Intelligentes Handeln im Kollektiv - Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0 Tool Wikipedia?


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,30


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Theorie
2.1.1 Die Fähigkeit als Kollektiv intelligent zu handeln: Hauptthesen aus Surowiecki‘s ,,Weisheit der Vielen‘‘
2.1.2 Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0? - Schwarmintelligenz im Netz
2.1.3 ,,Ebay‘‘ versus ,,Wikipedia‘‘, die zwei Modelle kollektiver Intelligenz im Internet
2.1.4 Fünf Millionen Artikel in 250 Sprachen: Das Konzept der Online-Encyclopädie Wikipedia
2.2 Praxis
2.2.1 Fehlerkultur und praktische Anwendung der Weisheit der Vielen bei Wikipedia
2.2.2 Autorenschaft im Praxistest - Protokoll einer Artikelbearbeitung
2.2.3 Wikipedia ist besser als sein Ruf: Ergebnisse der Internetstudie via Q-Set

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

,, [Wikipedia ist] das […] Google für Waldorfschüler, da dürfen alle alles reinschreiben‘‘[1]. Dass dieses Zitat von Florian Schroeder nur einen gewissen Wahrheitsgehalt hat, zeigen jüngste Studien, die nachweisen dass Wikipedia in Puncto Qualität durchaus mit der rennomierten Encyclopedia Britannica vergleichbar ist[2]. „Intelligente Leute arbeiten [dabei][…] freiwillig in einer Atmosphäre von Missachtung und Beschimpfungen[3] ’’ wie Wikipedia Gründer Jimmy Wales das Geschäftsmodell der Encyclopädie einst beschrieb. Bevor diese Hausarbeit jedoch auf praktischer Seite auf die Anwendung der Weisheit der Vielen im Web 2.0 eingehen kann, müssen zunächst einige grundlegende Fragen geklärt werden. Zu allererst gilt es Surowiecki’s Buch ,,Die Weisheit der Vielen – Warum Gruppen klüger sind als Einzelne‘‘ zu erläutern, um die theoretische Basis zu schaffen für die spätere praktische Darlegung der Thematik der kollektiven Intelligenz im Bereich des Internets. Dabei soll vor allem seine Hauptthese erklärt werden, die davon ausgeht, dass die Kumulation von Informationen in Probandengruppen zu gemeinsamen Gruppenentscheidungen führen, die oft besser sind als Lösungsansätze einzelner Teilnehmer oder die Vorschläge von dezidierten Experten. Anschließend werden die Typen der Weisheit kategorisiert, ehe vorbereitend auf eine Unterscheidung im Internet Schlüsselkriterien für ein Zustandekommen kollektiver Intelligenz definiert werden. Ausgehend von der Feststellung, dass das heutige Web 2.0 in der Effektivität der Nutzung kollektiver Intelligenz neuronalen Verbindungen ähnelt, stellt sich sie Frage: Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0? Ein wesentlicher Einwand betrifft die Zuverlässigkeit der Quellen, einige Experten zweifeln an ob das Web 2.0 überhaupt relevante Inhalte erzeugen kann. Wenn das Web 2.0 allein aus sich heraus allerdings Weisheit zutage fördern soll, dann muss es gemäß Surowieckie‘s Elemente der ,,Weisheit der Vielen’’- Mechanismen geben, die aus der Menge der Beitragenden für Ordnung, Relevanz und Richtigkeit sorgen. Jene zwei Modelle kollektiver Intelligenz werden vorbereitend auf den Praxisteil erläutert und ursächlich definiert, wobei der Schwerpunkt verständlicherweise auf dem Modell Wikipedia liegt. Anschließend erfolgt der Schwenk auf die Hauptthematik der kollektiven Intelligenz bei Wikis im Allgemeinen und das Prinzip der Weisheit der Vielen bei der Online Encyclopädie Wikipedia im Speziellen. Eine genaue Analyse von Wikipedia schließt den theoretischen Teil ab und leitet den praktischen Teil ein. Dabei wird das Thema Wikipedia fortgeführt, allerdings dezidiert auf die Anwendung der Weisheit der Vielen eingegangen. Angesichts der ständigen Qualitätsdiskussion wurde anschließend mit Hilfe eines sogenannten Autoren-Praxis-Testes die Fehlerkultur bei Wikipedia getestet. Sowohl die Verständlichkeit der Systemführung, als auch die Einfachheit der Artikelbearbeitung und anschließend die Zeit bis zur Korrektur unseres, absichtlich fehlerhaften, Artikeleintrages standen dabei im Fokus der Untersuchung. Eine 30 Tage laufende Internetstudie mit 82 Teilnehmern zwischen 15 und 65 Jahren bei dem Portalanbieter Q-Set sollte die theoretischen Erkenntnisse auf eine breitere wissenschaftliche Basis stellen. Mit zwölf Fragen zum Thema Wikipedia lieferte die Studie schnell und kostengünstig Erkenntnisse über Wikipedia, seine Fehlerkultur und kollektive Intelligenz bei Wikis. Bedingt durch die Kürze der Zeit bedingte darf man allerdings nicht von einer wissenschaftliche repräsentativen Studie ausgehen.

2. Hauptteil

2.1 Theorie

2.1.1 Die Fähigkeit als Kollektiv intelligent zu handeln:Hauptthesen aus Surowiecki‘s ,,Weisheit der Vielen‘‘

Surowieckis Buch ,,Die Weisheit der Vielen – Warum Gruppen klüger sind als Einzelne‘‘ soll die theoretische Basis für die spätere praktische Darlegung der Thematik der kollektiven Intelligenz im Bereich des Internets und hier insbesondere im Bereich der Wikis bilden. In seinem 2004 unter dem englischen Titel ,,The Wisdom of Crowds. Why the Many Are Smarter Than the Few and How Collective Wisdom Shapes Business, Economies, Societies and Nations ‘’ erschienenen Werk versucht James Surowiecki anhand diverser Fallstudien und Beispiele aus der Ökonomie und Psychologie die Logik intelligenten Schwarmverhaltens zu klären[4]. Seine Argumentation beruht auf der These, dass die Kumulation von Informationen in Probandengruppen zu gemeinsamen Gruppenentscheidungen führen, die oft besser sind als Lösungsansätze einzelner Teilnehmer oder die Vorschläge von dezidierten Experten. Um die Typen der Weisheit zu kategorisieren, teilt Surowiecki Entscheidungen in drei Hauptproblem-gruppen. Die erste Kategorie stellen die kognitive Konflikte und Aufgaben dar, die - so stellt Surowiecki fest - von einer durchschnittlichen Gruppe Laien viel genauer und schneller gelöst werden können als von einer Expertenrunde. Auch im Bereich der Koordination gibt es zahlreiche Beispiele intelligenten kollektivem Schwarmverhaltens: Unfallfreie Fortbewegung im Stadtverkehr, Feilschen auf dem Flohmarkt oder die optimale Nutzung eines Restaurants. Geteilte kulturelle Überzeugungen und Normen innerhalb einer Probandengruppe spielen dabei die entscheidende Rolle, um Voraussagen über die Reaktionen anderer Mitglieder dieser Kultur zu erlauben und letztendlich kollektiv intelligent handeln zu können. Als letzte Kategorie kollektiver Weisheit gilt die Kooperation, welche eine besondere Rolle beim Aufbau eines Netzwerkes spielt, ohne dass eine zentrale Kontrolle oder eine direkte Durchsetzung von Regeln benötigt wird, wie etwa bei der freien Marktwirtschaft. Allerdings haben diverse Praxisbeispiele wie die Weltwirtschafts- und Finanzkrise gezeigt, dass nicht alle Gruppen per se intelligentes Verhalten zeigen, sondern mitunter auch irrational handeln[5]. Surowiecki stellt fest, dass weise Gruppen sich von Personenkreisen mit fehlerhafter Gruppenintelligenz durch diverse Schlüsselkriterien unterscheiden. Diese stellen sich wie folgt dar. Damit es immer zu einer individuellen Interpretationen eines Sachverhaltes kommen kann, muss das Prinzip der Meinungsvielfalt gewahrt werden: Das heißt jede Person muss die Möglichkeit haben sich aus unterschiedlichen Informationen über einen Sachverhalt ein subjektives Meinungsbild zu schaffen. Laut Surowiecki führt die intellektuelle Konformität einer Gruppe also zu systematischen Fehlentscheidungen. Dabei darf die Meinung des Einzelnen nicht durch die Ansicht der Gruppe oder einer Meinungsführerschaft verfälscht worden sein. Auch wenn eine dezentrale Positionierung sich positiv auf die Spezialisierung des Wissens des Einzelnen auswirkt, müssen letzten Endes Aggregationsmechanismen vorhanden sein, um aus Einzelmeinungen eine Gruppenmeinung zu bilden[6].

2.1.2 Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0? - Schwarmintelligenz im Netz

Der zentrale Unterschied zwischen dem Prinzip des Web 1.0 und der heutigen Web 2.0 Ära ist die Effektivität der Nutzung kollektiver Intelligenz. Ähnlich neuronalen Verbindungen können Inhalte durch die Verlinkung von anderen Nutzern in die Struktur des Web einbezogen werden. Als Output der kollektiven Aktivitäten aller Web-User wächst durch Wiederholung und Intensität das Netz der Verbindungen auf natürliche Weise[7]. Laut Viktor Meyer-Schönberger ist die Idee von der automatischen Weisheit der Vielen in einem solchen System kollektiver Intelligenz redundant, wenn nicht bestimmte spezifische Parameter beachtet werden. So wies der Marquis de Condorcet schon vor 200 Jahren nach, dass mehrere Menschen gemeinsam nur dann näher an die faktische Wahrheit gelangen, wenn jeder einen über Zufallswissen hinausgehenden Informationstand hat. Ein in der Realität selten realisierbarer Fall. Eine Internet-Plattform für aggregierte benutzergenerierte Information ist seines Erachtens nicht besser als die recherchebasierte Arbeit der Journalisten, da es sich nur um die subjektiven Ansichten von Vielen handelt. Trotzdem gelingt damit eine wesentliche Beteiligung am Bürgerdiskurs, wodurch das Gefühl der gesellschaftlichen Teilhabe durch Onlineöffentlichkeit erreicht werden kann. Im Gegensatz zur aufkeimenden Hoffnung eines Gros der Web 2.0Gemeinde allerdings verschwinden die Informationsmonopole dadurch nicht. Eine relativ überschaubare Zahl an Informationsintermediären sind zentraler Bestandteil nicht nur der alten, sondern auch der neuen Medienlandschaft. Trotzdem zeigt die Geschichte von Wikipedia eindrücklich, dass jenen User Generated Content-Pages mit festen Schemata im Bereich der neuen Medien die Rolle als Informationsfilter und -quelle, aber auch als Meinungsplattform zukommt: in der Online Welt hat sich ein Informationsoligopol also ganz ohne den Axel-Springer-Verlag etabliert[8]. Die Frage die sich stellt ist: Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0? Denn nicht zuletzt verunsichert das Web 2.0 die Medienbranche, wobei Journalisten vor der Frage stehen, wie sich ihr Metier ändert, wenn Internetuser journalistische Angebote selbst produzieren. Eine große Skepsis wird die Zuverlässigkeit der Quellen betrachtet, ein Einwand der erst mit der Kommerzialisierung der Webpräsenzen virulent wurde. Weil das Sammeln, Ordnen und Vergleichen eine Grundaktivität des Erkenntnisgewinns ist, wird Wissen in Internet-Datenbanken nicht nur erschlossen, sondern auch geschaffen. Betrachtet man den Aspekt der Wissensversorgung, so gehören die durch die öffentlich finanzierte Wissenschaft produzierten Inhalte zweifellos zu den qualitativ hochwertigsten im Web 2.0 Space. Auf dem Feld der Wissenschaft hat mittlerweile kein Inhalt mehr eine Chance, der nicht frei und kostenlos zugänglich ist, also als Open Source auftritt. Bei der Frage ob das Web 2.0 überhaupt relevante Inhalte erzeugen kann, ist eine kontroverse Diskussion im Gange. Soll nur eine akademisch lizenzierte und alimentierte Elite die Möglichkeit haben Inhalte zu generieren oder die Grundgesamtheit einer medienaffinen Bevölkerung[9] ?

[...]


[1] Florian Schroeder(2007): „Du willst es doch auch!“. Soloprogramm-CD. 2007. ISBN 978-3-86604-846-1

[2] Vgl. Deterding, Sebastian(2007): ,, Nächste Wikipedia rechts abbiegen. Wikipedia, Citizendium, und die

Politik des Wissens: Ein Interview mit Larry Sanger‘‘. In:

http://www.bpb.de/themen/RZPMKT,0,0,N%E4chste_Wikipedia_rechts_abbiegen.html (Zugriff am

14.09.2010)

[3] Franken, Markus(2005): ,,Ich bin die Königin von England. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.‘‘ In:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,335301,00.html (Zugriff am 23.09.2010)

[4] Vgl. Surowiecki, James(2007): Die Weisheit der Vielen. München: Wilhelm Goldmann Verlag. 2004.

S.8ff.

[5] Vgl. Fangerau, Heiner/ Hallig, Thorsten(2009): Netzwerke. Allgemeine Theorie oder

Universalmethapher in der Wissenschaft. Bielefeld: Transcript Verlag. 2009. S.135

[6] Vgl. Surowiecki. 2007. S.47

[7] Vgl. Riesen, Melanie(2007): Vom Arpanet zum Web 2.0. Neue Kommunikationsformen und-strukturen.

Norderstedt: Grin Verlag. 2007. S.12

[8] Vgl. Mayer-Schönberger, Viktor: ,, #rp10: Die unerfüllte Hoffnung auf eine neue bürgerliche

Öffentlichkeit’’. In: http://carta.info/25488/rp10-die-unerfuellte-hoffnung-auf-eine-neue-buergerliche-

oeffentlichkeit/ (Zugriff am 24.09.2010)

[9] Vgl. Wichmann, Gabriele(2007): Ruby on Rails-die bessere Alternative?. Norderstedt: Grin Verlag.

2007. S 133ff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Intelligentes Handeln im Kollektiv - Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0 Tool Wikipedia?
Hochschule
Universität Passau  (Professur für Philosophie)
Veranstaltung
Das Internet-Weisheit der Vielen
Note
1,30
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V168295
ISBN (eBook)
9783640855278
ISBN (Buch)
9783640855230
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intelligentes, handeln, kollektiv, weisheit, tool, wikipedia, surowiecki, schwarmintelligenz
Arbeit zitieren
Stephanie Julia Winkler (Autor), 2010, Intelligentes Handeln im Kollektiv - Wieviel Weisheit steckt im Web 2.0 Tool Wikipedia?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168295

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