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Martin Walser "Ein fliehendes Pferd" (1977) Das Leitmotiv des Pferdes und seine Textbezüge zur Flucht

Title: Martin Walser "Ein fliehendes Pferd" (1977) Das Leitmotiv des Pferdes und seine Textbezüge zur Flucht

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: M.A. Saskia Dams (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Novelle erregte bei ihrem Erscheinen großes Erstaunen. Es war wohl für unmöglich gehalten worden, eine als überkommen angesehene Form für die Darstellung eines modernen Konflikts zu verwenden. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, wenn man die Problemkreise Identitätssuche, Selbstentfremdung, Kommunikationslosigkeit, Altern, Sexualität und Ehe schlicht auf den Nenner „Krise der Lebensmitte“ oder „Midlife-Crisis“ zusammenfasste. Die Novelle kann vielmehr auch als Spiegelbild der bundesdeutschen Verhältnisse der siebziger Jahre gelten.
Die Verwendung des Bildes vom fliehenden Pferd schien nicht allen Kritikern zweifellos überzeugend. Die Frage nach seiner Bedeutung ist also angebracht und soll für die beiden Hauptprotagonisten getrennt voneinander betrachtet werden. Die Analyse soll auf den Bereich der Motivik klar begrenzt bleiben, wodurch Fragestellungen nach der Rezeption von Kierkegaard und Nietzsche nur am Rande oder gar nicht behandelt werden können. Auch auf die Entstehung der Novelle sowie auf formale, erzählerische oder sprachliche Merkmale sollen im folgenden nicht eingegangen werden.
Anhand der allgemeinen Deutungsmöglichkeiten des Pferdes soll eine Motivkette rekonstruiert werden, welche entsprechende Äußerungen der Protagonisten miteinander verknüpft. Es wird die Frage zu stellen sein, wer warum wohin flieht, und ob sich nicht vielleicht mehrere Personen auf der Flucht befinden. Aus den Analysen des Fluchtmotivs wird dann zu zeigen sein, ob und inwiefern auch die Protagonisten das Leitmotiv verkörpern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Novellentitel und seine Implikationen

3. Abgrenzung von Leitmotiv und Dingsymbol mit Novellencharakter

4. Das Pferd und seine verschiedenen Symbolcharaktere

5. Die Motivkette

6. Die Flucht des Helmut Halm

7. Die Flucht des Klaus Buch

8. Helmut Halm, Klaus Buch und ihr Bezug zur Gesellschaft

9. Klaus Buchs als fliehender Reiter und das Rodeo auf See

10. Halms neue Lebenseinstellung und Buchs ´Demaskierung`

11. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung des Leitmotivs „fliehendes Pferd“ in Martin Walsers Novelle. Dabei wird untersucht, wie das Motiv die Identitätssuche und Fluchtmechanismen der beiden Protagonisten Helmut Halm und Klaus Buch als Ausdruck gesellschaftlicher Krisen der siebziger Jahre spiegelt.

  • Symbolik und Deutungsmöglichkeiten des Pferdes
  • Leitmotivische Vernetzung im Novellenverlauf
  • Gegenüberstellung der Fluchttendenzen von Halm und Buch
  • Soziologische Einordnung der Protagonisten als Eskapisten
  • Die Rolle der Natur als Spiegel menschlicher Instinkte

Auszug aus dem Buch

2. Der Novellentitel und seine Implikationen

Der Titel „Ein fliehendes Pferd“ verleitet zunächst dazu die zentrale Episode mit dem entlaufenen Pferd als die ausschlaggebende anzunehmen. Die Szene in welcher Klaus Buch das scheuende Pferd bändigt (88-91), dominiert aber tatsächlich die Auslegung. „Also, wenn ich mich in etwas hineindenken kann, dann ist es ein fliehendes Pferd. Der Bauer hier hat den Fehler gemacht, von vorne auf das Pferd zuzugehen und auf es einzureden. Einem fliehenden Pferd kannst du dich nicht in den Weg stellen. Es muß das Gefühl haben, sein Weg bleibt frei. Und: ein fliehendes Pferd läßt nicht mit sich reden.“ (90)

Klaus beweist sich hier als der Männliche und Naturverbundene, Helmut hingegen erfährt seine Unterlegenheit. Allerdings identifiziert sich Klaus mit einem fliehenden Pferd und lässt so seinerseits eine gewisse Fluchttendenz erkennen. Das vor Menschen scheuende und dennoch zu ihnen zurückgeführte Tier kann auf einen vergeblichen Ausbruch aus der Gesellschaft übertragen werden. In dieser Szene findet sich bereits ein Vorverweis zum achten Kapitel, in dem Klaus und Helmut trotz eines Sturms auf dem Bodensee segeln. Die Implikation des Titels, dass es sich um nur ein fliehendes Pferd handelt, regt zur weiteren Deutung an. Es scheint hier vielmehr um zwei verschiedene Verhaltensmöglichkeiten in der Gegenwart des Erzählers zu gehen, um ein Duell zwischen den Repräsentanten zweier gegensätzlicher Fluchtmöglichkeiten in eine scheinhafte Lebensform, zwei Formen eskapistischer Lebensbewältigung. Halm flieht in die Innerlichkeit einer Incognitorolle, Buch, seine Probleme überspielend, in unreflektierte Aktivitäten. Der eine zieht sich aus der Gesellschaft zurück, der andere glaubt, mit ihr ins Reine zu kommen, wenn er ihre Strukturen erfüllt und öffentlich überbietet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Analysebereich auf die Motivik des fliehenden Pferdes ab und grenzt die Untersuchung von anderen literaturwissenschaftlichen Fragestellungen ab.

2. Der Novellentitel und seine Implikationen: Dieses Kapitel zeigt, dass der Titel nicht nur eine Einzelszene beschreibt, sondern als Spiegel für die gegensätzlichen Fluchtstrategien der beiden Hauptfiguren dient.

3. Abgrenzung von Leitmotiv und Dingsymbol mit Novellencharakter: Hier werden theoretische Begriffe wie „Leitmotiv“ und „Dingsymbol“ definiert, um sie für die Analyse der Novelle methodisch nutzbar zu machen.

4. Das Pferd und seine verschiedenen Symbolcharaktere: Das Kapitel beleuchtet die vielschichtige mythologische und psychologische Symbolik des Pferdes als Ausdruck von Naturverbundenheit, Instinkt und Freiheit.

5. Die Motivkette: Es wird untersucht, wie Walser das Motiv des Pferdes durch sprachliche Bezüge und Zitate im gesamten Text verwebt, um die Struktur der Flucht zu festigen.

6. Die Flucht des Helmut Halm: Hier wird Halms Rückzug in die Innerlichkeit und seine Identifikation mit der Rolle des Beobachters bzw. „Flüchtenden“ analysiert.

7. Die Flucht des Klaus Buch: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie Buch versucht, seine Unsicherheit durch Aktionismus und die projektive Identifikation mit dem „fliehenden Pferd“ zu kompensieren.

8. Helmut Halm, Klaus Buch und ihr Bezug zur Gesellschaft: Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Reaktionen der Protagonisten auf gesellschaftliche Erwartungen und Leistungsdruck.

9. Klaus Buchs als fliehender Reiter und das Rodeo auf See: Das Kapitel deutet das dramatische Ereignis auf dem Bodensee als Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern.

10. Halms neue Lebenseinstellung und Buchs ´Demaskierung`: Der Schluss beleuchtet den vermeintlichen Rollentausch am Ende und die Chance auf einen ehrlichen Neubeginn für Halm.

11. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass beide Figuren verschiedene Aspekte der Flucht vor der Wirklichkeit in einer leistungsorientierten Gesellschaft verkörpern.

Schlüsselwörter

Martin Walser, Ein fliehendes Pferd, Leitmotiv, Symbolik, Fluchtmotiv, Helmut Halm, Klaus Buch, Midlife-Crisis, Identitätssuche, Gesellschaftskritik, Eskapismus, Dingsymbol, Novelle, Rollentheorie, Psychogramm.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die Funktion des Leitmotivs „fliehendes Pferd“ als zentrales Bedeutungselement in Martin Walsers Novelle, um die Fluchtmechanismen der Protagonisten zu deuten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen Identitätssuche, gesellschaftliche Rollenmuster, der Eskapismus der siebziger Jahre sowie die psychologische Symbolik der Figur des Pferdes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Helmut Halm und Klaus Buch das Leitmotiv des fliehenden Pferdes unterschiedlich verkörpern und warum dies als Reflex auf gesellschaftliche Zwänge verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es wird eine motivgeschichtliche und literaturanalytische Herangehensweise gewählt, die Textstellen miteinander verknüpft, um eine „Motivkette“ innerhalb der Novelle zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der beiden Hauptcharaktere, ihre jeweilige Fluchtstrategie, die theoretische Abgrenzung der Symbole und den Höhepunkt der Konflikte auf dem Bodensee.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Leitmotiv, Identitätskrise, Eskapismus, symbolische Projektion und die soziologische Rollentheorie.

Inwiefern unterscheidet sich die Flucht von Halm von der Flucht von Buch?

Halm flieht eher nach innen (Introversion) in ein bewusstes Incognito, während Buch seine Probleme durch äußeren Aktionismus (Extroversion) und die Inszenierung als „Rodeoreiter“ zu überdecken versucht.

Welche besondere Bedeutung hat das Gewitter auf dem Bodensee für den Verlauf?

Die Naturgewalt dient als erzählerischer Kunstgriff, der den Entscheidungsprozess erzwingt und Halm kurzzeitig aus seiner passiven Rolle in ein aktives, existentielles Handeln drängt.

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Details

Title
Martin Walser "Ein fliehendes Pferd" (1977) Das Leitmotiv des Pferdes und seine Textbezüge zur Flucht
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
HS Novellen des 20. Jahrhunderts II
Grade
2,0
Author
M.A. Saskia Dams (Author)
Publication Year
2003
Pages
22
Catalog Number
V16824
ISBN (eBook)
9783638215541
ISBN (Book)
9783638956345
Language
German
Tags
Martin Walser Pferd Leitmotiv Pferdes Textbezüge Flucht Novellen Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Saskia Dams (Author), 2003, Martin Walser "Ein fliehendes Pferd" (1977) Das Leitmotiv des Pferdes und seine Textbezüge zur Flucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16824
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