Referenzmodellierung und Business Process Management

Business Engineering Labor


Forschungsarbeit, 2010
31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung

3. Grundkonzepte
3.1 Wiederverwendbarkeit
3.2 Referenzmodelle
3.3 Referenzmodellierung

4. Untersuchungsansatz
4.1 Review
4.2 Vorgehensweise

5. Erweiterte Konzepte
5.1 Überblick
5.2 Modellierungssprachen
5.3 Modellierungswerkzeuge
5.4 Modellierungsmethoden

6. Aktuelle Entwicklungen und offene Probleme
6.1 Entwicklungen
6.2 Offene Probleme

7. Aktuelle Software
7.1 Überblick
7.2 SAP R/3 Referenzmodell
7.3 ARIS Value Engineering (AVE)
7.4 PROMATIS BPM Appliance

8. Erweiterung des Bezugsrahmens
8.1 Überblick
8.2 Referenzmodelle und BPM
8.3 Umsetzung von Referenzmodellen in BPM-Software

9. Resümee

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Bedeutung der Referenzmodellierung in Unternehmen hat seit Beginn der 1990er Jahre stark zugenommen.1 Vor allem der Wunsch einer angemessenen Informationsversorgung, um das Unternehmen auch zukünftig erfolgreich zu führen, ist in den Vordergrund gerückt. Moderne Informationssysteme, die auf das Konzept der Referenzmodellierung zurückgreifen, bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich flexibel an wechselnde Umfeldbedingungen anzupassen und Problemsituationen eventuell sogar vorauszusehen.

Aufgrund des hohen Innovationsbedarfs richtet sich das Hauptinteresse der Forschung immer mehr auf die Bereitstellung von verschiedenen Konzepten, die Konstruktionsprozesse unterstützen können. Einen viel versprechenden Ansatz zur Unterstützung dieser Konstruktionsprozesse stellt die Entwicklung von Referenzmodellen dar. Durch die Möglichkeit, ganze Modelle beliebig oft zu verwenden ohne sie stark zu verändern oder gar neu zu erschaffen, haben sich völlig neue Erkenntnisse entwickelt. In der Theorie sollten Referenzmo¬delle somit so konstruiert werden, dass sie wiederverwendbar und zugleich einfach modifizierbar sind. Allerdings ist die Umsetzung in der Praxis nicht immer ohne Probleme zu bewältigen. Für ein Unternehmen ist es meist nicht möglich, direkt ein „passendes“ Referenzmodell zu finden, dass auf ihre Situa¬tion zutrifft. 2

Durch diese Problematik entstand das Arbeitsgebiet der Referenzmodellierung, die sich zum einen mit der Realisation, Anpassung und Optimierung dieser Referenzmodelle, den damit entstehenden Problemen und deren Lösung und zum anderen auch mit Modellierungssprachen, Modellierungswerkzeugen und Modellierungsmethoden beschäftigt. Durch diese Abgrenzung des Gebietes der Referenzmodellierung wird klar, dass es sich hierbei um ein umfangreiches Konzept handelt, das viele Potentiale aufweist.

Diese Arbeit wird nun näher auf die Thematik der Referenzmodellierung ein- gehen, aktuelle Software und Prototypen betrachten und auch Beziehungen zu anderen Gebieten, wie beispielsweise die Geschäftsprozessmodellierung, her- stellen. Die Einordnung dieser Arbeit in den Rahmen des Forschungsprojektes, welches sich mit Business Process Management (BPM) und dessen Tools be- schäftigt, geschieht insofern, dass die Hauptaufgabe der Arbeit in der Definiti- on von Anforderungen besteht, die ein BPM-Tool erfüllen muss, damit es die Referenzmodellierung unterstützen kann.

2. Historische Entwicklung

Bereits zu Beginn der 70er Jahre verfolgte das am BIOFA (Betriebs- wirtschaftliches Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln) entwickelte Kölner Integrationsmodell (KIM)3 die Leitidee der Referenzmodellierung. Diese Leitidee früher wie auch heute besteht darin, dass allgemeine Unternehmensmodelle zur Unterstützung der Gestaltung verschiedenster Unternehmen in verschiedenen Bereichen entwickelt werden.4

Von einem Referenzmodell wurde allerdings zur damaligen Zeit noch nicht gesprochen, stattdessen ist von der Entwicklung eines „allgemeingültigen Modells für ein integriertes Datenverarbeitungssystem5 einem „Grund- modeli“6 oder einer „Modellvorlage“7 die Rede.

Die Erwartungen an das Kölner Integrationsmodell waren sehr hoch, allerdings konnte KIM die Hoffnungen auf einen innovativen Impuls nicht erfüllen. Somit kam es in der Forschung zunächst zu einem Stillstand. Erst seit dem Aufkommen der unternehmensweiten Datenmodellierung in den 80ger Jahren begannen sich erste wichtige und zentrale Aspekte der heutigen Referenz- modellierungsforschung herauszubilden.8 Die Anzahl vorgeschlagener Modelle für verschiedene Domänen nahm immer weiter zu. Dies führte zu einer stärkeren Reflektion von Methoden zur Konstruktion und Nutzung von Referenzmodellen und somit etwa im Jahr 1990 zur Etablierung des Forschungsgebiets der Referenzmodellierung.

Seit 1997 findet jährlich die Tagung „Referenzmodellierung“ statt, woran zu erkennen ist, dass das Interesse zunehmend wächst. Die Tagung gilt in der Referenzmodellierungs-Gemeinschaft mittlerweile als echte Institution, in deren Rahmen neueste Erkenntnisse aus Forschung und Praxis diskutiert werden und die auch immer wieder Keimzelle für neue Forschungsideen ist.9

3. Grundkonzepte

3.1 Wiederverwendbarkeit

Wiederverwendbarkeit ist ein in Unternehmen häufig gebrauchter und wichti¬ger Begriff. Sie stellt ein Qualitätsmerkmal von Softwarebausteinen dar. Jeder Baustein, auf den das Attribut „wiederverwendbar“ zutrifft, kann nicht nur im Rahmen des jeweiligen Projektes, für das er geschaffen wurde, eingesetzt, son-dern auch in anderen Projekten eingebaut werden. Diese Projekte müssen nicht zwingend in direktem Zusammenhang mit dem ursprünglichen Projekt stehen (beispielsweise eine Weiterentwicklung), sondern können auch ganz unabhän¬gig davon sein Allerdings müssen die jeweiligen Problemstellungen hinrei¬chend ähnlich oder sogar gleich sein, damit der Baustein mehrfach verwendet werden kann.

Das Einsatzgebiet eines solchen Bausteines hängt von seiner Beschaffenheit ab. Je allgemeiner er programmiert wurde, desto häufiger kann er wiederverwendet werden, je spezifischer und komplexer der Baustein geschaffen wurde, desto unwahrscheinlicher wird es, dass der Begriff der Wiederverwendbarkeit auf diesen Baustein zutrifft.

Die Möglichkeit der Wiederverwendung kam erst mit der modularen und objektorientierten Programmierung. Diese enthalten Techniken, mit denen es möglich wurde, Generizität, d.h. Anwendung des gleichen Codes auf verschiedene Problemstellungen, zu erreichen. Moderne objektorientierte Programmiersprachen haben zur Unterstützung dieses Ziels eingebaute Sprachkonstrukte, so genannte Generics (Java) bzw. Templates (C++).

Mithilfe der Wiederverwendung können Codewiederholungen vermieden werden. Dadurch beginnt der Entwicklungsprozess nicht immer wieder von vorne sondern man kann direkt am eigentlichen Projekt einsteigen. Dies führt zu weniger Aufwand bei der Entwicklung und im Ergebnis bessere, also qualitativ hochwertigere und zuverlässigere, Produkte.10

Ein Paradebeispiel für die Anwendung der Wiederverwendbarkeit sind Refe- renzmodelle. Diese werden im Folgenden genauer betrachtet, erläutert und analysiert.

3.2 Referenzmodelle

Referenz-Informationsmodelle (kurz: Referenzmodelle), die teilweise auch als Referenzsysteme bezeichnet werden, sind übergeordnete Modelle, die den Ausgangspunkt für spezifische Modelle bilden. Sie werden somit mit der Intention geschaffen, bei der Konstruktion weiterer Modelle wiederverwendet zu werden.

Wie der Name schon andeutet, enthalten diese Modelle eine Referenz, also einen Verweis oder Bezug auf andere Modelle und dienen dazu, allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen.

Jan vom Brocke hat zwei spezielle Merkmale von Referenzmodellen herausgearbeitet11:

- Allgemeingültigkeit: Von einem Referenzmodell wird verlangt, dass es für verschiedene spezifische Unternehmensmodelle anwendbar ist und auch bleibt. Es sollte für unterschiedliche Bereiche gleichermaßen einsetzbar sein und nur durch zusätzliche Fähigkeiten ergänzt werden müssen.
- Empfehlungscharakter: Hiermit ist gemeint, dass Referenzmodelle gegenüber unternehmensspezifischen Modellen eine Vorbildfunktion einnehmen und somit als „Sollmodelle“ dienen sollten.

Grundsätzlich werden zwei verschiedene Arten von Referenzmodellen unterschieden12:

- Vorgehens-Referenzmodelle (kurz Vorgehensmodelle): Modelle, die nur für eine kurze Zeit Verwendung im Unternehmen haben, wie beispielsweise die einmalige Optimierung eines bestimmten Geschäfts- prozesses.
- Unternehmens-Referenzmodelle: Diese Modelle bilden regelmäßig wiederkehrende Situationen ab, die immer wieder erneut aufgegriffen werden und zur Lösung verschiedenster Problemstellungen herangezogen werden können. Diese Art von Referenzmodellen kann wiederum in zwei Gruppen unterteilt werden:

a) Software-Referenzmodelle: Software-Referenzmodelle sind meist an eine (Standard-) Software gebunden und erlauben dem
Anwender oberflächliche Änderungen vorzunehmen. Allerdings kann eine spezifische Anpassung an jeweilige Situationen nicht erfolgen.
b) Branchen-Referenzmodelle: Sie sind nicht an eine spezifische Software gebunden, sondern gelten eher als allgemeine Unternehmensmodelle, die dann auch als Ausgangspunkt für speziellere Modelle dienen können.

[...]


1 Groß, A.: Referenzmodellierung: Klassifikationen und Beziehungen zu anderen Modellkonstruktionsansätzen, GRIN Verlag, 2009, S.1

2 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung ± Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S. 2f

3 Grochla, E.: Integrierte Gesamtmodelle der Datenverarbeitung: Entwicklung und Anwendung des Kölner Integrationsmodells (KIM). München, 1974

4 Fettke P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 331

5 Grochla, E. et al.: Grundmodell zur Gestaltung eines integrierten Datenverarbeitungs- systems: Kölner Integrationsmodell (KIM), 1971, S. VII

6 Grochla, E. et al.: Grundmodell zur Gestaltung eines integrierten Datenverarbeitungs- systems: Kölner Integrationsmodell (KIM), 1971, S. X

7 Grochla, E.: Integrierte Gesamtmodelle der Datenverarbeitung: Entwicklung und Anwendung des Kölner Integrationsmodells (KIM). Wien, 1974, S. 44

8 Fettke, P., Loos, P.: Referenzmodellierungsforschung, Wirtschaftsinformatik 46 (2004) 5, S. 331

9 GI-Proceedings, Referenzmodellierung 2003, Münster und Frankfurt am Main

10 Guretzky, B. von: Wissensmanagement und Software Engineering ± Wiederverwendbarkeit, Paper, September 2001

11 Brocke vom, J.: Referenzmodellierung ± Gestaltung und Verteilung von Konstruktionsprozessen, Band 4, Logos Verlag Berlin 2003, S.31

12 Becker, J., Rosemann, M.: Referenzmodellierung: State-of-the-art und Entwicklungsperspektiven, Birkhäuser, 1998, S.46

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Referenzmodellierung und Business Process Management
Untertitel
Business Engineering Labor
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Veranstaltung
Forschungsprojekt
Autor
Jahr
2010
Seiten
31
Katalognummer
V168241
ISBN (eBook)
9783640852130
ISBN (Buch)
9783640851867
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Referenzmodell, Referenzmodellierung, BPM, Business Process Management, Geschäftsprozessmanagement, Geschäftsprozess, Review, Modellierungssprachen, Modellierungswerkzeuge, Modellierungsmethoden, Referenzmodell Software, ARIS, SAP/R3, Promatis, Sabrina Brück, Brück
Arbeit zitieren
B.Sc. Sabrina Brück (Autor), 2010, Referenzmodellierung und Business Process Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168241

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