4 Veröffentlichungen über Ethik

Ethik


Sammelband, 2011
60 Seiten

Leseprobe

Inhalt:

Einführung

Selbst-Zufriedenheit und Selbst-Bestimmung

Definition von Aggression und Frustration

Abschließende Anmerkungen

Literaturnachweis

Einführung

Die Grundlagen für die Selbstzufriedenheit und Selbstbestimmung werden bereits im vorschulischen Erziehungsprozess gelegt; die Lernmotive werden im Laufe der schulischen Erziehung weiterentwickelt oder verändert und den gegebenen Umständen angepasst. Nach Beendigung der Schulausbildung tritt eine Stagnation der Aufnahme von nicht berufsbezogenem Wissen ein, die Bedingungsfaktoren für die Selbstzufriedenheit und die Selbstbestimmung verändern sich grundlegend. In den fast immer gleichen Arbeitsabläufen nach der Ausbildung wird das Hinzulernen neuer Fähigkeiten nicht erforderlich. So bedarf es bestimmter Stimuli, intrinsischer und extrinsischer Art, um die Bereitwilligkeit berufsbezogene und nicht-berufsbezogene Bildung, Weiterbildung und Lernprozesse allgemein zu erzeugen.

Lebenslange Bildung für eine exklusive, elitäre Schichten hat es immer gegeben, lebenslanges Lernen und Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und Betrachtung der individuellen subjektiv empfundenen Befindlichkeit breitester Schichten der Bevölkerung ist neu und gesellschaftlich noch nicht bewusst geworden. Die Veränderung des Arbeitsmarktes und die Arbeitssituation eines jeden einzelnen haben sich im Laufe der letzten Jahre und bedingt durch die Globalisierung so verändert, dass langfristige berufliche, persönliche und individuelle Prozesse eine neue Wertigkeit erlangt haben. Gesellschaftliche, volkswirtschaftliche und psychologische Aspekte in diesem Prozess der Bestimmungsfaktoren für das -Individuum sind in ihren Auswirkungen nicht voll umfänglich erkennbar und die Folgen nicht absehbar. Es gilt deshalb nur - ganz im Gegensatz zu beispielsweise der Nachkriegszeit - eine Momentaufnahme zu beschreiben, einen Ist-Zustand, der nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Bedingungsfaktoren für die Persönlichkeit des Einzelnen bedingen und beschreiben kann, längerfristige Prognosen sind reine Spekulationen, weil die Veränderungen in den Bereichen

Gesellschaft, Betriebs-, Volkswirtschaft und Arbeitsmarkt sich unvorhersehbar entwickeln können, wie gerade in der Rezession und dem Bankenkollaps am Ende des Jahre 2008 zu sehen war.

Um sich dem Thema in allen Ausprägungen zu nähern, müssen extrinsische und intrinsische Faktoren Berücksichtigung finden als da sind: −Leben des Individuums in Bezug auf seine subjektive Befindlichkeit und die objektiv feststellbare Ausprägung derselben, aber auch in seinem engen und weiteren sozialen Umfeld,

− Familie in ihrer Ursprünglichkeit als Bezugsrahmen in der Entwicklung der Persönlichkeit und in dem Kleinkindstadium in seiner Prägephase , im späteren Leben der Aufbau und das Leben und Erleben eines eigenen Bezugssystems und einer eigenen Familiensituation,

− das Rollenverständnis und Rollenverhalten eines Menschen basiert auf seinen eigenen Erfahrungen in der frühesten Kindheit und den ersten und weiteren Bezugssystemen, meist die Eltern; diese Erfahrungen prägen das eigene Verständnis von Familie, respektive Rollenverständnis und Rollenverhalten; Kinder aus zerrütteten und gescheiterten Ehen haben große Probleme ein anderes Rollenverhalten einzuüben und ein anderes Rollenverhalten zu leben, weil sie dieses nicht kennen gelernt und somit nicht internalisiert haben; (s. Rahn, Manfred: Legasthenie bei Erwachsenen, Berlin 1981)

dieses gilt auch im besonderen Maße für das Rollenverhalten und Rollenverständnis als Mann und als Frau und in einem späteren Lebenszeitpunkt als Vater und Mutter; adaptiertes und erlerntes Verhalten basiert auf dem Vorerlebten und dem Vorgelebten der primären und sekundären Bezugspersonen und beeinflusst die eigene Sichtweise und das eigene Verständnis des später gelebten Rollenverhalten und der Ausprägung und Ausgeprägtheit Selbstzufriedenheit und Selbstbestimmtheit;

− die Gesellschaft als Bezugssystem; wir haben die Familie, Bezugspersonen als Mikrokosmos und die Gesellschaft als Makrokosmos, in diesem Beziehungsgefüge bewegt sich jeder Mensch, seine Erfahrungen im Laufe seines Lebens bedingen die Selbstzufriedenheit und den Grad des Strebens nach Selbstbestimmtheit;

-Aggression und Frustration bestimmen ebenfalls den Grad der

Selbstmotiviertheit und der Motivation und diese Parameter sind Grundlagen für die Bereitschaft, am gegenwärtigen Zustand der Selbstzufriedenheit und Selbstbestimmung, einem momentanen Ist- Zustand etwas aktiv zu ändern oder ändern zu wollen; erwartete Frustration in neuen Lebenssituationen aufgrund der bisherigen negativen Erfahrungen können eine negative Erwartungshaltung generieren und eine negative Spirale in Gang setzen, die eine eigene Dynamik entwickelt; ohne Hilfe von außen ist es meist nicht möglich, diesen Kreislauf zu stoppen und in eine positive Haltung mit einer veränderten Erwartungshaltung um zu kehren und erleb- und erfahrbar zu machen;

− in den meisten europäischen Ländern ist die Anzahl der allein erziehenden Väter und Mütter dramatische angewachsen, besonders vor dem Hintergrund, dass 45 Prozent aller Ehen geschieden werden und in der Gesellschaft dieser Personenkreis einen großen Anteil in der Bevölkerung darstellt; dieses Faktum hat großen Einfluss auf den Grad der Zufriedenheit und das subjektive Empfindung des Grads der Selbstbestimmung: in diesem Zusammenhang ist auch der Faktor der Überforderung im Umgang mit der Situation zu betrachten, psychologische Untersuchungen zu diesem Punkt nehmen diesen Parameter als einen der wesentlichen Bedingungsfaktoren des Gras der Selbstzufriedenheit an;

− der Bereich, der hier vorrangig betrachtet werden soll und bei der Bearbeitung des vorliegenden Themas einen wesentlichen Raum einnimmt, sind die Bereiche, Arbeit, Berufstätigkeit, Ausbildung; lebenslanges Lernen und ständige Weiterbildung breitester Schichten ist neu, lebenslanger Verbleib in einer Firma ist eher die Ausnahme, Veränderungen von Arbeitsplatz, beruflichem Umfeld und veränderte Ansprüche an den Mitarbeiter sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Fokus der Betrachtung gerückt und bedingen ein Umdenken des Einzelnen und der Gesellschaft; die Wechselwirkung zwischen Familie und Arbeit in allen Facetten und Ausprägungen, die work-family-balance, hat bei der vorliegenden Thematik eine dominierenden Relevanz; Mobbing in seinen vielfältigen Ausprägungen wird bereits im Kindergarten, der Schule und am Arbeitsplatz vom Umfeld praktiziert, auch diese Form der Interaktion hat negative Auswirkungen auf die Selbstzufriedenheit und die Selbstbestimmung.

Selbst-Zufriedenheit und Selbst-Bestimmung

Selbst-Zufriedenheit ist aus den beiden Begriffen „selbst“ und „Zufriedenheit zusammengesetzt. Zufriedenheit mit dem Selbst impliziert auch Unzufriedenheit mit dem Selbst, das Gegenteil dessen, was der deutsche Duden mit innerlich ausgeglichen sein, in Einklang mit sich selbst beschreibt. Der Mensch hat im Zustand der Selbstzufriedenheit kein Verlangen nach einer anderen Situation und keiner anderen inneren Befindlichkeit als die, die er gegenwärtig (er-)lebt. Die gegenwärtig bestehende Gesamtsituation, das kann die eigene Leistung, die gegenwärtige Familiensituation, der Allgemeinzustand, der Einklang mit dem Umfeld sein. Selbstzufriedenheit hat aber auch eine negative Bedeutungskomponente. Wenn die Zufriedenheit in Übermut gipfelt, kann ein Realitätsverlust eintreten und die Selbstzufriedenheit in dieser Ausprägung können pathologische Züge annehmen, die als Krankheitsbild behandelt werden sollten.

Somit sind beide Zustände eine Gratwanderung der psychischen und sozialen Befindlichkeit zwischen Wohlbefinden ohne negative Symptome und einem latenten Krankheitsbild.

Wesentlich prägt die Zufriedenheit den inneren Erfolg . Zufriedenheit ist auch in seiner Ausprägung messbar inform von Erfolgskontrolle, Qualitätssicherung, Evaluation und Erreichen vereinbarter Ziele. Berufliche Zufriedenheit kann durch (selbst)reflexives Verhalten von dem Selbst oder dem beruflichen Umfeld ermittelt werden.

Selbstbestimmung wurde aus der historischen Betrachtung dieser Begrifflichkeit bezogen auf staatliche, nationale und politische Ansprüche im Rahmen eines Selbstbestimmungsrechts und der damit verbundenen Unabhängigkeit und Entscheidung über staatliche Existenz, Souveränität und innere Angelegenheiten. Dieses Recht auf Selbstbestimmung ist im Denken der späten Aufklärung entstanden und bezog sich zunächst auf den Nationalstaat und die Demokratie. Erst im vorigen Jahrhundert sind Selbstbestimmung und Selbstzufriedenheit auch in die Psychologie als Gegenstand der Betrachtung in Bezug auf den Menschen eingegangen.

Die Denkansätze für beide Begriffe in der Literatur sind sehr diffus, weil die Begriffe selbst in ihrer Ausprägung beim Menschen nicht unmittelbar messbar sind, sondern nur indirekt über aufzustellende Parameter abzubilden sind. Über die Abbildungsweisen bestehen keine einheitlichen Sichtweisen in der Forschung und die wissenschaftlichen Modelle sind nicht nur sehr verschieden sondern haben auch gegensätzliche Ansatzpunkte.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz und in der Familie, der Grad der Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und der damit verbundenen Reduktion der Bedürfnisspannung, Lebensqualität, Glück, Glücksgefühle, Wohlstand und Bescheidenheit sind Begrifflichkeiten, die subjektiv, relativ und nicht absolut zu sehen und zu messen sind. Es können nur Teilaspekte betrachtet werden, weil die Herangehensweise keine ganzheitliche Betrachtungsweise zulässt.

Um die Problematik der Messung der Zufriedenheit und deren Ausprägung zu verdeutlichen, soll dieses anhand eines Beispiels dargestellt werden.

Will man „Zufriedenheit“ messen, muss eine Definition gebildet werden, die die Subjektivität der Empfindung der „Zufriedenheit“ erfasst. Da dieses jedoch kaum leistbar ist, wird im Bereich Kunden- oder Arbeitszufriedenheit diese als „Abwesenheit von Unzufriedenheit definiert. Gemessen wir dann der Grad der Erfüllung dieser Erwartungen und nach den Erwartungen des Individuums selbst.

Bei der Erhebung zur Zufriedenheit ist darauf zu achten, dass bei qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden auf die Einhaltung der Anforderungen von Wissenschaftlichkeit gemacht wird. Bei vielen als wissenschaftlich fundierten Erhebungen dargestellten Befragungen werden diese Kriterien nicht erfüllt.

Definition von Aggression und Frustration

Die vorliegende Fragestellung bedarf die Einführung der beiden Begriffe „Aggression“ und „Frustration“ in die Überlegungen, damit die vielschichtige Thematik mit möglichst vielen Bedingungsfaktoren erfasst wird. Je mehr Begriffe jedoch in die Diskussion eingebracht werden, um so schwieriger ist die Standardisierung und Skalierung zu einer graduellen Aussage des Grades der Aggression und der Frustration auf der einen Seite und der (Selbst-)Zufriedenheit und der Selbstbestimmung auf der anderen Seite. Die Subjektivität der Wahrnehmung und der Befindlichkeit ist nicht direkt sondern nur indirekt über die Messung anderer Verhaltensweisen möglich.

Nach Berkowitz ist Aggression „... a behaviour, aimed at the injury of some object“. Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears definieren: „Jede Verhaltenssequenz, deren Zielreaktion die Verletzung der Person ist, auf die sie gerichtet ist, wird als Aggression bezeichnet.“ 1)

Der späte Freud nahm einen „Todestrieb“ an, der unter bestimmten Voraussetzungen zur Aggression führen kann. Adler 2) und Lorenz 3) nahmen einen selbständigen Aggressionstrieb an Lersch 4) hat Bedenken gegen die Annahme, eines selbständigen Aggressionstriebe. Er stimmt im Prinzip mit den Thesen Dollards, Doobs, Mowrers und Sears 5) überein, wenn er auch einige Vorbehalte gegen den unbestimmten Anspruch Dollards (auf Frustration folgt immer Aggression) anmeldet.

Viele Einwände, die gegen diese These vorgebracht worden sind, sollen hier nicht berücksichtigt werden. Da jedoch diese Konsequenz Dollards als die wahrscheinlich richtige anzunehmen ist, hat sich der Autor entschlossen, die anderen existierenden Modell aufzuzeigen, sie gegeneinander abzugrenzen und dann ausführlich zu diskutieren. Das vorliegende Modell erscheint im Hinblick auf die Gesamtthematik sehr hilfreich.

Mit diesen Thesen, die nachfolgend aufgeführt werden, soll ermöglicht werden, die Aggression so zu erfassen, dass sie in die Gesamtüberlegungen einfließen können.

Die wissenschaftliche Erfassung des Phänomens der Aggression ist der Psychologie noch nicht gelungen, Thesen zu formulieren, deren Ergebnis in der wissenschaftlichen Betrachtung ohne Widerspruch ist. Im Rahmen der zu erörternden Thematik ist es nicht vorrangig zu erörtern, ob ein ständig wirkender Aggressionstrieb anzunehmen ist oder ob man eine ständig auf das Individuum ausgerichtete Frustration annimmt, die dann erst Aggression bewirkt.

Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears kommen bei ihren Forschungen zu nachfolgenden Ergebnissen:

11. Die stärke der Aggression ist eine direkte Funktion des Grades der Frustration. Änderungen im Ausmaß der Frustration hängen von 3 Faktoren ab;

a) von der Stärke des Antriebs zur frustrierten Reaktion
b) von dem Grad der Hemmung der frustrierten Reaktion
c) von der Anzahl der bisherigen Frustrationen (je häufiger frustriert wurde, desto stärker ist der Ausbruch der Aggression)

12. Die Bereitschaft zur Aggression sinkt mit der Stärke der zu erwartenden Strafe (hiermit kann auch ein sozialer, beruflicher oder auch gesellschaftlicher Abstieg gemeint sein). Je größer die antizipierte Strafe ist, desto weniger wahrscheinlich ist die Aggressionshandlung. Andererseits je größer jedoch die Frustration ist desto wahrscheinlicher wird die Aggression.

13. Die stärkste Aggression richtet sich gegen den Verursacher der Frustration.

14. Die Hemmungen direkter Aggression stellt eine zusätzliche Frustration dar, die eine Aggression gegen das Agens bewirkt, das für diese Hemmung als verantwortlich angesehen wird.

15. Der Ausdruck einer Aggressionshandlung stellt eine Katharsis, eine Abreaktion der aufgestauten Affekte dar, die die Instigation zu anderen Aggressionshandlungen reduziert.

Frauen haben mit zunehmender Chancengleichheit der Geschlechter die Erwartung einer beruflichen und finanziellen Unabhängigkeit. Im Zusammenhang mit der hohen Scheidungsrate, Änderungen bei den Regelungen zum Unterhalt werden eine Vielzahl von Veränderungen von der Gesellschaft an die Frauen herangetragen, Rollenbilder und Rollenverhalten ändern sich. Die Familienformen unterliegen starken Veränderungen, Patchwork- und Einelternfamilien machen eine gesellschaftliche Anforderung und Anpassung notwendig. Ein Umdenken in der Gesellschaft wird unabdingbar. Die Selbstbestimmung und die Selbstzufriedenheit ändern sich parallel zu diesen Bedingungsfaktoren, die Änderungen wirken sich auf das Selbstverständnis jeden Einzelnen aus.

Nach der Geburt des ersten Kindes findet vielen Studien zur Folge eine Retraditionalisierung der Rollen statt. „selbst bei vorher weitgehend egalitärem Rollenverständnis beider Partner werden nach der Geburt vor allem die Auffassungen der Männer wieder traditioneller, während die der Frauen egalitär bleiben; dies führt zu Spannungen in der Partnerschaft.“ 6)

Für Deutschland für diesen Wandel 3 Faktoren bestimmend:

1 „Erstens der berufliche Wiedereinstieg der Mutter als Armutsrisiko,
2 zweitens die Koordination der beruflichen Entwicklung beider Elternteile als Überforderung und
3 drittens geschlechtsspezifische Deutungen bei der Kinderbetreuung und Hausarbeit.“ 7)

Betrac]htet man Geschlechter spezifisch die Quoten der Teilzeitarbeit in Europa, wird man feststellen, dass Männer weitaus weniger Teilzeitarbeit ausüben als Frauen. 8) Diese Quotelung ist Länder spezifisch sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung. Länder, die als „konservativ“ bezeichnet werden können, weil in ihnen traditionelles Rollenverständnis und gesellschaftliche Werte anders verstanden werden, vollziehen einen gesellschaftlichen Diskurs, der sich um die individuelle Entscheidung für die Beibehaltung der kulturell verankerten Idealvorstellung einer Familie - die Mutter oder der Vater bleiben regelmäßig einen halben Tag in der Familie - oder deren Wandel.

Politische und gesellschaftlich werden diese traditionellen Modelle

unterstützt, in dem dem Elternteil der zu Hause bei der Familie bleibt, in Erziehungsurlaub geht, ein Elterngeld bezahlt wird und die Unterstützung des beruflichen Wiedereinstiegs nach dieser Elternzeit gesetzlich geregelt gewährleistet wird.

Eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat für die Gesellschaft laut einer OECD-Studie einen vielfachen Nutzen:

1. Mann und Frau werden gleichgestellt,
2. die Beschäftigungsrate steigt
3. das Familieneinkommen wird gesichert
4. und die kindliche Entwicklung wird gefördert. 9)

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mann und Frau haben erheblichen Einfluss auf die Karriere- und Familienplanung. Besonders die Familienplanung hat wesentlichen Einfluss auf die demographische Entwicklung einer Region, eines ganzen Staates. Die Region ist hier deshalb besonders erwähnt worden, weil es auch erhebliche demographische Unterschiede zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung gibt. Die Versorgung und Unterstützung der Familie mit Kindern und die damit verbundenen Maßnahmen bedingen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Entscheidung der Eltern ob und wie viel Betreuungszeit in Anspruch genommen wird und die Eltern dadurch für den Arbeitsmarkt und den Beruf zur Verfügung stehen, hängt von der Qualität, der Verfügbarkeit und den aufzubringenden Kosten für die Kinderbetreuung ab. In den Europäischen Ländern ist dieses von Land zu Land sehr unterschiedlich, weil die Bedingungen sehr unterschiedliche sind und die langfristigen Konsequenzen für die Volkswirtschaft und die demographischen Gegebenheiten sind sehr unterschiedlich.

Das bestehende Rollenverteilungsmodelle (Hausfrauenmodell) und die daraus resultierenden zugewiesenen Rollen behindern die Gleichstellung von Vätern und Müttern in der Arbeitswelt. Dieses ist besonders dann der Fall, wenn Väter durch die Inanspruchnahme von Elternerziehungszeiten Nachteile im Beruf erwarten und deshalb diese Möglichkeiten nicht oder nur sehr unzureichend in Anspruch nehmen. Dann bleibt es dabei, der Vater geht einer Arbeit nach und die Mutter übernimmt die Kinderbetreuung. Diese von vielen Eltern nicht gewünschte Rollenverteilung kann zu einer negativen Beeinflussung der Kindesentwicklung führen mit allen Langzeitauswirkungen was Schule, Ausbildung und spätere eigene berufliche Situation anbelangt oder in vielen Fällen zerbricht die Partnerschaft an dieser belastenden nicht gewollten familiären Entwicklung. Unzufriedenheit, Frustration und vielfach ausgeprägte Krankheitsbilder psychologischer und psychosomatischer Genese belasten nicht nur die Individuen und die Familien sondern auch in der Vielzahl der Ereignisse die Volkswirtschaft und die Gesellschaft.

Es sind meist Einzelinitiativen von Arbeitgebern, die diese Familien spezifischen Besonderheiten in ihr Unternehmenskonzept aufnahmen und zur Förderung einer Geschlechter gerechten und Familien bewussten Unternehmenskultur beitragen und diese Faktoren in ihrer Arbeitsorganisation festschreiben und entsprechende Zeitfenster einräumen.

Betrachtet man die Bereiche Familie und Arbeit (Beruf) als voneinander

getrennte Lebensbereiche, werden positive und negative

Wechselwirkungen zwischen den beiden Bereichen besonders in den Bereichen hinsichtlich der Zufriedenheit und der Selbstbestimmung untersucht. Unterschieden werden positive Wirkungen der Work-to-Family- Förderung und Family-to-Work Förderung und negative Auswirkungen, die sich im Work-to-Family-Konflikt und Family-to-Work-Konflikt manifestieren.

Konflikte werden nach deren Art unterschieden, dieses geschieht hinsichtlich

− der Dauer des oder der Konflikte, −der Rollenerwartung,
− der Intensität der Beanspruchung
− dem Rollenverhalten mit Auswirkungen wie etwa Zufriedenheit / Unzufriedenheit, Grad der Frustration, Grad der Selbstverwirklichung und der Selbstbestimmung.

Die Wechselwirkungen und die Modelle, die diese Wechselwirkungen zu erfassen und definieren suchen wie etwa das „Kompensationsmodell“, das „Spillover-Modell mit Crossover-Effekten auch auf andere Personen, das „Kongruenzmodell“, das „Ressource-Abfluss-Modell“ und andere Modelle versuchen eine große Anzahl von Bedingungsfaktoren zu erfassen.

Die Wirkung dieser Faktoren auf u.a. Leistungsfähigkeit und Gesundheit, die Paarbeziehung, das Wohlbefinden der Kinder und Selbstzufriedenheit und Selbstbestimmung sind Gegenstand der Untersuchung der Psychologie und Sozialökonomie.

Entscheidend bei der Entstehung von Problemen ist das Kennen und Erlernen von Bewältigungsstrategien und Unterstützungssystemen (support systems), sei es von der Gesellschaft, des Staates oder dem direkten oder indirekten Umfeld. Viele der in den beschriebenen Modellen auftretenden Wirkungen können gleichzeitig in unterschiedlicher Frequenz und Intensität auftreten, werden zunehmend komplexere integrative Modelle untersucht. So wird beispielsweise untersucht, wie sich ein möglicher Einfluss persönlicher Charakterzüge und des Geschlechts auf Art und Ausmaß der auftretenden Wechselwirkungseffekte auswirkt.

In der Statistik in Deutschland fällt besonders auf, dass hier eine große Anzahl kinderloser Akademikerinnen und eine niedrige Erwerbsquote hoch qualifizierter Mütter existiert. Kündigungsschutz und Teilzeitarbeit bilden hier einen gesetzlichen

Rahmen als Schutzbestimmungen für Mütter, die neben der Kindererziehung noch berufstätig sein wollen. Nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland im Jahre 1989 wurde eine Anpassung der beiden Systeme vollzogen, aus historischen Gründen waren hier zunächst erhebliche systemische Unterschiede vorhanden.

Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt als ein zentrales Element der Gleichstellung der Geschlechter 10) 11). Dieses gilt auch besonders im Sinne des Gender Mainstreaming. 12)

Von der Gesellschaft und den Firmen wird erwartet, dass Familien freundliche Maßnahmen Ausfallzeiten verkürzen oder verringern, somit die Doppelbelastung Familie und Beruf verringert wird und die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen (Gender Gap) verkleinert werden können. Auch die Familien bezogenen Gehaltsnachteile von Frauen mit Kindern und Frauen ohne Kinder (Family Gap) sollen verringert werden.

Die Balance von Familie und Beruf kann jedoch auch einen anderen nicht gewollten Nebeneffekt haben: die Arbeit wird unterschieden in Männer- und Frauenarbeit. Im „Fünften Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ 13) heißt es auf Seite 126: „ Der Ausschuss befürchtet, dass Maßnahmen zur Vereinbarung von Familie und Beruf stereotypen Erwartungen von Frauen und Männern Vorschub geben.“ 13)

Die Erwartungen am Arbeitsplatz und die Aufgaben und Pflichten in der Familie kollidieren oft miteinander. „Da das männlich geprägte Berufsverständnis und die moderne Arbeitsorganisation voraussetzen, dass Arbeitende dem Betrieb voll ständig zur Verfügung stehen - auch über die betrieblichen Arbeitszeiten hinaus: für Überstunden und Schichtarbeit, Weiterbildung und Dienstreisen, - wird Arbeitskräften, die potentiell eine Erwerbsunterbrechung und zeitweilige Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen, auch schon vor einer Familiengründung nur eingeschränktes Engagement unterstellt.“ 14)

In einem Beitrag zur Dokumentation zum Thema „Arbeit ohne Ende“ befasst sich die IG Metall mit:

− Teilzeitarbeit
- Flexibilisierung der Arbeitszeiten −individuelle Arbeitszeitgestaltung

und kommt zu der These: „Das stärkste Hindernis für den organisatorischen Wandel bildet das alte Leitbild männlicher, unteilbarer Führungskraft, das nach wie vor im Topmanagement der meisten Unternehmen fest verankert ist. Es (v)erklärt die erfolgreiche Managerkarriere als Opferfest des Privatlebens - und regelt ganz nebenbei den Zutritt ins Allerheiligste der Macht: Frauen haben draußen zu bleiben oder ihre Zeitwünsche an der Garderobe abzugeben; die Männer haben gezähmte Partnerinnen vorzuweisen, die selbst das Managerleben aushalten und mit absichern.“ 15)

Die Stellung von Mann und Frau in dem Spannungsfeld Beruf und Familie wird in der wissenschaftlichen Betrachtung im wesentlichen reduziert auf eine der Hauptursachen, was den Beruf anbelangt in der Geschlechter spezifischen Arbeitsteilung und der Reduzierung der Frau auf die Haus- und Familienarbeit.

Eine Diskriminierung der Frau im Berufsfeld findet schon vor der eigentlichen Berufstätigkeit und der Aufnahme einer Tätigkeit in einem Unternehmen statt, wenn der Arbeitgeber von der Annahme ausgeht, dass Frauen eines Tages Kinder bekommen und deshalb ein geringeres Entgelt gewähren. Männer dagegen werden erst dann diskriminiert, wenn sie den gesetzlich zugesicherten Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen. Dann haben auch Männer Schwierigkeiten, ihr Gehaltsniveau zu halten.

Im Englischen versteht man unter dem Begriff „caregiver discrimination“ oder „family responsibilities discrimination“ eine Ungleichbehandlung von Fürsorgepflichtigen, in der Regel von Vätern und Müttern.

In Amerika gab im Jahre 2007 das „Equal Employment Opportunity Commission“ (EEOC) Richtlinien 16) heraus, die sich mit der gesetzeswidrigen Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern mit Betreuungs- und Fürsorgepflichten in der Familie befasst. Hierin wird festgestellt, dass Arbeitnehmer, die Kinder betreuen, Behinderte betreuen oder Pflegebedürftige versorgen, Nachteile erleiden, die gesetzeswidrig sind.

Abschließende Anmerkungen

In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ durchgängig benutzt. Darin ist eine Implikation zu sehen, dergestalt, dass diese beiden Lebensbereiche von einander getrennt zu betrachtende Bereiche sind. Im Hinblick auf die vorliegende

Fragestellung werden deshalb Wechselwirkungen von Arbeit auf Familie und umgekehrt auch im Hinblick auf Zufriedenheit und Selbstbestimmung nicht ausreichend betrachtet. Arbeitszeiten und Arbeitszeitenreduktion werden in diesem Zusammenhang als Wertigkeit für das was unter „Work- Life-Balance“ subsumiert wird, nicht ausreichend betrachtet und gewichtet.

Es handelt sich nicht um Polaritäten, zwischen denen der Mensch hin und her gerissen lebt. Das Leben sollte in einer in sich ruhenden Balance verlaufen, deshalb ist in der Psychologie auch der Begriff „Life Balance“ geprägt worden und dieser trifft nach Meinung des Verfassers die Ambivalenz der Problematik in ihrer Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit am genauesten und lässt den begrifflichen Definitionsrahmen am weitesten offen.

Skeptische wissenschaftliche Meinungen verneinen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weil im Beruf:

− die Mitarbeiter immer verfügbar,
− Karriere orientiert denken und handeln müssen
− und überall (auf der Welt) einsetzbar sein müssen.

Daraus ergibt sich ein Wandel der emotionalen Lebenswelten, dieser gipfelt in der These: In der Berufswelt werden Selbstverantwortung und Anerkennung erlebt, dem zur Folge verliert das Modell Familie an Anziehungskraft besonders vor dem Hintergrund der hohen Scheidungsquote und drohe (auch emotional) zu verarmen. 17)

Literaturnachweis

1) Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears: Frustration und Aggression, in: Pädagogisches Zentrum, Veröffentlichungen Reihe C, Berichts, Bd. 18, Weinheim 1970, S. 17 f. .

2) Adler, A.: Der Aggressionstrieb im Leben und in der Neurose, In: Adler und Wexberg: Heilen und Bilden. München 1922. Adler, A.: Die Individualpsychologie, in: Saupe: Einführung in die Psychologie, Osterwieck 1928.

3) Lorenz, Konrad: Das sogenannte Böse, Wien 1063.

Lorenz, Konrad: Über tierisches und menschliches Verhalten, 2 Bde, München 1965.

4) Lersch, Philipp: Aufbau der Person, München1966, S. 187 ff. .

5) Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears: Frustration und Aggression, ebenda, S. 26 ff. .

6) Textor, Martin R. : Mutterwerdung - Mutterschaft. In: Das Online Familienhandbuch. Letzte angegebene Änderung: 30.Dezember 2006.

7) Volz, Rainer und Zulehner, Paul M. : Männer in Bewegung (Studie des BMFSFJ); Nomos Verlag 2009.

8) Teilzeitbeschäftigte Personen - Männer und teilzeitbeschäftigte Personen - Frauen, In: Eurostat Datenbank.

9) Babies and Bosses: Familiy-Friendly Policy Can Genarate a Range of Benefits to Society. OECD, 2002.

10) ILO stellt zweiten globalen Bericht zur Diskriminierung bei der Arbeit vor, In: Entwicklungspolitik Online. Www.epo.de.

11) Entschließung des Rates und der im Rat Vereinigten Minister für Beschäftigung und Sozielpolitik vom 29. Juni 2000 über eine ausgewogene Teilhabe von Frauen und Männern am Berufs- und Familienleben. In: Amtsblatt Nr. C 218 vom 31. Juli 2000, S. 5-7.

12) Gender Mainstreaming. Europäische Kommission. (Webseite der Europäischen Kommission)

13) Fünfter Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung. 19. November 2002, S. 126.

14) Geissler, Birgit: Hierarchie und Differenz - Die (Un-) Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die soziale Konstruktion der Geschlechterhierarchie im Beruf.

15) Kadritzke, Ulf: Hochqualifizierte Angestellte und Manager unter Druck - Anspruch und Wirklichkeit flexibler Zeitorganisation. In: IG Metall, Thema „Arbeit ohne Ende“.

16) „Enforcement guidance: Unlawful disparate treatment of workers with caregiving responsibilities. 23. Mai 2007.

17) Hochschild, Arlie: Keine Zeit - Wenn die Firma zum zu Hause wird und zu Hause nur Arbeit wartet, Opladen 2002.

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Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
4 Veröffentlichungen über Ethik
Untertitel
Ethik
Autor
Jahr
2011
Seiten
60
Katalognummer
V168318
ISBN (eBook)
9783640852307
ISBN (Buch)
9783640852574
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zufriedenheit und Selbstbestimmung in Familie und Beruf, Wahrnehmung in der Philosophie und Wissenschaft, Searls Theorie von Sprechakten, Abtreibung unter bioethischen Aspekten
Arbeit zitieren
Manfred Rahn (Autor), 2011, 4 Veröffentlichungen über Ethik , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168318

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