Einsamkeit im Bild. Das Isolationsmotiv in „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich und „Nighthawks“ von Edward Hopper


Facharbeit (Schule), 2009

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Vorstellung der Künstler und ihrer Werke anhand einer kunstgeschichtlichen Einordnung, basierend auf einem historischen und gesellschaftlichen Kontext der Epoche, sowie einer Bildbeschreibung und -analyse der ausgewählten Werke
2.1. Romantik - Caspar David Friedrich
2.1.1. Bildbeschreibung und -analyse des Bildes
„Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) von Caspar David Friedrich
2.2.1. American Scene - Edward Hopper
2.2.1. Bildbeschreibung und -analyse des Bildes
„Nighthawks“ (1942) von Edward Hopper

3. Vergleich der Isolationsmotive aus den Werken „Wanderer über dem
Nebelmeer“ (1818) von Caspar David Friedrich und „Nighthawks“ (1942)
von Edward Hopper

4. Urbane Coolness oder vollklimatisierter Alptraum? - Ein Beispiel der Darstellung von Isolation aus der zeitgenössischen Kunst

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einführung

Als ein stetig präsenter Faktor in unserer Gesellschaft hat das Gefühl der Einsamkeit im Laufe der kulturgeschichtlichen Epochen auch den Weg in die Kunst gefunden. Laut der Definition verschiedener Lexika, bezeichnet der Begriff Einsamkeit, das Gefühl von anderen Menschen isoliert oder abgeschieden zu sein. Doch lässt sich ein unsichtbares Gefühl wirklich so allgemein definieren?

Gegenstand der Facharbeit ist der Vergleich der Isolationsmotive in den Werken „Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) von Caspar David Friedrich und „Nighthawks“ (1942) von Edward Hopper.

Da beide Künstler verschiedenen Epochen zuzuordnen sind, werde ich zunächst einen Überblick der Epochen, basierend auf dem gesellschaftlichen und historischen Kontext geben. Durch die Einordnung Caspar David Friedrichs in die Romantik und die Einordnung Edward Hoppers in die Moderne bzw. in die American Scene, werde ich die Geisteshaltung der Künstler ihrer Epoche gegenüber erläutern.

Eine Bildbeschreibung und -analyse der Werke geschieht vorbereitend auf die anschließende Auswertung der Isolationsmotive und den Vergleich dieser. Herausgestellt wird hierbei auch die Bewertung der Einsamkeit in den vorgestellten Epochen.

Ein Beispiel aus der modernen Kunst soll die Empfindung und Verarbeitung des Motivs der Einsamkeit in der heutigen Zeit verdeutlichen.

2. Vorstellung der Künstler und ihrer Werke anhand einer kunstgeschichtlichen Einordnung, basierend auf einem historischen und gesellschaftlichen Kontext der Epoche, sowie einer Bildbeschreibung und -analyse der ausgewählten Werke

2.1. Romantik - Caspar David Friedrich

Die Epoche der Romantik umfasst eine von Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hineinreichende gesamteuropäische geistes- und kunstgeschichtliche Ära, die ihren Höhepunkt in Deutschland fand. Allerdings ist der Begriff der Romantik älter als die Epoche selbst. Er entstand im 17. Jahrhundert zur Beschreibung romanhaften Erzählens fiktiver Geschichten im Roman und der Romanze.1 „Die Einordnung der Romantik sowie ihre Abgrenzung im Verhältnis zur Klassik [] wird dadurch erschwert, daß in der Romantik Bewußtsein und

Reflexion, aber auch die Abgründe des Seelischen [] für entscheidend galten.“2 Die Ro- mantiker stellten dem von nüchterner Vernunft und wissenschaftlicher Forschung geprägten Zeitalter der Aufklärung und Klassik das Seelenleben der Menschen, das Mystische und Wunderbare entgegen.3 Während die von Kant begründete Aufklärung forderte sich dem eigenen Verstand, als Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu bedienen, sahen die Romantiker in der Religion die Grundlage ihres Selbstverständnisses.4 „Die Romantik war eine Gegenwelt zur Vernunft: Der Traum, die Sehnsüchte, das Unbewusste, das Dämonische und das Heilige galten als darstellenswert.“5 Vertreter der Romantik sahen die Gesellschaft geprägt vom Gewinnstreben und vom bloßen Nützlichkeitsdenken des beginnenden industriellen Zeitalters und lehnten die Wirklichkeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts radikal ab.6 „Mit der Empfindsamkeit verband sie das Aufgehen empirischer Wirklichkeit in einer höheren, kunstgeschaffenen.“7 Auf dem Hintergrund ihrer individualistischen Grundeinstellung isolierten sich die Romantiker durch die Flucht aus der Wirklichkeit, in phantastische und idyllische Welten, weitestgehend aus dem gesellschaftlichen Leben. Die Idee der Romantik basierte auf der individuellen Entfaltung des Geistes, welcher es dem Künstler ermöglichte sich in romantischer Freiheit über die eigene Kunst und Genialität zu erheben und selbstkreierte Sinneswelten, als Flucht aus der Wirklichkeit in eine „Autonomie künstlerischer Weltsicht“, in seine Werke einzubinden.8

Anders als die Klassiker waren die Romantiker Kritiker der bestehenden Gesellschaftsstruktur und unterstützten zunächst die republikanischen Ideen der französischen Revolution wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, welche eine Umstrukturierung der feudalen Ständegesellschaft einleiten sollten. Im Jahre 1806 führte der durch die Napoleonischen Kriege und dem gegründeten Rheinbund verursachte Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation besonders zur Idealisierung des Mittel- alters als letzte universale Kultur,9 da die Menschen durch den christlichen Glauben verbunden gewesen seien.10

Der Grundgedanke der romantischen Auffassung umfasste die „Poetisierung“ des Lebens.11 „Die erstrebte Annullierung der Aufklärung, die Rückverwandlung des Wissens ins Unbewußte und die künstliche Herstellung eines »mythischen« Zustandes sollten die Kluft zwischen der Volkspoesie und der verfeinerten Dogma schließen und auf artistischem Wege zu einer Re- poetisierung des Lebens führen.“12 Romantiker sahen die romantische Poesie als eine „progressive Universalpoesie“ und eine Rückbesinnung auf das Mittelalter. Die Universalpoesie sollte sowohl Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, als auch Kunstpoesie und Naturpoesie miteinander in Beziehung setzen.13

Die Veränderungen im gesellschaftlichen Denken beeinflussten auch die Kultur und inspirierten Maler, Musiker, Philosophen und Schriftsteller zu neuartigen Werken.14 Eine bezeichnende Forderung der Romantiker war die „Synästhesie“, das Farbenhören und Musiksehen, mit dem einzelne Sinnesgebiete miteinander kombiniert wurden, sodass die Künste teilweise schwellenlos ineinander übergingen und nur miteinander funktionierten.15

Beeinflusst waren die Romantiker von den Philosophen Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) und Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854), die den Geist bzw. die Natur als grundlegendes Prinzip allen Seins betrachteten.16 In keiner vorhergehenden Epoche war die Landschaft so umfassend begriffen und mit religiösem Gehalt erfüllt worden wie in der Romantik. Mensch und Natur wurden in eine innige Beziehung gesetzt und beziehungsreiche Kompositionen lösten in der Kunst die statischen Ordnungen der Klassik ab.17 Die Künstler sahen in der Landschaft die Wahrnehmung des Göttlichen und die rückhaltlose Selbsterkenntnis. Dabei ging es nicht um die naturalistische Darstellung der Natur, sondern viel mehr um die Vermittlung des Gemütszustandes des Künstlers durch das gewählte Motiv.18

Caspar David Friedrich gilt als zentrale Figur der Romantik und als berühmter Vertreter der Landschaftsmalerei. Der deutsche Maler und Grafiker wurde am 5. 9. 1774 in bescheidenen Verhältnissen in Greifswald geboren. Im Alter von 16 Jahren begann er eine Ausbildung zum Illustrator. Der Lehrer prägte Caspar David Friedrich zum einen in seiner Motivwahl, zum anderen in seiner Weltsicht nachhaltig. Quistorp machte ihn früh auf die Schönheit und Bedeutung der Landschaft seiner nordischen Heimat aufmerksam und machte ihm so die philosophischen Ideen seiner Zeit, zum Beispiel die aufgeklärte Gefühlsfrömmigkeit zugänglich.

Mit zwanzig Jahren verließ Caspar David Friedrich Greifswald zum ersten Mal und ging für vier Jahre an die Kunstakademie in Kopenhagen. Später ließ er sich in Dresden, dem Zentrum der Frühromantik, nieder. Durch sein erstes Ölgemälde, "Das Kreuz im Gebirge" (1808) löste der Maler heftige Diskussionen aus. Seine Arbeit verschaffte ihm erste Erfolge und Auszeichnungen, sodass er an Popularität und Prominenz gewann.

Aufenthalte auf Rügen und in Greifswald, sowie eine längere Wanderung im Riesengebirge im Jahr 1810 inspirierten zu einigen großen Bildern.

„Auch in den Jahren der Befreiungskriege, da der patriotische Sinngehalt seiner Bilder den Publikumsgeschmack traf, wurde Friedrich nie wirklich wohlhabend, obwohl er durchaus Berühmtheit erlangte. Mit dem Zurückgehen der allgemeinen patriotischen Begeisterung nach den Befreiungskriegen schadete dem Maler seine gleich bleibend nationale Einstellung eher.“19

Seine letzten fünf Lebensjahre waren geprägt von Menschenfeindlichkeit und der damit verbundenen Vereinsamung. Er fühlte sich in seiner Kunst unverstanden und zog sich immer mehr zurück. Durch gesundheitliche Schwierigkeiten konnte Caspar David Friedrich seinem Handwerk nur noch eingeschränkt nachgehen, sodass er in finanzielle Not geriet. Am 7. Mai 1840 verstarb Caspar David Friedrich, nach zwei Schlaganfällen in Dresden.20

Friedrich vollzog, beeinflusst durch die Veränderungen in der Kunst und Gesellschaft, einen endgültigen Bruch mit Moden und Konventionen und verließ die Tradition der Landschaftsmalerei. Durch eine neue Formsprache versuchte er seine tief religiösen und politischen Ansichten symbolisch auszudrücken und gleichzeitig seine starke emotionale Verbindung zur Natur mitzuteilen. Caspar David Friedrich verpflichtete sich sowohl der italienischen, als auch der empirischen Tradition und verband Aspekte der Kompositionsweise Claude Lorrains, der für seine idealistische Landschaftmalerei bekannt ist, mit einem durch Beobachtung erlangten Naturalismus.21

In seinem Verständnis sollte Kunst zwischen den beiden Werken Gottes, Mensch und Natur, vermitteln. Durch eine realistisch-emotionale Darstellungsweise der Landschaften verarbeitete Caspar David Friedrich Stimmungen und Empfindungen.

2.1.1. Bildbeschreibung und -analyse des Bildes

„Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) von Caspar David Friedrich

Das Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich, entstand im Jahre 1818 und wurde in Öl auf Leinwand im Format 94,8 cm x 74,8 cm gemalt. Heute befindet sich das Werk in der Hamburger Kunsthalle.22

[...]


1 vgl. Dr. Langermann, Detlef: „Duden Literatur - Basiswissen Schule“, Duden PAETEC Schulbuchverlag (2006), S. 284

2 Frenzel, Herbert A. und Elisabeth: „Daten deutscher Dichtung - Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte - Band 1 Von den Anfängen bis zum Jungen Deutschland“, Deutscher Taschenbuchverlag (1990), S. 296, Z. 12-14

3 vgl. Schmitz, Alfried (o.J.): „Literatur der Romantik“ auf Planet Wissen Online: http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,30BD4B7B540B4860E0440003BA5E0921,,,,,,,,,,,,,,,.html (1.3.2009)

4 vgl. Eschenburg, Barbara, „Landschaft in der deutschen Malerei - Vom späten Mittelalter bis heute“, Verlag C.H. Beck München (1987), S.123

5 Dr. Langermann (2006), S. 284, Z. 28-30

6 vgl. Pohl, Wolfgang (o.J.) : „Romantik (1798-1835)“ auf Homepage Wolfgang Pohl: http://www.pohlw.de/literatur/epochen/romantik.html (1.3.2009)

7 Dr. Langermann (2006), S. 284, Z. 25-27

8 vgl. Frenzel (1990), S. 299

9 vgl. Dr. Langermann (2006), S. 284

10 vgl. Pohl (o.J.), http://www.pohlw.de/literatur/epochen/romantik.html (1.3.2009)

11 vgl. Frenzel (1990), S. 299

12 Frenzel (1990), S. 299, Z. 11-16

13 vgl. Frenzel (1990), S. 299

14 vgl. Schmitz (o.J.),

http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,30BD4B7B540B4860E0440003BA5E0921,,,,,,,,,,,,,,,.html (1.3.2009)

15 vgl. Frenzel (1990), S. 299

16 vgl. Frenzel (1990), S. 297

17 vgl. Jahn/Haubenreisser: „Wörterbuch der Kunst“, Alfred Kröner Verlag (1989), S. 724

18 vgl. Schmied, Wieland, „Caspar David Friedrich“, DuMont Buchverlag (2002), S. 20 5

19 o.V. (2007): „Zeitreise Mitteldeutschland - Caspar David Friedrich (1774-1840)“ auf MDR Online: http://www.mdr.de/geschichte/reise/personen/128674.html (1.3.2009)

20 ebd.

21 vgl. o.V.: „Caspar David Friedrich“, Verlag Atelier im Bauernhaus (1993), S. 7

22 vgl. Thomas, Karin; Seydel, Fritz; Prof. Dr. Sowa, Hubert, „Bildatlas Kunst“, Ernst Klett Verlag Stuttgart (2007), S. 132

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Details

Titel
Einsamkeit im Bild. Das Isolationsmotiv in „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich und „Nighthawks“ von Edward Hopper
Hochschule
Schiller-Gymnasium, Hameln
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V168327
ISBN (eBook)
9783640855735
ISBN (Buch)
9783640855674
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, zeitgenössiche Kunst, Edward Hopper, Nighthawks, American-Scene, Ashcan-School, Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer, Romantik, Tim Eitel, Bildbeschreibung, Bildanalyse, Bildvergleich, Motiv, Epoche, Melancholie, Werk, Isolation, Einsamkeit, freiwillig, fremdbestimmt, Amerika, Deutschland, urban, Natur, Gefühl, Künstler, moderne Kunst, Moderne, Bewertung, Empfindung, Verarbeitung, Kultur, geisteswissenschaftlich, kulturgeschichtlich, Seele, Mensch, Individuum, Industrialisierung, Großstadt, Empfindsamkeit, Geisteshaltung, Raum, Zeit, öffentlich, Öffentlichkeit, Sujet, Land, Malerei, Bild, Gemälde, Analyse, Beschreibung, Thema Caspar David Friedrich
Arbeit zitieren
Lisa Marie Knitter (Autor), 2009, Einsamkeit im Bild. Das Isolationsmotiv in „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich und „Nighthawks“ von Edward Hopper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168327

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