Das Thema Gesundheit erhält immer mehr Aufmerksamkeit in politischen, wie auch öffentlichen, Diskussionen. Ebenso werden Gesundheitsaspekte verstärkt in der Planung berücksichtigt. Ein Instrument dazu kann ein Stadtentwicklungskonzept (kurz: STEK) sein. Im Folgenden wird die Leitlinie „Rundum gesund. Leitlinie Gesundheit: Herausforderungen begegnen, Perspektiven schaffen, Lebensqualität fördern.“ aus dem Jahr 2010 vorgestellt, die zu dem STEK Perspektive München der Stadt München gehört.
Dazu wird zunächst auf Stadtentwicklungskonzepte eingegangen und, anschließend auf die gesundheitsbezogenen Herausforderungen der Stadt München. Danach werden die Entwicklungsschritte des Konzeptes skizziert, die beteiligten Akteurinnen und Akteure und die Zielsetzung der Leitlinie Gesundheit genauer betrachtet. Den Abschluss bilden die Maßnahmen und die Zielsetzung der Leitlinie, sowie eine kurze Zusammenfassung der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung und Einführung in die Thematik
- 2 Theoretische Grundlagen: Gesundheitsfördernde Stadtentwicklung
- 2.1 Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum
- 2.1.1 Gerechtigkeitsprinzipien
- 2.1.2 Vulnerabilität und Resilienz
- 2.2 Gesundheit und Gesundheitsförderung
- 2.2.1 Gesundheitsdeterminanten nach dem Social Model of Health
- 2.2.2 Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Quartier
- 2.3 Stadtentwicklungskonzepte (STEK) in der Gesundheitsförderung
- 2.1 Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum
- 3 Methodisches Vorgehen
- 3.1 Untersuchungsgegenstand „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München
- 3.2 Auswertungsmethodik
- 4 Auswertung der Einflussfaktoren auf die Gesundheit der „Leitlinie Gesundheit“
- 4.1 Baulich-physische Faktoren
- 4.2 Soziale Faktoren
- 4.3 Politisch-administrative Faktoren
- 4.4 Symbolische Faktoren
- 4.5 Zwischenfazit
- 5 Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse
- 6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht, welche baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren auf die Gesundheit in der „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München konzeptionell berücksichtigt werden. Sie analysiert die Leitlinie als Instrument einer umweltgerechteren Stadtentwicklung, um räumliche Konzentrationen gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen abzubauen und damit soziale Ungleichheiten im urbanen Raum zu adressieren.
- Analyse umweltgerechter Stadtentwicklungskonzepte
- Identifikation gesundheitsfördernder Einflussfaktoren
- Konzeptionelle Berücksichtigung der „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München
- Unterscheidung von baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Faktoren
- Kontextualisierung von Gesundheit und Gesundheitsförderung im Quartier
- Räumliche Planungsperspektiven auf soziale und umweltbezogene Gerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum
Umweltgerechtigkeit (oder: Environmental Justice) weist dementsprechend vor allem in benachteiligten städtischen Gebieten eine besondere Relevanz auf (vgl. Dylong et al. 2016: 9). Insofern wird mit Umweltgerechtigkeit der Fokus auf gesundheitsrelevante Lebens- und Umweltqualitäten im Wohnumfeld von Menschen gerichtet (vgl. Elvers 2007: 21). Der Begriff „Umwelt“ umfasst in diesem Kontext – neben der natürlichen Umwelt – ebenfalls psychosoziale Faktoren (vgl. Bolte et al. 2012: 20).
Bei Umweltgerechtigkeit steht vor allem die Frage nach Zusammenhängen zwischen sozialer Lage – Einkommen, Bildung, Beruf, Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund (vgl. ebd.: 26) und der gesundheitsbezogenen Qualität der Umwelt im Vordergrund. Entsprechend thematisiert dieser Bergriff die damit verbundenen Konsequenzen für die umweltbezogene Gesundheit (vgl. ebd.: 15). Forschungen im Bezug auf Umweltgerechtigkeit befassen sich mit Gewinner*innen und Verlierer*innen technisch-zivilisatorischer Entwicklungsprozesse und damit verbundener Ungleichheiten von Umweltbelastungen in der Bevölkerung (vgl. Gebhardt et al. 2013: 1098). Menschen mit einem geringeren Bildungsniveau und einem geringeren Einkommen sind beispielsweise häufiger mit höheren Umweltbelastungen konfrontiert, als sozioökonomisch stärkere Menschen (vgl. Umweltbundesamt 2019b: 1).
Um schließlich eine umweltgerechte Entwicklung zu fokussieren, lassen sich vier zentrale Prinzipien von Umweltgerechtigkeit nach Maschewsky (vgl. 2008: 205 f.) unterscheiden. Erstens wird in diesem Kontext Verteilungsgerechtigkeit als ein zentrales Prinzip genannt. Dieses Prinzip fokussiert eine gerechte Verteilung von Umweltrisiken zwischen differenten Bevölkerungsgruppen oder geographischen Räumen (vgl. Grunwald 2016: 51). Neben einer solchen gerechten Verteilung von Umweltbelastungen, ist ebenfalls eine gerechte Verteilung von Umweltressourcen Bestandteil dieses Prinzips (vgl. Drilling et al. 2017: 181).
Zweitens lässt sich – neben dem Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit – das Prinzip der Verfahrensgerechtigkeit als weiterer zentraler Bestandteil von Umweltgerechtigkeit einordnen. Verfahrensgerechtigkeit impliziert insbesondere einen gerechten Prozess der Entscheidungsfindung (vgl. Baumgart et al. 2018: 90) und eine gerechte Gleichbehandlung und Einflussnahme unterschiedlicher Akteur*innen im Zusammenhang mit dem Umweltbegriff bei sozialen Prozessen (vgl. Maschewsky 2008: 205).
Des Weiteren lässt sich drittens das Prinzip der Chancengerechtigkeit als zusätzliches Konzept von Umweltgerechtigkeit klassifizieren. Unter Chancengerechtigkeit wird insbesondere verstanden, dass alle Bevölkerungsgruppen theoretisch die gleiche Möglichkeit besitzen, das eigene Potenzial für ein gesundes Leben abrufen zu können und zusätzlich den gleichen Zugang zu gesundheitsfördernden Leistungen besitzen (vgl. Mielck 2005: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel führt in die Problematik erhöhter Umweltbelastungen in sozial benachteiligten Stadtquartieren ein, beleuchtet das politische Interesse an sozialen Ungleichheiten und Gesundheit und stellt die Forschungsfrage bezüglich der „Leitlinie Gesundheit“ München vor.
2 Theoretische Grundlagen: Gesundheitsfördernde Stadtentwicklung: Hier werden die theoretischen Fundamente für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung gelegt, Konzepte wie Umweltgerechtigkeit mit ihren Prinzipien, Vulnerabilität, Resilienz, Definitionen von Gesundheit sowie verschiedene Gesundheitsdeterminanten und Einflussfaktoren auf Gesundheit im Quartier erläutert.
3 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Methodik der Arbeit, wobei die „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München als primärer Untersuchungsgegenstand festgelegt und die Auswertungsmethodik auf Basis der nach Bär definierten Einflussfaktoren dargelegt wird.
4 Auswertung der Einflussfaktoren auf die Gesundheit der „Leitlinie Gesundheit“: In diesem Hauptteil werden die in der Münchner Leitlinie berücksichtigten baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Quartier analysiert und systematisch ausgewertet.
5 Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die umweltgerechte Stadtentwicklung als Fokus der Leitlinie und konkretisiert, welche der baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren berücksichtigt werden und welche nicht.
Schlüsselwörter
Umweltgerechtigkeit, Stadtentwicklung, Gesundheitsförderung, Leitlinie Gesundheit, München, Quartier, Einflussfaktoren, Baulich-physisch, Sozial, Politisch-administrativ, Symbolisch, Vulnerabilität, Resilienz, Social Model of Health, Ottawa Charta, Gerechtigkeitsprinzipien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München umweltgerechte und gesundheitsfördernde Stadtentwicklungskonzepte integriert, indem sie spezifische Einflussfaktoren auf die Gesundheit im urbanen Quartier untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Umweltgerechtigkeit, gesundheitsfördernde Stadtentwicklung, die Rolle von Gesundheitsdeterminanten, sowie die Analyse baulich-physischer, sozialer, politisch-administrativer und symbolischer Einflussfaktoren im Kontext städtischer Quartiere.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, empirisch-analytisch nachzuweisen, welche baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren auf die Gesundheit in der „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München konzeptionell berücksichtigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirisch-analytische Methode, bei der die Inhalte der „Leitlinie Gesundheit“ der Stadt München systematisch den vier von Bär identifizierten Dimensionen von Einflussfaktoren auf die Gesundheit zugeordnet und ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 4) werden die baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Quartier detailliert analysiert und dargestellt, basierend auf den Inhalten der „Leitlinie Gesundheit“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Umweltgerechtigkeit, Stadtentwicklung, Gesundheitsförderung, Leitlinie Gesundheit, München, Quartier, Einflussfaktoren, Vulnerabilität und Resilienz charakterisiert.
Warum ist die „Leitlinie Gesundheit: München“ für die Untersuchung relevant?
Die „Leitlinie Gesundheit“ ist als Teil des Stadtentwicklungskonzepts „Perspektive München“ ein konkretes Instrument, das gesundheitspolitische Zielvorgaben und Strategien für die zukünftige städtische Entwicklung festlegt und somit einen idealen Untersuchungsgegenstand bietet.
Welche vier Kategorien von Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Quartier werden in der Arbeit unterschieden?
Die Arbeit unterscheidet zwischen baulich-physischen, sozialen, politisch-administrativen und symbolischen Einflussfaktoren, um die Komplexität der Gesundheitsdeterminanten im städtischen Raum zu erfassen.
Welche Art von Einflussfaktoren wird in der „Leitlinie Gesundheit“ besonders intensiv berücksichtigt?
Die Analyse zeigt, dass politisch-administrative Faktoren in der „Leitlinie Gesundheit“ sehr intensiv und umfassend thematisiert und berücksichtigt werden, was die Bedeutung der Governance-Ebene hervorhebt.
Gibt es Einflussfaktoren, die in der „Leitlinie Gesundheit“ nicht oder nur indirekt berücksichtigt werden?
Ja, symbolische Faktoren wie das Image des Wohnumfeldes oder dessen Wahrnehmung als Belastung/Ressource finden keine direkte Berücksichtigung. Auch das Verkehrsaufkommen bei baulich-physischen Faktoren sowie soziale Aspekte wie Versorgungsstruktur, Dienstleistungen und lokale Ökonomie werden nicht oder nur indirekt thematisiert.
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- Anonym (Author), 2019, Stadtentwicklungskonzepte (STEK) am Beispiel der "Leitlinie Gesundheit" der Stadt München, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681766