Das dritte Jahrhundert nach Christus wird oft als eine Krisenzeit für das Römische Reich angesehen. Denn besonders die Soldatenkaiser in der Mitte des Jahrhunderts hatten aufgrund ihrer kurzen Regierungszeiten nicht die Möglichkeit, ihre Herrschaft zu festigen und dringend notwendige Reformen einzuleiten. Dazu kam zunehmender Druck von außen: Franken, Alamannen, Goten und nicht zuletzt Perser stellten die Methoden römischer Grenzverteidigung auf eine ernste Probe. Es sollte sich zeigen, dass diesen Bedrohungen mit der alten Taktik eines konzentrierten Gegenschlags unter Führung des Kaisers nicht mehr wirksam begegnet werden konnte – vor allem dann nicht, wenn mehrere Grenzregionen gleichzeitig bedroht wurden.
Mit dem Sasanidenreich entstand Mitte des dritten Jahrhunderts eine neue Bedrohung für Römer. Dem Perserkönig Schabuhr gelang es 260, den römischen Kaiser Valerian gefangen zunehmen – ein einmaliger Vorgang, der vor allem in der älteren Forschung als Höhepunkt einer Reichskrise des dritten Jahrhunderts angesehen wurde. Aufgrund der ungünstigen Quellenlage sind die näheren Umstände der Gefangennahme weitgehend ungeklärt. Diese Arbeit gibt einen Überblick über den Forschungsstand und zeigt die Stellen auf, an denen noch immer Uneinigkeit herrscht.
Zunächst wird auf die Frage eingegangen, ob es im dritten Jahrhundert tatsächlich eine reichsweite Krise gegeben hat und die Bevölkerung dies auch so wahrnahm. Die Züge Schabuhrs gegen Rom werden danach in ihren historischen Kontext gestellt. Im Hauptteil der Arbeit liegen die Schwerpunkte auf der Datierung der dritten Agoge – denn obwohl sich die Forschung mittlerweile weitgehend auf das Jahr 260 geeinigt hat, gibt es noch immer einige Unstimmigkeiten. Außerdem wird der Frage besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wie genau Valerian in die Hände der Perser geriet und was nach seiner Gefangennahme mit ihm geschah – auch hier sind verschiedene Möglichkeiten denkbar.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Sekundärliteratur
2. Quellen
a) spätantike lateinische Quellen
b) byzantinische Quellen
c) orientalische Quellen
3. Das Römische Reich in der Krise?
4. Die sasanidisch-römischen Beziehungen
II. Schabuhrs Agogai und die Gefangennahme Valerians
1. Die erste Agoge
2. Die zweite Agoge
3. Valerians Werdegang
4. Die Datierung der dritten Agoge
5. Die dritte Agoge
6. Valerians Schicksal nach Edessa
III. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die historischen Hintergründe und Umstände der Gefangennahme des römischen Kaisers Valerian durch den Sasanidenkönig Schabuhr I. im Jahr 260 n. Chr. Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu analysieren, Widersprüche in der antiken Quellenlage zu identifizieren und eine präzise zeitliche Einordnung dieses Ereignisses vorzunehmen.
- Kritische Analyse der Quellenlage zur Krise des dritten Jahrhunderts.
- Untersuchung der sasanidisch-römischen Konflikte (Agogai).
- Datierung der dritten Agoge Schabuhrs und der Gefangennahme Valerians.
- Analyse des Schicksals Valerians in persischer Gefangenschaft.
- Diskussion des Krisenbegriffs für das römische Kaiserreich.
Auszug aus dem Buch
3. Das Römische Reich in der Krise?
Das Römische Reich befand sich im dritten Jahrhundert an fast allen Grenzen in der Defensive, denn sowohl in Mitteleuropa als auch im Osten wuchsen neue starke Gegner heran. An Rhein und Donau sorgten Franken, Alamannen, Vandalen und Goten zunehmend für Probleme; im Osten entstand das Sasanidenreich, das sich möglicherweise von Anfang an zur Nachfolge des ehemaligen Weltreichs der Achaimeniden bekannte und somit in direkte Konkurrenz zu Rom trat.19
Quellen wie der Panegyricus des Jahres 297 haben dazu beigetragen, dass die Geschichtsforschung lange von einer alles umfassenden Reichskrise im dritten Jahrhundert ausging: „Damals war der Staat (…) fast an allen Gliedern verstümmelt; damals hatte der Parther sich allzu hoch erhoben und der Palmyrener sich auf gleiche Stufe gestellt; ganz Ägypten und die syrischen Provinzen waren abgefallen, verloren Raetien, Noricum und die pannonischen Provinzen verwüstet; sogar Italien, Herrin der Völker, war in den Trauer um den Untergang sehr vieler eigener Städte.“20
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Überblick über die verwendete Forschungsliteratur, die problematische Quellenlage sowie eine historiographische Einordnung der Reichskrise des dritten Jahrhunderts und der römisch-persischen Beziehungen.
II. Schabuhrs Agogai und die Gefangennahme Valerians: Detaillierte Analyse der drei Feldzüge Schabuhrs, des Lebensweges Valerians, der Datierungsproblematik der Ereignisse um 260 n. Chr. sowie der verschiedenen Überlieferungen zum Schicksal des gefangenen Kaisers.
III. Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Folgen der Gefangennahme für das Kaisertum, die Regierungszeit des Gallienus sowie die Stabilisierung des Reiches unter Diokletian.
Schlüsselwörter
Valerian, Schabuhr I., Sasanidenreich, Römische Reichskrise, Soldatenkaiser, Agoge, Gefangennahme, Edessa, Gallienus, Quellenkritik, Datierung, Militärgeschichte, Persien, Spätantike, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Rekonstruktion der Gefangennahme des römischen Kaisers Valerian durch den Sasanidenkönig Schabuhr I. im Jahr 260 n. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die sogenannte Reichskrise des dritten Jahrhunderts, die sasanidisch-römische Außenpolitik, die militärischen Feldzüge Schabuhrs und das Schicksal Valerians in persischer Gefangenschaft.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, unter welchen Umständen Valerian in Gefangenschaft geriet, wie diese Ereignisse historisch datiert werden können und wie die Quellenlage die Bewertung dieser historischen Zäsur beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Methode, bei der verschiedene spätantike, byzantinische und orientalische Texte (wie die ŠKZ) gegenübergestellt und im Kontext der modernen Forschungsliteratur bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei Agogai Schabuhrs, den Werdegang Valerians, die Problematik der Datierung sowie eine detaillierte Betrachtung des Schicksals des Kaisers nach der Schlacht bei Edessa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Valerian und Schabuhr I. sind Begriffe wie Sasanidenreich, Soldatenkaiser, Edessa, Quellenkritik und die Krise des dritten Jahrhunderts prägend für die Arbeit.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Gallienus nach der Gefangennahme seines Vaters?
Der Autor stellt Gallienus als einen Herrscher dar, der trotz der Herausforderungen durch die Gefangennahme seines Vaters, interne Usurpationen und äußere Bedrohungen seine Herrschaft festigen konnte und politische Reformen einleitete, die den Weg für Diokletian bereiteten.
Welche Bedeutung misst der Autor der Inschrift ŠKZ bei?
Die ŠKZ wird als eine der wichtigsten, wenn auch tendenziösen Quellen betrachtet, die trotz ihrer propagandistischen Ausrichtung unersetzliche historische Details über die Feldzüge und die Behandlung römischer Gefangener liefert.
Wie steht der Autor zum Bild des "Hautabziehens" Valerians?
Der Autor hinterfragt dieses Bild kritisch und deutet es als christliches Wunschdenken bzw. als romanhaftes Element späterer Geschichtsschreiber, hält jedoch fest, dass eine öffentliche Demütigung des Kaisers historisch plausibel erscheint.
- Citar trabajo
- Bastian Kruse (Autor), 2010, Gefangennahme und Ende Valerians, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168450