In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Drama „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist. Dabei gehe ich im Besonderen auf die Figur des Dorfrichters Adam ein. Nach einer kurzen Darlegung der Adam-Handlung werde ich mich im ersten Teil meiner Arbeit mit den philosophischen Problemen, die Adams Persönlichkeit aufwirft, auseinandersetzen. Darunter fällt ein Vergleich von Kleists Wahrheitsbegriff mit dem Nietzsches. Der Anlass dieses Vergleichs mag zunächst unklar erscheinen, da beide weder Zeitgenossen sind noch Nietzsche als ein besonderer Rezipient Kleists gilt, wird in meinen Ausführungen aber genauer erläutert. Weiterhin philosophisch orientiert werde ich mich mit dem Begriff der Willkür in Hinblick auf Adams Handeln beschäftigen und diesen dem Vergleich mit Hobbes‘ Philosophie unterziehen.
Im zweiten Teil meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Sprachgestaltung des Dramas, mit einem besonderen Hinblick auf die Äußerungen Adams. Nahe liegend erscheint mir da zunächst der Vergleich mit Kleists 1805 entstandenen Essay „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“, da er in sehr vielen Punkten mit Adams Verhalten übereinstimmt. Des Weiteren setze ich mich im allgemeinen mit der Art der Sprache im Drama auseinander, um dann im Speziellen auf den Dorfrichter einzugehen, zu dessen Besonderheiten unter anderem seine schroffe Emotionalität und seine Selbstgespräche zählen. Abschließend vergleiche ich die Philosophie Nietzsches mit den Äußerungen Adams, dieses Mal aber hinsichtlich der Spachkritik und stelle Gemeinsamkeiten heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Richter als Angeklagter
1.1. Die Handlungsstruktur im Drama
1.2. Der Wahrheitsbegriff Kleists im Vergleich zu dem Nietzsches
1. 3. Die Willkür Adams und Hobbes‘ – ein philosophischer Vergleich
2. Die Sprachgestaltung
2.1. Ein Vergleich mit „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“
2.2. Die Art der Sprache im „Zerbrochenen Krug“, im Besonderen die Adams
2.3. Eine Anknüpfung an Nietzsches Sprachkritik
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist unter besonderer Berücksichtigung der Figur des Dorfrichters Adam. Das Hauptziel ist es, Adams Handeln und seine Rhetorik mithilfe philosophischer Konzepte von Nietzsche und Hobbes zu analysieren sowie seine Sprachgestaltung mit Kleists eigenen theoretischen Ansätzen zu verknüpfen.
- Die Rolle des Richters als Angeklagter im Rechtsstreit
- Der Wahrheitsbegriff im Vergleich zwischen Kleist und Nietzsche
- Philosophische Betrachtung von Willkür im Sinne von Hobbes
- Analyse der sprachlichen Besonderheiten und Ausreden Adams
- Verbindung von Kleists Essay zur Gedankenverfertigung mit dem Dramentext
Auszug aus dem Buch
2.1. Ein Vergleich mit „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“
Ein Element der sprachlichen Besonderheiten des „Zerbrochenen Krugs“ sind die haarsträubenden und spontanen Ausreden des Richter Adams, der sich den Fragen über seine Wunden und dem Verbleib seiner Perücke stellen muss. Doch es gibt für Adam keine Alternative zur Rede, denn Schweigen hieße für ihn, sich verdächtig machen. Er ist also gezwungen, seine Ausführungen ex tempore und ohne eine Ahnung von ihrem argumentativen Verlauf fortzuführen. Denn zuvor hatte er, selbst wenn er scharfsichtig genug gewesen wäre, keine Möglichkeit, sich einen plausiblen Hergang der Ereignisse zurechtzulegen, die zu den Ungereimtheiten in seinem Auftreten fuhren konnten. Das heißt, er fasst seine Gedanken erst während des Sprechens.
Zu genau diesem Leitgedanken hat Heinrich von Kleist 1805, also mitten in seiner Schreibphase zu „Der zerbrochene Krug“, ein Essay mit dem Titel „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ verfasst. Darin schreibt er: „Wenn ich nur dreist damit den Anfang mache, [prägt] das Gemüt, während die Rede fortschreitet, in der Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende zu finden, jene verworrene Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Richter als Angeklagter: Dieses Kapitel beleuchtet die paradoxe Ausgangslage des Dramas, in der der ermittelnde Dorfrichter Adam selbst der Täter ist, und vergleicht seine Machtausübung sowie seinen Wahrheitsbegriff mit den Philosophien von Nietzsche und Hobbes.
2. Die Sprachgestaltung: Hier werden die rhetorischen Strategien Adams untersucht und mit Kleists Essay über die Gedankenverfertigung beim Reden in Beziehung gesetzt, wobei auch eine sprachtheoretische Verknüpfung zu Nietzsche gezogen wird.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Adams Verhalten sowohl als praktische Anwendung der subjektiven Wahrheit als auch als negatives Exempel für Kleists Sprachtheorie gedeutet werden kann.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Der zerbrochene Krug, Richter Adam, Wahrheit, Willkür, Sprachgestaltung, Rhetorik, Friedrich Nietzsche, Thomas Hobbes, Machtmissbrauch, Lustspiel, Subjektivität, Sprachkritik, Gedankenverfertigung, Rechtsfall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figur des Dorfrichters Adam in Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ hinsichtlich ihrer psychologischen und philosophischen Dimensionen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rechtsphilosophie (Willkür und positives Recht), der subjektiven Wahrheit sowie einer detaillierten sprachwissenschaftlichen Untersuchung der dramatischen Dialoge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Adam seine Machtstellung missbraucht und welche rhetorischen Mechanismen er einsetzt, um sein Handeln zu rechtfertigen, wobei ein Brückenschlag zu den Theorien von Nietzsche und Hobbes erfolgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textimmanente Analyse des Dramas, die durch einen komparatistischen Ansatz ergänzt wird, indem der Dramentext mit philosophischen Essays und literaturtheoretischen Schriften Kleists in Dialog gesetzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Handlungsstruktur und des Machtmissbrauchs sowie eine Untersuchung der sprachlichen Ausgestaltung, insbesondere der spontanen Ausreden Adams im Vergleich zu Kleists Essay zur Gedankenverfertigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Wahrheit, Willkür, Sprachgestaltung, Rhetorik, Machtmissbrauch und die philosophische Gegenüberstellung von Kleist, Nietzsche und Hobbes.
Wie unterscheidet sich Kleists Wahrheitsbegriff laut der Arbeit von Nietzsches Philosophie?
Während beide eine subjektive Wahrnehmung betonen, argumentiert die Autorin/der Autor, dass bei Kleist im Gegensatz zu Nietzsche dennoch eine objektive „Wahrheit an sich“ als moralische Instanz im Hintergrund besteht.
Warum fungiert Adam im Drama als ein „negatives Beispiel“ für Kleists Sprachtheorie?
Obwohl Adam wie in Kleists Essay „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ seine Gedanken erst während des Sprechens formt, führt dies bei ihm – anders als bei der idealisierten Gedankenverfertigung – in eine ausweglose, selbstverschuldete Lügenspirale.
- Arbeit zitieren
- K. Rempel (Autor:in), 2006, Heinrich von Kleist, „Der zerbrochene Krug“ - Der Richter als Angeklagter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168428