Im Rahmen dieser Arbeit soll die Bewertung der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand 1073-1075 dargestellt werden. Dazu wird im ersten Abschnitt die Relevanz der Frage nach der Rolle der Bauern herausgearbeitet, um dann einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Bauernstandes bis zum elften Jahrhundert zu geben. Dieser Überblick soll die Vorarbeit leisten zu einer im dritten Abschnitt erfolgenden Einordnung von Erklärungsansätzen für (bäuerliche) Freiheit im Mittelalter, deren Darstellung sich im dritten Teil anhand ausgewählter Literatur anschließt.
Als Illustration dessen, wie - oder auch: wie nicht - die Forschungsergebnisse und die Diskussion um die Rolle der Bauern im Sachsenaufstand verarbeitet wird, findet sich im vierten Abschnitt noch ein Vergleich der Schilderungen des Sachsenaufstandes in den gängigsten Handbüchern.
Eine Darlegung der Diskussion um die Sozialstruktur und deren Bedeutung für die Bewertung der sächsischen Aufstandsbewegung findet sich im fünften Teil dieser Arbeit, an den sich noch einige abschließende Bemerkungen sowie das Quellen- und Literaturverzeichnis anschließen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Zur Bedeutung der Fragestellung nach der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand
- 2. Abriß der Entwicklung des Herrschaftsgefüges auf dem Lande bis zum 11. Jahrhundert
- 3. Darstellung der Erklärungsansätze für bäuerliche Freiheit im Mittelalter
- 4. Die Darstellung des Sachsenaufstandes in Handbüchern
- 4.1. Die Darstellung der Sozialstruktur der Beteiligten
- 4.2. Die Gründe für den Aufstand
- 4.3. Die Rolle der Bauern
- 4.4. Die Bewertung der Zerstörung der Harzburg
- 5. Darstellung der Diskussion um die Stellung der Bauern im Sachsenaufstand
- 5.1. Zur Sozialstruktur der sächsischen Aufstandsbewegung
- 5.2. Zur Bewertung der Rolle der unterschiedlichen sozialen Gruppen
- 6. Schlußbemerkung
- 7. Quellen- und Literaturverzeichnis
- 7.1. Quellen
- 7.2. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der detaillierten Bewertung der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand von 1073 bis 1075 und deren Rezeption in der neueren Geschichtsschreibung. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Position der Bauern in diesem historischen Ereignis interpretiert und dargestellt wurde.
- Analyse der Relevanz der Frage nach der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand.
- Überblick über die sozialgeschichtliche Entwicklung des Bauernstandes bis zum 11. Jahrhundert.
- Darstellung und Einordnung verschiedener Erklärungsansätze für bäuerliche Freiheit im Mittelalter.
- Vergleichende Untersuchung der Beschreibungen des Sachsenaufstandes in gängigen historischen Handbüchern.
- Diskussion über die Sozialstruktur der sächsischen Aufstandsbewegung und die Bewertung unterschiedlicher sozialer Gruppen.
- Zusammenfassung der Forschungspositionen zur bäuerlichen Freiheit am Beispiel des Sachsenaufstandes.
Auszug aus dem Buch
1. Zur Bedeutung der Fragestellung nach der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand
Trotz dieses Vorbehaltes lassen sich in Bezug auf die Beteiligten an diesem Aufstand interessante Feststellungen treffen, deren bisherige Bearbeitung durch die Forschung – soweit es im Rahmen dieser Arbeit überhaupt möglich ist – dargestellt werden soll.
So werden in der Vita Heinrici die Beteiligten am Aufstand als "Saxones" oder als "gens" bezeichnet. Eine ebensolche Darstellung findet sich auch im Lied vom Sachsenkrieg, wo sich jedoch auch die Bezeichnungen "populus" und "populus Saxonum" finden. Eine deutliche Ausdifferenzierung findet sich in den für die Forschung auch relevanteren, weil zuverlässigeren Quellen "Brunonis Saxonicum Bello" und Lamperts "Annales". Bruno schildert, daß sich die Fürsten ("principium omnium") in Hoetensleben mit allen Sachsen ("cum omnibus Saxonibus") treffen wollen, um eine gemeinsames Vorgehen zu beraten. In Hoetensleben treffen sich dann Vornehme und Geringe ("omnes magni parvique"). Angesprochen werden die Versammelten in Hoetensleben auch als Krieger ("milites"), als Freie ("liberi") und als Edle ("ingenui"). Neben dieser Differenzierung findet sich bei Bruno bei den Schilderungen um die Harzburg noch Unterscheidung zwischen den sächsischen Fürsten, dem Volk ("populus") und Bauern ("rustici") aus der Umgebung der Harzburg, die nach Bruno für deren Zerstörung verantwortlich gewesen sein sollen. Bei Lampert von Hersfeld taucht die Differenzierung zwischen Fürsten und Volk in unterschiedlichen Begriffen auf: Er verwendet unterschiedliche Bezeichnungen für Volk ("populus", "vulgus", "vulgus Saxoniae" und "plebs") oder spricht den ganzen Stamm an ("gens"). Diese Differenzierung zwischen Fürsten, Freien, Kriegern und Bauern sowie die Verwendung des Sammelbegriffes Stamm oder Volk führt zu einer Fragestellung danach, wer diese "liberi" und "milites" sind. Sind sie identisch mit dem Volk, unterstehen sie den principes? Wenn ja, wo – in den Grundherrschaften? Gibt es also abhängige Volksmassen? Oder gibt es Freie, allerdings in bedeutender Zahl, weil sie sonst sicherlich nicht erwähnt worden wären? Haben diese Freien eigene Ziele? Können sie diese Ziele in die Diskussion bringen, können sie Einfluß nehmen?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsziel vor, nämlich die Bewertung der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand, und gibt einen Überblick über die weitere Struktur der Arbeit.
Kapitel 1: Zur Bedeutung der Fragestellung nach der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand: Dieses Kapitel legt die Relevanz der Untersuchung der Bauernrolle dar und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Quellenauswertung.
Kapitel 2: Abriß der Entwicklung des Herrschaftsgefüges auf dem Lande bis zum 11. Jahrhundert: Hier wird die sozialgeschichtliche Entwicklung des Bauernstandes bis zum 11. Jahrhundert skizziert, um soziale Differenzierungen und Abhängigkeiten zu verstehen.
Kapitel 3: Darstellung der Erklärungsansätze für bäuerliche Freiheit im Mittelalter: Dieses Kapitel präsentiert verschiedene historische Erklärungsversuche für die Existenz freier Bauern im Mittelalter, darunter die Rodungsthese und die Theorie der Königsfreien.
Kapitel 4: Die Darstellung des Sachsenaufstandes in Handbüchern: Das Kapitel vergleicht, wie der Sachsenaufstand und die beteiligten sozialen Gruppen, deren Gründe und die Rolle der Harzburg in verschiedenen gängigen Handbüchern beschrieben und bewertet werden.
Kapitel 5: Darstellung der Diskussion um die Stellung der Bauern im Sachsenaufstand: Hier wird die wissenschaftliche Diskussion über die soziale Stellung und Bedeutung der Bauern während des Aufstandes anhand ausgewählter Literatur analysiert.
Kapitel 6: Schlußbemerkung: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Beteiligung freier und abhängiger Bauern am Sachsenaufstand zusammen und ordnet die verschiedenen Forschungspositionen ein.
Kapitel 7: Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primär- und Sekundärquellen aufgelistet, die der Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Sachsenaufstand, Bauern, Heinrich IV., Mittelalter, Feudalgesellschaft, Sozialstruktur, bäuerliche Freiheit, Geschichtsschreibung, Harzburg, Fürsten, Volksmassen, Liberi, Milites, Quellenkritik, Königsfreie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und bewertet die Rolle der Bauern im Sachsenaufstand von 1073 bis 1075 und analysiert, wie diese Rolle in der neueren Geschichtsschreibung dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Relevanz der Bauernfrage, die Entwicklung des Bauernstandes, Erklärungsansätze für bäuerliche Freiheit, die Darstellung des Aufstands in Handbüchern und die wissenschaftliche Diskussion um die Sozialstruktur der Aufstandsbewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Bewertung der Rolle der Bauern im Sachsenaufstand von 1073 bis 1075 darzustellen und die zugrunde liegenden Forschungspositionen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse und dem Vergleich von Quellenauswertungen sowie der kritischen Darstellung von Forschungsergebnissen und Diskussionen in der Fachliteratur und gängigen historischen Handbüchern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung des Herrschaftsgefüges auf dem Lande, Erklärungsansätze für bäuerliche Freiheit, die Darstellung des Sachsenaufstandes in Handbüchern (Sozialstruktur, Gründe, Bauernrolle, Harzburgzerstörung) und die wissenschaftliche Diskussion zur Stellung der Bauern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Sachsenaufstand, Bauern, Heinrich IV., Mittelalter, Feudalgesellschaft, Sozialstruktur, bäuerliche Freiheit, Geschichtsschreibung, Harzburg, Fürsten, Volksmassen, Königsfreie, Quellenkritik.
Wie unterscheiden sich die Darstellungen des Sachsenaufstandes in verschiedenen historischen Handbüchern?
Die Darstellungen variieren hinsichtlich der Differenzierung der Sozialstruktur der Beteiligten, der benannten Gründe für den Aufstand und der Bewertung der Rolle der Bauern, wobei einige den Adel als alleinigen Träger sehen, während andere die Bauern als wichtige Kraft betrachten.
Welche Rolle spielten die "liberi" und "milites" im Sachsenaufstand laut den analysierten Quellen?
Laut den Quellen wurden die "liberi" (Freie) und "milites" (Krieger) in Hoetensleben angesprochen und waren Teil der Versammlung von Vornehmen und Geringen, was auf eine differenzierte soziale Beteiligung hinweist, deren genaue Identität und Ziele in der Forschung diskutiert werden.
Welche Theorien gibt es zum Ursprung der bäuerlichen Freiheit im Mittelalter?
Es gibt ältere Erklärungsversuche, die freie Bauern als Reste von Gemeinfreien oder Nachfahren altfreier Bauern sehen, sowie neuere Ansätze, die Freiheit mit dem intensiven Landesausbau (Rodung) oder als Neubildung der staufischen Epoche in Verbindung bringen.
Inwiefern war die Zerstörung der Harzburg ein kontroverses Ereignis mit unterschiedlichen Bewertungen?
Die Zerstörung der Harzburg, insbesondere die Schändung von Gräbern und des Klosters, führte zu einem Stimmungsumschwung zugunsten Heinrichs IV. und wurde in der Geschichtsschreibung unterschiedlich interpretiert, teils als Bauernaktion gegen die Feudalherren, teils als von Adeligen initiiert.
- Arbeit zitieren
- Hans-Joachim Olczyk (Autor:in), 1985, Die Bauern im Sachsenaufstand 1073-1075 und ihre Bewertung in der neueren Geschichtsschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683767