Frontalunterricht - ein Überblick


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 2,3

F. S. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Frontalunterricht, ein Definitionsversuch

III. Eine kurze Geschichte des Frontalunterrichts

IV. Die Vormachtstellung des Frontalunterrichts

V. Die Funktionen des Frontalunterrichts

VI. Vor- und Nachteile des Frontalunterrichts

VII. Fazit

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Vorurteile gegenüber dem Frontalunterricht sind an allen Ecken zu finden, zumindest außerhalb des schulischen Alltags. Innerhalb des schulischen Alltagslebens werden die Unterrichtsmethoden meist nicht problematisiert, so dass eine Auseinandersetzung damit nicht stattfinden kann. Obwohl die Vorurteile gegenüber dem Frontalunterricht in der zumeist außerschulischen Öffentlichkeit weit gestreut sind, sich Zeitungsartikel, Professoren, Doktoren, Wissenschaftler und viele, die meinen dazu etwas sagen oder schreiben zu müssen, zum Frontalunterricht negativ äußern, findet auch an dieser Stelle keine zufriedenstellende Auseinandersetzung mit dieser Sozialform des Unterrichts statt. Warum dies so ist, scheint Hilbert Meyer erklärt zu haben: „Es gibt in der Didaktik und Methodik des Unterrichts eine schlechte Tradition, sich mehr um die Rosinen-Themen der Unterrichtsform (wie z.B. Projektlernen, Freiarbeit, Szenisches Spiel usw.) zu kümmern als um jene Themen, die den Schulalltag ausmachen. Zum Stichwort >>Gruppenunterricht<< gibt es Hunderte von Büchern, Tausende von Aufsätzen, einen eingetragenen Verein und eine eigene Zeitschrift; zum Stichwort >>Frontalunterricht<< gibt’s auf dem deutschen Buchmarkt zur Zeit drei Monographien - und ein gemeinnütziger Verein zur Rettung des Frontalunterrichts müßte erst gegründet werden!“1 Zwar stammt diese Analyse der Sachlage aus dem Jahr 2000 und scheint mit einem Alter von sieben Jahren bereits überholt zu sein, doch findet man auch heute nicht wesentlich mehr Literatur zum Thema Frontalunterricht. Im Gegensatz dazu beinhaltet heute beinahe jegliches Didaktikseminar für angehende Lehrer die Planung und Durchführung von Gruppen- oder Projektarbeit, Frontalunterricht hingegen wird, wenn er thematisiert wird, negativ bewertet und der Eindruck vermittelt, man dürfe ihn, wenn man ein guter Lehrer werden möchte, nicht einmal als Alternative wahrnehmen. Von Methodenvielfalt ist dort die Rede, freilich ohne den Frontalunterricht als Methode ernst zu nehmen. Nichtsdestotrotz ist belegt, dass noch immer die vorherrschende Sozialform des Unterrichts die des Frontalunterrichts ist. Da dieser jedoch einen derart schlechten Ruf genießt, haben die Lehrer meist ein schlechtes Gewissen ihn einzusetzen, Referendare den Druck, um ihn herum zu unterrichten und Studenten des Lehramts nicht die Möglichkeit ihn mit seinen Vor- und auch Nachteilen als Methode so kennen zu lernen, dass man ihn gewinnbringend in der späteren Lehrerlaufbahn einsetzen kann. „So ist eine Verkümmerung der Methodenkultur des Frontalunterrichts entstanden, die dringend korrigiert werden sollte!“2 Diese Arbeit versucht sich mit dem Frontalunterricht auseinander zusetzen, ihn als Methode und damit auch als ernstzunehmende Einsatzvariante vorzustellen, seine Stärken und auch Schwächen darzustellen.

II. Frontalunterricht, ein Definitionsversuch

Im Frontalunterricht hat der Lehrer oder die Lehrerin die Kontroll- und die Steuerungsleistungen inne. Der Lehrer ist somit „Organisator und Lenker des Unterrichtsgeschehens. Der Form nach ist also der Frontalunterricht ein lehrerzentrierter Unterricht.“3 Neben der Einzelarbeit, der Partnerarbeit und der Gruppenarbeit zählt man den Frontalunterricht zu den vier Sozialformen.4 Meist ist der Frontalunterricht thematisch ausgerichtet und behandelt unter der Leitung der Lehrkraft eine Thematik oder eine Problemstellung. „Die Wirklichkeit, um die es geht, wird überwiegend sprachlich, nur zum Teil bildlich und kaum über selbstgesteuerte SchülerInnen- Handlungen hergestellt.“5 Mittels hohen Sprechanteils wird der Schüler vom Lehrer in eine passive Rolle gedrängt. So entsteht zwischen dem Lehrer und der Klasse ein Macht- und Kompetenzgefälle, bei dem die Klasse der Adressat der Informationen und Arbeitsaufträge. Nur wenige Schüler haben dabei die Möglichkeit, Rückmeldung zu geben oder gar in Austausch mit dem „Absender“ (meist der Lehrer) zu treten. Der Lehrer konzipiert den Unterricht und „seine Aufgabe ist es, Ziele zu bestimmen, die Inhalte auszuwählen, den Lernprozeß der Schüler in Gang zu setzen, den organisatorischen und zeitlichen Ablauf des Unterrichts zu strukturieren und das Lern- und Arbeitsverhalten der Schüler zu überwachen.“6 Allerdings spricht man auch dann von Frontalunterricht, wenn der Lehrer nicht in Front der Klasse die Fäden zieht, beispielsweise bei Filmvorführungen oder bei Schülervorträgen.7 Zusammenfassend bedient sich die vorliegende Arbeit der folgenden Arbeitsdefinition Hilbert Meyers:

„Frontalunterricht ist zumeist thematisch orientierter, überwiegend sprachlich vermittelter Unterricht, in dem der Lernerverband (die „Klasse“, der „Kurs“) gemeinsam unterrichtet wird und in dem die Lehrerin/der Lehrer - zumindest dem Anspruch nach - die Arbeits- und Kommunikationsprozesse der Schülerinnen und Schüler steuert und kontrolliert.“8

Daraus ergeben sich drei Didaktische Prinzipien des Frontalunterrichts9 :

- Lehrergesteuertes Lernen
- Lernen im Klassenverband
- Thematisch orientiertes Lernen

III. Eine kurze Geschichte des Frontalunterrichts

Allein anhand der wenigen Darstellungen zum Werdegang der zu betrachtenden Unterrichtsform des Frontalunterrichts ist eine Wertung dessen abzulesen. Während bei Karl Aschersleben der Anschein erweckt wird, dass die Unterrichtsform des Frontalunterrichts bereits in der Antike bekannt war und in seiner grundlegenden Form bis heute gleich blieb10, spricht Hilbert Meyer allerhöchstens von „Vorformen des Frontalunterrichts“ und selbst ein von ihm angeführter Holzschnitt aus dem Jahre 1592 wäre kein Indiz dafür, dass es im späten Mittelalter bereits irgendeine Form des Frontalunterrichts gegeben habe, sondern vielmehr eine Form der Freiarbeit zu verzeichnen war.11

„Der eigentliche >>Taufpate<< des Frontalunterrichts war Johann Amos Comenius, der berühmte Autor der 1638 in lateinischer, vorher in tschechischer Sprache veröffentlichten >>Didactica magna<< und des Fibel- und Lesebuches >>Orbis sensualium pictus<<, das über zweihundert Jahre lang als Schulbuch benutzt worden ist.“12 Außerdem erarbeitete er ein Schulkonzept, welches die Einführung von Klassenstufen und dadurch einen Klassenverbund gleichaltriger Lerner vorsah. Dies sollte es nur einem Lehrenden erlauben, die jeweiligen Klassenstufen sowohl in der eigenen Kultur und Sprache zu unterrichten, als auch in die Gepflogenheiten fremder Kulturen und Sprachen einzuführen. Dabei stand nach Comenius dem Lehrer ein Klassenverbund von etwa hundert Schülern gegenüber, denen „ein und dieselbe Arbeit […] aufgegeben und nach ein und derselben Methode alle Disziplinen und Sprachen gelehrt werden.“13

Etwa am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, schien sich die Vision Comenius weiter zu bewahrheiten, da man Schulgebäude konzipierte, „in denen ein Lehrer zwei Klassen in zwei Etagen gleichzeitig über eine beide Räume verbindende Empore mit Treppe unterrichten sollte.“14 Derart geriet die Idee des Frontalunterrichts zu einer beklemmenden Vision „fabrikmäßig rationalisierten Massenunterrichts“15, die sich in den sogenannten Industrieschulen zum Teil verwirklicht fand, sich jedoch auf Dauer nicht durchzusetzen vermochte.

[...]


1 Meyer, Hilbert/ Paradies, Liane: Frontalunterricht lebendiger machen, 8. Auflage, Oldenburg 2000, Seite 5

2 Meyer, Hilbert: Unterrichts Methoden, Band II Praxisband, 3. Auflage, Frankfurt am Main 1990, Seite 193 3

3 Schröder, Hartwig: Didaktisches Wörterbuch, 3. Auflage, Oldenbourg 2001, Seite 116

4 Vgl. Nuhn, Hans-Eberhard: Die Sozialformen des Unterrichts, In: Pädagogik. 2/2000. Beltz Verlag. Weinheim. 10-13, Seite 7

5 Meyer, Hilbert/ Paradies, Liane: Frontalunterricht lebendiger machen, 8. Auflage, Oldenburg 2000, Seite 6

6 Fuhr, Reinhard: Soziales Lernen. Innere Differenzierung. Kleingruppenunterricht, Braunschweig 1977, Seite 10

7 Vgl. Meyer, Hilbert/ Paradies, Liane: Frontalunterricht lebendiger machen, 8. Auflage, Oldenburg 2000, Seite 6

8 Ebd., Seite 7

9 vgl. auch: Frontalunterricht, in: Flechsig, Karl-Heinz: Kleines Handbuch didaktischer Modelle, Eichenzell 1996, Seite 100

10 Vgl. Aschersleben, Karl: Frontalunterricht - klassisch und modern. Eine Einführung, Neuwied, Kriftel 1999, Seite 13

11 Meyer, Hilbert/ Paradies, Liane: Frontalunterricht lebendiger machen, 8. Auflage, Oldenburg 2000, Seite 12

12 Ebd., Seite 13

13 Meyer, Hilbert/ Paradies, Liane: Frontalunterricht lebendiger machen, 8. Auflage, Oldenburg 2000, Seite 14

14 Meyer, Hilbert: Unterrichts Methoden, Band II Praxisband, 3. Auflage, Frankfurt am Main 1990, Seite 186

15 Ebd., Seite 186

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Frontalunterricht - ein Überblick
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V168456
ISBN (eBook)
9783640855766
ISBN (Buch)
9783640856039
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frontalunterricht
Arbeit zitieren
F. S. (Autor), 2008, Frontalunterricht - ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168456

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