Diese Hausarbeit bietet eine fundierte ethische Auseinandersetzung mit zentralen Fragestellungen aus dem polizeilichen Berufsalltag. Sie richtet sich insbesondere an angehende Polizistinnen und Polizisten sowie an Ethik-Studierende, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung oder eines wissenschaftlichen Schreibprojekts mit Themen wie Verantwortung, moralischen Dilemmata und berufsethischen Grundsätzen beschäftigen möchten. Die Arbeit dient nicht nur als inhaltliche Orientierung, sondern auch als Inspiration für eigene schriftliche Leistungen im Bereich der angewandten Ethik.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Zusammenfassung der GMS
- 1. Der Mensch als autonomes Vernunftwesen
- 2. Kants Kategorischer Imperativ (KI)
- III. Kants Selbstzweckformel
- IV. Das Selbstmordverbot nach Kant
- V. Fazit
- VI. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der eingehenden Untersuchung von Immanuel Kants "Selbstzweckformel" im Kontext seiner Moralphilosophie. Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, warum Menschen nach Kant stets als Selbstzweck und nicht bloß als Mittel behandelt werden sollten, und welche Auswirkungen die Selbstzweckformel am Beispiel der Selbsttötung hat.
- Kants Kategorischer Imperativ und seine Grundlagen
- Die Herleitung und Bedeutung der Selbstzweckformel
- Das Konzept des Menschen als autonomes Vernunftwesen
- Die Unterscheidung zwischen relativen und absoluten Zwecken sowie die Rolle der menschlichen Würde
- Kants Selbstmordverbot als Anwendungsfall der Selbstzweckformel
- Die Reflexion über die Relevanz von Kants Ethik in der Realität, auch unter Berücksichtigung des sozialen Umfelds
Auszug aus dem Buch
III. Kants Selbstzweckformel
Um verstehen zu können, was Kant mit der Selbstzweckformel meint, gilt es den Zweckbegriff in der folgenden Formel und die Verbindung zum Willen zu erläutern: „Handle so, daß [sic!] du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“
Für Kant gibt es materielle Zwecke, welche „[...] insgesamt nur relativ“ sein können. „Daher sind alle diese relativen Zwecke nur der Grund von hypothetischen Imperativen.“ Die Einverleibung des Wertes der materiellen Zwecke erfolgt durch subjektive Zwecke und dienen der Befriedigung von Bedürfnissen. Somit sind subjektive Zwecke an das autonome Wesen gebunden. Als Beispiel gilt für subjektive Zwecke das Streben nach dem Glück, zum Beispiel die berufliche Karriere oder jene Sportart, die einem Spaß macht. Darüber hinaus gibt es für Kant auch absolute Zwecke, die „an sich selbst einen absoluten Wert“ haben und objektiv gelten. Die Würde des Menschen gilt als inneres Gut jedes Vernunftwesens und wird relativen Zwecks gegenübergestellt. Die Würde ist eine angeborene Qualität aller Wesen mit Vernunft. Sie genießen einen hohen moralischen Stellenwert in der Werthierarchie und haben die Fähigkeit, sich selbst Gesetze zu geben, die man zugleich als verpflichtend erachtet. Folglich haben alle autonome Vernunftwesen einen absoluten Wert an sich.
Die Formel hebt den Kerngedanken von Kants Ethik hervor: Autonomie. Die Autonomie ist eine zentrale Rolle des menschlichen Handelns, damit Vernunftwesen nicht fremdbestimmt handeln. Es ist die Aufgabe jedes Menschen, moralisch selbstbestimmt zu handeln. Nach Kant unterliegen wir jenem Gesetz durch unsere Autonomie. „Der uneingeschränkt gute Wille folgt nicht einer externen Bestimmung, unterliegt also keiner ihm fremden Gesetzgebung [...], sondern unterliegt der Gesetzgebung, besitzt also Autonomie.“ Der Mensch unterliegt lediglich seinem eigenen Sittengesetz. Folglich ist der Wille an Autonomie als Prinzip des Handelns gebunden. Nun ist zu klären, wie die Autonomie mit der Würde in Verbindung steht. Die Inanspruchnahme der Würde stellt Menschen vor keinerlei Bedingungen, denn jeder besitzt von seiner Geburt an eine Würde. Dies ist in der Selbstzweckhaftigkeit des Menschen begründet. Eine Würde zu besitzen bedeutet, dass man „sich aus eigenem Entschluss bessern kann.“ Daraus folgt, dass jeder, der eine Würde besitzt, die Möglichkeit hat, als Selbstzweck zu existieren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Immanuel Kants Kategorischen Imperativ und die Selbstzweckformel ein, grenzt Kants nicht-konsequentialistische Ethik vom Utilitarismus ab und stellt die Forschungsfrage nach der Behandlung des Menschen als Selbstzweck im Kontext des Selbstmordverbots.
II. Zusammenfassung der GMS: Hierin werden die Grundbegriffe aus Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" (GMS) erläutert, wobei der Mensch als autonomes Vernunftwesen und der Kategorische Imperativ als universeller Handlungskompass im Mittelpunkt stehen.
III. Kants Selbstzweckformel: Das Kapitel erklärt Kants Selbstzweckformel, indem es materielle und absolute Zwecke unterscheidet und die menschliche Würde als inhärenten, absoluten Wert und die Autonomie als Kernprinzip von Kants Ethik hervorhebt.
IV. Das Selbstmordverbot nach Kant: Dieses Kapitel befasst sich mit Kants Selbstmordverbot, das einen Suizid als Instrumentalisierung des Menschen und Verletzung der Selbstzweckformel betrachtet, ergänzt durch ein persönliches Beispiel und die Frage nach der Rolle des sozialen Umfelds.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kants Kategorischer Imperativ als moralischer Kompass dient und die Selbstzweckformel die absolute Würde des Menschen unterstreicht, diskutiert aber auch die Herausforderungen der praktischen Anwendung, insbesondere im Fall des Selbstmordverbots und dessen realitätsferne Aspekte.
Schlüsselwörter
Kant, Immanuel Kant, Selbstzweckformel, Selbstmordverbot, Kategorischer Imperativ, GMS, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Ethik, Moral, Autonomie, Vernunftwesen, Würde, Utilitarismus, Nicht-Konsequentialismus, Pflichtenethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit Immanuel Kants Selbstzweckformel und ihrer Anwendung auf das Selbstmordverbot als ethische Reflexion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Kants Moralphilosophie, der Kategorische Imperativ, die Selbstzweckformel, Autonomie und Würde des Menschen sowie das Selbstmordverbot im Kantischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, warum Menschen nach Kant stets als Selbstzweck und nicht bloß als Mittel behandelt werden sollten, und welche Auswirkungen die Selbstzweckformel am Beispiel der Selbsttötung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine ethische Reflexion und Analyse von Kants Moralphilosophie, insbesondere seiner "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" zusammengefasst, der Kategorische Imperativ erläutert, Kants Selbstzweckformel ausführlich erklärt und das Selbstmordverbot nach Kant diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Kant, Selbstzweckformel, Selbstmordverbot, Kategorischer Imperativ, Ethik, Moral, Autonomie und Würde.
Wie grenzt sich Kants Ethik vom Utilitarismus ab?
Kants Ethik ist nicht-konsequentialistisch und deontologisch, was bedeutet, dass sie Handlungen nach ihren Maximen und Pflichten bewertet, nicht nach ihren möglichen Folgen, wie es der Utilitarismus tut.
Was versteht Kant unter einem "autonomen Vernunftwesen"?
Ein autonomes Vernunftwesen ist für Kant ein Wesen, das frei in Denken und Handeln ist, sich selbst Gesetze geben kann, die es als verpflichtend anerkennt, und dessen Wille durch die Vernunft bestimmt wird.
Welche Rolle spielt die Würde des Menschen in Kants Selbstzweckformel?
Die Würde des Menschen verleiht ihm einen absoluten, inneren Wert und begründet seine Existenz als Selbstzweck, der niemals bloß als Mittel gebraucht werden darf, sondern immer als Zweck an sich selbst.
Wird das soziale Umfeld bei Kants Selbstmordverbot berücksichtigt?
Das Dokument stellt fest, dass Kants Theorie das soziale Umfeld beim Suizid nicht explizit berücksichtigt, obwohl die Selbsttötung erhebliche Auswirkungen auf die Hinterbliebenen hat, wie am Beispiel einer jungen Mutter verdeutlicht wird.
- Arbeit zitieren
- Sinan Fidan (Autor:in), 2020, Die Selbstzweckformel und das Selbstmordverbot bei Immanuel Kant. Eine ethische Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683718