Nutzenpotentiale der Referenzmodellierung im Supply Chain Management


Bachelorarbeit, 2009
73 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Supply Chain Management
2.1.1. Frühere Entwicklung
2.1.2. Aktueller Forschungsstand
2.2. Referenzmodellierung
2.2.1. Frühere Entwicklung
2.2.2. Aktueller Forschungsstand

3. Review Vorgehensweise
3.1. Problemformulierung
3.2. Literatursuche
3.3. Literaturauswertung
3.4. Analyse und Interpretation
3.5. Präsentation der Lösungsansätze

4. Modellierungssprachen
4.1. Verwendung
4.2. Anforderungen
4.3. Probleme
4.4. Lösungsansätze
4.5. Einsatz im Supply Chain Management
4.5.1. Vergleich der Sprachen
4.5.1.1. UML (Unified Modeling Language)
4.5.1.2. Petri-Netze
4.5.1.3. ERM (Entity Relationship Modell)
4.5.1.4. (e)EPK [(erweiterte) Ereignisgesteuerte Prozesskette]
4.5.1.5. BPML (Business Process Modeling Language)
4.5.1.6. Zusammenfassung

5. Modellierungsmethoden
5.1. Verwendung
5.2. Anforderungen
5.3. Probleme
5.4. Lösungsansätze
5.5. Einsatz im Supply Chain Management
5.5.1. Vergleich der Methoden
5.5.1.1. Rapid Application Development (RAD)
5.5.1.2. Structured Analysis and Design Technique (SADT)
5.5.1.3. Nijssen’s Information Analysis Method (NIAM)
5.5.1.4. Joint Application Development (JAD)
5.5.2. Zusammenfassung

6. Modellierungswerkzeuge
6.1. Verwendung
6.2. Anforderungen
6.3. Probleme
6.4. Lösungsansätze
6.5. Einsatz im Supply Chain Management
6.5.1. Vergleich der Werkzeuge
6.5.1.1. ARIS Toolset
6.5.1.2. Bonapart
6.5.1.3. WebSphere Business Modeler
6.5.1.4. ViFlow
6.5.2. Zusammenfassung

7. Referenzmodelle
7.1. Verwendung
7.2. Anforderungen
7.3. Probleme
7.4. Lösungsansätze
7.5. Einsatz im Supply Chain Management
7.5.1. Vergleich der Referenzmodelle
7.5.2. Supply Chain Operations Reference (SCOR) - Modell
7.5.2.1. Supply Chain Integrative Framework
7.5.2.2. Supply Chain Management Framework
7.5.2.3. Supply-Chain-Referenzmodell
7.5.3. Zusammenfassung

8. Resümee

9. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Struktur des SCOR-Modells

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Wirtschaft und die Industrie haben sich in den letzten drei Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt. Damit einhergehend kann man feststellen, dass die Bedeutung von Logistikprozessen in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat. Während die Logistik vorher noch überwiegend eine vertikale Unternehmensfunktion dargestellt hat, ist die funktionsübergreifende, integrierte Betrachtung im Rahmen einer Lieferkette („Supply Chain“) immer mehr in den Vordergrund getreten. Dies kann man am Entstehen einer neuen Disziplin erkennen, dem Supply Chain Management, und der zunehmenden Verankerung dieser Disziplin innerhalb verschiedenster Unternehmen.1 Aber auch die Relevanz einer angemessenen Informationsversorgung, um das Unternehmen auch zukünftig erfolgreich zu führen, ist offensichtlich. Moderne Informationssysteme bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich flexibel an wechselnden Umfeldbedingungen anzupassen. Aufgrund des hohen Innovationsbedarfs richtet sich das Hauptinteresse der Forschung immer mehr auf die Bereitstellung von verschiedenen Konzepten, die Konstruktions- prozesse unterstützen können.2 Einen viel versprechenden Ansatz zur Unterstützung dieser Konstruktionsprozesse stellt die Entwicklung von Referenzmodellen dar. Referenzmodelle sind so zu konstruieren, dass sie wiederverwendbar und zugleich einfach modifizierbar sind. Mit der Realisation, Anpassung und Optimierung dieser Referenzmodelle, den damit entstehenden Problemen und deren Lösung beschäftigt sich die Referenz- modellierung.

Man hat folglich zwei wichtige, und in Zukunft stetig an Bedeutung zunehmende Konzepte, die beide zum Erfolg eines Unternehmens beitragen können, speziell weil sie auch beide unternehmensübergreifend agieren. Somit kommt die Frage auf, warum die Referenzmodellierung nicht enger mit dem Supply Chain Management zusammenarbeitet. Die vorliegende Arbeit versucht diese Frage zu klären, indem die Nutzenpotentiale der Referenzmodellierung für das Supply Chain Management aufgearbeitet, dargestellt und geprüft werden.

2. Begriffsklärung

2.1. Supply Chain Management

Um den Begriff Supply Chain Management als Ganzes zu erfassen, wird zuerst versucht, den Begriff der Supply Chain (Lieferkette) festzulegen. Die Definition der Supply Chain kann weit oder eng gefasst ausfallen, abhängig von der Perspektive desjenigen, der die Definition vornimmt. Der heutige Trend geht eher in die Richtung, die Definition weiter gefasst zu formulieren. So wurde im Jahre 2002 in einer Konferenz, die vom Council of Logistics Management (CLM) durchgeführt wurde, der Fokusbereich erweitert und in die vom CLM vertretene Definition aufgenommen. Somit kann die Lieferkette als „die Gesamtheit aller Aktivitäten, Verfahren, etc., die auf ein Produkt [z. B. Güter, Dienstleistungen, Finanzgrößen..] vom Anfang bis zum Ende angewendet werden“ beschrieben werden.3 (Der Originaltext lautet: „The supply chain is as all that happens to a product from dirt to dust.“4 )

Betrachten wir nun genauer die einzelnen Phasen, durch die ein Produkt laufen muss, bis es schließlich zum Kunden gelangt. Unweigerlich stößt man dabei auf den Begriff des Supply Chain Managements (SCM), sodass nun versucht wird, eine Definition zu finden. Ein zentraler Gedanke des SCM besteht darin, „durch Reduktion von Schnittstellen und Verbesserung der Flüsse eine tatsächliche Verbesserung der Wertschöpfungskette zu erzielen“.5 Was allerdings die begriffliche Klärung anbelangt, gehen die Meinungen verschiedener Autoren weit auseinander. Beispielsweise bedeutet für Towill das Supply Chain Management die Verkettung von Systemen zur Auftrags- abwicklung6, wohingegen Harrington das Supply Chain Management als ein Gebilde zur Abwicklung kombinierter Material- und Informationsflüsse7 beschreibt. Im Gegensatz dazu bedeutet für Elram und Cooper das SCM die Verknüpfung von Wertschöpfungsprozessen8. Man kann festhalten, dass eine genaue Definition des Supply Chain Managements noch nicht geschaffen wurde, da zu viele verschiedene Sichtweisen und somit eine Fülle von verschiedenen Definitionen existieren. Meistens besteht keine genaue Abgrenzung zu dem jeweiligen spezifischen Management, sodass sich die Definitionen mit den Schlussfolgerungen oder Handlungsempfehlungen vermischen und keine einheitliche Linie gefunden werden kann.9 Unabhängig davon scheinen sich allerdings die drei folgenden Definitionsmerkmale des SCM durchgesetzt zu haben10:

1. Hohe Kundenorientierung: Ein wichtiges Merkmal des Supply Chain Managements ist es, mit dem Einsatz des SCM eine höhere Befriedigung der Kundenbedürfnisse zu erreichen.
2. Unternehmensübergreifende Betrachtung: Es werden hier nicht nur einzelne Unternehmen für sich alleine betrachtet, sondern wenn möglich der ganze Prozess der Supply Chain. Dies führt dazu, dass verschiedenste Unternehmen miteinander arbeiten und somit kooperieren müssen, womit die Kooperation als weiterer Teilaspekt nicht vernachlässigt werden darf.
3. Hohe Integration der betrieblichen Funktionen: Da das Supply Chain Management auf eine unternehmensübergreifende Sichtweise ausgerichtet ist, gilt dies auch für die Materialflüsse zwischen diesen (und auch innerhalb von) Unternehmen. Man sollte somit nicht einen Fluss als einen einzelnen, isolierten Aspekt betrachten, sondern vielmehr sämtliche Funktionen als ein Ganzes.

2.1.1. Frühere Entwicklung

Bevor der Begriff der Lieferkette, und damit auch der Begriff des Supply Chain Managements erschaffen wurde, war der Begriff der Logistikkette gebräuchlich. Hugos erklärt dies wie folgt:

„The term 'supply chain management' arose in the 1980s and came into widespread use in the 1990s. Prior to that time, businesses used terms such as 'logistics' and 'operations management' instead.“11 (Der Begriff des „Supply Chain Managements“ wurde in den 1980ern geschaffen und ist seit den 1990ern gebräuchlich. Vor dieser Zeit benutzten Firmen Begriffe wie „Logistik“ und „operations management“.)

In den 70er Jahren hat sich das, damals noch größtenteils als Logistik bekannte SCM auf die Integration von Lagerung und Beförderung innerhalb eines Unternehmens beschränkt12. In der Literatur wird oft der Beitrag von Oliver und Webber (1982) als der Ansatz des Supply Chain Managements gesehen und damit die Anfänge der 80er Jahre als das Aufkommen der systematischen Gestaltung von Supply Chains datiert.13 Oliver und Webber legten, unter Verwendung des Begriffes der Supply Chain, eine erste prominente Ausarbeitung zur strategischen Bedeutung der unternehmensübergreifenden Logistik vor.14 Gegen Ende der 80er Jahre hat sich das SCM dann hin zur Verbesserung des Kundendienstes verlagert, was ein höheres Umsatzwachstum und höhere Rentabilität zur Folge hatte. Während der frühen 90er Jahre hat sich das Interesse an einer Verbesserung des Kundenservice verstärkt. Ebenso wurde das Unternehmenswachstum als neues Ziel des SCM aufgefasst.15

2.1.2. Aktueller Forschungsstand

In der heutigen Zeit bringt die Entwicklung des strategischen SCM („Strategic Supply Chain Management“) in vielen Unternehmen eine neue Änderungswelle mit sich. In der traditionellen Sichtweise war der strategische Ansatz nur Teil der operativen Zieldefinition. Da der strategische Ansatz nun Teil des SCM wurde, erlangt das Supply Chain Management jetzt eine Funktion, die unmittelbar zum Unternehmenserfolg beiträgt und die gleichzeitig zu einem permanenten Bestandteil der Unternehmensstrategie geworden ist.16

2.2. Referenzmodellierung

Die Referenzmodellierung (ausführlich: Referenz-Informationsmodellierung) ist ein spezielles Arbeitsgebiet der Informationsmodellierung, das sich mit Modellierungssprachen, -methoden, -werkzeugen und Referenzmodellen beschäftigt. Referenzmodelle, die teilweise auch als Referenzsysteme bezeichnet werden, bilden den konzeptionellen Rahmen, d. h., sie sind übergeordnete Modelle, die den Ausgangspunkt für spezifische Modelle bilden. Da sich die Referenzmodellierung auch mit der Gestaltung von Modellen beschäftigt, ist es notwendig, sich zuerst mit dem Modellbegriff auseinander zu setzen17. Stachowiak hebt in seinem Ansatz drei grundlegende Merkmale von Modellen hervor:18

1. Abbildungsmerkmal: Modelle sind dafür geschaffen, etwas abzubilden. Sie verweisen somit auf das Original, zu dem sie in einer Abbildungsrelation stehen.
2. Verkürzungsmerkmal: Modelle können gegenüber dem Original Verkürzungen, also Abstraktionen, vornehmen. Somit stellen sie nur Teile und nicht das vollständige Original dar.
3. Pragmatisches Merkmal: Da verschiedene Originale existieren, kann keine einheitliche Regel erstellt werden, die besagt, welche Teile eines Originals durch ein Modell abgebildet werden sollen. Diese Frage wird somit pragmatisch beantwortet. Je nachdem welchen Zweck das Modell erfüllen soll, werden die wichtigen Teile durch das Modell abgebildet. Die Teilaspekte des pragmatischen Merkmals sind damit die Zeit, Intention und Subjektivität.

Dem Modellierungsbegriff wird - im Gegensatz zum Modellbegriff - bislang weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Intuitiv wird er als aufgabenorientiertes Pendant zum Modellbegriff verwendet. Werden allerdings explizite Einführungen vorgenommen, wird die Modellierung als (Prozess der) Erstellung von Modellen gekennzeichnet.19 Jetzt ist es nur noch ein kleiner Sprung vom Modellierungsbegriff zur Referenzmodellierung. Die übergeordnete Aufgabe der Referenzmodellierung besteht darin, die „Akzeptanz von Referenzmodellen bei zugleich angemessenem Aufwand ihrer Erstellung zu gewährleisten“20. Außerdem stellt die Referenzmodellierung die Summe aller Handlungen dar, welche die „Entwicklung und Anwendung wiederverwendbarer Modelle (Referenzmodelle) zum Ziel haben“21.

2.2.1. Frühere Entwicklung

Bereits zu Beginn der 70er Jahre verfolgte das am BIOFA (Betriebs- wirtschaftliches Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln) entwickelte Kölner Integrationsmodell (KIM)22 die Leitidee der Referenzmodellierung. Die Leitidee früher wie auch heute besteht darin, dass allgemeine Unternehmensmodelle zur Unterstützung der Gestaltung verschiedenster Unternehmen entwickelt werden.23 Von einem Referenzmodell wurde allerdings zur damaligen Zeit noch nicht gesprochen, statt dessen ist von der Entwicklung eines „allgemeingültigen Modells für ein integriertes Datenverarbeitungssystem“24, einem „Grundmodell“25 oder einer „Modell- vorlage“26 die Rede. Die Erwartungen an das Kölner Integrationsmodell waren sehr hoch, allerdings konnte KIM die Hoffnungen auf einen innovativen Impuls nicht erfüllen. Somit kam es in der Forschung zunächst zu einem Stillstand. Erst seit dem Aufkommen der unternehmensweiten Daten- modellierung in den 80ger Jahren begannen sich erste wichtige und zentrale Aspekte der heutigen Referenzmodellierungsforschung herauszubilden.27 Die Anzahl vorgeschlagener Modelle für verschiedene Domänen nahm immer weiter zu. Dies führte zu einer stärkeren Reflektion von Methoden zur Konstruktion und Nutzung von Referenzmodellen und somit zur Etablierung des Forschungsgebiets der Referenzmodellierung. Seit 1997 findet jährlich die Tagung „Referenzmodellierung“ statt, woran zu erkennen ist, dass das Interesse zunehmend wächst. Die Tagung gilt in der Referenzmodellierungs- Community mittlerweile als echte Institution, in deren Rahmen neueste Erkenntnisse aus Forschung und Praxis diskutiert werden und die auch immer wieder Keimzelle für neue Forschungsideen ist.28

2.2.2. Aktueller Forschungsstand

Die Herausforderungen der Referenzmodellierungsforschung liegen zum einen im Bereich der Methodenentwicklung mit dem Ziel, adäquate Techniken zur Referenzmodellerstellung und -anwendung zu erhalten. Zum anderen ist die Formulierung von konkreten Referenzmodellen für verschiedene Domänen aktuell wie auch schon früher Schwerpunkt der Referenzmodellierungs- forschung.29 In letzter Zeit steigt das Interesse sowie die Bedeutung der Referenzmodellierung immer mehr an, da Referenzmodelle in vielen Bereichen als ein Instrument zur Effizienz- und Qualitätssteigerung erkannt werden.30

3. Review Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit wurde nach der Review Methode erstellt. Der Review Begriff ist breit gefächert und es existieren viele verschiedene Sichtweisen. Diese Arbeit lehnt sich an den Beitrag von Cooper31 an, da dieser allgemein am verbreitetsten ist und auch in der Literatur viel Anklang und Zustimmung findet. Demnach wird ein Review durch zwei wesentliche Merkmale definiert:32

1. Die Grundlage eines Reviews sind verschiedene Primär- untersuchungen, auf denen ein Review aufgebaut wird. Diese Untersuchungen werden zu einer oder mehreren, thematisch ähnlichen, Forschungsfrage(n) durchgeführt. Im Review werden selbst keine neuen primären Ergebnisse zur Forschungsfrage vorgestellt.
2. Das Ziel eines Reviews ist, die Ergebnisse einiger ausgewählter Primäruntersuchungen zu bewerten, zusammenzufassen, zu beschreiben, zu klären oder zu integrieren. Das Review kann sich dabei auf inhaltliche, methodische, theoretische oder auch andere Eigenschaften der Primäruntersuchungen stützen.

Cooper definiert die Vorgehensweise zur Erstellung eines Reviews mit Hilfe von sechs Schritten: „Focus of attention, goal of the synthesis, perspective on the literature, coverage of the literature, organization of the presentation and intended audience”33 (Problemformulierung, Zielsetzung, Literatursuche, Literaturauswertung, Präsentationsvorbereitung, Bestimmung der Zielgruppe). Da sich an diesen Punkten auch die vorliegende Arbeit orientiert, wird in den folgenden Abschnitten die Vorgehensweise zur Erstellung des Reviews im Hinblick auf die gegebene Thematik genauer erläutert.

3.1. Problemformulierung

Die erste Phase, die Problemformulierung, befasst sich mit der Fragestellung, welche durch ein Review zu beantworten ist. Die Fragestellung wird hier ausformuliert, abgegrenzt und näher präzisiert.34

Die Fragestellung bezogen auf die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Nutzenpotenitalen der Referenzmodellierung für das Supply Chain Management. In der Literatur gibt es bis heute nur wenige Autoren, die sich mit diesem Thema beschäftigen, somit herrscht in dem Gebiet definitiv noch Forschungsbedarf. Viele Autoren schreiben über das Supply Chain Management (z. B. Hugos35, Towhill36 ), jedoch wird die Referenzmodellierung in diesem Zusammenhang in den meisten Fällen nicht genauer betrachtet. Auf der anderen Seite gibt es viele Schriften, die sich genauer mit dem Thema der Referenzmodellierung befassen (z. B. vom Brocke37, Fettke/Loos38 ), allerdings wird die Bedeutung für das Supply Chain Management meistens nicht in den Fokus gestellt. Das Ziel des Reviews soll also sein, die Schriften aufzugreifen, die die beiden Themen in Zusammenhang bringen und dadurch einen genaueren Einblick in die Thematik zu erhalten.

3.2. Literatursuche

Das Hauptziel der Literatursuche besteht darin, geeignete Literatur passend zu dem jeweiligen Thema zu finden. Dazu werden verschiedene Bibliotheken wie z. B. die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek oder die Bibliothek des Instituts für Wirtschaftsinformatik aufgesucht und deren Datenbank nach Schlagwörtern wie „Referenzmodellierung“, „Supply Chain Management“ oder „Aktuelle Forschungsergebnisse der Referenzmodellierung / des Supply Chain Managements“ durchsucht. Auch im Internet wurden Kataloge wie z. B. auf der Seite der Deutschen Nationalbibliothek durchsucht um auf weitere Schriften zu stoßen, die manchmal auch kostenlos zur Verfügung standen. Paper wurden insofern untersucht, soweit sie sich mit dem Thema befasst haben. Mit Hilfe von Dissertations- und Habilitationsdatenbanken der Wirtschaftsinformatik wie beispielsweise www.wige.net wurde nach themenbezogenen Schriften gesucht. Zeitschriften, wie z. B. WIRTSCHAFTSINFORMATIK oder HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik lieferten ebenfalls wichtige Erkenntnisse zur Fragestellung.

3.3. Literaturauswertung

Das Hauptaugenmerk in dieser Phase liegt auf der für wichtig empfundenen Literatur. Diese wird genauer untersucht, auf ihre Relevanz geprüft, verarbeitet und gegliedert um bei dem Rückgriff auf die Literatur in späteren Phasen eine bessere Übersicht zu erhalten.39

Einige der für wichtig empfundenen Schriften stellten sich bei genauerer Betrachtung als nicht relevant heraus. Die Titel und die groben Zusammenfassungen beschäftigten sich zwar mit dem Thema, jedoch waren diese Schriften dann bei genauerer Betrachtung zu sehr praxisorientiert (z. B. Beckmann40 ) oder bezogen sich auf eine bestimmte Branche, die nichts mit dem vorliegenden Thema gemein hatte (z. B. Nikodemus41, Patig42 ). Die Literatur, die nach der eingehenden Prüfung als relevant befunden wurde, wurde näher gegliedert, bedeutende Stellen markiert und danach nach Wichtigkeit sortiert um später einen direkten und schnellen Zugriff auf relevante Informationen zu garantieren.

3.4. Analyse und Interpretation

In dieser Phase werden die Ergebnisse der vorherigen Phase analysiert und interpretiert, wobei die Fragestellung, auf die sich das Review bezieht, immer im Vordergrund steht und ein ständiger Bezug hergestellt wird.43

Es hat sich herausgestellt, dass meist sehr viele verschiedene Auffassungen und Interpretationen vorhanden sind. Bei genauerer Betrachtung beispielsweise der Modellierungssprachen, stellt man fest, dass diese auf unterschiedlichste Aspekte angepasst und auch modifiziert werden können, genau abgestimmt auf die jeweiligen Anforderungen des Projektes. Somit ist es schwierig, eine allgemeine Aussage zu treffen. Auch in anderen Bereichen wie z. B. der Modellierungsmethode bestehen unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Des Weiteren gibt es nur wenig Literatur, die sich mit den Nutzenpotentialen der Referenzmodellierung für das Supply Chain Management beschäftigt und relevante Ergebnisse liefert. Meist liefern die Schriften nur Einblicke in einen Teil des Themas (Referenzmodellierung oder Supply Chain Management) und es bleibt dadurch viel Raum zur Interpretation.

3.5. Präsentation der Lösungsansätze

In der letzten Phase werden die Ergebnisse der Untersuchung aufeinander abgestimmt, aufbereitet und der Öffentlichkeit präsentiert.44 Durch die vorherige Selektion und Sortierung nach Wichtigkeit konnte man direkt auf die relevanten Aspekte und Informationen zurückgreifen bzw. alles Wichtige schnell wiederfinden. Dadurch gelang die Aufbereitung relativ problemlos. Die recherchierten Meinungen wurden so zusammengefasst und gegliedert, dass eine einheitliche Struktur entstand, die leicht nachzuvollziehen und gut verständlich ist. Angefangen wurde mit allgemeineren Darlegungen, um einen besseren Einstieg in das Thema zu erhalten. Je weiter die Arbeit fort- schritt, desto spezifischer wurden die Aspekte, bis hin zu einer genauen Lösungsfindung.

4. Modellierungssprachen

Modellierungssprachen sind künstlich definierte Sprachen, die dazu dienen, Modelle, d. h. abstrahierende Beschreibungen, zu erstellen. Sie können auf formalen, semiformalen oder grafischen Beschreibungsmitteln basieren.45 Bislang hat sich keine einheitliche Sprache in Theorie und Praxis etabliert, allerdings neben speziellen Sprachen für bestimmte Bereiche, wie beispielsweise für das Kölner Integrationsmodell (hier wurde ein eigenes, speziell auf das Modell abgestimmtes Modellierungskonzept entwickelt46 ), ist die standardisierte Unified Modeling Language (UML) die am weitesten verbreitete Modellierungssprache. Auch bekannt sind z. B. Petrinetze, Business Process Modeling Language (BPML) oder die ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK). Man kann allerdings feststellen, dass ein Trend zur Standardisierung der verwendeten Modellierungssprachen existiert. Beispielsweise greifen aktuelle Forschungen bzw. Projekte der Referenzmodellierung auf bereits vorhandene Sprachen zurück, sodass in der Regel keine von Grund auf neue Sprachen mehr entwickelt werden. Bei dem Referenzieren auf bereits vorhandene Sprachen werden Konzepte verwendet, die man unterschiedlichen Sprachfamilien zuordnen kann. Beispielsweise werden Sprachen zur Datenmodellierung47, Prozessmodellierung48 und zur Objektmodellierung49 verwendet.50

Ehe man Modellierungssprachen zur Abbildung von Geschäftsprozessen entwickelt hatte, waren die Beteiligten in der Vergangenheit überwiegend auf die Verwendung der natürlichen Sprache bzw. auf unformalisierte Techniken zur Dokumentation angewiesen. Diese Techniken bergen jedoch die Gefahr in sich, dass Darstellungen nicht eindeutig und somit widersprüchlich sind. Außerdem ist eine Vollständigkeit der Informationsabbildung meist nicht nachprüfbar und zu unscharf.

[...]


1 Polhua, R.G.: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain - Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien. 2. überarbeitete Auflage, Band 50, Köln 2006, S.1

2 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung - Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S. 2f

3 Polhua, R.G.: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain - Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien. 2. überarbeitete Auflage, Band 50, Köln 2006, S.11

4 Council of Logistics Management: Supply Chain Management 2004 o.S.

5 Arndt, H.: Supply Chain Management - Optimierung logistischer Prozesse. Edition 3, Gabler Verlag 2006, S. 47

6 Towill, D.R: Time compression and supply chain management - a guided tour, 1996 S.15ff

7 Harrington, H. J.: Total Improvement Management, 1995, S.30ff

8 Ellram L.M., Cooper M.C.: Supply chain management, partnerships, and the shipper-third party relationship, 1990, S. 1ff

9 Voß, P.H.: Horizontale Supply Chain Beziehungen - Potentiale der Zusammenarbeit zwischen Zulieferern in Supply Chains. DUV 2007, S. 12ff

10 Fettke, P.: Supply Chain Management - Stand der empirischen Forschung , Gabler Verlag 2007, Volume 77, Number 4, S. 421

11 Hugos, M.: Supply Chain Management 2003, S.2

12 Polhua, R.G.: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain - Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien. 2. überarbeitete Auflage, Band 50, Köln 2006, S.29f

13 Fettke P., Loos P.: Vergleichende Buchbesprechung - Supply Chain Management (SCM), Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 5, S. 375-383

14 Oliver, R.K., Webber, M.D.: Supply Chain Management - Logistics Catches Up With Strategy. In: Cristopher, M. (Hrsg.): Logis-tics: The Strategic Issues. London, UK 1982, S. 63ff

15 Polhua, R.G.: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain - Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien. 2. überarbeitete Auflage, Band 50, Köln 2006, S.29f

16 Polhua, R.G.: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain - Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien. 2. überarbeitete Auflage, Band 50, Köln 2006, S.30f

17 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung - Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S. 9f

18 Stachowiak, H.: Allgemeine Modelltheorie. Wien, New York, Springer 1973, S. 131 ff.

19 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung - Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S. 24f

20 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung - Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S. 38

21 Dous, M.: Kundenbeziehungsmanagement für interne IT-dienstleister: Strategischer Rahmen, Prozessgestaltung und Optionen für die Systemunterstützung , DUV 2007, S.15

22 Grochla, E.: Integrierte Gesamtmodelle der Datenverarbeitung: Entwicklung und Anwendung des Kölner Integrationsmodells (KIM). München, 1974

23 Fettke P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 331

24 Grochla, E. et al.: Grundmodell zur Gestaltung eines integrierten Datenverarbeitungs- systems: Kölner Integrationsmodell (KIM), 1971, S. VII

25 Grochla, E. et al.: Grundmodell zur Gestaltung eines integrierten Datenverarbeitungs- systems: Kölner Integrationsmodell (KIM), 1971, S. X

26 Grochla, E.: Integrierte Gesamtmodelle der Datenverarbeitung: Entwicklung und Anwendung des Kölner Integrationsmodells (KIM). Wien, 1974, S. 44

27 Fettke, P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 331

28 GI-Proceedings, Referenzmodellierung 2003, Münster und Frankfurt am Main

29 Becker, J.: Referenzmodellierung - Aktuelle Methoden und Modelle, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 325

30 FHS St Gallen, Referenzmodellierung, http://www.ipmsg.ch/~ipm/index.php?option=com_content&task=view&id=67&Itemid=96, 2009, Zugriff am 28.05.2009

31 Cooper, H.M.: Synthesizing Research - A Guide for Literature Reviews. 3.Aufl., Thousand Oaks et al. 1998.

32 Fettke, P.:State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 4, S.258

33 Cooper, H.M., Hedges L.V.: The Handbook of Research Synthesis, Russell Sage Foundation, 1994, S.4

34 Fettke, P.: State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 4, S.260

35 Hugos, M. H.: Essentials of Supply Chain Management, John Wiley and Sons 2006, Edition 2

36 Towill, D.R: Time compression and supply chain management - a guided tour, 1996

37 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung - Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003

38 Fettke, P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung - Langfassung eines Aufsatzes, Paper 16, Mainz 2004

39 Fettke, P.: State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik

48 (2006) 4, S.258

40 Beckmann, H.: Supply Chain Management, Springer 2003

41 Nikodemus, P.: Wissensmanagement und Innovation - Referenzmodellierung zur Prozessoptimierung, Cuvillier Verlag 2005

42 Patig, S.: Die Evolution von Modellierungssprachen, Frank & Timme GmbH, 2006

43 Fettke, P.:State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik

48 (2006) 4, S.258

44 Fettke, P.:State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik

48 (2006) 4, S.258

45 Richter-von Hagen, C., Stucky, W.: Business-process- und Workflow-management - Verbesserungen durch Prozessmanagement, Vieweg+Teubner Verlag 2004, S.63

46 Grochla, E.: Integrierte Gesamtmodelle der Datenverarbeitung - Entwicklung und Anwendung des Kölner Integrationsmodells (KIM),Wien 1974

47 Hars, A.: Referenzdatenmodelle Grundlagen effizienter Datenmodellierung. Wiesbaden 1994

48 Schütte, R.: Grundsätze ordnungsmäßiger Referenzmodellierung - Konstruktion konfigurations- und anpassungsorientierter Modelle. Wiesbaden 1998.

49 Schwegmann, A.: Objektorientierte Referenzmodellierung - Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung. Wiesbaden 1999

50 Fettke, P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 333

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Nutzenpotentiale der Referenzmodellierung im Supply Chain Management
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
73
Katalognummer
V168205
ISBN (eBook)
9783640852383
ISBN (Buch)
9783640852802
Dateigröße
1324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Referenzmodellierung, Supply Chain Management, Nutzenpotentiale, SCOR, Modellierungssprachen, Modellierungsmethoden, Modellierungswerkzeuge, Referenzmodell, Review, SCM, Sabrina Brück, Brück
Arbeit zitieren
Sabrina Brück (Autor), 2009, Nutzenpotentiale der Referenzmodellierung im Supply Chain Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168205

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