrealistisch; Erholung, Nachdenken und rezeptive Erfahrung sind produktiv und notwendig.

Soziale und materielle Bedingungen: Fichtes Betonung individueller Selbsttätigkeit kann soziale Ungleichheiten übersehen; nicht alle Menschen haben gleichermaßen die Möglichkeit, "immer zu arbeiten" an sich selbst.

Gefahr eines übersteigerten Aktivismus: Die Formel kann in dogmatischen oder leistungsfixierten Ethiken landen, die Scheitern oder Ruhe moralisch abwerten.

Philosophische Alternativen: andere Traditionen (z. B. kontemplative, empirische oder sozial-kritische Ansätze) sehen Erkenntnis und Tugend auch in rezeptiven, intersubjektiven oder strukturell bedingten Prozessen, nicht nur in individueller SelbstSetzung.

Kurzes Urteil

Als provokative Maxime ist "Ich arbeite immer" produktiv: sie stimuliert Verantwortung, Selbstbildung und aktive Gestaltung des Lebens. Als absolute Lebensregel ist sie problematisch, weil sie natürliche Bedürfnisse, soziale Rahmenbedingungen und den Wert passiver Erkenntnis unterschätzt. Am fruchtbarsten liest man die Aussage als Aufforderung an die Selbsttätigkeit des Subjekts innerhalb realistischer menschlicher Grenzen und eingebettet in soziale Verantwortung.“

Hieraus lässt sich folgern:

a) positiv:

„Als provokative Maxime ist »Ich arbeite immer« produktiv: sie stimuliert Verantwortung, Selbstbildung und aktive Gestaltung des Lebens.“ (s.o.)

b) negativ:

Fichtes Behauptung beruht u.a. auf einem erkenntnistheoretischen Fehlschluss. Aus der Annahme, dass das Ich auch das Nicht-Ich „setzt“, schließt Fichte, das Ich sei „absolut“, bestimme folglich alle Dinge selbst, ohne selbst von den Dingen bestimmt zu werden. Dies führt zur Überschätzung des Ichs, d.h. zur Verkennung der Tatsache, dass „Erkenntnis und Tugend auch in rezeptiven, inter-subjektiven oder strukturell bedingten Prozessen, nicht nur in individueller Selbst-Setzung“ (s.o.) stattfinden.

Folgt hieraus, dass Bewusstsein und Arbeit nicht gleichzusetzen sind? Identisch wären beide nur dann, wenn das Bewusstsein tatsächlich ständig arbeiten, ständig aktiv sein würde - was nicht der Fall ist. Außerdem geht Fichte nicht vom Bewusstsein, sondern vom Ich aus. Und verkennt dabei die Objekt- Seite in der dialektischen Beziehung von Ich und Welt, Subjekt und

Objekt. Objekte gibt es nicht ohne die materielle Grundlage jeglicher Ich-Erfahrung und -Setzung. Materie und Natur liegen jedem Ich zu Grunde, gehen ihm voraus, existieren lange vor und nach ihm. Diese Bestimmungen des Ichs durch das Sein - und damit auch durch das Bewusst-Sein! - fehlen in Fichtes Ich-Begriff, der überdies auch aus den anderen genannten Gründen unzureichend ist (s.o.). Daher verbietet es sich, von Fichtes Ich-Begriff aus die Hypothese zu bilden, Bewusstsein und Arbeit seien identisch. -

Alternative Konzepte

Mehr Erfolg versprechen zwei Konzepte, mit denen sich das Verhältnis von Bewusstsein und Arbeit anscheinend erklären lässt: a) das Theorie-Praxis-Konzept und b) die dialektischen Subjekt-Objekt-Beziehungen.

Zu a). Hier ist daran zu erinnern, wie Kant das Problem gelöst hat, und zwar in seiner Abhandlung Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis (1793). Darin kommt er zu dem Ergebnis:

„Was aus Vernunftgründen für die Theorie gilt, das gilt auch für die Praxis.“20

Diese These begründet Kant an Hand von Beispielen aus der Morallehre, dem Staatsrecht und dem Völkerrecht. In Bezug auf die Moral stellt er fest, dass keinerlei Erfahrung eine gültige normative Moral-Theorie bzw. ethische Maxime außer Kraft zu setzen vermag. Er schreibt:

„Hier liegt nun ein klarer Beweis, daß alles, was in der Moral für die Theorie richtig ist, auch für die Praxis gelten müsse. - In der Qualität eines Menschen, als eines durch seine eigene Vernunft gewissen Pflichten unterworfenen Wesens, ist also jedermann ein Geschäftsmann; und da er doch als Mensch der Schule der Weisheit nie entwächst, so kann er nicht etwa, als ein vermeintlich durch Erfahrung über das, was ein Mensch ist und was man von ihm fordern kann, besser Belehrter, den Anhänger der Theorie mit stolzer Verachtung zur Schule zurückweisen. Denn alle diese Erfahrung hilft ihm nichts, um sich der Vorschrift der Theorie zu entziehen, sondern allenfalls nur zu lernen, wie sie besser und allgemeiner ins Werk gerichtet werden könne, wenn man sie in seine Grundsätze aufgenommen hat; ... .“ (a.a.O. S. 57)

Zum Staatsrecht merkt Kant an:

„Wenn die oberste Macht Gesetze gibt, die zunächst auf die Glückseligkeit (die Wohlhabenheit der Bürger, die Bevölkerung u. dergl.) gerichtet sind: so geschieht dieses nicht als Zweck der Errichtung einer bürgerlichen Verfassung, sondern bloß als Mittel, den rechtlichen Zustand vornehmlich gegen äußere Feinde des Volks zu sichern.“ (a.a.O. S. 69

Und zum Völkerrecht:

„Die menschliche Natur erscheint nirgend weniger liebenswürdig als im Verhältnis ganzer Völker gegeneinander. Kein Staat ist gegen den anderen wegen seiner Selbstständigkeit oder seines Eigentums einen Augenblick gesichert. Der Wille, einander zu unterjochen oder an dem Seinen zu schmälern, ist jederzeit da; und die Rüstung zur Verteidigung, die den Frieden oft noch drückender und für die innere Wohlfahrt zerstörender macht als selbst den Krieg, darf nie nachlassen. Nun ist hierwider kein anderes Mittel als ein auf öffentliche mit Macht begleitete Gesetze, denen sich jeder Staat unterwerfen müßte, gegründetes Völkerrecht (nach der Analogie eines bürgerlichen oder Staatsrechts einzelner Menschen) möglich ... .“ (a.a.O. S. 86)

Im Krieg kann also das Völkerrecht verletzt, aber nicht außer Kraft gesetzt werden. Daher beharrt Kant auf der konkreten Utopie des Ewigen Friedens. In seiner Abhandlung Zum ewigen Frieden (von 1795) schreibt er:

„Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegründete Hoffnung da ist, den Zustand eines öffentlichen Rechts, obgleich nur in einer ins Unendliche fortschreitenden Annäherung wirklich zu machen, so ist der e w i g e F r i e d e, der auf die bisher fälschlich so genannten Friedensschlüsse (eigentlich Waffenstillstände) folgt, keine leere Idee, sondern eine Aufgabe, die nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele (weil die Zeiten, in denen gleiche Fortschritte geschehen, hoffentlich immer kürzer werden) beständig näher kommt.“21

Rechtszustand bedeutet Anerkennung der maßgeblichen Grundsätze von normativer Ethik und Öffentlichem Recht, einschließlich Staats- und Völkerrecht. Würde das Völkerrecht stets respektiert, wären Kriege ausgeschlossen oder zumindest unwahrscheinlich.

Für den Begriff Bewusstsein bedeutet dies, dass er problemlos mit der reichhaltigen, noch vor der lateinischen ,conscientia‘ längst virulenten Tradition der Weltreligionen verknüpft werden kann, in der normative Ethik und Moral, Wissen und Bewusstsein eine Einheit bildeten. Es gilt daher, diese Tradition zu respektieren und ggfs. in erneuerter Form heranzuziehen. - Und es bedeutet, dass Bewusstsein und Arbeit - als Aspekte von Theorie und Praxis - einander bedingen und ineinander greifen. Was im Bewusstsein (incl. Moral) gilt, ist auch für die Arbeit von Belang. Umgekehrt gehen die bei der Arbeit gemachten Erfahrungen ins Bewusstsein und damit auch ins Unbewusste ein.

zu den dialektischen Subjekt-Objekt-Beziehungen

Die Wechselbeziehung von geistiger und körperlicher Arbeit lässt sich sinnvoll als dialektische Subjekt-Objekt-Relation beschreiben: beide Pole konstituieren sich wechselseitig, verändern einander und bilden dadurch eine dynamische Einheit statt einer starren Zweiteilung.

Gegenseitige Bestimmung: Geistige Arbeit (Planen, Abstrahieren, Reflexion) formt die Bedingungen körperlicher Arbeit; zugleich liefert körperliche Arbeit die sinnlich-konkreten Bedingungen und Grenzen für geistige Tätigkeit. Diese wechselseitige Bestimmung ist ein klassisch dialektisches Verhältnis, weil Subjekt und Objekt nicht isoliert, sondern in Bewegung zueinander existieren.

Neuere systematisierende Zugänge formulieren die Subjekt-Objekt-Relation in Sozialisationsund Arbeitsprozessen explizit und zeigen, wie Identität, Handlungsfähigkeit und Objektwelt wechselseitig geformt werden.

Arbeiten, die den dialektischen Begriff von Arbeit entwickeln, betonen die reale Abstraktion des kapitalistischen Produktionsprozesses und wie wissenschaftliche, geistige Arbeit zugleich konkrete gesellschaftliche Relationen hervorbringt und umformt.

Historisch-kritische Studien, die das Verhältnis von geistiger und körperlicher Arbeit untersuchen, argumentieren, dass formale Trennungen oft ideologisch sind und die tatsächlichen Vermittlungsformen der Arbeit verschleiern. (vgl. s.o. S. 40 ff.)

Neben der ethischen wird somit auch die geschichtsphilosophische Relevanz von Bewusstsein und Arbeit erkennbar. Anscheinend waren sie in aller bisherigen Geschichte an den SubjektObjekt-Beziehungen und damit am Fortschreiten der Geschichte maßgeblich beteiligt.

5. Sind Arbeit und Bewusstsein Motoren der Geschichte?

Um diese Hypothese überprüfen zu können, muss zunächst das Verhältnis von Geschichtsphilosophie, Ethik und Anthropologie bestimmt werden; sodann ist zu klären, welche Voraussetzungen für geschichtlichen Fortschritt erfüllt sein sollten.

a) zum Verhältnis von Geschichtsphilosophie, Ethik und Anthropologie

Ethik ist nicht Theorie der Gesellschaft, sondern der Moral. Diese aber ist stets gesellschaftlich bedingt und daher stets nur von relativer, nicht absoluter Gültigkeit und Dauer. Woraus folgt, dass auch jede Ethik gesellschaftlich bedingt und daher nicht als absolut gültige konzipierbar ist, eine Tatsache, die Kant anscheinend unterschätzt hat. Folgt daraus etwa auch, dass es zwar Werte, aber keine Normen geben kann? Nicht, solange Gesetze - und nicht nur „Faktisches“ - normative Kraft haben. Aus Werten können, wie ich meine, auf jeden Fall dann Normen werden, wenn sie in Gesetzesform gebracht bzw. im individuellen Über-Ich verinnerlicht werden.

Daran hat sich seit Kant nichts geändert. Normen müssen deshalb jedoch nicht als „absolut gültige“ begründet werden; es genügt, dass sie rechtskräftig und gegebenenfalls auch naturrechtlich korrigierbar sind. Dies aber verweist auf elementare geschichtsphilosophische, anthropologische und politische Dimensionen der Ethik Wenn nicht nur im Naturrecht, sondern auch in der Alltagspraxis Solidarität herrschte und jede/r seinen/ihren Bedürfnissen entsprechend leben könnte, wäre dies Sozialismus, den es jedoch „in Reinkultur“ bisher nirgendwo gab. Wenn Ernst Bloch dementsprechend eine Veränderungsethik fordert, anerkennt er die gesellschaftliche Bedingtheit von Ethik und kann folglich nicht mehr, wie in seinem frühen Geist der Utopie (1923), die Ethik hoch über alles, über die „ganze Weltenzyklopädie“ stellen. Wie erklärt sich dieser Wandel? Wohl aus der Tatsache, dass Bloch nicht umhin konnte, seine frühe Gottgläubigkeit zu Gunsten des Atheismus (auch im Christentum!) aufzugeben, und zwar in Folge der notwendigen Neubewertung dessen, was als das Höchste Gut anzusehen sei: nicht mehr Gott, sondern das Reich der Freiheit. Das es in „wachsendem Menscheinsatz“ (auch „ins religiöse Geheimnis“) zu erkämpfen gilt.22

Nimmt man nun das hinzu, was ich bereits zu den „Grenzen der Ethik“ festgestellt habe (s.o. S. 25-27), wird klar, warum Ethik sich nicht auf das Unbedingte und Absolute, sondern auf Geschichtsphilosophie und Anthropologie stützen kann und muss. Dazu passt die Tatsache, dass Ethik zwar eine Wissenschaft, aber keine mathematisch-exakte ist. Ethik hat die Unwägbarkeiten und Zufälligkeiten der Geschichte und des Menschseins mit einzukalkulieren. Und: „Die Wirkungsbereiche und -möglichkeiten der Individuen und der Gesellschaften sind nicht überschaubar und reichen zuweilen nur so weit wie deren Urteilskraft. Es sind Wirkungsbereiche, die von keiner Ethik in allen Details bestimmt werden können.“ (s.o. S. 26). Schematisch lassen sich die Zusammenhänge von Ethik, Geschichtsphilosophie und Anthropologie wie folgt darstellen:

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Dass Verhalten sich nicht nur auf Handlungen, sondern auch auf die Materie im Ganzen bezieht, mag verwundern, kann aber kaum bezweifelt werden (s.o.). Schon Elementarteilchen verhalten sich in teils bestimmter, teils unbestimmbarer Weise. Solange dies der Fall ist, bleibt Raum für philosophische Spekulation und Hypothesen-Bildung. Auch wenn Ernst Bloch Kants Höchstes Gut durch das Reich der Freiheit ersetzt hat, bedeutet dies nicht, dass ein Höchstes Gut (= Gott bzw. Blochs „Natursubjekt“) ein für allemal als Postulat erledigt wäre. Gibt es ein Höchstes Gut als Urheber des Ganzen, beginnt die Entstehung von Werten tatsächlich schon in der anorganischen Materie, was als ein In-Möglichkeit-Sein (= Entelechie) zu beachten ist. Ohne dabei zu verkennen, dass die Natur nicht nur „unvollendet“, sondern auch unvollkommen ist. Naturkatastrophen, Seuchen, Tod, Krankheit und Gebrechen, Fehlbildungen, das anscheinend sinnlos Zerstörerische im Menschen und in der Natur - all dies erschüttert immer wieder den Glauben und das Vertrauen auf Sinn- und Zweckhaftigkeit des Ganzen.

Dennoch ist anzunehmen, dass an dessen Ursprung nicht ein „Handeln“, sondern ein Geschehen steht, aus dem sich vorwärtstreibende, entelechetische Faktoren entwickelt haben. Insofern enthalten Geschichtsphilosophie und Anthropologie nicht nur Referenz-Theorien der Ethik, sondern gehören auch zu deren Begründungs-Instanzen.23

Verständlich und wissenschaftlich bestätigt wird jedenfalls, warum Kant es für ausgeschlossen hielt, Ethik auf Neigungen gründen zu können. Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass die tief im Unterbewussten und Körperlichen verankerten Neigungen automatisch das Gute bewirken, für das wir normalerweise schon aus Gründen der Selbsterhaltung - spontan oder nach mehr oder weniger reiflicher Überlegung - uns zu entscheiden bereit sind. Wobei es natürlich nicht nur um uns selbst, um unser eigenes Person-Sein geht, sondern ebenso um dasjenige unserer Mitmenschen So dass hier nicht nur das „radikal Böse“, sondern auch die Frage nach dem Person-Sein eine Rolle spielt. Es sind existenziell bedeutsame ethische Probleme, die Kant vor allem im Zusammenhang mit seinen Erörterungen des Kategorischen Imperativs behandelt hat, den ich allerdings zu einer legitimen Forderung umformuliere - so dass der Kategorische Imperativ zwar teilweise seine Gültigkeit behält, jedoch nicht als Pflicht- und Sollensethik mit Absolutheitsanspruch, sondern als personale Wertethik, und zwar insbesondere auf Grund der Zweckformel des Kategorischen Imperativs. Diese avanciert zur maßgeblichen Instanz einer normativen Ethik: Jeder Mensch soll stets als Selbstzweck, niemals bloß als Mittel zum Zweck behandelt werden. Die Person ist Rechtsperson. - Obsolet sind dagegen die Grundformel und die Naturformel des Kategorischen Imperativs. Demgemäß lautet meine

legitime Forderung:

Achte bei allem, was Du tust, darauf, Dich selbst und Deine Mit-Menschen als Rechtspersonen und Persönlichkeiten zu respektieren und möglichst stets das Sittengesetz zu befolgen.

„Möglichst“ deshalb, weil es Ausnahmesituationen gibt, wie z.B. die der Notwehr, in denen die Rechte der eigenen Person gegen existenzielle Bedrohungen und Rechtsbrüche jeder Art zu verteidigen sind.

Außerdem halte ich es für möglich, die Ethik der Person durch eine Ethik der Natur zu ergänzen, wofür ich eine Naturformel des Kategorischen Imperativs vorgeschlagen habe, in der die Tatsache berücksichtigt wird, dass im Umgang mit der Natur legitime Interessenabwägungen erforderlich sein können. Es ist eine Formel, die nicht die noch im Gange befindlichen Diskussionen über (mögliche) Rechte der Natur, der Umwelt, der Tier- und Pflanzenwelt (Natur-, Öko-, Tierrechte) präjudizieren kann oder soll. Sie lautet:

Verhalte Dich so, dass Du die Natur in jeder Person und in jeder anderen Erscheinungsform stets als Zweck - und als Mittel nur zu ethisch begründbaren und moralisch vertretbaren Zwecken - behandelst. (vgl. a.a.O. S. 305 ff.)

b) Voraussetzungen für geschichtlichen Fortschritt

Dass jede Form von Arbeit geschichtlich relevant ist oder relevant werden kann, zeigt sich in zahlreichen Forschungsergebnissen z.B. zur unbezahlten Arbeit und zur Lohnarbeit. Zu ersterer heißt es in einer Verlautbarung der Linkspartei vom 19.11.2025:

„Kümmern, kochen, putzen, trösten: Die Hälfte aller Menschen zwischen 25 und 65 Jahren trägt Fürsorgeverantwortung, zumeist Frauen. Eltern, pflegende Angehörige und familiär Sorgearbeitende halten unsere Gesellschaft am Laufen. Die Liga für unbezahlte Arbeit hat sich im Mai 2025 gegründet und kämpft für einen echten Systemwandel.

Als gewerkschaftsähnliche Organisation verfolgt die Liga mehrere strategische Ziele: Neben intensiver Öffentlichkeitsarbeit plant sie regelmäßige Vernetzungstreffen, Bildungsangebote und den Aufbau einer Rechtsberatung für Sorgearbeitende. Mittelfristig wird ein bundesweiter Streik für Sorgearbeit vorbereitet.

„Wie eine Gewerkschaft. Nur für Sorge", lautet ihr Leitsatz. Konkret fordert die Liga für unbezahlte Arbeit die Aufnahme von familiärer Fürsorgeverantwortung als Diskriminierungsmerkmal ins Grundgesetz.

Die Liga gehörte in diesem Jahr zu den ersten fünf Nominierten für den Clara-ZetkinPreis - eine Anerkennung für Engagement und Visionen in der feministischen Bewegung.

Auch unsere Forderung ist: Wir müssen Arbeit umverteilen - zwischen Frauen und Männern, aber auch zwischen überarbeiteten Berufstätigen und Erwerbslosen. Wir müssen hin zu einer Gesellschaft, in der die Sorge für Kinder und zu pflegende Angehörige genauso hoch gewertet wird wie die Tätigkeiten in Büros und auf Baustellen, in der Arbeit gerecht verteilt und solidarisch geleistet wird.“24

Ohne die unbezahlte Arbeit könnten in der Tat noch nicht einmal die Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt werden.

Lohnarbeit

Im Jahr 1971 hat Frank Deppe umfassende Untersuchungsergebnisse zum Thema ,Das Bewußtsein der Arbeiter ‘ mit dem Untertitel ,Snidieii zur politischen Soziologie des Arbeiterbe- wußtseins‘ vorgelegt. Darin referiert er zunächst zahlreiche Abhandlungen anderer Autoren, so in Kapiteln über ,Neuere soziatwissenschaftliche Theorien über Lage und Bewußtsein der Arbeiter und über ,Empirische Untersuchungen zum Arbeiter- und Klassenbewußtsein im Spätkapitalismus‘. Aus einigen dieser Arbeiten geht hervor, dass bei Lohnarbeitern und -arbeiterinnen durchaus noch ein „Arbeiterbewußtsein“ - und damit zumindest latent auch noch ein Klassen-Bewusstsein besteht. Hierzu zitiert Deppe aus einem Werk von Heinrich Popitz u.a.:

„ Alle Arbeiter, mit denen wir gesprochen haben und die überhaupt ein Gesellschaftsbild in dem von uns definierten Sinne entwickeln - sehen die Gesellschaft als - unabwendbare oder abwendbare, unüberbrückbare oder ,partnerschaftlich‘ zu vermittelnde - Dichotomie, und sie beantworten die Frage nach ihrem eigenen gesellschaftlichen Ort durch ein Arbeiterbewußtsein, das es ihnen ermöglicht, sich innerhalb der Gesamtgesellschaft als Teil der Arbeiterschaft zu verstehen“ (...).25

Dies sei, wie Deppe feststellt, eine klare Widerlegung der Thesen vom Ende der KlassenSpaltung und vom „klassenlosen Kapitalismus“, die anfangs der 1950er Jahre bei Autoren wie H. Schelsky und S. Landshut anzutreffen waren. Hervorzuheben sei dagegen die Tatsache, dass viele Lohnarbeiter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung nach wie vor skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen und durchaus in der Lage sind, ein an das Marxsche Klassenbewusstsein erinnerndes „Kollektivbewußtsein“ zu entwickeln.

Was aber keineswegs von allen Theoretikern der 1950er und ‘60er Jahre akzeptiert worden ist. So behauptet A. Touraine in seiner ,Sociologie de l’action‘ 1965, das traditionelle „Klassenbewusstsein“ sei überholt; das Motto laute nicht mehr: „Freiheit von der Arbeit“, sondern „Freiheit in der Arbeit“ (a.a.O. S. 95). Verantwortlich hierfür seien

1. die neue Techniker-Schicht innerhalb der Arbeiterschaft,
2. die Entwicklung der industriellen Zivilisation,
3. „Je mehr sich die industrielle Zivilisation durchsetzt, um so weniger definieren sich die Klassen, aus denen sie sich zusammensetzt, als „Zustände“ (états), als unveränderliche Situationen, die vererbt und durch sozial anerkannte sozial anerkannte Symbole manifestiert werden, um so mehr müssen sie aber als Platz in dem System der gesellschaftlichen Kontrolle der Arbeit definiert werden.“ (ebd.)

Hierdurch habe sich das Bewusstsein der Arbeiter immer mehr dem der Angestellten angenähert. Und:

„Ein individuelles Leistungsbewußtsein tritt an die Stelle des früher vorherrschenden Kollektivbewußtseins. Mit der Modernisierung der Arbeitssituation verändert sich auch der „Anti-Kapitalismus“ der Arbeiter: »Während sie sich in vorangegangenen Systemen gegen die Gesellschaft definieren, ist es jetzt die Beziehung zur Gesellschaft, in der sie sich definieren« (...).“ (a.a.O. S. 95 f.)

Mit diesen Behauptungen Touraines ist Deppe jedoch nicht einverstanden. Man dürfe keinesfalls auf eine fortschreitende gesellschaftliche Integration der Arbeiterschaft schließen. Touraines Thesen seien technokratisch gefärbt und führten zu inakzeptablen politischen Schlussfolgerungen. Hinfällig sei Touraines Theorie vom „Zerfall der Arbeiterklasse, des Klassenbewußtseins und der Arbeiterbewegung“ (S. 96). - Dem setzt Deppe eigene, auf empirischen Untersuchungen beruhende Konzepte entgegen; diese lauten, leicht gekürzt:

1. Veränderte Arbeitsbedingungen und erweiterte Bedürfnisse bewirken keine grundlegende Veränderung der Klassenlage der Lohnarbeiter.
2. Die meisten Arbeiter beurteilen die eigene Arbeit nach wie vor negativ.
3. „Die Möglichkeiten wie die Erwartungen des sozialen Aufstiegs sind gering.“ (S. 112)
4. An den meisten wichtigen ökonomischen und politischen Entscheidungen können die Arbeiter sich weiterhin nicht beteiligen. In Bildung und Ausbildung wie auch im Zugang zu jeglicher Information sind sie immer noch benachteiligt.
5. Verschleiert werden solche Missstände durch Modebegriffe wie „Privatisierung des Verhaltens“ und „instrumentelle Orientierung“.
6. Die Arbeiter werden weiterhin schlecht bezahlt und sind gezwungen, dies durch Mehrarbeit oder Verschuldung zu kompensieren.
7. Im Bewusstsein der Arbeiter entstehen dadurch Gefühle von Machtlosigkeit und Unsicherheit, aber auch von Konfliktbereitschaft, zb. in Lohn-Konflikten.
8. Die Auswirkungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts sind dennoch bedeutsam, auch in Bezug auf die Klassenlage. Bei hochqualifizierten Arbeitern entstehen neue Formen von „Selbstbewußtsein“, die sich negativ auf das kollektive Lage-Bewusstsein auswirken. (Vgl. S. 111-113)

Deppes Fazit: Zu überprüfen sind die gängigen Thesen von „Nivellierung“ und „Verbürgerlichung“. Widerlegt würden sie schon durch neuerliche Intensivierungen der Klassen-Kon- flikte. „Ausgangspunkt empirischer und auch politischer Fragestellungen hätte vielmehr gegenwärtig der Doppelcharakter des Arbeiterbewußtseins zu sein. Sofern aber solche Untersuchungen nicht durch das Interesse geleitet werden, den Organisationen der Arbeiterschaft Materialien für eine konfliktorientierte, antikapitalistische Strategie, die allein in der Praxis Klassenbebewußtsein entwickeln kann, aufzubereiten, werden sie selbst der letztlich unverbindlichen Arbeitsteilung von Wissenschaft und Politik verhaftet bleiben.“ (S. 114)

Die neue Situation (2024/2025)

Inzwischen hat sich die Situation - vor allem durch KI und Digitalisierung - erheblich gewandelt. 2024 erschien in ,FOCUS Online’ folgender Text:

„Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ist in Deutschland eine ganz neue Arbeiterklasse entstanden. Sogar jeder dritte Erwerbstätige kann ihr zugerechnet werden.

In Deutschland hat sich eine neue Arbeiterklasse herausgebildet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorab vorliegt. Sie umfasst demnach nicht nur klassische Arbeiter aus dem industriellen Sektor, sondern auch viele Beschäftigte aus dem Dienstleistungsbereich, etwa Paketboten, Kellner und Fahrradkuriere.

Jeder dritte deutsche Erwerbstätige gehört zur neuen Arbeiterklasse

Die Beschäftigten klagen der Studie zufolge über ähnliche, prekäre Arbeitsbedingungen, etwa eine hohe körperliche Belastung und eine geringe Bezahlung. Außerdem ordnen sich die Dienstleistungsbeschäftigten mit einer überwiegenden Mehrheit auch selbst der Arbeiterklasse zu. Da der Frauenanteil in den Dienstleistungsberufen deutlich überwiegt - sieben von zehn Beschäftigten dort sind der Studie zufolge weiblich, viele in prekären Mini- und Teilzeitjobs - schreiben die Autoren bewusst auch von einer „Arbeiterinnenklasse“. Sie schätzen, dass etwa 16 Millionen der insgesamt etwa 46 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland der Arbeiterschaft zugerechnet werden können, also ein gutes Drittel.

Vor den Unwägbarkeiten des Lebens seien die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht gewappnet, kritisieren die Autoren, deren repräsentative Studie auf einer Befragung mit mehr als 5000 Teilnehmern basiert. Es gelinge ihnen kaum, vom monatlichen Gehalt Vermögen zu bilden. Entsprechend groß seien die Abstiegsängste. Weniger als die Hälfte der Angestellten im Dienstleistungssektor (44 Prozent) kann der Befragung zufolge am Monatsende noch Geld zurücklegen, bei den Arbeitern im produzierenden Gewerbe ist der Wert mit 51 Prozent ähnlich niedrig. Höherqualifizierten, etwa Rechtsanwälten, Ingenieuren oder Lehrern, gelingt das deutlich öfter.

Keine kollektive Identität der Beschäftigten

Die Arbeiterinnen und Arbeiter fühlen sich untereinander nur wenig verbunden: „Eine kollektive Identität als Arbeiterklasse, die durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und auch gemeinsam verfolgte politische Ziele gekennzeichnet ist, konnten wir ( ) nicht

ausmachen“, schreiben die Autoren. In politischer Hinsicht gehören die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter der Studie zufolge zur „beweglichen Mitte“. Auffällig ist allerdings, dass es unter den Dienstleistern (34 Prozent) und Produktionsarbeitern (40 Prozent) mehr Menschen als in anderen Berufsgruppen gibt, die „national orientiert“ sind, wie die Autoren schreiben. Sie sehen die EU und die Migration nach Deutschland eher kritisch. Das bedeute jedoch nicht, dass etwa Geflüchtete per se abgelehnt würden.

Aus ihren empirischen Befunden leiten die Autoren politische Forderungen ab. Die Personalschlüssel im öffentlichen Dienst, etwa in der Pflege, müssten ebenso erhöht werden wie die Löhne der Arbeiterschaft insgesamt - was durch eine stärkere Tarifbindung und eine weitere Anhebung des Mindestlohns erreicht werden könne. Die neuen Arbeiter bräuchten eine bessere „Absicherung des Lebens“ in Form einer auskömmlichen Rente und einer Wohnungspolitik, die erschwingliche Mieten ermögliche.“26

Microsoft-Copilot habe ich am 19.11.2025 folgende Frage vorgelegt:

„Wie verändert KI die Klassenlage und das Klassenbewusstsein der Arbeiterschaft?“

Copilots Antwort:

„KI verändert Arbeit in mehreren Dimensionen: sie automatisiert Routineaufgaben, verändert Tätigkeitsprofile, verstreut Chancen und Risiken entlang von Bildung, Branche und Betrieb und verändert Machtverhältnisse am Arbeitsplatz.

Direkte Effekte auf Beschäftigung und Aufgaben

Automatisierung und Substitution von Routineaufgaben führt zu Umstrukturierungen in vielen Berufen; gleichzeitig entstehen neue Tätigkeiten, die meist höhere Spezialisierung erfordern.

Viele Beschäftigte nutzen KI bereits informell als Hilfsmittel; die Einführung erfolgt oft betriebsintern ungleich verteilt und ist stark abhängig von Bildung und Berufsgruppe.

Polarisierung und Fragmentierung der Arbeiterschaft

KI verstärkt die Spaltung: Gut ausgebildete Wissens- und Technikspezialisten profitieren überproportional, während niedrig qualifizierte, routinelastige Beschäftigte stärker Verdrän- gungs- und Prekarisierungsrisiken tragen.

Diese wachsende Heterogenität erschwert das Entstehen eines einheitlichen Klassenbewusstseins, weil gemeinsame Arbeitsbedingungen, Lebenslagen und Interessen weniger deutlich sind.

Ökonomische und gesellschaftliche Machtverhältnisse

KI erhöht die Bedeutung von Kapital, Daten und Wissensvorsprung; Unternehmen, die KI besitzen und steuern, gewinnen Verhandlungsmacht gegenüber einzelnen Beschäftigten.

Gleichzeitig ermöglichen Überwachungstools, algorithmische Leistungsbewertung und Management durch Daten stärkere Disziplinierungsmechanismen am Arbeitsplatz, die traditionelle Formen kollektiver Gegenwehr untergraben können.

Wirkung auf Klassenbewusstsein und kollektive Organisation

Faktoren, die Klassenbewusstsein abschwächen: stärkere Individualisierung (UpskillingNarrative), fragmentierte Arbeitsverhältnisse, informelle/ungleich verteilte KI-Nutzung und sinkende Bindung an klassische Kollektivorganisationen.

Gegenläufige Effekte: gemeinsame Erfahrungen von Arbeitsplatzverlust, algorithmischer Benachteiligung oder schlechteren Arbeitsbedingungen können neue solidarische Konflikte und Mobilisierungen auslösen, wenn sie kollektiv wahrgenommen und politisiert werden.

Wie Gewerkschaften, Betriebe und Politik reagieren können (Kurzempfehlungen)

Verhandeln von kollektiven Regeln für KI-Einsatz (Transparenz, Mitbestimmung, Datenschutz, Evaluation).

Branchenweite Umschulungs- und Qualifizierungsprogramme statt individueller Marktlogik. Gemeinsame Kampagnen, die ökonomische Fragen (Löhne, Kontrolle über Arbeit, Eigentum an Daten) in den Vordergrund stellen, um neue narrative Bindungen zu schaffen.

Rechtlicher Rahmen für Algorithmus-Audits, Mitbestimmungsrechte und soziale Sicherung gegen Strukturverluste.

Fazit

KI verändert die Struktur der Arbeit und verstärkt zugleich polarisierende Tendenzen, die ein klassisches, einheitliches Klassenbewusstsein schwächen können. Ob KI jedoch zur Entsoli- darisierung oder zur neuen kollektiven Organisierung führt, hängt entscheidend von politischen Entscheidungen, gewerkschaftlicher Strategie und davon ab, ob betroffene Beschäftigte gemeinsame Erfahrungen und wirksame kollektive Antworten finden.

Springer Der Einfluss von KI auf Arbeit und Beschäftigung - Springer

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) KI und der Arbeitsmarkt: Eine Analyse der Beschäftigungseffekte.“

Weltweit zunehmende soziale Ungleichheit

Am 20.01.2025 ist ein „Neuer Oxfam-Bericht zur weltweiten Ungleichheit“ erschienen. Darin heißt es:

„Anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos (20. bis 24. Januar 2025) hat Oxfam in einem neuen Bericht seine diesjährigen Zahlen zur Entwicklung der weltweiten Ungleichheit veröffentlicht. Sie sind Teil der Analyse „Milliardärsmacht beschränken, Demokratie schützen“, der deutschsprachigen Adaption des internationalen Oxfam-Berichts „Takers not Makers“.

Oxfam’s Analyse zeigt, dass sich die weltweite Ungleichheit weiter verschärft:

2024 gab es weltweit 204 neue Milliardär*innen. Das entspricht im Durchschnitt fast vier neuen Milliardär*innen pro Woche. Weltweit gibt es 2.769 Milliardär*innen.

Das Gesamtvermögen von Milliardär*innen weltweit ist 2024 von 13 Billionen US-Dollar auf 15 Billionen US-Dollar gestiegen. Das entspricht rund 5,7 Milliarden US-Dollar pro Tag.

Damit wuchs das Gesamtvermögen der Milliardär*innen weltweit 2024 dreimal schneller als 2023.

Bei den reichsten zehn Milliardären wuchs das Vermögen im Durchschnitt um 100 Millionen US-Dollar pro Tag. Selbst wenn sie über Nacht 99 Prozent ihres Vermögens verlieren würden, blieben sie Milliardäre.

Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die unter der erweiterten Armutsgrenze der Weltbank von 6,85 US-Dollar pro Tag leben, seit 1990 unverändert geblieben und beträgt fast 3,6 Milliarden.

Für viele Familien bedeutet Armut Hunger. Heute müssen weltweit 733 Millionen Menschen hungern - etwa 152 Millionen mehr als 2019.

In Deutschland ist 2024 die Gesamtzahl der Milliardär*innen um neun auf 130 Personen gestiegen. Deutschland hat die viertmeisten Milliardär*innen weltweit.

Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardär*innen stieg 2024 um 26,8 Milliarden US- Dollar auf 625,4 Milliarden US-Dollar. Das sind 73 Millionen US-Dollar pro Tag.“27

Um die Folgen dieser weltweit rasant zunehmenden sozialen Ungleichheit ermessen zu können, habe ich Copilot am 20.11.2025 folgende Frage vorgelegt:

„Was folgt aus der weltweit zunehmenden sozialen Ungleichheit?“

„Copilot sagte

Kurzfassung

Wachsende soziale Ungleichheit führt zu tieferen, breit wirkenden Folgen für Politik, Wirtschaft, Gesundheit und internationale Beziehungen. Viele Effekte verstärken sich gegenseitig und erzeugen langfristige Risiken für Stabilität und Wohlstand.

Politisch und gesellschaftlich

Erosion sozialer Kohäsion: Misstrauen gegenüber Institutionen und Gruppen nimmt zu; soziale Segregation stärkt Polarisierung.

Zunahme politischer Radikalisierung: Populistische, autoritäre oder extremistische Bewegungen finden leichter Zulauf.

Schwächere demokratische Partizipation: Entfremdete Bevölkerungsgruppen ziehen sich zurück oder wenden sich antidemokratischen Alternativen zu.

Konfliktpotenzial: Sozioökonomische Spannungen erhöhen das Risiko für Proteste, Streiks und lokale Konflikte.

Ökonomisch und arbeitsmarktbezogen

Bremsung des langfristigen Wachstums: Eingeschränkter Zugang zu Bildung und Kapital senkt Produktivität und Innovationskraft.

Niedrigere Nachfrage und volatile Konsumströme: Konzentration von Einkommen bei wenigen verringert die breite Kaufkraft und macht Konjunktur anfälliger.

Prekarisierung von Arbeit: Mehr atypische Beschäftigungsverhältnisse, geringere Lohnentwicklung in unteren Einkommensschichten.

Finanzielle Instabilität: Höhere Verschuldung ärmerer Haushalte und spekulative Anlagekonzentration erhöhen systemische Risiken.

Gesundheit, Bildung und Chancenmobilität

Ungleiche Gesundheitschancen: Kürzere Lebenserwartung, schlechterer Zugang zu Versorgung und höhere Krankheitslast in benachteiligten Gruppen.

Bildungsungleichheit: Frühere Nachteile verstärken sich intergenerational, soziale Mobilität sinkt.

Psychische Belastungen: Höhere Stress- und Belastungslevel, höhere Prävalenz von psychischen Erkrankungen in belasteten Gruppen.

Globale und geopolitische Folgen

Verschärfte internationale Spannungen: Ungleichheit zwischen und innerhalb Staaten kann Migrationsdruck und geopolitische Rivalitäten erhöhen.

Schwierigkeiten globaler Kooperation: Geringeres Vertrauen und divergente Interessen erschweren gemeinsame Lösungen für Klimawandel, Pandemien und Finanzregulierung.

Ungleich verteilte Resilienz: Schwächere Staaten und Bevölkerungsgruppen sind anfälliger für Krisen, was globale Verwundbarkeit erhöht.

Praktische Konsequenzen für Politik und Akteure

Dringender Reformbedarf: Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik müssen umverteilen, Chancen schaffen und Resilienz stärken.

Fokus auf inklusive Digitalisierung und Qualifizierung: Technologischer Wandel verlangt aktive Arbeitsmarktpolitik, Weiterbildung und soziale Schutznetze.

Stärkung lokaler und zivilgesellschaftlicher Initiativen: Aufbau von Netzwerken, sozialen Diensten und Community-Programmen mildert akute Folgen.

Internationale Koordination: Steuertransparenz, faire Handelsregeln und Entwicklungszusammenarbeit sind nötig, um globalen Spillover zu begrenzen.

Kurzes Fazit

Die Folgen wachsender Ungleichheit sind weitreichend und selbstverstärkend: ohne entschiedene Gegenmaßnahmen drohen sinkende Lebensqualität, schwächeres Wachstum und eine fragmentiertere, politisch instabilere Welt.“

Folgende weiteren Grundlagen und Voraussetzungen für die Geschichtsmächtigkeit von Bewusstsein und Arbeit halte ich für erforderlich, nämlich: Sprache, Erkenntnis, Wissenschaft, Erfindungsgeist, Technik, Philosophie und Religion.

Sprache

Laut Aristoteles ist der Mensch ein ,zoon logon echon‘, ein über Vernunft, Verstand und Sprache verfügendes Wesen, und zugleich ein ,zoon politikon’, ein Gemeinschaftswesen. Beides gehört eng zusammen. Vernunft und Verstand kommen - neben vielem anderen - in der Sprache zum Ausdruck, die ihrerseits gezielte Kommunikation und damit Gemeinschaft ermöglicht und weitgehend sichert. In der Gemeinschaft hinwiederum bildet die Sprache sich ständig weiter - durch neue Wörter, Begriffe, Ausdrücke, Redemittel und -wendungen, neue Bezeichnungen. So dass die Sprachlichkeit des Menschen höchste Bedeutsamkeit auch für sein Person-Sein gewinnt, d.h. für die je-meinigen Synthesen von Ich- und GemeinschaftsBewusstsein. Personalität betrifft jedenfalls die Gesamtheit des Menschen („le volume total de l’homme“, wie Emmanuel Mounier feststellte).

Daraus ergibt sich das sogenannte „Sprachapriori“, eine Vorrangstellung der Sprache, die durch die Tatsache gestützt wird, dass unsere Sprache - als Innere Sprache („inner speech“) - uns ständig begleitet und unser Verhalten steuert oder zumindest stark beeinflusst. Dennoch wird dieses Sprachapriori neuerdings mehr und mehr in Frage gestellt bzw. relativiert. So schlägt z.B. Werner Meinefeld (1995) ein „magisches“ Dreieck vor, in dem 1. die „subjektive kognitive Organisation“, 2. die „sprachlich gefaßte soziale Deutung der Realität“ und 3. die „Realität“ selbst sich ständig wechselseitig beeinflussen, ohne dass feststellbar wäre, welcher dieser drei Faktoren der stärkste ist; während nicht bezweifelt werden kann, dass alle drei Faktoren im Erkenntnisprozess zum Tragen kommen.28 - Nicht einverstanden bin ich mit Meinefelds pragmatistischer Auffassung, dass die drei Faktoren des Dreiecks „über das Handeln“ miteinander verbunden seien (ebd.). Denn auch die Natur wirkt im Menschen, der nicht nur ein Kulturwesen ist. Das Handeln ist nur ein Teil der wirkenden Wirklichkeit, die auch das Unbewusste umfasst!

Was aber ist Erkenntnis ? Ich nehme an, dass sie zwar stets von Sprache begleitet und beeinflusst wird, aber entscheidend erst durch das Denken und andere, auch nicht-sprachliche Erfahrungen gewonnen wird. „Objektive Erkenntnis“ wird in den meisten Erkenntnistheorien für möglich oder zumindest annäherungsweise erreichbar gehalten. Nicolai Hartmann vertritt in seinem Kritischen Realismus die Auffassung, dass beim Erkennen das Subjekt vom Objekt „bestimmt“ werde, zumal das Subjekt - im Gegensatz zu Kants Behauptung - keineswegs der Natur „Gesetze vorschreiben“, sondern lediglich ihre Gesetze entdecken könne. - Dem Thema „Objektive Erkenntnis“ hat Sir Karl Popper ein ganzes Buch (1972/1995) gewidmet. Wohingegen er in seinem Kritischen Rationalismus einräumt, dass Erkenntnis - natürlich auf der Subjektseite - stets von Theorien geleitet werde. Theorien seien so lange gültig, wie sie nicht widerlegt (falsifiziert) worden seien. Popper befürwortet demgemäß eine Evolutionäre Erkenntnistheorie. Dieser zufolge ist objektive Erkenntnis möglich, weil Natur und menschlicher Geist aus gemeinsamen Ursprüngen stammen und daher zwischen ihnen ein Verhältnis der „Passung“ existiere.

Marxistisch wird dagegen der Vorrang der Dialektik von Subjekt und Objekt geltend gemacht. Im Dialektischen Materialismus wird versucht, „Hegel vom Kopf auf die Füße zu stellen“, wie Karl Marx es ausdrückte. Dies bedeutet, dass bestimmte Wahrheiten des Idealismus mit denen des Materialismus verbunden werden sollen. Die Arbeit des Subjekts an seinen Objekten kann nicht als „rein geistige“ verstanden werden. Die Dialektik bekommt einen materiellen Unterbau, in letzter Instanz: die Ökonomie.

Dagegen gelten Lenin s Weiterführungen hin zu einem offiziellen „DiaMat“ (Dialektischen Materialismus des Sowjetsystems), z.B. in Begriffen wie „Abbild“ und „Widerspiegelung“, heute nicht nur neurowissenschaftlich als unzulänglich und überholt.

Sprachlich beruht die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, u.a. auf den stets subjektiven Assoziationen von Sendern und Adressaten. Unterschiedliche, letztlich unüberschaubare Wort-Assoziationen führen zu unterschiedlichen Wortfeldern mit unterschiedlichen (Be-)

Wertungen. Sodass anzunehmen ist, dass auch das für den Erkenntnisprozess unabdingbare Verstehen nicht rein sprachphilosophisch erklärt werden kann. Auch hierzu ist daran zu erinnern, was der Philosoph A.J. Ayer (1910-89) in seiner Oxforder Antrittsvorlesung von 1959 zu bedenken gegeben hat, dass nämlich „die Untersuchung des Sprachgebrauches nicht für die Erhellung der Sachfragen genüge“.29

Wissenschaft. Von Heidegger stammt der berühmt-berüchtigte Ausspruch, dass die Wissenschaft „nicht denkt“. Tatsächlich aber geht es in der Wissenschaft um personen- und sachspezifische Subjekt-Objekt-Beziehungen, also sehr wohl um Prozesse des Denkens und Erkennens, die dazu dienen, wissenschaftliche Wahrheiten herauszufinden, um die jeweiligen Problemlösungen zu erarbeiten, was nicht ohne Theorie- und Wahrheitsbezug möglich ist. Das heißt: Wissenschaft funktioniert nicht ohne Inanspruchnahme der Korrespondenz-, Kohärenz- und Konsens-Theorien der Wahrheit, sodass Wissenschaftler*innen zwar nicht nur im Team, sondern gegebenenfalls auch allein arbeiten können, aber immer wieder auf das Wissen und die Erfahrungen der anderen Experten und Expertinnen angewiesen sind. Außerdem ist bei jeder Theorie - aus ethischen und praktischen Gründen - der Praxisbezug möglichst mit zu berücksichtigen. Was aber ist der Gegenstand der Wissenschaft? Und: Wie steht die Theorie zur Praxis? Gegenstand kann „alles Seiende“ sein, wie es Aristoteles schon für die Philosophie forderte, somit jegliche Praxis als Gegenstand von Theorie. Und jegliche Theorie muss sich an der Praxis messen lassen, getreu der Erkenntnis Kants: „Was aus Vernunftgründen für die Theorie gilt, das gilt auch für die Praxis.“30 Wodurch sich für die Wissenschaft sowohl der Elfenbeinturm als auch der Rückzug auf unethische Positionen verbietet. Auch wenn nicht nur die Wissenschaft selbst für ihre Ergebnisse verantwortlich ist. Denn über Theorie und Praxis befindet nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Philosophie, insonderheit die Ethik als theoretische Wissenschaft von der Moral, und die Moral selbst, als durch gesellschaftliche Praxis bedingte. Ethik und Moral verhalten sich zueinander großenteils wie Theorie zu Praxis.

Erfindungsgeist. „Der Mensch muss sich zu helfen wissen“, lautet ein geläufiges Sprichwort. Solange dies aber nachweislich nicht allen Menschen möglich ist, besteht die Gefahr, dass die von den akuten Bedrohungen ausgehenden Gefahren Überhand nehmen. In ständigem Vorteil befinden sich Menschen, denen es tatsächlich möglich ist, sich selbst zu helfen, weil sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen können. Nicht alle, aber viele Menschen verfügen auch und gerade im Alltag über die Fähigkeit, unvorhergesehene Situationen und Probleme zu meistern, weil ihnen im richtigen Augenblick das Richtige - einfällt.

Einfälle zu haben, ist allen Erfindern und Erfinderinnen sozusagen von Natur aus gegeben. Aber woher kommen die Einfälle? Sicherlich nicht vom Himmel oder aus dem luftleeren Raum, sondern aus eigenen „neuronalen“ Möglichkeiten (die bekanntlich unbegrenzt sind). Wer sein Wissen und seinen Erfahrungen kreativ einbringen, d.h. auf neue Sachverhalte in neuen, originellen Verknüpfungen anwenden kann, hat das - nicht nur dem Genie gegebene - Talent zum Erfinden. Sodass es unverständlich ist, warum der Begriff ,Erfindung‘ heutzutage mehr und mehr auf seine Verwendung für Zwecke der Technik (z.B. im Sinne des Patent- und Gebrauchsmuster-Rechts) reduziert wird. Zweifellos behält das Erfinden seine ExistenzBerechtigung (und -Notwendigkeit!) auch für Wissenschaft, Kunst, Literatur und Philosophie.

Paradebeispiel: der Umgang mit der Öko-Katastrophe. Wäre diese durch rein technische Lösungen, nämlich auf den Gebieten der Umwelt-Technologie und -Technik, abzuwenden, hätte man hierzu seit mindestens 50 Jahren reichlich Gelegenheit gehabt. Der Grund dafür, dass dies nicht bzw. nicht in ausreichendem Maße geschehen ist, dass vielmehr die Katastrophe immer bedrohlichere Dimensionen angenommen hat, ist nicht allein auf Mängel der Technologie und deren Anwendung, der Technik, sondern auf politische, gesellschaftliche und ideologische Defizite zurückzuführen.

Nicht zu unterschätzen ist hier die aufsteigende Werte-Hierarchie: Entdeckung - Erkenntnis - Erfindung. Eine Entdeckung macht, wer etwas auffindet, was vorher unbekannt war. Erkenntnis stellt unter Beweis, wer zutreffende Aussagen über zuvor unbekannte Sachverhalte an Hand zureichender Gründe macht; während die Erfindung aus schöpferischer Tätigkeit hervorgeht, durch die Neues, bisher noch nicht Gegebenes erzeugt wird. Gemeinsam ist diesen drei Stufen, dass sie mit bestimmten Erfahrungen - gepaart mit Denken, Phantasie und Kognition - verbunden sind. Beim Erfinden kommen durchweg hohe Emotionalität und Freude hinzu, nachweisbar angeblich sogar im Gehirn, wo beim Erfinden Dopamin freigesetzt werde, das auch im Gefühlsleben, für Aufmerksamkeit und Konzentration und als „Begleitmusik“ ekstatischer Gemütszustände eine Rolle spielt.31

Technik und Technikfolgenabschätzung (im Folgenden: TA). Ist die Technik ein Fluch oder ein Segen für die Menschheit? Zweifellos eine hoch philosophische Frage, die seit langem, d.h. seit den 1960er Jahren, weltweit die Diskussion um die TA begleitet. Bis dahin galt - wenn man von einigen skeptischen bis heuchlerischen Theoretikern wie Heidegger absieht - wissenschaftlich-technischer Fortschritt als „uneingeschränkt positive Antriebskraft für die gesellschaftliche Entwicklung“.32 Dies änderte sich anscheinend nicht durch die weltweite Protestbewegung gegen den Atomkrieg, und auch nicht durch gelegentliche US-Kritik am „Manhattan-Projekt“ (das im 2. Weltkrieg die Entwicklung der US-amerikanischen Atombombe vorangetrieben hatte). Den Anstoß für ein Umdenken gab vielmehr der Widerstand gegen ökologische Fehlentwicklungen seit den 1960er Jahren, was in der BRD schon 1973 zur Einrichtung eines „Amts zur Bewertung technologischer Folgen beim Bundestag“ führte, dem Vorgänger des definitiven parlamentarischen Büros für TA. Dessen Aufgabe bestand und besteht vor allem darin, nicht nur Abschätzungen von Chancen und Risiken der Technik auszuwerten, sondern auch „politische Handlungsempfehlungen oder Richtlinien für die Vermeidung von Risiken und die verbesserte Nutzung der Chancen“ zu erarbeiten.33 Für die hierfür geeigneten Expertisen gibt es bis heute anscheinend weder ein Kriterium prognostischer Sicherheit noch ein „allgemeingültiges Konzept für die Gestaltung und die Durchführung“ der TA-Studien (a.a.O. S. 4). Der Grund hierfür liegt darin, dass einerseits „Wirkungen nicht leicht vorhergesehen werden können, solange die Technologie noch nicht ausreichend entwickelt und weit verbreitet ist“ und andererseits das „Gestalten und Ändern“ umso schwieriger wird, „je fester die Technologie verwurzelt ist“ (a.O. S. 2).

Immerhin lassen sich einige Hauptthemen auflisten, mit denen man sich in der TA beschäftigt und in deren Projekten man vorrangig Kriterien der Nachhaltigkeit vor allem an Vorschläge zur Lösung bestimmter gesellschaftlicher, ökonomischer, ökologischer und damit verbundener ethischer Probleme anlegt. Im Einzelnen geht es dabei hauptsächlich um: 1. Umwelt, darunter z.B. Flächenversiegelung, Ressourcen-, Bio- und Gen-Technik; 2. Energie herkömmlicher und erneuerbarer Art; 3. Verkehr inclusive Raumfahrt und Elektromobilität; 4. Gesundheit, von Diagnose und Therapie über Pflege-Roboter bis hin zur Synthetischen Biologie und Nanotechnologie; 5. Arbeit, darunter auch Automatisierung, Digitalisierung und Roboterisierung; 6. Sicherheit, auch in Bezug u.a. auf Rüstung. Cyber-

Krieg und Datenschutz; 7. Information und Kommunikation, ebenfalls vor allem zum Datenschutz, ferner zu Internet, Cyber-Attacken, Mobilfunk usw. (vgl. a.O. S. 4). - Obwohl diese Themen für alle Menschen nicht nur interessant, sondern existenziell wichtig sind, ist es bisher nicht gelungen, die Gesamtgesellschaft in die TA einzubeziehen. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass es fast überall Bürgergipfel, -jury und -anhörungen gibt, letztere auch in den Parlamenten, ferner interdisziplinäre Arbeitsgruppen, Interviewtreffen und andere Formen der Partizipation. - Mehr öffentliche Aufmerksamkeit ist erst durch die Öko-Protestbewegungen und Graswurzelaktivitäten entstanden, die seit den 1990er Jahren immer stärker geworden sind. Nach wie vor haben die Experten und Expertinnen der TA jedoch Probleme damit, „gesellschaftliche Mitsprache zu provozieren, zur Meinungsbildung über Wissenschaft und Technik beizutragen und so schlussendlich die >gesellschaftliche Planungssicherheit< im Hinblick auf komplexe Entscheidungen zu erhöhen.“ (a.O. S. 4).

Erneut zeigt sich: Wer emanzipatorische Ziele verfolgt, bewegt sich auf schwierigem Terrain, dem von Politik und Gesellschaft in Theorie und Praxis. Es stellt sich die Frage, inwieweit die aus der TA folgenden, berechtigten Forderungen, z.B. nach Klima- und Umweltschutz, in einem kapitalistischen System Chancen nicht nur auf Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern auch auf reale Durchsetzung haben. Dazu heißt es in dem Artikel von S. Ehrenberg-Siliex u.a.: „Allerdings führt der Pluralismus in entwickelten Demokratien zu einer sehr weitgehenden Differenzierung von Meinungen, Standpunkten, Argumenten und Interessen, die sich in dem Entstehen zahlloser NGOs, (Bürger-)Initiativen, Verbänden etc. manifestiert und auch neue politische Parteien hervorbringt. Gleichzeitig sinkt die dauerhafte Bindung an derartige Interessensvertretungen, und an ihre Stelle tritt ein situationsabhängiger Pragmatismus - insbesondere bei Jugendlichen.“ Wenn dem so ist, werden vermutlich immer weniger Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Notwendigkeit erkennen, durchgreifende (Sofort-)Maßnahmen zu beschließen - ein Dilemma, das sich m.E. nicht ohne Antworten auf die Systemfrage auflösen lässt.

Allianztechnik. Technik hat sich von Anfang an der Natur bedient. Die Naturzerstörung durch Technik auf die Spitze zu treiben - bis hin zu der Möglichkeit der allgemeinen Selbstzerstörung -, blieb dagegen dem 20. Jahrhundert vorbehalten. Ernst Bloch schloß daraus wohl zu Recht, dass die Überwindung der lebensgefährlichen Konfrontation von Technik und Natur unter kapitalistischem Vorzeichen nicht möglich ist. Er schrieb dazu: „Unsere bisherige Technik steht in der Natur wie eine Besatzungsarmee in Feindesland, und vom Landesinnern weiß sie nichts.“ (, Das Prinzip Hoffnung ‘ S. 814). Und er setzt dagegen die Forderung nach einem „wirklichen Einbau der Menschen in die Natur“ und meint damit eine neue, sozialistische Allianztechnik als „eine mit der Mitproduktivität der Natur vermittelte“, was bedeutet: „Naturströmung als Freund, Technik als Entbindung und Vermittlung der im Schoß der Natur schlummernden Schöpfungen, das gehört zum Konkretesten an konkreter Utopie. Doch auch nur der Anfang zu dieser Konkretion setzt zwischenmenschliches Konkretwerden, das ist, soziale Revolution, voraus; eher gibt es nicht einmal eine Treppe, geschweige eine Tür zur möglichen Naturallianz“ (a.O. S. 813). Es wäre ein neuer „Marxismus der Technik“, von dem in den bisherigen sozialistischen Experimenten nicht viel zu erkennen war; im Gegenteil: Im „real existierenden Sozialismus“ wurden Umwelt und Natur teilweise noch mehr missachtet als im westlichen Kapitalismus. Zu fragen ist daher, wie eine andersartiger Marxismus der Technik beschaffen sein soll. Bloch kommt dabei, wie ich meine, über - gewiss wertvolle, bedenkenswerte - Ansätze nicht hinaus, so wenn er schreibt: „Natur ist kein Vorbei, sondern der noch gar nicht geräumte Bauplatz, das noch gar nicht adäquat vorhandene Bauzeug für das noch gar nicht adäquat vorhandene menschliche Haus. ... Darum ist es sicher, dass das menschliche Haus nicht nur in der Geschichte steht und auf dem Grund der menschlichen Tätigkeit, es steht vor allem auch auf dem Grund eines vermittelten Natursubjekts und auf dem Bauplatz der Natur. “ (a.O. S. 807). - Genau hier aber regt sich meine Skepsis. Wie soll der „Grund eines vermittelten Natursubjekts“ - als Grundlage eines neuen, harmonischen Miteinanders von Natur und Technik - zu erklären sein, wenn Bloch selbst einräumt, dass das „Natursubjekt“ eine bloße Hypothese ist? Dass „ein Subjekt der Natur . bleibt so lange problemhaft, als keine konkrete Vermittlung durch den Menschen, als den jüngsten Sohn der Natur, damit gelungen ist.“ (a.O. S. 810)?

Umso erstaunlicher finde ich Rainer E. Zimmermann s Optimismus in Bezug auf die wissenschaftliche Fundierbarkeit des Blochschen Gedankens einer Naturallianz. Sind wir denn heute wirklich in der Lage, Blochs Auffassungen (incl. Natursubjekt!) zu bestätigen und evtl. sogar zu übertreffen? Und zwar dadurch, dass „Teilgebiete der modernen Naturwissenschaften in Gestalt der Theorien von Selbstorganisation und Strukturbildung (Chaostheorie, selbstorganisierte Kritikalität) oder der Lehre von der Autopoiese, mit ihren mannigfachen Anwendungen - wie auch in Gestalt einer umfassenden , Theorie von allem’ (Theory of Everything), die zugleich den prähistorischen Grund von Welthaftem zu liefern imstande ist - die Natur als Gebiet autonomer Prozessualität ansehen, als aktive natura naturans.“34 ? - Stutzig macht mich hier spätestens die „Theorie von allem“. Denn diese, auch „Weltformel“ genannte, gibt es bisher nicht; kann es nicht geben, solange, wie bisher, ca. 95 % des Universums unbekannt sind und das menschliche Gehirn nicht vollständig erklärt ist. - Ebenso unverständlich ist mir R.E. Zimmermanns Behauptung, neuere Entwicklungen auf den Gebieten der Mathematik sowie der Kognitions- und Bewusstseins-Theorien hätten dazu geführt, dass Blochs Konzepte bereits „in eine politisch engagierte Praxis“ eingefügt, integriert seien (a.O. S. 357 f.). Wäre dies der Fall, hätte es die schon im Jahre 2008 feststellbare und seitdem immer weiter um sich greifende Verschärfung der sozialen Gegensätze, der Öko-Krise und der zahlreichen anderen, von mir bereits mehrfach erwähnten aktuellen Gefährdungen der Menschheit gar nicht geben können! Steht deshalb Blochs Konzept einer Allianztechnik auf tönernen Füßen? Mitnichten! Notwendig scheint es mir vielmehr, angesichts der heutigen alarmierenden Situation nach neuen Wegen in Richtung auf eine solche Allianz zu suchen.

Für hilfreich bei dieser Suche halte ich ein anderes Konzept, das Volker Schneider (geb. 1954) im Anschluss an Blochs Allianztechnik schon im Jahre 2004 vorgetragen hat: eine „Allianztechnik des Denkens“ (die R. E. Zimmermann leider nicht erwähnt). Mit vollem Recht kritisiert V. Schneider die im Kapitalismus geforderte und geförderte „analytischfunktionale Denkweise“35, eine Ausprägung der Faktengläubigkeit und des Objektivismus, die zu verschiedenen Formen der Verdingliching des Bewusstseins geführt hat. Nämlich sogar zur Objektivierung des Ichs und des Selbst-Seins und, darüber hinaus, unseres Bildes „der Natur um uns“ (ebd.). Immerhin gelingt Schneider dabei auch eine Korrektur der bei Nietzsche vorfindlichen Verkürzung von Ich und Selbst zum „Leib“ (der „eine große Vernunft“ sei). Dagegen stellt V. Schneider fest: „Das Selbst meint das Ich, aber es meint auch das Wir, und es meint mehr als beides: eben ein menschliches Identischwerden.“ (a.O. S. 171). Der Mensch kann jedoch nicht zu sich selbst kommen, wenn sein Bewusstsein u.a. durch Objektivismus verdinglicht ist. Dagegen stellt V. Schneider die neurowissenschaftliche Erkenntnis jüngeren Datums, wonach das Denken ein Prozess ist, bei dem „die Informationsverarbeitung im Gehirn als ein Diskurs zwischen Populationen von Neuronen erscheint“ (a.O. S. 169). In der Allianztechnik des Denkens spiegelt sich folglich die Tätigkeit des Ichs als Selbst und Wir und als Voraussetzung für ein „menschliches Identischwerden“ (s.o.). Das Ich ist kein statisches So-Sein, kein „factum brutum“, sondern dasjenige, das Bloch meint, wenn er sagt: „Ich bin, aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“ (zit. a.O. S. 171; vielleicht sogar ein weiteres, echtes „ Hoffnungsbild gegen den Tod“ !).

Volker Schneider folgert: „Betrachten wir nach den Erkenntnissen neuerer Forschungen, was diese Neuronen >tun<, erscheinen Blochs Ansätze einer Allianztechnik und Naturallianz gar nicht so abwegig. Neuronen als kollektive Akteure, die eben nicht das Kainsmal der festen Grenzen tragen, sondern Einzeln-Allgemeines mit Unendlichkeitsstatus sind (Leibniz war dem sehr wohl auf der Spur). Nur müßten bei einer Bearbeitung den Zahlen und der dazu gehörigen Mathematik erst einmal Leben eingehaucht werden. Das, was in der Abarbeitung an den Mängeln der Lebenswelt als Unabgegoltenes, Unerledigtes, und Noch-Nicht- Gewordenes, Gewünschtes vorscheint, ist Statthalter der natura naturans als noch Ungewordener. Hier ist dialektisch-materialistisches, und nicht analytisches Denken gefordert, um das Leib-Seele-Problem zu lösen.“ (a.O. S. 169). - Was ich selbst einige Jahre später versucht habe, und zwar in der Annahme, dass das Leib-Seele-Problem durch einen dialektisch-materialistischen Informationsbegriff wenigstens teilweise gelöst werden kann.

Von da her stimme ich Volker Schneider voll zu, wenn er zu dem Schluss kommt: „Die Allianztechnik neuronaler Kommunikation und Kooperation in uns verstehen wir erst, wenn wir die dualistische Sicht der Welt aufgeben.“ (a.O. S. 172). Zumal Dualismus und Objektivismus sich wechselseitig bedingen. Gefordert sind nicht Objektivismus und Faktenhuberei, sondern dialektisch-materialistisches Denken in Bezug auf die bewegtbewegenden Zusammenhänge von Theorie und Praxis - ein Denken, das sich stets dem Noch- Nicht der unvollendeten Entelechie der Materie verpflichtet weiß. Denn: „Wir sind noch nicht angekommen“, wie V. Schneider am Ende seines Vortrags über die Allianztechnik des Denkens sagt.

Philosophie und Religion. Wäre die Welt einfach nur „alles, was Fakt ist“, wie Ludwig Wittgenstein behauptet, wäre die Philosophie tatsächlich am Ende. Denn man könnte sich dann das Nachdenken über die Fakten und jedes weitere Denken, z.B. an das Noch-Nicht der Zukunft, ersparen. Man hätte lediglich die Fakten zur Kenntnis zu nehmen, nicht aber zu versuchen, sie zu verstehen. Verstehbar sind sie nämlich nur dann, wenn ihre historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge - und möglichst auch ihre Zukunftsperspektiven - mitbedacht werden. Solange dies nicht geschieht, ist wirkliches Verstehen unmöglich und damit die Voraussetzung für jegliche Veränderung, jegliche Beseitigung von Missständen.

Zum Glück aber ist die Philosophie nicht tot, sondern beschäftigt sich nach wie vor mit
„allem Seienden“, wie schon Aristoteles bemerkte. Ist Philosophie deshalb auch nach wie vor
„ihre Zeit, in Gedanken erfasst“, wie Hegel es ausdrückte und auf das Ganze bezog, das er
auch „das Wahre“ nannte? Nicht, wenn dadurch auch die damit verbundenen Absolut-heitsansprüche Hegels aufrechterhalten werden. Wir Heutigen überblicken das Ganze nicht - bzw. nicht mehr oder noch nicht wieder? - und können daher nicht auf das Absolute bauen.

Wir verfügen weder über Hegels „Absolutes Wissen“ noch über seinen „Absoluten Geist“, den zugleich jegliche Religion für sich beansprucht. Ob Gott - als Absoluter Geist oder wie auch immer - existiert, lässt sich durch unseren, den menschlichen Geist, nicht nachweisen; und zwar ebenso wenig wie die tollkühne Behauptung, dass „Gott ... tot“ sei, wie Nietzsche verkündet. Was allerdings nicht bedeutet, dass deshalb auch jegliche Religion ihre Existenzberechtigung verloren hätte. Im Gegenteil: Unter dem Vorbehalt des Agnostizismus ist jede Religion zu respektieren, solange sie in der Lage ist, mit den anderen Religionen und WeltAuffassungen friedlich zu koexistieren.

Lebenssteigerung, Kreativität, Öko-Feeling und -Bewusstsein. Öko-Feeling - darunter verstehe ich vor allem Mitgefühl, Empathie, Mitfühlen mit dem Wohl der Umwelt, der Natur, der Gesellschaft, der Mitmenschen, der eigenen Person. Auch Mitleid und Mitleiden, ohne die Gefahren zu verkennen, die von übertriebenem Selbstmitleid ausgehen - und von der Überheblichkeit, die darin besteht, den Genuss der eigenen Privilegien durch den „Luxus“ des Mitleids mit Unterprivilegierten noch steigern zu wollen. Was sicherlich keine Lebenssteigerung bedeutet, sondern nur einen Hohn auf alle diejenigen Menschen, denen es nicht vergönnt ist, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Man denke nur an die Milliarden von Arbeitslosen bzw. prekär Beschäftigten, von Hungernden, im Elend lebenden Menschen, denen Öko-Feeling verwehrt ist oder fernliegt. Aus bekannten System-Gründen, die jeden ausreichend Informierten erkennen lassen, dass ein Öko-Feeling illusorisch bzw. überflüssig ist, solange es nicht durch ein Öko- Bewusstsein gestützt und begleitet wird. - Ich meine das Wissen um die Ursachen - und die Verursacher - der Öko-Krise, die sich nicht selten schon zur schleichenden Öko-Katastrophe ausgeweitet hat. Letzteres ist der Fall, wenn durch Umweltzerstörung irreparable Schäden, z.B. an der Gesundheit bzw. der Fortpflanzungsfähigkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen, am Erhalt von Flora, Fauna und Infrastruktur entstanden sind.

Probleme dieser Art überschatten alle Versuche der Lebenssteigerung, wie sie z.B. Nietzsche - oder auch Camus mit seinem „mittelmeerischen Denken“ - unternommen haben. Lebens- steigerung ist - außer für eine kleine „Elite“ von Privilegierten - immer noch weitgehend eine Utopie, wenn auch eine konkrete, konkretisierbare, zu konkretisierende. Was Nietzsche vorschlägt, hat folglich weitgehend Modell-Charakter, obwohl sich mit seinem „Recht des Stärkeren“ keine Ethik und daher auch keine ethische vertretbare Lebens-steigerung begründen lässt. - Vielleicht aber dennoch mit Zarathustra, dem „Übermenschen“, der voraussetzt, dass der Mensch in jeder Hinsicht über sich hinauswachsen, alles überkommene „Schlechte“ überwinden und neue Werte setzen will? Zweifellos nicht, wenn dieses Streben ebenfalls an das „Recht des Stärkeren“ und den „Willen zur Macht“ gebunden bleibt. Dann nämlich kann die Hoffnung auf die Mobilisierung und Steigerung aller Lebenskräfte geradewegs in den Faschismus führen. ...

Wie aber wäre es, wenn es gelänge, die Lebenssteigerung mit normativer Wertethik zu verbinden? Dies ist wiederum nicht möglich mit einem Nietzsche, bei dem die Verachtung von Mitleid, Christentum, Gleichheit und Solidarität in politisch-ideologischen Hass auf Demokratie und Sozialismus mündet. Nicht mit dem überheblichen Herrenmenschen, der alle herkömmliche Moral zur „Sklavenmoral“ herabwürdigt. - Wohl aber mit einem Nietzsche, der ganz „Selbst“, ganz Leib, ganz Sinnenmensch und doch auch der empfindsame GeistMensch sein will, der neue Werte (und damit eine neue Moral!) setzt und einen neuen „Sinn der Erde“ sucht. Dieser Nietzsche fordert die totale „Umwertung der Werte“, um sicherzustellen, dass nicht mehr das Leben den Werten unterworfen oder gar geopfert wird, sondern umgekehrt: die Werte dem Leben zu dienen haben. Und wertvoll ist für ihn alles, was das Leben zu verbessern und zu steigern und die spirituellen Kräfte des Menschen zu mobilisieren vermag (s.u. zu: „Künstler, Philosophen und Heilige“). Wenn auch auf Grund eines Weltbildes, in dem nicht ein Zweck oder Telos des Guten , sondern die Kraft alles beherrscht. Es ist ein Weltbild, in dem die aristotelische Dynamis fröhliche Urständ feiert. (Nachzulesen in „Eine Lösung für alle Rätsel“, einem der Entwürfe zu „Der Wille zur Macht“.)

In dieser dynamischen Welt entsteht alles Mögliche, alles Denkbare, so auch das Ziel „Übermensch“. Alles Leben soll sich steigern, soll nach höheren, besseren Formen streben. Durchaus ziel- und zweckbewusst konkretisiert Nietzsche diesen Ansporn schon in der frühen Schrift Schopenhauer als Erzieher. Unverwechselbar teleologisch formuliert er hier: „Es ist dies der Grundgedanke der Kultur, insofern diese jedem einzelnen von uns nur eine Aufgabe zu stellen weiß: die Erzeugung des Philosophen, des Künstlers und des Heiligen in uns und außer uns zu fördern und dadurch an der Vollendung der Natur zu arbeiten.“42 In Bezug auf die Kunst geht er dabei so weit, Goethes Berufung auf die „dramatische Dichtkunst“ als die wahre „ causa finalis der Welt- und Menschenhändel“ zu zitieren (ebd.). Nietzsches Welt entbehrt also - trotz aller Kraft-Orientierung und Kraftmeierei - weder der Zielursachen noch der Zweckbestimmungen. Es sind höchste Kultur-Ziele der schöpferischen Tat, des weiterführenden Gedankens und des uneigennützigen Altruismus und Gemeinsinns (des „Heiligen“), die schließlich sogar zur „Vollendung“ (= Telos!) der Natur beitragen sollen, wozu Nietzsche ausführt: „Und so bedarf die Natur zuletzt des Heiligen, an dem das Ich ganz zusammengeschmolzen ist und dessen leidendes Leben nicht oder fast nicht mehr individuell empfunden wird, sondern als tiefstes Gleich-, Mit- und Eins-Gefühl in allem Lebendigen: des Heiligen, an dem jenes Wunder der Verwandlung eintritt, auf welches das Spiel des Werdens nie verfällt, jene endliche und höchste Menschwerdung, nach welcher alle Natur hindrängt und -treibt, zu ihrer Erlösung von sich selbst.“ (ebd., Hervorhebung durch mich). - Das sind teils rätselhafte, teils utopische oder sogar konkret-utopische Anwandlungen, die zweifellos auch für die aktuellen Begriffe ,Öko-Feeling’ und , Öko-Bewusstsein’ nutz- und fruchtbar gemacht werden können. Auch wenn dazu wohl Nietzsches Gesamtwerk heranzuziehen wäre, zugänglich gemacht durch zahllose Spezialuntersuchungen, z.B. zu Nietzsches „Gesundheitsphilosophie“, seiner Lebensphilosophie (einschließlich der aufschlussreichen Bezüge zum Unbewussten!), seiner Anthropologie und nicht zuletzt, sondern vorrangig: seiner Kunstphilosophie zwischen Apoll und Dionysos. Auf diese Spezialarbeiten einzugehen, ist mir hier nicht möglich. Stattdessen erlaube ich mir, noch einmal Nietzsche selbst zu Wort kommen lassen, um aufscheinen zu lassen, in welch hohem Maße in seinem Werk Lebenssteigerung, Kreativität, Öko-Feeling und Öko-Bewusstsein zusammen und zum Tragen kommen. Es sind allesamt Auszüge, die Camus’ mittelmeerisches Denken und Empfinden vorausahnen lassen, so in:

„ Epikur. - Ja, ich bin stolz darauf, den Charakter Epikurs anders zu empfinden als irgend jemand vielleicht, und bei allem, was ich von ihm höre und lese, das Glück des Nachmittags des Altertums zu genießen - ich sehe sein Auge auf ein weites, weißliches Meer blicken, über Uferfelsen hin, auf denen die Sonne liegt, während großes und kleines Getier in ihrem Lichte spielt, sicher und ruhig wie dies Licht und jenes Auge selber. Solch ein Glück hat nur ein fortwährend Leidender erfinden können, das Glück eines Auges, vor dem das Meer des Daseins stille geworden ist, und das nun an seiner Oberfläche und an dieser bunten, zarten, schaudernden Meeres-Haut sich nicht mehr sattsehen kann: es gab nie zuvor eine solche Bescheidenheit der Wollust.“43

Historische Persönlichkeiten als Heroen der Geschichte „Große Männer machen Geschichte.“ Diesem fragwürdigen Wahlspruch folgen traditionalistische Geschichtsphilosophen anscheinend immer noch. Dagegen sollte eigentlich klar sein, dass ohne den konstanten Einsatz zahlloser unbekannter Frauen und Männer in jeder Art von Arbeit Geschichte gar nicht möglich wäre. Es gibt keine Geschichte ohne irgendeine Form von Arbeit. - Ebenso unstrittig ist allerdings der enge Zusammenhang von Geschichtsphilosophie, Ethik und Anthropologie (s.o.). Die Geschichte der Menschheit ist zugleich eine Geschichte der Moral. Und es ist anzunehmen, dass der Fortgang der Geschichte entscheidend durch das Engagement bestimmter, namentlich bekannter Persönlichkeiten bestimmt wurde und noch bestimmt wird. Darum geht es im Folgenden. Exemplarisch werden Persönlichkeiten mit ihren Grundwerken und -werten und ihrer geschichtlichen Wirkung dargestellt.

1. Religionsstifter/Theologen

Mose hat angeblich von 1651 bis 1531 v.Chr. gelebt. Andernorts werden diese Daten abgelehnt. In Wirklichkeit sei nichts darüber bekannt. - Immerhin gilt Mose(s) als Urvater des Judentums. Er hat sein Volk Israel aus ägyptischer Versklavung befreit und ins Gelobte Land Kanaan geführt. Von ihm stammen auch die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten, der ethischen und moralischen Grundlage nicht nur des Judentums. Die Zehn Gebote bezeichnete Thomas Mann einmal als „das Grundgesetz des Menschen“. Hans Küng nannte sie eine „Basis für ein gemeinsames Grundethos“ der drei prophetischen (abrahamischen) Religionen Judentum, Christentum und Islam. Der Rabbiner Zwi Braun sieht im Dekalog drei Grundvermögen des Menschen angesprochen: Denken, Reden und Handeln im Dienste Gottes. Geregelt werden sollen a) die Beziehungen des Menschen zu Gott, b) die zwischenmenschlichen Beziehungen. Auf das Denken zielen vor allem das erste, zweite und zehnte Gebot, von denen das erste urmosaisch nur lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott.“, während das zweite weitere Götter verbietet und das zehnte u.a. das Begehren fremden Eigentums tabuisiert. Um das Reden geht es vor allem im 3. und 9. Gebot, die verbieten, den Namen Gottes zu miss-brauchen bzw. die Mitmenschen zu verleumden. Die anderen Gebote, d.h. das 4. bis 8., regeln das Verhalten, sie gebieten Pflichten gegenüber den Eltern und Heiligung des Feiertags und verbieten Mord, Diebstahl und Ehebruch.

Dabei steht das rechte Handeln durchaus im Vordergrund.44 Aus dem Talmud, der jüdischen Interpretation des Alten Testaments, wurden immerhin 613 sogenannte ,Mizvot‘ abgeleitet, darunter 365 Verbote und 248 Gebote, die von den gläubigen Juden strikt einzuhalten sind. Bis ins Kleinste und Alltäglichste reichen die Vorschriften. Einen Überblick hierüber ermöglichen u.a. die 15 „Grundsätze der jüdischen Sittenlehre“, die im Jahre 1865 veröffentlicht wurden. Deren erster appelliert an die „Einheit des Menschengeschlechtes“, die durch Gott als den Schöpfer und Vater aller Wesen gewollt sei. Breiten Raum nehmen dann die Pflichten ein, die sich aus der schon mosaisch befohlenen Nächstenliebe ergeben. Ausgeschlossen ist dadurch jede Art von Lieblosigkeit, Gehässigkeit und Ungerechtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Leben, Gesundheit, Besitz und Ehre des Nächsten sind unter allen Umständen zu respektieren, was auch Sittenstrenge sowie Achtung vor Ehe und religiösen Überzeugungen einschließt.45 Selbstverständlich sind diese Grundsätze großenteils identisch mit den Zehn Geboten oder überschneiden sich mit ihnen.

Darüber hinaus ist nicht zu verkennen, dass die Zehn Gebote eine der Grundlagen heutiger Rechtsordnung bilden, da sie z.B. schon im Römischen Recht und in nicht-jüdischen Religionsgemeinschaften (z.B. nicht nur im Christentum, sondern auch im Islam!) Aufnahme gefunden haben.46

Ernst Bloch schreibt über Mose: „Mit Moses geschah ein Sprung im religiösen Bewußtsein, und er ward durch ein Ereignis vorbereitet, das den bisherigen Religionen, den Religionen der Weltfrömmigkeit oder des astralmythischen Schicksals, das entgegengesetzteste ist: durch Rebellion, durch den Auszug aus Ägypten. So und nicht etwa als Nimrod oder als riesig sich hervorhebender Medizinmann wurde Moses der erst heros eponymus, der erste namengebende Urheber einer Religion, als sich entgegensetzender. Andere spätere Religionen des Gegensatzes, wie der kriegerische Zoroaster, die akosmische Buddhas, sind für Europäer überhaupt nur vom Exodus-Archetyp her verständlich. Ebenso wie die Stifterfigur Moses des Prototyp für alle abgibt, die nicht am Rand ihrer Lehre, sondern innerhalb dieser selber stehen, als mes- sianisch.“47

Es ist also ein Sprung im Bewusstsein, der Moses‘ Kampf für den Glauben, die Freiheit und die Gerechtigkeit überhaupt erst möglich macht.

Allerdings: Von Mose stammt auch der Satz, das Tun und Trachten der Menschen sei „böse von Jugend auf“ (1. Mose 8, V. 21), ein Satz, aus dem Paulus, Augustinus und Luther ihre

Erbsünden-Lehren abgeleitet haben, was sich inzwischen als unwissenschaftlich und daher hinfällig erwiesen hat.

Buddha und der Buddhismus

Ein in mehrfacher Hinsicht erstaunliches Phänomen! Entstanden ist es vor mehr als 2500 Jahren in Nordindien, als der aus Nepal stammende Fürstensohn Siddartha Gautama (ca. 560480 v.Chr.) sein Erleuchtungs-Erlebnis hatte. ,Buddha’- auf Deutsch der ,Erweckte’, der ,Erleuchtete‘ - lautet sein Ehrenname.

Erstaunlich ist mindestens zweierlei: 1. Es handelt sich um ein Dharma, eine religiöse (?) Weltanschauung, die sich in wahrhaft friedlicher Weise, nämlich ohne jedes Blutvergießen (!), im Laufe der Jahrhunderte über fast ganz Asien verbreitet hat und bis heute weltweit Anhänger findet. 2. Falls der Buddhismus überhaupt eine Religion ist, so ist er - jedenfalls ursprünglich - eine Religion ohne Gott, was widersinnig, wenn nicht absurd erscheinen mag.

Was aber dachte Gautama Buddha selbst? Sehr wohl war er sich bewusst, was sein Verzicht auf jeglichen Theismus bedeutete: den Menschen selbst in den Mittelpunkt und sogar auf sich selbst zu stellen! Er, Gautama selbst, soll gesagt haben: „Es ist töricht, anzunehmen, daß ein anderer uns Glückseligkeit oder Elend verschaffen könne.“ Ferner: „Und wer auch immer ... jetzt oder nach meinem Tode sich selbst Richtschnur sein wird, sich selbst Zuflucht sein wird, keine äußere Zuflucht suchen wird, sondern zur Wahrheit stehen wird als zu seiner Richtschnur . und zu niemandem Zuflucht suchen wird außer zu sich selbst - er ist es, der die allerhöchste Höhe erreichen wird.“48

Das entspricht vielleicht sogar modernen Auffassungen von Selbstbestim-mung und Selbstverwirklichung. Zu fragen ist allerdings, was Gautama unter der „Wahrheit“ versteht und wie sie zur „Richtschnur“ für das Leben des Einzelnen werden soll oder kann.

Dazu ist es erforderlich, Gautamas Wertlehre durchzumustern. Welche Werte hat ihm die „Erleuchtung“ geoffenbart? Zunächst sind es die Vier Edlen Wahrheiten, die dabei helfen sollen, „Urfragen des Menschen zu beantworten und die Welt wie das eigene Leben zu durchschauen und zu bewältigen“. Hans Küng erläutert dazu vier Fragen und ihre Antworten. Die Fragen lauten: 1. „ Was ist das Leiden ?“, 2. „ Wie entsteht das Leiden?“, 3. „ Wie kann das Leiden überwunden werden“?, 4. „Auf welchem Weg...“ kann die Überwindung gelingen? - Die Antworten: 1. „Das Leben selbst ist Leiden: Geburt, Arbeit, Trennung, Alter, Krankheit, Tod.“, 2. Leiden entsteht durch „Lebensdurst, durch Haften an Dingen, durch Gier, Haß und Verblendung. Das aber hat Wiedergeburt auf Wiedergeburt zur Folge.“, 3. Zur Überwindung des Leidens verhilft nur das „Aufgeben des Begehrens. Nur so wird neues Karma, die Folge von guten wie bösen Taten, vermieden, nur so ein Wiedereinstieg in den Kreislauf der Geburten verhindert.“, 4. Die Methode, der Pfad hierzu ist der „Weg der vernünftigen Mitte - weder Genußsucht noch Selbstzüchtigung.“ Diesen Pfad bezeichnet Gautama auch als den „Achtfachen Pfad zum rechten Leben“, oder auch: den achtteiligen Pfad zum Nirvana, wobei er unter Nirvana hier das „Erlöschen“, nämlich u.a. die „Beendigung von Gier, Haß und Verblendung“ versteht.49

Der „heilige“ achtteilige (bzw. achtfache) Pfad besteht in Wirklichkeit aus folgenden acht Wert-Begriffen: „ ... rechtes Glauben, rechtes Denken, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sich-Versenken“ (Störig a.a.O. S. 59). Wobei „rechtes .“ natürlich nicht politisch missverstanden werden darf! Außerdem fällt auf, dass die Forderungen Zarathustras nach vernünftigem Denken, Sprechen und Handeln hier wiederkehren. -

Zu klären bleibt die Frage, ob der Buddhismus als Religion oder als Philosophie einzustufen ist. Den Rang einer offiziellen Religion hatte die Lehre zu Gautamas Zeiten sicher nicht, zumal dies auch nicht seinem Wunsch entsprochen hätte. Umso mehr muss die viel später einsetzende Entwicklung des Buddhismus (einschließlich der Buddha-Vergöttlichung) als Abkehr vom Ursprünglichen, wenn nicht als dessen Verfälschung angesehen werden. In Ansätzen religiös ist zwar Gautamas Wille zur „Heilslehre“; was er verkündet, ist aber in viel stärkerem Maße Lebensweisheit und Weltanschauung, also eindeutig Philosophie! Und diese enthält, abgesehen von den genannten Mängeln, nach wie vor sehr vieles, das durchaus nachzuvollziehen und zu beherzigen ist. Dazu gehören sicherlich, neben der achtfachen Rechtschaffenheit, das Wohlwollen, die Selbstprüfung, die Überwindung der Ich-Sucht und die Selbstfindung durch die Beherrschung der Charakterschwächen, also ein gerüttelt Maß an Psychologie.

Wie sehr, darüber hinaus, Charakterschwächen wie Gier, Ich-Sucht, Hass und Diskriminierung auch in Geschichte und Politik eine Rolle spielen, hat sich nicht zuletzt in den jüngsten Krisen und Katastrophen überaus deutlich gezeigt. Gier, Hass und Diskriminierung sind nach wie vor furchtbare Geißeln der Menschheit. Sie wirksam zu bekämpfen, bleibt eine Aufgabe, die leichter zu lösen wäre, wenn sich die Menschen an Gautama Buddhas wohlwollende Empfehlungen halten würden. Die entsprechenden Werte sind jedenfalls von hoher Bedeutsamkeit.50

Jesus

Das ganz Neue an der Wertlehre Jesu ist: die seinerzeit völlig neue Begründung der Würde des Menschen in der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Die „Crux“ bzw. die Schwierig-keit darin besteht allerdings in der Tatsache, dass diese These zunächst nur theologisch begründbar zu sein scheint, so dass Atheisten nicht bereit sein können, sie zu akzeptieren. Wenn nämlich nur vor Gott alle Menschen gleich sind, lehnen alle, die nicht an Gott glauben, diese Begründung ab. Noch schroffer fällt diese Ablehnung aus, wenn Atheisten erfahren, dass die Neubegründung der Würde des Menschen auf einer angeblichen Heilstat Gottes beruht, nämlich auf der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes. „... Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab ..., damit die Welt durch ihn gerettet wird“, heißt es im Johannes-Evangelium (Kap. 3, V. 16 f., in der „Einheitsübersetzung“, in: Die Bibel, Stuttgart 1999, S. 1185). Opferbereite Liebe zur Welt und zum Menschen gilt demnach als Voraussetzung für die Menschwerdung. Mit welchem Tiefsinn diese Liebe verbunden ist, geht aus der Vorrede des gleichen Evangeliums hervor, in der steht:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1, 14)

Es ist aber eine Gnade, die keineswegs allgemein akzeptiert, sondern - wie von heutigen Atheisten und Andersgläubigen - von Einigen rundweg abgelehnt wurde, wozu der Evangelist anmerkt: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden .“ (Joh. 1, 11 f., mit den „Seinen“ ist wohl ein Großteil von Jesu jüdischen Landsleuten gemeint). Jesus, Gottes Sohn, ist das Licht, das in der Finsternis aufleuchtete, aber „die Finsternis hat es nicht erfasst“ (1, 5).

Jesus versteht sich als Verkörperung der Liebe Gottes zur Welt und zu allen Menschen. Dergestalt fühlt er sich berufen, das Liebesgebot auf alle Formen der Liebe auszudehnen, d.h. nicht nur auf Eros und Sexus zu beziehen, sondern auch auf Agape (bzw. , caritas’, die selbstlose, nicht-erotische Nächsten- und Feindesliebe, darüber hinaus: die kosmische Liebe zu allen Wesen). Damit geht Jesus weit über das bereits alttestamentarisch, nämlich bei Moses, bezeugte Gebot der Nächstenliebe hinaus. Was Paulus im Römerbrief veranlasste, die Nächstenliebe zum Inbegriff der mosaischen Zehn Gebote und jeglicher Gesetzes-Erfüllung zu erklären, und zwar in dem Satz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Röm. 13,9), so dass auch die opferbereite Agape nicht Vernachlässigung der eigenen Person bedeutet. Außerdem ist unübersehbar, dass in der Feindesliebe auch der „Feind“ zum Nächsten, die Nächstenliebe zur Fernstenliebe wird.

Insgesamt gesehen gehören Bergpredigt und Vaterunser sicherlich zu den Grundlagen des Neuen Bundes der Freiheit vom Gesetz , den Jesus den Seinen verspricht. Mit ihm will er den Alten Bund ersetzen, den Gott einst mit Moses - Moses mit Gott - geschlossen hatte. Den Neuen Bund bietet Jesus allen Menschen an, und zwar anlässlich des letzten Abendmahls vor seinem Kreuzestod. Er identifiziert diesen Bund mit dem symbolischen Kelch seines Blutes, den er den Jüngern darreicht. Besiegelt wird der Bund in Christi Auferstehung und in seinem Missionsauftrag („Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!“)51

Mohammed

Der Islam gilt gemeinhin als eine „Buchreligion“, weil diese gänzlich auf dem Koran beruhe. Dieser Auffassung widerspricht der Philosophie-Professor Milad Karimi und beruft sich dabei auf die göttliche Ur-Inspiration des Propheten Mohammed (ca. 570-632 n. Chr.) mitten in der Wildnis: „Was tat Mohammed? Er stieg auf einen Berg, hielt sich in einer Höhle/Grab auf, in völliger Dunkelheit. Und Gott durchbricht diese Dunkelheit. Es ist möglich, die Gegenwart Gottes in der Welt zu erleben, an der Grenze des Todes, in der äußersten Möglichkeit des Inder-Welt-Seins. Und Gott erobert das Herz (es geht nicht um ein Buch, nicht um eine Schrift).“52 Worum geht es dann? Nun, wenn Gott das Herz ergreift, geht es um viel mehr als um die Worte des Korans. Gott (=Allah) ergreift den ganzen Menschen. Der Koran entsteht in einer bestimmten geschichtlichen Situation und „spricht zu ganz bestimmten Menschen in einer ganz bestimmten Zeit.“ (ebd.). Aber er geht nicht in dieser Realität auf, lässt sich nicht auf sie reduzieren, sondern zielt eindeutig auf das (überzeitliche?) Ganze des Mensch-Seins. Und entscheidend ist nicht der Buchstabe, sondern der Geist der Schrift (wie auch Thomas Münzer immer wieder betonte).

Im Unterschied zum Christentum kennt der Islam aber keine Menschwerdung Gottes. Mohammed beruft sich zwar nicht nur auf Abraham, sondern ausdrücklich auch auf Jesus, dessen „Gute Botschaft“ Gott in ihm, Mohammed, „erfüllt“ habe53 ; doch er lehnt sowohl Jesu Göttlichkeit als auch dessen Erlöser-Rolle strikt ab. (Was widersprüchlich erscheinen mag, denn Letzteres gehört zweifellos auch zur „Guten Botschaft“ Jesu.)

Mit schwerwiegenden Folgen für den Islam. Dieser bedeutet ja im ursprünglichen Wortsinn so viel wie „völlige Hingabe an Gott und seinen Willen“ und darüber hinaus, ähnlich wie das hebräische ,Shalom‘: „Frieden im Sinne eines allumfassenden Heilseins“, d.h. nicht mehr nur eine bestimmte Religionsgemeinschaft, sondern „den Kern wahrer Religiosität schlechthin“ (Priesmeier a.a.O. S. 1).54

Martin Luther (1483-1546)

Was Luther unter Freiheit versteht, hat er in zwei Schriften niedergelegt, die seinerzeit oft und gern gelesen wurden, nämlich in 1. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, erschienen im Jahre 1520 als Reaktion auf eine kaiserliche Bannbulle, und in 2. „Vom unfreien Willen“ (,De servo arbitrio’, wörtlich: ,Vom Willen als Diener’, verfasst ca. 1525 als Antwort auf die Streitschrift ,De libero arbitrio...’, ,Vom freien Willen...‘, des Erasmus von Rotterdam). Was Luther über das Gewissen geäußert hat, gilt teilweise und sinngemäß auch für das Freiheitsproblem. Demnach ist der Mensch frei und unfrei zugleich. Frei - in gewissen Grenzen - gegenüber den Mitmenschen, unfrei jedoch in seiner Beziehung zu Gott.

Um diese Thesen zu begründen, bemüht Luther sich um eingehende Analysen der Natur des Christenmenschen. Diese teilt er in zwei strikt von einander getrennte, völlig unterschiedliche Naturen auf, die leibliche und die seelische. Leiblich, also in Fleisch und Blut, teilt der Christ das Schicksal aller Menschen: äußerlich, sündig und sterblich zu sein. Seelisch aber ist er ein völlig anderer, nämlich ein „geistlicher, neuer, innerlicher Mensch“55, falls er sich durch das Wort Gottes leiten lässt. Damit nennt Luther zugleich die Voraussetzung für die Rechtfertigung des Menschen einzig und allein aus Gnade (,sola gratia’) und aus dem Glauben (,sola fide‘).Hierauf beruht jegliche Frömmigkeit - aber auch jegliche Freiheit des Christenmenschen. Es ist in erster Linie Freiheit als „Freiheit vom religiösen Leistungszwang“56 ; das Seelenheil hängt nicht von den guten Werken ab.

Nichtsdestoweniger ergibt sich hieraus ein neues Problem. Ist der Mensch nicht zu völliger Passivität, zum Nichtstun, verurteilt, „wenn nur der Glaube fromm macht und die Werke nichts zur Gnade beitragen“ (ebd.)? Um dieses Problem zu lösen, unterteilt Luther die Sphäre des Menschen erneut, und zwar a) in dessen Verhältnis zur eigenen Leiblichkeit, insbesondere hinsichtlich der Zusammenhänge von Leib, Arbeit und Seelenheil, und b) die Frage der Mitmenschlichkeit, insbesondere im Hinblick auf Gott, die guten Werke und die Nächstenliebe.

Neu bestimmt hat Luther auch das Verhältnis von Kirche und Staat, und zwar in seiner „Zwei-Regimenten-Lehre“ (auch „Zwei-Reiche-Lehre“ genannt), die er 1523 dargelegt hat in seiner Schrift „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“. Darin empfiehlt er eine neue Gewalten-Teilung, durch die verhindert werden soll, dass Kirche und Staat sich wechselseitig in die innere und äußere Angelegenheiten einmischen. „Das weltliche und das geistliche Regiment, haben, so Luther ..., sowohl verschiedenen Regenten als auch verschiedene Aufgaben und Ziele als auch verschiedene Mittel und Methoden der Wirksamkeit.“ (Zit. a.a.O. S. 6.) - Nichtsdestoweniger gehören Christenmenschen beiden Reichen an, in denen sie sich relativ frei bewegen können, stets jedoch unter der unabdingbaren Voraussetzung, dass sie am christlichen Glauben an Gott festhalten.

Die Zwei-Reiche-Lehre ist später - insbesondere im lutheranischen Protestantismus - häufig missverstanden worden, nämlich als Freibrief für jegliche Obrigkeit. Dies im Gegensatz zu Luther selbst, der betont hatte, dass weltliche Herrscher nicht weniger Gott gegenüber verantwortlich seien als kirchliche Amtsinhaber.

Luther-Kritik

Durch seinen Buchstaben-Glauben, die allzu enge Anbindung an den Wortlaut der Bibel, gerät Luther in schwerwiegende Konflikte zwischen unterschiedlichen Prinzipien und Beurteilungskriterien, die in der Heiligen Schrift zu finden sind. Er entwickelt einen widersprüchlichen Freiheitsbegriff, durch den er den freien Willen des Menschen fast vollständig negiert. Freiheit schlägt bei ihm immer wieder in Unfreiheit, Unterdrückung und Passivität um. Patriarchat und Menschenwürde, die Gleichheit aller Menschen vor Gott, passen nicht zusammen. Frauenverachtung und -herabsetzung ist eine der Folgen.

Für die Rolle eines Teils der jüdischen Oberschicht bei der Verurteilung und Hinrichtung Jesu macht Luther alle Juden verantwortlich - mit grauenhaften Konsequenzen. - Im Konflikt zwischen herrschenden Adligen und leibeigenen Bauern schlägt er sich auf die Seite der Herrschenden - und verstößt damit nicht nur gegen das Prinzip der gleichen Würde aller Menschen, sondern auch gegen das Gebot der Nächsten- und Fernstenliebe.

Nicht mehr akzeptabel ist jedenfalls Luthers Menschenbild. Es trifft einfach nicht zu, dass der Mensch von Natur aus böse ist, wie Luther im Anschluss an 1. Mose 8, 21 behauptet, wo es heißt, die Bestrebungen des Menschen seien „böse von Jugend an“. Evolutionsgeschichtlich hat sich nämlich das Gegenteil herausgestellt: Menschen sind durchaus in der Lage, Verbesserungen herbeizuführen, zumal dann, wenn sie untereinander nicht nur konkurrieren, sondern sinnvoll zusammenarbeiten.

Welche Folgen diese Erkenntnis für Luthers Lehre, insbesondere die Gnadenlehre, hat, scheint kaum absehbar. Ohne gute Taten gibt es anscheinend keinen Fortschritt in der Menschheitsgeschichte. Ob davon das Seelenheil der Menschen abhängt, ist kaum überprüfbar. Festzuhalten bleibt wohl, dass hinsichtlich des Menschenbildes nicht die pessimistischen Auffassungen von Moses, Paulus, Augustin und Luther als wertvoll gelten können, wohl aber die entsprechenden Lehren u.a. von Aristoteles und Thomas von Aquin, denen sich im 18. Jahrhundert u.a. Jean-Jacques Rousseau angeschlossen hat.57

Johannes Calvin (Jean Caulvin, 1509-64)

Der Prädestination widmet Calvin nur rund 50 Seiten seines Hauptwerks , Institutio...‘ (,Unterricht in der christlichen Religion’ von 1536/59, III. Buch, Kap. 21-24). Davon enthalten 30 Seiten eine Erläuterung bzw. Rechtfertigung eigener Gedanken, so dass Jochen Denker zu dem Schluss kommt, Calvin habe der Prädestination gar keine besondere Bedeu- 58

tung zugemessen.58

Als Grundlagen seiner Abhandlung wählt Calvin einige Bibelstellen, darunter die folgende, aus dem Römerbrief stammende, in der Paulus sich auf Mose bezieht: „Denn er spricht zu Mose: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich.“ (Röm. 8, 15). Daher komme es nicht auf das Wollen und das Tun des Menschen, sondern allein auf Gottes Gnade an. Ohne weiteres verbindet Calvin folglich den alttestamentarischen Hinweis mit der christlichen Gnadenlehre, indem er frei übersetzt: „In dieser Zeit werden die übrigen selig werden nach der Wahl der Gnade. Ist’s aber aus Gnaden, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein.“ (Röm. 11. 5 f.).

Wer nun aber durch diese „Wahl“ zum Erwählten wird, darüber gebe es in der Bibel keine Auskunft; es sei und bleibe Gottes Geheimnis, wen er zum ewigen Heil bestimmt und wen zur ewigen Verdammnis. Für Calvin ist das Grund genug, an der „doppelten Prädestination“ (zum Heil oder aber zur Verdammnis) festzuhalten, wobei er den Begriff Prädestination zuweilen auch durch Vorbestimmung’, ,Vorherbestimmung‘ oder ,Erwählung‘ ersetzt. Völlig abwegig sei es, Gott wegen solch offensichtlicher Willkür anzuklagen, denn niemand dürfe mit Gott „rechten“ (wie es in Röm. 9, 20 heißt).59

Was die Calvinisten, insbesondere nach dem Tod ihres Meisters, aus dessen Lehre gemacht haben, steht auf einem anderen Blatt. Sie empfanden die Ungewissheit über die „Vorherbestimmung“ mehr und mehr als quälende Last, zumal ihr Lehr- und Zuchtmeister sie auf eine strenge Arbeitsethik und weitgehenden Konsum- und Triebverzicht verpflichtet hatte. Sie fragten sich, welchen Wert alle Plackerei und aller Verzicht haben sollte, wenn beides doch nicht das Seelenheil zu garantieren vermochte. Den Ausweg, den sie fanden, umschreibt Achim Dethmers wie folgt: „Die Calvinisten werden ... ihr ganzes Leben lang von Ungewißheit gequält, ob sie nun erwählt sind, oder nicht. Sie versuchen demzufolge, sich an irgend etwas in ihrem irdischen Leben zu klammern, was einen Hinweis auf Erwähltheit bietet. Da Arbeit das gottgefällige Werk an sich ist und sich abrackern, ohne sich über das Notwendigste hinaus materielle Annehmlichkeiten zu gönnen, erst Reichtum schafft, ist klar, dass Reichtum, der sinnlich nicht genossen werden darf, dieses Kriterium der Erwähltheit wird. Wer also durch Arbeitsausübung sichtbaren Erfolg in der Welt hat ..., der hat damit, trotzdem er die Erwähltheit nicht erzwingen kann, einen Hinweis auf seine Erwähltheit.“60 Und dies sei sogar entscheidend wichtig gewesen für die Entwicklung (den rasanten „take off“) des Kapitalismus seit der Neuzeit (ebd.).

Calvin-Kritik

Wohin ein fanatischer Buchstaben-Glaube führen kann, ist auch an Calvins Haltung zu den Hexenverfolgungen seiner Zeit zu erkennen. Wörtlich befolgt er eine Aufforderung in 2. Mose 22, 17, wonach man eine Hexe „nicht am Leben lassen soll“ und befürwortet daher die Hexenverfolgung, der immer wieder Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Wer gegen Hexenprozesse und -hinrichtungen protestiert, sei ein „Verächter des göttlichen Wortes“ und müsse in die Verbannung geschickt werden.61

Davon abgesehen ist Calvins Lehrgebäude äußerst weitläufig und folgenreich. Es steht und fällt mit seinem Gottesbegriff. Dieser ist trinitarisch, theistisch und panentheistisch zugleich; mit anderen Worten: Für unumstößlich verbindlich und absolut wahr hält Calvin die Existenz des dreieinigen Schöpfergottes, der im ganzen Universum mit seiner Allmacht und Allgüte präsent sei und allen Menschen seine Gnade anbiete. Diese Glaubensinhalte versucht Calvin durch einen kosmologischen Gottesbeweis zu untermauern, wonach die Allmacht Gottes schon in jedem Naturvorgang erkennbar sei.

Diesen Beweis hat Kant widerlegt. Die Existenz Gottes ist nicht beweisbar, so dass es eigentlich keine Theokratie, keine nur religiös begründete Ausübung von Macht und Herrschaft geben dürfte. Diesem Verdikt (dieser Zurückweisung) unterliegt auch die Prädestinationslehre samt ihrer missverstandenen Weiterungen zu einer „protestantisch-kapitalistischen Ethik“. Calvins politische Machtansprüche sind ebenso hinfällig wie seine für absolut verbindlich erklärten ethischen Maßstäbe und Wertungen einschließlich seiner „Wirtschaftsethik“. Ohnehin kann es die von Calvin beschworene Wahrung des Gemeinwohls nicht geben, wenn die Menschenwürde nicht als einer der obersten Werte überhaupt anerkannt, sondern mit Füßen getreten wird, wie es Calvins kriminelle Übergriffe gegen „Hexen“ und Andersgläubige offenbaren.

Hiergegen mag nun eingewendet werden, dass Calvins Lehre nicht philosophisch oder wissenschaftlich, sondern rein theologisch bedingt sei. Calvins Lehre beschränkt sich jedoch nicht auf nur Religiöses, sondern beansprucht die gesamte Wirklichkeit und die gesamte menschliche Person („le volume total de l’homme“, den Gesamtumfang des Menschen, wie Emmanuel Mounier es einmal ausgedrückt hat). Bei Calvin ist dieser Anspruch aber durch und durch fundamentalistisch und totalitär. Da Calvin diesen Anspruch u.a. durch seine „Kirchenzucht“ konkretisiert, sieht ein Kritiker wie Achim Detmers sich veranlasst, „dieses Motiv der Reinhaltung“ sogar als „ein eindeutig faschistisches Motiv“ aufzufassen (a.a.O.). Deshalb sollten vielleicht beim Namen Johann Calvin nicht die Kirchenglocken läuten, sondern die Alarmsirenen aufheulen. Jedenfalls geht ein solcher Fundamentalismus jeden Theoretiker der politischen Philosophie, aber auch jeden Humanwissenschaftler unmittelbar an. Gesinnungsterror und Menschenverachtung - wie Calvin sie schamlos betrieben hat - sind unerträglich und müssen bekämpft werden.62

Ignatius von Loyola (1491-1556)

Unter der Oberaufsicht des Papstes bündelt die katholische Kirche im Konzil von Trient (1545-1563) verbindliche Richtlinien, mit denen sie sich deutlich von den Spielarten der protestantischen Reformation abgrenzt. Demnach ist für Katholiken nicht, wie bei Luther, der Glaube allein maßgeblich, sondern ebenso die kirchliche Tradition, so dass u.a. das Papsttum, der Zölibat, die Siebenzahl der Sakramente und die besondere Marienverehrung erneut aufgewertet werden.

Theoretische und praktische Grundlagen für diese Neuordnung hat Ignatius von Loyola geschaffen, und zwar sowohl innerlich als auch äußerlich. Innerlich, d.h. vor allem psychologisch, durch seine 1548 erschienenen , Geistlichen Übungen ‘ (Exerzitien); äußerlich, d.h. vor allem politisch-sozial, durch den ab 1534 gegründeten Jesuitenorden, die ,Societas Iesu‘ (Gesellschaft Jesu). Eine Brücke zwischen dem Innerlichen und dem Äußerlichen bildet eine umfassende Pädagogik und Didaktik, mit der die Jesuiten sich nicht nur auf die ,Geistlichen Übungen‘, sondern auch auf ein bestens organisiertes Schul- und Missionswesen stützen, und zwar stets „zur Ehre Gottes“, d.h. in völliger Unterwerfung unter Papst und Kirche.

Bei den ,Geistlichen Übungen’ geht es im Wesentlichen um Folgendes: Der/die Übende (,Exerzitant‘) soll sich zunächst ganz der Gnade Gottes anvertrauen, als Vorbereitung auf die

„Unterscheidung der Geister“, eine Phase der Selbstprüfung, die dazu dienen soll, die eigenen Stimmungen und Gefühle (Seelenzustände) darauf hin zu überprüfen, ob sie dem christlichen Glauben entsprechen können oder nicht. Danach erst können existentiell wichtige Entscheidungen für das eigene Leben getroffen werden, und zwar nunmehr auf Grund verstandesmäßiger Prüfung, so dass sich Verstand und Gefühl in Einklang bringen lassen.

In den „Geistlichen Übungen“ hat Ignatius von Loyola in mancher Hinsicht die Erkenntnisse eines Sigmund Freud vorweggenommen bzw. vorbereitet. So in der Forderung, die Gefühle durch den Verstand bewusst zu machen und möglichst zu beherrschen. Genau dies halten einige „moderne“ Hirnforscher für ausgeschlossen, mit der Begründung, unser Verstand sei bei unseren persönlichen Entscheidungen machtlos, da diese ausnahmslos vom Unterbewusstsein getroffen würden. Was sich allerdings als unzutreffend herausgestellt hat, wie in zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema nachzulesen ist. Schon Benjamin Libet, einer der Pioniere auf seinem Gebiet, räumte ein, dass unser Verstand sogar bei unmittelbaren, spontan zu treffenden Entscheidungen ein Wörtchen mitzureden hat.

Solchen Zusammenhängen zwischen Bewusstem und Unbewusstem ist Ignatius von Loyola bereits in erstaunlicher Manier auf die Spur gekommen. Er weiß sehr wohl, dass Menschen existentielle Entscheidungen zu treffen haben und treffen wollen, und nennt als Voraussetzung hierfür die Abwesenheit von „Trostlosigkeit“, d.h. von depressiver Gestimmtheit. Dazu bedarf es der Selbstbeobachtung, der Bewusstmachung des eigenen Seelenzustands.

Ignatius weiß natürlich auch, dass weder die Seelenzustände des Menschen noch sein Gewissen dauerhaft verlässliche Ratgeber sind. Wie sehr Menschen seelisch verletzlich und zu verunsichern sind, macht Ignatius seinen „Übenden“ genau bewusst. Und er nennt sogleich das Heilmittel, das den Menschen mit Sicherheit davor bewahren könne, in der Verzweiflung unterzugehen: den christlichen Glauben und seine Vermittler in der katholischen Kirche.

Heiligen solche Zwecke aber wirklich die Mittel - wie die Jesuiten es behaupten? Wohl kaum, wenn die Mittel hauptsächlich in psychologischer Raffinesse und Überredungskunst bestehen und die Zwecke vor allem darin, Menschen einem weitgehend undemokratischen, quasi monarchisch geführten Machtapparat mit universalem, absolutistischem Herrschaftsanspruch zu unterwerfen. Umso mehr müssen die keineswegs nur positiven Aspekte dieser Konfession (wie die jeder anderen!) immer wieder überprüft und öffentlich diskutiert werden, und, wenn nötig, auch mit der entsprechenden politischen Konsequenz, wie z.B. der

Entflechtung (Trennung) von Staat und Kirche, wie sie z.B. Frankreich im Jahre 1905 vollzogen hat.63

Leonardo Boff (geb. 1938)

In seinem 1971 erschienenen grundlegenden Werk Jane Theologie der Befreiung ‘ begründet Gustavo Gutiérrez seine lateinamerikanische Synthese von Christentum und Sozialismus u.a. an Hand eines erweiterten Sünden-Begriffs. „Strukturelle Sünde“ nennt er die im Kapitalismus ständig wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen. Die Befreiung von dieser Sünde hält er für „die notwendige Bedingung für die Realisierung der Gerechtigkeit in der Welt“.64 65 Demgemäß sehen Leonardo Boff und Jon Sobrino in Jesus den „Befreier ..., der mit dem Reich Gottes die strukturelle Revolution und Umwandlung der sozialen und politischen Verhältnisse verkündigt“, wobei sie überzeugt sind, dass das Reich Gottes durch die geschichtlichen Befreiungserfolge allmählich verwirklicht werde (ebd.).

Theorie und Praxis der neuen Befreiungstheologie führen allerdings zum Konflikt mit dem Vatikan, dessen Glaubenskongregation in den 1980er Jahren Joseph Kardinal Ratzinger vorsitzt. Exemplarisch lässt sich hierzu der Fall des Theologen, Philosophen und zeitweiligen Franziskanermönchs Leonardo Boff heranziehen. Ausgangspunkt des Streits mit Ratzinger ist Boffs grundlegendes Werk , Kirche: Charisma und Macht ‘ aus dem Jahre 1981.65 Gestützt auf eine Rezension des Theologieprofessors Urbano Zilles kritisiert Ratzinger heftig Boffs Arbeit. Die von ihm „ Beanstandeten Seiten ‘ dieser Arbeit sind in einer von der Brasilianischen Bewegung für Menschenrechte herausgegebenen Dokumentation nachzulesen.66 Im Wesentlichen erklärt Boff darin Folgendes:

1. Die christologische Begründung des Absolutheitsanspruchs der Katholischen Kirche sei biblisch nicht belegbar (a.a.O. S. 207).

2. Ihre Macht und Machtausübung leite die Katholische Kirche nicht nur direkt von Christus ab, sondern auch aus einer früh einsetzenden „Verweltlichung“, auf Grund derer der „römische und feudale Stil der Machtausübung“ die Katholische Kirche geprägt habe. Und dies sei „eine der Hauptursachen für die Konflikte mit unserem Bewußtsein von den Menschenrechten“ (ebd. S. 187).

3. „Die Freiheit zu divergierendem Denken“ werde in der Katholischen Kirche unterdrückt (ebd. S. 189).

4. Im Protestantismus sei eine „neue Kirche“ entstanden, die als einzige „die Möglichkeit zu echter Kreativität und Freiheit gegenüber der Macht“ biete. (S. 193, Hervorhebung K.R.)

Dass Leonardo Boff sich damit in zentralen Punkten den Lehrmeinungen des Vatikans widersetzt, ist unverkennbar. Ratzingers Reaktion erscheint daher geradezu unvermeidlich. Im Jahre 1985 verhängt der Vatikan auf Betreiben Ratzingers eine Disziplinarstrafe über Boff: ein Verbot von Lehre, Vortrag und Veröffentlichungen im Rahmen eines sogenannten „Bußschweigens“ (das allerdings schon im Jahre 1986 vorzeitig aufgehoben wird). Wenig später erfolgt jedoch ein erneutes Lehrverbot. Daraufhin tritt Boff aus dem Franziskanerorden aus, legt sein Priesteramt nieder, heiratet und lehrt danach ohne kirchlichen Auftrag an der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro als Professor für Ethik und Religionswissenschaft.

Schon im Jahre 1984 hatte Ratzinger die Theologie der Befreiung als Ganze im Namen des Papstes Woytila (Johannes Paul II.) offiziell verurteilt, und zwar in der „Instruktion LIBERTATIS NUNTIUS über einige Aspekte der >Theologie der Befreiung<“. Ausführlich kritisiert Ratzinger darin deren Anleihen beim Marxismus, u.a. mit der Behauptung, „im Zentrum der marxistischen Konzeption“ stünden „der Atheismus und die Negation der menschlichen Person, ihrer Freiheit und ihrer Rechte“ (Abs. 9). Dass dies nicht zutrifft, ist schon daran zu erkennen, dass Marx ganz andere Probleme vorrangig behandelt, nämlich z.B. die kapitalistische Warenproduktion und die Entfremdung des Menschen im Kapitalismus. Die Entfremdungstheorie bildet den humanistischen Kern der Marxschen Lehren. Nicht Marx negiert die Freiheit der Person, sondern die kapitalistische Entfremdung. Wer diesen humanistischen Kern des Marxismus verkennt, kann auch der Theologie der Befreiung nicht gerecht werden.

Ungeachtet der päpstlichen Verurteilung hat die lateinamerikanische Bewegung in der gesamten Dritten Welt starken Widerhall gefunden. In politisch, philosophisch und religiös interessierten Kreisen der hochentwickelten Länder war diese Resonanz besonders stark in den 1970er und ‘80er Jahren. Dass sich dies inzwischen geändert hat, erklärt Leonardo Boff in einem 2013 in der Schweiz gehaltenen Vortrag vor allem mit dem Vordringen des neoliberalen Wirtschaftssystems. Da die Befreiungstheologie sich diesem Trend widersetze, solle sie nunmehr „unsichtbar gemacht werden“.67 Das Medienecho falle inzwischen nur noch spärlich aus, weil die Befreiungstheologen ihren Widerstand und ihre Alternativen „heute weniger polemisch“ vortrügen (ebd.). Zu wachsendem Desinteresse habe auch der Nieder- und Untergang des Staatssozialismus in Osteuropa beigetragen.

Trotzdem zeigt Boff sich nicht pessimistisch, im Gegenteil. Als überaus ermutigend wertet er u.a. die Tatsache, dass in Lateinamerika inzwischen sogar konservative geistliche Würdenträger die „Option für die Armen“ übernommen hätten (ebd.). Aus einer religiös-sozialpolitischen Bewegung sei sogar eine allgemein-kulturpolitische geworden.

Große Hoffnungen setzt Boff auf Papst Franziskus, der bestrebt sei, die „Kirche der Armen“ neu zu beleben. Auf die Frage, ob Franziskus dabei auch die Befreiungstheologie erneuern werde, antwortet Boff:

„Rom hat entschieden, dass die Befreiungstheologie kein polemisches Thema mehr sein soll. Deswegen ist sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Doch dies bedeutet nicht, dass sie nicht existiert. Sie ist noch da und lebt weiter. Und jetzt mit diesem Papst wird sie wieder sichtbar. Früher galt Befreiungstheologie als marxistisch, heute ist sie katholisch. Das verändert die Atmosphäre in der Kirche.“68

Inwieweit Boff sich bei diesen Formulierungen von taktischem Gespür hat leiten lassen, mag dahingestellt bleiben. Auch mag die Rückwendung (?) des einstigen Papstkritikers zum „Katholischen“ Verwunderung auslösen, nicht jedoch, wenn man bedenkt, was „katholisch“ ursprünglich bedeutet, nämlich: „das Ganze, alle Menschen betreffend“. Auch in diesem universalen Anliegen berühren sich Marxismus und Christentum. (Wobei allerdings zu beachten ist, dass „das Ganze“ inzwischen nicht mehr überschaubar ist, und zwar weder in wissenschaftlicher noch in philosophischer Analyse.)69

Ergänzend kann die folgende Verlautbarung zu Boffs Lehre angeführt werden, die bei Wikipedia zu finden ist:

„Politische Ansichten

Boff steht der weltlichen Macht kritisch gegenüber, ebenso wie der US-amerikanischen Außenpolitik. Er lehnte den Irakkrieg ab und vertrat die Ansicht, dass die Führung von George W. Bush und Ariel Sharon der von „fundamentalistischen Terroristenstaaten“ ähnelt. Er kritisiert auch despotische Herrscher im Nahen Osten und sagt: „Diese [Emire und Könige] sind despotisch, sie haben nicht einmal eine Verfassung. Obwohl sie extrem reich sind, halten sie das Volk in Armut.“[5] Ökologie

Für Leonardo Boff ist Franz von Assisi der „westliche Archetyp des ökologischen Menschen“, in dem sich die „Summe aller ökologischen Kardinaltugenden“ verwirk- liche.[6]

In seiner Rede auf dem dritten Weltforum für Theologie und Befreiung in Belem im Januar 2009 bekannte sich Leonardo Boff zur Gaia-Hypothese des Wissenschaftlers James Lovelock, der behauptet, dass die Erde wie ein selbstregulierender Superorganismus funktioniert. „Ökologie muss nicht als ein technisches Verfahren zur Verwaltung von Ressourcen verstanden werden, sondern als eine Kunst, ein neues Paradigma für die Beziehung der Menschen zur Erde und zur Natur“, sagte Leonardo Boff. „Andernfalls wird die Erde weitergehen, aber ohne uns, ohne Menschen“. 2010 lehnte er, wie viele andere Persönlichkeiten auch, den Belo Monte-Staudamm öffentlich ab.

Spiritualität

Boff beschreibt die Sehnsucht als eine „anthropologische Grundausstattung“ des Menschen, die darauf abzielt, die Begrenzungen der menschlichen Existenz zu überwinden und nach Fülle und Ganzheit zu streben.[7] In seinem Buch "Sehnsucht nach dem Unendlichen" betont er, dass diese Sehnsucht nicht auf ein Jenseits gerichtet ist, sondern vielmehr ein „Prinzip Hoffnung“ für das Diesseits darstellt. Sie ermächtigt den Menschen, sich auf eine bessere Zukunft zu konzentrieren und die Beschränkungen der Gegenwart zu überwinden. Boff verbindet diese Sehnsucht mit einer Spiritualität, die auf Erfahrung und Transzendenz fußt.[8]“70

2. „Kriegskünstler“

Um 1519 verfasste Niccolò Machiavelli (1469-1527) seine literarisch-militärische Abhandlung Jkll'Arle della Guerra’ (Von der Kriegskunst), die er selbst für eine seiner wichtigsten hielt. Zu beachten ist, dass ,arte‘ im Italienischen auch ,Handwerk, Werk, Arbeit und Geschicklichkeit‘ bedeuten kann. Es geht Machiavelli also nicht um „brotlose Kunst“, sondern um das Kriegshandwerk als solches, mithin um „handfeste“ Arbeit.

„Inhaltlich findet sich hier eine harsche Kritik an der politischen und militärischen Führung in Italien. Machiavelli fordert in seiner Schrift Veränderungen in der Struktur des italienischen Militärs, um etwa die Effizienz zu steigern und die verloren gegangene Moral wieder zu beleben. ...

Als Vorbild stellt Machiavelli dagegen das römische Militär vor. In detaillierteren Darstellungen wird auf die Organisation, die Ausbildung und Ausrüstung und zahlreiche weitere Aspekte der römischen Militärs eingegangen. So kommen etwa verschiedene Kampfaufstellungen und Strategien, die Struktur von Befestigungsanlagen oder Vorschläge für Übungen der Armee zur Sprache. Außerdem sind in einem Anhang gezeichnete Diagramme zur idealen Aufstellung der Armee in einer Standard-Kampfsituation beigefügt.“71

Als herausragende Gestalt des römischen Militärs gilt nach wie vor:

Julius Cäsar (101-45 v.Chr.),

der nicht nur als Kriegsherr, sondern auch als Autor hervorragender Schriften bekannt geworden ist. Es dürfte kaum Latein-Lernende geben, denen Cäsar nicht begegnet ist, z.B. mit seinem ,De bello gallico’ (Über den gallischen Krieg).

Microsoft-Copilot habe ich am 24.11.2025 die Frage vorgelegt:

„Worin bestand Cäsars Kriegskunst?“ Copilots

„Kurzantwort: Cäsars Kriegskunst beruhte auf schneller, flexibler Manövrierfähigkeit, strenger Disziplin, überlegener Logistik und ausgefeilter Belagerungs- und Ingenieurstechnik, ergänzt durch gezielte Propaganda und persönliche Führungsstärke. Diese Kombination machte ihn zu einem der erfolgreichsten Feldherren der Antike.

Kernprinzipien

Cäsar setzte auf Tempo und Initiative: schnelle Märsche, überraschende Angriffe und die Fähigkeit, rasch die taktische Lage zu verändern, um Gegner zu überrumpeln. Er verband klassische römische Legionstaktik mit improvisierter Nutzung von Hilfstruppen und Kavallerie, je nach Bedarf. Seine Berichte in den Commentarii zeigen, wie er Operationen systematisch plante und zugleich flexibel ausführte.

Taktik und operative Kunst

Auf der taktischen Ebene nutzte Cäsar konzentrierte Infanterieangriffe, flankierende Bewegungen und lokale Überlegenheit an kritischen Punkten. Operativ war er Meister der Umfassung und Einkesselung: Belagerungen und doppelte Befestigungswerke (Einschlie- ßungs- und Gegenbefestigungen) sind typische Beispiele seiner Methode, Gegner zu isolieren und Entsatzversuche zu neutralisieren. Diese Kombination aus Feldschlacht und Belagerungstechnik prägte besonders die Gallischen Kriege.

Logistik, Ingenieurwesen und Organisation

Ein zentraler, oft unterschätzter Aspekt war Cäsars Logistik und Ingenieurwesen: rascher Brückenbau, Befestigungsanlagen, Straßenerschließung und Versorgungssicherung ermöglichten lange Feldzüge weit von römischen Versorgungszentren. Seine Truppen konnten dadurch länger operieren und strategische Punkte halten, was ihm operative Freiheit verschaffte.

Führung, Disziplin und Propaganda

Cäsar war nicht nur Taktiker, sondern auch ein charismatischer Führer: persönliche Präsenz, strenge Disziplin und die Fähigkeit, Loyalität zu gewinnen, erhöhten die Kampfkraft seiner Legionen. Gleichzeitig nutzte er seine Schriften als politisches Werkzeug: die Commentarii dienten der Rechtfertigung seiner Handlungen und der Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Rom, wodurch militärischer Erfolg und politischer Aufstieg eng verknüpft wurden.

Bewertung und historischer Stellenwert

Historiker sehen in Cäsar die Synthese bekannter militärischer Elemente zu einer besonders effektiven Praxis: Er perfektionierte vorhandene römische Methoden und setzte sie konsequent und situationsgerecht ein, wodurch die Kriegskunst der Antike einen Höhepunkt erreichte. Klassische Militärhistoriker heben hervor, dass Cäsar in der Anwendung aller Elemente der Feldherrnkunst besonders konsequent und innovativ war. Für die Einordnung des Begriffs „Kriegskunst“ als Theorie und Praxis militärischer Führung verweisen Standardwerke auf die Unterscheidung von Taktik, Operativer Kunst und Strategie, die auch Cäsars Wirken strukturieren hilft.

Wichtig: Tempo, Logistik, Ingenieurwesen, Disziplin und Informationsführung sind die fünf Schlüssel, die Cäsars Erfolge erklären.

Caesars „Commentarii“: Einblicke in die antike römische Taktik die-lateinseite.de

Julius Cäsar - Kriege, die Geschichte schrieben“

Bekanntlich hat es schon zu Cäsars Lebzeiten Kritik an ihm gegeben, und zwar sowohl an seiner Person als auch an seiner Kriegsführung. Es war sein unbändiges Machtstreben, das ihm schließlich zum Verhängnis wurde, als er im Jahre 45 v.Chr. von Senatoren ermordet wurde, die ihm vorwarfen, die Alleinherrschaft an sich gerissen zu haben.

Im Übrigen stellt Copilot zur Kritik an Cäsar fest:

„Kritisiert wurden vor allem die Brutalität seiner Feldzüge, seine Selbstinszenierung als Propagandist, die verfassungswidrige Kriegsführung im Bürgerkrieg, strategische Überdehnung und die ethischen Folgen seiner Eroberungen — diese Einwände ziehen sich durch antike Quellen und moderne Forschung.“ (24.11.2025)

In Gallien sei Cäsar äußerst brutal und rücksichtslos vorgegangen, auch gegen die Zivilbevölkerung: „Massaker, Versklavungen und harte Repression gegen aufständische Stämme gehören zu den Vorwürfen, die schon in populären Darstellungen und Lehrtexten betont werden.“ (Copilot a.a.O.) - Außerdem warf man ihm vor, u.a. in seinen Kriegsberichten (Commentarii) nicht nur sich selbst inszeniert und überhöht, sondern auch die Normen der römischen Republik missachtet zu haben, was zum Bürgerkrieg und zur Zerstörung wichtiger politischer Institutionen geführt habe. Ferner, in Form moralischer und ideengeschichtlicher Einwände: „Historiker diskutieren, ob Cäsars Expansionen als „produktiver Krieg“ zu rechtfertigen sind oder ob sie imperialistische Gewalt und Ausbeutung verschleiern. Einige Arbeiten vergleichen seine Rechtfertigungen mit Theorien, die Krieg als Motor von Staat und Fortschritt sehen, und kritisieren diese utilitaristische Lesart als problematisch.“ (a.a.O.)

Zu Cäsars geschichtlicher Nachwirkung bemerkt Copilot am 24.11.2025:

„Julius Cäsar veränderte Rom dauerhaft: Er beschleunigte das Ende der Republik, legte institutionelle und kulturelle Grundlagen für das Kaiserreich und prägte politische Sprache und Bildmotive bis in die Neuzeit.

Überblick: Politische Zäsur

Cäsar gilt als Schlüsselfigur beim Übergang von Republik zu Monarchie. Seine Machtkonzentration, der Bruch mit republikanischen Normen und seine Ernennung zum Diktator trugen wesentlich zur Auflösung der alten Verfassungsordnung und zur späteren Etablierung des Prinzipats bei.

Territoriale und administrative Nachwirkung

Seine Eroberungen (vor allem Gallien) erweiterten Rom territorial und wirtschaftlich und schufen die Grundlage für eine stärker zentralisierte Verwaltung und Militärorganisation. Die von ihm begonnenen Reformen in Provinzverwaltung, Kolonisierung und Veteranensiedlungen wirkten langfristig in der römischen Staatsstruktur nach.

Kult, Legitimation und Herrscherbild

Aus Cäsars Person entwickelte sich ein Vorbild für kaiserliche Selbstdarstellung und Kultbildung. Der spätere Cäsarenkult und die Idee des Herrschers als quasi-göttliche Autorität haben Wurzeln in der Art, wie Macht und Repräsentation unter Cäsar neu definiert wurden; diese Tradition beeinflusste die römische Kaiserideologie und spätere Herrschaftsformen. Rezeptionsgeschichte und politische Deutungen

Cäsar wurde in späteren Epochen unterschiedlich interpretiert: als Tyrann, Retter oder genialer Reformer. Moderne Historiker und Medien betonen oft seine populistische Mobilisierung, seine Bruchstellen mit Institutionen und die Ambivalenz zwischen Reform und Machtmissbrauch - Debatten, die ihn zu einem Referenzpunkt für Fragen von Populismus und autoritärer Politik machen.

Kulturelles Erbe und Alltagsspuren

Sein Name lebt in Sprache, Kalender und Kultur weiter: Aus dem Familiennamen „Caesar“ entwickelte sich der Titel „Kaiser“, und die von ihm reformierte Jahreszählung (Julianischer Kalender) prägte Zeitrechnung und Verwaltung über Jahrhunderte; außerdem bleibt sein Bild in Literatur, Theater und populärer Kultur präsent.

Wichtige Punkte zusammengefasst: Ende der Republik; institutionelle Vorarbeit für das Kaiserreich; kulturelle und sprachliche Prägung (Cäsar Kaiser, Julianischer Kalender); vielschichtige Rezeptionsgeschichte.

Wikipedia Gaius Iulius Caesar - Wikipedia

signumstore.com Das Erbe Julius Caesars: Einfluss auf die römische Geschichte und ...“

Napoleon Bonaparte (1769-1821)

Friedrich Nietzsche bewundert in Napoleon eine Verkörperung des puren Willens zur Macht. Aber - ähnlich wie bei Cäsar - wird Napoleon genau dies zum Verhängnis. Er überdehnt seinen militärischen bzw. militaristischen Ehrgeiz bis zum vergeblichen Feldzug nach Moskau und wird dann auf dem Rückzug in den Befreiungskriegen entscheidend geschlagen. Mit nur 52 Jahren stirbt er 1821 auf St. Helena, einer abgelegenen Insel im Südatlantik. (Ähnliches wie bei Cäsar und Napoleon ist übrigens bei Hitler zu beobachten: Selbstzerstörung durch größenwahnsinnigen Willen zur Macht! Es gibt also auch falsches Bewusstsein bzw. Verirrung des Bewusstseins.)

Nichtsdestoweniger sind auch Napoleons positive Leistungen zu würdigen. Dazu heißt es in einem Wikipedia-Artikel:

„Durch verschiedene Reformen - etwa die der Justiz durch den Code civil oder die der Verwaltung - hat Napoleon die staatlichen Strukturen Frankreichs bis in die Gegenwart hinein geprägt und die Schaffung eines modernen Zivilrechts in besetzten europäischen Staaten initiiert. Außenpolitisch errang er, gestützt auf die Armee, zeitweise die Herrschaft über weite Teile Kontinentaleuropas. Im Königreich Italien trat er selbst an die Staatsspitze, in anderen Ländern setzte er Familienmitglieder und Vertraute als Monarchen ein. Während es ihm gelang, zeitweise auch Preußen und Österreich in sein Bündnissystem zu zwingen, brachte ihn seine Hegemonialpolitik in einen dauerhaften Konflikt mit Großbritannien und Russland. Durch die von ihm eingeleitete Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 wurde die staatliche Gestaltung Mitteleuropas zu einer zentralen Frage im 19. Jahrhundert. Während er den Nationalstaatsgedanken anfangs selbst noch außerhalb Frankreichs verbreitet hatte, erschwerte gerade dessen Erfolg, insbesondere in Spanien, Deutschland und Russland, die Konsolidierung der napoleonischen Ordnung in Europa.“72

Worin bestand nun Napoleons spezielle Kriegskunst? Copilot teilt dazu am 24.11.2025 mit: „Napoleons Kriegskunst beruhte auf schneller Bewegung, der gezielten Nutzung der Zentralposition und der engen Verzahnung von Infanterie, Kavallerie und Artillerie; sein System aus Corps, Mobilität und Disziplin machte ihn in der Epoche der Linienkriegsführung überaus erfolgreich.

Kernprinzipien

Napoleons strategisches Grundprinzip war Geschwindigkeit und Beweglichkeit: Er suchte die „Zentrale Position“, um feindliche Streitkräfte zu trennen, lokal zu übertreffen und mit konzentrierten Schlägen zu vernichten. Diese Betonung auf Tempo und Überraschung erlaubte ihm, numerisch überlegene Gegner durch geschicktes Manövrieren zu schlagen.

Taktische Methoden

Auf dem Schlachtfeld setzte Napoleon auf intensive Drillausbildung, kurze Feuerphasen, Bajonettstöße und kombinierte Angriffe von Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Die Taktik der napoleonischen Ära war geprägt von schnellen Formationswechseln, gezielten Artilleriefeuerstößen zur Schwächung von Gegnern und anschließenden Durchbruchsangriffen der Infanterie, unterstützt durch Kavallerie zur Ausnutzung von Brüchen.

Operative Innovationen

Operativ führte Napoleon das Korps-System ein: selbständige, kombinierte Verbände mit eigener Artillerie und Kavallerie, die unabhängig operieren, aber schnell zusammenwirken konnten. Das erhöhte die strategische Flexibilität und erlaubte tiefe Vorstöße in feindliches Gebiet sowie rasche Umgruppierungen. Logistik und Marschdisziplin wurden so organisiert, dass Armeen länger und schneller vorstoßen konnten als zuvor.

Beispielhafte Anwendung

Berühmte Siege wie Austerlitz zeigen die praktische Umsetzung: Napoleon zog den Gegner in eine scheinbare Überlegenheit, dehnte dessen Aufstellung und schlug dann gezielt in das geschwächte Zentrum. Solche Manöver basierten auf präziser Aufklärung, Timing und der Fähigkeit, Reserven punktgenau einzusetzen.“

Was bedeutet dies alles nun für Napoleons geschichtliche Nachwirkung? Hierzu Copilot: „Trotz großer Erfolge war Napoleons Kriegskunst an die Technologie und Doktrin ihrer Zeit gebunden; spätere Waffentechnik und veränderte Mobilitätsbedingungen machten einige Methoden weniger effektiv. Sein größtes Vermächtnis ist jedoch die Operative Revolution: die Verbindung von Strategie, Mobilität, kombinierter Waffeneinsatz und organisatorischer Flexibilität, die das moderne Feldheer prägte.“ Und:

„Napoleons wichtigste geschichtliche Nachwirkung liegt in der Modernisierung von Staat, Recht und Verwaltung sowie in der Verbreitung revolutionärer Ideen (Rechtsgleichheit, Meritokratie, Zentralstaat), die Europa nachhaltig umgestalteten und nationale Bewegungen auslösten.

Napoleons Herrschaft brachte tiefgreifende staatliche und administrative Reformen, die viele Regionen Europas dauerhaft veränderten: Gebietsneuordnungen, Zentralisierung der Verwaltung, Reformen im Steuer- und Finanzwesen sowie die Einführung moderner Behördenstrukturen bildeten die Grundlage für leistungsfähigere Nationalstaaten.

Eine der sichtbarsten Errungenschaften ist der Code Napoléon (Code Civil): ein einheitliches Zivilgesetzbuch, das Eigentumsrechte, Vertragsfreiheit und rechtliche Gleichheit vor dem Gesetz kodifizierte und in vielen Ländern als Vorbild diente; seine Prinzipien wirkten weit über Frankreich hinaus und beeinflussten Rechtssysteme weltweit.

Politisch führte Napoleons Expansion zu grundlegenden Umwälzungen in der Staatenordnung Europas: Er löste das Heilige Römische Reich auf, schuf den Rheinbund und veränderte die Landkarte durch Mediatisierung und Säkularisation - Prozesse, die die alte feudale Zersplitterung beendeten und neue politische Konstellationen ermöglichten.

Militärisch und gesellschaftlich förderten die Napoleonischen Kriege Nationalbewusstsein und Reformdruck: Die Besatzung und die Reformen in deutschen, italienischen und polnischen Gebieten weckten nationale Identitäten und zwangen Staaten wie Preußen zu tiefgreifenden Reformen (Heeres-, Bildungs- und Verwaltungsreformen), die später die Voraussetzungen für nationale Einigungsprozesse schufen.

Kulturell und institutionell hinterließ Napoleon ein gemischtes Erbe: Positive Wirkungen sind die Verbreitung moderner Verwaltungspraxis, die Förderung von Meritokratie und die Vereinheitlichung von Recht; negative Folgen sind die Kriegsverwüstungen, die politische Repression in besetzten Gebieten und die langfristige Polarisierung Europas, die in der Restauration und im 19.-Jahrhundert weiterwirkte.

Kurzfristig endete Napoleons Epoche mit dem Wiener Kongress, der die politische Landkarte neu ordnete; langfristig aber blieben seine Reformprinzipien in Gesetzbüchern, Verwaltungsstrukturen und im Denken über Staat und Nation lebendig und prägten die Entstehung moderner europäischer Staaten nachhaltig.

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Maestrovirtuale.com Code Napoléon: Hintergrund, Merkmale, Ziele - Maestrovirtuale.com“

Dwight D. Eisenhower (1890-1979), US-Präsident 1953 bis 1961

Am 25.11.2025 stellte ich Copilot die Frage:

„Worin bestand Dwight D. Eisenhowers Kriegskunst?“

Copilots

„Kurzantwort: Eisenhowers Kriegskunst lag weniger in spektakulären Einzeltakten als in systematischer Planung, Prioritätensetzung und im Führen einer vielgliedrigen Koalition — er verband strategische Zielklarheit mit exzellenter Organisation, Delegation und politischem Feingefühl.

Kernmerkmale seiner Kriegskunst

Strategische Prioritätensetzung. Eisenhower setzte auf klare, erreichbare Ziele und ordnete alle Operationen danach. Diese Fähigkeit, Wichtiges von Dringlichem zu trennen und Ressourcen konsequent zu bündeln, spiegelt sich auch im später nach ihm benannten Eisenhower-Prinzip wider, das Priorisierung und Delegation betont.

Operative Planung und Logistik

Gründliche Vorbereitung und Logistik waren für ihn zentral: er baute detaillierte Operationspläne, koordinierte Nachschub und Zeitpläne und sorgte dafür, dass komplexe Landungsoperationen wie die Invasion in der Normandie durch robuste Logistik und Redundanz abgesichert waren. Sein Stil war präventiv — Risiken wurden erkannt, eingegrenzt und durch Reserven und Alternativpläne kompensiert.

Führung einer multinationalen Koalition

Koalitionsführung und Diplomatie zählen zu seinen stärksten Fähigkeiten. Als Supreme Commander der SHAEF führte er Generäle aus verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen Interessen zusammen, vermittelte zwischen konkurrierenden Ansichten und hielt die Allianz handlungsfähig. Sein Erfolg beruhte auf politischem Feingefühl, Kompromissbereitschaft und der Kunst, Autorität mit Rücksicht zu verbinden.

Delegation und Vertrauen in Untergebene

Eisenhower war kein Mikromanager; er vertraute fähigen Untergebenen (z. B. Montgomery, Patton) und setzte auf klare Auftragsvergabe statt detaillierter Befehle. Das ermöglichte schnelle Entscheidungen auf unteren Ebenen, während er selbst die strategische Übersicht behielt und Konflikte zwischen Kommandeuren moderierte.

Politisch-militärisches Gleichgewicht

Seine Kriegskunst umfasste auch das Abwägen militärischer Ziele gegen politische Konsequenzen: Er vermied riskante Alleingänge, wenn sie die Allianz oder die Nachkriegsordnung gefährdet hätten, und suchte Lösungen, die militärischen Erfolg mit langfristiger Stabilität verbanden.

Fazit: Eisenhowers Stärke war die Verbindung von strategischer Klarheit, logistischer Exzellenz, koalitionsfähiger Führung und der Fähigkeit, Verantwortung zu delegieren. Diese Kombination machte ihn zu einem effektiven Oberbefehlshaber in einem beispiellos komplexen Kriegsumfeld.

In Führung gehen mit Stefan Brandt Eisenhower-Prinzip: Zeitmanagement für neue Führungskräfte

Wikipedia Dwight D. Eisenhower - Wikipedia“

Außerdem stellte ich Copilot die Frage:

„Worin besteht Eisenhowers geschichtliche Nachwirkung?“

Copilots

„Kurzantwort: Eisenhowers Nachwirkung liegt in einer Mischung aus dauerhaften Institutionen, pragmatischer Außenpolitik und prägender Rhetorik: er hinterließ das NATO-System und die Eisenhower-Doktrin, das Interstate-Highway-Netz als Infrastruktur-Erbe und die warnende Formel vom „military-industrial complex“, die bis heute Debatten prägt.

Außenpolitik und Bündnissysteme

Stärkung der westlichen Sicherheitsarchitektur: Als früher Befürworter und Gestalter transatlantischer Zusammenarbeit trug Eisenhower wesentlich zur Konsolidierung von NATO- Strukturen bei; seine militärische Erfahrung und spätere politische Rolle halfen, die Allianz zu stabilisieren und zu professionalisieren. Regionale Interventionen und Doktrinen wie die 1957 formulierte Eisenhower-Doktrin verankerten die Bereitschaft der USA, im Nahen Osten politisch und militärisch einzugreifen, was die US-Außenpolitik im Kalten Krieg prägte.

Infrastruktur und wirtschaftliche Folgen

Interstate Highway System: Die Verabschiedung des Federal-Aid Highway Act (1956) und der Aufbau des Interstate-Netzes zählen zu seinen sichtbarsten Hinterlassenschaften; sie veränderten Mobilität, Handel, Stadt- und Vorortentwicklung und hatten langfristige wirtschaftliche Effekte auf Industrie, Logistik und Raumordnung in den USA.

Militärische und strategische Nachwirkung

Pragmatische Militärpolitik: Eisenhower verband militärische Effizienz mit politischer Zurückhaltung; seine Amtszeit konsolidierte eine nuklear gestützte Abschreckungsdoktrin („New Look“), die die Rolle konventioneller Streitkräfte, Geheimdienste und nuklearer Abschreckung neu austarierte und spätere Strategiedebatten beeinflusste.

Innenpolitik und Gesellschaft

Gemischtes Erbe in Bürgerrechten: Eisenhower unterstützte institutionell die Durchsetzung von Bundesrecht (z. B. Little Rock) und ernannte Richter wie Earl Warren, deren Entscheidungen die Bürgerrechtsbewegung vorantrieben; zugleich wird sein Engagement von Historikern als zurückhaltend und pragmatisch bewertet, nicht als radikal reformorientiert. Rhetorische und normative Nachwirkung

Warnung vor dem Military-Industrial Complex: Seine Abschiedsrede von 1961 prägte eine bis heute zitierte Mahnung vor der Verflechtung von Rüstungsindustrie, Militär und Politik; dieser Satz beeinflusst öffentliche Debatten über Verteidigungshaushalte, Lobbyismus und demokratische Kontrolle der Sicherheitspolitik.

Gesamtbewertung

Langfristig wirkte Eisenhower stabilisierend und institutionenbildend. Sein Stil - pragmatisch, koalitionsfähig, auf Verwaltung und Infrastruktur fokussiert - hinterließ konkrete Strukturen (NATO-Koordination, Interstate System), politische Leitlinien (Eisenhower- Doktrin) und eine prägnante politische Warnung, die das öffentliche Denken über Sicherheit und Macht bis heute mitprägt.

SHAPE 1949-1952: Creating a Command Structure for NATO

Columbia Magazine How Dwight D. Eisenhower Helped Shape NATO While President of Columbia”

Zu beachten ist allerdings, dass Eisenhowers umtriebige Aktivitäten nicht nur positive Folgen gezeitigt haben. Zweifellos trug beispielsweise die ,Eisenhower-Doktrin‘ dazu bei, dass ein George W. Bush seine Kriegsabenteuer (Afghanistan, Irak) starten konnte - mit nachhaltig desaströsen Folgen.

3. Künstler

Giotto (ca. 1266-1337)

(Fast) alles beginnt mit einem Blick - oder mehreren Blicken, die von gemalten Personen ausgehen und dem Betrachter gelten. Ein Ich spricht zum Du - Grundlage eines neuen Personalismus, ja, eines neuen Menschenbildes. Erstmals malt hier einer Personen so, wie sie wirklich aussehen: Ein klarer Bruch mit der mittelalterlich-byzantinischen Tradition der Malerei, in der - in zwei-dimensionaler Darstellung - fast alle Figuren gleich aussehen und gleich groß sind. Anscheinend als erster experimentiert Giotto mit der Perspektive.73 August Buck erörtert folgende Neuerungen: „Das Neue an Giottos Malerei, wie sie in seinen Hauptwerken, den Fresken der Arena-Kapelle in Padua und der thronenden Madonna der Uffizien zum Ausdruck kommt, ist die Übersichtlichkeit der Komposition und die Monumentalität seiner Gestalten, die sich als Menschen an den Betrachter wenden. Während das mittelalterliche Bildnis bis dahin nur mit Gott, nicht aber mit dem Betrachter rechnete, wird dieser jetzt zum erstenmal vom Künstler angesprochen.“74 -

Aufschlussreich und wegweisend scheint außerdem der Hinweis, dass Giotto nicht nur ein engagierter Künstler, sondern auch ein überaus tüchtiger und erfolgreicher Geschäftsmann war: „Er war ein cleverer Geschäftsmann und vermarktete sich als Superstar, der von reichen Bürgern, Königen und Päpsten umschwärmt wurde - während vor ihm Maler als schlichte Handwerker galten und sehr oft anonym blieben.“ (s.o. Fußnote 74)

Giotto repräsentiert ein neues „Persönlichkeitsbewusstsein“ (Buck); sein Mensch ist Person als Ich und Du, er wird Persönlichkeit als aktiver, schöpferisch tätiger Mensch, als ,homo faber‘, der seine Fähigkeiten möglichst allseits entwickelt.

Petrarca (1304-1374)

Francesco Petrarcas erstaunliche Wendung nach innen vollzieht sich während einer Bergwanderung zum Mont Ventoux in der Provence, einer Tour, die er im Jahre 1336 in Begleitung seines Bruders Gherardo unternimmt. Inmitten einer herrlich blühenden Frühlingslandschaft hält der Dichter plötzlich an und wird nachdenklich. Er greift zu seinem Buch der ,Konfessionen‘ des Augustinus, das er mit sich führt. Was er liest, scheint wie auf ihn persönlich zugeschnitten: Die Menschen bewundern alles Mögliche, hohe Berge, Meereswogen, den unendlich weiten Ozean, den noch weiteren Sternenhimmel; aber um sich selbst kümmern sie sich nicht.75 Und Petrarca findet den Satz: „Noli foras ire ...“ (,Geh‘ nicht hinaus, in Dir selbst wohnt die Wahrheit!‘). Von diesem Zeitpunkt an kennt der Dichter keine bessere Beschäftigung als die mit dem eigenen Seelenleben, dem eigenen Ich. Was aber nicht ohne heftige innere Kämpfe und Selbstzweifel vonstatten geht. Geradezu furchterregend werden ihm die eigenen Schwächen bewusst, insbesondere der Hang zum Rückzug von der Welt - 16 Jahre verbringt er in der Waldeinsamkeit von Vaucluse - und sein Schwanken zwischen Sinnenfreuden (zwei uneheliche Kinder!) und frommer Askese. Als Verfehlung, als eines Christenmenschen unwürdige Verirrung, erscheint ihm nachträglich auch die Tatsache, dass er sich in ein poetisches Abenteuer gestürzt hat, indem er für Donna Laura, eine verheiratete Frau, die er nur von flüchtigem Sehen her kennt, 1200 Liebes-Sonette verfasst hat: 600 zu ihren Lebzeiten und 600 nach ihrem Tode.

Und doch nimmt er teilweise das vorweg, was nach 1453 die „eigentliche“ Renaissance auslöst: die Wendung zum Ich und, nicht zuletzt, die Wiederbelebung des Studiums der Antike, so durch die Kommentierung und Herausgabe kaum noch gekannter Texte antiker Autoren wie die des Stoikers Cicero. Sie helfen ihm dabei, einen neuen Humanismus zu begründen. Nicht mehr bestimmen ihn die scholastischen Abstraktionen, sondern poetische Einfühlung, subtile Psychologie, Betonung der Fähigkeiten des Menschen, ohne Leugnung seiner Schwächen. Glück sucht und findet er, im Sinne von Stoikern wie Seneca und Cicero, nicht in Äußerlichkeiten, sondern im Person-Sein des Menschen.

Welche Vielgestalt und Vielseitigkeit dem Renaissance-Menschen des 15. Und 16. Jahrhunderts zur Verfügung stehen wird, lässt sich auch an Hand der Werke von Giovanni Boccaccio (1313-1375) bereits vorausahnen. Humor, Ironie, Phantasie und schier grenzenloser Realismus durchziehen sein Werk, das auch vor der Sexualität nicht haltmacht, dabei jedoch nicht - das seinerzeit weit verbreitete - derbe Sich-Ausleben, sondern feinfühlige Erotik, durchweg in weit gespannten Lebenszusammenhängen, darstellt. In seinem ,Decame- rone‘ und anderen Werken nimmt Boccaccio vieles von dem vorweg, was spätere Universalgenies wie Leon Battista Alberti (1404-72) und Leonardo da Vinci (1452-1519) verkörpert haben. Alberti ist bereits ein echter ,uomo universale’, zumal er außerordentliche Geistesgaben mit ungewöhnlichen körperlichen Vorzügen und Fähigkeiten verbindet.

Leonardo war nicht nur Maler, Dichter und Denker, sondern auch Athlet (Fechter, Springer), Bildhauer, Architekt, Ingenieur, Musiker, Kantor, Instrumentenbauer, Anatom, Astronom, Mathematiker und Naturforscher.[76]

Friedrich Schiller (1759-1805)

war es vergönnt, das klassische Humanitätsideal in einer neuen, Kunst-, Gesellschafts- und Staatsphilosophie zu vollenden, und zwar u.a. in der Abhandlung Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen (1795). Darin fordert er einen ästhetischen Vernunft-Staat und sieht in der Kunst geeignete Mittel zu dessen Verwirklichung. Sein und Schein, Geist und Natur, Pflicht und Neigung soll der Mensch allmählich in Einklang bringen. Das kann vor allem durch die Kunst gelingen, weil sich in ihr Materie und Geist, Inhalt und Form, Vernunft und Sinnlichkeit miteinander verbinden.

„ ... der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“, sagt Schiller. Der Spieltrieb könne die Spannungen zwischen Bewusstem und Unbewusstem beheben. Am Ende steht ein „ästhetischer Staat“, wozu Schiller ausführt:

„Mitten in dem furchtbaren Reich der Kräfte und mitten in dem heiligen Reich der Gesetze baut der ästhetische Bildungstrieb unvermerkt an einem dritten, fröhlichen Reiche des Spiels und des Scheins, worin er dem Menschen die Fesseln aller Verhältnisse abnimmt und ihn von allem, was Zwang heißt, sowohl im Physischen als im Moralischen entbindet.Wenn in dem dynamischen Staat der Rechte der Mensch dem Menschen als Kraft begegnet und sein Wirken be-schränkt - wenn er sich ihm in dem ethischen Staat der Pflichten mit der Majestät des Gesetzes entgegenstellt und sein Wollen fesselt, so darf er ihm im Kreise des schönen Umgangs, in dem ästhetischen Staat, nur als Gestalt erscheinen, nur als Objekt des freien Spiels gegenüberstehen. Freiheit zu geben durch Freiheit, ist das Grundgesetz dieses Reichs.“ - Und in diesem „Reich des ästhetischen Scheins“ werde sogar das „ Ideal der Gleichheit “ verwirklicht. (In: Schriften zur Philosophie und Kunst, München 1959, S. 147 u. 149.)

Leider konnte diese schöne Utopie bisher nirgendwo verwirklicht werden. Unklar scheint mir die Rolle des Staates. Auch ein ästhetischer Staat der Gleichen ist immer noch ein Staat! Aber braucht man ihn noch, wenn alle Menschen „gleich“ sind?

Eine radikale Lösung für dieses Problem schlägt der anonyme Verfasser (Hegel, Schelling oder Hölderlin?) des Ältesten Systemprogramms des deutschen Idealismus (1796 oder 1797) vor. Ausgehend von sich selbst als einem „absolut freien Wesen“ erklärt er den Staat zum Feind jeglicher Freiheit: „Die Idee der Menschheit voran, will ich zeigen, daß es keine Idee vom Staat gibt, weil der Staat etwas Mechanisches ist, so wenig es als eine Idee von einer Maschine gibt. Nur was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee. Wir müssen also über den Staat hinaus! - Denn jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören.“ (Was später immerhin auch u.a. Marx und Nietzsche gefordert haben!) - Was aber soll an die Stelle des Staates treten? Hierzu finden sich im Ältesten Systemprogramm wiederum nur utopische Idealvorstellungen. Zunächst müsse eine neue, allgemein verständliche, philosophische „Mythologie“ erarbeitet werden, um „das Volk vernünftig“ und „die Philosophen sinnlich“ zu machen. Erst nach dieser Aufhebung des Gegensatzes zwischen dem Volk und seiner geistigen Elite sei zu erwarten: „ .. . gleiche Ausbildung aller Kräfte, des Einzelnen sowohl als aller Individuen. Keine Kraft wird mehr unterdrückt werden. Dann herrscht allgemeine Freiheit und Gleichheit aller Geister! -“

Aber nur scheinbar schließt der Autor sich damit den wie selbstverständlich erhobenen (und großenteils durchgesetzten!) Forderungen der amerikanischen und französischen Revolutionäre an. Denn in seinem darauf folgenden Schlusssatz erschrickt er offensichtlich vor der eigenen Courage, indem er ausruft: „Ein höherer Geist, vom Himmel gesandt, muß diese neue Religion unter uns stiften, sie wird das letzte größte Werk der Menschheit sein.“ Das ist eine klare Absage an jegliche politische Aktion, jeglichen unmittelbaren Freiheitskampf - was für nicht wenige deutsche Intellektuelle jener Zeit typisch war. Vor der miserablen politischen Realität flüchtet man sich in schöne Utopien - ein Vorgeschmack auf die deutsche Romantik! (Vgl.: Anton Friedrich Koch (Hg.): Lust an der Erkenntnis. Die klassische deutsche Philosophie, München 1989, S. 305-307.)[77]

Pablo Picasso (1881-1973)

Über ihn sagte Copilot am 25.11.2025:

„Picassos Kunst ist geprägt von radikaler Formzerlegung, ständiger Stilvielfalt und großer Experimentierfreude; sein bekanntestes Merkmal ist die Mitbegründung des Kubismus, daneben sind die Blauen und Rosa Perioden sowie eine enorme Produktivität typisch.

Merkmale

Kubistische Formzerlegung: Picasso zerlegte Motive in geometrische Flächen und zeigte mehrere Blickwinkel gleichzeitig, wodurch traditionelle Perspektive aufgebrochen wurde; das ist sein prägendstes Merkmal und veränderte die moderne Malerei grundlegend. Starke Phasenwechsel: Sein Werk wechselt zwischen naturalistischen, expressiven und abstrakten Ansätzen, oft innerhalb kurzer Zeiträume. Hohe Experimentierfreude: Er arbeitete in Malerei, Grafik, Skulptur, Collage und Keramik und probierte ständig neue Techniken aus.

Wichtige Phasen

Blaue Periode (ca. 1901-1904): Düstere, monochrome Blau- und Grüntöne, thematisch oft Armut und Melancholie.

Rosa Periode (ca. 1904-1907): Wärmere Töne, Zirkus- und Figurenmotive, sensiblere Stimmung. Kubismus (ab 1907): Analytischer und später synthetischer Kubismus, gemeinsame Entwicklung mit Georges Braque; Schlüsselwerk ist Les Demoiselles d’Avignon (1907). Diese Phasen markieren bewusste Brüche mit akademischer Tradition und zeigen seine stilistische Vielseitigkeit.

Stilmittel und Techniken

Fragmentierung und Mehrperspektivität: Objekte werden in Facetten zerlegt und aus verschiedenen Blickwinkeln gleichzeitig dargestellt; das erzeugt eine neue Bildlogik.

Collage und Assemblage: Picasso integrierte Alltagsmaterialien in Bilder und Skulpturen, was die Grenze zwischen Kunst und Leben verwischte. Variabilität der Bildsprache: Er wechselte zwischen Realismus, Klassizismus, Surrealismus-Anklängen und abstrakten Formen, oft innerhalb eines Jahrzehnts. Produktivität: Sein Gesamtwerk umfasst zehntausende Arbeiten, was seine Rolle als formaler Innovator und kultureller Motor unterstreicht.

Bedeutung und Einfluss

Revolution der Moderne: Picassos Brüche mit Perspektive und Form gelten als zentrale Wegmarken der klassischen Moderne; viele nachfolgende Künstler und Bewegungen bauten auf seinen Ideen auf. Kulturelle Ikone: Seine Vielseitigkeit und öffentliche Präsenz machten ihn zu einer Symbolfigur des 20. Jahrhunderts, nicht nur als Maler, sondern als Impulsgeber für neue Kunstbegriffe.

Wichtig: Kubismus, Blaue Periode und seine experimentelle Technik sind die Kernbegriffe, um Picassos Werk zu verstehen.

Wikipedia Pablo Picasso - Wikipedia

The Museum Blog Die Entwicklung des Kunststils von Pablo Picasso“

Auf meine Frage „Worin besteht Picassos Bedeutung für die moderne Kunst?“ sagte Copilot am 25.11.2025:

„Picassos Bedeutung für die moderne Kunst liegt in seiner radikalen Neudefinition von Form, Raum und Künstlerrolle: er brach die traditionelle Perspektive auf, erfand den Kubismus mit und machte Kunst zugleich experimentell, politisch und allgegenwärtig.

Innovation in Form und Wahrnehmung

Picasso veränderte grundlegend, wie Künstler Raum und Körper darstellen. Mit Werken wie Les Demoiselles d'Avignon leitete er eine Abkehr von illusionistischer Perspektive hin zu einer fragmentierten, multiperspektivischen Darstellung ein; daraus entwickelte sich der Kubismus, der Form und Volumen analytisch zerlegte und neu zusammensetzte.

Experimentierfreude und Medienvielfalt

Sein Werk ist extrem vielseitig: Malerei, Skulptur, Grafik, Keramik und Bühnenbild. Diese formale Experimentierfreude machte Picasso zum Modell für Künstler, die nicht mehr an ein Medium gebunden sein wollten. Seine ständige Stilwechsel—von der Blauen Periode über den Kubismus bis zu späteren expressiven Phasen—zeigten, dass Modernität in der Kunst auch Wandel und Vielstimmigkeit bedeutet.

Einfluss auf Bewegungen und Kollegen

Picassos Ansätze beeinflussten nicht nur einzelne Werke, sondern ganze Strömungen: Kubismus prägte die Abstraktion des 20. Jahrhunderts, seine Bildsprache wirkte auf Surrealisten, Expressionisten und Bildhauer gleichermaßen. Sein Denken über Fragmentierung, Collage und Assemblage setzte Maßstäbe für die künstlerische Praxis der Moderne und öffnete Räume für radikale Formexperimente.

Politische Dimension und öffentliche Wirkung

Mit Guernica schuf Picasso ein Beispiel dafür, wie moderne Kunst politisch wirksam sein kann: das Bild wurde zu einem universellen Symbol gegen Krieg und Gewalt und veränderte die Erwartung an Kunst als moralische und öffentliche Stimme. Picasso zeigte, dass Kunst nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich relevant sein kann.

Langfristiges Vermächtnis

Picassos Bedeutung liegt außerdem in seiner Rolle als kulturelle Ikone: er veränderte die Rolle des Künstlers vom Handwerker zum autonomen Schöpfer, dessen Experimentierdrang und öffentliche Präsenz die Institutionen der Kunst (Museen, Galerien, Sammlermärkte) und die Populärkultur prägten. Seine enorme Produktivität und sein Name machten moderne Kunst massenwirksam und akademisch relevant zugleich.

Artmajeur Pablo Picasso: Der Mann, der die moderne Kunst neu definierte www.ratgeber-wissen.com Pablo Picasso - Genie der modernen Kunst“

Hier noch - von Copilot am 25.11.2025 - eine

„Kurze Bildanalyse von Guernica

Kurzantwort: „Guernica“ ist ein monumentales, monochromes Anti-Krieg-Bild, das durch seine fragmentierte Bildsprache, dramatische Komposition und symbolische Figuren die Schrecken der Bombardierung von Guernica 1937 eindringlich darstellt und zu einem universellen Mahnmal gegen Gewalt wurde.

Entstehungskontext

Picasso malte „Guernica“ 1937 als Reaktion auf die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica am 26. April 1937; das Werk wurde im Spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung gezeigt und entwickelte sich rasch zu einem politischen Statement gegen Krieg und Terror.

Die Auftrags- und Ausstellungssituation erklärt, warum das Bild bewusst öffentlich und propagandistisch wirkte und nicht nur als privates Kunstwerk gedacht war.

Beschreibung des Bildes

Das Gemälde ist sehr groß (ca. 3,5 x 7,8 m) und in einem strengen Schwarz-Weiß-Grau gehalten; die Szene zeigt eine Ansammlung von entstellten, schreienden Figuren, ein sterbendes Pferd, eine stürzende Frau mit Kind, einen toten Soldaten und ein brüllendes Stiergesicht, alles in einer dicht komponierten, chaotischen Anordnung. Die Farbwahl verstärkt die Dramatik und erinnert an Fotografie und Pressebilder, wodurch die Darstellung unmittelbarer und dokumentarischer wirkt.

Form, Komposition und Stilmittel

Picasso nutzt fragmentierte Formen und multiperspektivische Verzerrungen, die Figuren sind in kantige, kubistische Bruchstücke zerlegt; Raum und Zeit erscheinen simultan und überlagert. Die Komposition ist diagonal und zentriert auf das leidende Pferd, während Lichtquellen (Lampe, offenes Fenster) scharfe Kontraste erzeugen und Blickachsen lenken. Collageartige Überlagerung und scharfe Konturen schaffen eine visuelle Unruhe, die das Trauma und die Zerstörung sinnlich erfahrbar macht.

Ikonographie und Symbolik

Viele Elemente tragen symbolische Bedeutung: das Pferd steht für das leidende Volk, der Stier wird ambivalent als Brutalität oder spanische Tradition gelesen, die schreienden Frauen verkörpern Schmerz und Verlust, und die gebrochene Lampe oder das Auge über der Szene kann als Zeugnis oder Anklage verstanden werden. Picasso vermeidet klare Allegorien zugunsten offener, vieldeutiger Zeichen, sodass das Bild universell als Anti-Kriegssymbol rezipiert werden konnte.

Wirkung und Rezeption

„Guernica“ wurde schnell zu einem internationalen Symbol gegen Gewalt; seine Monumentalität, öffentliche Präsentation und die Verbindung von politischem Anlass und radikalem Stil machten es zu einem der bekanntesten Bilder des 20. Jahrhunderts. Seine Wirkung liegt in der Verbindung von formaler Innovation und moralischer Dringlichkeit: das Bild fordert Betrachter zur ethischen Auseinandersetzung mit Krieg und Leid heraus. ...

ARTinWORDS

Pablo Picasso Guernica: Interpretation, Analyse, Geschichte

Singulart Guernica von Pablo Picasso (1937): Bildanalyse - Singulart Gallery“

Joseph Beuys (1921-86)

Über ihn hörte ich zu Beginn der 1980er Jahre, er habe behauptet, alles sei Kunst. Später erfuhr ich, was er wirklich erklärt hatte, nämlich: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Dies wohl in Abwandlung des Ausspruchs von Novalis: „Jeder Mensch kann ein Künstler sein.“ So dass sich sogleich die Frage stellt, welches dieser beiden Bonmots der Wahrheit wohl am nächsten kommt. Beuys verdeutlicht seinen Standpunkt an Hand einer Überlegung, wonach er seine Mitmenschen als „immer mehr entfremdet von ihrem Leben, von ihrer Arbeit, von ihrer Innerlichkeit, von ihrer Kreativität“ sieht, wie er es in einem Gespräch mit Louwrin Wijers im Juni 1980 in Düsseldorf ausgedrückt hat. Womit bereits einer der Schlüsselbegriffe genannt ist, die Kreativität, die Beuys allenthalben am Werke sieht, so wenn er in dem Gespräch hinzufügt: „Das heißt, an den Arbeitsplätzen, im Krankenhaus, in der Industrie, bei der Eisenbahn, auf der Universität, das müßte sozusagen ein neuer Kreativitätsbegriff da sein, der aber die Konsequenz hat, dass man dieses System versteht. Das ist der Anthropologische Kunstbegriff, der einen auch berechtigt zu sagen: Jeder Mensch ist ein Künstler . Denn ich sage doch nicht: Jeder Mensch kann ein Rembrandt sein.“ ... „Sie sollten erst einmal darüber nachdenken, wie sie sich als Mensch überhaupt selber empfinden. ... Also, ich wollte immer die Menschen auch einmal ermahnen, mit ihrem Denken zu beginnen. Also, ob sie sich selbst verantworten können. Das wäre für mich doch die eigentliche kreative Aufgabe. Also, diese Fragen der ganzen kreativen Innerlichkeit, der Willenskräfte, der Empfindungskräfte, der intellektuellen Denkfähigkeit. Das wird ja allzuleicht mit diesem Pinsel und dem Papier ausgeschaltet.“78 - Wo aber beginnt dann die Kreativität? Für Beuys vor allem im Menschen selbst, genauer: in seinem Denken, denn jeder Gedanke forme „plastisch“ einen bestimmten Inhalt, erst recht in jeder neuen Idee. Dies geschehe vollkommen autonom, in Ausübung der vollen Willensfreiheit. Wenn dem so ist, begleitet frei-schöpferische Aktivität jeglichen Lebensvollzug, jegliches Handeln und Gestalten. Mit weitreichenden Folgen für den Kunstbegriff. Offenbar im Anschluss an Schillers Prophezeiung, dass „was wir als Schönheit hier empfunden, wird uns als Wahrheit einst entgegengehen“, stellt Beuys fest, Schönheit sei „der Glanz des Wahren“ (a.O. S. 1). Was aber ist das Wahre? Laut Hegel ist es „das Ganze“ - und für Beuys anscheinend ebenso, auch wenn bei ihm Schönheit „von Innen aus dem Wahren“ kommt, d.h. in kreativer Phantasie entsteht und nicht zu bloßem „l’art pour l’art“, zur Kunst nur um der Kunst willen, führt, sondern zu neuer Erkenntnis, so dass Kunst und Denken zu ebenbürtigen Mitteln des Erkennens werden.

Womit sich der Weg öffnet zu dem, was Beuys als den Erweiterten Kunstbegriff bezeichnet, der aber nur ein anderer Ausdruck für das von ihm konstatierte allgemeine Künstlertum sei, wozu er anmerkt: „Also der erweiterte Kunstbegriff sagt ja nichts anderes, als dass jeder Mensch ein Künstler ist.“79 - Hierauf, d.h. auf die Freiheit des individuellen Denkens und des allgemeinen Künstlertums, gründet Beuys seine Hoffnung und seinen Anspruch, nicht nur ganz neue eigene Kunstformen zu schaffen, sondern, in Kooperation mit allen (!) Menschen, revolutionär und reformerisch auch in die Gesellschaft als Ganze hineinzuwirken.

Diese philosophische Basis ist aber nicht die einzige Quelle von Beuys‘ Ehrgeiz und Inspiration. Ein strikt persönlicher Auslöser hierfür war nämlich eine schwere Depression, eine Lebenskrise, mit der er Mitte der 1950er Jahre zu kämpfen hatte. Er litt an Erschöpfungszuständen und Motivationsverlust, hervorgerufen angeblich vor allem durch psychisch nicht bewältigte Kriegserlebnisse. (Beuys war Freiwilliger der Wehrmacht und wurde als Sturzkampfpilot im Jahre 1943 über der Krim abgeschossen und schwer verletzt.) Doch es gelang ihm, die Depression des Jahres 1955 in einen persönlichen „Erneuerungsvorgang“ umzuwandeln, den er „auf seine Kunst, auf die Gesellschaft, auf die Politik und auf sein Verständnis eines demokratischen Staates“80 übertrug, um hieraus u.a. seinen neuen, erweiterten Kunstbegriff zu entwickeln. Dies unvermeidlich in Opposition zum herkömmlichen Kunstbegriff, -betrieb und -management seiner Zeit, da Letzterer jeglichen Bezug zum Menschen und zur Gesellschaft verloren und sich in „formalen Stilübungen“ erschöpft habe.- Dagegen setzt Beuys neue Methoden und neue Theorien. Wenn alles auf Freiheit angewiesen ist, gilt dies erst recht für die Kunst, d.h. sowohl für „die Wahl der Materie“ (bzw. der Materialien) als auch für den Schaffensprozess selbst, den Beuys beschreibt als „einen von Intuition, Willen und Herzenskräften getragenen Prozeß, der aus der chaotischen Anfangsmaterie gemäß einer Idee eine Form findet, in der die Idee sichtbar wird“ (in: ,home‘, s. Fußn. Nr. 79, a.a.O. S. 1). Es ist ein Schaffensprozess, der nicht einfach willkürlich veranlasst werden kann, sondern von Intuition und Inspiration ausgeht. Dazu Beuys: „Ich beginne die Arbeit nur, wenn sich etwas meldet, daß ich tätig werden muß.“ (ebd.) Gegen die herkömmliche Kunst-Auffassung setzt er die Gleichung: „Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit“ (St. Marx a.O. S 1). Darin wird der Mensch zum „Baumeister der neuen Gesellschaft“, d.h. zum „Träger der Revolution, der Umwälzenden Neuerungen“, was aber nur möglich sei, wenn alle mitmachen, „alle ins aktive Mitgestalten hineinkommen“ (ebd.).

Die Soziale Plastik. Wenn schon der freie kreative Gedanke ein Kunstwerk, „eine Plastik“ ist, kann der Begriff Plastik alles Mögliche umfassen, zumal er als solcher äußerst vieldeutig und assoziationsreich ist. Unter der „Plastizität der Sexualtriebe“ verstand Freud u.a. ihre „Fähigkeit, ihre Ziele zu wechseln“. Unter „neuronaler Plastizität“ versteht man „die Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks Optimierung laufender Prozesse nutzungsabhängig in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern“ (Wikipedia), während der Plastik-Müll sich inzwischen auf dem ganzen Planeten zu einer Öko-Katastrophe mit unabsehbaren Folgen ausgebreitet hat. - Beuys will jedenfalls erreichen, dass die gesamte Gesellschaft durch soziales Verhalten neu, d.h. gerecht gestaltet und die Demokratie „wahrhaftiger“, nämlich direkt wird. Er selbst gründet einen Verein für Direkte Demokratie, einen Ökosozialen Studentenbund und eine ,Freie Internationale Universität’ und tritt der Grünen Partei bei.

Um Breitenwirkung zu erzielen, bedient Beuys sich immer wieder neuer Mittel der Provokation, so z.B. in völlig neuen Op- und Pop-Art- Formen, Happenings (Kaninchen schlachten, 7000 Eichen pflanzen, Stühle mit Fettecken u.a.m), originellen Ausstellungen, Reden und Diskussionen usw. Er provoziert bewusst, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, auch wenn er dabei Ablehnung in Kauf nehmen muss, so z.B. als es ihm aus dem Münchener Bürgertum entgegenschallt: „Wir lassen uns nicht verbeuysen!“ Dazu Beuys: „Es ist doch gar nicht schlimm, wenn die Leute aggressiv werden. ... Dann kommen wir wenigstens ins Gespräch ... Provokation heißt immer: Jetzt wird auf einmal was lebendig. Wenn das alles schon so verhärtet ist, dann muss man doch das mal wirklich generell anstoßen, dass das alles mal hochkommt . Aber das habe ich ja erreicht durch meine Plastiken, dass die Leute sich darüber aufgeregt und dann darüber gesprochen haben.“81 - Die Soziale Plastik wird zum persönlichen und zugleich gesellschaftlichen Ereignis, das weder verstanden noch interpretiert werden muss, wie Miriam Sowa (a.O. S. 1) erläutert: „Verstehen heißt bei Beuys nicht, eine in sich geschlossene Interpretation zu finden. Seine Arbeiten wollen durch ihre Ausstrahlung Gedankenprozesse und Assoziationen anregen, verborgene menschliche Erfahrungen freisetzen und das Bewusstsein verändern.“ Es genügt also, dass die Betrachter durch die Soziale Plastik intuitiv angeregt und zu eigenem Weiterdenken gebracht werden.

Kritische Würdigung. Wenn jede Plastik - als Ergebnis einer In-Form-Setzung - ein Kunstwerk darstellt, besteht auch die ganze Natur, ja das gesamte, ständig In-Form-Setzungen (= Informationen) hervorbringende Universum, aus Kunstwerken. Sogar aus wertvollen Kunstwerken, sobald man zur Erklärung der Entstehung von Werten auch den physikalischen Arbeitsbegriff mit heranzieht. Dann arbeitet auch in der Natur ständig etwas, und zwar u.a. auf Grund der Tatsache, dass die ziel- und zweckgerichtete Natur „ihre eigene Gesetzgeberin“ ist: Eine für die Öko-Ethik unverzichtbare Grundlage mit erheblichen Folgen; worüber Beuys anscheinend nicht oder wenig nachgedacht hat.

Nichtsdestoweniger: Die Gedanken- und Willensfreiheit zum Reich der Freiheit für alle erweitern - ein bestechender Gedanke! Aber: Woran ist der Beuyssche Versuch gescheitert? Und: Sind wir wirklich alle Künstler, wollen wir es sein? Ich stelle diese Fragen und lasse sie vorerst offen. Und wie steht es mit unserer Freiheit? Existiert sie als pure Gedanken- und Willensfreiheit? Sind etwa alle Menschen schon frei, weil sie alle über solche Freiheiten verfügen? Und wenn alle schon frei sind, warum bedarf es dann solch tief greifender Veränderungen, wie Beuys sie fordert? Zumal nicht nur Gedanken- und Willensfreiheit, sondern auch Nacht- und Tagtraum Quellen künstlerischer Inspiration sind, so dass ich behaupte: Nicht alle sind per se Künstler, aber potentielle Künstler, weil alle über kreative Traum-Arbeit, Empfinden, Denken und Vorstellungsvermögen verfügen.

Seit Freud und spätestens seit den Libet-Experimenten weiß man, in welch hohem Maße unser Denken durch Unbewusstes beeinflusst, wenn nicht konditioniert wird. Was auf den Nicht-Festplatten der natürlichen Gedächtnisse und im kollektiven Gedächtnis der Menschheit gespeichert ist, kann nicht einfach gelöscht und durch Neues ersetzt werden. Wir verfügen zwar über Gedanken- und Willensfreiheit, aber nicht ohne den Unter- und Hintergrund des Unbewussten mit seinen Unwägbarkeiten, Unberechenbarkeiten und Unvorhersehbarkeiten. Außerdem nutzen Menschen ihre Willensfreiheit keineswegs zu ausschließlich positiven Zwecken, sondern verteidigen, oft um jeden Preis, ihre eigenen Interessen, zuweilen sogar mit kriminellen Mitteln, zumal ihnen die führenden Machthaber im Kapitalismus solches Fehlverhalten nicht nur nahelegen, sondern oft auch prinzipiell gutheißen.

Darüber hinaus: Wer ist denn tatsächlich so frei wie ein Künstler? Die Realität sieht doch so aus, dass die große Mehrzahl der Menschen nicht frei-schöpferisch tätig sein kann, sondern gezwungen ist, entweder (teils prekäre) entfremdete Arbeit zu leisten oder unter Arbeitslosigkeit zu leiden, während die sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ständig zunehmen. So dass klar wird, woran Beuys - und mit ihm wahrscheinlich die Grüne Bewegung - gescheitert ist: Solange die sozio-ökonomischen Realitäten in solchem Maße ignoriert werden, dass Kapitalismus-Kritik nicht stattfindet, hat Grüner Protest keine Chance auf nachhaltigen Erfolg, kann aus bloßer Gedanken- und Willensfreiheit nicht das Reich der Freiheit aller Menschen entstehen.

Abschließend noch dieses: Statt als ,Kunst’ kann man das Denken auch als ,Arbeit’ definieren. Auf die Frage, wann er denn eigentlich arbeite, man sähe doch gar nichts, antwortete der Philosoph Fichte: „Ich arbeite immer.“ Was zutrifft, denn das Denken geht ja immer weiter, auch im Traum. Und nun frage ich: Welcher Künstler und welche Künstlerin arbeitet denn immer ?82

4. Politiker

Perikles (ca. 490-429 v.Chr.)

Über ihn heißt es in einem Wikipedia-Artikel:

„Stratege der Demokratie

Es war die Stellung eines Militärbefehlshabers, des Strategen, in der Perikles schließlich für alle sichtbar zur einflussreichsten Führungspersönlichkeit in der Attischen Demokratie wurde. Denn das Strategenamt war nicht nur unter dem Aspekt der Sicherheit, Selbstbehauptung und Machtstellung Athens ein besonders wichtiges; es war auch das im Zuge der politischen Entwicklung letzte einflussreiche Wahlamt neben der ansonsten vorherrschenden Ämter- losung.[22] Perikles musste dafür zweifellos eine solide militärische Grundausbildung durchlaufen haben, konnte dann aber zusätzlich mit Proben persönlicher Tapferkeit aufwarten, so 457 v. Chr. in der beiderseits verlustreichen Schlacht von Tanagra, in der die Athener gegen Böotier und Spartaner kämpften. Als Stratege mit dem Oberbefehl über eine Militäroperation ist Perikles zuerst 454 v. Chr. bei einem Unternehmen zur See im Bereich des Golfs von Korinth bezeugt.[23]

Im Zenit seiner politischen Laufbahn wurde Perikles ab 443 v. Chr. ohne Unterbrechung 15 Jahre in Folge zum Strategen gewählt.[24] Thukydides bezeichnete ihn als „ersten Mann in Athen“, „gleich mächtig im Reden wie im Handeln“.[25] Die Führungsrolle in der nach 461 v. Chr. ausgestalteten direkten Demokratie konnte aber nur gegründet sein auf das Vertrauen der Volksversammlung in seine Pläne und Vorschläge, denn ohne Zustimmung und Beschluss der Ekklesia war auch Perikles nicht befugt, für die Polis zu handeln.

Werbung um Zustimmung war also nötig, auch Gefälligkeiten und Zuwendungen gegenüber der Wählerklientel boten sich im politischen Konkurrenzkampf vermutlich an. Plutarch gab anscheinend die Kritik von Gegnern der Volksherrschaft wieder, indem er Perikles bescheinigte, sich durch die Verteilung öffentlicher Gelder Vorteile verschafft zu haben: „So bestach er gar bald den Pöbel durch Schauspielgelder, Gerichtsgelder und andere Belohnungen und Schenkungen.“[26] In einem ganz anderen Licht erscheint Perikles’ diesbezüglicher Ansatz bei Lehmann, der nicht nur die als Aufwandsentschädigung für die Ämterausübung im Dienste der Polis gezahlten Diäten im Blick hat, sondern der auch „eine Form der Sozialhilfe für alle Behinderten und Erwerbsunfähigen“ erkennt und befürwortet, denen innerfamiliär nicht geholfen werden konnte. Das war nach seiner Auffassung eine wichtige Grundlage „für die notwendige soziale und politische Kohärenz innerhalb des Bürgerverbandes.“[27]

Die erste bedeutende Initiative des Perikles in der Volksversammlung, die datierbar ist, war das auf seinen Antrag beschlossene Bürgerrechtsgesetz von 451 v. Chr., in dem festgelegt wurde, dass nur diejenigen Anspruch auf das Bürgerrecht haben sollten, deren beide Elternteile es ebenfalls besaßen. Wahrscheinlich handelte es sich darum, dass staatliche Zuwendungen aller Art ebenso wie die politische Herrschaftsteilhabe in einer Zeit, da Athen als griechische Metropole Zuwanderung anzog, auf den vorhandenen Kernbestand der Bürger begrenzt bleiben sollten.[28] Die bis dahin oft auch durch Eheschließungen gefestigten guten Außenbeziehungen mancher Adelsgeschlechter verloren zugleich an Attraktivität, was sich den im Zuge der Demokratisierung aufstrebenden sozialen Schichten der Bürgerschaft als ein Zugewinn an politischer Geschlossenheit darstellen konnte. Will nimmt unter Bezug auf Aristoteles an, dass es Perikles mit dem Gesetz darum gegangen sein könnte, sich eine verlässliche Klientel in der Volksversammlung zu schaffen.[29]

Die Opposition der entmachteten und von sozialem Bedeutungsverlust betroffenen adligen Herrschaftskreise Athens gegen die neue demokratische Ordnung artikulierte sich zunehmend in der Person des Thukydides Melesiou, Kimons Schwiegersohn. Hauptangriffspunkt war nach Plutarch die Ausgabenpolitik, die angeblich die Staatsfinanzen zugrunde richtete, dem Ansehen Athens durch den Einsatz von Seebundmitteln für Bauzwecke schadete und das Verhältnis zu den Bundesgenossen arg verschlechterte.[30] Der über einen längeren Zeitraum sich zuspitzende Grundkonflikt zwischen den beiden politischen Lagern wurde schließlich 443 v. Chr.[31] durch die Entscheidung des Scherbengerichts mit der Ostrakisierung des Thukydides Melesiou zugunsten von Perikles entschieden, der fortan in seiner Sonderstellung keinem ernsthaften Herausforderer mehr begegnete.

Verfechter athenischer Machtinteressen

Die Selbstbehauptung der staatlichen Existenz und Freiheit von Athenern und Griechen in den Perserkriegen gehörte zu den prägenden politischen Kindheitserlebnissen des Perikles. Aus der kollektiven Abwehrhaltung der Hellenen gegen die östliche Großmacht war der Attische Seebund entstanden, an dessen anfänglicher Organisation neben Aristeides auch Perikles’ Vater Xanthippos wesentlichen Anteil hatte. Treibende Kraft und Machtzentrum der Sym- machie war von Anbeginn Athen mit seiner Großflotte. Mit dem allmählichen Schwinden der persischen Bedrohung kam es aber zunehmend zu Interessengegensätzen zwischen den Bürgern Athens, die den Seebund als Machtinstrument fortentwickeln und nutzen wollten, und ihren Bundesgenossen, die darin zunehmend eine unnötige eigene Belastung sahen und der Hegemonie Athens nicht noch weiter Vorschub leisten wollten. Perikles hat dieses Geschehen in allen Phasen miterlebt und entsprechend dem zunehmenden eigenen politischen Einfluss mitgestaltet.

Rücksicht zu nehmen hatte er dabei vor allem auf diejenigen Teile der Bürgerschaft, die den demokratischen Umschwung und Ausbau stützten, weil sie sich selbst Vorteile davon versprachen. Hierzu gehörten nicht zuletzt jene, die als einfache Bürger (Theten) für ihre Ruderdienste auf den Trieren (Kriegsschiffen) besoldet wurden und somit auf die Seemacht Athens die eigene Existenz und Zukunftsperspektive gründeten. Tendenzen zu einer ausgreifenden und auftrumpfenden Seebundpolitik Athens lagen unmittelbar in ihrem Interesse. Derartiges zeigte sich z. B. in der Überführung der Seebundkasse von Delos nach Athen und in der recht schonungslosen Abstrafung der Verantwortlichen für erfolglose Militäreinsätze. Während Kimon mit seiner Außenpolitik des Status quo die Stimmung in Athen falsch einschätzte, wie Schubert meint, habe Perikles diesen Fehler nicht begangen.[32] Gegen Ende seiner Laufbahn mahnte er vor seinen Mitbürgern unverblümt, wie Thukydides berichtet, dass es kein Zurück gebe aus der tyrannischen Vorherrschaft, die die Athener gegenüber den Bundesgenossen im Seebund ausübten. Nicht nur das Seereich stände andernfalls auf dem Spiel; auch der aufgestaute Hass der zum Verbleib im Bündnis und zu Abgabenleistungen Gezwungenen wäre dann zu fürchten.[33]

Zu dieser Zeit, in der Frühphase des Peloponnesischen Krieges, waren seine in den 440er Jahren unternommenen Bemühungen allerdings auch längst gescheitert, die führende Rolle Athens als eine Friedensdienstleistung für alle Griechen glaubhaft zu machen. Da Mitte des Jahrhunderts die persische Bedrohung sich mit dem sogenannten Kalliasfrieden erledigt hatte, ergriff Perikles die Initiative zu einem panhellenischen Friedenskongress in Athen, der die innergriechischen Reibungsverluste beseitigen und auf gemeinsame Projekte hinorientieren sollte.[34] Neben dem gemeinsamen Wiederaufbau zerstörter Tempelanlagen wird auch die Gründung einer panhellenischen Kolonie 444/43 v. Chr. in Thurioi damit in Verbindung gebracht, die außer einem starken Kontingent athenischer Siedler eine noch größere Anzahl andersstämmiger Griechen umfasste und die, wie Kagan betont, auch später nicht als Athen zugehörig oder unterworfen beansprucht wurde.[35] Der Friedenskongress allerdings scheiterte recht kläglich daran, dass die durch zahlreiche Gesandtschaften eingeladenen anderen griechischen Poleis - vielleicht mit Rücksicht auf Sparta - keine Delegierten zu stellen bereit waren.

Anders als bei Thurioi diente die gängige attische Siedlungspolitik in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. in erster Linie der unmittelbaren Herrschaftssicherung Athens im Seebund. Einfache Bürger, die in Athen nur ein ungenügendes Auskommen hatten, wurden als Kleruchen - oft nach Widerstandshandlungen einzelner Seebund-Poleis - quasi als aufsichtführende Besatzung auf dem Gebiet von Bündnern angesiedelt und blieben dort attische Bürger mit besonderen Privilegien. Die Landbeschlagnahme wurde den Bundesgenossen meist mit einer gewissen Reduzierung ihrer Tributleistungen entgolten.[36]

Bei Militäroperationen, die Perikles als Stratege selbst leitete, erwarb er sich den Ruf des umsichtigen, besonnen abwägenden Feldherrn, der unnötige Risiken mied und die unter seinem Befehl Kämpfenden nicht militärischen Abenteuern aussetzte.[37] Gegenüber abfallenden Bundesgenossen aber zeigte er unerbittliche Entschlossenheit, Zähigkeit und in der Bestrafung Härte. Als die Samier auf Kosten der Milesier 440 v. Chr. in Ionien Expansionsaktivitäten entwickelten, einen Schiedsspruch der Athener ausschlugen und mit Schlachtenerfolgen und persischer Unterstützung Anstalten machten, die attische Seeherrschaft zu gefährden, sah sich Perikles als Stratege mehrfach ernstlich herausgefordert. Nach langer, wechselvoller Auseinandersetzung siegten schließlich die Athener; da mussten die Samier ihre Mauern einreißen, ihre Flotte ausliefern, Geiseln stellen und den Athenern die Kriegskosten erstatten.[38] Aus der Sicht von Schubert erscheint Perikles insgesamt „als der Hauptvertreter einer breiten Strömung in Athen, die eine konsequente expansionistische Politik betrieb und auch der Auseinandersetzung mit Sparta um die Vorherrschaft in Griechenland durchaus nicht auswich.“[39]83

Friedrich II. von Hohenstaufen ( 1194-1250)

Unverkennbar von freiheitlichem Geist geprägt ist auch eine Herrschergestalt wie die Friedrichs II. von Hohenstaufen, der von 1215 bis 1250 ein Italien und Deutschland umfassendes Riesenreich regierte. Einige nannten ihn schon zu seinen Lebzeiten einen ,stupor mundi‘, ein Weltwunder; andere verachteten oder hassten ihn. Für Egon Friedell ist er „einer der genialsten Menschen, die jemals eine Krone getragen haben“.84 Gerühmt werden seine Freiheitsliebe, Geistigkeit und Staatsklugheit, sein Unternehmungsgeist und Kunstsinn, seine Weltoffenheit und sein überragendes diplomatisches Geschick. Er beherrscht zahlreiche Fremdsprachen (bis hin zum Chaldäischen!), erweist sich als entschiedener Gegner des Papstes und jeglicher religiöser Anmaßung und begegnet allen Widrigkeiten und Erstarrungen mit Skeptizismus und einer an Atheismus grenzenden Denkfreiheit. Er gilt als „eminent wissenschaftlicher Kopf“ (Friedell a.a.O. S. 189), besonders auf dem Gebiet der Naturkunde. Den weltgewandten, wissenschaftlich und politisch hoch entwickelten Arabern (Sarazenen) steht er näher als den Christen. In Palästina erzielt er, statt Krieg zu führen, einen Verhandlungsfrieden mit dem hochgebildeten, feinsinnigen, ihm ebenbürtigen Sultan. Christliche Machthaber hassten ihn dafür. Im Volk aber blieb die Erinnerung an ihn erhalten: Es verehrte ihn als Nationalhelden. Eine Tradition, zu der wohl auch das grandiose Versepos ,Mann aus Apulien‘ gehört, das Horst Stern dem sizilianischen Kaiser gewidmet hat.

Georges Danton (1759-1794)

„Georges Danton führte die Republik mit radikalen Maßnahmen durch ihre blutige Geburtsphase. Dabei arbeitete er eng mit Robespierre zusammen. Beide Männer wurden zu Idolen der Revolution. Doch sie waren grundverschieden. Danton liebte das Leben, Robespierre wollte eine ideale Tugendrepublik. Die Freundschaft zerbrach endgültig, als Danton Anfang 1794 ein Ende der Schreckensherrschaft forderte. Robespierre hielt am Terror fest. Er opferte dafür seinen ehemaligen Kampfgefährten und ließ ihn in einem politischen Schauprozess verurteilen. Danton wurde am Ende ein Opfer der Diktatur, die er selbst mitbegründet hatte. Aber noch auf dem Schafott gab er Befehle. Zeig meinen Kopf dem Volk! sagte er zum Henker. Sanson gehorchte. Die Zuschauer auf dem Platz der Revolution schwiegen, als ihnen das abgeschlagene Haupt ihres einstigen Helden präsentiert wurde.“85

Ausführlich kommentiert Andreas Noßmann:

»Zeitgenössische Skizzen und Gemälde zeichnen ein nur wenig schmeichelhaftes Bild eines erst gerade einmal vierunddreißigjährigen Mannes: Übergewichtig, die Augen verquollen und

das Gesicht, von zu viel Genuss von allem was Spaß und betrunken macht, sichtbar aufgedunsen. Im Grunde war Danton, was seinen lebenslustigen, teils ausschweifenden Lebensstil anging, das genaue Gegenteil seines einstigen Freundes, seines politischen Weg Begleiters und späterem Gegner, dem fast asketisch, gänzlich einfach, in einer schlichten Dachkammer hausenden Robespierre, welcher sich auch schon früh den Spitznamen „Der Unbestechliche“ verdiente. Denn auch in der Frage der außergewöhnlichen Zuwendungen nahm es Danton, als erster Justizminister der neuen Republik, nicht immer so genau, denn er ließ sich gerne auch bestechen, z.B. von Ausreisewilligen Adeligen und Priestern, die um ihr Leben fürchteten. Aber er bediente sich auch hier und da an der Kriegsbeute französischer Truppen. Alle wussten, ahnten es, doch beweisen konnte es ihm nie jemand. In einem angeblichen Vieraugen Gespräch mit Robespierre, als dieser ihm all seine möglichen Verfehlungen vorhielt, antwortete Danton ihm gelassen: „Wie kann ich einem Mann vertrauen der nichts will, außer als stets das Richtige für uns alle. Männer wie Du, die rein gar nichts für sich wollen, sind deutlich gefährlicher als ich“. Damit sollte er wohl Recht behalten.

So wenig ansprechend wohl Dantons Äußeres gewesen sein mag, umso einnehmender war ganz sicher sein stets charmantes Auftreten und Wesen, seine bejahende Lebenslust, die große Leidenschaft die in allen seinen vorgetragenen Argumenten stets spürbar war, seine faszinierende Redegewandtheit mit er die Massen begeisterte, sowie seine große Eloquenz stets intelligent auf selbst unangenehmste Fragen eine passende Antwort aus dem steggreif hervorzaubern zu können. Als 1792, unter seiner Regentschaft als Justizminister, der Pöbel von Paris die Gefängnisse erstürmte, gut 1200 angebliche Gegner der Revolution brutal lynchte und das Morden anschließend in den Straßen der umliegenden Viertel bis weit in die Nacht noch seinen unheilvollen Gang nahm, beschwerte sich selbst sein Freund Desmoulin bei Danton über diese nicht tragbaren Umstände und über seine völlige Untätigkeit hinsichtlich dieser Gräueltaten. Und wie immer gab Danton die passende Antwort hierauf (wenn auch vermutlich nur angedichtet, aber überaus passend): „Soll ich als Minister Befehle erteilen die ignoriert werden? Du forderst die Entsendung von Truppen. Die laufen über und feiern das Schlachtfest selber mit ... Ein weiser Mann erkennt wenn er machtlos ist und hängt es nicht an die große Glocke, nicht wenn er erwartet, dass man je wieder auf ihn hört. Und das tue ich!“

Doch selbst die größten und intelligentesten Geister, so auch Danton, unterliegen zu weil, unter dem allzu schmeichelnden Eindruck ihrer vermeintlichen allgemeinen Beliebtheit, einer fatalen Fehleinschätzung ihrer eigentlichen Macht. „Kein Mann, der nur einen Tag am Fluss mit Angeln zubrachte, ist so dumm jemals wieder in die Politik zu gehen.“, so verabschiedet er sich vorerst aus den alltäglichen Wirren der Französischen Revolution, um für kurze Zeit aufs Land zu ziehen, um dann doch wieder zurückkehren, vermutlich getrieben von reiner Eitelkeit, um sich offen gegen die Willkür der Terrorherrschaft Robespierres und seinem Revolutionsausschuss zu stellen. Er plädiert öffentlich im Konvent für Mäßigung und Vergebung. Er fühlt sich sicher angesichts seiner großen Popularität innerhalb der Pariser Bevölkerung, die ihn bei seiner Rückkehr frenetisch feiern. Für den Unbestechlichen eine Provokation sondergleichen. Denn Robespierre weiß, wie gefährlich ihm Danton nun werden könnte, aber ihn nun wegen gegenrevolutionärer Umtriebe vor den Revolutionsausschuss zu zerren, ein noch heikleres Unterfangen - und dennoch wagt er es, wohlwissend, dass dies Danton als Bühne für sich und gegen ihn selber nützen könnte. Und so kommt es auch. Danton redet und redet, voller Polemik und witziger Bonmots, er hat wie immer die Massen hinter sich. Um allerdings dies zu unterwandern greift Robespierre und sein Ausschuss zu Mitteln, die selbst den Idealen der Revolution zuwider sind: Die Richter werden unter Druck gesetzt, die Geschworenen sind handverlesen und die vorgelegten Beweise gefälscht, weil im Grunde keiner der vorgebrachten Vorwürfe gegen Danton wirklich nachweisbar gewesen wären. Und am zweiten Tag des Prozesses, wird dem allzu Redegewandtem Redeverbot vor Gericht erteilt und zugleich das Todesurteil für Georges Danton verkündet, rechtskräftig und noch am gleichen Tag vollstreckt. Und als Danton am 5ten April 1794 vor dem Henker vor Paris steht soll er ihm angeblich gesagt haben: „Vergiss vor allem nicht, dem Volk meinen Kopf zu zeigen; er ist gut anzusehen.“

Robespierre selber, der seinen einstigen Freund Danton, sowie andere politische Weg Begleiter hinrichten ließ, stand nur wenige Monate später an gleicher Stelle. Denn auch er erlag am Ende seiner eigenen Selbstüberschätzung. Denn seine Maxime „Ohne Tugend sei Terror verhängnisvoll, ohne Terror die Tugend machtlos“, die Danton zu Recht als „blutleere Abstraktion“ bezeichnete, wendete sich nun gegen Verfasser selbst.

Der Text auf der Zeichnung:

„Wir haben ein Ende gemacht mit der Tyrannei der Privilegien. Wir haben ein Ende gemacht mit den uralten Übeln, jenen Herrschaftsrechten und Gewalten, auf die kein Mensch ein Anrecht hatte. Wir haben ein Ende gemacht mit dem Alleinanspruch von Reichtum und Geburt auf alle entscheidenden Ämter unseres Staates, unserer Kirchen, unserer Armee. Gereinigt haben wir jede Arterie und jede Vene dieses großartigen politischen Körpers des Staates Frankreich. Wir haben erklärt, dass der einfachste Mann gleich ist mit dem Größten im Land. Wir haben uns die Freiheit genommen und gaben sie unseren Sklaven. Wir überlassen es der Welt, aufzubauen auf der Hoffnung, die wir geboren haben. Das zählt mehr als ein Sieg in einer Schlacht, mehr als alle Schwerter und Kanonen all dieser glänzenden Kavallerien Europas. Es ist eine Inspiration für die Visionen aller Menschen überall; ein Lufthauch von Freiheit, der sich nicht mehr verleugnen lässt. Wir haben unsere Leben nicht umsonst in den Dienst dieser Hoffnung gestellt.“«86

Otto von Bismarck (1815-1898)

Über ihn schreibt Sabrina Beek:

„Otto von Bismarck lebte von 1815 bis 1898 und gilt als Gründer des Deutschen Reiches. Er war der erste Reichskanzler im Kaiserreich und war einer der führenden Politiker seiner Zeit. Seine innenpolitischen Reformen, sein außenpolitisches Geschick und sein majestätisches Auftreten verschafften ihm schnell den Ruf des "Eisernen Kanzlers". Bismarck hatte einen interessanten Lebenslauf voller Höhen und Tiefen

Innenpolitische Reformen Bismarcks

Der wichtigste innenpolitische Schachzug Bismarcks war die Reichsgründung im Jahr 1871. Zuvor war Deutschland nicht mehr als ein Flickenteppich vieler Einzelstaaten gewesen, was viele wirtschaftliche, politische und soziale Nachteile mit sich brachte. Mit der Gründung des Deutschen Reiches ernannte man den preußischen König zum Kaiser und Bismarck wurde Reichskanzler. Da er gleichzeitig noch Außenminister und Ministerpräsident von Preußen blieb, konnte er eine enorme Machtfülle auf seine Person vereinen.

Mit Sorge beobachtete Bismarck den wachsenden Einfluss der Katholiken und deren Zentrumspartei. Im Zuge des sogenannten Kulturkampfes beschränkte er daher per Gesetz systematisch die Rechte der katholischen Kirche.

Auch die sozialistische Arbeiterbewegung drohte, eine Gefahr für das Reich zu werden. Durch die Industrialisierung hatte sich eine Arbeiterschicht gebildet, die kaum Rechte besaß und am Existenzminimum lebte. Die neuen kommunistischen Ideen besaßen daher ein gefährliches revolutionäres Potenzial. Bismarck ließ daher 1878 alle sozialdemokratischen und sozialistischen Organisationen im Deutschen Reich verbieten.

Um die Arbeiter zu besänftigen und die Bedeutung von Parteien zurückzudrängen, verabschiedete Bismarck ab 1880 zahlreiche Sozialgesetze, die unter anderem einen Pensionsanspruch für Arbeiter beinhalteten und eine staatliche Krankenversicherung vorsahen.

Außenpolitische Ziele Bismarcks

Frankreich war für Bismarck in den vielen Jahren seiner Amtszeit sein vorwiegender Gegner. Fast alle seiner außenpolitischen Schachzüge zielten darauf ab, Frankreich zu schwächen. So verhandelte er daher ab 1873 sowohl mit Österreich als auch mit Russland, um die außenpolitische Stellung Deutschlands hervorzuheben und sich gegen Frankreich abzusichern. Obwohl Bismarck die Kolonialpolitik zunächst abgelehnt hatte, kam es diesbezüglich ab 1886 zu einem kurzzeitigen Kurswechsel. Deutschland erwarb einige kleinere afrikanische Territorien in Afrika. Aufgrund des unsicheren Mächtegleichgewichtes in Europa konzentrierte sich Bismarck politisch jedoch schnell wieder auf seine ursprünglichen außenpolitischen Ziele.

Das Ende Bismarcks politischer Karriere

Um 1888 wurde es für Bismarck immer schwieriger, seine Machtstellung zu erhalten. Im Deutschen Reich wurden die Rufe nach einem größeren parlamentarischen Einfluss immer lauter. Zudem starb 1888 der Kaiser und damit Bismarcks wichtigster Fürsprecher. Am 18. März 1890 reichte Bismarck sein Entlassungsgesuch beim neuen Kaiser Wilhelm II. ein und zog sich auf sein Landgut Friedrichsruh bei Hamburg zurück. Dort verfasste er seine Memoiren, deren Verkauf ein großer finanzieller Erfolg wurde.“87

Kritik an Bismarcks Politik

Am 26.11.2025 stellte Copilot fest:

„Bismarcks Politik wird kritisiert wegen autoritärer Innenpolitik, repressiver Maßnahmen gegen politische Gegner, opportunistischer Außenpolitik und langfristiger Folgen für Demokratie und Kolonialismus. Im Folgenden die wichtigsten Kritikpunkte mit Kontext und Quellenhinweisen.

Innenpolitische Kritik

Kulturkampf und staatliche Repression: Bismarck führte in den 1870er Jahren den Kulturkampf gegen die katholische Kirche, der als Versuch gewertet wird, politische Opposition zu schwächen und konfessionelle Freiheiten einzuschränken. Sozialdemokratie und andere Gegner wurden durch die Sozialistengesetze (1878-1890) massiv eingeschränkt, was als Angriff auf politische Grundrechte und parlamentarische Opposition kritisiert wird. Diese Maßnahmen stärkten kurzfristig die staatliche Ordnung, schwächten aber die demo-kratische Partizipation langfristig.

Sozialpolitik versus Repression

Sozialgesetzgebung als taktisches Instrument: Bismarck gilt als Wegbereiter der Sozialversicherung (Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung). Kritiker sehen darin jedoch weniger sozialen Fortschritt aus Überzeugung als ein strategisches Mittel, um die Arbeiterbewegung Arbeiter zu befrieden und die Attraktivität sozialdemokratischer Forderungen zu mindern. Gleichzeitig blieb seine Politik gegenüber politischen Freiheiten restriktiv, sodass Sozialreformen nicht mit einer Liberalisierung des politischen Systems einhergingen.

Außenpolitische Kritik

Realpolitik und Bündnissystem: Außenpolitisch verfolgte Bismarck eine ausgleichende Bündnispolitik, die kurzfristig Frieden sicherte, aber auch ein komplexes Netz von Abhängigkeiten schuf. Kritiker bemängeln, dass dieses System auf dynastischen und machtpolitischen Interessen beruhte und spätere Kaiserzeit-Entwicklungen (z.B. Entlassung Bismarcks 1890) die Stabilität untergruben.

Kolonialpolitik: Bismarck wird zudem dafür kritisiert, dass er den Weg für deutsche Kolonialambitionen ebnete und an der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 beteiligt war; Historiker betonen, dass dabei die Opfer und kolonialen Gewaltfolgen oft ausgeblendet wurden.

Persönliche Macht und institutionelle Folgen

Machtkonzentration und Verfassungswirklichkeit: Bismarcks Politik basierte stark auf persönlicher Autorität und informellen Netzwerken. Kritiker sehen darin eine Schwächung parlamentarischer Kontrolle und eine Verfestigung eines autoritären Regierungstons, der die Entwicklung einer stabilen demokratischen Kultur behinderte.

Seine Praxis, politische Gegner zu isolieren und das Parlament zu umgehen, hinterließ institutionelle Defizite, die das Kaiserreich prägten.

Fazit

Zusammengefasst: Bismarck wird positiv für die Reichsgründung und soziale Absicherungen gewürdigt, aber zugleich scharf kritisiert wegen repressiver Innenpolitik, taktischer Sozialreformen, problematischer Kolonialbeteiligung und langfristiger Schwächung demokratischer Strukturen. ...

Bpb.de Was bleibt von Bismarck? | Bismarck | bpb.de

Geschichtsforum.de Bismarck Pro & Contra | Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte“

Winston Churchill (1874-1965)

„Winston Churchill war ein bedeutender britischer Politiker, der während seiner Amtszeit als Premierminister von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 wichtige politische Entscheidungen traf. Seine Politik war geprägt von Entschlossenheit, Führung und Vision.

Während seiner Amtszeit stellte Churchill eine Reihe von Forderungen, die seine politische Agenda prägten. Eine seiner wichtigsten Forderungen war die Stärkung der Allianzen mit den Alliierten im Zweiten Weltkrieg, um den Sieg über die Achsenmächte sicherzustellen. Er setzte sich auch für die Verteidigung der Demokratie und Freiheit ein und war ein entschiedener Gegner des Totalitarismus.

Ein weiterer Schwerpunkt von Churchills Politik war die Stärkung der Wirtschaft und des Wohlstands des Vereinigten Königreichs. Er setzte sich für Reformen ein, die die britische Wirtschaft ankurbeln und die Arbeitslosigkeit reduzieren sollten. Darüber hinaus verfolgte er eine aktive Außenpolitik, um das Ansehen des Vereinigten Königreichs in der Welt zu stärken.

Churchills Politik war auch durch seine Leidenschaft für die Verteidigung der britischen Werte und Traditionen geprägt. Er setzte sich für die Erhaltung des britischen Empire ein und war ein Verfechter des Commonwealth. Seine Reden und Schriften zeugen von seinem starken Glauben an die Stärke und Resilienz des britischen Volkes.

Insgesamt kann Churchills Politik als mutig, entschlossen und patriotisch beschrieben werden. Er setzte sich für die Interessen seines Landes und die Werte, die er für wichtig hielt, mit Leidenschaft und Überzeugung ein. ...

Churchill war bekannt für seine inspirierenden Reden, in denen er das britische Volk zum Durchhalten und zur Einigkeit aufrief. Sein berühmtester Satz «We shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender» wurde zu einem Symbol des britischen Wider- standsgeist.”88

Kritik an Churchills Politik. Copilot sagte am 27.11.2025:„Winston Churchill wird zwar oft als Kriegsheld gefeiert, aber seine Politik ist aus mehreren Gründen umstritten: koloniale Entscheidungen mit tödlichen Folgen, militärische Fehlent-scheidungen, rassistische Äußerungen und widersprüchliche Innenpolitik sind zentrale Kritikpunkte.

Kritikpunkte an Churchills Politik

Überblick und Kontext

Churchill gilt als prägende Figur des 20. Jahrhunderts, doch sein politisches Erbe ist ambivalent: neben Lob für seine Rolle im Zweiten Weltkrieg stehen lang andauernde Debatten über seine Verantwortung in anderen Politikfeldern.

Kolonialpolitik und Bengalische Hungersnot

Ein zentraler Kritikpunkt ist Churchills Haltung gegenüber dem Empire und konkrete Entscheidungen während der Bengalischen Hungersnot 1943. Kritiker werfen ihm vor, wirtschaftliche Prioritäten und imperialer Kalkül hätten die britische Hilfe verzögert oder verhindert; Historiker schätzen die Opferzahlen in Millionenhöhe und sehen in Churchills Äußerungen und Entscheidungen eine Mitschuld an der humanitären Katastrophe.

Militärische Fehlentscheidungen

Churchills Karriere enthält auch militärische Fehlschläge: Als Erster Lord der Admiralität trug er maßgeblich Verantwortung für die Landungsoperation bei Gallipoli im Ersten Weltkrieg, die in einem Desaster endete und seine politische Stellung zeitweise schwächte. Solche Entscheidungen werden als Beispiel für riskante Strategie und mangelhafte Planung angeführt.

Rassismusvorwürfe und öffentliche Debatten

Churchill wird wiederholt wegen rassistischer Äußerungen und kolonialer Denkweisen kritisiert. Diese Vorwürfe traten besonders sichtbar während Anti-Rassismus-Protesten auf, als sein Denkmal in London Ziel von Schmierereien wurde; die Debatte verbindet moralische Bewertung seiner Sprache mit der praktischen Wirkung seiner Politik in kolonialen Kontexten.

Innenpolitik, Sozialpolitik und Demokratieverständnis

Neben Außen- und Kolonialpolitik gibt es Kritik an Churchills innenpolitischen Prioritäten: Seine Regierungspolitik vor und nach dem Krieg wird als inkonsistent beschrieben, und einige Zitate und Aussagen werden herangezogen, um ein ambivalentes Demokratieverständnis zu illustrieren. Solche Formulierungen werden in der öffentlichen Diskussion oft genutzt, um seine politischen Widersprüche zu betonen

Fazit

Wichtiger Punkt: Churchills historische Rolle ist komplex: seine Führung im Krieg wird weithin anerkannt, gleichzeitig sind konkrete politische Entscheidungen und sprachliche Äußerungen legitime Gegenstände kritischer historischer Bewertung.

Welt Winston Churchill sorgte auch abseits der Politik für Schlagzeilen

Südwestrundfunk | SWR.de Winston Churchill - Staatsmann der Widersprüche - SWR Kultur“

Willy Brandt (1913-1992)

„Willy Brandt (SPD) war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler. Gesellschaftspolitische Liberalisierung, die Losung „Mehr Demokratie wagen“ und eine neue Ostpolitik kenn-zeichnen seine Kanzlerschaft.

Die sozialliberale Koalition wollte das Verhältnis zu den Ostblockstaaten entspannen, auch das zur DDR. Willy Brandt wollte zu „einem geregelten Nebeneinander der beiden deutschen Staaten“ kommen. Im Grundlagenvertrag von 1972 verpflichteten sich beide Staaten zu gutnachbarlichen Beziehungen.

Brandt setzte auf „Wandel durch Annäherung“. Er hoffte, dass sich im Zuge eines stärkeren Austausches zwischen den Menschen auch in der DDR die Verhältnisse langsam ändern könnten.

Ostverträge

Wandel durch Annäherung: Das Bild von Brandts Kniefall in Warschau ging um die Welt.

Foto: Bundesregierung/Reineke

Umstrittenster Punkt der neuen Ostpolitik Brandts war die Frage, ob die bestehende Grenze zu Polen anerkannt werden sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Siegermächte die nach zwei Flüssen benannte Oder-Neiße-Grenze in der Potsdamer Konferenz festgelegt. Damit erhielt Polen einen großen Teil der ehemaligen deutschen Gebiete: zum Beispiel Schlesien, Pommern und Ostpreußen.

Eine Anerkennung dieser Grenze bedeutete in den Augen vieler deutscher Flüchtlinge, ihre Heimat endgültig zu verlieren. Brandt war überzeugt, dass eine Versöhnung mit Polen nur möglich sein würde, wenn Deutschland diese Grenze nicht mehr in Frage stellte.

Als er zum Unterzeichnen des Vertrages nach Warschau reiste, legte er einen Kranz am Denkmal für die Opfer des jüdischen Ghetto-Aufstandes nieder. In der Gedenkminute kniete er vor den Toten nieder. Das Bild dieser großen menschlichen Geste ging um die Welt.

1971 wurde Willy Brandt für die Aussöhnung zwischen West und Ost mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Innenpolitik

Innenpolitische Veränderungen brachte die Regierung Brandt unter dem Motto „Mehr Demokratie wagen“ auf den Weg. Das Scheidungs- und des Abtreibungsrecht wurden reformiert, das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre heruntergesetzt.

1974 wurde der DDR-Spion Günter Guillaume enttarnt: Der Kanzler trat zurück.

Foto: Bundesregierung/Wegmann

Eingeführt wurde das Bafög, eine finanzielle Förderung für bedürftige Studenten. Die sozialliberale Koalition erweiterte die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben ebenso wie die Rechte von Mietern gegenüber Vermietern.

Allerdings zeichnete sich zu dieser Zeit auch schon eine wirtschaftliche Krise ab, die Brandts Regierung zunehmend zu schaffen machte. Mit voller Wucht traf sie seinen Nachfolger Helmut Schmidt, unter dem das Bündnis von SPD und FDP fortgesetzt wurde.

1974 wurde der DDR-Spion Günter Guillaume entlarvt - ein enger Vertrauter Brandts. Er hatte der Staatssicherheit der DDR viele geheime Informationen zugespielt. Brandt übernahm die politische Verantwortung und trat 1974 von seinem Amt zurück: nur anderthalb Jahre nach seinem Wahlsieg im Herbst 1972, der die SPD erstmals zur stärksten Fraktion im Bundestag gemacht hatte.“89

Kritik an Willy Brandts Politik

Copilot sagte hierzu am 27.11.2025

„Willy Brandt wird vor allem für seine Ostpolitik gelobt, zugleich aber kritisiert wegen Legitimierung der deutschen Teilung, innenpolitischer Spannungen und der Guillaume- Spionageaffäre, die zu seinem Rücktritt führte.

Kritikpunkte an Willy Brandts Ostpolitik

Kritiker warfen Brandt vor, durch die Neue Ostpolitik die Teilung Deutschlands zu verfestigen und damit langfristig die Chancen auf schnelle Wiedervereinigung zu schwächen; Gegner sahen in der Anerkennung des territorialen Status quo eine zu große Zugeständnisbereitschaft gegenüber dem Ostblock.

Innenpolitische Kritik und Reformen

Brandts Motto „Mehr Demokratie wagen“ brachte zahlreiche Reformen und Modernisierungen, doch manche Kritiker bemängelten Reformtempo und Prioritäten: Konservative warfen der Regierung zu viel gesellschaftlichen Wandel vor, linke Kritiker hielten manche Maßnahmen für zu moderat oder unvollständig.

Parlamentarische und gesellschaftliche Polarisierung

Die Ostverträge lösten in Bundestag und Öffentlichkeit heftige Debatten aus; die Ratifizierung war politisch riskant und führte zu starker Polarisierung zwischen Befürwortern von Entspannungspolitik und Gegnern, die nationale Interessen und Sicherheitsfragen in den Vordergrund stellten.

Öffentliche Reaktionen und mediale Debatte

Die Ostpolitik polarisierte nicht nur Parteien, sondern auch die Gesellschaft; während internationale Beobachter Brandts Ansatz als Beitrag zur Entspannung sahen, empfanden viele Bürger und Oppositionspolitiker die Verträge als Verzicht auf nationale Ansprüche und als innenpolitisches Risiko.

Wissenschaftliche Einordnung und Langzeitkritik

Historiker und Politikwissenschaftler erkennen Brandts Bedeutung für Entspannung und KSZE-Prozesse an, betonen aber zugleich, dass seine Politik nicht alle langfristigen Risiken ausschloss und in späteren Krisen (z. B. nach 2014) neu bewertet werden musste; die Ostpolitik bleibt daher ambivalent in ihrer Wirkungsgeschichte.

Guillaume-Affäre und Rücktritt

Ein zentraler Kritikpunkt an Brandts Amtsführung war die Fahrlässigkeit im Personenschutz: Der DDR-Agent Günter Guillaume, ein enger Mitarbeiter im Kanzleramt, wurde 1974 enttarnt; die Affäre führte zu Brandts Rücktritt, weil er politische Verantwortung übernahm und die Affäre als Vertrauensbruch und Sicherheitsversagen gewertet wurde.

Wirtschaftliche und sozialpolitische Kritik

Wirtschafts- und Sozialpolitik der sozialliberalen Koalition brachte Reformen, aber auch Vorwürfe mangelnder fiskalischer Disziplin und unzureichender Antworten auf strukturelle Probleme; Gegner sahen in manchen Sozialausgaben und Reformen langfristige Belastungen für den Staatshaushalt (Debatten hierzu sind Teil der zeitgenössischen Kritik).

Fazit: Brandts Politik bleibt ambivalent: große außenpolitische Erfolge stehen innenpolitischen Spannungen, Sicherheitsversäumnissen und anhaltender Kritik gegenüber

Bpb.de Die Ostpolitik 1969 bis 1973 | bpb.de

Simpleclub Reformpolitik unter Willy Brandt (1969-74) - simpleclub”

Und wie steht die SPD gegenwärtig, im Jahr 2025, da?

Hierzu schreibt Uwe Vorkötter am 25.11.2025:

„1972 holte Willy Brandt bei der Bundestagswahl 45,8 Prozent. 2025 holte Olaf Scholz 16,4 Prozent. Wenn man diesen Trend fortschreibt, muss die SPD bei der übernächsten Wahl um den Einzug in den Bundestag fürchten. Die 5-Prozent-Hürde gilt auch für Traditionsparteien.

Die Gründe für den Niedergang der SPD sind bekannt: Aus der Schutzmacht der kleinen Leute ist eine Partei der akademischen Linken geworden. Erst war sie Arbeiterpartei, dann Arbeitnehmerpartei, heute ist sie eine Partei des öffentlichen Dienstes. Sie versprach einst sozialen Aufstieg durch Bildung und Anstrengung. Inzwischen gilt Anstrengung als Zumutung. Wo die SPD regiert, schneiden die Schüler in den Bildungsstudien besonders schlecht ab. Ihre Sozialpolitik fördert nicht Arbeit, sondern Arbeitslosigkeit. Sie kümmert sich mit Hingabe um allerlei Minderheiten in der Gesellschaft und vernachlässigt die Mehrheit.

Das alles sage nicht nur ich über die SPD. Das sagen die Sozialdemokraten selbst, jedenfalls die aus besseren Zeiten. Gerhard Schröder beklagt, seine Partei habe ihren Kompass verloren. Sie kümmere sich nicht um die arbeitende Mitte, sondern nur um die Empfänger von Sozialleistungen. Sigmar Gabriel meint, die SPD verteidige nicht mehr den Sozialstaat, sondern den Sozialhilfestaat. Peer Steinbrück sieht das ähnlich, Martin Schulz auch.“90

5. Wissenschaftler/in

Isaac Newton (1643-1727)

„Isaac Newton wurde am 4. Januar 1643 in Woolsthorpe bei Grantham geboren, einer kleinen Ortschaft in England. Sein Vater starb vor seiner Geburt, die Mutter heiratete neu und überließ ihn lange den Großeltern. Schon in der Schule fiel er durch handwerkliches Geschick und seine Neigung zu stiller Beobachtung auf.

Ausbildung: Er studierte in Cambridge, wo er zunächst Philosophie und Theologie belegte, sich aber bald leidenschaftlich Mathematik und Naturphilosophie zuwandte. Seine Dozenten erkannten früh sein enormes Talent.

Tod: Newton starb am 31. März 1727 in London, als geachteter Gelehrter und Präsident der Royal Society.

Kernforschung & Entdeckungen

Gravitation & Mechanik: Newton formulierte das Gravitationsgesetz und die drei Bewegungsgesetze, die die Grundlage der klassischen Mechanik bilden. Damit erklärte er nicht nur das Fallen von Äpfeln, sondern auch die Bahnen von Planeten und Monden.

Optik: In Experimenten mit Prismen entdeckte er, dass weißes Licht aus einem Spektrum von Farben zusammengesetzt ist. Außerdem entwickelte er das Spiegelteleskop, das störende Farbfehler herkömmlicher Linsenteleskope vermied.

Mathematik: Zusammen mit Leibniz legte er den Grundstein für die Differential- und Integralrechnung, ohne die moderne Physik und Technik undenkbar wäre.

Leistungen & Einfluss

Weltbild & Technik: Newtons Arbeiten führten zu einer regelrechten Revolution des naturwissenschaftlichen Denkens. Sein mechanisches Weltbild, das auf universellen Gesetzen beruhte, prägte Jahrhunderte. Es ermöglichte die Entwicklung von präziser Astronomie, Navigation und später von Maschinenbau und Ingenieurswissenschaft.

Maßeinheiten: Viele der von Newton verwendeten Definitionen gingen in spätere internationale Systeme ein.

Technologien: Seine Gesetze ermöglichen bis heute die Berechnung von Flugbahnen, Bauwerken und technischen Prozessen.

Symbol: Newton verkörpert bis heute die Rationalität und Klarheit des wissenschaftlichen Arbeitens.

Persönlichkeit & Eigenarten

Eigenbrötler & Forschergeist: Newton war bekannt für seine zurückgezogene Lebensweise und seine Misstrauen gegenüber Kollegen. Er führte erbitterte Prioritätsstreitigkeiten, besonders mit Leibniz über die Infinitesimalrechnung.

Exzentrik: Er hielt penibel Ordnung in seinen Schriften, führte genaue Essens- und Arbeitsrituale und konnte sich tagelang in Probleme vergraben.

Sozialleben: Er blieb unverheiratet und hatte weder Kinder noch bekannte Liebesgeschichten. Stattdessen widmete er sein Leben fast ausschließlich der Wissenschaft und seinen theologischen Studien, war aber bei Hofe hoch respektiert.

Späte Anerkennung

Ehrungen & Nachruhm: Newton wurde 1705 von Königin Anne geadelt und durfte fortan „Sir Isaac Newton“ heißen. Nach seinem Tod wurde ihm ein feierliches Staatsbegräbnis in der Westminster Abbey zuteil, wo sein monumentales Grab bis heute Wissenschaftsinteressierte anzieht.

Nachwirkung: Newtons Formeln und Theorien sind Grundpfeiler jeder modernen Physikausbildung. Schulen, Forschungseinrichtungen und Preise tragen seinen Namen.

Mythos: Newton steht weltweit als Symbolfigur für geniale, oft eigenwillige Forscher, deren Ideen noch Jahrhunderte überdauern. Seine Lebensgeschichte inspiriert bis heute unzählige Bücher und Filme.“91

Kritik an Newtons mechanistischem Weltbild

Copilot sagte hierzu am 27.11.2025:

Newton prägte ein mechanistisches Weltbild, das Natur als deterministische Maschine beschreibt; diese Sicht wird kritisiert, weil sie Reduktionismus, Absolutheitsannahmen und methodische Grenzen gegenüber Phänomenen wie Gravitation, Leben, Thermodynamik und modernen Theorien aufweist.

Kern der Kritik

Was ist das mechanistische Weltbild?

Das mechanistische Weltbild fasst Natur als Zusammenspiel von materiellen Teilchen, deren Bewegung durch mathematische, deterministische Gesetze vollständig beschrieben werden kann; Sinn, Zweck oder innere Kräfte werden dabei nicht vorausgesetzt.

Philosophische Folgen und Rezeption

Newtonische Mechanik wurde in der Philosophie breit rezipiert und beeinflusste etwa Kants Naturverständnis; Kritiker betonen, dass die Übertragung physikalischer Modelle auf metaphysische oder moralische Bereiche zu vereinfachenden und irreführenden Schlussfolgerungen führen kann.

Raum, Zeit und die Grenzen der Newtonschen Annahmen

Ein zentraler Kritikpunkt ist Newtons Annahme von absolutem Raum und absoluter Zeit. Spätere Theorien, insbesondere Einsteins Relativitätstheorie, zeigten, dass Raum und Zeit nicht unabhängig von Materie und Bewegung sind, wodurch das Newtonsche Fundament in bestimmten Bereichen ersetzt oder relativiert wurde.

Gravitation, Fernwirkung und methodische Inkonsistenzen

Obwohl Newton die Gravitation mathematisch beschrieb, blieb die Erklärung der Ursache (wie Kräfte über den leeren Raum wirken) problematisch; manche Autoren argumentieren, dass Newtons Theorie in wichtigen Punkten nicht rein mechanistisch ist und dass seine Formulierungen eher eine Umformung des Mechanizismus als dessen strikte Bestätigung darstellen.

Reduktionismus versus Emergenz, Leben und Komplexität

Kritiker heben hervor, dass das mechanistische Modell biologische, thermodynamische und komplexe Systeme oft unzureichend erfasst: Phänomene wie Selbstorganisation, statistische Gesetzmäßigkeiten, irreversibler Zeitpfeil und quantenmechanische Effekte lassen sich nicht ohne Weiteres auf klassische, deterministische Teilchenbewegungen zurückführen; deshalb wird ein rein mechanistisches Weltbild heute als unvollständig betrachtet.

Fazit

Wichtig: Die Kritik relativiert nicht Newtons epochale Leistung in Mathematik und Physik, sondern zeigt, dass sein mechanistisches Deutungsmuster methodische Grenzen hat und in der Folgegeschichte der Wissenschaft durch Theorien ergänzt oder modifiziert werden musste. Newton bleibt Grundstein, nicht Endpunkt. ...

Wikipedia Mechanistisches Weltbild - Wikipedia

philosophisches-jahrbuch.de DER EINFLUSS DES NEWTONSCHEN WELTBILDES AUF DIE PHILOSOPHIE KANTS“

Charles Darwin (1809-1882)

„Charles Robert Darwin war ein britischer Naturwissenschaftler und lebte von 1809 bis 1882. Er lieferte die wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie, welche bis heute in der Naturwissenschaft als die Erklärung für die Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens gilt. In diesem Artikel gehen wir auf seine Ideen zur Evolution ein.

Im Jahre 1831 brach Charles Darwin zu einer fünfjährigen Reise mit dem britischen Schiff "Beagle" auf. Bei dieser Mission erforschte Charles Darwin die geologischen Eigenschaften der Kontinente und Inseln. Er untersuchte eine große Anzahl von Lebewesen und Fossilien und fand viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Lebensformen.

Die Entdeckung der vielen Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten führten dazu, dass Charles Darwin 1838 seine Theorie von der Anpassung an den Lebensraum durch Variation und natürliche Selektion verfasste. Die Grundlagen der heutigen Evolutionslehre waren geboren: Lebewesen entwickeln sich genetisch weiter, in dem ihre Gene mutieren. Positive Veränderungen setzten sich durch, negative Entwicklungen wurden durch den Konkurrenzkampf ausgerottet. Darwin schrieb seine Erkenntnisse in dem Buch "On the Origin of Species" nieder, zu Deutsch: "Die Entstehung der Arten".

Evolution: Vielfalt, Wettbewerb, Ausrottung

Die Evolution gilt in der Naturwissenschaft als die Erklärung dafür, wie das Leben auf der Erde entstand. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Konzept der Evolution zumindest in den meisten westlichen Ländern gegen die Schöpfung durch einen Gott durchgesetzt. Fakt ist jedoch: Kein heute lebender Mensch hat vor zum Beispiel einigen Millionen Jahren gelebt und kann nun berichten, wie die Welt zu dieser Zeit aussah. Die Wissenschaftler berufen sich heute auf das, was an Fossilien aus dem Boden ausgegraben wurde bzw. aus Sicht der Genetik heute an Lebewesen zu beobachten ist. Darauf gehen wir aber in den Anderen Abschnitten zur Evolutionstheorie in unserem Biologie-Bereich noch näher ein.

Schaut man sich die oben getroffenen Aussagen noch einmal genauer an, kann man aus diesen einige Schlussfolgerungen ziehen. Diese möchten wir noch einmal kurz zusammen fassen. Die Evolutionstheorie besagt:

Die Lebewesen auf der Erde weisen viele Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten auf

Durch Mutation von Genen verändern sich Lebewesen. Dabei sorgen positive Entwicklungen, sprich Entwicklungen die zu diesem Zeitpunkt und für die entsprechende Umgebung nützlich sind dafür, dass sich eine Spezies durchsetzen kann.

Finden bei einer Spezies negative (genetische) Entwicklungen statt, so reduziert sich deren Anzahl an Lebewesen, was bis zur Ausrottung führen kann.

Der Wettbewerb zwischen einzelnen Spezies und auch einzeln Individuen findet permanent statt. Es geht somit ständig darum, den eigenen Fortbestand zu sichern. Dies geschieht auf mehreren Ebenen: Zum einen natürlich in Form von ausreichender Beschaffung von Nahrung. Zum anderen auch aus Sicht der Fortpflanzung.

Die Theorie besagt: Der fitteste überlebt. Dies muss man in klarerer Unterscheidung zur Aussage "Der Stärkste überlebt" sehen. Denn wichtig zum Überleben ist nicht nur die körperliche Kraft, sondern auch die geistige Leistung und Angepasstheit an die Umgebung und Situation.“92

Darwin erkannte, dass geschichtlicher Fortschritt nicht durch "das Recht der Stärkeren", sondern durch Kooperation und Team-Arbeit erzielt wird. Was ist davon zu halten?

Copilot sagte hierzu am 27.11.2025:

„Darwin sah die „Struggle for existence“ nicht als bloße Gewalt-Metapher, sondern als breiten Begriff, in dem sowohl Konkurrenz als auch Kooperation eine Rolle spielen. Moderne Evolutionsbiologie bestätigt: Kooperation ist ein zentraler Motor evolutionärer Innovationen, neben Konkurrenz.

Kooperation und Wettbewerb in der Evolution

Darwins Formulierung „struggle for existence“ wurde historisch oft als reiner Kampf um Ressourcen verstanden, doch der Begriff war weiter gefasst und bezog sich auf vielfältige Formen des Konkurrenzierens und Sich-Durchsetzens in wechselnden Umweltbedingungen. Darwin selbst und seine frühen Leser verwendeten die Metapher unterschiedlich, was zu Missverständnissen führte, wenn Übersetzer oder Kommentatoren den Ausdruck als „Kampf ums Dasein“ verkürzten.

Konkurrenz bleibt wichtig aber nicht exklusiv.

Wissenschaftlich ist Konkurrenz ein klarer Selektionsfaktor: Individuen mit Merkmalen, die in einer gegebenen Umwelt Vorteile bringen, hinterlassen mehr Nachkommen, und das wirkt evolutionär. Konkurrenz ist besonders stark zwischen sehr ähnlichen Individuen oder Arten mit überlappenden Nischen; sie formt Anpassungen und treibt Differenzierung voran. Kooperation als evolutionäre Strategie

Gleichzeitig zeigen Theorien und Experimente, dass Kooperation vielfach adaptiv ist: Mechanismen wie Verwandtenselektion, reziproker Altruismus, gegenseitige Symbiosen und kollektive Problemlösungen erklären, wie kooperative Verhaltensweisen entstehen und stabil bleiben können. Neuere Arbeiten betonen, dass Vermeidung von Konkurrenz, Arbeitsteilung und gegenseitige Hilfe ökologische Nischen öffnen und Biodiversität fördern können; einige Modelle und Experimente legen nahe, dass Kooperation in vielen Fällen ein treibender Faktor für Evolution ist.

Historische und ideologische Debatten

Die Betonung von Konkurrenz wurde auch politisch und philosophisch instrumentalisiert (z. B. Sozialdarwinismus). Andere Denker wie Peter Kropotkin hoben dagegen die Bedeutung von Mutual Aid hervor und argumentierten, dass Kooperation in harschen Umwelten oft überlebensentscheidend ist. Diese Debatten zeigen, dass die biologische Beschreibung nicht automatisch normative Schlussfolgerungen über Gesellschaft erlaubt.

Fazit und Bewertung

Wichtig ist: Evolution ist kein Ein-Faktor-Prozess. Konkurrenz und Kooperation sind komplementäre Kräfte; ihre relative Bedeutung hängt von ökologischen Bedingungen, genetischen Mechanismen und sozialen Strukturen ab. Darwin legte mit seiner Formulierung den Grundstein, aber spätere Forschung hat das Bild differenziert und die zentrale Rolle von Kooperation klarer herausgearbeitet. ...

Wikipedia Struggle for existence - Wikipedia

Springer Evolution and Competition | SpringerLink

Kritik an Darwins Evolutionstheorie

Copilot sagte hierzu am 27.11.2025:

„Darwins Theorie der natürlichen Selektion bleibt die zentrale Erklärung für die Vielfalt des Lebens, steht aber seit ihrer Veröffentlichung unter vielfältiger Kritik - historisch, methodisch und aus alternativen Deutungsrahmen.

Historischer und philosophischer Kontext

Kritikpunkte reichten von theologischen Einwänden bis zu philosophischen Ergänzungen: Zeitgenössische Reaktionen betonten, dass Darwins Werk bestehende Weltbilder erschütterte und dass einige Denkerinnen und Denker (z. B. Antoinette Brown Blackwell) Aspekte der Theorie ergänzen oder korrigieren wollten, insbesondere im Hinblick auf soziale und geschlechtsspezifische Interpretationen.

Wissenschaftliche Einwände gegen Kernaussagen

Makroevolution versus Mikroevolution: Manche Kritiker unterscheiden strikt zwischen kleinen, beobachtbaren Veränderungen innerhalb einer Art (Mikroevolution) und der Entstehung völlig neuer Großgruppen (Makroevolution) und bezweifeln, dass Zufall und Selektion allein Makroevolution ausreichend erklären können.

Fehlende Übergangsformen: Historisch wurde auf Lücken im Fossilbericht verwiesen; Kritiker sehen darin ein Problem für die graduelle Umwandlungstheorie.

Ursprung des Lebens: Darwins Theorie erklärt die Diversifikation lebender Formen, nicht aber, wie Leben ursprünglich entstand; für viele Kritiker bleibt der Abiogenese-Aspekt ungelöst und wird als Schwachstelle dargestellt.

Soziale und religiöse Kritik

Religiöse Ablehnung und kulturelle Widerstände spielten eine große Rolle bei der frühen Nichtakzeptanz; viele Gegner argumentierten, die Theorie widerspräche biblischen Schöpfungslehren oder grundlegenden anthropologischen Annahmen, und wiesen auf vermeintliche Beweislücken hin.

Moderne molekulare und informationstheoretische Einwände

Einige heutige Kritiker berufen sich auf Genetik und Informationsgehalt der DNA: sie behaupten, die Komplexität genetischer Information lasse sich nicht plausibel durch zufällige Mutation und Selektion erklären und sehen darin Hinweise auf alternative Erklärungen (z. B. intelligent design).

Diese Positionen sind in der Fachwelt umstritten und werden von den meisten Evolutionsbiologen nicht geteilt, finden aber in populären Debatten Resonanz.

Methodische und begriffliche Kritik

Kritiker weisen auch auf Begriffsverwischungen hin - etwa die Übertragung biologischer Selektionskonzepte auf Kultur, Technik oder Gesellschaft - und warnen vor zu weiten Analogien, die die Theorie überdehnen oder missverständlich machen können.

Wichtig: Viele der genannten Kritikpunkte haben die Evolutionsbiologie selbst angeregt, sich weiterzuentwickeln: moderne Synthesen integrieren Genetik, Entwicklungsbiologie und Paläontologie und liefern heute deutlich robustere Erklärungen als zu Darwins Lebzeiten. ...

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Kritik an Evolutionstheorie - Worin Darwin falsch lag science-of-involution.org Kritik am Darwinismus - Science of Involution”

Albert Einstein (1879-1955)

„Spezielle Relativitätstheorie

Viele Leute kennen Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, aber seine erste Entdeckung wurde tatsächlich die spezielle Relativitätstheorie genannt. Diese Theorie war eine Erweiterung einer relativen Theorie, die zuerst von Galileo diskutiert wurde. Einsteins spezielle Relativitätstheorie besagt, dass die Lichtgeschwindigkeit unabhängig von der Quelle der Bewegung für alle gleich ist. Die Theorie deckt auch die Zeitdilatation und Längenkontraktion ab, indem sie feststellt, dass eine sich bewegende Person in Bewegungsrichtung zu schrumpfen scheint und die Zeit verlangsamt, wobei sowohl die Zeitdilatation als auch die Längenkontraktion deutlicher werden, wenn sich das Objekt der Geschwindigkeit von . nähert hell. Der besondere Teil dieser Theorie bezieht sich auf die Beschränkung von Objekten in konstanter Relativbewegung.

Allgemeine Relativitätstheorie

Einstein veröffentlichte 1915 seine Allgemeine Relativitätstheorie, und sie wurde zu einer der wichtigsten Theorien, die für die moderne Astrophysik entwickelt wurden. Die allgemeine Theorie erweiterte seine bisherige spezielle Theorie. Diese Theorie stellt fest, dass Gravitation und Bewegung Zeit und Raum beeinflussen. Einstein verwendete seine Äquivalenztheorie, um die Grundlage seiner Relativitätstheorie zu bilden. Die Äquivalenztheorie besagt, dass die Anziehungskraft der Schwerkraft auf ein Objekt in einer Richtung der Beschleunigung in die entgegengesetzte Richtung entspricht. Dies half ihm, die Relativitätstheorie zu entdecken, indem er erklärte, wie Licht, wenn es durch Beschleunigung gebogen wird, auch durch die Schwerkraft gebogen werden muss. 1919 bewiesen zwei separate Weltraumexpeditionen, dass Einstein Recht hatte. Diese Expeditionen stellten fest, wie sich das Sternenlicht aufgrund der von der Sonne während einer Sonnenfinsternis erzeugten Schwerkraft beugt. Diese Theorie behauptete auch, zu beweisen, dass im Universum eine Anti-Schwerkraft-Kraft am Werk war, die verhinderte, dass alles in sich zusammenfällt. Einstein nannte dies die kosmologische Konstante.

Ruheenergie E=MC2

ist eine bekannte Formel von Einstein. Die Formel steht für Energie gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Vakuum zum Quadrat. Es ist eine Äquivalenzformel, die bewies, dass Teilchen neben kinetischer und potentieller Energie auch Ruheenergie haben. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die Schwerkraft Licht biegen kann. Diese Formel berechnet auch die Menge an freigesetzter oder verbrauchter Energie während einer Kernreaktion. Es war diese Ruheenergieformel, die dazu beigetragen hat, die erste Atombombe zu bauen, und Einstein wird zugeschrieben, dass er einen Brief an den damaligen Präsidenten Franklin Roosevelt geschrieben hat, in dem er ihn ermutigt hat, Uran für die Durchführung von Atomkriegen während des Zweiten Weltkriegs zu finanzieren.

Friedensnobelpreis

Obwohl die meisten Leute Einstein für seine Relativitätstheorie kennen, erhielt er 1921 tatsächlich den Friedensnobelpreis für Physik für seine Arbeiten über den photoelektrischen Effekt. Einstein untersuchte die Schritte, die erforderlich sind, damit eine metallische Oberfläche Elektronen emittiert, wenn sie elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt wird. Kontroversen um seine Relativitätstheorien verhinderten, dass seine Theorien für den Friedensnobelpreis in Betracht gezogen wurden, weshalb er für seine Arbeiten zum photoelektrischen Magnetismus geehrt wurde.“93

Zu Einsteins Zeit-Begriffen

Einsteins Raumzeit, die des vierdimensionalen „Blockuniversums“ lehnt Lee Smolin entschieden ab. Man könne und müsse die Zeit aus sich selbst begreifen und daher die ZeitVorstellung von der Raum-Vorstellung trennen. Ergebnis: Der Raum könne - fast wie bei Kant - aus der Zeit begriffen werden, nicht umgekehrt. (a.a.O. S. 258)

Eine „absolute oder universale Zeit“ lehnt Smolin dennoch ebenso strikt ab, zumal es bei der Zeit um „wahrgenommene Beziehungen“ und somit um Veränderung gehe (S. 99). Zu definieren - und zwar sogar „vollständig“ - sei die Zeit „durch die Beziehungen zwischen Ereignissen“. Unter ausdrücklicher Berufung auf Leibniz erklärt Smolin: „Beziehungen sind die einzige Wirklichkeit, die der Zeit entspricht - Beziehungen kausaler Art“ (S. 102).

Hier ist anzumerken, dass die Beschreibung des „Kosmischen Zeitpfeils“ inzwischen durch die von Horst Fritsch im Jahre 2007 vorgelegte „Kosmische Zeit-Hypothese (KZH)“ erweitert worden ist, die auf der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit beruht. Demnach ist das Universum unendlich, unbegrenzt in Zeit und Raum; es hat „weder einen Anfang noch ein Ende in der Zeit“, so dass die „Urknall“-Theorie hinfällig wird. Stattdessen entwickelt Fritsch teilweise neue Zeit-Vorstellungen, die nicht auf der Relativitätstheorie beruhen, ohne deren Gültigkeit in irgendeiner Weise in Frage zu stellen. Aber: Als „Referenzzeit“, wie sie zur Definition der Zeit nötig wäre, kann Einsteins Theorie offenbar nicht dienen, so dass Fritsch folgert: „Die Relativitätstheorie gibt uns also keine Antwort auf die Frage, ob es ein universelles, absolutes Zeitmaß gibt oder nicht.“94 Was vielleicht auch der Grund dafür ist, dass Einstein, nach dem Wesen der Zeit gefragt, witziger Weise antwortete, man solle doch auf die Uhr schauen ... - In Bezug auf die Kosmische-Zeit-Hypothese von Horst Fritsch bleibt allerdings die Frage offen, wie der Kosmos zu bestimmen sein soll: als Universum, ParallelUniversum, Multiversum?95

Kritik an Einsteins Theorien

Copilot sagte hierzu am 27.11.2025:

„Einsteins spezielle und allgemeine Relativitätstheorie sind in der Fachwelt gut bestätigt, aber sie wurden und werden auf mehreren Ebenen kritisiert: wissenschaftlich-methodisch, philosophisch und ideologisch; viele heutige Einwände stammen aus Randpositionen und werden von der Fachgemeinschaft nicht als überzeugend angesehen.

Überblick

Kritik an Einsteins Theorien reicht von technischen Einwänden über Messmethoden bis zu philosophischen Vorbehalten gegen die mathematische Formulierung. Historisch gab es nach der Veröffentlichung zahlreiche Gegenentwürfe und Debatten; manche Kritik war fachlich motiviert, andere ideologisch oder pseudowissenschaftlich. Wichtig: die Relativitätstheorien gelten in der modernen Physik als experimentell sehr gut bestätigt, weshalb viele historische Einwände heute als widerlegt oder marginal betrachtet werden.

Wissenschaftliche Einwände

Wissenschaftliche Kritik konzentriert sich typischerweise auf Grenzfälle, Interpretationen und mögliche Erweiterungen. Beispiele sind Diskussionen über die Vereinbarkeit mit der Quantenmechanik, Fragen zur Natur der Raumzeit-Singularitäten und Versuche, alternative Theorien (z. B. modifizierte Gravitation) zu formulieren. Solche Debatten sind Teil des normalen wissenschaftlichen Prozesses; prominente Physiker verteidigen jedoch die Kernaussagen der Relativität, weil sie durch viele Experimente gestützt werden.

Philosophische und methodische Kritik

Einige Kritiker bemängeln die abstrakte, mathematische Methode und die daraus resultierende Intuitionstrennung von „Alltagsvorstellungen“ über Raum und Zeit. Es gibt auch Arbeiten, die Einsteins Argumentationslinien historisch und textkritisch hinterfragen und alternative Deutungen vorschlagen; diese bleiben meist auf philosophischer oder historischer Ebene und ändern nichts an den empirischen Vorhersagen der Theorie.

Pseudowissenschaftliche und ideologische Kritik

Es existiert eine Reihe von Webseiten, Büchern und Autoren, die die Relativitätstheorie grundsätzlich ablehnen. Manche dieser Positionen stützen sich auf Missverständnisse, fehlerhafte Rechnungen oder ideologische Motive; in der Vergangenheit spielten auch antisemitische Motive bei der Ablehnung eine Rolle. Solche antirelativistischen Bewegungen werden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft in der Regel nicht ernst genommen.

Fazit

Kernaussage: Die Relativitätstheorien bleiben zentrale Säulen der modernen Physik; Kritik ist vielfältig und reicht von produktiven wissenschaftlichen Debatten bis zu unbegründeter Ablehnung. Produktive Kritik zielt heute meist auf die Vereinigung mit der Quantenphysik oder auf präzisere Tests in extremen Regimen, nicht auf eine grundsätzliche Rücknahme der bewährten Vorhersagen.

Wikipedia Kritik an der Relativitätstheorie - Wikipedia

DER STANDARD Ein Physiknobelpreisträger wehrt sich gegen Zweifel an Einsteins ...“

Marie Curie (1867-1934)

„Warum uns Marie Curie inspiriert

Ein strahlendes Vermächtnis - warum uns Marie Curie inspiriert

Im späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhellte eine außergewöhnliche Frau die wissenschaftliche Welt: Marie Curie. Ihr Name steht nicht nur für die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, sondern sie begründete auch den Anfang einer völlig neuen Ära in Physik, Chemie, Medizin, Technologie und Nuklearwissenschaften.

Ein Funken Genie in Warschau

Marie Curie wurde in keine einfache Zeit hinein geboren. Als sie mit dem Namen Maria Skodowska am 7. November 1867 in Warschau das Licht der Welt erblickte, litt Polen gerade unter der russischen Besetzung. Frauen wurden diskriminiert, durften nicht an Universitäten studieren. Dennoch ist der kleinen Marie schon früh klar: Sie will Wissenschaftlerin werden und ist fest entschlossen, sich ihren Traum zu erfüllen. Ihr Ziel: die für Frauen zugelassene Sorbonne Universität in Paris. Doch seit Maries Mutter 1877 an Tuberkulose gestorben war, war die finanzielle Situation der Familie schwierig und machte ein Auslandsstudium für Marie unmöglich. Also musste sich Marie das Geld für Paris selbst erarbeiten. Sie gab Privatunterricht und arbeitete später auch als Hauslehrerin für wohlhabende Familien. Nebenbei besuchte sie mit ihrer Schwester Kurse an der sogenannten „Fliegenden Universität“ - eine Untergrundinstitution, die jungen Menschen einen wissenschaftlichen Austausch ermöglichte, der unter dem bestehenden Regime verboten war.

1890 wurde Maries Cousin Józef Boguski, einem ehemaligen Assistenten des russischen Chemikers Dmitri Mendelejew, die Leitung des Warschauer Industrie- und Landwirtschaftsmuseums übertragen. In dem Laboratorium des Museums bekam Marie zum ersten Mal die Gelegenheit, eigene chemische und physikalische Experimente durchzuführen. Das festigte Maries Interesse an experimenteller Forschung auf dem Gebiet der Physik und Chemie und Maries Wunsch in Paris Physik und Mathematik zu studieren wurde immer größer.

Ein leuchtender Beitrag zur Wissenschaft

1891 war es schließlich so weit: Marie konnte endlich nach Paris reisen und sich an der Universität Sorbonne einschreiben. Unter den hier zu dieser Zeit 1825 eingeschriebenen Studenten befanden sich nur 210 Frauen und nur 23 davon studierten an der naturwissenschaftlichen Fakultät. In Paris lernte Marie den Physiker Pierre Curie kennen, der an der „École municipale de physique et de chimie industrielles“ unterrichtete und das dortige Laboratorium leitete. Die beiden heirateten und Marie schloss ihr Physikstudium an der Sorbonne als Beste ab, in Mathematik als Zweitbeste. Ein Jahr später schrieb sie als erste Frau Europas eine naturwissenschaftliche Doktorarbeit. Marie begann gemeinsam mit Pierre die von Physik-Professor Henri Becquerel entdeckte Strahlung von Uranverbindungen weiter zu erforschen. Dabei entdeckten sie zwei bis dahin unbekannte, strahlende Elemente: Polinium (das Marie nach ihrem Heimatland Polen benannte) und Radium. Die gemessene Strahlung nannte Marie Curie Radioaktivität. Für ihre Entdeckungen wurden Pierre Curie und Henri Becquerel 1903 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet - Maries Arbeit wurde zunächst außer Acht gelassen. Pierre bestand jedoch darauf, dass der Preis ebenso Marie verliehen wird. Damit ging Marie Curie als erste weibliche Nobelpreisträgerin in die Geschichte ein. Ihre Entdeckungen gelten bis heute als Grundstein der modernen Kernphysik. Strahlen in der Dunkelheit

Doch 1906 wird Maries Leben plötzlich auf den Kopf gestellt. Ihr Mann Pierre, mit dem sie inzwischen auch zwei Töchter bekommen hatte, starb bei einem tragischen Verkehrsunfall. Marie war am Boden zerstört und verfiel in Depressionen, doch aufgeben war für die Wissenschaftlerin keine Option. Sie übernahm Pierres Vorlesung an der Sorbonne und wurde damit zur ersten Professorin an der Pariser Universität. Sie forschte allein weiter und es gelang ihr, das von ihr entdeckte Element Radium zu isolieren - ein wissenschaftlicher Durchbruch. Für diese Errungenschaft wurde sie 1911 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Damit ist sie bis heute die einzige Person, die den begehrten Preis in zwei Wissenschaften erhielt.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs bildete sich Marie in Radiologie weiter und richtete schließlich für das Rote Kreuz eine mobile Röntgeneinrichtung ein. Endlich konnte man erkennen, wo im Körper der Soldaten die Gewehrkugeln steckten und so vielen Kriegsverwundeten helfen. Die letzten Jahre ihres Lebens widmete sich Marie Curie dem Aufbau eines Radium-Instituts. Zusammen mit einem Arzt gründet sie eine Ambulanz zur Behandlung von Krebskranken. Schon bald hatte die Abteilung für Strahlentherapie die ersten geheilten Patienten zu verzeichnen.

Ein strahlendes Vermächtnis

Während sie mit ihrer Arbeit unter anderem verhalf, Menschenleben zu retten, bezahlte Marie Curie am Ende mit ihrem eigenen Leben dafür. Am 4. Juli 1934 starb sie schließlich an den Folgen der Strahlung, der sie Jahrzehnte lang im Labor ausgesetzt war. In all den Jahren ihrer Forschung war noch nicht bekannt, wie gefährlich radioaktive Strahlung wirklich ist. Erste Krankheitsanzeichen hatten Marie und Pierre über die Jahre nicht in Verbindung mit ihrer Forschung gebracht. Doch Maries Erbe strahlt auch weit über ihren Tod hinaus weiter: Ihre Entdeckungen bilden die Grundlage für unser Verständnis von Nuklearphysik und Chemie und haben die moderne Medizin nachhaltig beeinflusst. Das nach ihr benannte Curie-Institut in Paris setzt ihre Mission fort und steht weiterhin an vorderster Front der Krebsforschung.

Aus widrigen Umständen heraus hat Marie sich zu einer der größten weiblichen Wissenschaftlerinnen der Geschichte hochgekämpft. Mit ihren zahlreichen Erfolgen und Auszeichnungen in einer Zeit, in der Frauen in der Wissenschaft noch wenig Sichtbarkeit hatten, ebnete sie vielen anderen weiblichen Forscherinnen den Weg. Wir sind inspiriert von Marie Curie!“96

Noam Chomsky (geb. 1928)

Copilot sagte über ihn am 27.11.2025:

„Noam Chomsky ist vor allem für die Generative Grammatik und die Idee einer Universalgrammatik bekannt: er behauptet, dass Menschen eine angeborene, strukturierende Fähigkeit zur Sprache besitzen, die den Erwerb jeder konkreten Sprache ermöglicht.

Überblick

Noam Chomsky revolutionierte die Linguistik ab den 1950er Jahren mit der These, dass Sprache nicht nur durch Nachahmung gelernt wird, sondern auf inneren, universellen Prinzipien beruht. Sein Ansatz wandte sich gegen behavioristische Modelle und legte den Grundstein für die moderne generative Sprachtheorie.

Kernideen

Generative Grammatik: Ein formales Regelwerk, das erklärt, wie aus einer begrenzten Menge von Regeln eine unbegrenzte Zahl korrekter Sätze erzeugt werden kann. Ziel ist es, die mentale Repräsentation grammatischer Regeln zu modellieren.

Universalgrammatik: Die Hypothese, dass alle menschlichen Sprachen gemeinsame, angeborene Prinzipien teilen und dass Kinder mit einer biologisch verankerten Sprachfähigkeit geboren werden, die das schnelle Erlernen komplexer Strukturen ermöglicht.

Rekursion als Schlüsselmechanismus: Chomsky betont Rekursion (Verschachtelung von Strukturen) als zentrales Merkmal menschlicher Sprache, das unendliche Ausdrucksmöglichkeiten schafft.

Methodik und Begriffe

Chomsky führte formale Werkzeuge ein (z. B. Transformationsregeln), um die Beziehung zwischen oberflächlicher Satzstruktur und tiefer syntaktischer Repräsentation zu beschreiben. Sein Fokus lag auf der kompetenten Sprachfähigkeit (was Sprecher unbewusst wissen) im Gegensatz zur performanten Nutzung (tatsächliche Sprachproduktion).

Kritik und Weiterentwicklungen

Chomskys Theorien sind einflussreich, aber umstritten. Kritiker hinterfragen die Universalität bestimmter Prinzipien, die Rolle der Rekursion in allen Sprachen und wie stark Genetik versus Umwelt den Spracherwerb bestimmt. In der Forschung entstanden alternative Erklärungsmodelle und empirische Studien, die die ursprünglichen Hypothesen präzisieren oder einschränken.

Bedeutung

Wichtig: Chomskys Arbeit veränderte nicht nur die Linguistik, sondern beeinflusste auch Kognitionswissenschaft, Psychologie und Informatik, weil sie Sprache als Fenster zur menschlichen Denkstruktur betrachtete. ...

Linguistik einfach einfach Universalgrammatik einfach erklärt: Noam Chomsky Theorie Wikipedia Universalgrammatik - Wikipedia“

Kritik an Chomskys Theorien

Dazu schreiben Paul Ibbotson und Michael Tomasello

„Ein neues Bild der Sprache

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts revolutionierte der amerikanische Linguist Noam Chomsky unsere Vorstellung davon, wie Kleinkinder ihre Muttersprache lernen. Doch jetzt erweisen sich seine Ideen als überholt.

Verbirgt sich im menschlichen Gehirn tatsächlich eine vorprogrammierte mentale Schablone zum Erlernen von Grammatik? Mit dieser Idee prägte der amerikanische Linguist Noam Chomsky vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge fast ein halbes Jahrhundert lang die gesamte Sprachwissenschaft. Nun aber verwerfen viele Kognitionswissenschaftler und Linguisten Chomskys Theorie der Universalgrammatik, denn neue Untersuchungen der verschiedensten Sprachen sowie der Art und Weise, wie Kleinkinder in Gemeinschaft kommunizieren, schüren starke Zweifel an Chomskys Behauptungen.

Auf einen Blick

Paradigmenwechsel in der Linguistik

1. Der amerikanische Forscher Noam Chomsky hat viele Jahrzehnte lang die gesamte Sprachwissenschaft geprägt. Berühmt machte ihn seine Theorie der Universalgrammatik.
2. Chomskys Idee, das Gehirn sei mit einer mentalen Schablone für Grammatik ausgerüstet, wird jedoch zunehmend durch linguistische Feldstudien in Frage gestellt.
3. So postuliert die "gebrauchsbasierte Linguistik", dass Kinder beim Spracherwerb allgemeine kognitive Fähigkeiten nutzen - und keine Universalgrammatik. Insbesondere können sie erraten, was andere Menschen ihnen mitteilen möchten.

Vielmehr setzt sich eine radikal neue Sichtweise durch, der zufolge das Erlernen der Muttersprache kein angeborenes Grammatikmodul voraussetzt. Offenbar nutzen Kleinkinder mehrere verschiedene Denkweisen, die gar nicht sprachspezifisch sein müssen - etwa die Fähigkeit, die Welt in Kategorien (wie Mensch oder Sache) einzuteilen oder Beziehungen zwischen Dingen zu begreifen. Hinzu kommt die einzigartige Gabe, intuitiv zu erfassen, was uns andere mitteilen möchten; erst so kann Sprache entstehen. Somit reicht Chomskys Theorie längst nicht aus, um den menschlichen Spracherwerb zu erklären.“97

Chomsky ist aber nicht nur Linguist, wie der folgende Interview-Beitrag dokumentiert: »Noam Chomsky: „Rebellion oder Untergang“

Wie wir die Apokalypse noch verhindern können

Noam Chomsky ist auch mit 92 Jahren einer der großen Intellektuellen unserer Zeit.

Noam Chomsky im Gespräch mit Ute Welty | 25.01.2021 ...

Angesichts von Klimawandel und drohenden Nuklearkriegen müssen wir handeln, fordert Noam Chomsky, dessen Buch „Rebellion oder Untergang“ am Montag erschienen ist. Doch die Zeit sei knapp und Wandel nur innerhalb bestehender Institutionen möglich.

Aus dem PodcastInterview

Ute Welty: Wie groß der Einfluss von Noam Chomsky seit Jahrzehnten auf die Debatten ist, lässt sich an verschiedenen Kenngrößen festmachen: Mehr als 30 Mal wird ihm zwischen Uppsala und Peking die Ehrendoktorwürde verliehen. Ungefähr genauso häufig sind andere Auszeichnungen wie 2005 die Wahl zum führenden Intellektuellen weltweit.

Heute erscheint Chomskys neues Buch auf Deutsch: „Rebellion oder Untergang“. Ein Aufruf zum globalen Ungehorsam, sagt Noam Chomsky im Gespräch. Und er sagt auch: Da gibt es überhaupt nichts misszuverstehen.

Noam Chomsky: Wenn jemand behauptet, er handele zugunsten eines höheren Ziels, bedeutet das überhaupt nichts. Die Frage ist stets: Was ist das Ziel? Diejenigen, die am 6. Januar auf das Kapitol stürmten, wollten als Ziel einen Staatsstreich, sie wollte eine legitim gewählte Regierung durch eine nicht gewählte Regierung ersetzen, und das nennen wir einen Staatsstreich.

Woran ich denke und was ich beabsichtige, ist etwas vollständiges anderes. Ich gebe zu verstehen, dass wir einen grundlegenden Wandel brauchen, um den Menschen als Art vor der Auslöschung durch Umweltprobleme oder durch einen nuklearen Krieg zu bewahren.

Welty: Sie haben es gerade schon angesprochen, die Zerstörung der Demokratie ist das eine große Menschheitsrisiko, die beiden anderen sind Nuklearkrieg und Erderwärmung. Lässt sich der Untergang angesichts der umfassenden Bedrohung überhaupt noch aufhalten?

Chomsky: Zum Glück wissen wir ziemlich genau, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um diesen Untergang zu verhindern. Wir haben tatsächlich Chancen, mit diesen Mitteln die Erderwärmung abzumildern und auch zu beenden, und wir wissen auch, mit welchen Mitteln wir die Gefahr eines nuklearen Konfliktes begrenzen und auch überwinden können. Diese Mittel umzusetzen, wie das gehen soll, das ist die große Frage.

Atomwaffenfreie Zonen, vor allem im Nahen Osten

Welty: Haben Sie denn diesbezüglich einen Vorschlag, wie das gehen soll, wie das gehen kann?

Chomsky: Ich habe soeben zusammen mit dem Wirtschaftswissenschaftler Robert Pollin ein Buch verfasst, in dem wir darlegen, welche Mittel wir ergreifen müssen, um bis Mitte dieses Jahrhunderts die Ziele des IPCC, des internationalen Klimarates, von null Emissionen zu erreichen, und wie wir dann weiter vorangehen können, um eine bessere Welt zu schaffen, eine nachhaltigere, lebenswertere Welt, und auch die Erhitzung der Erdatmosphäre zu beenden.

Das russische Schwerlastraketen-System RS 28 Sarmat kann bis zu bis 15 Atomsprengköpfe auf einmal aussetzen© imago stock&people

Was die nukleare Bewaffnung angeht, so wurde am Freitag ein wichtiger Schritt unternommen durch die Unterzeichnung des UNO-Abkommens zum Verbot atomarer Waffen, von 122 Staaten unterschrieben, leider nicht von den Atommächten.

Diese sind aber durch den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen auf dasselbe Ziel verpflichtet. Man kann sie dahin drängen, sich diesem Ziel anzuschließen. Und wir haben eine ganze Reihe von anderen hochwirksamen Mitteln, um dieses Ziel zu erreichen, zum Beispiel die Errichtung mehrerer atomwaffenfreier Zonen, insbesondere einer im Nahen und Mittleren Osten.

Wandel nur innerhalb der bestehenden Institutionen

Welty: Sie wollen unsere Zivilisation retten, aber ist es nicht genau diese Zivilisation, die all diese Probleme verursacht?

Chomsky: Aus diesem Grund wollen wir diese Zivilisation ändern. Eine grundlegende Änderung der Institutionen ist im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Frist nicht möglich. Deshalb sind wir gezwungen, mit und innerhalb der bestehenden Institutionen einen derartigen Wandel einzuleiten.

Wir haben durchaus machbare umsetzbare Möglichkeiten, diese Institutionen so umzugestalten mithilfe eines geringen Anteils am Bruttosozialprodukt, um wichtige Schritte zur Überwindung dieser Krise einzuleiten und zu bewältigen.

Welty: Apropos Institutionen: Für die demokratische Partei haben Sie die Präsidentschaftskandidatur von Bernie Sanders unterstützt, jetzt ist es aber Joe Biden geworden. Wie enttäuscht sind Sie?

Chomsky: Das Ergebnis dieser Wahlen ist sehr positiv. Wir haben zumindest vorläufig geschafft, die gefährlichste Gestalt auf der politischen Bühne in dieser Welt beiseite zu räumen, Donald Trump, der mit aller Kraft darauf hinarbeitete, den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu erhöhen. Das war eine existenzielle Bedrohung. Diese dunkle Wolke ist mindestens vorläufig vom Horizont verschwunden.

Was Joe Biden angeht, so sind seine programmatischen Vorschläge für die Bekämpfung des Klimawandels nicht ausreichend, aber sie sind ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Druck seitens der Bevölkerung wird es möglich sein, ihn noch zu weiteren Schritten zu bewegen, die notwendig sind, wenn wir als Art überleben wollen.

Schlimmer als der Zweite Weltkrieg

Welty: Als der Zweite Weltkrieg beginnt und der spanische Bürgerkrieg endet, schreiben Sie mit elf Ihren ersten politischen Artikel und thematisieren den Faschismus in Spanien. Stand die Welt damals nicht noch näher am Abgrund als heute?

Chomsky: Damals war die Lage schlimm genug, aber sie war nicht derart, dass es zur Auslöschung der menschlichen Gesellschaft schlechthin geführt hätte. Die Bedrohung durch den Faschismus war real, sie war schrecklich.

Was ich damals nicht wusste, war, dass Planungsabteilungen in den USA tatsächlich davon ausgingen, es würde zu einem Krieg kommen und er würde dann zu einer Spaltung der Erde in zwei Sphären führen - die eine dominiert von den USA und die andere Hälfte der Welt unter der Herrschaft von Deutschland, von Nazideutschland. Diese Aussicht war schrecklich genug, aber sie bedeutete nicht das Ende einer wohlgegliederten Gesellschaft schlechthin.

Jetzt dagegen sehen wir uns mit dieser Perspektive konfrontiert, dass die menschliche Gesellschaft in wohlgeordneten Bahnen auf dieser Erde vollständig ausgelöscht werden könnte. Ich beziehe mich auf einen Bericht der weltmeteorologischen Organisation, vor einigen Wochen erschienen, eine Analyse des gegenwärtigen Zustandes der Umwelt.

Wenn wir jetzt nichts gegen den Klimawandel unternehmen, steht die Auslöschung der Menschheit bevor, meint Noam Chomsky.© picture alliance / Geisler-Fotopress

Diese Wissenschaftler sagen voraus, dass wir, wenn wir so weitermachen wie bisher, schließlich vier bis fünf Grad Celsius Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit haben werden, was wirklich zu einem Zusammenbruch der menschlichen Gesellschaft schlechthin führen wird. Aus diesem Grund müssen wir wirklich unbedingt den Einsatz von fossilen Brennstoffen beenden.

Junge Menschen als Hoffnungsträger

Welty: Was lässt Sie denn hoffnungsvoll auf diesen Montag schauen, außer dass Ihr Buch heute auf Deutsch erscheint?

Chomsky: Gründe für den Optimismus gibt es mehrere. Zuerst einmal der Blick in die Geschichte: Immer wieder hat es in der Menschheitsgeschichte schreckliche Krisen gegeben. Die Menschen waren imstande, durch Organisation, durch Mobilisierung und durch gemeinsames Handeln diese Krisen zu überwinden.

Zweitens, es gibt sehr viele Menschen, vor allem junge Menschen, die aktiv und mutig darangehen, diese Krisen zu überwinden.

Drittens, wir haben im Grunde zwei Alternativen vor uns: Entweder wir lassen es bleiben und sagen, es hat sowieso keinen Sinn, es ist hoffnungslos, also lassen wir das Schlimmste geschehen, oder wir sagen, lasst uns die Chancen ergreifen, vielleicht schaffen wir es, die Krise zu überwinden und dann eine bessere Welt zu schaffen. Ich meine, angesichts dieser Alternativen ist die Wahl doch eigentlich klar.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.«98

6. Erfinder / Techno-Genies

Am 28.11.2025 stellte ich Copilot die Frage, welche genialen Erfinder es im Laufe der Geschichte gegeben hat. Copilots Antwort:

„Es gibt viele geniale Erfinder, die die Welt mit ihren Ideen und Innovationen verändert haben. Hier ein paar besonders prägende Beispiele:

Technik & Industrie

Leonardo da Vinci (1452-1519) Universalgenie der Renaissance, entwarf Flugmaschinen, Panzer und komplexe mechanische Geräte.

Nikola Tesla (1856-1943) Pionier der Elektrizität, bekannt für Wechselstromtechnik, Funkübertragung und frühe Ideen zur drahtlosen Energie.

Thomas Edison (1847-1931) Erfinder der Glühbirne, des Phonographen und vieler industrieller Verfahren.

Moderne Innovation

Tim Berners-Lee (geb. 1955) Schöpfer des World Wide Web, das unsere Kommunikation und Informationskultur revolutionierte.

Steve Jobs (1955-2011) Mitgründer von Apple, prägte die Entwicklung von Personalcomputern, Smartphones und digitalem Design.

Elon Musk (geb. 1971) Gründer von Tesla und SpaceX, treibt Elektromobilität und Raumfahrt voran.

Wissenschaft & Medizin

Marie Curie (1867-1934) Entdeckte die Radioaktivität, erhielt als erste Frau zwei Nobelpreise.

Alexander Fleming (1881-1955) Entdecker des Penicillins, revolutionierte die Medizin durch Antibiotika.

Johannes Gutenberg (1400-1468) Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern - Grundlage für Massenbildung und Wissensverbreitung.

Jeder dieser Erfinder hat nicht nur ein einzelnes Gerät oder Verfahren geschaffen, sondern ganze Gesellschaften geprägt.“

„Die 10 wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte

1. Das Rad (um 3500 v. Chr.)

Das Rad zählt zu den grundlegendsten Erfindungen der Menschheit und revolutionierte die Mobilität. Es wurde ursprünglich für Töpferarbeiten entwickelt, fand jedoch bald Anwendung im Transport. Mit Karren und Wagen konnte man schwere Lasten effizienter bewegen, was Handel und Landwirtschaft enorm voranbrachte. Im Laufe der Zeit wurde das Rad ein essenzieller Bestandteil von Maschinen und Fahrzeugen, was zur Mechanisierung der Arbeit beitrug. Von der Antike bis zur modernen Ära hat das Rad seine Relevanz bewahrt. Es bleibt ein Symbol für Fortschritt und technische Raffinesse, das die menschliche Zivilisation geprägt hat.

2. Schrift (um 3100 v. Chr.)

Die Erfindung der Schrift ermöglichte es, Wissen und Kultur über Generationen hinweg zu bewahren. Erste Schriftsysteme wie Keilschrift und Hieroglyphen dienten der Verwaltung und Kommunikation. Mit der Schrift konnten komplexe Gesellschaften entstehen, da sie die Organisation von Wirtschaft, Politik und Religion vereinfachte. Später wurde die Schrift auch zum Träger von Kunst und Wissenschaft. Sie legte den Grundstein für Bildung und die Verbreitung von Ideen. Heute ist die Schrift in digitaler Form allgegenwärtig und unverzichtbar. Sie hat die Entwicklung von Zivilisationen entscheidend geprägt und bleibt eines der wichtigsten Werkzeuge der Menschheit.

3. Buchdruck (1450)

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg revolutionierte die Verbreitung von Wissen. Mit beweglichen Lettern wurde es möglich, Bücher schnell und in großer Zahl zu drucken. Dies machte Bildung und Wissen einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich und legte den Grundstein für die Aufklärung und die wissenschaftliche Revolution. Der Buchdruck veränderte nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern förderte auch die Entwicklung von Sprachen und die Verbreitung von Literatur. Heute gilt der Buchdruck als eine der wichtigsten Erfindungen, die den Übergang zur modernen Wissensgesellschaft maßgeblich beeinflussten.

4. Dampfmaschine (1769)

Die Dampfmaschine von James Watt markiert den Beginn der industriellen Revolution. Sie ermöglichte die Automatisierung von Produktionsprozessen und die Entwicklung moderner Fabriken. Dampflokomotiven und -schiffe revolutionierten den Transport von Gütern und Menschen. Die Dampfmaschine machte die Nutzung fossiler Brennstoffe effizient und schuf die Grundlage für den technischen Fortschritt im 19. Jahrhundert. Sie war der Motor für die Urbanisierung und die Entwicklung globaler Handelsnetze. Ohne die Dampfmaschine wären viele weitere Erfindungen der Industrialisierung und des modernen Lebens nicht möglich gewesen.

5. Elektrizität (18. Jahrhundert)

Die Nutzung der Elektrizität revolutionierte die Welt. Erfindungen wie die Glühbirne von Thomas Edison veränderten den Alltag der Menschen grundlegend. Elektrische Energie ermöglichte den Betrieb von Maschinen, Haushaltsgeräten und Kommunikationssystemen. Sie schuf die Grundlage für Industrialisierung, Beleuchtung und moderne Technologie. Elektrizität treibt heute die globalen Infrastrukturen an, von Computern bis zu erneuerbaren Energien. Ohne Elektrizität wäre der Fortschritt in Wissenschaft, Medizin und Technik nicht denkbar. Sie bleibt eine der zentralen Errungenschaften, die das moderne Leben in nahezu allen Bereichen prägt.

6. Auto (1885)

Das Auto, erfunden von Karl Benz, ist eine der bedeutendsten Erfindungen für Mobilität und Gesellschaft. Es machte Reisen und den Transport von Gütern effizienter und veränderte die Struktur von Städten und Ländern. Das Auto trug zur Industrialisierung bei und schuf neue

Märkte, Arbeitsplätze und Technologien. Es symbolisiert Freiheit und Unabhängigkeit, hat aber auch soziale und ökologische Herausforderungen mit sich gebracht. Heute ist das Auto ein zentrales Element des Alltags und bleibt ein wichtiges Thema in Bezug auf Innovation und Nachhaltigkeit, insbesondere durch den Übergang zu Elektromobilität.

7. Telefon (1876)

Das Telefon, entwickelt von Alexander Graham Bell, ermöglichte eine völlig neue Art der Kommunikation. Erstmals konnten Menschen über große Distanzen in Echtzeit miteinander sprechen, was den Informationsaustausch beschleunigte und Wirtschaft, Politik sowie das private Leben nachhaltig veränderte. Das Telefon war der Vorläufer moderner Telekommunikation und ebnete den Weg für Mobiltelefone und das Internet. Es trug wesentlich zur Globalisierung bei und schuf neue Formen der sozialen Interaktion. Heute hat das Smartphone das klassische Telefon als wichtigstes Kommunikationsmittel abgelöst. Mit seiner Kombination aus Telefonie, Internetzugang und vielfältigen Anwendungen prägt es den Alltag wie kein anderes Gerät und symbolisiert den technologischen Fortschritt in der digitalen Ära.

8. Flugzeug (1903)

Die Gebrüder Wright entwickelten 1903 das erste erfolgreiche Flugzeug, das die Mobilität revolutionierte. Flugzeuge verkürzten Reisezeiten erheblich und ermöglichten interkontinentale Verbindungen. Sie spielen eine zentrale Rolle im globalen Handel, in der humanitären Hilfe und im Tourismus. Flugzeuge symbolisieren die Überwindung geografischer Grenzen und haben die Welt näher zusammengebracht. Gleichzeitig sind sie ein Schlüssel für wissenschaftliche Entdeckungen und technische Innovationen. Heute sind Flugzeuge ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Mobilität und globaler Vernetzung.

9. Computer (1941)

Die Erfindung des Computers begann mit dem Z3 von Konrad Zuse (1941) und dem ENIAC (1946). Computer ermöglichten die Automatisierung von Berechnungen und Datenverarbeitung in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß. Sie revolutionierten Wissenschaft, Wirtschaft und Alltag. Heute sind Computer die Grundlage für Technologien wie künstliche Intelligenz, digitale Kommunikation und Big Data. Sie prägen nahezu alle Lebensbereiche, von Bildung und Medizin bis hin zu Unterhaltung und Arbeit. Der Computer ist ein

Schlüsselwerkzeug des digitalen Zeitalters und bleibt eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit.

10. Internet (1969)

Das Internet begann 1969 mit dem ARPANET, das erstmals Computer vernetzte. Mit der Einführung des TCP/IP-Protokolls (1983) und der Entwicklung des World Wide Webs (1991) durch Tim Berners-Lee wurde das Internet zu einem globalen Netzwerk. Es revolutionierte den Zugang zu Wissen, Kommunikation und Handel. Heute ist das Internet das Herzstück der digitalen Gesellschaft und beeinflusst nahezu alle Lebensbereiche. Es ermöglicht globale Zusammenarbeit, Online-Bildung und neue Geschäftsmodelle. Das Internet ist eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit und prägt die Zukunft weiterhin entscheidend.“99

Unbedingt hinzuzufügen ist die Künstliche Intelligenz.

Hierzu sagte Copilot am 28.11.2025:

„Die Idee der künstlichen Intelligenz entstand schrittweise: von theoretischen Überlegungen über maschinelles Denken bis zur formalen Gründung als Forschungsfeld bei der Dartmouth- Konferenz 1956; seitdem führten mehrere technische Durchbrüche (symbolische KI, Expertensysteme, neuronale Netze, Deep Learning) zur heutigen KI-Praxis.

Kurze Entstehungsgeschichte

Die moderne KI begann nicht mit einer einzelnen Erfindung, sondern als wissenschaftliches Projekt in den 1950er Jahren. Als formaler Start gilt die Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence 1956, bei der der Begriff „artificial intelligence“ erstmals systematisch verwendet und ein Forschungsprogramm formuliert wurde. Vorher legten Denker wie Alan Turing wichtige theoretische Grundlagen, etwa die Frage, ob Maschinen denken können, und praktische Tests für maschinelle Intelligenz.

Wichtige technische Meilensteine

Symbolische KI und Suchalgorithmen: In den ersten Jahrzehnten dominierten Programme, die Wissen als Regeln und Symbole verarbeiteten; sie lösten Probleme durch logisches Schließen und Suche.

Expertensysteme der 1970er und 1980er Jahre: Systeme, die Fachwissen in Regeln kodierten und in Bereichen wie Medizin oder Technik eingesetzt wurden, machten KI praktisch nutzbar und wirtschaftlich relevant.

Neuronale Netze und Deep Learning: Nach langem Auf und Ab führten Fortschritte in Rechenleistung und Datenverfügbarkeit in den 2010er Jahren zu einem Durchbruch durch Deep Learning, das Mustererkennung auf ganz neue Leistungsniveaus hob; neuere Modelle wie die GPT-Reihe sind Teil dieser Entwicklung.

Bedeutende Demonstrationen

Einflussreiche Demonstrationen zeigten, was KI leisten kann: IBMs Deep Blue besiegte 1997 den Schachweltmeister Garry Kasparov, ein Meilenstein, der die Leistungsfähigkeit spezialisierter KI-Systeme verdeutlichte. Spätere Erfolge in Bild- und Sprachverarbeitung führten zur breiten Anwendung von KI in Alltag und Industrie.

Fazit

KI ist das Ergebnis vieler Beiträge aus Mathematik, Logik, Informatik und Neurowissenschaften, nicht die Erfindung einer einzelnen Person. Wichtige Eckpunkte sind theoretische Grundlagen (Turing), die Dartmouth-Konferenz 1956 als Gründungsmoment, die Ära der Expertensysteme, und der moderne Aufschwung durch Deep Learning und große Sprachmodelle. ...

Wikipedia Geschichte der künstlichen Intelligenz - Wikipedia

IBM Die Geschichte der künstlichen Intelligenz | IBM“

7. Philosophen

Platon (427-347 v.Chr.) und Aristoteles (384-322 v.Chr.)

gelten als Begründer der abendländischen Philosophie. Platon sieht in der Selbsterkenntnis einen Ur-Grund der Philosophie. Aristoteles „ist der Begründer der eigentlich wissenschaftlichen Philosophie und philosophie-durchleuchteten (Einzel-)Wissenschaft“ (Schmidt/ Schischkoff).

Die Frage, ob die Selbsterkenntnis tatsächlich als Anfang der Philosophie aufzufassen ist, habe ich am 29.11.2025 Copilot vorgelegt. Copilots Antwort:

„Bei Platon spielt Selbsterkenntnis eine zentrale, oft als Ausgangspunkt verstandene Rolle für philosophisches Leben und Denken; sie ist aber nicht identisch mit der ganzen Philosophie, sondern eher ihr ethisch-methodischer Anfang

Warum Selbsterkenntnis als Anfang gilt

Platon übernimmt und reflektiert den delphischen Imperativ gnothi seauton (Erkenne dich selbst) als normativen Anstoß: Selbsterkenntnis wird bei ihm nicht nur als psychologischer Befund, sondern als ethische und erkenntnistheoretische Forderung formuliert. In mehreren Dialogen (u. a. im Phaidros und in Schriften, die die sokratische Praxis spiegeln) erscheint die Einsicht in das eigene Verhältnis zur Seele, zu Tugend und Unwissenheit als Voraussetzung für jede weitere philosophische Suche.

Methodische und ethische Dimensionen

Platon verbindet zwei Ebenen: methodisch dient Selbsterkenntnis als Ausgangspunkt der sokratischen Dialektik - wer seine Unwissenheit erkennt, ist bereit, Fragen zuzulassen und Begriffe kritisch zu prüfen; ethisch ist Selbsterkenntnis Bedingung für (Besonnen- heit/Selbstmaß) und die Sorge um die Seele, also für ein gutes Leben. Damit ist Selbsterkenntnis bei Platon weniger introspektive Selbstfixierung als orientierende Einsicht, die zur philosophischen Praxis führt.

Grenzen der Gleichsetzung

Gleichsetzung von Selbsterkenntnis = Anfang der Philosophie ist nützlich, aber zu kurz: Platon setzt zusätzlich die Erkenntnis der Ideen/Formen, die Einsicht in das Gute und die dialektische Schulung des Denkens voraus. Selbsterkenntnis öffnet den Weg zur Philosophie, ersetzt aber nicht die metaphysische und erkenntnistheoretische Arbeit, die Platon in seinen Dialogen entfaltet. In manchen Dialogen (z. B. bei der Ausbildung des Philosophen) wird deutlich, dass Selbsterkenntnis Teil eines längeren Bildungsweges ist.

Praktische Folgen für Interpretation und Studium

Wenn man Platon so liest, empfiehlt sich eine doppelte Lektüre: erstens die sokratische Praxis der Selbstprüfung (z. B. Apologie, Alcibiades-Fragmente), zweitens die systematischeren Texte, die zeigen, wie Selbstbesinnung in Erkenntnis der Formen und in politische/ethische Verantwortung übergeht. Historisch hat die Betonung der Selbsterkenntnis Platons großen Einfluss auf die philosophische Anthropologie und die spätere Ethik ausgeübt,“ Kernaussage: Selbsterkenntnis ist bei Platon ein unverzichtbarer Anfangspunkt — moralisch und methodisch — aber nicht die ganze Philosophie; sie ist das Tor zur weiteren Suche nach Wahrheit und dem Guten. ...

bonndoc Die Erkenntnis als Selbsterkenntnis in Platons Phaidros

Wikipedia Gnothi seauton - Wikipedia“

Zu höchst unterschiedlichen Themen hat Platon erstmals teleologische Theoreme erarbeitet. Nachweisbar sind solche Ansätze z.B. in Verbindung mit seiner Ideenlehre, seinen Auffassungen vom eros, seiner Staatslehre und seiner Theorie der Bewegung.

Wie nach ihm Aristoteles definiert Platon die teleologische Vorgehensweise als >etwas durch das Beste erklären<. Bemerkenswert scheint mir an dieser Definition zweierlei:

1. Die Orientierung an tatsächlichem Geschehen, wie es in Natur und Geist allenthalben zu beobachten ist,

2. die Orientierung am Bestmöglichen, d.h. an vollendeter Form, höchstem Ziel und vornehmstem Zweck, folglich an Sinnhaftigkeit par excellence.

Hierauf verweist nicht zuletzt Platons Begriff des ,eidos‘, der nicht nur ,Gestalt‘, ,Form‘ und ,Bild’, sondern auch ,Idee‘ bedeutet, womit auch Selbst-Sein, Identität und Teilhabe am Göttlichen gemeint ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass Telos und Sinn stets bzw. per se identisch sind.

Erstaunlich modern wirken heute Platons Gedanken zum eros. In seinem , Symposion’ analysiert der Autor Phänomene, die jeder Mensch am eigenen Leib erfährt, nämlich durch zielgerichtete Begierden verursachte Spannungszustände. Wohl jeder Mensch fragt sich unwillkürlich, woher diese Begierden stammen und worauf sie im Einzelnen abzielen.

Dieses „Um ... willen“ der Liebe hat weitreichende Folgen. Es will mehr, nämlich den dauernden Besitz des für die eigene Person Guten und Schönen: das Glück schlechthin, die Glückseligkeit (eudaimonia). Damit stößt Platon das Tor zu einer Diskussion auf, die bis in die Gegenwart andauert. Übrigens nimmt Aristoteles das Thema der Glückseligkeit zum Anlass, über höchsten Wert und letzten Sinn zu spekulieren.

Die Mächte des Unterbewussten spielen bekanntlich spätestens seit den Arbeiten von Sigmund Freud (1856-1939) eine herausragende Rolle in der wissenschaftlichen und philosophischen Diskussion, bis hin zu den Themen Willensfreiheit, Reichweite neurowissenschaftlicher Erklärungen usw.

Für nicht weniger erstaunlich bzw. aktuell halte ich Platons teleologische Überlegungen zur Staatsphilosophie, zum Leben in der Gemeinschaft der Polis. Wie kann das Individuum seine Interessen mit denen der Gesellschaft in Einklang bringen? Platon antwortet: Nur dann, wenn er Sinn für die Gemeinschaft, Gemein- Sinn, entwickelt, was verhindert werde, solange die Regierenden sich nicht an den Idealen des Guten, Edlen, Schönen und Wahren orientieren, an Zielen, über die letztlich nur Philosophen sinnvoll befinden könnten.

Darüber hinaus stellt Platon mit der Tugend der Gerechtigkeit eine Verbindung zwischen Ethik und Politik her. Was allerdings auch bedeutet, a) dass sein Staat (derjenige der „Politeia“) streng hierarchisch von oben nach unten geordnet ist, und b) dass zur Herrschaft im Staat nur diejenigen fähig sein können, die das nach dem Göttlichen höchste Gut, die Idee des Guten, erkannt und verinnerlicht haben: die Philosophen. Und damit entwirft Platon - auf der Basis seiner Wert- und Tugendlehre - ein kritisches Gegenmodell gegen die poltischen Missstände seiner Zeit. - Die Kehrseiten: Nicht zu verkennen sind 1. die Tatsache, dass Platon selbst gescheitert ist, als er in Syrakus versuchte, sein Staatsmodell in die Tat umzusetzen, und 2. die Tatsache, dass Tyrannen und Diktatoren - bis hin zu Faschisten und Nazis - sich immer wieder auf Platons nicht-demokratischen, totalitären Entwurf berufen haben.

Aristoteles gründet seinen Materie-Begriff auf a) die anorganische ,energeia‘ und b) die organische ,entelechia‘. (Letzteren Begriff überträgt Ernst Bloch auf die Materie im Ganzen und zwar als „die unvollendete Entelechie der Materie“).

Aristoteles stellt fest, dass Forscher bei allen Versuchen wissenschaftlichen Erklärens zumeist mit einer kaum überschaubaren Vielzahl möglicher Ursachen, jedoch mit nur vier Grundarten von Ursachen zu rechnen haben: „Indem es nun vier Ursachen sind, so ist es Aufgabe des Natur-Forschers, bezüglich aller sich ein Wissen anzueignen, und wenn er die Rückleitung auf alle (vier) vollzieht, dann wird er die Weshalb-Frage auf naturbezogene Weise beantworten: Stoff, Form, das in Gang Setzende, das Weswegen.“100

Damit begründet Aristoteles ein Kausalitäts-System aus Material-, Form-, Wirk- (Bewe- gungs-) und Zweck- (Final-)Ursachen. Dabei münden sämtliche Fragen nach Weshalb und Weswegen in den Fragen nach den finalen Ursachen, den Zweck- und Ziel-Ursachen, denn Aristoteles folgert: „Daß also Naturbeschaffenheit eine Ursache ist, und zwar im Sinne eines >wegen etwas<, ist einsichtig.“101 Die vier Kausal-Kategorien (die Aristoteles u.a. als „Arten“ von Ursachen bezeichnet) gipfeln also in der Teleologie und beziehen sich sowohl auf das Sein als auch auf das Erkennen der gesamten Wirklichkeit.

Eine besondere Brisanz gewinnt dieses System durch den von Aristoteles neu eingeführten Begriff ,entelecheia‘ (Entelechie), abgeleitet von ,en telos echein’ (,im Ziel und Zweck habend’), wobei ,telos‘ auch so viel wie Ende, Endzweck, Endursache und Vollendung bedeuten kann. In der Materie selbst gibt es demnach Bewegung und Entwicklung, die jedem Ding seine spezielle Form 102 verleihen (was anscheinend auch durch die gegenwärtige Erforschung der subatomaren Welt weitgehend bestätigt wird).

Erhöhte Bedeutung misst Aristoteles dem Begriff Entelechie dadurch bei, dass er ihn auf die Erkundung des Seelen -Lebens überträgt. Die Seele selbst gilt ihm als entelecheia, d.h. als Formkraft des Körpers, die mit diesem untrennbar verbunden ist: „Die Seele ist Ursache und Prinzip des lebenden Körpers. ... Offenkundig ist aber die Seele Ursache auch als Zweck: Wie nämlich die Vernunft um eines Zweckes willen wirkt, so in gleicher Weise auch die Natur, und das ist ihr Zweck. Ein solcher Zweck und von Natur ist in den Lebewesen die Seele.“103 - Auf diese Weise kann Aristoteles einen Ansatz zur Lösung des Leib-SeeleProblems anbieten. Dabei fasst er Psychologie als Naturwissenschaft im weitesten Sinne auf. Natur und Mensch erscheinen als untrennbar miteinander verbunden.

In dieser stets nach Vollendung strebenden Welt scheint alles zweckmäßig und daher sinnvoll eingerichtet zu sein. Aber das scheint nur so. Denn Aristoteles ist Realist genug, die Schattenseiten des Daseins nicht zu verkennen. Möglichkeiten des Scheiterns sieht er allenthalben in Natur, Gesellschaft und Geistes-leben, so wenn er konstatiert:

„ Fehler gibt es sowohl bei den Vorgängen gemäß Kunstfertigkeit - da macht ein Schreiber einen Rechtschreibfehler, und ein Arzt vertut sich bei der Verabreichung eines Heilmittels -: also ist klar, daß so etwas auch bei den Vorgängen gemäß Natur eintreten kann. Wenn es also unter den Erzeugnissen gemäß Kunstfertigkeit welche gibt, bei denen das richtige >wegen etwas< erreicht ist, bei den mißlungenen Dingen aber das >wegen etwas< wohl versucht, aber verfehlt worden ist, dann dürfte sich das bei den natürlichen Dingen ähnlich verhalten, und Mißbildungen sind Verfehlungen jenes >wegen etwas<“.104

Analogie-Schlüsse dieser Art mögen uns gewagt erscheinen; verständlich werden sie jedoch vor dem Hintergrund der aristotelischen Natur- und Wirklichkeitsauffassung. Kosmos und Mensch, Natur und Geist, Leib und Seele formieren sich darin zu einheitlichen Ganzheiten, in denen allenthalben Zweck- und Zielursachen vorherrschen.

An solche Ideale zu erinnern, kann auch für unsere gegenwärtige Situation von Bedeutung sein. In Zeiten massiver Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen kann es nicht gleichgültig sein, welche grundsätzliche Haltung wir gegenüber der Natur einnehmen.105

Kant (1724-1804) und Hegel (1770-1831)

Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind anscheinend überall anerkannte Grund-Werte, weltweit akzeptierte oder geforderte Menschenrechte. Und doch werden diese Werte immer wieder missachtet, sozusagen mit Stiefeln getreten, wie sich schon zu Kants Zeiten am tragischen Verlauf der Französischen Revolution zeigte.

Von den drei genannten Begriffen bereitet die Gleichheit anscheinend die meisten Schwierigkeiten, zumal es neben der (geforderten) rechtlichen Gleichheit natürliche Ungleichheit zwischen den Menschen gibt: Wir kommen mit unterschiedlichen Begabungen und Talenten auf die Welt. Und unterschiedlich sind auch stets die Weltwege, auf denen sich unsere Unterschiede nach und nach fortentwickeln, und zwar leider nicht immer in positiver Art und Weise. Ein weites Feld.

Ähnliches gilt für die Solidarität. Bekenntnisse zu ihr - auch in Form von Menschenrechtserklärungen - reichen nicht aus, solange dadurch Unfreiheit, Unterdrückung, Hunger, Unterernährung und andere Formen des Elends nicht wirksam bekämpft werden; was sicherlich auch eine Frage des Verhaltens ist. Gibt es Maßstäbe für moralisch einwandfreies Verhalten? Kant hat versucht, auch diese Frage zu beantworten.

Dabei ordnet er die Grundfragen nach dem, was wir wissen können, was wir hoffen dürfen und was wir tun sollen, der Anthropologie, d.h. der philosophischen Lehre vom Menschen, unter, nämlich der Leitfrage: „Was ist der Mensch?“ Und er gibt hierauf auch eine Antwort: „Der Mensch ist Person!“ (so auch der Titel einer Arbeit von Johannes Schwartländer, mit dem Untertitel: Kants Lehre vom Menschen (1968)).

Als Person hat der Mensch seinen Zweck in sich selbst, kann sich daher selbst-bestimmt Ziele setzen und Werte verwirklichen. Wobei Kant einen der höchsten Werte darin sieht, moralisch objektiv korrekt zu handeln. Allerdings ist er Realist genug, zu wissen, dass solche Moralität nicht selbstverständlich, nicht voraussetzungslos möglich ist. Als eine der Grundvoraussetzungen nennt er den guten Willen. Nur dieser sei imstande, die latent in jedem Menschen vorhandene Böswilligkeit zu neutralisieren. Denn nur der der gute Wille sei dasjenige, was überhaupt (d.h. in und außerhalb (!) der Welt) „ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden“. Die hervorragendsten „ Talente... des Geistes ...“ und „des Temperaments “ können sich äußerst schädlich auswirken, wenn sie nicht durch den guten Willen gezügelt und kontrolliert werden. - Womit erkennbar wird, dass Kant in seiner Sittenlehre - zumindest tendenziell - den ganzen Menschen und nicht nur dessen vernünftigen Teil im Blick hat (was gelegentlich übersehen wird!). (Vgl. Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Hamburg 1965, S. 10 f.)

Allerdings: Gut wird der gute Wille bei Kant schon durch das Wollen des Guten, nicht erst durch gutes Handeln. Der gute Wille ist Voraussetzung für Moralität, nicht schon selbst die Moralität, die das gute Handeln ermöglicht. Und Moralität lässt sich erst dann philosophisch begründen, wenn der gute Wille sich mit guter Gesinnung - und insbesondere mit Vernunft und Pflichtbewusstsein - verbindet.

Dann erst kann eine solche Gesinnung sogar unendlichen Wert und folglich höchste Verbindlichkeit gewinnen. - Wozu Kant 1788 in der Kritik der praktischen Vernunft (Hamburg 1967, S. 147 f.) feststellt: „Der W e r t einer dem moralischen Gesetze v ö l l i g angemessenen Gesinnung ist unendlich: weil alle mögliche Glück-seligkeit im Urteile eines weisen und alles vermögenden Austeilers derselben keine andere Einschränkung hat als den Mangel der Angemessenheit vernünf-tiger Wesen an ihrer Pflicht.“

Damit nennt Kant zugleich die Voraussetzung für die Erfüllung des „moralischen Gesetzes“: Handeln aus Pflicht, nicht nur aus Neigung. Nicht das Streben nach Glück hält er - im Gegensatz zu Aristoteles, Epikur und anderen Glücksethikern (Hedonisten) - für die wesentliche Grundlage des moralischen Handelns. Auch nicht die Goldene Regel, die nur allzu leicht aus Selbstliebe, nicht aber aus einem Pflicht-Bewusstsein heraus befolgt werde. Weder für subjektive Anwandlungen noch für individuellen Regeln („Maximen des Willens“) könne man allgemeine Gültigkeit beanspruchen. „Liebe als Neigung“ kann nicht befohlen werden, wohl aber „Wohltun aus Pflicht“.

Offensichtlich erhebt Kant somit den Pflicht-Bezug zum Kriterium für jegliche moralische Verbindlichkeit und entwickelt daraus seinen Kategorischen (d.h. unbedingt gültigen) Imperativ: „ Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Es hat sich jedoch herausgestellt, dass nicht für diese Grundformel, sondern nur für die Zweckformel des Kategorischen Imperativs nach wie vor Gültigkeit beansprucht werden kann. Die Zweckformel lautet: "Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst." (Wobei das letzte Wort nicht in dem heutigen Sinne von ,brauchen‘, sondern von ,gebrauchen’ verwendet wird.) - Die Grundformel ist hinfällig, weil Kant - unzulässiger Weise - versucht hat, sie mit teils religiösen Begriffen wie Gott, Unsterblichkeit der Seele, Freiheit und Ding an sich zu verbinden. Nach wie vor gültig ist dagegen die Zweckformel, zumal sie den Status der Person als Rechtsperson begründet.106

Unbestreitbar ist außerdem die Tatsache, dass Kant mehrere Disziplinen der Philosophie neu begründet hat, so. z.B. die Anthropologie durch die Schrift ,Was ist Aufklärung?’ bzw. die Behandlung der Grundfragen nach dem, was wir wissen, hoffen und glauben sollen, abgerundet durch die Frage: „Was ist der Mensch?“; aber auch in Bezug auf die Geschichtsphilosophie u.a. durch die Abhandlung ,Zum Ewigen Frieden’ sowie zur Erkenntnistheorie durch die Unterscheidung von Ding an sich und Erscheinung, die Kategorien-Lehre und die Abhandlung über das Verhältnis von Theorie und Praxis.

Hegel

Eines seiner Verdienste sehe ich in seiner Erklärung des Bewusstseins, das er 1. als Selbstbewusstsein, 2. als anerkennendes Bewusstsein und 3. als Dialektik von Subjekt und Objekt auffasst. - Womit er sich aber leider nicht begnügt hat, da er den Geist schließlich im Absoluten aufgehen ließ, um damit, ähnlich wie Kant, sein Gedanken-Gebäude allgemein-verbindlich werden zu lassen.

Die Vernunft bezeichnet Hegel nämlich auch als „das Vernehmen des göttlichen Werkes.“107 Und dieses Werk sei in Natur und Geschichte allenthalben erkennbar. Gott oder das Absolute offenbare sich der Vernunft in den Erscheinungsformen des Geistes bis hin zum absoluten Wissen. Die gesamte Wirklichkeit werde von der Vernunft durchdrungen und geleitet: „Was vernünftig ist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig.“108 Um dieser Wahrheit gerecht zu werden, reiche bloß verstandesmäßiges Urteilen nicht aus. Vielmehr gehe es um das „anundfürsichseiende Wahre“109, also um nur der Vernunft zugängliche Wahrheit, wobei objektives Urteilen und absolutes Bestimmen zu erwarten sei. Daraus sei zu folgern: „Die Zweckbeziehung ist dadurch mehr als Urteil; sie ist der Schluß des selbständigen freien Begriffs, der sich durch die Objektivität mit sich selbst zusammen- schließt.“110 Zweifellos lassen sich solche Bestimmungen der „Großen Logik“ nicht ohne weiteres auf konkrete Naturforschung anwenden. (Was übrigens auch für die in der Phänomenologie des Geistes auftauchenden Bemerkungen zur Teleologie gilt, bei denen sich fast alles um das schon von Kant besprochene „Organische“ dreht.)

In der „Wissenschaft der Logik“ (der „Großen Logik“, die in Wahrheit eine Ontologie, eine Seinslehre, ist) bleibt Hegel die zu erwartende Konkretion größtenteils schuldig, obwohl er Kapitel über den „subjektiven Zweck“, „das Mittel“ und den „ausgeführten Zweck“ anschließt. Der Zweck sei subjektiv, enthalte aber „Streben und Trieb, sich äußerlich zu setzen“ und daher - als Begriff - Objektivität zu erlangen; er sei „der an der Objektivität zu sich selbst gekommene Begriff“.111 Dies gelinge nicht zuletzt auf dem Wege über „das Mittel“. Dies sei ein Objekt, das sich dem Zweck nicht widersetzen könne. Umgekehrt brauche der Zweck - in Folge seiner Endlichkeit - ein Mittel, um sich verwirklichen zu können.

Von Zwecken und Endzwecken der Weltgeschichte

An dieser Stelle möchte ich kurz daran erinnern, worin Hegels System besteht.112 Wie er es in seiner Geschichtsphilosophie mehrfach darlegt, ist die Grundlage dieses Systems eindeutig religiös, nämlich die christliche Auffassung vom Ganzen der Welt.113 Hegel rechtfertigt dies mit dem Hinweis, dass zwischen religiöser und wissenschaftlicher Wahrheit kein wesentlicher Unterschied bestehe, so dass er behauptet: „ ... was ich glaube, das weiß ich auch, dessen bin ich gewiß.“114 Gewiss ist für ihn, dass Gott, das Absolute, die Welt erschaffen und sich dabei in der Natur entäußert hat und in der Weltgeschichte Mensch („wahrer Gott und wahrer Mensch“) geworden ist. Als solcher offenbart er sich in ständig sich höher entwickelnden

Formen des Geistes bis hin zum Absoluten Wissen (Hegels!), wo er mithin ins Absolute, also in sich selbst zurückkehrt. - Um dies zu erkennen, bedarf der Philosoph allerdings des Überblicks über das Ganze, das Hegel auch als „das Wahre“ bezeichnet. Erst auf dem Standpunkt der „Totalität aller Gesichtspunkte“ sei philosophische Weltgeschichte möglich, und zwar „mit einem allgemeinen Gedanken, der sich durch das Ganze hindurchzieht“, wobei das „Individuum“ der Weltgeschichte „der Weltgeist“ sei.115 -

In einem so verstandenen Zug des Weltgeistes vom Absoluten durch die Weltgeschichte hindurch hin wiederum zum Absoluten, unter Führung des Absoluten, fallen Ursache und Wirkung offensichtlich zusammen, was ich für eine ganz und gar teleologische - und leider verfehlte - Weltanschauung halte.

Macht und List der Vernunft

Dass es in der Weltgeschichte vernünftig zugeht, steht für Hegel fest. Dennoch leugnet er nicht die Macht des Irrationalen, Unvernünftigen, dem in der Geschichte nicht wenige Menschen zum Opfer gefallen sind. Im Gegenteil, er erkennt sehr wohl die Gefahr, die von dieser Seite seinem teleologischen System des unaufhaltsamen Fortschritts der Weltgeschichte droht. Er hält es nämlich für erforderlich, Umwege und Rückschläge der Geschichte als „List der Vernunft“ zu erklären. Trotz aller Widrigkeiten und Enttäuschungen gelinge es der Vernunft immer wieder, „nur ihren Zweck zur Ausführung“ zu bringen. Und Hegel scheut sich nicht, hier sogar „die göttliche Vorsehung“ heranzuziehen, die sich „als die absolute List“ verhalte: „Gott läßt die Menschen mit ihren besonderen Leidenschaften und Interessen gewähren, und was dadurch zustande kommt, das ist die Vollführung seiner Absichten, welche ein anderes sind als dasjenige, um was es denjenigen, deren er sich dabei bedient, zunächst zu tun war.“116

Die individuellen Zwecke und Absichten haben sich also stets den allgemeinen („höheren“, weil göttlichen) Zwecken unterzuordnen. Was der Einzelne, erst recht angesichts des Scheiterns seiner vordergründigen Interessen, nicht zu erkennen vermag, erscheint der „vernünftigen Intelligenz“ in einem anderen, quasi göttlichen Licht.

In seiner Geschichtsphilosophie verdeutlicht Hegel diese listige Macht der Vernunft nicht zuletzt am Beispiel der „Heroen“, der heldenhaften weltgeschichtlichen Individuen wie Cäsar oder Alexander dem Großen. Diesen könne es sogar gelingen, in den allgemeinen Zwecken auch individuelle zu erfüllen. Dafür seien sie in der Lage, ihre ganze Leidenschaft einzusetzen. Sie hätten „es verstanden, sich zu befriedigen, ihren Zweck, den allgemeinen Zweck hervorzubringen.“117

Das Vernünftige - und damit auch das Zweckmäßige - bezeichnet Hegel als „das an und für sich Seiende, wodurch alles seinen Wert hat.“118 Eine höhere Sinnerfüllung ist kaum vorstellbar, zumal sie sich angeblich auf Grund einer Einsicht in den Willen Gottes vollzieht.

Hegel-Kritik

Die Behauptung, die Weltgeschichte werde durch gottgewollten Sinn geleitet, hat schon Karl Raimund Popper (1902-1994) heftig kritisiert, und zwar in seinem 1945 erstmals erschienenen Hauptwerk „The Open Society and Its Enemies“ („Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“). Darin bezeichnet er die Hegelsche Sinngebung als „theistischen Historizismus“, für den sich auch und gerade im Christentum fast gar keine Begründung finden lasse. Dagegen stellt er fest:

„Die Behauptung, dass Gott sich in dem offenbart, was man gewöhnlich >Geschichte< nennt, in der Geschichte internationaler Verbrechen und Massenmorde, diese Behauptung ist eine grobe Lästerung; und sie wird nicht besser, wenn wir an die zukünftigen Machthaber und Massenmörder appellieren. Was sich wirklich im Bereich des menschlichen Lebens ereignet - das wird durch diese grausame und zugleich kindische Affäre kaum je berührt. Das Leben des vergessenen, des unbekannten individuellen Menschen; seine Trauer, seine Freude, seine Leiden und sein Tod - sie sind der wirkliche Gehalt der menschlichen Erfahrung durch alle Zeiten.“119

Die eigentliche Aufgabe des Christentums bestehe darin, den Armen und den Leidenden zu Hilfe zu kommen (woraus, wie ich meine, zu schließen ist, dass diese Leiden keinesfalls als bloße „List der Vernunft“ wegdiskutiert werden können). Abwegig sei es anzunehmen, in der Geschichte offenbare sich der Wille bzw. eine Sinngebung Gottes. Kurz und bündig lautet Poppers Gegenthese: „Die Geschichte hat keinen Sinn, das ist meine Behauptung.“120

Dennoch argumentiert Popper selbst teleologisch, wenn er, wie Hegel, Vernunft und Freiheit zu geschichtlichen Zielen erklärt; er geht allerdings über Hegel hinaus, indem er diese Ziele, neben denen der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der „Kontrolle des internationalen Verbrechens“, in den Dienst des Kampfes für eine offene Gesellschaft stellt. Anders gesagt: „. . obwohl die Geschichte keinen Sinn hat, können doch wir ihr einen Sinn geben.“121

Auch Popper verzichtet also nicht auf den Versuch einer teleologischen Sinngebung, obwohl er ein Ziel der Geschichte nicht zu erkennen vermag.121 122

Bloch (1885-1977) und Sartre (1905-1980)

1. Erkenntnistheorie

Spätestens seit Kant geht es hier u.a. um die Frage nach dem Verhältnis von Sein und Bewusst-sein. Wie soll das An-sich-Sein der Dinge, d.h. der Welt in ihrer vom Menschen unabhängigen, vor ihm entstandenen Grund-Substanz, vom Für-sich-Sein des stets subjektiven Bewusstseins erfasst werden können? Hegel wollte das Problem mit seinem Konzept des „An-und-für-sich“ lösen, verstieg sich dabei aber in die nur noch theologisch begründbaren Sphären des „Absoluten Geistes“ und des „Absoluten Wissens“.

Sartre übernimmt nichtsdestoweniger Hegels Begriffe des An-sich und Für-sich (,en soi‘ und ,pour soi‘) und vereint sie, ähnlich wie Hegel, zum ,en-soi-pour-soi‘. Trotzdem erhebt er nicht dieses Konzept, sondern die Erkenntnisse der Quantenphysik zur Grundlage seiner eigenen Erkenntnistheorie. Für Sartre ist diese Grundlage sogar die einzig mögliche, zumal sie plausible Modelle für die Erklärung des ,An-sich-für-sich‘ bereitstellt. Dabei wird zwischen einem vom Menschen völlig unabhängigen und einem vom Menschen bezeugten An-sich unterschieden und damit die Brücke zum Für-sich geschlagen. Anders als in der klassischen Mechanik (der z.B. noch Engels und Lenin verhaftet waren) wird in der Quantenphysik der analysierend eingeifende Beobachter (der „Analysand“) einbezogen - was wiederum der herausragenden Stellung gerecht wird, die der Existenzialismus dem denkenden Ich (Cogito) und seiner Freiheit einräumt. Schon in den E-Teilchen lässt sich so etwas wie Freiheit feststellen, die sich in der Evolutionsgeschichte fortsetzt und weiterentwickelt bis hin zur Willens- und Handlungsfreiheit des Menschen. Dadurch wird der Mensch fähig, sich, als Für- sich, auf die Totalität des An-sich zu beziehen, wobei er dieses nie in seiner tatsächlichen Totalität, sondern immer nur in Teil-Aspekten erfassen und erkennen kann: „Das unabhängige An-sich ist Dunkelheit; Wahrheit ist Erhellen des Seins.“

Kaum anders bei Bloch, der dieses Erhellen in seiner „vielschichtigen Dialektik“ zu intensivieren vermag. Man nennt sie auch polyphone Dialektik, oder auch Dialektik der Widersprüche, die, anders als Sartre, auch das Irrationale einbezieht. Subjekt dieser Dialektik ist für Bloch zunächst und vor allem der arbeitende Mensch. Ein weiterer Unterschied zu Sartre: Bloch übernimmt Engels‘ Konzept einer „Dialektik der Natur“, versucht aber, diese durch eine an Schelling angelehnte Idee eines „hypothetischen Natursubjekts“ zu verstärken, verkennt dabei jedoch die Problematik dieses auf Schellings unzulässiger Vermengung von Glauben un d Wissen beruhenden Begriffs. Bestehen bleibt dennoch die Subjekt-Objekt-Dialektik als unabdingbarer Bestandteil jeglicher Erkenntnistheorie - und als Definition des menschlichen Geistes.

Radikal verändert wird die Situation allerdings durch KI. Mit Hilfe von KI-Suchmaschinen kann sich vermutlich jedermann an den Erkenntnisprozessen beteiligen, jedenfalls so weit es die jeweils subjektive Kompetenz zulässt.

Meine Sicht des Problems Natursubjekt

Ein generelles Natursubjekt ist außerhalb des Menschen bisher anscheinend nicht nachweisbar. Klar ist jedoch, dass der Mensch selbst Teil der Natur und in diesem Sinne „Natursubjekt“ ist - genauer: Er ist Natur- und Kultursubjekt und als solches in der Lage, Wesensmerkmale von Natur und Kultur herauszufinden und zu bestimmen. Ähnliches gibt es in der nichtmenschlichen Natur nur in Vorformen, die auf die jeweiligen Grade von menschenähnlicher Subjektivität hin zu untersuchen wären. In Natur und Kultur kann Subjektivität in Analogie zum Vorhandensein von Freiheit erforscht werden.

Tiere sind beweglicher, verfügen über mehr Mobilität als Pflanzen und folglich über mehr Freiheits-Optionen. Tiere sind aber auch situationsabhängig und somit weniger frei als Menschen. Überhaupt scheint die Freiheit u.a. ein Gradmesser der jeweiligen Qualität von Subjektivität zu sein. - Ein Subjekt hat Optionen, es ist frei u.a. durch seine Optionen, auch und gerade in der wissenschaftlichen Forschung, die ihrerseits ständig zu Qualität und Umfang der den Analysierenden zur Verfügung stehenden Optionen beiträgt. KI könnte die Krönung aller Optionen sein - oder aber deren definitive Zerstörung beim Menschen.

Subjekt der Dialektik ist für Bloch - im Gegensatz zu Hegel - der arbeitende Mensch. Ein weiterer Unterschied zu Sartre: Bloch übernimmt Engels‘ „Dialektik der Natur“ und versucht, diese durch seine Idee eines „hypothetischen Natursubjekts“ zu verstärken, verkennt dabei jedoch die Fragwürdigkeit dieses auf Schellings unzulässiger Vermengung von Glauben und Wissen beruhenden Begriffs. Bestehen bleibt dennoch die Subjekt-Objekt-Dialektik als unabdingbarer Bestandteil jeglicher Erkenntnistheorie - und zugleich als Definition des menschlichen Geistes.

Radikal verändert wird die Situation allerdings durch KI. Mit Hilfe von KI-Suchmaschinen kann sich vermutlich jedermann an Erkenntnisprozessen beteiligen, jedenfalls so weit, wie es die jeweilige subjektive Kompetenz zulässt.

2. Kosmologie

Hier hat Bloch das Sagen. Er erkennt als Ursprungs-Kategorie das Nicht, das als „Mangel an Etwas“ die Entelechie der Materie und der (an)organischen Natur sozusagen aus sich hervorbrechen lässt. Es sind Vermutungen, die Bloch im Noch-Nicht, in Tendenz und Latenz und schließlich als „das Weitertreibende in der Geschichte“ konkretisiert. Wohin aber geht die Reise? Blochs Antwort: Nicht zwangsläufig in den „Kätetod des Universums“, sondern in die Möglichkeit einer „besiegelten Erfüllung der Utopie“ in einer für den Menschen zur Heimat gewordenen, „für ihn gelungenen Welt“. So dass auch Sinn in der Geschichte selbst zu finden ist - unter aktiver Mitarbeit der Menschen.

3. Naturphilosophie

Auch hier erweist sich Bloch als der Protagonist, nicht zuletzt durch sein Konzept einer , Natur-Allianztechnik’. Wohingegen Sartre das Künstliche dem Natürlichen vorzog. Während Bloch auf Grund seiner Einsicht in „die unvollendete Entelechie der Materie“ in der Lage ist, auch die Natur weitgehend teleologisch zu erklären, und zwar auch unter Rückgriff auf historische Vorbilder wie z.B. Giordano Bruno. Dabei nicht pantheistisch, sondern dialektisch-materialistisch, wenn auch unter Einschluss des „hypothetischen Natursubjekts“ (s.o.). Was bei Bloch schließlich zu dem Konzept der Natur-Allianztechnik führt, die er allerdings mit der Forderung nach einer sozial-revolutionären Neuorientierung der Ökologie verbindet - dies stets unter strikter Berücksichtigung der Selbstorganisation und Autonomie der Natur.

4. Anthropologie

Hier scheinen Synthesen zwischen den Ansichten Blochs und Sartres am ehesten möglich. Dem Vorrang, den Sartre der Existenz vor der Essenz einräumt, entspricht Blochs materialistische Grundlegung der Anthropologie, und zwar autopoietisch, nicht dogmatisch oder deter- misnistisch. Bloch fragt nicht „Was ist der Mensch?“, sondern: „Was kann der Mensch werden?“. Dies wohl weitgehend auch im Sinne von Sartre, für den Freiheit und Autonomie „Quint-Existenzen“ der Quintessenz Für-sich sind. Mit dem bemerkenswerten Unterschied, dass Sartre diese Freiheit verabsolutiert, was Bloch nur im Reich der Freiheit, d.h. in Marxens Endziel einer „freien Assoziation freier Individuen“ für möglich hielt. -

Beide Konzepte halte ich für ergänzbar durch eine Theorie der Menschenwürde, die eng mit dem Person-Sein des Menschen und somit seiner Anerkennung als Rechtsperson mit allen Freiheits-Rechten verbunden ist.

5. Geschichtsphilosophie

Auch hier gibt es wohl mehr Übereinstimmungen als Differenzen zwischen Bloch und Sartre. Anders als dieser hält Bloch allerdings den Begriff Ungleichzeitigkeit für zentral wichtig. Wohl zu Recht, denn es gibt die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die Menschen leben zusammen, tragen aber unterschiedliches Vergangenes in sich. - Was bei Sartre außerdem fehlt, ist Blochs Begriff „Auszugsgestalt“ in Verbindung mit dem der Konkreten Utopie.

Bei alledem ist nicht zu übersehen, dass Sartres Konzepte teilweise auch als indirekte Kritik an Bloch aufgefasst werden können. Sartre stimmt dem dialektisch-historischen Materialismus grundsätzlich zu, nicht jedoch Engels’ ,Dialektik der Natur’. Freiheit besteht für Sartre in der „Unzurückführbarkeit der Ordnung der Kultur auf die der Natur“. Im Übrigen legt Sartre, anders als Bloch, den Akzent auf die zahlreichen geschichtlichen Aspekte von Entfremdung und Inauthentizität, von denen Sartre sogar annnimmt, dass sie auch bei erfüllter Utopie fortbestehen werden. Ohne deswegen den Kampf gegen den Mangel (die Knappheit) als Teil des Kampfes für das Reich der Freiheit zu desavouieren.

6. Ethik

Beide Protagonisten, Sartre und Bloch, versuchen, nicht-normative Ethiken zu begründen, und handeln sich dabei einige Probleme ein. Diese ergeben sich bei Bloch aus Faktoren wie „normativer Unbestimmtheit“, dem Noch-Nicht als angeblich moralischer Quelle, politischer „Unschärfe“ dadurch, dass Bloch Hoffnungen weckt, ohne die Mittel zu deren Erfüllung genau zu benennen; Utopie und Realität konkurrieren. „Hoffnung kann motivieren, sie kann jedoch zugleich passivieren: Das Vertrauen in eine bessere Zukunft kann zur Entlastung gegenwärtiger Verantwortung führen.“ Ästhetik und Imagination können den Blick für die Realität trüben.

Blochs Ethik ist nicht anthropozentrisch, sondern u.a. naturphilosophisch fundiert. Sie zeigt aber kaum, wie schädliche Hoffnungen zu korrigieren sind. Dessen ungeachtet kann Blochs Veränderungsethik nach wie vor als mustergültig, maßgeblich und richtungsweisend gelten.

Bei Sartre: Seine Behauptung absoluter Freiheit überfordert nicht wenige. Zurückbleiben oft „Schuldgefühle und Selbstvorwürfe“. - Subjektivismus kann fehlende ethische Normativität nicht ersetzen, was zu Orientierungslosigkeit führen kann. Sartres Bild des Anderen als Bedrohung der Freiheit führt eher zu Konfrontation als zu Grundlagen für Empathie, Anerkennung oder normativen Konsens. Sartres Nähe zum Realsozialismus kann zu Missverständnissen führen und sein Freiheitsideal abwerten. Auch für System-Fragen fehlen bei ihm die ethischen Normen.

Ausweg: Mein Vorschlag legitimer Forderungen, abgeleitet aus einer differenzierten Kant- Kritik.123 - Außerdem hat sich herausgestellt, dass nicht nur der Bolschewismus, sondern auch der Kapitalismus als rechtsfeindlich und sogar rechtswidrig eingestuft werden kann. Fraglich ist jedoch, ob dies jemals juristisch relevant, d.h. einklagbar sein kann, zumal ein Wirtschafts- und Gesellschafts-System keine Rechtsperson ist.

Ethisch kann nur für die Zweckformel des Kategorischen Imperativs uneingeschränkte Gültigkeit eingefordert werden. Der Mensch ist Person als Rechtsperson.

7. Wirtschaft und Gesellschaft

Probleme: Sartre liefert keine Ökonomie-Theorie, sondern nur eher vage Theorien kollektiver Subjektivität und Verantwortung, wobei reale Machtverhältnisse oft außer Acht bleiben. Par- teien-Herrschaft und Bürokratie abzulehnen, reicht nicht, solange keine konkreten Lösungen für die tatsächlichen Macht- und Steuerungsfragen angeboten werden.

Bloch ersetzt in seinen Wirtschafts- und Gesellschafts-Analysen zuweilen die FaktenSichtung durch das Prinzip Hoffnung oder ästhetischen Vorschein und unterschätzt dabei nicht selten die realen Zwänge und Machtverhältnisse. - Abhilfe erhoffen sich Bloch und Sartre von einer sozialistischen Neugestaltung.

8. Recht und Staat

Bloch schwankt manchmal zwischen seinem Misstrauen gegenüber dem bürgerlichen Recht und seiner Begeisterung für das Naturrecht. Wirkliche Gleichheit vor dem Gesetz wird im Kapitalismus immer wieder durch die zunehmende soziale Ungleichheit verhindert. Dagegen gelingen Bloch bei der Darstellung des Naturrechts aufschlussreiche Bestimmungen u.a. des Freiheitsbegriffs. Erfüllung findet das Naturrecht in der sozialistischen Forderung: „Jede/r nach ihren/seinen Fähigkeiten, jeder/m nach ihren/seinen Bedürfnissen!“ Den Staat kritisiert Bloch als wesentlich durch Klassen-Interessen geformt und daher auch als veränderungsbedürftig. Zugleich fordert er eine historisch-dialektische Aufarbeitung der herkömmlichen Staats- und Rechts-Konzepte.

Sartre erkennt im Recht u.a. eine „Form kollektiver Selbstverantwortung“, wohingegen Bürokratie oft zur Entfremdung beitrage. Alles dies verlange nach politischer Neuordnung, vor allem auf Grund von revolutionärem sozialistischem Engagement.

9. Politische Philosophie

Sartre fragt, wodurch Freiheit politisch unterdrückt wird. Die Priorität der Freiheit bedeute jedenfalls auch, dass der Sieg des Sozialismus nicht a priori gesichert sei. Bemerkenswert sind die Konstanz von Sartres politischen Grundwerten und sein persönliches Engagement für Gleichberechtigung und gegen jede Form von Unterdrückung, insbesondere durch Faschismus, Kolonialismus und Militarismus.

Blochs Politikphilosophie bleibt relevant für Debatten über politische Motivation, Emotionspolitik, Zukunftsethik und strategische Utopiebildung; sie liefert Begriffe, um progressive Politik als Ausrichtung auf realisierbare, zukunftsorientierte Möglichkeiten zu denken.

10. Kunst

Für Bloch vermittelt Kunst nicht nur Schein, sondern auch Vorschein auf eine bessere Welt. Dies im Unterschied zur christlichen Apokalypse. Kunst sei „ ein Laboratorium und ebenso ein Fest ausgeführter Möglichkeiten “ . Auch wenn Kunst das konkrete politische Engagement nicht ersetzen kann.

Sartre hat keine eigenständige Kunstphilosophie entwickelt, wohl aber u.a. das Verhältnis von Kunst und Freiheit erläutert. Sartres Ästhetik bleibt relevant für Debatten über die politische Verantwortung von Künstlern, die Rolle ästhetischer Praxis in sozialen Bewegungen und die Grenzen der Autonomieästhetik, zugleich fordert sie eine Ergänzung durch detailliertere form- und kontextbezogene Analysen.“

11. Religion

Der überzeugte Atheist Sartre fragt durchaus auch nach Gott. Der Mensch strebe danach, wie Gott zu sein, mache somit aus der Gottesfrage ein Identitätsproblem.

Bloch bekennt sich, ähnlich wie Sartre, zum Atheismus, verortet diesen jedoch auch im Christentum - mit fragwürdigen Folgen. Andererseits gilt: Bloch denkt Religiosität so, dass athei

stische Momente im Glauben sichtbar werden können: kritische, expektatorische und weltzugewandte Stränge im religiösen Denken lassen sich mit säkularen, revolutionären Erwartungen verbinden. Und: Religion ist bei Bloch primär ein Ausdruck kollektiver und individueller Erwartung auf eine bessere Zukunft; religiöse Bilder sind Symbole des noch nicht realisierten Möglichen.[124]

Fazit

Erstaunlich ist, dass trotz der massiv zunehmenden sozialen Ungleichheit keine massive Gegenbewegung erkennbar ist. Den Hauptgrund hierfür sehe ich in der globalen, relativen Konsolidierung des neoliberal-kapitalistischen Systems. Zwar gibt es Wettbewerb zwischen den ganz oder teilweise kapitalistischen Großmächten, zu denen neben den USA wohl auch die EU, Russland, China und Japan zu rechnen sind. Eine Schwächung der weltweit agierenden System-Akteure (bzw. des Systems als solchem) wird dadurch jedoch anscheinend nicht hervorgerufen.

Es fragt sich, welche Chancen anti-kapitalistische Systemkritik dann überhaupt noch hat. Jedenfalls führt die Polarisierung zwischen Arm und Reich, Kapitalbesitzern und Lohnabhängigen usw. offenbar nicht zu einem neuen oder verstärkten Klassenbewusstsein in der Arbeiterschaft, so dass auch ein „revolutionäres Subjekt“ nicht in Sicht ist.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Nahezu jede Art von Kritik am kapitalistischen System scheint berechtigt zu sein. Die u.a. von ,Oxfam‘ dargelegten Fakten sprechen für sich, sind teilweise unerträglich. Wenn sogar die KI-Suchmaschine Copilot Mängel einräumt wie „Erosion sozialer Kohäsion“, „Zunahme von politischer Radikalisierung“ (vor allem in Populismus und Rechtsextremismus), „Bremsung des langfristigen Wachstums“ usw., stellt sich die Frage, ob die empfohlenen, reformerischen Gegenmaßnahmen langfristig von Erfolg gekrönt sein können. Dagegen spricht z.B., dass offenbar nirgendwo durchgreifende Maßnahmen gegen die vom Kapital verursachten Polarisierungen getroffen werden. Ohnehin müssten solche Maßnahmen durch umfassende Systemkritik vorbereitet und abgesichert werden.

All dies sind natürlich nicht bloß Kriterien für (fehlendes) Klassenbewusstsein, wohl aber sind es allesamt Bewusstseins-Phänomene, die geschichtlich relevant werden (können), wenn sie mit entsprechenden Arbeits -Einsatz verbunden werden, Theorie und Praxis also zusammenwirken. -

Wenn mit Schelling die schöpferische Natur (,natura naturans’) als ihre „eigene Gesetzgeberin“ anzunehmen ist, gilt dies sowohl für die Natur im Menschen als auch für die außermenschliche Natur. Was „legitim“ ist, muss ethisch und moralisch überprüft und begründet werden. Es sind allgemeine, naturrechtlich verankerte Grundrechte (wie z.B. die Menschenwürde, die Freiheit der Person, die Natur- und Umweltrechte), die jedem Öffentlichen Recht vorzuordnen sind.

Hieraus - und aus dem Vorliegenden im Ganzen - schließe ich erneut auf die Notwendigkeit eines

Demokratischen Öko-Sozialismus

Da ich diesen Vorschlag schon mehrfach vorgetragen habe (z.B. 2017, 2025, s. Literaturhinweise), kann ich mich hier mit einer Zusammenfassung begnügen.

Digitaler Sozialismus

Computer und „soziale Medien“ allein können die Probleme der Gesellschaft nicht lösen, zumal die Komplexität der menschlichen Person - auch und gerade als eines Gemeinschaftswesens - sich dem bloß quantifizierenden und rubrizierend-einordnenden Zugriff von Rechnern entzieht.

Sozialistische Planung

Nichtsdestoweniger eröffnen Computer und Internet dem Sozialismus ganz neue Möglichkeiten. Makroökonomie, aber auch Detailprobleme wie die der Arbeitszeiten, sind plötzlich in ungeahnter Schnelligkeit berechenbar.

Direkte Demokratie

würde bedeuten: Der durch Arbeit Werte Schaffende selbst wäre endlich Herr im eigenen Haus, und zwar durch die Gewährung positiver Rechte, von denen die Autoren Cockshott und Cottrell im Jahre 1993 als wichtigste nennen: „(1) Das Recht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, (2) Das Recht, den vollen Wert ihrer Arbeit zu erhalten und (3) Das Recht, über den Wert ihrer Arbeit nach eigenem Wunsch frei zu verfügen.“ Das wären neuartige Eigentumsrechte, und zugleich das Ende von Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Entfremdung und Fremdbestimmung.

Insgesamt: eine wunderschöne neue Welt der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Aber: Wie soll sie erreicht, wie geschaffen, wie durchgesetzt werden? Und warum sind wir ihr seit dem Erscheinen der Vorschläge von Cockshott und Cottrell im Jahre 1993 fast keinen Schritt näher gekommen? - Hätte nicht das Scheitern sowohl der sowjetischen als auch der französischen (pseudo-)sozialistischen Experimente (1983 bzw. 1989 ff.) Autoren wie Sarkar, Kern, und Cockshott, Cottrell zu ganz anderen Schlussfolgerungen veranlassen müssen?

Marktsozialismus

könnte wahrscheinlich nur dann möglich werden, wenn die Marktwirtschaft gesamtgesellschaftlicher Kontrolle unterworfen wird, makro- und mikroökonomisch durch kompetente Steuerungs-Behörden möglichst auf allen Ebenen, von der Arbeiter-Kontrolle in den Betrieben über lokale und nationale Einrichtungen bis hin zu internationalen Gremien, auch z.B. durch entsprechende Neuerungen in der UNO. Kapitalistische Marktwirtschaft müsste somit zu einem neuen Marktsozialismus transformiert werden, wozu neben politischer Macht die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung erforderlich ist. Um einen friedlichen, gewaltfreien Übergang zum Sozialismus angesichts der gegenwärtigen Weltlage wenigstens denkbar zu machen, muss ein neuer Marktsozialismus mit einer demokratischen Verfassung des Gemeinwesens vereinbar sein.

Literaturhinweise

Bloch, Ernst 1959: Das Prinzip Hoffnung, Frankfurt a.M.

Deppe, Frank 1971: Das Bewußtsein der Arbeiter. Studien zur politischen Soziologie des

Arbeiterbewußtseins, Köln

Habermann, Ernst 1996: Evolution und Ethik. Skeptische Gedanken eines EthikKommissars, in: www.geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9705/pdf7GU1996 S79 38...

Kiefer, Markus 2015, in: Studie: Unser Wille ist freier als gedacht (2015), https://www.derstandard.at/story/2000011387060/studie-unser-wiHe...

Küng, Hans 1999: Spurensuche. Die Weltreligionen auf dem Weg, München

Libet, Benjamin 2005: Mind Time. Wie das Gehirn Bewusstsein produziert, Frankfurt a.M.

Robra, Klaus 2015: Wege zum Sinn, Hamburg

Robra, Klaus 2017: Person und Materie. Vom Pragmatismus zum Demokratischen Öko

Sozialismus, München, http://www.grin.com/de/e-book/375344/person-und-materie-vom- pragmatismus-zum-demokratischen-oeko-sozialismus

Robra, Klaus o.J. (2020): Ethik der Verhaltenssteuerung. Eine Neubegründung, München, https://www.grin.com/document/923015

Robra, Klaus 2023: Was kann das Unbewusste bedeuten? Ein alternativer Lösungsversuch, München, https://www.grin.com/document/1418328

Robra, Klaus 2025: Anthropologische Fundierung eines Demokratischen Öko-Sozialismus.

Das Selbst, die Liebe und der Weltknoten, München, https://www.grin.com/document/1660656

Robra, Klaus 2025 a): Bloch und Sartre: das non plus ultra? Marxistische und/oder existenzialistische Welterklärung - oder nur noch KI? München, https://www.grin.com/ document/1668061

Störig, Hans Joachim 1961: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Stuttgart

[...]


1 In: https://www.bewusstsein.ws/wissen/ursprung.htm

2 Marx, in: Robra a.a.O. S. 30. Dort auch Näheres zu Marxens Bewusstseins-Begriff.

3 Näheres zum Klassenbewusstsein in: Robra a.a.O. S. 29 ff.

4 Ernst Habermann: Evolution und Ethik. Skeptische Gedanken eines Ethik-Kommissars (1996), in: www.geb.uni- giessen.de/geb/volltexte/2013/9705/pdf/GU1996 S?9 38..., S. 31. Hervorhebungen durch mich.

5 Libet 2005, S. 124

6 Vgl. Robra a.a.O. S. 28 ff.

7 Studie: Unser Wille ist freier als gedacht (2015), S. 1, Hervorhebungen KR. Vgl. Robra 2023, S. 80 f.

8 Vgl. Robra o.J., S. 10 ff. Dort auch Näheres zur Entstehung des Selbst.

9 https://www.spektrum.de/thema/epigenetik/1191602

10 https://www.openscience.or.at/de/wissen/genetik-und- zellbiologie/2022-11-04-epigenetik-1-wie-unsere-gene-gesteuert-werden- eine-einfuehrung/

11 In: https://vitagenese.de/epigenetik-definition/, Hervorhebungen K.R. Zum Begriff Bewusstsein s. auch meine Veröffentlichungen im GRIN-Verlag.

12 In: https://www.freitag.de/autoren/sandro-abbate/falsches-bewusstsein

13 Haug in: https://inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=f:falsches_bewusstsein

14 Adorno, Theodor W. (1954) "Beitrag zur Ideologienlehre", in: https://theoriebuero.org/1382/adorno-theodor-w-1954-beitrag-zur-ideologienlehre/

15 In: https://www.dwds.de/wb/etymwb/Arbeit

16 https://www.bpb.de/themen/arbeit/arbeitsmarktpolitik/305854/der- arbeitsbegriff-im-wandel-der-zeiten/

17 In: https://www.exit-online.org/zum-zusammenhang-zwischen-warenform-und-denkform/

18 Vgl. K. Robra: Bloch und Sartre. Das non plus ultra? München 2025, S. 259 ff.

19 Studie: Unser Wille ist freier als gedacht (2015), S. 1, Hervorhebungen KR. Vgl. Robra 2023, S. 80 f.

20 Kant in: Kant, Gentz, Rehberg: Über Theorie und Praxis, Frankfurt a.M. 1967, S. 87

21 Kant in: I. Kant: Kleinere Schriften zur Geschichtsphilosophie, Ethik und Politik, Hamburg 1973, S. 169

22 vgl. ernst bloch: Das Prinzip Hoffnung, s. 1392 ff.

23 Vgl. K. Robra: Ethik der Verhaltenssteuerung, , München o.J. (2020), https://www.grin.com/document/923015, S. 202 ff.

24 In: https://email.tonline.de/em#f=INBOX&m=119812838311538110&method =showReadmail

25 In: Deppe 1971, S. 75

26 In: https://www.focus.de/finanzen/news/neue-studienergebnisse-in-deutschland-gibt-es-eine-neue- arbeiterklasse-jeder-dritte-gehoert-dazu_id_259900041.htm

27 In: https://www.2030agenda.de/de/article/neuer-oxfam-bericht-zur-weltweiten-ungleichheit

28 Vgl. W. Meinefeld: Realität und Konstruktionserkenntnis..., Opladen 1995

29 Vgl. Walter Schulz: Wittgenstein - Die Negation der Philosophie, Pfullingen 1979, S. 114

30 Schlussatz von Kants Abhandlung Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis (1793).

31 Vgl. Das Geheimnis des „Aha-Moments“, in: www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/das-geheimnis-des- aha-moments

32 S. Ehrenberg-Siliex u.a.: Technikfolgenabschätzung neu denken. www.iitberlin.de>at download>download, S. 1

33 Vgl. Wikipedia: Technikfolgenabschätzung , S. 1

34 R.E. Zimmermann: Naturallianz, Allianztechnik, in: Bloch-Wörterbuch a.O. 2008, S. 357

35 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

36 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

37 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

38 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

39 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

40 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

41 Volker Schneider: Allianztechnik des Denkens - neue Wege zum Erkennen?, in ,VorSchein‘ Nr. 25/26, Nürnberg 2006, S. 167

42 In: Friedrich Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen (1873), Frankfurt a.M. 2000, S. 233

43 In: Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft (1886) t, Köln 2009, S. 75. Vgl. Robra o.J. (2020), S. 254 ff.

44 Vgl. Zwi Braun: Die Zehn Gebote, http://www.hagalil.com/judentum/torah/parasha/jitro-2.htm, S. 1-3

45 Vgl. Hermann T. Krobath: Werte in den Weltreligionen, in: ders. (Hg.): Werte in der Begegnung, Würzburg 2011, S. 557-559

46 Vgl. Robra 2015, S. 149-151

47 In: Bloch 1959, S. 1453

48 Buddha, in: Störig 1961, S. 68

49 Vgl. Küng 1999, S. 160 f.

50 Vgl. Robra 2015, S. 159 ff.

51 Vgl. Robra 2015, S. 42 ff. Dort auch Näheres und Weiteres.

52 Philosophie des Islam, http://yogaphilosophie.com/2014/05/13/philosophie-des-islam, S. 2

53 Vgl. Bernhard Priesmeier: Der Islam - Eine Einführung, http://www.haus-der- weltreligionen.de/html/islam.html, S. 3

54 Vgl. Robra 2015, S. 151 ff.

55 In: „ Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen“, in: http://www.polsoz.fu- berlin.de/polwiss/forschung/ab...ideengeschichte/mitarbeiter_innen/roth/..., S. 1

56 Thomas Martin Schneider: Freiheit bei Martin Luther, in: http://ekkt.ekir.de/trier/fileadmin/user upload/gemeinden/trier/Freiheit bei Martin Luther, S. 1

57 Vgl. Robra 2015, S. 87 ff.

58 J. Denker: Doppelte Prädestination - Trostlehre für Verfolgte oder zynische Theologie? In: http:/cms.reformset-ronsdorf.de/attachments/083_DoppeltePrädestination.pdf, S. 5 f.

59 Vgl. Calvin: Institutio..., in: http://www.calvinismus.ch/wp-content/uploads/03institutio.htm, S. 386

60 Achim Dethmers, in: http://www.reformiert-info.de/2326-0-105-21.html, S. 2

61 Vgl. Johannes Calvin - Wikipedia, http://de.wikipedia.org/w/mdex.php?title=Johannes_Calvm&prmtab..., S. 9 f.

62 Vgl. Robra 2015, S. 97 ff. Zu dem christlichen Sozialrevolutionär Thomas Müntzer (1489-1525): s. Robra a.a.O. S. 101 ff.

63 Vgl. Robra 2015, S. 107 ff.

64 Jan Rohls: Geschichte der Ethik, a.a.O. S. 691

65 Man beachte die Parallelität der historischen Ereignisse: 1981 beginnen die französischen Sozialisten und Kommunisten mit dem Versuch, ihr ,Projekt‘ in die Tat umzusetzen.

66 Der Fall Boff, Düsseldorf 1986, S. 185 ff.

67 In: Stephan U. Neumann: Befreite Kirche - Befreite Kultur, http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_angebote_deta_, S. 1

68 In: http://www.christundwelt.de/detail/artikel/befreiungstheologie-war... , S. 3 (Christ & Welt, Ausgabe 31/2013)

69 Vgl. Robra 2015, S. 134 ff.

70 In: https://de.wikipedia.org/wiki/Leonardo_Boff

71 In: https://www.ziereis-faksimiles.de/faksimiles/niccolo-machiavelli-die-kunst-des-krieges

72 In: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleon_Bonaparte

73 Vgl . Warum ist Giotto so wichtig? (Artikel aus ,P. M.‘), www.pm.magazin.de/r/gute-frage/warum-ist-giotto- so-wichtig, S. 1

74 August Buck: Die Kultur Italiens, Frankfurt a.M. 1964, S. 57

75 Vgl. Natalino Sapegno: Compendio di storia della letteratura italiana, vol. I, Firenze 1963, S. 155

76 Vgl. Natalino Sapegno: Compendio di storia della letteratura italiana, vol. I, Firenze 1963, S. 155

77 Vgl. Natalino Sapegno: Compendio di storia della letteratura italiana, vol. I, Firenze 1963, S. 155

78 Beuys in: ,home‘: Erweiterter Kunstbegriff/Plastische Theorie. www.org/beuys/erweiterter-kunstbegriff.htm S. 1-2

79 Beuys in: Stefanie Marx: Künstlerlegende Joseph Beuys (2008). www.grin.com/document/1211883 , S. 1

80 Stefanie Marx , in: s. Fußnote Nr. 80, a.a.O. S. 2

81 Beuys , in: Miriam Sowa: Joseph Beuys - zwischen Kunst und Kult (2009), www.grin.com/document/161204, S. 2

82 Vgl. Robra o.J. (2020), S. 290 ff.

83 In: https://de.wikipedia.org/wiki/Perikles

84 Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit — Die Krisis der Europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg, Zürich (Diogenes Taschenbuch ) 2009, S. 188

85 In: https://republique.de/de/danton

86 Andreas Noßmann: Originale Das Portrait Wirtschaft & Politik Georges Danton (2022), in: https://www.nossmann.org/Georges-Danton

87 Sabrina Beek: Bismarck: Lebenslauf - Wissenswertes über den Politiker, in: https://www.helpster.de/bismarck-lebenslauf-wissenswertes-ueber-den-politiker_107580

88 In: https://wasbesucheninkanada.de/was-ist-churchills-politik/

89 In: https://www.bundeskanzler.de/bk-de/content/willy-brandt-1969-1974--1844976

90 U. Vorkötter in: https://www.t-online.de/nachrichten/kolumne-uwe-vorkoetter/id_101014266/spd-in-der-krise- geht-die-traditionsreiche-partei-endgueltig-unter-.html

91 In: https://mein-lernen.at/allgemeinwissen/steckbrief-isaac-newton-forscher-wegbereiter-der-physik/

92 In: https://www.frustfrei-lernen.de/biologie/charles-darwin-evolutionstheorie-biologie.html

93 In: https://de.411answers.com/a/welche-theorien-hat-albert-einstein-entdeckt.html

94 Fritsch, Horst: Zeit und Wirklichkeit. Die „Kosmische Zeit-Hypothese“ (KZH) - eine Alternative zur Urknalltheorie, Aachen 2007, S. 12; s. auch ders.: Der Urknall - eine Fata Morgana: Zum 100. Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie, Aachen 2015

95 Vgl. Robra 2017, S. 120 f. Dort auch Weiteres zum Zeit-Problem.

96 Sonja Schärf in: https://mintcampus.org/blogbeitrag/marie-curie/

97 In: https://eclass.uoa.gr/modules/document/file.php/GS486/yliko%20meletis/Spracherwerb_http.pdf

98 https://www.deutschlandfunkkultur.de/noam-chomsky-rebellion-oder-untergang-wie-wir-die-100.html

99 In: https://mein-lernen.at/allgemeinwissen/die-10-wichtigsten-erfindungen-der-menschheitsgeschichte/

100 Aristoteles: Physik, Buch II, Kapitel 7, in: Philosophische Schriften 6, Hamburg 1995, S. 42

101 ders. a.a.O. S. 47

102 Umgekehrt prägt die Form (die Aristoteles ,morphe‘ nennt), die Materie, den Stoff. ,Morphe‘ und ,eidos‘ sind nahezu synonym. Demgemäß kritisiert Aristoteles die Ideen -(eidos-)Lehre und den „Ideenhimmel“ seines Lehrers Platon. Für Aristoteles existieren Ideen nur in den Köpfen der Menschen.

103 Aristoteles: Über die Seele, S. 37

104 ders. a.a.O. S. 45

105 Vgl. Robra 2015, S. 25 ff., 364 ff.

106 Näheres hierzu in: Robra o.J. (2020), S. 7 ff.

107 Hegel: Die Vernunft in der Geschichte, Hamburg 1955, S. 78

108 Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede (1821), Frankfurt a.M. 1979, S. 23

109 Hegel: Wissenschaft der Logik, Frankfurt a.M. 1986, S. 444

110 a.a.O. ebd.

111 a.a.O. S. 444 f.

112 s. hierzu auch: Klaus Robra: Hegels System: Welterklärung oder Mystifikation? mit Antworten seiner Kritiker und Kritikerinnen, München 2024, https://www.grin.com/document/1490033

113 Vgl. Hegel: Die Vernunft in der Geschichte, Hamburg 1955, S. 44-48, 77 f., 123 ff.

114 a.a.O. S. 47

115 a.a.O. S. 32 f.

116 Hegel: Enzyklopädie..., § 209, Zusatz

117 Hegel: Die Vernunft in der Geschichte, a.a.O. S.100

118 a.a.O. S. 29

119 Popper, in: Ch. Fehige, G. Meggle u. U. Wessels (Hrsg.): Der Sinn des Lebens, München 2000, S. 166

120 Popper a.a.O. S. 168

121 Popper a.a.O. S. 169

122 Vgl. Robra 2015, S. 400 ff.

123 s. Robra o.J. (2020), S. 304-308

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Title: Bewusstsein und Arbeit – Motoren der Geschichte

Scientific Study , 2025 , 183 Pages

Autor:in: Klaus Robra (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Details

Title
Bewusstsein und Arbeit – Motoren der Geschichte
Subtitle
Eine neue Begründung
Author
Klaus Robra (Author)
Publication Year
2025
Pages
183
Catalog Number
V1681303
ISBN (PDF)
9783389170847
ISBN (Book)
9783389170854
Language
German
Tags
bewusstsein arbeit motoren geschichte eine begründung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Klaus Robra (Author), 2025, Bewusstsein und Arbeit – Motoren der Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681303
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