Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Art - Sculpture / Plastics

Objektbiografie. Die Schlafende Priesterin aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen

Title: Objektbiografie. Die Schlafende Priesterin aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen

Term Paper , 2024 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

Art - Sculpture / Plastics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei der schlafenden Priesterin bzw. der Fruchtbarkeitsgöttin im Forum Wissen handelt sich um eine Nachbildung einer Skulptur aus Gips. Das Original aus Terrakotta wurde im Hypogäum von Ħal Saflieni in Malta gefunden und ist als die sogenannte „Schlummernde“ bekannt. Die Figur wurde im Totenbereich der unterirdischen Grabräume gefunden. Die Datierung des Originals wird auf circa 3000 vor Christus geschätzt, dem Zeitalter des Neolithikum, der Jungsteinzeit. Aufgrund ihres Fundortes können Rückschlüsse zu ihrer Funktion gezogen werden, die in einem eigenen Kapitel erläutert werden.
Die Nachbildung hat ein Gewicht von 215 Gramm, eine Höhe von 7,2 cm, eine Tiefe von 7,3 cm und misst an der breitesten Stelle 11,95 cm. Die Figur ruht, nur mit einem Fransenrock bekleidet, seitlich auf einer Liege. Der zierliche Kopf ist auf ein kleines Kissen gelagert. Ihre mächtig breite Hüfte ist dem Betrachter zugedreht. Ein Arm ist unter dem Kissen vergraben und der andere vor die prallen Brüste gelegt. Ihre Arme laufen in zierliche Hände aus. Das Entstehungsdatum der Nachbildung ist leider unbekannt. Die Göttinger Reproduktion der Schlummernden wird im Sammlungsschaufenster des Forum Wissens ausgestellt.
Die Gips-Figur gehörte ursprünglich zu der Privatsammlung des Göttinger Ordinarius für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Prof. Dr. Heinz Kirchhoff (1905-1997), der die Universitäts-Frauenklinik in Göttingen von 1954-1973 leitete und neben seiner engagierten frauenärztlichen Tätigkeit ein leidenschaftlicher Kunstsammler und Globetrotter war. Die Sammlung umfasste ca. 650 Frauenstatuetten und -skulpturen von der Altsteinzeit bis zur Moderne, teils erworben, teils aus Schenkungen und etwa zur Hälfte Originale und zur anderen Hälfte museale Repliken. Bei der Ikonologie soll der Bedeutungshorizont des Objektes erfasst werden. Dementsprechend wird die funktionale Bestimmung, Symbolik und Ideologie betrachtet. Die originale Figur der Schlummernden (Abb. 14) ist im Nationalmuseum von Valletta in Malta eine der Attraktionen und heute ein Nationalheiligtum. Sie gilt als die berühmteste von einer Reihe an Skulpturen aus den neolithischen Tempelanlagen der Mittelmeerinsel. Die Terrakottafigur wird mit dem Magna-mater-Kult in Verbindung gebracht. Magna-mater ist die Muttergöttin der Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte. Maltas Fruchtbarkeitsgöttin war zugleich Totengöttin oder Mutter der Totenherrscherin gewesen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Objektbeschreibung.
  • 2 Kontextualisierung
    • 2.1 Sammlung Heinz Kirchhoff: Symbole des Weiblichen
    • 2.2 Sammlungsgeschichte des Objektes.
    • 2.3 Hypogäum von Ħal Saflieni
  • 3 Ikonologie der Schlummernden
  • 4 Praxeologie des Gipsobjektes
  • 5 Situiertes Wissen
  • 6 Quellen- und Literaturverzeichnis.
  • 7 Anhang
    • Abbildungsteil
    • Verzeichnis der Abbildungsnachweise.
    • Abkürzungsverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Objektbiografie widmet sich der Gips-Reproduktion der „Schlafenden Priesterin“ aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen. Sie verfolgt das Ziel, dieses spezifische Objekt umfassend zu beschreiben, seine historischen und sammlungsbezogenen Kontexte zu beleuchten, die ikonografische Bedeutung der Originalfigur zu entschlüsseln und die Materialität des Gipsabgusses im Hinblick auf seine Funktion als Wissens- und Erinnerungsträger zu analysieren.

  • Detaillierte Beschreibung und historische Einordnung der Gips-Reproduktion der „Schlafenden Priesterin“.
  • Kontextualisierung der Figur innerhalb der Sammlung Heinz Kirchhoff und des Forums Wissen Göttingen.
  • Erschließung der ursprünglichen Fundstätte und Funktion des Originals im prähistorischen Hypogäum von Ħal Saflieni.
  • Ikonologische Interpretation der „Schlummernden“ als Fruchtbarkeits- und Totengöttin sowie Priesterin.
  • Praxeologische Analyse des Gipsmaterials und seiner Rolle bei der Herstellung und Vermittlung von Objektrepliken.
  • Betrachtung von Gipsabgüssen als historische Dokumente und Träger von Wissen über materielle Kultur und Reproduktionstechniken.

Auszug aus dem Buch

Situiertes Wissen

In diesem Kapitel wird die Materialität von Gips zur Diskussion gestellt und danach gefragt, warum Gips für die Nachbildung verwendet wurde und was Gips als Material auszeichnet? Um diese Fragen zu beantworten, werden verschiedene disziplinäre Zugangsweisen hinzugezogen.

Das Material Gips wurde in der Zeit der Renaissance und besonders im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert für Abgüsse verwendet. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Entstehung von Gipsabgusssammlungen das direkte Ergebnis von archäologischen Ausgrabungen antiker Stätten und diente für pädagogische Zwecke in der Lehre, um vergangene Dinge, wie antike Skulpturen, zu bewahren. Währenddessen galt Gips als minderwertiges Material, da dieses fast ausschließlich für Vorentwürfe von Skulpturen benutzt wurde. Dennoch wurde Gips für seine Vielseitigkeit und Kombinierbarkeit mit anderen Materialien geschätzt. Kritisiert wurde Gips als Material für Abgüsse anderseits für den Verlust der Aura in den Reproduktionen von Kunstwerken. Nichtsdestotrotz wurde Gips häufig in der künstlerischen Praxis verwendet. Gips zeichnet sich bei Abgüssen im Vergleich zu anderen Abgussmaterialien besonders durch seinen kostengünstigen Preis aus, was ihn zu einer wirtschaftlichen Wahl für die Herstellung von Abgüssen macht. Ferner ist Gips einfach zu handhaben und zu verarbeiten. Schließlich ergibt die Mischung aus Gipspulver und Wasser eine leicht fließfähige Masse, die sich gut in Formen gießen lässt. Gips hat zudem eine relativ kurze Aushärtezeit im Vergleich zu anderen Materialien wie Beton oder Harz. Dies ermöglicht schnellere Ergebnisse bei der Herstellung von Abgüssen. Gips ist im Vergleich zu einigen anderen Abgussmaterialien dazu noch relativ leicht, was den Umgang mit den Abgüssen erleichtert. Ein Hauptfaktor für Gips als bevorzugtes Material für dreidimensionale Reproduktionen ist, dass er die verschiedenen Formen und Größen gut annimmt und feine Details erfasst. Schlussendlich ist die Härte des ausgehärteten Gipses oft ausreichend für viele Anwendungen, bei denen keine extremen Festigkeitsanforderungen bestehen. Vielmehr zeichnet ihn seine Festigkeit aus, die Nachbearbeitungen erlaubt. Auguste Rodin entwickelte Techniken und Verfahren zur Glättung der Oberflächen seiner Gipsfiguren. Beispielsweise polierte er seine Figuren oder tauchte die Gipsfiguren in flüssigen Gips, um eine homogene Oberfläche zu erzeugen. Demgegenüber muss beachtet werden, dass Gips nicht für alle Anwendungen geeignet ist. Seine begrenzte Festigkeit und Wassersensitivität machen ihn beispielsweise weniger geeignet für den Einsatz im Freien oder in Umgebungen, in denen Feuchtigkeit eine Rolle spielt. In solchen Fällen können Harze oder andere Materialien besser geeignet sein.

Tabea Schindler kommt zu dem Ergebnis, Gipsskulpturen würden auf vergangene Ereignisse, verlorene Gegenstände oder abwesende Menschen verweisen. Dies impliziere das Material und seine künstlerische Verarbeitung vermittle eine Vorstellung von Zeitlichkeit. Konkret zeichne sich Gips durch Anachronismen aus: Das Material verweist typischerweise auf die Vergangenheit, während die Skulpturen in ihrer Gesamtheit zeitgenössische Themen widerspiegeln und mit Materialien oder Objekten aus ihrer eigenen Zeit kombiniert werden. Der Aspekt der Erinnerung und damit das Zeitliche werde auch in den Techniken der Gipsverarbeitung deutlich, insbesondere in den Guss- und Abformverfahren. Beide würden darauf abzielen, die Abwesenheit von etwas oder jemandem darzustellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Objektbeschreibung: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Beschreibung der Gips-Reproduktion der „Schlafenden Priesterin“, ihrer physischen Eigenschaften und ihres Ausstellungsortes im Forum Wissen Göttingen, sowie Informationen über das Original und seine Datierung.

2 Kontextualisierung: Hier wird die Figur in den breiteren Kontext der Sammlung Heinz Kirchhoff, ihre Sammlungsgeschichte und ihren ursprünglichen Fundort im Hypogäum von Ħal Saflieni eingebettet, um ihre Bedeutung zu verdeutlichen.

3 Ikonologie der Schlummernden: Das Kapitel widmet sich der Erfassung des Bedeutungshorizonts der Originalfigur, ihrer funktionalen Bestimmung, Symbolik und ideologischen Deutung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Magna-mater-Kult und ihrer Rolle als Priesterin.

4 Praxeologie des Gipsobjektes: In diesem Abschnitt werden die Herstellungs- und Verwendungsspuren des Gipsabgusses untersucht, um Rückschlüsse auf seine Fertigungsweise, die verwendeten Materialien und die Übernahme der Originaldetails zu ziehen.

5 Situiertes Wissen: Dieses Kapitel diskutiert die Materialität von Gips als Medium zur Wissensgenerierung und -vermittlung, beleuchtet seine Eigenschaften und die philosophischen Konzepte, die Gipsabgüsse als Träger von Zeitlichkeit und Erinnerung interpretieren.

Schlüsselwörter

Objektbiografie, Schlafende Priesterin, Gipsabguss, Sammlung Heinz Kirchhoff, Forum Wissen Göttingen, Hypogäum von Ħal Saflieni, Magna Mater, Fruchtbarkeitsgöttin, Ikonologie, Praxeologie, Materialität, Repliken, Archäologie, Steinzeit, Reproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit ist eine Objektbiografie der Gips-Reproduktion der „Schlafenden Priesterin“ aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen, die deren Beschreibung, Kontextualisierung, ikonografische Bedeutung und Materialität untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die Objektbeschreibung, die Sammlungsgeschichte, die ikonologische Interpretation der Originalfigur, die praxeologische Analyse des Gipsabgusses und die Diskussion um die Materialität von Gips als Träger von Wissen und Erinnerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die „Schlafende Priesterin“ als Objektbiografie zu beleuchten, indem ihre physischen Merkmale, ihre Kontexte (Sammlung, Fundort), ihre symbolischen Bedeutungen und die Implikationen ihres Materials (Gips) für die Wissensgenerierung detailliert analysiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine interdisziplinäre Herangehensweise, die Objektbeschreibung, historische Kontextualisierung, ikonologische Deutung, praxeologische Untersuchung von Herstellungsprozessen und eine materialtheoretische Reflexion miteinander verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Beschreibung der Figur, ihre Einordnung in die Sammlung Kirchhoff und das Hypogäum von Ħal Saflieni, die ikonologische Interpretation als Fruchtbarkeitsgöttin oder Priesterin, die Untersuchung der Herstellungsweise des Gipsabgusses und die theoretische Diskussion der Materialität von Gips.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter wie Objektbiografie, Schlafende Priesterin, Gipsabguss, Sammlung Heinz Kirchhoff, Forum Wissen Göttingen, Hypogäum von Ħal Saflieni, Magna Mater, Fruchtbarkeitsgöttin, Ikonologie, Praxeologie, Materialität, Repliken, Archäologie, Steinzeit und Reproduktion charakterisieren die Arbeit.

Welche besondere Bedeutung hat die Sammlung Heinz Kirchhoff für das untersuchte Objekt?

Die Sammlung Heinz Kirchhoff, ursprünglich eine Privatsammlung von Frauenstatuetten, gab der Gips-Reproduktion der „Schlafenden Priesterin“ einen neuen Kontext und eine Funktion als Stellvertreterobjekt zur Veranschaulichung weiblicher Symbolik und zur Generierung neuen Wissens im universitären Rahmen.

Warum wird Gips als Material für die Nachbildung ausführlich diskutiert?

Gips wird ausführlich diskutiert, weil es als kostengünstiges, einfach zu verarbeitendes Material für Abgüsse diente, das feine Details erfassen konnte und dennoch oft als „minderwertig“ galt. Die Arbeit beleuchtet, wie Gipsabgüsse als historische Dokumente und Träger von Zeitlichkeit und Erinnerung fungieren können.

Was ist das Hypogäum von Ħal Saflieni und welche Rolle spielt es für das Original?

Das Hypogäum von Ħal Saflieni ist ein prähistorischer, unterirdischer Grabkomplex auf Malta, der zwischen 4000 und 1500 v. Chr. genutzt wurde. Es ist der Fundort der originalen Terrakottafigur der „Schlummernden“, was Rückschlüsse auf ihre rituelle oder kultische Funktion als Priesterin oder Fruchtbarkeitsgöttin im Kontext des Magna-mater-Kults ermöglicht.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Objektbiografie. Die Schlafende Priesterin aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen
College
University of Göttingen  (Kunstgeschichte)
Course
Seminar
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2024
Pages
26
Catalog Number
V1682626
ISBN (PDF)
9783389171189
ISBN (Book)
9783389171196
Language
German
Tags
Schlafende Priesterin Sammlung Heinz Kirchhoff Gips Forum Wissen Göttingen Hypogäum von Ħal Saflieni Schlummernde Replik Fruchtbarkeitsgöttin Totengöttin Praxeologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2024, Objektbiografie. Die Schlafende Priesterin aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1682626
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint