Gewalt und Krieg in den Medien: Ethik zwischen Pressefreiheit und Menschenwürde


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,70


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Theorie
2.1.1 Die globale Relevanz der Medien als ethische Akteure
2.1.2 Medienethische Grundfragen
2.1.3 Die Frage nach der Verantwortung
2.1.4 Omnipräsenz der Bilder & Gewalt in den Medien
2.2 Praxis
2.2.1 Tod via Youtube: Der Fall Neda Soltan und der Reuters Skandal
2.2.2 Pressefreiheit versus Menschenwürde im Kontext von Artikel 1 des deutschen Pressecodexes
2.2.3 Pro- und Kontra-Diskussion zur Veröffentlichung von sogenannten ,,Schockbildern‘‘
2.2.4. Fünf elementare Grundregeln für eine ethisch korrekte Krisen- und Kriegsberichterstattung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Gewalt […] gibt es zuhauf und alltäglich auf der ganzen Erde, besonders Kriege und politisch-sozialer gewaltsamer Protest fallen auf[…]. […] Medien berichten darüber, indem sie sich auf Ereignisse beziehen. Aber sie tun dies zum Teil auch in spekulativer Absicht zur Erhöhung der Rendite in einem gnadenlosen kommerziellen Wettbewerb. Gewaltdarstellungen fesseln die Aufmerksamkeit, sind spannend, unterhalten. Ein friedensorientierter Ethiker bestreitet dies nicht, unterscheidet aber zwischen Berichten, die geeignet sind, die Gewalt als etwas darzustellen, das bekämpft und zurückgedrängt werden muss,[…] und anderen Formen, die ,,action‘‘ betonen und gewalthaltige Ereignisse für die kommerziellen Zwecke ausbeuten, ohne nach irgendwelchen Menschheitsanliegen zu fragen.“[1]

Das Zitat von Wolfgang Wunden, Mitbegründer der ,,Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur‘‘ und Autor zahlreicher medienethischer Publikationen zeigt, dass man Gewalt nicht per se verurteilen kann, sondern sehr genau differenzieren muss und auch die systemrelevanten Rahmenbedingungen im ökonomischen Feld mit einzubeziehen hat. Bevor diese Hausarbeit jedoch auf praktischer Seite auf die Darstellung von Gewalt in den Medien eingehen kann, müssen zunächst einige grundlegende Fragen geklärt werden. Zu allererst gilt es die, auf globaler Ebene, ursächliche Relevanz der Medien als ethische Akteure festzuhalten. Dabei soll vor allem der Einfluss der Medien auf die Gesellschaft akzentuiert, und die Frage nach dem Sinn der medienethischen Analyse gestellt werden. Ausgehend von der Feststellung, dass es durchaus einen gestiegenen Ethik in der Gesellschaft gibt, erfolgt eine anschließende definitorische Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen der Moral und der Ethik und eine tiefergehende Unterscheidung der ethischen Teilbereiche. Vorbereitend auf den praktischen Teil soll eine genauere Beleuchtung nach der Frage der Verantwortung im Bereich der Medienethik Klarheit schaffen, wobei der Schwerpunkt, ausgehend vom kantischen Pflichtbegriff, besonders auf der Identifizierung von Handlungs- und Verantwortungsträgern im System der vertikalen Integration liegt. Um die Frage zu klären, warum Gewalt heutzutage ein so großes Publikum findet, wird kurz auf die gesellschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen, die stets von kontinuierlichen technischen Entwicklungen geprägt war und die Möglichkeit der Omnipräsenz der Bilder geschaffen hat. Zusammen mit der enormen Reichweite des Fernsehens und neuen dramaturgischen Inszenierungstechniken lässt sich so der große Einfluss der Gewalt in den Medien erklären. Um keine medienethische Gewalt-Debatte auf rein theoretischer Grundlage zu führen, schließen sich den theoretischen Überlegungen Beispiele aus der konkreten alltäglichen Praxis an. Da, wie Wolfgang Wunden erkannt hat, besonders Kriege und politisch-sozialer gewaltsamer Protest auffallen, sollen die beiden praktischen Beispiele genau jene beiden Bereiche abdecken. Sowohl das Video des Todes der, bei Protesten im Iran, erschossenen Studentin Neda Soltan, als auch das Video der Erschießung zweier Reuters-Journalisten im Irak haben dabei in den Medien heftige Protestreaktionen auf Seiten der Medienethiker ausgelöst und zu kontroversen Debatten geführt. Einerseits muss der Informationsanspruch der Öffentlichkeit erfüllt werden, andererseits werden jene Bilder unter dem Aspekt des privatrechtlichen Persönlichkeitsschutzes und der Menschenwürde relevant. Die große Schwierigkeit liegt hierbei in der Abwägung zwischen den beiden Grundrechten Pressefreiheit und Menschenwürde. Dennoch bleibt die Frage, ob die Ausstrahlung von Fernsehbildern auf denen der detaillierte Tod von Menschen zu sehen ist, als ethisch verantwortbar gelten darf. Um eine Antwort darauf zu finden, wird dazu der Artikel 1 des deutschen Pressecodexes zu Rate gezogen. In der anschließenden Pro und Kontra Diskussion zu jenen sogenannten Schockbildern, werden sowohl Aspekte des individuellen Opferschutzes als auch berufsethische Überlegungen mit einbezogen. In einer abschließenden Definition von fünf elementaren Grundregeln für eine ethisch korrekte Krisen- und Kriegsberichterstattung wird der Versuch unternommen wirksame Leitlinien für den investigativen Journalismus festzulegen.

2. Hauptteil

2.1 Theorie

2.1.1 Die globale Relevanz der Medien als ethische Akteure

Die Relevanz der Globalisierung der Medienkultur auf ethischer Ebene liegt heute immer mehr in der Bewertung der Identitätsstiftung und Generierung eines bestimmten Freiheits-verständnisses durch die Medien des 21. Jahrhunderts. Der Einfluss der Medien ist, in Folge der globalen Kommerzialisierung der Medienkultur, größer denn je. Medien bilden den Orientierungsrahmen in unserer Gesellschaft, beeinflussen in enormem Maße unsere Meinungsbildung und unser Handeln, und bieten uns dadurch eine kollektive Strukturierung von Wahrnehmung zur Beteiligung an der Erfahrung von Welt[2]. Jener Einfluss muss nicht per se schlecht sein, ist aber nur dann ethisch unproblematisch, wenn man Freiheit in einem negativen Sinne, nämlich als Abwesenheit von Zwang auffasst. Allerdings übersieht diese Interpretation, dass die in den Medien angebotenen Realitätskonstruktionen durchaus auch Auswirkungen auf das, was als positive Freiheit betrachtet wird, haben kann. Demnach kann- ja muss man -die Aktivitäten der Medienunternehmen zum Objekt von medienethischen Analysen machen.[3]

2.1.2 Medienethische Grundfragen

Rüdiger Funiok, Professor für Pädagogik und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule für Philosophie in München, spricht von einem ,,gestiegenen >> Ethik-Bedarf<<[4] ‘‘in der Gesellschaft , um in Bereichen, in denen stetig neue Handlungs- und Entscheidungsoptionen entstehen eine ,,unbestechliche, überparteiliche Instanz‘‘[5] zu präsent zu wissen, die mit Hilfe von komplexitätsreduzierenden Handlungsanweisungen einen Leitfaden vorgibt für das, was als moralisch legitim gelten darf. Doch wo ist eine solche Medienethik wissenschaftlich situiert? Zunächst einmal gilt es, den Begriff der Begriff der Ethik ursächlich zu definieren. Demnach unterscheidet sich die Ethik von der Moral in der Wissenschaftlichkeit der Beschäftigung mit dem Komplex der moralischen Normen, Urteile, Tugenden, Institutionen und Ideale. Medienethik ist dann folglich jene wissenschaftliche Beschäftigung, die sich mit dem Bereich der Moral im Teilbereich der Medien befasst. Ethik kann konsekutiv in zwei Teilbereiche aufgegliedert werden: Die deskriptive, sozialwissenschaftliche Ethik, die sich mit dem vorhandenen moralischen Bewusstsein bei Medienakteuren beschäftigt, und die philosophische, normbegründete Ethik, die ,, […] nicht [fragt], ob eine Handlungsweise für richtig gehalten wird, sondern ob sie richtig ist‘‘[6], ein Ansatz also, der die logische Konsistenz prüft.[7] Als Form der angewandten Ethik entsteht auch bei der Medienethik immer dann eine Aktionsrelevanz wenn wissenschaftlich-technische Entwicklungen Handlungsmöglichkeiten schaffen, aus denen Bewertungsprobleme resultieren, die mit den herkömmlichen Kriterien nicht gelöst werden können.[8]

[...]


[1] Wunden, Wolfgang (2002): ,,Medien und Gewalt im Fernsehen‘‘. In: Karmasin, Matthias (Hg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Philipp Reclam jun.. 2002. S.18ff.

[2] vgl. Rehkämper, Klaus/ Klaus Sachs-Hombach: Bild- Bildwahrnehmung-Bildverarbeitung. Wiesbaden:
Deutscher Universitäts Verlag. 1998. S.9

[3] Vgl. Karmasin, Matthias / Carsten Winter (2002) : ,,Medienethik vor der Herausforderung der globalen

Kommerzialisierung von Medienkultur: Probleme und Perspektiven.‘‘ In: Karmasin, Matthias (Hg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Philipp Reclam jun.. 2002. S.18ff.

[4] Funiok, Rüdiger (2002): ,,Medienethik: Trotz Stolpersteinen ist der Wertediskurs über Medien unverzichtbar.‘‘ In: Karmasin, Matthias (Hg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2002. S.37.

[5] Ebd. S.37.

[6] Ricken, Friedo(1998): Allgemeine Ethik. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. 1998. S.14

[7] Vgl. Funiok 2002, S.38

[8] Vgl. Funiok 2002, S.39

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gewalt und Krieg in den Medien: Ethik zwischen Pressefreiheit und Menschenwürde
Hochschule
Universität Passau  (Professur für Philosophie)
Veranstaltung
Medienethik I
Note
2,70
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V168436
ISBN (eBook)
9783640855414
ISBN (Buch)
9783640855636
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, krieg, medien, ethik, pressefreiheit, menschenwürde, leitlinien
Arbeit zitieren
Stephanie Julia Winkler (Autor), 2010, Gewalt und Krieg in den Medien: Ethik zwischen Pressefreiheit und Menschenwürde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168436

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