Das Germanenbild Caesars in seinen "Commentarii de Bello Gallico"


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Germanenbild Caesars in seinen Commentarii de bello Gallico
1. Der Krieg gegen Ariovist
a) Die Klagen des Diviciacus und Caesars Entscheidung für den Krieg
b) Caesars Rede an die Soldaten
c) Das Aufeinandertreffen von Caesar und Ariovist
2. Die Usipeter und Tenkterer
a) Beschreibung der Lebensweise der Sueben
b) Der Kampf gegen die Usipeter und Tenkterer
3. Vergleich von Galliern und Germanen

III. Zusammenfassung

Quellen-/Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Noch zu Zeiten seines eigenen Konsulats 59 v. Chr. sicherte Caesar sich ein fünfjähriges Prokonsulat in den Provinzen Gallia cisalpina, Gallia Narbonensis und Illyricum[1] . Dort, so hoffte er, würde er die Gelegenheit haben, sich Feldherrenruhm zu erkämpfen und als Triumphator nach Rom zurückzukehren. Eine erste Gelegenheit, Krieg zu führen, ergab sich in der Provinz Gallia Narbonensis, als Helvetier, anscheinend verdrängt durch Germanenstämme, das Gebiet der mit Rom verbündeten Häduer durchquerten. Viele weitere Kriege folgten, nicht alle Schlachten waren erfolgreich, nicht alle Kriege aus römischer Sicht „gerecht“. Um sich vor dem römischen Senat zu rechtfertigen, verfasste Caesar die Commentarii de bello Gallico, Feldherrenberichte, deren einziger Zweck es ist, den Verfasser und sein Handeln im günstigsten Licht erscheinen zu lassen[2]. Und natürlich erstrahlt der Feldherr umso heller, je düsterer er seine Feinde – die Feinde Roms – erscheinen lässt.

Besonders gut für den Entwurf eines furchterregenden, stereotypen Barbarenbildes eigneten sich die Germanen, deren Beschreibung sich Caesar an drei umfassenderen Stellen widmet. Anhand dieser drei Textpassagen, dem Bericht über den Krieg gegen Ariovist (58 v. Chr.[3] ), dem über die Vernichtung der Usipeter und Tenkterer (56/55 v. Chr.[4] ) und einem ethnologischen Vergleich zwischen Galliern und Germanen werde ich versuchen darzustellen, auf welche Weise Caesar das Bild der Germanen zeichnet und wie dieses Bild, je nachdem, welches Ziel er im jeweiligen Fall erreichen möchte, variiert.

II. Das Germanenbild Caesars in seinen Commentarii de bello Gallico

Schon im ersten Buch der Commentarii de bello Gallico erwähnt Caesar eine Völkerschaft rechts des Rheins, die Germani genannt wird und in stetigem Kampf mit den linksrheinischen Stämmen der Gallier um deren fruchtbares Land liegt[5]. Vor allem die geographische Verbreitung der Germanen erwähnt er immer wieder, und jedes Mal erklärt er explizit, ihre Wohnsitze lägen rechts des Rheins, wogegen am linken Rheinufer die Gallier siedelten[6]. Und nicht nur in Bezug auf ihre unterschiedlichen Wohnsitze, auch was ihre jeweiligen Gebräuche betrifft, grenzt Caesar Gallier und Germanen deutlich voneinander ab, wobei die Germanen in seinem Bericht deutlich schlechter wegkommen als die Gallier. Eine erste detaillierte Darstellung der Germanen gibt Caesar im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Ariovist.

1. Der Krieg gegen Ariovist

Die Darstellung der Begegnung Caesars mit dem Germanenkönig Ariovist nimmt etwa die zweite Hälfte des ersten Buchs der Commentarii ein und kann grob in drei Teile gegliedert werden. Zuerst werden der Charakter des Ariovist und die Unterdrückung der Gallier durch die Germanen aus der Perspektive des mit Rom verbündeten Hädueranführers Diviciacus geschildert. Als die daraufhin von Caesar angestrebten Verhandlungen mit Ariovist scheitern, da dieser sich weigert, die römischen Forderungen zu erfüllen, entschließt sich Caesar zum Krieg gegen die Germanen. Um seine Soldaten, die aus Furcht vor den wilden, barbarischen Germanen den Befehl verweigern wollen, zu ermutigen, führt er ihnen in einer Rede, die den zweiten Teil dieser Darstellung ausmacht, die Erfolge Roms und seiner Verbündeten in ähnlichen Kämpfen vor Augen. Im dritten Teil der Darstellung werden schließlich die persönlichen Verhandlungen Caesars mit Ariovist und der darauffolgende Krieg beschrieben.

a) Die Klagen des Diviciacus und Caesars Entscheidung für den Krieg

Während einer geheimen Unterredung der gallischen Stammesführer mit Caesar ergreift der Häduer Diviciacus das Wort. Ganz Gallien sei in Gefahr, klagt er Caesar. Einst hätten die Sequaner, die sich mit den Arvernern gegen die mächtigen Häduer verbündet hatten, germanische Söldner über den Rhein gerufen, um mit ihrer Hilfe die Häduer zu besiegen[7]. Und nun, da die Häduer ihnen tributpflichtig seien, weigerten sich die wilden, barbarischen Menschen (feri ac barbari homines) unter ihrem König Ariovist, wieder in ihr eigenes, unfruchtbares Land zurückzukehren. Im Gegenteil, immer mehr Germanen überquerten, angelockt von den Reichtümern und der Lebensweise der Gallier den Rhein[8]. Die Häduer seien bereits gezwungen worden, Geiseln zu stellen, doch nun wandten sich die Germanen auch gegen ihre ehemaligen Soldherren, die Sequaner. Diese sollten den Haruden, die vor Kurzem den Rhein überschritten und sich Ariovist angeschlossen hatten, ein Drittel ihres Siedlungsgebiets überlassen[9]. Ein weiteres Mal betont dann Diviciacus die Anziehungskraft, die das fruchtbare, kultivierte Gallien auf die Germanen ausübt. „Das Land der Germanen sei nämlich mit dem der Gallier überhaupt nicht zu vergleichen, ebensowenig wie die gallische Lebensweise mit der germanischen.“. Und so, erklärt er Caesar, sei es nicht unwahrscheinlich, dass die Germanen mit der Zeit alle gallischen Stämme aus ihrem Gebiet verdrängen und ihr Land beanspruchen würden[10]. Dieser Sachverhalt würde die Germanen, und nicht mehr die friedlicheren Gallier, zu direkten Nachbarn der römischen Provinz machen, was dem Senat, für den dieser Bericht ja gedacht war, wohl kaum wünschenswert erscheinen konnte. Um so verständlicher natürlich, dass Caesar keine Mühen scheuen konnte, diese Gefahr abzuwenden. Auch das stereotype Barbarenbild, das Diviciacus vom Charakter des Ariovist zeichnet, entsprach kaum dem des Wunschnachbarn der Römer. Der jähzornige und unberechenbare Barbar (hominem [...] barbarum, iracundum, temerarium)[11] regiere stolz und grausam (superbe et crudeliter) und fordere Geiseln, die er wie es ihm beliebt foltere und strafe[12]. Die unterdrückten Gallier könnten die Situation nicht mehr ertragen und nichts anderes bliebe ihnen übrig, als auszuwandern, wenn ihnen nicht Caesar, der als einziger in der Lage sei, ganz Gallien vor den Schändlichkeiten des Ariovist zu schützen, zu Hilfe komme[13].

[...]


[1] SCHNEIDER 2008, 26.

[2] SCHNEIDER 2008, 27.

[3] SCHNEIDER 2008, 25.

[4] SCHNEIDER 2008, 31.

[5] Caes. Gall. 1,1,3.

[6] Vgl. etwa Caes. Gall. 1,2,3; Caes. Gall. 1,27,4; Caes. Gall. 4,16,3f etc.

[7] Caes. Gall. 1,31 4.

[8] Caes. Gall. 1,31,5.

[9] Caes. Gall. 1,31,10.

[10] Caes. Gall. 1,31,11.

[11] Caes. Gall. 1,31,13.

[12] Caes. Gall. 1,31,12.

[13] Caes. Gall. 1,31,16.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Germanenbild Caesars in seinen "Commentarii de Bello Gallico"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V168441
ISBN (eBook)
9783640855445
ISBN (Buch)
9783640855599
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesars, commentarii, bello, gallico, gallischer Krieg, Rheingrenze, germanen
Arbeit zitieren
Laura Geyer (Autor), 2009, Das Germanenbild Caesars in seinen "Commentarii de Bello Gallico", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168441

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