Karl der Große gilt als einer der prägendsten Herrscher des frühen Mittelalters – doch wie begründete er seine umfassenden Kirchen- und Bildungsreformen? Diese Hausarbeit untersucht die Admonitio generalis von 789 als zentrales Reformprogramm der Karolingerzeit und zeigt, wie gezielt biblische Bezüge zur politischen Legitimation und gesellschaftlichen Disziplinierung eingesetzt wurden. Im Fokus stehen dabei alttestamentliche Vorbilder wie König Josias sowie die Rezeption der Zehn Gebote als Fundament karolingischer Rechts- und Ordnungsvorstellungen. Die Arbeit verbindet historische Kontextualisierung mit einer textnahen Analyse und macht deutlich, wie eng Herrschaft, Religion und Bildung im Denken Karls des Großen verflochten waren.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hintergrund, Aufbau und Inhalt der Admonitio generalis
- 2.1. Historischer Kontext zur Entstehung
- 2.2. Struktur und Inhalt.
- 3. Analyse von biblischen Bezügen in der Admonitio generalis
- 3.1. Die Beziehung Karls zu König Josias
- 3.2. Recht und Rechtsprechung nach biblischem Vorbild
- 4. Fazit
- 5. Quellen-, Literatur- und Internetquellenverzeichnis.
- 5.1. Quellen
- 5.2. Forschungsliteratur.
- 5.3. Internetquellen..
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die biblischen Bezüge in der Admonitio generalis Karls des Großen detailliert herauszuarbeiten und deren spezifischen Einfluss sowie ihre Funktion für die Vermittlung und Durchsetzung der Kirchen- und Bildungsreformen zu bestimmen. Dabei wird die bisher unzureichend thematisierte Relevanz biblischer Verweise im frühmittelalterlichen Kontext in den Vordergrund gestellt.
- Analyse des historischen Kontextes zur Entstehung der Admonitio generalis.
- Untersuchung der Struktur und des Inhalts der Admonitio generalis.
- Identifikation und Interpretation biblischer Bezüge innerhalb des Kapitulare.
- Die Vorbildfunktion von König Josias für Karl den Großen.
- Biblische Grundlagen für Recht und Rechtsprechung in der Karolingerzeit.
- Die Rolle der Bibel bei der Durchsetzung der Kirchen- und Bildungsreformen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Beziehung Karls zu König Josias
Wie schon im vorangegangenen Teil dieser Arbeit erwähnt, verweist Karl im Vorwort der Admonitio generalis auf den judäischen König Josias. Dessen Geschichte lässt sich in der Bibel im zweiten Buch der Könige finden. Hierbei ergeben heutige Forschungen, dass Josias im siebten Jahrhundert vor Christus lebte und herrschte.41 Karl erläutert, dass Josias aufgrund seines Wirkens als Vorbild angesehen werden könne, wobei er aber auch betont, dass er sich nicht auf eine Stufe mit dem judäischen Herrscher stellen wolle.42 Um zu verstehen, warum Karl Josias als Maßstab für die auszuführenden Reform hervorhebt, müssen zunächst die in der Bibel erzählten Gegebenheiten genauer betrachtet werden. Josias, welcher in einigen Schreibweisen auch als „Joschija“ bekannt ist, besteigt schon in frühem Alter den Thron des judäischen Reiches.43 Durch mehrere militärische Niederlagen hatte Juda, welches nach der Teilung des Königreiches Israels auch Südreich genannt wurde, in den Jahrzehnten zuvor große Gebietsabschnitte an angrenzenden Staaten verloren, wodurch gleichzeitig auch der Einfluss fremder Religionen und Kulte auf das Land anstieg.44 Im 18. Jahr seiner Herrschaft ordnet Josias eine Restauration des Jerusalemer Tempels an, was schließlich zum Auslöser der Geschichte wird.45 Während der Renovierungsarbeiten stoßen Arbeiter auf ein heiliges Buch aus den alten Tagen Israels, bei welchem es sich vermutlich um einen Ausschnitt der Tora handelt. 46 Als die Priester dieses Schriftstück Josias präsentieren und daraus vorlesen, zerreißt der judäische König seine Kleider,47 was als Zeichen für Demut vor Gott ausgelegt werden kann. 48 Als Konsequenz dieses Ereignisses lässt Josias über seine Priester Gott zu seiner Zukunft befragen. Dieser antwortet, dass Josias zwar ein gerechter König sei und nach Gottes Willen handele, Juda wegen seiner Verfehlungen nach dem Tod Josias aber ausgelöscht werden würde.49 Daraufhin lässt der judäische König das gesamte Volk versammeln und verkündet ein Reformprogramm, welches in der Theologie auch „Bundeserneuerung“ genannt wird. 50 Um die Beziehung zu Gott wieder zu stärken und somit das prophezeite Ende Judas abzuwenden, erlässt Josias mehrere Beschlüsse, die darauf abzielen, fremde Kulteinflüsse zu beenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Thema der Admonitio generalis ein, beleuchtet ihre Entstehung unter Karl dem Großen und Alcuin und begründet die Relevanz der Untersuchung biblischer Bezüge für die Reformbestrebungen im Frankenreich.
2. Hintergrund, Aufbau und Inhalt der Admonitio generalis: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Kontext der Entstehung der Admonitio generalis, fasst ihre Struktur und ihren Inhalt zusammen und ordnet sie als grundlegenden Versuch zur Kirchen- und Bildungsreform ein.
3. Analyse von biblischen Bezügen in der Admonitio generalis: Hier werden ausgewählte biblische Bezüge in der Admonitio generalis detailliert analysiert, wobei insbesondere die Vorbildfunktion König Josias und die Anwendung biblischer Rechtsgrundsätze im Vordergrund stehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, hebt den maßgeblichen Einfluss biblischer Erzählungen auf die Reformen Karls des Großen hervor und schlägt zukünftige Forschungsperspektiven zur tatsächlichen Umsetzung der Admonitio generalis vor.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Admonitio generalis, Kirchenreform, Bildungsreform, biblische Bezüge, Alcuin, König Josias, Zehn Gebote, Frankenreich, Karolingerzeit, Altes Testament, Rechtsprechung, Gottes Wille, Jüngstes Gericht, Kapitularien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss und die Funktion biblischer Bezüge in der "Admonitio generalis" Karls des Großen zur Durchsetzung der Kirchen- und Bildungsreform im Frankenreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die "Admonitio generalis", Karl der Große, biblische Verweise im Mittelalter, Kirchenreform, Bildungsreform und die Rolle von biblischen Vorbildern wie König Josias.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, biblische Bezüge in der "Admonitio generalis" herauszuarbeiten und deren Einfluss sowie Funktion für die Vermittlung von Karls Reformen zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der "Admonitio generalis" anhand der kritischen Edition der MGH und interpretiert biblische Bezüge im historischen Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den historischen Kontext, die Struktur und den Inhalt der "Admonitio generalis", gefolgt von einer tiefgehenden Analyse ausgewählter biblischer Bezüge, insbesondere der Beziehung Karls zu König Josias und biblischer Vorbilder für Recht und Rechtsprechung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Schlüsselwörter sind unter anderem Karl der Große, Admonitio generalis, Kirchenreform, Bildungsreform, biblische Bezüge, Alcuin, König Josias, Zehn Gebote und Frankenreich.
Welche Bedeutung hatte König Josias für Karl den Großen und die Admonitio generalis?
König Josias diente Karl dem Großen als zentrales Vorbild für die Reformbestrebungen. Seine biblische Geschichte, in der er eine "Bundeserneuerung" durchführte und fremde Kulteinflüsse beendete, inspirierte Karl zu ähnlichen Maßnahmen zur Ausrichtung des Frankenreichs auf ein christliches Leben.
Wie spiegeln sich die Zehn Gebote in Karls Reformen wider?
Die Zehn Gebote finden sich umfassend im zweiten Hauptteil der "Admonitio generalis" wieder. Karl nahm sie als rechtliche Grundsätze auf, um das Zusammenleben der Franken nach biblischem Vorbild zu gestalten und Fehlverhalten zu ahnden, oft mit Verweisen auf die Konsequenzen im Jüngsten Gericht.
Welche Rolle spielte Alcuin bei der Abfassung der Admonitio generalis?
Alcuin, ein Hofgelehrter Karls des Großen und enger Vertrauter, war maßgeblich an der sprachlich eleganten Verfassung der "Admonitio generalis" beteiligt und verwendete dabei häufig biblische Bezüge und Symboliken, um Karls Anweisungen zu verdeutlichen.
Welche Naturereignisse beeinflussten Karls Wunsch nach Reformen?
Ein starkes Unwetter im Winter 786 und insbesondere eine Sonnenfinsternis am 16. September 787, die als negatives Zeichen Gottes gedeutet wurde, motivierten Karl zusätzlich, verstärkte Reformen zur gottesnäheren Lebensweise in der Gesellschaft voranzutreiben.
- Arbeit zitieren
- M. Mildenberger (Autor:in), 2024, Karl der Große und die Admonitio generalis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683427