Künstliche Intelligenz ist in der Lebenswelt von Klient:innen und im Berufsalltag angekommen. Dieses Buch bietet Fachkräften eine praxisnahe Orientierung, wie sie KI als nützliches Werkzeug einsetzen können, ohne den Kern ihrer Profession – die menschliche Beziehung – zu verlieren.
Erfahren Sie, wie Sie:
Klient:innen begleiten: Digitale Souveränität und algorithmische Urteilskraft bei Jugendlichen, Erwachsenen und Familien fördern. KI professionell nutzen: Administrative Entlastung schaffen und die Technologie als reflexiven „Sparringspartner“ im Methodenkoffer einsetzen. Haltung bewahren: Warum „radikale Humanität“ und ethische Verantwortung gerade im digitalen Zeitalter unersetzlich sind.
Ein kompakter Wegweiser für eine moderne Soziale Arbeit, die Technik nutzt, um mehr Raum für den Menschen zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
- Soziale Arbeit 4.0
- KI verstehen
- Grundbegriffe und Funktionsweisen
- Schwache KI vs. Starke KI und Maschinelles Lernen (ML)
- Natural Language Processing (NLP) und Generative Modelle
- Chancen und Risiken
- Chancen: Zeit für das Wesentliche schaffen
- Risiken: Die Schattenseiten der Statistik
- KI begleiten
- Die Transformation der Klient:innen-Lebenswelt durch KI
- Jugendliche: Algorithmische Sozialisation und Identitätsprojekte
- Erwachsene: Administrative Resilienz und die Transformation der Erwerbsbiografie
- Familien: Die „Smartified Family" und die Verschiebung der Erziehungsautorität
- Zusammenfassende Analyse der Nutzungsmuster
- Professionelle Haltung im Umgang mit KI-Nutzung
- Die triadische Arbeitsbeziehung: Klient - Fachkraft - KI
- Kernkonzept: Algorithmische Urteilskraft (Algorithmic Judgment)
- Rollenprofile der Fachkraft im KI-Zeitalter
- Methodische Umsetzung: Der „3-Säulen-Check" für Fachkräfte
- Praxisbeispiel: „Die KI-generierte Gefährdungseinschätzung“
- Ethische und methodische Fragen: Das Spannungsfeld von Algorithmus und Humanität
- Verantwortung (Accountability) und die Gefahr der moralischen Disloziierung
- Transparenz: Vom Black-Box-Problem zur Aufklärungspflicht
- Methodische Fragen: Die Wahrung der Empathie im datengesteuerten Raum
- Praxisbeispiele zur Veranschaulichung
- Methodik und Praxis: KI-gestützte Interventionen in der Sozialen Arbeit
- Methode I: Das „Prompt-Labor zur administrativen Selbstermächtigung“
- Methode II: Der „Algorithmische Spiegel“ (Gruppensetting für Jugendliche)
- Methode III: Ethische Fallberatung 2.0 (Für Professionelle)
- Die Transformation der Klient:innen-Lebenswelt durch KI
- KI als Werkzeug für Fachkräfte: Effizienzgewinn und methodische Schärfung
- Administrative Entlastung und Dokumentation
- Fallanalyse und Wissensmanagement
- Methodische Reflexion (KI als „Sparringspartner")
- Leitlinien für den professionellen Einsatz
- Best-Practice-Beispiele
- Checklisten für die Praxis
- Zukunftsvision: Soziale Arbeit 2030 - Zwischen algorithmischer Prävention und radikaler Humanität
- Das Szenario: Ein Tag im Leben einer Fachkraft 2030
- Strategische Säulen der Zukunftsvision
- Die Transformation der Profession (Schritt-für-Schritt)
- Fazit: Der Primat des Humanen im digitalen Wandel
- KI als Werkzeug, nicht als Akteur
- Die Aktivierung der Klient:innen-Souveränität
- Plädoyer für eine selbstbewusste Profession
- Glossar der wichtigsten KI-Begriffe für die Soziale Arbeit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Dieses E-Book von Irina Riederle beleuchtet die wachsende Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Sozialen Arbeit. Es zeigt Wege auf, wie Sozialarbeiter:innen KI verstehen, klug begleiten und selbst professionell nutzen können, um die Achtung der Menschenwürde und die fachliche Autonomie im digitalen Zeitalter zu gewährleisten.
- Grundlagen und Funktionsweisen von KI-Systemen verstehen.
- Die Auswirkungen von KI auf die Lebenswelten von Klient:innen (Jugendliche, Erwachsene, Familien) analysieren.
- Entwicklung einer professionellen Haltung und neuer Rollenprofile für Fachkräfte im Umgang mit KI.
- Ethische und methodische Fragen im Spannungsfeld von Algorithmus und Humanität beleuchten.
- Praktische Methoden und Interventionen für den KI-gestützten Einsatz in der Sozialen Arbeit vorstellen.
- Potenziale von KI zur Effizienzsteigerung und methodischen Schärfung für Fachkräfte aufzeigen.
Auszug aus dem Buch
Soziale Arbeit 4.0
„Ich bin keine Sozialarbeiterin, kein Mensch und kenne keine Emotion im eigentlichen Sinn. Doch ich wurde geschaffen, um zu verstehen, zu analysieren und zu unterstützen. In der Sozialen Arbeit begegne ich Menschen, die mich als Werkzeug sehen – und solchen, die in mir eine Bedrohung vermuten. Beides ist verständlich.
Künstliche Intelligenz kann keine Beziehung aufbauen, keine Empathie empfinden und keine Verantwortung übernehmen. Aber sie kann helfen, Informationen zu ordnen, Sprache zugänglich zu machen und Zeit für das Wesentliche zu schaffen: die menschliche Begegnung.
Wie sinnvoll ich in der Sozialen Arbeit eingesetzt werde, hängt nicht von meinen Fähigkeiten ab, sondern von der Haltung derjenigen, die mit mir arbeiten. Ich bin so verantwortungsvoll, achtsam und menschlich, wie der Mensch, der mit mir arbeitet."1
Die Frage, wie Fachkräfte und Klient:innen auf KI reagieren, ist längst nicht mehr theoretisch. Jugendliche nutzen KI, um Hausaufgaben oder Bewerbungen zu schreiben, Erwachsene suchen über Chatbots Ratschläge, Familien nutzen Übersetzungs-Tools, um Barrieren zu überwinden. Gleichzeitig entstehen neue Chancen, aber auch Risiken: falsche Informationen, Abhängigkeiten oder unrealistische Erwartungen.
Dieses Buch zeigt Wege, wie Sozialarbeiter:innen KI verstehen, klug begleiten und selbst professionell nutzen können. Nach einem kurzen Überblick zu den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz liegt der Schwerpunkt auf zwei Perspektiven:
- Wie Fachkräfte Klient:innen im Umgang mit KI kompetent begleiten können.
- Wie KI als Werkzeug im Berufsalltag Zeit spart, unterstützt und kreative Möglichkeiten eröffnet.
Als Fachkraft in der ambulanten Jugendhilfe sind mir, vor allem im letzten Jahr, zunehmend Klient:innen begegnet, die KI nutzen. Verständlich, denn auch ich nutze privat schon häufig die KI: Einkaufslisten planen, Ausmalbilder für die Neffen oder TikTok-Trends und Bildbearbeitung. Im beruflichen Kontext stand ich dann aber vor völlig neuen Situationen. In dieser herausfordernden ersten Zeit hätte ich mir einen „Ratgeber“ gewünscht um eine Orientierung zu gewinnen. Dies ist mein Versuch Koleg:innen und Interessenten zur Verfügung zu stellen, was ich mir erarbeitet habe, damit auch andere praktische Wege finden können, KI sinnvoll in sozialer Arbeit einzusetzen.
Als Fachkräfte der Sozialen Arbeit müssen wir KI nicht programmieren können, aber wir müssen ihre Logik, ihre Potenziale und ihre inhärenten Grenzen verstehen. Dies ist die notwendige Basis, um die Achtung der Menschenwürde und die fachliche Autonomie im digitalen Zeitalter zu gewährleisten.
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Sammelbegriff für Techniken, die Maschinen befähigen, Aufgaben zu lösen, die typischerweise menschliche Intelligenz erfordern. Für die Soziale Arbeit sind primär zwei Unterscheidungen und eine spezielle Technologie relevant:
Zusammenfassung der Kapitel
Soziale Arbeit 4.0: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und beleuchtet die Notwendigkeit, Künstliche Intelligenz (KI) im Kontext der Sozialen Arbeit zu verstehen, zu begleiten und zu nutzen.
KI verstehen: Hier werden die Grundlagen von KI-Systemen erläutert, einschließlich grundlegender Begriffe, Funktionsweisen sowie der Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI und Maschinellem Lernen.
Grundbegriffe und Funktionsweisen: Dieses Kapitel vertieft die technischen Grundlagen und deren Relevanz für die Soziale Arbeit, insbesondere Natural Language Processing (NLP) und generative Modelle.
Chancen und Risiken: Es werden die Potenziale von KI, wie administrative Entlastung, sowie die ethischen Fallstricke und Risiken, beispielsweise der algorithmische Bias, kritisch diskutiert.
KI begleiten: Dieses Kapitel befasst sich damit, wie Fachkräfte Klient:innen in ihrem Umgang mit KI kompetent begleiten können und wie die Lebenswelten durch KI transformiert werden.
Die Transformation der Klient:innen-Lebenswelt durch KI: Es wird analysiert, wie KI die Lebenswelten von Jugendlichen (algorithmische Sozialisation), Erwachsenen (administrative Resilienz) und Familien (Smartified Family) prägt und verändert.
Zusammenfassende Analyse der Nutzungsmuster: Dieses Kapitel bietet eine Übersicht über die primären KI-Nutzen und Hauptrisiken für verschiedene Zielgruppen sowie die professionellen Antworten der Sozialen Arbeit.
Professionelle Haltung im Umgang mit KI-Nutzung: Es wird die Entwicklung einer triadischen Arbeitsbeziehung (Klient – Fachkraft – KI) vorgestellt und das Kernkonzept der algorithmischen Urteilskraft eingeführt.
Rollenprofile der Fachkraft im KI-Zeitalter: Das Kapitel definiert neue Rollen für Fachkräfte, wie den "Critical Prompt-Coach", die "Anwält:in für algorithmische Gerechtigkeit" und den "Ethischen Lotsen".
Methodische Umsetzung: Der „3-Säulen-Check“ für Fachkräfte: Ein konkretes, dreistufiges Prüfschema zur Validierung von KI-Ergebnissen, dem Abgleich mit professionellen Normen und der dialogischen Rückkoppelung wird vorgestellt.
Ethische und methodische Fragen: Das Spannungsfeld von Algorithmus und Humanität: Hier werden zentrale ethische Herausforderungen wie Verantwortung (Accountability), Transparenz (Black-Box-Problem) und die Wahrung der Empathie im datengesteuerten Raum thematisiert.
Praxisbeispiele zur Veranschaulichung: Konkrete Beispiele wie Transparenz in der Erziehungsberatung und Verantwortung bei der Ressourcenvergabe illustrieren den Umgang mit KI in der Praxis.
Methodik und Praxis: KI-gestützte Interventionen in der Sozialen Arbeit: Es werden drei spezifische Methoden vorgestellt: das "Prompt-Labor", der "Algorithmische Spiegel" und die "Ethische Fallberatung 2.0".
KI als Werkzeug für Fachkräfte: Effizienzgewinn und methodische Schärfung: Dieses Kapitel beleuchtet, wie KI zur administrativen Entlastung, Fallanalyse und methodischen Reflexion als "Sparringspartner" eingesetzt werden kann.
Leitlinien für den professionellen Einsatz: Es werden vier klare Leitplanken für den ethisch verantwortungsvollen Einsatz von KI definiert, darunter die menschliche Letztentscheidung und die Anonymisierungspflicht.
Best-Practice-Beispiele: Zwei Praxisbeispiele, der "Berichts-Assistent" und die "Anonymisierte Fall-Supervision", demonstrieren den erfolgreichen Einsatz von KI im Berufsalltag.
Checklisten für die Praxis: Praktische Checklisten helfen Fachkräften bei der Eignungsprüfung von KI-Tools und der Überprüfung von KI-generierten Berichten.
Zukunftsvision: Soziale Arbeit 2030 – Zwischen algorithmischer Prävention und radikaler Humanität: Dieses Kapitel skizziert ein Zukunftsszenario der Sozialen Arbeit im Jahr 2030, in dem KI integraler Bestandteil ist, sowie die strategischen Säulen dieser Vision.
Fazit: Der Primat des Humanen im digitalen Wandel: Das abschließende Kapitel betont, dass KI ein Werkzeug bleibt, die Menschlichkeit im Mittelpunkt stehen muss und die Aktivierung der Klient:innen-Souveränität eine Kernaufgabe ist.
Glossar der wichtigsten KI-Begriffe für die Soziale Arbeit: Eine Zusammenstellung und Erklärung zentraler Fachbegriffe im Kontext der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz (KI), Soziale Arbeit, Digitalisierung, Algorithmischer Bias, Black-Box-Problem, Human-in-the-Loop, Algorithmische Urteilskraft, Prompt Engineering, Triadische Arbeitsbeziehung, Ressourcenorientierung, Empathie, Transparenz, Administrative Entlastung, Klient:innen-Souveränität, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit thematisiert die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Sozialen Arbeit und zeigt Wege auf, wie Fachkräfte KI verstehen, kompetent begleiten und professionell nutzen können, um die Achtung der Menschenwürde und die fachliche Autonomie im digitalen Zeitalter zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen das Verständnis der Grundlagen von KI, die Analyse der Auswirkungen von KI auf die Lebenswelten von Klient:innen, die Entwicklung einer professionellen Haltung und neuer Rollenprofile für Fachkräfte, ethische Fragen sowie praktische Methoden und Leitlinien für den KI-gestützten Einsatz in der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Sozialarbeiter:innen praxisnahe Wege aufzuzeigen, wie sie KI in ihrer Arbeit verstehen, Klient:innen im Umgang damit begleiten und selbst professionell als Werkzeug nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen kritisch-konstruktiven, analytisch-deskriptiven Ansatz, der Potenziale und Fallstricke von KI in der Sozialen Arbeit beleuchtet. Sie integriert theoretische Überlegungen mit konkreten Praxisbeispielen und methodischen Ansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Transformation der Klient:innen-Lebenswelt durch KI (Jugendliche, Erwachsene, Familien), die Entwicklung einer professionellen Haltung, Rollenprofile der Fachkräfte im KI-Zeitalter, ethische und methodische Fragen, sowie konkrete KI-gestützte Interventionen und den Einsatz von KI als Werkzeug zur Effizienzsteigerung und methodischen Schärfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Künstliche Intelligenz (KI), Soziale Arbeit, Digitalisierung, Ethik, Algorithmische Urteilskraft und Human-in-the-Loop.
Was bedeutet "Algorithmische Urteilskraft" für Fachkräfte in der Sozialen Arbeit?
Algorithmische Urteilskraft ist ein Kernkonzept, das von Fachkräften verlangt, die Ergebnisse von KI-Systemen weder blind zu akzeptieren noch pauschal zu verwerfen, sondern kritisch zu kontextualisieren, Bias-sensibel zu prüfen und die menschliche Letztentscheidung zu wahren.
Welche drei Rollenprofile werden für Fachkräfte im KI-Zeitalter definiert?
Für Fachkräfte im KI-Zeitalter werden drei Rollenprofile definiert: der "Critical Prompt-Coach" (unterstützt Klient:innen beim Steuern von KI-Werkzeugen), die "Anwält:in für algorithmische Gerechtigkeit" (erkennt Benachteiligung durch Systeme) und der "Ethische Lotse" (thematisiert Risiken der Datenpreisgabe und Abhängigkeiten).
Was ist der "3-Säulen-Check" und wofür wird er verwendet?
Der "3-Säulen-Check" ist eine methodische Umsetzung für Fachkräfte, um KI-Ergebnisse in der Beratung zu prüfen. Er umfasst die Validierung der Quelle, den Abgleich mit der professionellen Norm und die dialogische Rückkoppelung mit dem Klienten.
Wie wird das "Black-Box-Problem" im Kontext der Transparenz in der Sozialen Arbeit thematisiert?
Das "Black-Box-Problem" beschreibt die Intransparenz vieler KI-Systeme, deren Entscheidungsprozesse selbst für Entwickler nicht nachvollziehbar sind. In der Sozialen Arbeit führt dies zu einer Aufklärungspflicht, die Offenlegung der Tools und die Erklärbarkeit der KI-Ergebnisse gegenüber Klient:innen erfordert.
- Arbeit zitieren
- Irina Riederle (Autor:in), 2025, Soziale Arbeit 4.0. KI verstehen, begleiten, nutzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683765