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Textreflexionen zum Fotojournalismus

Titel: Textreflexionen zum Fotojournalismus

Rezension / Literaturbericht , 2025 , 14 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Markus Lüske (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Beim Fotofestival in Arles sind aktuell (Juli 2025) Werke von 40 Fotoreporter:innen zu sehen, die zum 40. Jubiläum der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ ausgewählt wurden. Sie zeigen, wie sich der Fotojournalismus in den letzten Jahrzehnten verändert hat und welchen Risiken Pressefotograf:innen bei der Ausübung ihres Berufes mittlerweile ausgesetzt sind.

Die Entwicklung des Bildjournalismus war auch Thema des Seminars „Fakenews, Kirchweih, Sportevent – Fotojournalismus damals und heute“; im Rahmen dieses Seminars habe ich mich in acht Reflexionen mit verschiedenen theoretischen Perspektiven und Anwendungsfeldern der Bildberichterstattung auseinandergesetzt. Ziel dieser Textreflexionen ist es, zentrale Wissensbestände und kulturwissenschaftliche Theorieansätze (Authentizität, Inszenierung, Narrativität, Performativität) im Feld des Fotojournalismus zu hinterfragen.

Diese visuelle Form des Journalismus entwickelt sich seit dem späten 19. Jahrhundert kontinuierlich weiter und hat dabei vielfältige Funktionen übernommen, die durch die zunehmende Digitalisierung ermöglicht wurden. Erwähnt seien hier beispielhaft die Fotoreportage, die Kriegsberichterstattung, die Sportfotografie und das „politische“ Bild. Fotojournalismus ist nicht nur Medium der Berichterstattung, sondern gesellschaftliches Instrument, das Wahrnehmung, Deutung und Gedächtnis kulturell prägt. Das Seminar umfasste ein breites Spektrum an Themen, darunter Fragen nach Echtheit und Manipulation (Ruff), hybride Arbeitsformen im digitalen Zeitalter (Koltermann/Grittmann, Meyer/Horky) sowie die politischen Dimensionen visuell-performativer Akte in Bürgerrechtsbewegungen (Pensold) und in der Kriegsfotografie (Opitz). Die vorliegende Bandbreite reflektiert die Vielstimmigkeit des Themas und ist Grundlage für diese kulturwissenschaftliche Untersuchung.

Die acht Reflexionen sind chronologisch nach den jeweiligen Seminarterminen geordnet. Sie reichen von den grundlagentheoretischen Überlegungen Hägeles zur Visual Anthropology bis hin zu Opitz’ Untersuchung der Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie. Ein Fazit und die Reflexion meines Lernprozesses am Ende dieses Portfolios fassen die zentralen Erkenntnisse zusammen und werfen einen Ausblick auf mögliche weiterführende Fragestellungen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
  • Textreflexion 1 / 06.05.25 / Hägele, Ulrich (2004): Visual Anthropology oder Visuelle Kulturwissenschaft? Überlegungen zu Aspekten volkskundlicher Fotografie
  • Textreflexion 2 / 13.05.25 / Meyer, Silke (2020): Narrativität
  • Textreflexion 3 / 20.05.25 / Lanc, Dorothe (2022): Neue rechtliche Herausforderungen im Zeitalter der Digitalfotografie
  • Textreflexion 4 / 27.05.25 / Ruff, Kristin (2015): Ein Ausschnitt von der Wirklichkeit? Die Realität im Fotojournalismus zwischen Objektivität und Manipulation
  • Textreflexion 5 / 3.06.25 / Koltermann, Felix; Grittmann, Elke (2022): Fotojournalismus im Umbruch: Hybrid, multimedial, prekär
  • Textreflexion 6 / 10.06.25 / Pensold, Wolfgang (2015): A Choice of Weapons. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung
  • Textreflexion 7 / 17.06.25 / Meyer, Robin; Horky, Thomas (2022): Almost dead or still alive? Sportfotografie im digitalen Zeitalter
  • Textreflexion 8 / 24.06.25 / Opitz, Sofie-Charlotte (2020): Bilderregungen. Die Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie
  • Fazit
  • Quellenverzeichnis
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich im Rahmen von acht Textreflexionen der Analyse verschiedener theoretischer Perspektiven und Anwendungsfelder der Bildberichterstattung. Das Hauptziel besteht darin, zentrale Wissensbestände und kulturwissenschaftliche Theorieansätze im Feld des Fotojournalismus kritisch zu hinterfragen und die Entwicklung, Funktionen sowie gesellschaftliche Prägung dieser visuellen Form des Journalismus zu beleuchten.

  • Historische Entwicklung und Funktionen des Fotojournalismus.
  • Authentizität und Manipulation von Bildern im Fotojournalismus.
  • Rechtliche und ethische Herausforderungen durch die Digitalfotografie.
  • Soziale und politische Wirkmacht von Fotografie, beispielsweise in Bürgerrechtsbewegungen und Kriegsfotografie.
  • Wandel des Fotojournalismus durch Hybridisierung, Multimedialisierung und Prekarisierung.
  • Rolle von Narrativität, Inszenierung und Performativität bei der Konstruktion von Wirklichkeit durch Bilder.

Auszug aus dem Buch

Ein Ausschnitt von der Wirklichkeit? Die Realität im Fotojournalismus zwischen Objektivität und Manipulation

Mit dem Titel ihres Beitrags stellt Kristin Ruff die Frage, mit dem sich die Fotografie und be-sonders der Fotojournalismus seit seinen Anfängen auseinandersetzen muss. Anhand zweier Beispiele - Porsche-Foto 1948 und World Press Photo 2013 – zeigt die Autorin die Macht der Bilder auf, die im Spannungsfeld zwischen Objektivität und Manipulation sichtbar wird. Diese Wirkmacht (Agency) werde technischen Bildern aufgrund ihrer (scheinbaren) Glaubwürdigkeit zugeschrieben; Vertrauen werde genutzt, um Vorstellungen von der Welt zu kommunizieren. Es gebe zwar den Pressekodex des Deutschen Presserates als ethische Richtlinie für Journa-list:innen, dennoch komme es aber immer wieder zu Manipulationen.

Im Wettbewerb und unter dem Einfluss von Konkurrenzdruck innerhalb der Branche komme der Aufmerksamkeit eine größere Bedeutung zu als der Sorgfaltspflicht. Dies sei darauf zu-rückzuführen, dass sich emotionale und symbolisch aufgeladene Bilder besser verkaufen als durchschnittliche Werke.

Ruff spricht von Manipulation, wenn die objektive Wahrheit, welche das Foto angeblich abbil-det, nicht der Aufnahmesituation entspreche. Objektivität soll hier als Norm für journalistisches Handeln verstanden werden und nicht als erkenntnis- und wissenschaftstheoretischer Begriff. In Bezug auf Fotografien böte es sich an von Authentizität, statt von Objektivität zu sprechen, denn Fotos könnten nicht objektiv sein, wohl aber authentisch.

Mit Blick auf die kulturwissenschaftlichen Konzepte der Inszenierung, Narrativität und Perfor-mativität lässt sich sagen, dass in der Manipulation von Fotografien die genannten Konzepte untrennbar zusammenhängen. Die Inszenierung gestaltet das Bildmaterial und schafft damit erst die Möglichkeit, dass ein Foto als authentisch wahrgenommen wird, obwohl es in Wahrheit konstruiert ist. Die Narrativität liegt hier darin, dass bearbeitete Bilder nicht nur visuell wirken, sondern eine „Geschichte“ formen, die das Verständnis der Betrachtenden steuert. Eine Fotomanipulation ist zugleich ein performativer Akt, weil durch sie soziale Wirklichkeit hergestellt wird. Indem das Bild eine bestimmte Inszenierung zeigt und narrative Elemente bündelt, erzeugt es eine Form von Wahrheit. In diesem Sinne wird durch Fotomanipulation nicht einfach eine falsche Abbildung verbreitet, sondern eine neue Realität performiert. Erst durch das Zusammenspiel dieser drei Perspektiven wird deutlich, dass bearbeitete Fotos nicht nur das Abbild verzerren, sondern aktiv an der Konstruktion von Wirklichkeit partizipieren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext der Arbeit im Rahmen eines Seminars zum Fotojournalismus dar und skizziert die Fragestellung nach der Veränderung und den Herausforderungen des Bildjournalismus.

Textreflexion 1 / Hägele (2004): Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Ansätze zur Erforschung kultureller Prozesse mittels Fotografie und diskutiert die Einbettung der Visuellen Kultur in die Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft.

Textreflexion 2 / Meyer (2020): Hier wird der Begriff der Narrativität als kognitives Schema zur Strukturierung von Erfahrungen untersucht und seine Anwendung in verschiedenen menschlichen Domänen sowie als Methode der Narrationsanalyse vorgestellt.

Textreflexion 3 / Lanc (2022): Das Kapitel thematisiert die rechtlichen Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung der Fotografie für den Fotojournalismus ergeben, insbesondere im Hinblick auf Urheber-, Persönlichkeits- und Datenschutzrechte.

Textreflexion 4 / Ruff (2015): Diese Reflexion befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen Objektivität und Manipulation im Fotojournalismus und diskutiert die Konzepte von Authentizität, Inszenierung, Narrativität und Performativität bei der Konstruktion von Wirklichkeit durch Bilder.

Textreflexion 5 / Koltermann; Grittmann (2022): Das Kapitel analysiert den Umbruch im Fotojournalismus unter den Schlagworten Hybridisierung, Multimedialisierung und Prekarisierung und zeigt die damit verbundenen Veränderungen von Arbeitsroutinen und Berufsbildern auf.

Textreflexion 6 / Pensold (2015): Hier wird die Rolle der dokumentarischen Fotografie in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der 1950er/60er-Jahre untersucht und wie diese als „Waffe“ zur Mobilisierung der Öffentlichkeit und politischen Druckausübung eingesetzt wurde.

Textreflexion 7 / Meyer; Horky (2022): Die Autoren untersuchen, wie sich die Sportfotografie im digitalen Zeitalter gewandelt hat, mit Fokus auf neue Distributionswege, ökonomische Herausforderungen und ästhetische Verschiebungen hin zu narrativen Bildkonzepten.

Textreflexion 8 / Opitz (2020): Dieses Kapitel analysiert die Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie und die Konzepte von Authentizität, Inszenierung, Narrativität und Performativität im Kontext von "Bilderregungen".

Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse aus den Textreflexionen zusammen, reflektiert den persönlichen Lernprozess und wirft einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen, insbesondere im Hinblick auf KI-gestützte Bildbearbeitung.

Schlüsselwörter

Fotojournalismus, Digitalisierung, Authentizität, Inszenierung, Narrativität, Performativität, Manipulation, Visuelle Kultur, Bürgerrechtsbewegung, Kriegsfotografie, Sportfotografie, Medienwandel, Rechtliche Herausforderungen, Pressekodex, Fakenews.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse und Reflexion des Fotojournalismus im Wandel, wobei verschiedene theoretische Perspektiven und Anwendungsfelder der Bildberichterstattung untersucht werden, um seine Entwicklung, Funktionen und gesellschaftliche Prägung zu beleuchten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Objektivität und Manipulation von Fotografien, die rechtlichen und ethischen Herausforderungen der Digitalfotografie, die soziale und politische Wirkmacht von Bildern sowie die Transformation des Fotojournalismus durch Hybridisierung, Multimedialisierung und Prekarisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zentrale Wissensbestände und kulturwissenschaftliche Theorieansätze wie Authentizität, Inszenierung, Narrativität und Performativität im Feld des Fotojournalismus zu hinterfragen und die komplexen Wirkmechanismen fotografischer Bilder zu erschließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine methodische Herangehensweise, die auf Textreflexionen basiert, bei denen theoretische Beiträge und Fallbeispiele analysiert werden, um kulturwissenschaftliche Konzepte im Kontext des Fotojournalismus zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt in acht Textreflexionen spezifische Aspekte des Fotojournalismus, darunter Visual Anthropology, Narrativität, rechtliche Herausforderungen durch Digitalfotografie, Objektivität und Manipulation, der Umbruch des Fotojournalismus, die Rolle der Fotografie in der Bürgerrechtsbewegung, Sportfotografie im digitalen Zeitalter und die Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fotojournalismus, Digitalisierung, Authentizität, Inszenierung, Narrativität, Performativität, Manipulation, Visuelle Kultur, Bürgerrechtsbewegung, Kriegsfotografie, Sportfotografie, Medienwandel, Rechtliche Herausforderungen und Fakenews.

Wie haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Fotojournalismus durch die Digitalisierung verändert?

Die Digitalisierung hat neue Rechtsfragen aufgeworfen, insbesondere bezüglich Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Datenschutz (DSGVO) und der Nutzung von Metadaten, Hyperlinks und Social Media, die eine Anpassung bestehender regulatorischer Rahmenwerke erfordern.

Welche Rolle spielten Fotografien in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung?

Fotografien dienten als wirksames Instrument des gewaltlosen Widerstands, indem sie die Öffentlichkeit mobilisierten, politische Druck erzeugten und die Grausamkeit von Rassismus transparent machten. Sie wurden bewusst inszeniert und selektiert, um eine gewünschte Wirkung zu erzielen.

Inwiefern wird der Begriff der "Narrativität" in der empirischen Kulturwissenschaft angewendet?

In der empirischen Kulturwissenschaft wird Narrativität vornehmlich methodisch bei der Analyse von Erzählungen in Interviews angewendet, um themenbezogene Aussagen und sprachliche Mittel zu interpretieren und Strategien der narrativen Identitätskonstruktion freizulegen.

Welche Risiken birgt die zunehmende Digitalisierung und Hybridisierung im Fotojournalismus laut der Arbeit?

Die Digitalisierung und Hybridisierung führen zu Risiken wie der Prekarisierung von Arbeitsplätzen, sinkenden Honoraren, einem starken Wettbewerb durch Stockfotografie sowie Manipulationsgefahren, die die Grenzen zwischen Authentizität und Inszenierung verschieben können.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Textreflexionen zum Fotojournalismus
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Fakenews, Kirchweih, Sportevent − Fotojournalismus damals und heute
Note
1,0
Autor
Markus Lüske (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
14
Katalognummer
V1681504
ISBN (PDF)
9783389170496
ISBN (Buch)
9783389170502
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fotojounalismus Fakenews Kirchweih Sportevent Visual Anthropology Visuelle Kulturwissenschaft Hägele Meyer Narrativität Performativität Digitalfotografie Recht Lanc Ruff Wirklichkeit Realität Maniipulation Objektivität Koltermann hybrid prekär multimedial Pensold Bürgerrechtsbewegung Horky Sportfotografie Opitz Kriegsfotografie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Lüske (Autor:in), 2025, Textreflexionen zum Fotojournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681504
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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