Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis: Seine historische und wirtschaftliche Relevanz

Eine kritische Reflexion von Grillmeyers Werk "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das 'Haus' Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangspunkt: Erforschung des Adels des 18. und 19. Jahrhunderts

2. Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis
2.1 Ein geschichtlicher Überblick
2.1.1 Entwicklungslinien zwischen 1748 und 1789
2.1.2 Entwicklungslinien um 1800
2.1.3. Entwicklungslinien im 19. Jahrhundert
2.2 Die Bedeutung des Hauses Thurn und Taxis
2.2.1 Das Postregal - Voraussetzung für eine gesellschaftliche Sonderstellung
2.2.2 Die Symbiose von symbolischem und realem Kapital
2.2.3 Das Haus Thurn und Taxis: Repräsentativ verallgemeinernd oder Spezialfall eines Familienunternehmens?

3. Resümee

Bilderverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Ausgangspunkt: Erforschung des Adels des 18. und 19. Jahrhunderts

"Adelsforschung hat Konjunktur"1 schrieb der Historiker Walter Demel in "Perspektiven der Adelsforschung" 2009. Begründen kann man diese Aus- sage mit dem Anschein, dass der Adel in der deutschsprachigen Geschichts- forschung ein Thema ist, das zum Teil und besonders im Bezug auf das "lange 19. Jahrhundert"2 immer noch unergründet wirkt - trotz zahlreicher statistisch und genealogisch orientierter Publikationen in den letzten Jahr- zehnten. Jedoch haben wir es hier mit einem sehr weiten Forschungsfeld und auch mit einem Definitionsproblem des Adels an sich zu tun, so dass sich als Erstes die Frage stellt, welche Rolle die adelige Gesellschaft in der Neuesten Geschichte gespielt hat: Denn ab der französischen Revolution kann man auch im deutschsprachigen Raum Europas von einer Krise sprechen, die starke Auswirkungen auf die adelige Lebenswelt hatte. Die wichtige wirtschaftliche und soziale Stellung, die adelige Familien zuvor inne gehabt hatten, kam nun ins Wanken. Heinz Reif spricht hierbei von einem Wandel adeliger Familienstrukturen beim Übergang in die Moderne3. Als sehr detailreiches und erforschtes Fallbeispiel kann das Haus Thurn und Taxis genannt werden. Dieser Adelskomplex wurde sowohl aus wirtschaftlicher und rechtlicher, als auch aus gesellschaftlicher Perspektive erforscht. Ein wichtiges Werk ist in diesem Zusammenhang die Dissertation "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das "Haus" Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867" von Siegfried Grillmeyer, welches in vorliegender Arbeit unter Einbeziehung weiterer Studien über das erwähnte Adelsgeschlecht rezensiert werden soll. Hierbei handelt es sich nicht um die Untersuchung einer spezifisch lokalen adeligen Lebenswelt, sondern mehr um eine kombinierte Veranschaulichung einer Familienbiographie unter Berücksichtigung gesellschaftsgeschichtlicher und lebensweltbezogener Fragen. In Bezug auf Grillmeyers Vorgehen in genannter Dissertation ist zunächst zu fragen, welche soziale, ökonomische und juristische Rolle das Thurn und Taxissche Adelsgeschlecht im "langen 19. Jahrhundert" spielte. Weiter soll heraus- gearbeitet werden, ob das Haus Thurn und Taxis bezüglich adeliger Fami- lienverbände eine gesonderte oder eine repräsentative Stellung einnimmt. Methodisch soll an den Forschungsansätzen und Schlussfolgerungen Sieg- fried Grillmeyers aber auch an Eckart Conze, Wolfgang Behringer und weiteren angeknüpft werden. Dies bedeutet, dass die Fragestellung hauptsächlich auf Grundlage der qualitativen Auswertungen jener Adels- forscher bearbeitet wird. Deren Ansätze sollen jedoch auch kritisch beurteilt werden. Grillmeyer geht seinem Fragenkonzept einerseits anhand des Elitenbegriffs4 und der Elitenposition des Adels nach, andererseits anhand des Begriffproblems des adeligen "Hauses". Immer im sozialhistorischen Kontext betrachtet geht er von der gesellschaftlichen Sonderposition des Adelsgeschlechts Thurn und Taxis aus, da sich die Geschichte des Hauses durch die jahrhundertlange Inhaberschaft des Postmonopols abhebe. Weiter fragt er, wer grundsätzlich zu den Mitgliedern des Hauses zählt und wie solch eine Dynastie und ihr "Management" funktionieren.

Bezüglich des Definitionsproblems des Adels an sich, seiner sozialen Position und seiner Häuser hier zunächst der Versuch einer Begriffser- klärung: "Adel bezeichnet in den traditionellen Verbänden die aufgrund von Geburt, Besitz oder Leistung sozial wie politisch privilegierte Führungs- schicht, einen Stand [...] mit gruppenspezifischem Ethos und mit besonderen charakteristischen Lebensformen und Lebensnormen. Hauptsächliches Kennzeichen des Adels ist seine soziale Exklusivität gegenüber unterge- ordneten Bevölkerungsgruppen und Schichten, seine kastenartige Abge- schlossenheit, vor allem auch in genealogischer Hinsicht."5 Diese von Rudolf Endres in "Adel in der Frühen Neuzeit" erstellte Charakteristik zeigt, dass der Adel spezielle Funktionen und somit eine Elitenposition in der Gesellschaft hatte. Die Verteidigung der Adelswürde und der Wunsch nach Sicherung der Dynastien und ihres Besitzstandes führte in den Adelsfamilien zu eigenen Gesetzen (wie die Primogeniturordnung6 und die Fideikomissregelung7 ), wodurch diese sich einerseits von dem aufkommenden Bürgertum abgrenzten, andererseits aber auch die Konturen ihrer Häuser schaffen und stärken konnten.

In diesem Sinn soll nun in den Unterkapiteln folgendermaßen vorgegangen werden: Nach einem historischen Abriss über den Wandel der Thurn und Taxisschen Adelsfamilie, der in Anlehnung an Grillmeyers Werk in die Etappen zwischen 1748 und 1789, um 1800 und das 19. Jahrhundert ein- geteilt ist, wird näher auf die Bedeutung des Hauses Thurn und Taxis ein- gegangen: Das Postregal und seine Auswirkungen. Daraus resultierend wird unter Einbeziehung diverser Rezensionen Kritik an Grillmeyers und Behringers Ansätzen und Zielvorstellungen im Bezug auf die Forschung über das "Familienunternehmen" geübt und ein Resümee aus den erarbeiteten Er- gebnissen gezogen. Ziel bzw. Anliegen der Arbeit ist es, die spannende Problematik der Bewahrung der eigenen Position des Hauses Thurn und Taxis in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft im Zuge der Adelskrise und somit Übergang zur Moderne darzustellen.

2. Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis

Wenn man auf die Geschichte des Hauses Thurn und Taxis eingeht, so ist zunächst zu beachten, dass es sich zwar ursprünglich um ein altes italienisches Adelsgeschlecht handelte, seine Dynastie sich jedoch nicht nur durch Ahnenreihen auszeichnete. Der Name "Thurn und Taxis" leitet sich zum Einen von der Familie Torriani und zum Anderen von deren Wohnorts- angabe auf dem Berg Tasso ("de Tassis") im 14. Jahrhundert ab8. Trotz des erst im Jahr 1645 dazu erbrachten Nachweises rechtfertigte die Behauptung, dass die Torriani-Familie von Karl dem Großen abstamme, die Exklusivität des Hauses schon vor dem 17. Jahrhundert. Allerdings gab es noch weitere Aspekte in der Dynastiegeschichte, die die politische Position jenes Adels- geschlechts hervorhoben. Diese werden in den nächsten Kapiteln erörtert.

2.1 Ein geschichtlicher Überblick

Der Sonderstellung des Hauses Thurn und Taxis zeichnete sich bereits im Mittelalter durch Tätigkeiten im Rahmen der Nachrichtenübermittlung und des Bankgewerbes ab. So kam es, dass Janeto de Tassis, welcher die Post- linien für den damaligen Kaiser organisierte, in der Geschichtsschreibung als Begründer des Postwesens genannt wurde. Auf diese Weise gelang der Familie Thurn und Taxis früh die Verbindung zum kaiserlichen Haus Habsburg, die letztlich die Grundkonstellation des Adelsgeschlechts formte und eine wichtige Rolle in Bezug auf den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie spielte. Bereits um 1500 waren Mitglieder des Hauses Thurn und Taxis die Hauptverantwortlichen für die habsburgische Post, was die Position der Familie als Dynastie und Postunternehmen immer weiter vorantrieb. Mit der Verleihung des Postregals im Jahr 1615 wuchs ihre gesellschaftliche Stellung und wirtschaftliche Macht schließlich enorm.9

[...]


1 Demel 2009, S.1, Z.1

2 Von 1789 bis 1918

3 Reif 1979

4 Elite bedeutet soziologisch eine Gruppierung von überdurchschnittlich qualifizierten Personen oder herrschende bzw. einflussreiche Kreise einer Gesellschaft.

5 Endres 1993, S.1, Z.2-9

6 Ein Erbfolgeprinzip bei dem nur der Erstgeborene erbt.

7 Der Gesamtbesitz war unveräußerlich und unbelastbar und dem regierenden Fürsten zur Verwaltung übertragen. Bei größeren Veränderungen hatten die in der Rangfolge nächsten Familienmitglieder ein Mitbestimmungsrecht.

8 Siehe Grillmeyer 2005, S.28

9 Vgl. Grilmmeyer 2005, S.26f

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis: Seine historische und wirtschaftliche Relevanz
Untertitel
Eine kritische Reflexion von Grillmeyers Werk "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das 'Haus' Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Volkskunde/Kulturgeschichte)
Veranstaltung
Seminar "Kampf ums Obenbleiben"? Neuere Publikationen zum Adel im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V168435
ISBN (eBook)
9783640855407
ISBN (Buch)
9783640855117
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist teils Buchrezension und teils Hausarbeit im klassischen Sinn
Schlagworte
Thurn und Taxis, Adelsgeschichte, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Grillmeyer, Postmonopol, Postregal, Adel, Geschichte der Post
Arbeit zitieren
Ida Blick (Autor), 2010, Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis: Seine historische und wirtschaftliche Relevanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168435

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