Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem eher unkonventionellen Gegenstand der Linguistik. Untersucht wird die Wortstellung eines erfundenen Charakters der Science-Fiction-Sage Star Wars (dt. Krieg der Sterne) des Regisseurs und Drehbuchautors George Lucas. Dabei ist zu bemerken, dass zuerst die Teile IV bis VI (1977 – 1983) erschienen, worauf 1999 – 2005 die Vorgeschichte in den Teilen I bis III veröffentlicht wurde:
I: Die dunkle Bedrohung (O: The Phantom Menace), 1999
II: Der Angriff der Klonkrieger (O: Attack of the Clones), 2002
III: Die Rache der Sith (O: Revenge of the Sith), 2005
IV: Eine neue Hoffnung (O: A new hope), 19771
V: Das Imperium schlägt zurück (O: The Empire strikes back), 1980
VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter (O: Return of the Jedi), 1983
In den sechs bisher veröffentlichten Teilen geht es im Wesentlichen um den Kampf des Guten gegen das Böse. Die Guten sind dabei unter anderem die Jedi-Ritter, ein Ritterordnen, der von der Macht begünstigt wird. Die hier untersuchte Figur Yoda ist solch ein Jedi-Ritter. Wie viele Star Wars-Charaktere gehört er einer fremden Rasse an und ist um die 900 Jahre alt. Auf Grund seines Alters ist Yoda ein sehr weiser Jedi-Meister, der bereits viele Schüler (sog. Padawane) ausgebildet hat. Am auffälligsten ist neben seinem etwas sonderbaren Erscheinungsbild, die merkwürdige Wortstellung seiner Äußerungen. Wie viel Aufmerksamkeit Yodas Syntax erfährt, zeigt u. a. die Erwähnung von Yodas Wortstellung in The Cambringe Encyclopedia of language2 und ein eigens programmierter Yoda-Speak-Generator3, mit dem man einen Satz in Yodish übersetzen lassen kann. Es darf nicht vergessen werden, dass Englisch (bzw. Deutsch) nicht seine Muttersprache ist. Das ist aber nur einer der Gründe für seine fremdartige Syntax.
Yoda spricht grammatikalisch (fast) einwandfreies Englisch (bzw. Deutsch), betrachtet man z. B. Konjugation oder Deklination. Der einzige frappierende Unterschied ist die Wortstellung. Das Ziel dieser Analyse wird es sein, eine Systematik in Yodas Satzstellung zu finden. Folgt seine Syntax bestimmten Regelhaftigkeiten? Existieren Abweichungen innerhalb der Satzstrukturen und einzelnen Episoden? Ebenso wird versucht, die Frage nach einer Wirkung dieser Umstellung zu beantworten. Was bewirkt es, wenn es anstatt „Er ist dein Vater“ „Dein Vater er ist“ heißt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Zum Untersuchungsgegenstand
2. Vorgehensweise der Wortstellungsanalyse
3. Wortstellungsanalyse
3.1 Zur Wortstellung
3.2 Verb-Erst-Stellung
3.3 Verb-Zweit-Stellung
3.4 Verb-Letzt-Stellung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht systematisch die syntaktischen Besonderheiten der Sprache der Figur Yoda aus der Star-Wars-Saga, insbesondere seine abweichende Wortstellung, um zugrunde liegende Regeln und eine mögliche Entwicklung über die verschiedenen Episoden hinweg aufzudecken.
- Analyse der Wortstellungs-Transformationen (z.B. OVS, OSV).
- Untersuchung des topologischen Feldermodells in Yodas Äußerungen.
- Kontrastiver Vergleich zwischen den "alten" und "neuen" Teilen der Film-Saga.
- Erforschung der rhetorischen Wirkung von Yodas Syntax auf den Zuschauer.
- Prüfung einer systematischen Entwicklung von intuitiver zu konsequenterer Regelhaftigkeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. Zur Wortstellung im Allgemeinen
Die unterschiedlichen Formen der deutschen Sätze lassen sich auf ein gemeinsames Grundmuster zurückführen. Sie sind von einer Besonderheit geprägt, der sog. Satzklammer, die sich meist aus finitem Verb (auch klammeröffnender Ausdruck genannt) und der restlichen Verbalkomplex (klammerschließender Ausdruck) zusammensetzt.
Die Stellung des finiten Verbs variiert zwischen der Besetzung der ersten Satzposition (Verb-Erst-Stellung), der zweiten Satzposition (Verb-Zweit-Stellung) und der letzten Satzposition (Verb-Letzt-Stellung). Dies markiert außerdem die Aussage des Satzes, also im einfachsten Fall, ob es eine Frage oder Aufforderung, eine Aussage oder ein Nebensatz ist.
Einfacher ausgedrückt kann man die deutsche Wortstellung auch nach der Reihenfolge der nominalen Satzglieder Prädikat oder Verb (V), Subjekt (S) und Objekt (O) zu sechs Möglichkeiten aufteilen: SVO wäre ein einfacher Aussagesatz und gleichzeitig die Grundstellung, von der im Deutschen ausgegangen wird, OVS ein Aussagesatz mit Emphase, VSO eine Frage, VOS eine Frage mit Emphase, SOV ein eingeleiteter Nebensatz und OSV ein Relativsatz mit Objektbezug (vgl. Roelcke 1997:42).
Weiterhin lässt sich jeder Satz nach dem topologischen Feldermodell in seine topologischen Bestandteile zerlegen, die bei einem einfachen Satz aus Vorfeld (vor dem finiten Verb in Zweitstellung/vor dem klammeröffnenden Ausdruck) Mittelfeld (innerhalb der Klammerstruktur) und Nachfeld (nach dem klammerschließenden Ausdruck) sowie der oben beschriebenen Klammerstruktur. Dabei sind je nach Satztyp manche dieser Bestandteile fakultativ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Zum Untersuchungsgegenstand: Einführung in die linguistische Besonderheit von Yodas Sprache innerhalb des Star-Wars-Universums und Definition des Untersuchungsziels.
2. Vorgehensweise der Wortstellungsanalyse: Erläuterung der methodischen Einteilung des Textkorpus in Satztypen und der Anwendung des topologischen Feldermodells.
3. Wortstellungsanalyse: Detaillierte Untersuchung der Wortstellung unterteilt in Verb-Erst-, Verb-Zweit- und Verb-Letzt-Stellung im Vergleich zu unmarkierten Standardsätzen.
3.1 Zur Wortstellung: Theoretische Grundlagen der deutschen Satzstruktur, der Satzklammer und des topologischen Feldermodells als Basis für die Analyse.
3.2 Verb-Erst-Stellung: Analyse von Entscheidungsfragen und Imperativsätzen im Korpus und deren Abweichungen vom Standard.
3.3 Verb-Zweit-Stellung: Betrachtung von w-Fragesätzen und Aussagesätzen, inklusive der Hypothese einer Entwicklung innerhalb der Filmserien.
3.4 Verb-Letzt-Stellung: Untersuchung unselbstständiger Nebensätze und deren spezifischer syntaktischer Konstruktion.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese einer zunehmenden Vereinheitlichung von Yodas Sprache.
Schlüsselwörter
Yoda, Wortstellung, Syntax, Star Wars, Linguistik, Satzklammer, topologisches Feldermodell, Verb-Erst-Stellung, Verb-Zweit-Stellung, Verb-Letzt-Stellung, OSV, OVS, Filmwissenschaft, Sprachtypologie, Satzakzent
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die syntaktischen Auffälligkeiten der Sprache der Figur Yoda aus der Star-Wars-Saga, um herauszufinden, ob hinter seiner fremdartigen Ausdrucksweise ein systematisches Regelwerk steckt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die deutsche Syntax, insbesondere die Satzklammer, die Wortstellung innerhalb von Sätzen und die Anwendung des topologischen Feldermodells auf eine fiktive, stilisierte Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, eine Systematik in Yodas Satzstellung zu finden und zu klären, ob die Syntax bestimmten Regeln folgt, ob sich diese im Laufe der Filmepisoden verändert hat und welche rhetorische Wirkung damit erzielt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Korpusanalyse durchgeführt, bei der Yodas Äußerungen mit einer unmarkierten, deutschen Standardsatzstellung verglichen und topologisch analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der Verb-Erst-, Verb-Zweit- und Verb-Letzt-Sätze, gestützt durch Belege aus allen sechs untersuchten Filmteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Yoda, Wortstellung, Syntax, Satzklammer, topologisches Feldermodell, Verb-Stellung (Erst/Zweit/Letzt) sowie OSV- und OVS-Strukturen.
Wie unterscheidet sich die Sprache zwischen den alten und neuen Episoden?
Die Analyse legt nahe, dass sich Yodas Sprache mit den neueren Episoden (I-III) systematisiert hat, weg von einer variableren Struktur in den alten Teilen (V-VI) hin zu einer konsistenteren OSV-Folge.
Warum stellt Yoda das Objekt oft an den Satzanfang?
Die Linksverschiebung des Mittelfelds bzw. des Objekts dient primär der Betonung (Rhema-Fokussierung), um die Eindringlichkeit und Weisheit seiner Aussagen zu unterstreichen.
Wann spricht Yoda grammatikalisch "normal"?
Yoda nutzt eine unmarkierte Standard-Wortstellung vor allem dann, wenn er eine sehr wichtige Information vermitteln möchte und sicherstellen will, dass er von seinem Gegenüber korrekt verstanden wird.
Welche Rolle spielt das Englische Original für die Analyse?
Das englische Original wird ergänzend herangezogen, um Abweichungen in der deutschen Übersetzung einzuordnen und festzustellen, ob Yoda-typische Wortstellungen bewusst für die deutsche Synchronisation konstruiert wurden.
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- Katharina Rempel (Author), 2008, "Dein Vater er ist.", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168432