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Die Verfolgung Richard Wagners durch die Juden

Eine Dialektik der Paranoia

Title: Die Verfolgung Richard Wagners durch die Juden

Term Paper , 2013 , 18 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sascha Grylicki (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit untersucht Richard Wagners unter Pseudonym veröffentlichten, antisemitischen Text "Das Judentum in der Musik".

In diesem Jahr begehen wir den 200. Geburtstag eines der umstrittensten Musiker und Theaterlegenden, Richard Wagner. Der Begründer der bis heute aufgeführten Bayreuther Festspiele erfreut sich seit dieser Zeit auf der ganzen Welt eines hohen Bekanntheitsgrades, doch dieser Ruhm bleibt stets überschattet. Mindestens genauso bekannt wie seine Opern ist den meisten wohl auch Wagners Hang zum Antisemitismus, dem er erstmals 1850 in seinem Pamphlet "Das Judenthum in der Musik" Ausdruck verlieh. In diesem Text stellt Wagner seine Ansichten über die Rolle „des Juden“ in der künstlerischen Welt seiner Zeit, der Mitte des 19. Jahrhunderts, dar, wobei er neutral ausgedrückt „harsche Kritik“ an der „jüdischen Kunst“ übt. Wagner bedient sich dabei eines exzentrischen Schreib- und Argumentationsstils, der bei seinen Zeitgenossen, genau wie seine Theorien an sich, auf viel kritische Rezension stieß, was sich bis heute keineswegs geändert hat. Kein Wunder, dass der Ritt der Walküren, der sogar bis in die Hollywood Filmstudios vorgedrungen ist, sowie andere Stücke und Opern Wagners, nicht viel Ansehen im heutigen Israel genießen. Wie tief Wagners offenkundiger Antisemitismus reicht, oder was seine speziellen Gründe sein mochten, wird wohl nie ganz geklärt werden können. Es könnte durchaus an der damaligen „jüdischen Konkurrenz“ in der Kunst gelegen haben, wie sehr er es auch bestreiten mag, oder aber er entsprang allein einem Aspekt des damaligen Zeitgeistes, in Kombination mit Wagners speziellen Charaktereigenschaften.

Wie auch immer, es soll nicht das Ziel dieser Untersuchung sein, Wagners exakte Gründe für sein Verfechten des Antisemitismus zu erörtern, noch in wie weit dieser ihn und seine Kunst geprägt haben mag, diese Arbeit soll allein Wagners antisemitischer Dialektik, auch im Hinblick auf Sprachpatriotismus und Sprachnationalismus, in seinen zwei veröffentlichten Versionen des „Judentums in der Musik“ gewidmet sein. Dieser Text ist trotz brillanter Quellenlage (es existieren sowohl der komplett erhaltene Textcorpus als auch zahllose Rezensionen) bisher offenbar nur wenig untersucht worden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • I. Von Kunst, Musik und Judenwahn (S. 1)
  • II. Das Judentum in der Musik (S. 2-15)
    • II. I. Freies Gedankengut – 1850 (S. 2-3)
    • II. II. Brief an eine Gräfin – 1869 (S. 3-4)
    • II. III. Allgemeine und vergleichende Untersuchung der beiden Publikationen (S. 4-14)
    • II. IV. Meister Wagners virtuoser Wortschatz (S. 14-15)
  • III. Von der jüdischen „Wagnerverfolgung“ (S. 15)
  • IV. Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 16)
    • IV. I. Quellenverzeichnis (S. 16)
    • IV. II. Literaturverzeichnis (S. 16)

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit widmet sich der detaillierten Analyse von Richard Wagners antisemitischer Dialektik, insbesondere im Kontext seiner zwei veröffentlichten Versionen von „Das Judentum in der Musik“, sowie deren Bezug zu Sprachpatriotismus und Sprachnationalismus, um ein tieferes Verständnis seiner sprachlichen Besonderheiten und verfasserischen Intentionen zu gewinnen.

  • Analyse von Richard Wagners antisemitischen Ansichten und deren schriftlichem Ausdruck.
  • Detaillierte Untersuchung der Erstfassung „Das Judenthum in der Musik“ von 1850.
  • Vergleichende Betrachtung der erweiterten Fassung „Brief an eine Gräfin“ von 1869.
  • Sprachwissenschaftliche Untersuchung von Wagners polemischem Wortschatz und seiner Argumentationsweise.
  • Herausarbeitung der dialektischen Natur seiner Paranoia und der Verwendung antisemitischer Topoi.
  • Beleuchtung des Zusammenhangs zwischen Wagners Antisemitismus, Sprachpatriotismus und Sprachnationalismus.

Auszug aus dem Buch

Die Verfolgung Richard Wagners durch die Juden Eine Dialektik der Paranoia

Mit dieser Behauptung unterstellt er nun eindeutig, dass Juden für ihn bestimmte „Rassenmerkmale" aufweisen, die alles andere als kunstvoll sind und Juden deshalb z.B., in der Malerei nicht naturgemäß dargestellt werden könnten. An dieser Stelle erkennt man, dass Wagners Argumentation durchaus rassistische Züge aufweist, denn das einzige Merkmal „des Juden“ ist allgemein allein die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion, nicht irgendwelche subjektiven körperlichen oder stimmlichen Besonderheiten, wieso sollte ein Jude also in der bildenden Kunst figurativ anders dargestellt werden, als ein Christ oder Moslem? Für Wagner stellt sich aber „jeder Jude“ als ein Angehöriger einer Menschen-“Gattung“ dar, die unfähig zur Kunst ist, sowohl in ihrer körperlichen Erscheinung, als auch in ihrer praktischen Befähigung.

In diesen Punkten ergeht Wagner sich weiter und nimmt nun die Sprache „des Juden“ unter die Lupe: „Ungleich wichtiger, ja entscheidend wichtig ist jedoch die Beachtung der Wirkung auf uns, welche der Jude durch seine Sprache hervorbringt; [...] - Der Jude spricht die Sprache der Nation, unter welcher er von Geschlecht zu Geschlecht lebt, aber er spricht sie immer als Ausländer. [...] daß der Jude die modernen europäischen Sprachen nur wie erlernte, nicht als angeborene Sprachen redet [...] Eine Sprache, ihr Ausdruck und ihre Fortbildung ist nicht das Werk Einzelner, sondern einer geschichtlichen Gemeinsamkeit: nur wer unbewußt in dieser Gemeinsamkeit aufgewachsen ist, nimmt auch an ihren Schöpfungen teil. Der Jude stand aber außerhalb einer solchen Gemeinsamkeit [...] in einem zersplitterten, bodenlosen Volksstamme [...] wie selbst die eigentümliche (hebräische) Sprache dieses Stammes ihm nur als eine tote erhalten ist.“

Er unterstellt hier, dass „der Jude“ niemals ein wirklicher Muttersprachler sein kann, denn er lebt nur von Generation zu Generation unter einer Nation, ist aber gleichzeitig kein Teil von ihr, er bleibt durch seine körperlichen und sprachlichen Merkmale ausgegrenzt, als ein Volksstamm“, welcher seiner Diaspora unterliegt, entwurzelt ist und sogar seine eigene Ursprache verloren hat. Hier ist erneut eine Gegenüberstellung erkennbar, die starke, europäische Nation mit ihrer modernen Sprache, gegen den „zersplitterten, bodenlosen Volksstamme“, dessen Sprache bereits tot ist und dem nichts übrig bleibt als sich anzupassen, was aber nicht zur Gänze gelingen kann: „Unsere ganze europäische Zivilisation ist aber für den Juden eine fremde Sprache geblieben; denn wie an der Ausbildung dieser, hat er auch an der Entwicklung jener nicht teilgenommen, sondern kalt, ja feindselig hat der Unglückliche, Heimatlose ihr höchstens nur zugesehen. In dieser Sprache kann der Jude nur nachsprechen, nachkünsteln, nicht wirklich redend dichten oder Kunstwerke schaffen.“

Dieses „Nachplappern“ vergleicht er an späterer Stelle noch metaphorisch mit „nachpapelnden Papageien“, die zwar die Sprache wiedergeben können, jedoch nicht wissen, was sie eigentlich sagen, er bezeichnet sie deshalb als „närrische Vögel“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Von Kunst, Musik und Judenwahn: Dieses Kapitel führt in die Person Richard Wagners und seinen umstrittenen Antisemitismus ein, wie er sich in „Das Judenthum in der Musik“ manifestiert, und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit zur Analyse von Wagners antisemitischer Dialektik.

II. Das Judentum in der Musik: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Wagners zwei Hauptpublikationen zum Thema Judentum in der Musik, analysiert deren Inhalt, Struktur und die sprachlichen Besonderheiten seiner antisemitischen Argumentation.

II. I. Freies Gedankengut – 1850: Beschreibt die Entstehung und den Inhalt der ersten, anonymen Version von Wagners Schrift, die unter dem Pseudonym „Karl Freigedank“ veröffentlicht wurde und auf geringe Resonanz stieß.

II. II. Brief an eine Gräfin – 1869: Erläutert die erweiterte Neuauflage von Wagners Text in Briefform, in der er sich als Opfer einer „jüdischen Verfolgung“ seiner Kunst inszeniert und seine antisemitischen Theorien verschärft darlegt.

II. III. Allgemeine und vergleichende Untersuchung der beiden Publikationen: Analysiert und vergleicht beide Textversionen, wobei insbesondere Wagners rassistische Argumentation zum „jüdischen Äußeren“, seiner Sprache und seinem Gesang sowie die Verwendung von Metaphern und Wortspielen herausgearbeitet werden.

II. IV. Meister Wagners virtuoser Wortschatz: Fokussiert auf die von Wagner verwendeten antisemitischen Termini und Verallgemeinerungen, wie „jüdisches Wesen“ oder „Judenemanzipation“, und beleuchtet deren rhetorische Funktion und die zugrundeliegende Paranoia.

III. Von der jüdischen „Wagnerverfolgung“: Dieses Kapitel beleuchtet Wagners spätere Rezeption seines Werks, seine paranoide Selbstwahrnehmung als Opfer einer jüdischen Verschwörung und die als „umgekehrte Judenverfolgung“ bezeichnete Kritik an ihm.

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis: Listet die Primärquellen (Wagners eigene Schriften und Rezensionen) und die Sekundärliteratur auf, die für die wissenschaftliche Untersuchung herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

Richard Wagner, Antisemitismus, Das Judenthum in der Musik, Sprachpatriotismus, Sprachnationalismus, Dialektik der Paranoia, Antisemitische Rhetorik, Jüdische Kunst, Meyerbeer, Mendelssohn Bartholdy, Pseudonym „Karl Freigedank“, Judenemanzipation, Judenverfolgung, Rassenmerkmale, Künstlerische Unfähigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit analysiert Richard Wagners antisemitische Dialektik und Rhetorik, wie sie in seinen beiden Versionen des Essays „Das Judenthum in der Musik“ zum Ausdruck kommt, und beleuchtet deren Zusammenhang mit Sprachpatriotismus und Sprachnationalismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind Richard Wagners Antisemitismus, die Analyse seiner Schriften „Das Judenthum in der Musik“ (1850 und 1869), die Untersuchung seines Sprachgebrauchs und seiner Argumentationsmuster sowie die Verortung seiner Ansichten im Kontext von Sprachpatriotismus und -nationalismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, ein tieferes Verständnis von Wagners antisemitischer Dialektik und ihren sprachlichen Besonderheiten zu gewinnen, einschließlich seiner verfasserischen Intentionen, die sich in seinen beiden Veröffentlichungen widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung verwendet eine textchronologische und vergleichende Analyse von Wagners Schriften, wobei besonderes Augenmerk auf Metaphern, Wortspiele, rhetorische Stilmittel und antisemitisches Vokabular gelegt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt eine detaillierte vergleichende Analyse der 1850 und 1869 erschienenen Texte Wagners, insbesondere seine Argumentation zu den „Rassenmerkmalen“, der Sprache und dem Gesang der Juden sowie die von ihm verwendeten spezifischen antisemitischen Termini.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Richard Wagner, Antisemitismus, Das Judenthum in der Musik, Sprachpatriotismus, Sprachnationalismus, Dialektik der Paranoia und antisemitische Rhetorik charakterisiert.

Welche Rolle spielte das Pseudonym „Karl Freigedank“ in Wagners Erstveröffentlichung?

Wagner verwendete das Pseudonym „Karl Freigedank“ für die Erstveröffentlichung seiner Schrift 1850, um den Anschein der Objektivität zu wahren und zu vermeiden, dass seine Theorien als persönliche Kritik aus Neid oder anderen Motiven missverstanden würden.

Wie unterscheidet sich Wagners Argumentation zum „jüdischen Äußeren“ von seinen Ausführungen zur „jüdischen Sprache“?

Während Wagner das „jüdische Äußere“ als von Natur aus kunstunfähig und „rassistisch“ minderwertig beschreibt, unterstellt er der „jüdischen Sprache“, als erlernt und nicht angeboren, die Unfähigkeit zum wahren Ausdruck und zur Schaffung eigener Kunstwerke, da Juden als entwurzelter „Volksstamm“ gelten.

Warum nannte Wagner die Kritik an seiner Schrift eine „umgekehrte Judenverfolgung“?

Wagner sah sich selbst als Opfer einer „umgekehrten Judenverfolgung“, da er glaubte, dass seine Kunst und sein Werk durch eine angebliche „jüdische Weltverschwörung“ und kontrollierte Presse diskreditiert wurden, nachdem er sein antisemitisches Pamphlet veröffentlicht hatte.

Welche Komponisten werden von Wagner in seinen Schriften exemplarisch kritisiert?

In seinen Schriften kritisiert Wagner exemplarisch die Komponisten Giacomo Meyerbeer, den er als sein einstiges Vorbild verunglimpfte, und Felix Mendelssohn Bartholdy, dem er künstlerische Unfähigkeit und Nachahmung vorwirft.

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Details

Title
Die Verfolgung Richard Wagners durch die Juden
Subtitle
Eine Dialektik der Paranoia
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Sprachpatriotismus und Sprachnationalismus
Grade
2,3
Author
Sascha Grylicki (Author)
Publication Year
2013
Pages
18
Catalog Number
V1681721
ISBN (PDF)
9783389170175
ISBN (Book)
9783389170182
Language
German
Tags
Richard Wagner Das Judentum in der Musik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sascha Grylicki (Author), 2013, Die Verfolgung Richard Wagners durch die Juden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681721
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