Synkretismus von Christen- und Heidentum in altenglischen Zaubersprüchen


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition Synkretismus

3 Entstehung des Synkretismus in Großbritannien
3.1 Missionstaktik der vollkommenen Eliminierung des Heidentums
3.2 Änderung der Missionstaktik in eine Assimilation des Heidentums

4 Beispiele für Synkretismus
4.1 Uminterpretation vormaliger Götter
4.2 Der Ursprung englischer Ortsnamen
4.3 Synkretismus im Volksbrauchtum: Allerheiligen vs. Samhain

5 Christlicher & heidnischer Synkretismus in altenglischen Zaubersprüchen
5.1 Gegen den Zwerg (Wið dweorh)

6 Fazit/Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit behandelt den in altenglischen Zaubersprüchen deutlich werdenden Synkretismus von Heidentum und Christentum, der sich durch die christliche Mission des angelsächsischen Großbritanniens ereignet hat und bis heute in vielen Lebensbereichen, unter anderem auch in der Literatur, deutlich wird.

Ziel soll es im ersten Teil der Arbeit sein, nach einer allgemeinen Definition des Begriffs des Synkretismus aufzuzeigen, auf welcher historischen Grundlage es zu der Vermischung von Heidentum und Christentum im frühmittelalterlichen Großbritannien kam und was dies für Folgen für die Einwohner Großbritanniens hatte. Neben den christlichen Missionstaktiken soll ebenso auf Beispiele für Synkretismus eingegangen werden, wie sie auch in heutiger Zeit teilweise noch im Alltag erkennbar sind.

Im zweiten Teil der Arbeit wird zunächst auf sich wiederholende synkretistische Elemente in altenglischen Zaubersprüchen allgemein eingegangen, die dann anhand des Zauberspruches Wi ð dweorh veranschaulicht werden.

2 Definition Synkretismus

Der Begriff Synkretismus leitet sich ursprünglich ab vom griechischen Wort „synkretismos“, das ,sich zusammenkretem‘ bzw. ,sich vereinigen4 bedeutet. Plutarchos benutzt dieses Wort in seinem Werk de fraternoamore, um das positive Verhalten der Kreter, im Falle einer Attacke durch Fremde die persönlichen Fehden untereinander beizulegen und sich gegen den die Gefahr von Außen kurzzeitig zu einem Volk zu vereinigen, hervorzuheben(Kirchner, 1907).Im religions-historischen Kontext bezeichnet Synkretismus die Vermischung gegensätzlicher religiöser Ideen zu einem gänzlich neuen Weltbild bei bewusster Adaption von Teilaspekten einer oder mehrerer anderer Religionen(Meyers Taschenlexikon 1999, 9: 3427)

3 Entstehung des Synkretismus in Großbritannien

Als die christlichen Missionare in Großbritannien eintrafen, um dort ihren Glauben zu verbreiten, stießen sie auf ein Volk, das bereits eine eigenständige, stabile Religionsstruktur entwickelt hatte, die nun in direkter Konkurrenz zu dem ,neuen‘ Christentum stand. Schwierig war insbesondere die Tatsache, dass bei den Angelsachsen kein vollkommen neues religiöses Bewusstsein geweckt werden musste, wie es bei komplett nicht-religiösen Völkern der Fall gewesen wäre, sondern ein Glaubenswechsel vorangebracht werden musste (Padberg 1995, 39). Dies gestaltete sich schwieriger, da den Angelsachsen begreiflich gemachtwerden sollte, warum sie ihren bislang gepflegten Glaube ablegen und den neuen, christlichenannehmen sollten. Dass der Übertritt zu einem neuen Glauben nicht lückenlos vonstatten gehen kann, weil lange gehegte Angewohnheiten und Anschauungen nicht einfach „wie Kleider“ abgelegt werden (können), dürfte der Grund für den Beginn der Vermischung von Heiden- und Christentum sein. Dazu kam außerdem, dass Missionare und Heiden trotz ihrer generellen Glaubensunterschiede sich in ihrer Geistes- und auch Lebenshaltung durchaus ähnelten. Beide glaubten an ein „Umschlossensein der Welt von übernatürlichen Kräften“ (Padberg 1995, 40), in ihrer jeweils monotheistischer (Christen) oder polytheistischer (Heiden) Sicht, wodurch sie auch ein sehr ähnlichesHeilsbedürfnis hatten. Diese strukturelle Ähnlichkeit dürfte sicherlich auch zum Synkretismus beider Religionen beigetragen haben. Bereits im sechsten Jahrhundert nach Christus dominierte das Christentum bis auf Großbritannien alle westeuropäischen Länder, auch wenn es hie und da noch einige heidnische Einflüsse gab. Die Wurzeln des Heidentums waren jedoch in Großbritannien so „widespread and deep“ (Hunter Blair 1990, 42), dass in keiner der Gegenden, welche vor der Mitte des sechsten Jahrhunderts von Engländern besiedelt wurde, das bereits unter römischer Herrschaft schon einmal eingeführte Christentum dem Heidentum hatte standhalten können.

3.1 Missionstaktik der vollkommenen Eliminierung des Heidentums

Etwa 597 nach Christus entsandte Papst Gregor der Große erstmals 40 Missionare nach Großbritannien, darunter auch den berühmten Augustinus von Canterbury. Gemeinsam mit Papst Gregor agierte dabei der einheimische König Æþelbert von Kent, der später unter anderem die Bistümer Canterbury und London gründete. Aus einem Briefwechsel zwischen Papst Gregor und König Æþelbert, dokumentiert von dem Geschichtsschreiber Beda in seinem Werk Historia Ecclesiastica, geht hervor, wie bei der Christianisierung Britanniens vorgegangen werden sollte.

So schrieb etwa Papst Gregor im Anfangsstadium des Missionsunterfangens an König ''elbert mit der eindringlichen Bitte, die Mission so schnell und umfassend durchzusetzen wie nur möglich: “press on with the task of extending the Christian Faith among the people committed to your charge” sowie “make their conversion your first concern; suppress the worship of idols, and destroy their shrines.” (Beda, Historia Ecclesiastica, 1. 32).

Demnach verfolgte die christliche Kirche zunächst die Taktik einer vollkommenen Auslöschung des Heidentums, um dieses ein für alle Mal in seiner Gesamtheit durch den christlichen Glauben zu ersetzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Synkretismus von Christen- und Heidentum in altenglischen Zaubersprüchen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Anglistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V168133
ISBN (eBook)
9783640850556
ISBN (Buch)
9783640850570
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altenglisch, Zaubersprüche, Synkretismus, Linguistik, LMU
Arbeit zitieren
Andrea Heigl (Autor), 2010, Synkretismus von Christen- und Heidentum in altenglischen Zaubersprüchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168133

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