Ist Homosexualität innerhalb der Polizei immer noch ein Tabuthema? Wie ist die Wahrnehmung der eigenen Sexualität von lesbsichen und schwulen Polizist*innen bei der Polizei? Um diese explorative Forschungsfragen zu beantworten und sich insofern der bestehenden Wissenslücke anzunähern, ist es demnach, mittels einer induktiven Vorgehensweise, erforderlich detaillierte Informationen über die Wahrnehmung von Homosexualität innerhalb der Polizei durch homosexuelle Polizist/innen zu erfahren. Dabei soll insbesondere auf eine mögliche Diskriminierung Homosexueller innerhalb der Polizei eingegangen und die Wahrnehmung von Homosexualität, sowie das Outing von homosexuellen Polizist*innen beleuchtet werden.
„Viele haben den Schritt begrüßt, andere sind vielleicht auf Abstand gegangen […], aber alles in allem war es natürlich auch für mich eine Befreiung, diese Lebenslüge zu beenden“ (RTL, 2019), diese Worte trifft der schwule Polizist Florian Meerheim in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL. Gerade innerhalb der Polizei wird mit den Kollegen viel Zeit verbracht, eine enge Bindung aufgebaut, in der auch über private Lebensumstände oder Ereignisse gesprochen wird. Je enger die Bindung zu den Kollegen ist, desto schwieriger wird es, die tatsächliche Lebensweise geheim zu halten. Viele homosexuelle Polizist*innen machen aus ihren Partnern eine Partnerin und andersherum. Es wird ein sogenanntes Lügengerüst aufgebaut um „unentdeckt“ zu bleiben (Gewerkschaft der Polizei (GdP), 2004). Dieses Lügengerüst und ein damit einhergehendes Doppelleben (Burke, 1994) bekräftigen die Annahme, dass es lesbischen und schwulen Polizist*innen nicht besser geht als der allgemeinen schwulen und lesbischen Bevölkerung, wenn es um antihomosexuelle Gefühle am Arbeitsplatz geht. Viele internationale Studien beschäftigen sich mit nachteiligen Verhaltensweisen und diskriminierenden Praktiken gegenüber Homosexuellen am Arbeitsplatz insbesondere bei der Polizei (Buhrke, 1996; Burke 1993; Jones, 1996; Leinen, 1993; Miller, 1995). Dabei wird streckenweise deutlich, dass gerade schwule Polizisten einen schwierigen Standpunkt innerhalb der Polizei aufweisen und eine negative Wahrnehmung von Schwulen und Lesben durch die Regeln der Gesellschaft verschärft werden (Myers, Forest & Miller, 2004). Es sind homosexuelle Männer, welche sich für die nötige Akzeptanz erst beweisen müssen (ebd., 2004).
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Forschungsstand
- 3. Methodisches Vorgehen
- 3.1. Leitfadengestützte Experteninterviews
- 3.1.1. Auswahl der Interviewpartner
- 3.1.2. Erhebungsinstrument
- 3.1.3. Durchführung und Transkription der Interviews
- 3.2. Qualitative Inhaltsanalyse
- 3.3. Kategoriensystem
- 3.1. Leitfadengestützte Experteninterviews
- 4. Darstellung der Untersuchungsergebnisse
- 4.1. Allgemeine Wahrnehmung von Homosexualität in der Polizei
- 4.2. Wahrnehmung der eigenen Homosexualität
- 4.3. Wahrnehmung der Homosexualität Anderer
- 4.4. Outing
- 5. Interpretation und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
- 6. Fazit
- 7. Literaturverzeichnis
- 8. Anhang
- A. Interviewleitfaden
- B. Kategorienbildung
- C. Generalisierung und Reduktion
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, ob Homosexualität innerhalb der Polizei immer noch ein Tabuthema darstellt und wie die eigene Sexualität von lesbischen und schwulen Polizist*innen wahrgenommen wird. Ziel ist es, eine bestehende Wissenslücke in der deutschen Forschung zu schließen, indem detaillierte Informationen über die Wahrnehmung von Homosexualität innerhalb der Polizei gesammelt und eine mögliche Diskriminierung beleuchtet werden.
- Analyse der allgemeinen Wahrnehmung von Homosexualität in der Polizei.
- Erfassung der persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen homosexueller Polizist*innen in NRW.
- Untersuchung von Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz.
- Beleuchtung des Prozesses und der Motivationen für ein Coming-out in der Polizeiorganisation.
- Herausarbeitung von Unterschieden in der Wahrnehmung männlicher und weiblicher Homosexualität.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Viele haben den Schritt begrüßt, andere sind vielleicht auf Abstand gegangen [...], aber alles in allem war es natürlich auch für mich eine Befreiung, diese Lebenslüge zu beenden“ (RTL, 2019), diese Worte trifft der schwule Polizist Florian Meerheim in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL. Gerade innerhalb der Polizei wird mit den Kollegen viel Zeit verbracht, eine enge Bindung aufgebaut, in der auch über private Lebensumstände oder Ereignisse gesprochen wird. Je enger die Bindung zu den Kollegen ist, desto schwieriger wird es, die tatsächliche Lebensweise geheim zu halten. Viele homosexuelle Polizist*innen machen aus ihren Partnern eine Partnerin und andersherum. Es wird ein sogenanntes Lügengerüst aufgebaut um „unentdeckt“ zu bleiben (Gewerkschaft der Polizei (GdP), 2004). Dieses Lügengerüst und ein damit einhergehendes Doppelleben (Burke, 1994) bekräftigen die Annahme, dass es lesbischen und schwulen Polizist*innen nicht besser geht als der allgemeinen schwulen und lesbischen Bevölkerung, wenn es um anti-homosexuelle Gefühle am Arbeitsplatz geht. Viele internationale Studien beschäftigen sich mit nachteiligen Verhaltensweisen und diskriminierenden Praktiken gegenüber Homosexuellen am Arbeitsplatz insbesondere bei der Polizei (Buhrke, 1996; Burke 1993; Jones, 1996; Leinen, 1993; Miller, 1995). Dabei wird streckenweise deutlich, dass gerade schwule Polizisten einen schwierigen Standpunkt innerhalb der Polizei aufweisen und eine negative Wahrnehmung von Schwulen und Lesben durch die Regeln der Gesellschaft verschärft werden (Myers, Forest & Miller, 2004). Es sind homosexuelle Männer, welche sich für die nötige Akzeptanz erst beweisen müssen (ebd., 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsproblem dar und beleuchtet die Annahme, dass Homosexualität in der Polizei noch immer ein Tabuthema sein könnte, insbesondere im Hinblick auf die internationale und deutsche Studienlage.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige internationale und nationale Forschung zur Homosexualität in Polizeiorganisationen und zeigt auf, dass Diskriminierung und nachteilige Verhaltensweisen gegenüber Homosexuellen am Arbeitsplatz häufig sind, wobei männliche Homosexuelle oft größere Herausforderungen erleben.
3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt die qualitative Forschungsmethode, insbesondere das leitfadengestützte Experteninterview und die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, die zur Erfassung der Wahrnehmungen und Erfahrungen homosexueller Polizist*innen in Deutschland angewendet wurde.
4. Darstellung der Untersuchungsergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Interviews in vier Kategorien präsentiert: die allgemeine Wahrnehmung von Homosexualität in der Polizei, die Wahrnehmung der eigenen Homosexualität, die Wahrnehmung der Homosexualität Anderer und Erfahrungen mit dem Outing.
5. Interpretation und Diskussion der Untersuchungsergebnisse: In diesem Kapitel werden die gewonnenen Ergebnisse im Kontext der Forschungsfrage diskutiert und acht Hypothesen zur Akzeptanz, Toleranz, Diskriminierung und den Herausforderungen beim Outing homosexueller Polizist*innen aufgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, dass Homosexualität in der Polizei zunehmend Akzeptanz findet, männliche Homosexualität jedoch noch als Tabuthema behandelt wird und das Outing als befreiend empfunden wird, obwohl es von Ängsten begleitet sein kann.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Polizei, Tabuthema, Outing, Diskriminierung, Wahrnehmung, Akzeptanz, Toleranz, qualitative Forschung, Experteninterviews, Polizeivollzugsdienst, sexuelle Orientierung, Arbeitsplatz, NRW, Coming-out.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Homosexualität innerhalb der Polizei noch immer ein Tabuthema darstellt und wie lesbische und schwule Polizist*innen ihre eigene Sexualität im Polizeikontext wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Wahrnehmung von Homosexualität in der Polizei, Diskriminierungserfahrungen, der Prozess des Outings sowie die Akzeptanz und Toleranz gegenüber homosexuellen Polizist*innen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine Wissenslücke bezüglich der Wahrnehmung von Homosexualität und möglicher Diskriminierung homosexueller Polizist*innen in Deutschland zu schließen. Die Forschungsfragen lauten: "Ist Homosexualität innerhalb der Polizei immer noch ein Tabuthema?" und "Wie ist die Wahrnehmung der eigenen Sexualität von lesbischen und schwulen Polizist*innen innerhalb der Polizei?".
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsmethode angewendet, die auf leitfadengestützten Experteninterviews basiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Darstellung der Untersuchungsergebnisse, aufgeteilt in die allgemeine Wahrnehmung von Homosexualität, die Wahrnehmung der eigenen Homosexualität, die Wahrnehmung der Homosexualität Anderer und das Outing, gefolgt von deren Interpretation und Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Homosexualität, Polizei, Tabuthema, Outing, Diskriminierung, Wahrnehmung, Akzeptanz, Toleranz und qualitative Forschung.
Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung von männlicher und weiblicher Homosexualität innerhalb der Polizei?
Ja, die Ergebnisse zeigen, dass mit weiblicher Homosexualität offener umgegangen wird, während männliche Homosexualität streckenweise noch als Tabuthema oder nicht thematisiert wird und schwule Polizisten sich oft erst beweisen müssen.
Wie wird der Prozess des Outings von den betroffenen Polizist*innen wahrgenommen?
Das Outing wird mehrheitlich als befreiend und entlastend empfunden, ist jedoch oft von anfänglichen Ängsten vor Reaktionen oder Diskriminierung begleitet, die sich in den meisten Fällen nicht bestätigt haben.
Erfahren homosexuelle Polizist*innen Diskriminierung am Arbeitsplatz?
Die Mehrheit der befragten Polizist*innen hat keine Diskriminierung erfahren und empfindet die Wahrnehmung ihrer Sexualität als überwiegend positiv, obwohl vereinzelt negative Erfahrungen wie Lästereien oder Vorurteile genannt wurden.
Welche Rolle spielen Dienstgrad und Alter der Kolleg*innen bei der Akzeptanz von Homosexualität?
Es wird festgestellt, dass weibliche und jüngere Kolleg*innen Homosexualität offener gegenübertreten als ältere Polizist*innen, was auf eine zunehmende Toleranz und Entwicklung innerhalb der Polizeiarbeit hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Rachel Wilkes (Autor:in), 2020, Homosexualität innerhalb der Polizei – immer noch ein Tabuthema?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681318