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Ménage-à-trois. Das Liebeskonzept in Gottfrieds von Straßburg "Tristan" im Vergleich zu Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris"

Title: Ménage-à-trois. Das Liebeskonzept in Gottfrieds von Straßburg "Tristan" im Vergleich zu Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris"

Term Paper , 2015 , 27 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sascha Grylicki (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Liebeskonzept in "Tristan" von Gottfried von Straßburg und analysiert dessen literarische, philosophische und traditionsgeschichtliche Grundlagen. Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Gottfried Liebe nicht nur als individuelles Gefühl, sondern als komplexes anthropologisches, ethisches und poetologisches Prinzip gestaltet und welche Funktion dieses Konzept innerhalb der höfischen Literatur des Mittelalters einnimmt.

Ausgehend von einer fundierten Einordnung des Tristan-Stoffs in die mittelalterliche Literatur- und Ideengeschichte beleuchtet die Arbeit zentrale Motive wie Leidenschaft, Leid, Erkenntnis und Grenzüberschreitung. Dabei wird aufgezeigt, inwiefern Gottfried von Straßburg bestehende Liebesdiskurse aufgreift, transformiert und radikal zuspitzt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Spannung zwischen gesellschaftlicher Norm, individueller Erfahrung und literarischer Inszenierung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse liegt auf der intertextuellen Perspektive. Die Arbeit stellt Bezüge zu antiken und zeitgenössischen Liebeskonzepten her und arbeitet Parallelen sowie Abgrenzungen zu anderen literarischen Traditionen heraus. Dadurch wird deutlich, dass Gottfrieds Tristan nicht isoliert zu lesen ist, sondern als reflektierter Beitrag zu einem umfassenden kulturellen Diskurs über Liebe, Moral und menschliche Existenz.

Die Arbeit richtet sich an Studierende und Forschende der Germanistik, Mediävistik und Literaturwissenschaft, die sich vertieft mit höfischer Epik, mittelalterlichen Liebeskonzepten und der poetologischen Innovationskraft Gottfried von Straßburgs auseinandersetzen möchten. Durch ihre systematische Argumentation und die enge Textanbindung bietet sie eine belastbare Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Diskussionen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis des E-Books

  • I. De amore nefasto (S. 1-2)
  • II. Liebeslist und Leidenschaft in der Tristantriade (S. 3-22)
    • II. I. „Swem nie von liebe leid geschach..." (S. 3-9)
    • II. II. Marke – „Schuldig bis zum Beweis der Unschuld!" (S. 9-14)
    • II. III. Isolde – „La belle siréne?“ (S. 14-17)
    • II. IV. Tristan – „Born to die loving." (S. 18-22)
  • III. „Und dann lebten sie unglücklich, bis ans Ende ihrer Tage.“ (S. 22-23)
  • IV. Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 24-25)
    • IV. I. Quellenverzeichnis (S. 24)
    • IV. II. Literaturverzeichnis (S. 24-25)

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Untersuchung von Gottfrieds von Straßburgs Liebeskonzept in seinem "Tristan", insbesondere im Vergleich mit Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris". Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern Gottfried Ovidische Motive und Ratschläge adaptiert, umgestaltet oder parodiert, und wie dies die Charaktere Marke, Isolde und Tristan sowie deren Handlungen prägt.

  • Analyse von Gottfrieds Liebeskonzept im "Tristan"
  • Gegenüberstellung mit Ovids Lehrgedichten "Ars amatoria" und "Remedia amoris"
  • Tiefgehende Untersuchung der Figuren Marke, Isolde und Tristan
  • Erforschung der Transformation und Rezeption Ovidischer Traditionen
  • Beleuchtung des Konzepts der "edelen herzen"
  • Diskussion des Forschungsstands zu Ovid-Parallelen in Gottfrieds Werk

Auszug aus dem Buch

I. De amore nefasto

Der Forschungsdiskurs über diese, von Gottfried geprägte Wendung geht so weit zurück wie auseinander. Entsprechend kann er hier weder ausführlich dargelegt, noch erschöpfend behandelt werden, im Gegenteil soll das Augenmerk auf einer bisher weniger beachteten, für das Ziel dieser Arbeit jedoch äußerst interessanten These liegen, welche Frederic C. Tubach 1959 in seinem Essay „On The Recent Eveluations of the Tristan of Gottfried von Straszburg“ aufstellte. Er schreibt:

„Also Gottfried's concept of edele herze explained consistently and exclusiveley as a darivative of twelfth century mysticism deserves additional comment, because there may possibly be a connecti-on with classical literature."

Tubachs Essay ist kurz und schließt praktisch mit der Aufforderung, der Erforschung seiner These nachzugehen, die er selbst nicht sehr ausführlich begründet.

„Again, it may be worthy of note that Ovid himself, the object of frequent attack in the twelfth cen-tury, attests to the difference between the small minority of noble lovers and the broad majority, which he intends to instruct in the game of love in his Ars Amatoria. “

Um seine These zu belegen zitiert er eine Stelle aus der Ars Amatoria:

„Nec tamen hae mentes nostra poscuntur ab arte; Conveniunt cumbae vela minora meae.“ (Ovid, Ars. III, 25-26)

Tatsächlich scheint diese Stelle in etwa auszusagen, dass „Ovids edele herzen“ den heroi-schen Vorbildern von Liebenden entsprechen und die von ihm zu unterrichtende Leser-schaft nicht, jedoch ohne dass dies negativ konnotiert wäre. Im Gegenteil klingt seine Be-merkung, im Hinblick auf Schicksale wie jenes der Dido und vieler anderer, eher nach Auf-munterung in dem Sinne, dass die „alltägliche Liebe“ meist nicht so tragisch sein, bezie-hungsweise enden muss. „It has to be pointed out that the qualities of those lovers whom Ovid sets aside and above the ma-jority he intends to instruct, bear considerable resemblance to Tristan and Isolde and the small mi-nority of "edele herze." Thus, Gottfried's concept of an esoteric elite of lovers is not necessarily completely of mystic origin. It may reflect in part at least the classical canon of famous lovers mentioned by Ovid.“ Dieser Schluss ist meines Erachtens zutreffend, doch ich denke er lässt sich noch darum er-weitern, dass Gottfried mit edelen herzen nicht nur die Figuren in berühmten Liebesge-schichten (wie Tristan und Isolde) meint, sondern es dem Rezipienten offen lässt, sich auch selbst als Angehöriger dieser Gruppe zu identifizieren. Die edelen herzen sind im Prinzip all jene Liebenden, die, entsprechend der „römischen Liebeselegie“, ihr Leben ausschließlich der Liebe widmen, meist der einen großen Liebe, was die logische Konsequenz nach sich zieht, dass jene Liebenden beim Verlust dieser Lie-be ihr Leben beenden. Diese edelen herzen sind halbfiktive Sagengestalten, genauso wie jeder Rezipient dieser Geschichten es auch sein oder werden kann und genau diese beiden Gruppen, also im Prinzip alle, die es sein und auch verwirklichen wollen, spricht Gottfried in seinem Prolog an. Dies zeigt sich mitunter daran, dass man den Begriff bei allen Vor-kommnissen genau unter diesem Aspekt, meist sogar zweideutig, interpretieren kann, selbst dann, wenn Figuren mit dem Begriff ausgezeichnet werden. Ziel dieser Arbeit ist es jedoch nicht, eine vollendete Interpretation des Wesens dieser ede-len herzen zu bieten, sondern Parallelen zwischen Gottfrieds und Ovids Werken herauszu-arbeiten und festzustellen, inwiefern Gottfried den vorliegenden Stoff konzeptionell verän-dert oder beibehalten hat.

Zusammenfassung der Kapitel

I. De amore nefasto: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Arbeit ein, beleuchtet den historischen Kontext der Rezeption mittelalterlicher Versromane und stellt die Forschungsfrage nach den Parallelen zwischen Gottfrieds "Tristan" und Ovids Lehrgedichten. Es thematisiert zudem das Konzept der "edelen herzen" und die Forschungslücke in Bezug auf Ovid-Parallelen in Gottfrieds Werk.

II. Liebeslist und Leidenschaft in der Tristantriade: Der Hauptteil der Arbeit analysiert Liebeskonzepte und Handlungen der Hauptfiguren im Spiegel Ovidischer Ratschläge und Motive. Es untersucht detailliert, wie Gottfried Ovidische Elemente aufgreift und transformiert.

II. I. „Swem nie von liebe leid geschach...": Dieses Unterkapitel konzentriert sich auf Gottfrieds ureigene Liebeskonzeption, die eine Einheit von Liebe und Leid postuliert, und zieht dabei thematische Parallelen zur römischen Liebeselegie Ovids.

II. II. Marke – „Schuldig bis zum Beweis der Unschuld!": Hier wird die Figur des Königs Marke analysiert, insbesondere in Bezug auf Ovids Figur des eifersüchtigen Ehemanns aus der "Amores" und seine Missachtung Ovidischer Ratschläge.

II. III. Isolde – „La belle siréne?“: Dieses Unterkapitel beleuchtet Isoldes ambivalente Rolle und ihre Handlungen, die unter Berücksichtigung der Ovidischen "Ars amatoria", insbesondere Buch III, untersucht werden.

II. IV. Tristan – „Born to die loving.": Dieses Kapitel widmet sich der Figur Tristans, seiner Virtuosität in Ovidischen Liebesratschlägen und seinen Versuchen, Liebesleid durch Ovidische "Remedia amoris" zu bekämpfen, was letztlich scheitert.

III. „Und dann lebten sie unglücklich, bis ans Ende ihrer Tage.“: Das Fazit der Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, widerlegt bestimmte Forschungsthesen (z.B. McDonalds Interpretation von Gottfrieds Haltung zu Ovid) und diskutiert die Bedeutung der Unvollendetheit von Gottfrieds "Tristan" für dessen Liebeskonzept.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan, Ovid, Ars amatoria, Remedia amoris, Liebeskonzept, Mittelalter, "edele herzen", Rezeptionsästhetik, Figurenkonstellation, Liebesleid, Minnetrank, Transformation, Literaturvergleich, Minnegrotte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Liebeskonzept in Gottfrieds von Straßburgs "Tristan" und vergleicht es detailliert mit den Lehrgedichten "Ars amatoria" und "Remedia amoris" des römischen Dichters Ovid, insbesondere im Hinblick auf die Figuren Marke, Isolde und Tristan.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen Gottfrieds Liebeskonzeption, die Rezeption und Transformation Ovidischer Liebeslehren im mittelalterlichen Kontext, die Analyse der Hauptfiguren des "Tristan" sowie die Bedeutung des Konzepts der "edelen herzen".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Ovidische Anlehnungen und Gottfrieds wandlungsvolle Verarbeitung derselben im "Tristan" aufzuspüren und zu analysieren, um festzustellen, inwiefern Gottfried den Stoff konzeptionell verändert oder beibehalten hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Methode, die Textstellen aus Gottfrieds "Tristan" systematisch mit Passagen aus Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris" gegenüberstellt und interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird das Liebeskonzept des "Tristan" im Allgemeinen sowie die spezifischen Handlungen und Charakteristika von Marke, Isolde und Tristan detailliert analysiert und mit Ovidischen Parallelen in Verbindung gebracht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Gottfried von Straßburg, Tristan, Ovid, Ars amatoria, Remedia amoris, Liebeskonzept, Mittelalter, "edele herzen", Rezeption, Figurenkonstellation, Liebesleid, Minnetrank und Transformation.

Welche Rolle spielt Ovids Konzept der "edelen herzen" in Gottfrieds "Tristan"?

Die Arbeit zeigt auf, dass Gottfrieds Konzept der "edelen herzen" eng mit Ovid in Verbindung steht und Liebende meint, die ihr Leben der großen Liebe widmen, wobei der Begriff sowohl fiktive Sagengestalten als auch das Publikum anspricht.

Wie wird die Figur des Königs Marke im Vergleich zu Ovid interpretiert?

König Marke wird als tragisch betrogene Figur dargestellt, die Ovidische Ratschläge zur Liebe konsequent missachtet, wodurch er sein Unglück mehrt und letztlich als "Anti-Typus" zum Ovidischen Ehemann fungiert.

Inwiefern beeinflusst die Unvollendetheit von Gottfrieds "Tristan" die Schlussfolgerungen der Arbeit?

Die Unvollendetheit des Werkes wird als passender Schlusssatz für ein "Anti-Märchen" interpretiert, der die Tragik des Liebesleids unterstreicht und die Hoffnungslosigkeit von Tristans Entliebungsversuchen hervorhebt, da Ovids "Remedia amoris" solche Fälle nicht abdeckt.

Welche spezifischen Ovidischen Schriften sind für die Analyse zentral?

Zentral für die Analyse sind Ovids Lehrgedichte "Ars amatoria" und "Remedia amoris", die als Hauptquellen für die vergleichende Untersuchung von Liebeskonzepten und -praktiken dienen.

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Details

Title
Ménage-à-trois. Das Liebeskonzept in Gottfrieds von Straßburg "Tristan" im Vergleich zu Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris"
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Gottfried von Straßburg: „Tristan“
Grade
1,7
Author
Sascha Grylicki (Author)
Publication Year
2015
Pages
27
Catalog Number
V1681727
ISBN (PDF)
9783389170212
ISBN (Book)
9783389170229
Language
German
Tags
Ovid Gottfried von StraßburgTristan; Mittelhochdeutsch Mittelhochdeutsch Gottfried von Straßburg Tristan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sascha Grylicki (Author), 2015, Ménage-à-trois. Das Liebeskonzept in Gottfrieds von Straßburg "Tristan" im Vergleich zu Ovids "Ars amatoria" und "Remedia amoris", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681727
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