Der Institution Schule kommt in der heutigen Zeit immer mehr die Aufgabe zu, Schüler auf das nachschulische (Berufs-) Leben vorzubereiten. Dies gilt im gleichen Maße für Sonder- als auch für allgemein bildende Schulen. Die Verknüpfung von Schule, Wirtschaft und Arbeitsleben stellt daher eine wichtige Aufgabe der schulischen Arbeit dar, denn Grundkenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge und Abläufe im Berufsleben sind in jeder Hinsicht für die Lernenden von großer Bedeutsamkeit. Dennoch wird in der Praxis deutlich, dass die Inhalte, die in der Schule gelehrt werden, oft wenig Lebensbezug haben und sich [...] die allmähliche Hinführung an die Ausbildungs- und Berufswelt als Illusion erweist, weil sie zu abstrakt und zu wenig handlungsbezogen ist (MÖHRLEIN 2002, 2).
Um dem entgegen zu wirken, habe ich in der vorliegenden Arbeit die Projektidee der Schülerfirma aufgegriffen, denn auch im Entwurf „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ aus dem Jahre 2002 werden offene, handlungsbezogene Unterrichtsformen für die Schule für Körperbehinderte (SfKb) gefordert (KMK 2002, 8). Dieser Forderung kommt die Schülerfirma nach. Sie hat zum Ziel, Schülern in einem handlungsorientierten Unterrichtsprojekt Einblicke in die Berufswelt zu ermöglichen und sie allmählich an die Ausbildungs- und Berufswelt heranzuführen. Diese Aspekte erachte ich für die Schüler einer Oberstufe der SfKb als besonders wertvoll, denn ein wichtiges Ziel der Arbeit in einer Oberstufe der SfKb ist es, ihre Schüler auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten.
Auch das Schulprogramm der Christy-Brown-Schule, an welcher ich meinen Vorbereitungsdienst absolviere, sieht als generelle Zielsetzung für die Arbeit in der Oberstufe vor, die Schüler auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten. Daher zählen zu den wesentlichen Aufgaben der Unterrichtsarbeit u. a. die zukünftigen Lebensbereiche „Arbeiten“ und „Berufstätigkeit“. Neben dem vierwöchigen Betriebspraktikum werden den Schülern sowohl Betriebserkundungen als auch individuelle Beratungen in Zusammenarbeit mit Lehrern, Eltern, dem Arbeitsamt, Arbeitgebern sowie Betrieben ermöglicht. Kernpunkt der Unterrichtsarbeit in der Oberstufe der Christy-Brown-Schule ist jedoch der Praxistag, welcher einmal wöchentlich in klassenübergreifenden Arbeitsgruppen stattfindet (www.lwl.org/christy-brown-schule/verwaltung/v1.htm).
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begriffsbestimmungen
1.1 Schule für Körperbehinderte
1.2 Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
1.3 Praxistag
1.4 Schülerfirma
2 Grundlegende Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
2.1 Begründung der Projektidee Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
2.2 Zielgruppe der Schülerfirma
2.3 Ziele der Schülerfirma
2.3.1 Öffnung der Schule
2.3.2 Motivation statt Schulmüdigkeit und Schulunlust
2.3.3 Vermittlung praktischer Erfahrungen mit Arbeitsprozessen, Betriebsabläufen und Betriebsstrukturen
2.3.4 Vermittlung von Erfahrungen mit den Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt
2.3.5 Bereitstellung von Berufswahlkriterien auf der Basis eigener Erfahrungen
2.3.6 Erwerb von Schlüsselqualifikationen
2.4 Einbettung der Schülerfirma in Lehrpläne und Unterricht
2.5 Beurteilungskriterien zur Mitarbeit in der Schülerfirma
3 Schulorganisatorische Rahmenbedingungen zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
3.1 Einholung des Einverständnisses des Schulleiters
3.2 Zeitlicher Rahmen
3.3 Räumliche, sächliche und personelle Organisation.
3.3.1 Räumliche Organisation
3.3.2 Sächliche Organisation
3.3.3 Personelle Organisation
4 Abteilungen der Schülerfirma
4.1 Allgemeine Darstellung der Abteilungen
4.2 Büroabteilung
4.3 Abteilung Werken/Gestaltung
4.4 Abteilung Kantine
5 Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
5.1 Wahl der Rechtsform
5.1.1 Schülerfirmen als Schulprojekte ohne eigenen Rechtsstatus
5.1.2 Schülerfirmen unter dem Dach des Fördervereins
5.1.3 Schülerfirmen in Partnerschaft mit einer Institution oder Firma
5.1.4 Schülerfirmen als Wirtschaftsunternehmen
5.2 Auswahl eines Firmennamens und -Logos für die Schülerfirma
5.3 Gründungsvertrag der Schülerfirma
5.4 Startkapital
5.4.1 Fremdfinanzierung
5.4.1.1 Aufnahme eines Kredits
5.4.1.2 Darlehen vom schulischen Förderverein
5.4.1.3 Sponsoring
5.4.2 Eigenfinanzierung
5.4.2.1 Gründung einer Genossenschaft
5.4.2.2 Gründung einer Aktiengesellschaft
5.5 Klärung der Zuständigkeitsbereiche
5.6 Bewerbungsverfahren
5.7 Rotationsprinzip
5.8 Mitgliederversammlungen
5.8.1 Versammlung der Abteilungen
5.8.2 Hauptversammlung
5.9 Ablauf des Firmenalltags
5.10 Kundenkreis
5.11 Gewinn
6 Ausblick und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens zur Gründung einer Schülerfirma in der Oberstufe einer Schule für Körperbehinderte, um Schüler handlungsorientiert auf ihre nachschulische Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten.
- Berufliche Orientierung und Vorbereitung auf das Leben nach der Schule
- Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und Arbeitstugenden
- Organisation und Strukturierung von schulinternen Abteilungen
- Einbindung der Schülerfirma in den schulischen Rahmen und Lehrpläne
- Praxisnahe Erprobung von Arbeitsabläufen und wirtschaftlichem Denken
Auszug aus dem Buch
1.4 Schülerfirma
In der spärlich vorhandenen Literatur kursieren neben dem Begriff Schülerfirma auch die Synonyme Schulunternehmen, Schülerunternehmen, Schulfirma, Mini-Unternehmen und Junior-Unternehmen. Allen Bezeichnungen ist gemein, dass es sich um ein Unternehmen mit Projektcharakter handelt, in dem die Schüler als Mitarbeiter, in einigen Schulen sogar als Geschäftsleiter oder Firmeneigentümer fungieren. Sie führen kaufmännische Tätigkeiten aus, bieten Dienstleistungen an, treffen unternehmerische Entscheidungen, stellen Produkte her und vermarkten diese. Dies geschieht, je nach Schulform, unter unterschiedlichen Bedingungen, in verschiedenem Ausmaß und mit unterschiedlichen Zielvorstellungen. Die Arbeit als auch der Umfang einer Schülerfirma liegen im Ermessen der Gründer und reichen vom Pausenkiosk über eine Schulcafeteria bis hin zu Unternehmen, die im außerschulischen Bereich Dienstleistungen anbieten, so z.B. einen Partyservice oder Computerdienstleistungen.
Die Schülerfirma versucht durch reale Arbeitssituationen einen Echtheitsbezug zu schaffen, um die Schüler mit Strukturen der Berufs- und Arbeitswelt vertraut zu machen. Darüber hinaus werden Schlüsselqualifikationen in verschiedenen Bereichen erworben bzw. angebahnt (vgl. Punkt 2.3). Es bleibt jedoch zu erwähnen, dass Schülerfirmen keine Unternehmen sind, die in Konkurrenz zur Realwirtschaft stehen. Laut GEYER sind Schülerfirmen eine spezielle, fächerübergreifende Form der Unterrichtsgestaltung und zählen zu schulischen Veranstaltungen (GEYER 2001, 9).
Die Arbeit in einer Schülerfirma kommt den Forderungen des Entwurfs „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ nach, welcher offene Unterrichtsformen verlangt, um dem individuellen Lerntempo, Lernvermögen und der Leistungsfähigkeit der Schüler gerecht zu werden (KMK 2002, 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsbestimmungen: Klärung der zentralen Termini Schule für Körperbehinderte, Oberstufe, Praxistag und Schülerfirma.
2 Grundlegende Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte: Theoretische Begründung der Schülerfirma als handlungsorientiertes Unterrichtsprojekt inklusive Zielsetzungen.
3 Schulorganisatorische Rahmenbedingungen zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte: Darstellung der notwendigen organisatorischen Schritte wie Schulleiter-Einverständnis und räumliche Ausstattung.
4 Abteilungen der Schülerfirma: Beschreibung der drei geplanten Abteilungen Büro, Werken/Gestaltung und Kantine sowie deren Aufgabenbereiche.
5 Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte: Detaillierte Anleitung zur rechtlichen und wirtschaftlichen Gründung, inklusive Startkapital, Bewerbungsverfahren und Abläufen.
6 Ausblick und Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Chancen und pädagogischen Mehrwerte einer Schülerfirma für die Zielgruppe.
Schlüsselwörter
Schülerfirma, Körperbehinderte, Oberstufe, Berufsvorbereitung, Handlungsorientierung, Schlüsselqualifikationen, Praxis, Schule, Arbeitsprozesse, Projektunterricht, Inklusion, Selbstständigkeit, Förderplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der konzeptionellen Planung und Gründung einer Schülerfirma innerhalb der Oberstufe einer Schule für Körperbehinderte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Berufsvorbereitung, der Förderung von Handlungskompetenz sowie der praktischen Organisation von Schulunternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Schülern mit körperlichen Beeinträchtigungen praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen und sie auf ihre Zeit nach der Schule vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine konzeptionelle Ausarbeitung, die sich auf fachdidaktische Literatur und Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung, organisatorische Rahmenbedingungen, die Strukturierung von Abteilungen sowie die praktische Gründungsphase (Rechtsform, Finanzen, Abläufe).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Schülerfirma, Berufsvorbereitung, Handlungsorientierung, Schlüsselqualifikationen und die spezifische Förderung an einer Schule für Körperbehinderte.
Warum ist die Schülerfirma an der Christy-Brown-Schule besonders wertvoll?
Sie baut auf den bereits etablierten Praxistagen auf und optimiert diese durch eine strukturierte Unternehmensform, die gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingeht.
Wie wird mit dem Gewinn der Schülerfirma verfahren?
Gewinne dienen primär der Reinvestition, der Finanzierung von Prämien oder gemeinsamer Unternehmungen, wobei die steuerlichen Geringfügigkeitsgrenzen beachtet werden müssen.
- Citation du texte
- Kathrin Ziesemann (Auteur), 2003, Vom Praxistag zur Schülerfirma. Konzeptionelle Überlegungen zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16821