"Zahlt es sich aus, eine Fundamentalistin zu werden?"

Eine religionssoziologische Auseinandersetzung mit dem christlichen Fundamentalismus in den USA unter Frauen vor dem Hintergrund der "Rational Choice Theory"


Doktorarbeit / Dissertation, 2011

426 Seiten


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung, Geschichte und Glaubenslehredes christlichen Fundamentalismus
2.1. Verschiedene Formen von Fundamentalismus
2.1.1. Merkmale und Entstehungsursachen für religiösen Fundamentalismus
2.1.2. Tendenzen und Gefahren des religiösen Fundamentalismus
2.2. Entstehung des christlichen Fundamentalismus in den USA
2.2.1. Die Neuenglandstaaten: Keimzelle des US-Protestantismus
2.3. Die erste Welle des Fundamentalismus in der öffentlichen Debatte in den USA: Die „Fundamentals“ und der „Affenprozess“
2.4. Die zweite Welle des Fundamentalismus in der öffentlichen Debatte in den USA: „The (New) Christian Right“
2.4.1. „Moral Majority“
2.4.2. „Christian Voice“
2.4.3. „Concerned Women Of America“
2.4.4. „Eagle Forum“
2.4.5. Zusammenfassung und Überleitung

3 Über den richtigen Umgang mit der Heiligen Schrift: Positionen, Kontroversen, Methoden der Auslegung
3.1. Der Unterschied zwischen Evangelikalismus und Fundamentalismus
3.2. Zum Verständnis des Wortes Gottes in der Bibel
3.2.1. Die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung
3.2.2. Die fundamentalistisch-unkritische Methode der Bibelauslegung
3.2.3. Der Dispensationalismus von John Nelson Darby
3.2.4. Prämillennarismus, Prätribulationismus und Postmillennarismus
3.2.5. Zusammenfassung und Überleitung

4 Die religiöse Landschaft der USA heute
4.1.1. „E Pluribus Unum“ – Religiöse Vielfalt im Alltag der USA
4.1.2. Die Vielfalt christlicher Konfessionen in den USA
4.2. Ausgewählte Daten zur Religiosität der Bevölkerung
4.2.1. Wie wichtig ist Religion im persönlichen Leben?
4.2.2. Gibt es einen Gott und wie soll man sich Gott vorstellen?
4.2.3. Die Häufigkeit des persönlichen Gebetes
4.2.4. Einstellung gegenüber anderen (nichtchristlichen) Religionen
4.2.5. Zusammenfassung und Überleitung

5 Traditionalismus in der Katholischen Kirche der USA
5.1.1. Die Ausgangslage: Modernismuskrise und das Zweite Vatikanische Konzil
5.1.2. Die CTM, das ORCM und die CTA : Beispiele für traditionalistische Organisationen in den USA
5.1.3. Zur Ideologie des katholischen Traditionalismus
5.1.4. Die US-Bischofskonferenz zum biblischen Fundamentalismus
5.1.5. Die US-Bischofskonferenz über Frauen in der Kirche und in der Gesellschaft
5.1.6. Zusammenfassung und Überleitung

6 Eine „Rational Choice Theory“ als Erklärungsmodell für religiösen Fundamentalismus
6.1. Die „Theory of Religion“ von R. Stark und W. S. Bainbridge
6.1.1. Vorbemerkungen zum Theoriedesign
6.1.2. Zum Aufbau der „Theory of Religion“
6.1.3. Grundlagen und erste Hypothesen
6.1.4. Über Kompensatoren zur Religion
6.1.5. Über die Entstehung von Sekten und Kulten
6.1.6. Vier unterschiedliche Formen sozialer Beziehungen
6.1.7. Über Selbstwertgefühl und Wertschätzung
6.1.8. Über Spannung, Anspannung und Mängel
6.2. Kritik, Grenzen und Defizite der „Theory of Religion“
6.2.1. Altruismus und moralisches Handeln als Gegenargumente
6.2.2. Feministisch-soziologische Kritik an der „Rational Choice Theory“
6.2.3. Zusammenfassung und Überleitung
6.3. Zwei alternative Erklärungsmodelle zur „Theory of Religion“
6.3.1. Robert R. Monaghan: „Three Faces Of The True Believer“
6.3.2. Steve Reiss: „Sixteen Strivings For God“
6.3.3. Zusammenfassung und Überleitung

7 Fundamentalismus konkret: die "Community Bible Church“
7.1. Vorbemerkungen
7.2. Kontaktaufnahme mit Hindernissen
7.3. Entstehungsgeschichte und Leitungsstruktur
7.3.1. Aus einer kleinen „Community“ wird eine „Church“
7.3.2. Rechte und Pflichten: die Leitungsstruktur
7.4. Zentrale Punkte der Glaubenslehre im Überblick
7.4.1. Die Heilige Schrift und der dreifaltige Gott
7.4.2. Über Engel, die Erschaffung der Welt und die Erlösung des Menschen
7.4.3. Über die Kirche, ihre religiösen Riten und das Priestertum
7.4.4. Über die Ehe, die Wiederkunft Jesu Christi, das Ewige Leben und die Verantwortung der Gläubigen
7.5. Die Glaubenspraxis in der "Community Bible Church"
7.5.1. Gebetszeiten und Aktivitäten
7.5.2. Ein Sonntagsgottesdienst in der „Community Bible Church“
7.5.3. Zusammenfassung und Überleitung

8 Interviews mit Fundamentalistinnen
8.1. Erstellung eines Fragenkataloges
8.2. Auswahl von Gesprächspartnerinnen
8.3. Auswertung der Interviews
8.3.1. Sozioökonomische Merkmale
8.3.2. Persönlicher Glaubensweg und Auswahl einer Kirche
8.3.3. Genderspezifische Rollenbilder
8.3.4. Glaubenspraxis und kirchliches Engagement
8.3.5. Religiöses Weltbild und Beziehung zu Andersgläubigen
8.3.6. „Zahlt es sich aus, eine Fundamentalistin zu werden“?
8.3.7. Analyse der Interviews vor dem Hintergrund der vorgestellten Theoriemodelle
8.3.8. Zusammenfassung und Überleitung

9 Resümee

10 Literaturliste

11 Abkürzungen:

12 Anhang
12.1. Der verwendete Fragebogen im Originaltext
12.2. Interviews im Volltext (in deutscher Übersetzung)
12.2.1. Amy
12.2.2. Carla
12.2.3. Katherine
12.2.4. Kathy
12.2.5. Sharon
12.2.6. Stephanie
12.2.7. Vicky
12.3. Constitution and Church Bylaws of the "Community Bible Church"
12.3.1. Doctrinal Statement
12.4. Abbildungen

13 Danksagungen

1 Einleitung

Als am 11. September 2001 am frühen Vormittag New Yorker Ortszeit das erste von insgesamt zwei Flugzeugen ins „World Trade Center“ flog, erlebten die USA den bisher schwersten Terroranschlag in ihrer Geschichte. Doch nicht nur das, sie waren zum ersten Mal auf ihrem eigenen Hoheitsgebiet Zeugen eines Angriffes geworden, gegen den sie trotz ihrer milliardenschweren militärischen Ausrüstung machtlos gewesen waren. Wie man später herausfand, hatte eine kleine Gruppe islamischer Terroristen den Anschlag über viele Jahre hinweg bis ins kleinste Detail geplant. Ihre unerbittliche religiös motivierte Überzeugung, in einem Heiligen Krieg gegen die USA zu Märtyrern zu werden und Gott damit einen Dienst zu erweisen, hatte sie ihren Plan schließlich auch in die Tat umsetzen lassen. War die Telefonnummer 911 bis zu jenem Tag in den USA weithin als die Telefonnummer für die Notrufzentrale bekannt gewesen, so gelten seither die Ziffern 9 und 11 in Kombination miteinander für die Bürgerinnen und Bürger der USA als Synonym für erlittene nationale Schmach, Demütigung auf der politischen und militärischen Weltbühne sowie für die vielen tausend zivilen Opfer, die entweder unmittelbar bei dem Anschlag selbst oder in dessen Folge bei ihrem Versuch, anderen zu helfen, ums Leben kamen. Ganz zu schweigen von den ebenso zahlreichen Opfern auf beiden Seiten im „Krieg gegen den Terror“, den die USA seither in Afghanistan führen. Bis zum heutigen Tage und über die Amtszeit des damals erst kurz ins Amt gewählten Präsidenten George W. Bush hinaus verbinden die Menschen in den USA mit dem 11. September sehr viel Kummer und Leid und wohl auch ebenso viele Ängste über ihre Zukunft. Die Intensität dieser Emotionen reicht sicher an jene des Stolzes und der Freude über die Unabhängigkeit ihres Landes heran, mit der sie an jedem 4. Juli des Jahres ihren Nationalfeiertag feiern und dabei ihrer Vorfahren gedenken, die im Unabhängigkeitskrieg viele entbehrungsvolle Jahre lang für die Freiheit ihrer Nation gekämpft hatten. Abraham Lincoln hatte die USA damals in seiner Ansprache nach der Schlacht von Gettysburg, an die an jedem „Memorial Day“ im Mai erinnert wird, als eine „Nation unter Gott“ bezeichnet und die Menschen in den USA hatten sich vor den Anschlägen des 11. September 2001 an ein Gefühl der Sicherheit und Unbesiegbarkeit gewöhnt, das an nur einem einzigen Tag „im Namen Gottes“ von einer kleinen Gruppe radikaler islamischer Terroristen durch ein Gefühl der Verwundbarkeit und der ständigen Bedrohung ersetzt wurde, das sich bis zum heutigen Tage nicht wieder verflüchtigt hat.

Der 11. September 2001 war aber auch jener Tag, an dem der Begriff „Fundamentalismus“ eine völlig neue Dimension bekam. Jene Männer, die die Anschläge verübt hatten, stammten aus einer radikalen islamischen Terrororganisation, gegen die die USA bereits seit langer Zeit auf militärischem und politischem Wege relativ erfolglos vorzugehen versucht hatten. In der medialen Berichterstattung war immer wieder von „radikal-islamischen Fundamentalisten“ die Rede, auf deren Konto bereits mehrere Anschläge und Drohungen gegangen waren und die immer wieder durch Selbstmordattentate Schlagzeilen gemacht hatten. Der Begriff „Fundamentalismus“ wurde somit, vor allem in Folge der Ereignisse des 11. Septembers, in der Öffentlichkeit de facto nur noch im Zusammenhang mit dem Islam und dem Terrorismus verwendet und ist seither in der öffentlichen Wahrnehmung ausschließlich negativ besetzt.

Dass es religiösen Fundamentalismus aber auch in so gut wie allen anderen Religionen gab und gibt, wird dabei ebenso schnell übersehen wie die Tatsache, dass es, gerade in den USA, eine lange Tradition des christlich-religiösen Fundamentalismus gibt, die im 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen hatte und in zwei großen Wellen am Anfang des 20. Jahrhunderts und etwas später noch einmal in den 1970er Jahren auch politisch an vorderster Front aktiv gewesen war. Jene Fundamentalistinnen und Fundamentalisten (die medienwirksamen Positionen waren von Männern besetzt, wenngleich in den jeweiligen Gemeinden sehr viele Frauen aktiv waren) wollten die gravierenden Veränderungen in ihrem Leben, die die zunehmende Industrialisierung und die Herausbildung der großen Städte mit sich brachten, nicht einfach tatenlos hinnehmen und kämpften mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, für die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung jener moralischen Ordnung, wie sie sich ihrer Überzeugung nach aus einer wörtlichen Lesart der Bibel ableiten lässt. Im großen Unterschied zu den als Fundamentalisten bezeichneten Attentätern von New York führten diese bibeltreuen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten jedoch keinen Kampf mit Flugzeugen oder Waffen gegen die Zivilbevölkerung, sondern bedienten sich moderner Kommunikations-mittel, beschritten politische Wege der Einflussnahme und versuchten so, die Gesellschaft näher an ihre Interpretation des biblischen Ideals heran zu formen. Auf diesem Wege errangen sie so manchen Etappensieg, mussten aber auch immer wieder Rückschläge hinnehmen. Seit dem Ende der 1980er Jahre haben sich jedoch die großen Schulterschlüsse wie die „Moral Majority“ unter der Führung des Baptistenpredigers Jerry Falwell, bei der sich auch konservative Juden und Katholiken engagiert hatten, aufgelöst und die einzelnen Gruppierungen haben sich wieder in ihren jeweiligen lokalen Wirkungsbereich zurückgezogen bzw. versuchen nur noch vereinzelt, über Lobbyisten Einfluss auf wichtige gesellschaftspolitische Entscheidungen zu nehmen. Mit großer Freude und vielen Erwartungen erlebten nicht zuletzt die konservativen Christinnen und Christen in den USA, besonders die Evangelikalen, die Wahl des Governors von Texas George W. Bush zum 43. Präsidenten der USA, der sich selbst als ein wiedergeborener und tiefgläubiger Christ bezeichnete und der nach eigenen Angaben täglich die Bibel als Lektüre zur Hand nimmt. Doch je länger seine Amtszeit dauerte, desto mehr Zugeständnisse und Relativierungen forderte sein Amt als Präsident aller Amerikanerinnen und Amerikaner in vielen Kontroversen wie z.B. rund um die evangelikal-fundamentalistisch Forderung für eine Festschreibung eines ausschließlich wortwörtlichem Bibelverständnis. Er enttäuschte damit viele seiner ehemaligen Wählerinnen und Wähler, besonders jene aus der evangelikalen WählerInnenschaft, die ihm zu seinem Wahlsieg verholfen hatten.[1]

So gravierend die Folgen des 11. Septembers 2001 auch sind, wäre es falsch, religiösen Fundamentalismus ausschließlich aus dem Blickwinkel jenes Terroranschlags heraus zu verstehen. Die weit verbreitete Ansicht, Terrorismus und Fundamentalismus seien zwei ausschließlich gemeinsam auftretende Überzeugungen, behauptet im gleichen Atemzug, der Fundamentalismus wäre so etwas wie eine notwendige Voraussetzung für Terrorismus. Dieses Vorurteil erweist sich bei näherer Betrachtung angesichts zahlreicher Terroranschläge, bei denen es um keine religiösen Motive ging, als falsch. Zudem gilt es festzuhalten, dass der Begriff des Fundamentalismus in nahezu allen Religionen der Welt auftaucht und sich auch auf bestimmte Überzeugungen in der Politik anwenden lässt. Sehr häufig dient er als Kampfbegriff, ähnlich den Begriffen „Kapitalismus“ oder „Feminismus“ und bleibt so eine (nicht selten ungerechtfertigte) Fremdzuschreibung durch Außenstehende. Nur wenige Gruppierungen bezeichnen sich nämlich selbst als „fundamentalistisch“.[2] Für eine nähere Untersuchung der Merkmale von religiösem Fundamentalismus gilt es also, ihn aus seiner argumentativen Umklammerung mit Gewaltbereitschaft und Terrorismus zu befreien, und ihn ganz im Sinne eines gewissen Traditionalismus, der ihm schon viel eher innewohnt, auf seine historischen, gesellschaftlichen und vor allem religiösen Wurzeln zu untersuchen. Auf diesem Wege wird sich zeigen, dass der Begriffsumfang im Laufe der Debatte immer stärker ausgeweitet wurde, sodass eine Rückführung auf seinen ursprünglichen Bedeutungsumfang dessen Wurzeln im Kontext einer Bewegung von protestantischen Christinnen und Christen in den USA zutage fördert. Innerhalb dieses Bedeutungsumfanges lassen sich aber im Vergleich mit ähnlichen Strömungen im Judentum und im Islam Gemeinsamkeiten feststellen, die wiederum als Kriterien zur Bestimmung von allgemein gültigen Merkmalen zur Analyse von diversen Gruppierungen in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden können. Derlei vergleichende Untersuchungen liegen bereits vor[3] und liefern einen umfassenden Katalog von Merkmalen, mittels denen sich Fundamentalismus treffend beschreiben und einordnen lässt und die dabei helfen, ihn von anderen Begriffen abzugrenzen, mit denen er in der öffentlichen Debatte häufig synonym verwendet wird wie z.B. dem Konservativismus, dem Evangelikalismus oder dem Radikalismus.

Aus einem solchen Vergleich gewonnene Merkmale können zwar über weite Strecken die Frage nach dem „Was?“ und durch soziologische Untersuchungen auch nach dem „Wer?“ in Bezug auf den Fundamentalismus beantworten, bieten aber keine ausreichenden Antworten auf die Frage nach dem „Warum?“. Diese Frage nach der Motivation von Menschen, sich einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen, deren Überzeugungen nicht mehr nur als konservativ bezeichnet werden können, sondern sogar im Wettstreit mit bzw. im Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen, aufgeklärten Wissenschaft stehen, blieb bisher weitgehend unbeantwortet. Grund genug für diese vorliegende Dissertation, sich dieser Frage anzunehmen und Antworten auf jene Frage nach dem „Warum?“ zu suchen. Eine solche Suche nach Antworten erhält außerdem noch weitere Brisanz durch die Tatsache, dass sich fundamentalistische Glaubensgemeinschaften sogar bzw. gerade dort heraus bilden, wo die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen als grundsätzlich positiv bewertet werden können. Wie sich am Beispiel der USA zeigt, gibt es Fundamentalistinnen und Fundamentalisten nicht nur dort, wo es keine demokratisch gewählten Regierungen und kein funktionierendes Wirtschaftssystem gibt, sondern inmitten eines der größten westlichen Industriestaaten der Welt, in dem die Demokratie eine mehr als 200jährige Tradition hat. Es erscheint wie eine Ironie, dass gerade in den USA, die sich mit ihrem „Krieg gegen den Terror“ dem Kampf gegen eine Form des Fundamentalismus verschrieben haben, eine nicht unwesentliche Zahl von Bürgerinnen und Bürgern lebt, die man mit Fug und Recht als Fundamentalistinnen bzw. Fundamentlisten bezeichnen kann und die darauf sogar stolz wären. Ihr Ziel ist aber nicht die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Überzeugungen, sondern die moralische Erneuerung der Gesellschaft von innen heraus. Sie entscheiden sich eher für den Rückzug als für den Angriff, kennen aber keine Kompromisse, wenn es um ihre religiösen Überzeugungen geht und sind daher in ihren existenziellen Lebensentscheidungen nicht weniger konsequent. Obwohl sie im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ leben, verzichten sie ganz bewusst auf sehr vieles, was für amerikanische oder auch europäische Durchschnittsbürgerinnen und Durchschnitts-bürger zum Alltag gehört und gestalten ihr Leben so, dass es ihrem Verständnis des Willens Gottes entspricht, dessen Kenntnis sie sich durch intensive Lektüre der Bibel jeden Tag aufs Neue zu vergewissern versuchen.

Angesichts der Existenz solcher fundamentalistischer Glaubensgemeinschaften inmitten einer aufgeklärten, modernen Demokratie westlichen Zuschnitts stellt sich diese Frage außerdem auf eine besondere Weise, wenn man sie aus der Sicht der Mehrheit ihrer Mitglieder[4] betrachtet: Frauen tragen mit ihrem Engagement wesentlich zum Bestand und zum Erfolg solcher Gemeinschaften bei, obwohl sie in der Hierarchie keine leitenden Funktionen einnehmen können und die Geschlechterbeziehungen sowie ihre Rolle innerhalb der Familie eindeutig patriarchal ausgerichtet sind. Emanzipation, Gleichberechtigung, Feminismus und feministische Theologie sind für Funda-mentalistinnen Begriffe, die sie lediglich aus der liberalen Welt außerhalb ihrer Gemein-schaft kennen und die ihrer Meinung nach entscheidend dafür verantwortlich sind, dass die moderne Gesellschaft so dringend genau jener moralischen Erneuerung bedarf, für die sie eintreten. Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich daher mit der Frage, warum sich Frauen für ein Engagement und die Mitgliedschaft bei einer christlich-fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft entscheiden, obwohl es auch eine Reihe von Alternativen dazu gibt, die für Außenstehende attraktiver erscheinen. Dabei gelangen drei wissenschaftliche Theoriemodelle zur Anwendung, die Religion als einen Prozess beschreiben, der (je nach Ansatz) ausschließlich durch logische Deduktion erklärt bzw. durch psychologische Analyse beschrieben werden kann. Wenn hier die Rede von Entscheidungen in Bezug auf Religion ist, dann klingt damit bereits deren gemeinsamer und theologisch herausfordernder Lösungsansatz an: Sowohl die „Theory Of Religion“ von Rodney Stark und William S. Bainbridge als auch die „Sixteen Strivings To God“ nach dem psychologischen Profil von Steve Reiss und die „Drei Gesichter eines wahrhaft gläubigen Menschen“ von Robert Monaghan verstehen die religiöse Überzeugung von Menschen nicht im Kontext eines Geschenks der göttlichen Gnade, die die Menschen dazu fähig macht, den Glauben an Gott und Seine Offenbarung in völliger Freiheit anzunehmen, sondern erklären die religiöse Disposition des Menschen mittels rein natur-wissenschaftlicher Methoden. Wiewohl sie mit ihren Theorien die Existenz Gottes weder leugnen noch beweisen können oder wollen, konfrontieren sie die Theologie mit einem Erklärungsmodell, mittels dessen sich die religiösen Überzeugungen von Menschen und ihre Unterstützung bestimmter Glaubensgemeinschaften selbst dann als vernünftig beschreiben lassen, wenn es der Glaubenslehre und den im Licht der Vernunft gewonnen Erkenntnissen über die Heilige Schrift widerspricht. Ziel dieser Arbeit ist es daher, speziell die „Theory of Religion“ am Beispiel von Frauen, die Mitglieder einer christlich-fundamentalistischen Bibelkirche in den USA sind, anhand von entsprechend konzipierten Interviews auf ihre Tauglichkeit als Erklärungsmodell zu prüfen. Sie konzentriert sich bewusst auf religiösen Fundamentalismus innerhalb christlicher Konfessionen, jedoch nicht ohne auf einschlägige Untersuchungen im Judentum oder im Islam zu verweisen. Jene im Rahmen dieser Arbeit abgehandelten Theorien räumen in ihrem Theoriedesign keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen ein und behaupten, dass sich ihre Hypothesen grundsätzlich auf Menschen beiderlei Geschlechts anwenden lassen. Diese Eigenschaft wird sich nach eingehender Behandlung zwar (teilweise) als Manko herausstellen, für eine erste Annäherung an das Thema soll diese Eigenschaft aber einstweilen nur als Merkmal zur Kenntnis genommen werden. An geeigneter Stelle wird später ohnehin noch Raum für eine entsprechende Kritik sein. Wenn also die Aussagen der gewählten Theoriemodelle prinzipiell geschlechtsneutral formuliert wurden und demnach implizit für Männer und Frauen gültig sein sollen, so wird der Schwerpunkt innerhalb der vorliegenden Arbeit jedoch trotzdem auf der Perspektive von Frauen liegen. Dies vor allem deshalb, weil sich angesichts der im Fundamentalismus geforderten Unterordnung der Frau eine besondere Fragestellung hinsichtlich ihrer Motivation ergibt, die sich in dieser Form für Männer nicht stellt. So weit wie möglich werden in dieser Arbeit geschlechtergerechte Formulierungen verwendet. Sofern es sich um direkte Zitate handelt, deren Originaltexte auf Englisch oder in einer anderen Sprache verfasst wurden, wird in der deutschen Übersetzung seitens des Autors der Dissertation ebenfalls auf eine inklusive Formulierung Bedacht genommen werden. Jene Zitate, die bereits in deutscher Übersetzung vorliegen, werden unverändert gelassen, sind jedoch (sofern zutreffend) ebenfalls als inklusiv zu verstehen.

2 Begriffsbestimmung, Geschichte und Glaubenslehre des christlichen Fundamentalismus

2.1. Verschiedene Formen von Fundamentalismus

Bevor sich diese Arbeit mit der Frage auseinandersetzt, was Menschen dazu motiviert, fundamentalistische Überzeugungen anzunehmen oder sich in Gruppierungen, die fundamentalistische Werte und Ansichten vertreten, zu engagieren, gilt es, eine Definition zu finden, mittels der wir den Begriff konkretisieren können, um den es in weiterer Folge gehen soll. In unterschiedlichen Kontexten wurde schon Vieles als „Fundamentalismus“ bezeichnet, dem entsprechend gibt es verschiedene Modelle, die als Erklärung dafür dienen, was man darunter versteht bzw. wie man den Fundamentalismus von anderen ähnlichen Begriffen wie z.B. dem Radikalismus oder dem Evangelikalismus abgrenzen kann.

Unter dem Stichwort „Fundamentalismus“ finden sich in der Literatur sowohl Verweise auf seine historische Entstehung als auch auf seine kontextuell unterschiedliche Bedeutung[5]: Zum Beispiel taucht der Begriff „Fundamentalismus“ in den wissenschafts-theoretischen Debatten der 1960er Jahre auf, als sich der kritische Rationalismus, wie er zum Beispiel von Karl Popper vertreten wurde, gegen die Überzeugung zur Wehr setzte, man könne eine Theorie, die sich hinreichend begründen lässt, als die einzig wahre und unzweifelhaft gewisse Theorie ansehen, die nicht weiter hinterfragt werden könne. Nach der Überzeugung des kritischen Rationalismus bleibt aber jede Theorie in letzter Konsequenz immer noch falsifizierbar, denn schließlich ist es so gut wie unmöglich, durch eine noch so sorgfältige und umfassende Analyse ausnahmslos alle Widersprüche, Meinungsverschiedenheiten oder Kontroversen zu beseitigen, die eine Theorie nicht auch wieder zu Fall bringen könnten.[6] Die Gegenposition dazu wurde von Hans Albert als Fundamentalismus bezeichnet, begründete sie doch die Grundlage ihrer Erkenntnisgewissheit auf Fundamente außerhalb einer ausschließlich rationalen und prinzipiell falsifizierbaren Analyse.

Eine zweite Verwendung des Begriffs findet sich im Zusammenhang mit „spektakulär antiwestliche[n] Kreuzzügen im Islam“[7], die besonders unter dem Ayatollah Khomeini im Iran Ende der 1970er Jahre den absoluten Wahrheitsanspruch der heiligen Texte des Islam und deren Überlieferung gegen jede moderne Kritik verteidigten und sich für eine kompromisslose Einheit von Religion und Politik stark machten.[8] Diese Revolutionsbewegung erreichte besonders deshalb eine so große Zahl von Anhängerinnen und Anhängern, weil sie sich gegen die Gefährdung der eigenen kulturellen Identität und religiösen Glaubensgewissheit durch westliche Ideologie richtete, die solchen Ländern wie z.B. dem Iran aus ökonomischen und politischen Gründen von außen aufgezwungen worden waren.[9]

Eine dritte Verwendung des Begriffs zeigt sich auf der politischen Ebene im Zusammenhang mit zivilisationskritischen Bewegungen wie den Grünen in den westlichen Industrieländern. So konnte es immer wieder vorkommen, dass jene, die radikale und oft unangenehme Kritik an der Ausbeutung der ökonomischen und ökologischen Ressourcen der Erde geäußert hatten, als Fundamentalistinnen und Fundamentalisten bezeichnet wurden. Dies geschah sowohl innerhalb der eigenen Fraktion, als auch in Form von Fremdzuschreibungen durch den politischen Gegner im Zuge von tagespolitischen Auseinandersetzungen.[10] Manche Akteure auf dem politischen Parkett wie zum Beispiel der Sprecher der „Moral Majority“ in den USA, Jerry Falwell, haben sich auch selbst als Fundamentalisten bezeichnet, viel häufiger jedoch wurde das Etikett des Funda-mentalismus zur Abqualifizierung des politischen Gegners oder der Gegnerin verwendet.

Wer sich auf die Suche nach Erklärungen macht, warum es Fundamentalismus gibt, findet dafür also genauso viele unterschiedliche Erklärungen und Beschreibungen. Da ist zum Beispiel noch die Rede von „maskiertem Nihilismus“[11], der „Angst vor der Vernunft“[12] oder der „Flucht ins Radikale“[13] angesichts der starken Veränderungen innerhalb der Gesellschaft in der Moderne, die eine im historischen Vergleich beispiellose Fülle an Möglichkeiten und persönlicher Freiheit mit sich brachte, die jedoch nur dann zum individuellen Vorteil genutzt werden können, wenn jeder und jede Einzelne sie auch für sich zu nutzen vermag. Es macht dabei ein wesentliches Merkmal der Moderne aus, dass sie von einer ständigen Dynamik der Entwicklung gekennzeichnet ist.[14] Trotz aller Vorteile, die dadurch entstehen, fordert sie jedoch mit genau dieser Dynamik immer wieder Opposition heraus.

Der große Unterschied zwischen Strömungen des Traditionalismus, der sich als Widerstand innerhalb der Moderne manifestierte und sich nie gegen das Projekt als Ganzes, sondern gegen bestimmte Aspekte richtete, äußert sich Fundamentalismus als ein Widerstand gegen die Moderne, der den völligen Ausstieg aus dem Projekt zugunsten einer früheren Gesellschaftsordnung fordert. Mit anderen Worten gesagt, könnte man den Unterschied zwischen Traditionalismus und Fundamentalismus so beschreiben: Traditionalismus richtet sich gegen die Modernisierung der Gesellschaft, Fundamentalismus richtet sich grundsätzlich gegen die Gesellschaft der Moderne.[15]

Wie Thomas Meyer in seinem Buch über den Fundamentalismus als einen „Aufstand gegen die Moderne“ sehr treffend beschreibt, fordert die Moderne für alle Vorzüge, die sie zu bieten hat, den „Preis der Auflösung aller Sicherheit. [...] Teilhabe an den gemeinsamen Angelegenheiten gewährt sie nur um den Preis der Relativierung noch der entschiedensten Einsicht und noch der offenbarsten Gewissheit von dem, was Not täte, auf das Maß dessen, was den meisten einleuchtet.“[16] Wer die Möglichkeiten der Moderne optimal nutzen will, muss sie sich zu nutze machen und sich seine bzw. ihre Überzeugung und Sicherheit selber schaffen. Ironischerweise braucht es dafür genau jene Form von Orientierungssicherheit, die sich angesichts des bereits beschriebenen Relativismus und möglichst breiten Konsenses nur schwer herausbilden kann. So entstand in dieser Moderne mit all ihren objektiv vorhandenen, aber subjektiv nicht so leicht beschaffbaren Möglichkeiten ein Ungleichgewicht zwischen dem, was sie einst versprochen hatte und den „Zumutungen, die sie dem einzelnen aufbürdet, der die Gewissheiten, die er sucht, weder draußen, noch in sich selber findet.“[17] Genau dieses Fehlen eines für alle gleichermaßen gültigen und bereits fertigen Konzepts, das geeignet wäre, Halt, Geborgenheit und Orientierung zu bieten, schafft so den Nährboden für kulturellen, intellektuellen oder politischen Fundamentalismus.[18]

In einem groß angelegten Forschungsvorhaben in den Jahren 1991 – 1995 unternahmen der Soziologe Martin E. Marty und der Historiker Scott Appleby mit dem „Fundamentalism Project“ den bisher umfassendsten Versuch, das Phänomen des Fundamentalismus zu beschreiben. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit beschrieben sie ihn nicht als eine primär traditionalistische Form von Religion, sondern als eine von ihrem inneren Wesen her latent politische Überzeugung, die eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft hin zu einer Gleichsetzung von Religion und Politik zum Ziel hat.[19]

Ein zentraler Kritikpunkt an den Analysen von Marty und Appleby waren die zahlreichen negativen Konnotationen wie Extremismus, Militarismus oder Fanatismus, die sich nicht als Kategorien für wissenschaftliche Untersuchungen eignen würden. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass genau jene Eigenschaften viele der weltweit untersuchten fundamentalistischen Bewegungen durchaus treffend beschreiben.[20] Ihre Untersuchung wurde in insgesamt fünf Bänden veröffentlicht und zeigt auf, dass es religiösen Fundamentalismus nicht nur innerhalb des Christentums, sondern auch in anderen Religionen gibt. Der Bogen reicht dabei vom christlichen Fundamentalismus unter Protestanten[21] und Katholiken[22] in Nordamerika bzw. Südamerika[23] über die „Gush Emunim“ in Israel[24], die Sunniten[25] in Ägypten und dem Sudan, die Schiiten[26] im Iran, im Irak und im Libanon, die islamischen Fundamentalisten in Südasien[27] hin zu den fundamentalistischen Tendenzen im Hinduismus[28] und unter den Sikh[29]. Auch vor dem Buddhismus[30] machte der Fundamentalismus ebenso wenig Halt wie vor dem Konfuzianismus[31] in Ostasien oder den traditionellen Religionen Japans[32]. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ist es also unbedingt notwendig, eine Eingrenzung auf eines dieser vielen Erscheinungsbilder des religiösen Fundamentalismus vorzunehmen, um den Überblick über seine zentralen Merkmale behalten zu können. Der deutsche Soziologe Martin Riesebrodt hat auf diesem Gebiet durch seine vergleichende Untersuchung des Christentums und des Islam eine wichtige Vorarbeit geleistet, wie der nächste Abschnitt zeigen wird.

2.1.1. Merkmale und Entstehungsursachen für religiösen Fundamentalismus

Indem er die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten unter den amerikanischen Protestanten mit jenen unter den iranischen Schiiten miteinander verglich, gelang es dem deutschen Soziologen Martin Riesebrodt, bestimmte Merkmale des religiösen Fundamentalismus zu beschreiben, die sowohl auf den Islam als auch auf das Christentum zutreffen.[33] Fundamentalistische Gruppierungen kennzeichnet demnach ein Geschichts-bewusstsein, das von besonderen metaphysischen und anthropologischen Voraus-setzungen bestimmt ist. Die Geschichte wird dabei verstanden als eine Geschichte des sich immer weiter Entfernens von einer frühzeitlichen Ordnung. Die gegenwärtige Gesellschaft befindet sich aufgrund ihrer Entfernung von dieser einstigen Ordnung in einer moralischen, politischen und religiösen Krise, die das Resultat dieser Entfernung darstellt. Fundamentalistische Gruppierungen verkünden daher die dringende Notwendigkeit einer radikalen Rückkehr zu dieser ewigen Ordnung von früher samt all ihren Geboten und Gesetzen in exakt jener Form, wie sie in der Urgemeinschaft einst verwirklicht gewesen war bzw. geglaubt wird. Aus dieser besonderen Betonung des Geordnetseins und der Idealisierung des Vergangenen ergeben sich eine vollständig religiös begründete Reglementierung des Lebens und die Idealisierung patriarchaler Familien- und Gesellschaftsstrukturen. Solche fundamentalistischen Gemeinschaften sind außerdem von einer ökonomisch und sozial klassenübergreifenden Zusammensetzung gekennzeichnet. Wichtig ist dabei zu betonen, dass Fundamentalismus nicht automatisch und ausnahmslos mit der Anwendung, Verherrlichung bzw. Duldung von Gewalt als probatem Mittel zum Erreichen der gewünschten Veränderung in der Gesellschaft zu verbinden ist. Auch geht es den Fundamentalistinnen und Fundamentalisten um keine Rückkehr ins Mittelalter. Ihre Vorstellung der anzustrebenden Veränderungen kann viel besser als „Prozess der bewussten Erneuerung der Tradition“[34] beschrieben werden. Einzelne Aspekte der Vergangenheit werden durch die gegenwärtigen Verhältnisse in der Gesellschaft als bedroht erachtet und sollen verteidigt werden, zuvor gilt es aber, „sich diese Vergangen-heit neu anzueignen“.[35]

Das Resultat ist eine „Synthese selektiver Elemente der Tradition und der Moderne“.[36] Man könnte auch sagen, Fundamentalismus beginnt als eine Form von Traditionalismus, der bestimmte Veränderungen innerhalb der Gesellschaft nicht als gegeben hinnehmen will und diese bedrohten Aspekte umso stärker betont. Diesem Traditionalismus dient eine Ideologie als Grundlage, die das Resultat einer intensiven Rückbesinnung auf eine (vermeintlich ideale, retrospektiv verklärte und geordnete) Vergangenheit ist. Diese Ideologie enthält drei Dimensionen:

1. Gesellschaftskritik
2. Entwurf einer idealen Sozialordnung
3. Heilsgeschichtliche Deutung der Gegenwart

Eine solche ideologische Argumentation beschreitet also den Weg vom Heute zurück ins Gestern, wendet sich nach einer Selektion einzelner Elemente wieder zurück ins Heute und verheißt der Gesellschaft des Hier und Jetzt in ihrer gegenwärtigen Verfassung keine gute Zukunft. Als Ursache wird die Abkehr von dem früheren Gesellschaftsbild genannt, zu dem es durch Rückbesinnung zurückzukehren gilt. In eine solche Deutung der Gegenwart und in die Modelle für eine traditionalistische Ideologie fließen jedoch auch argumentative Elemente ein, die ursprünglich gar nicht Teil dieser Tradition waren. Anders als bei sozialreformerischen oder revolutionären Bewegungen geht es dabei um eine wörtliche Anwendung des Überlieferten und nicht um eine analoge Deutung und Anwendung dessen, was im Sinne des Stifters der Religion im Hier und Jetzt angezeigt wäre. Fundamentalistinnen und Fundamentalisten erschaffen sich außerdem ein eigenes „Kulturmilieu“[37], innerhalb dessen sie frei von äußeren Einflüssen ungestört leben können. Das reicht bis hin zu eigenen Restaurants, Geschäften und Schulen bzw. speziell organisierten Freizeitprogrammen und Ausflügen.[38] Besonders die Schulen dienen dazu, die Werte der Gemeinschaft an die jüngere Generation weiterzugeben, die teilweise asketische Züge aufweist und Konsumverzicht und Mäßigung propagiert.

Das Weltbild von Fundamentalistinnen und Fundamentalisten hat manichäische Züge, es wendet sich vom anthropozentrischen Weltbild der Aufklärung und der Moderne ab und will den Weg zurück zu einem theozentrischen Weltbild beschreiten. Anstelle der Ver-wirklichung von Utopien in der Zukunft soll das Ideal der Vergangenheit wiederhergestellt werden. Die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft werden nicht als Nebenwirkungen gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen interpretiert, sondern gelten als Einflüsse von außerhalb des eigenen Einflussbereiches, die es zu eliminieren gilt. All jene, die zu der fundamentalistischen Gemeinschaft gehören, gelten als rein, als wahre Christinnen und Christen bzw. als „Gerettete“[39]. Die anderen, die sich der Gemeinschaft nicht anschließen, gelten als Ungläubige, jeder Kontakt zu ihnen wird auf ein Mindestmaß bzw. auf missionarische Kontakte beschränkt.

Innerhalb fundamentalistischer Gemeinschaften fällt vor allem die ausschließlich patriarchal strukturierte Hierarchie auf. Diese entsteht aus einer Ablehnung des modernen geschlechterneutralen Individualismus und stellt ihm einen Geschlechter-Dualismus mit klar verteilten Rollen gegenüber, der als die alleinige Möglichkeit für die Überwindung der Dekadenz der Welt betrachtet wird. Nachkommende Generationen unterscheiden sich von jener Generation, in der die betreffende Gemeinschaft gegründet wurde, häufig durch einen etwas weniger stark ausgeprägten Traditionalismus, halten jedoch an den patriarchalen Strukturen fest. Für fundamentalistische Gemeinschaften steht weniger ein politisches Ziel im Vordergrund ihrer Bestrebungen als die religiöse Formung des Individuums. Indem sie sich selbst innerhalb ihrer Gemeinde oder in der Nachbarschaft eigene Milieus schaffen, in denen sie unter sich bleiben und ihre Überzeugungen ungestört leben können, sollen ihre Mitglieder angeregt werden, die heiligen Texte selbst zu studieren oder auch Funktionen innerhalb der Gemeinde zu übernehmen, das gilt insbesondere für Frauen. Die Leitung der Gemeinde bleibt aber nach wie vor dem Pastor vorbehalten.[40]

Abgesehen von der Frage der individuellen Motivation einzelner Gemeindemitglieder, sich einer fundamentalistischen Gemeinschaft anzuschließen, die uns noch etwas später beschäftigen wird, stellt sich auch die Frage, wie es überhaupt dazu kommt, dass sich solche Gemeinschaften herausbilden. In seinem Buch „Die Rückkehr der Religionen“ beschreibt Martin Riesebrodt zwei verschiedene Formen von Gruppen: Klassenkulturen und Kulturmileus.[41] Erstere entstehen dort, wo die Gruppenformation auf faktisch homogenen sozioökonomischen Voraussetzungen beruht. Zweitere sind das Resultat einer Gruppenbildung auf Basis von Ordnungsvorstellungen, deren identitätsstiftendes Prinzip stärker von sozialmoralischen als von ökonomischen Faktoren bestimmt wird.[42] Als solche Prinzipien sind auch nationale, ethnische, regionale, genderbezogene oder religiöse Faktoren bzw. das Absolutsetzen bestimmter moralischer Überzeugungen denkbar. .[43] Kulturmileus können entweder klassenhomogen oder klassenheterogen zusammengesetzt sein. Fundamentalismus formiert sich nach Riesebrodts Analyse als klassenheterogenes Kulturmileu. Als Einheit stiftende Elemente fungieren die gemeinsame Heilserwartung oder gewisse kulturelle Ideale, die (wie am Beispiel des protestantischen Fundamentalismus in den USA zu sehen ist) über die Generationen hinweg weiter-bestehen. Deshalb gingen diese Bewegungen in den USA auch mit dem Fortschreiten der Aufklärung nicht unter, sondern transformierten ihre Trägerschaft in Richtung der Mittelschicht. Als Modus der Integration diente die „Institutionalisierung praxisrelevanter Ideologie sowie ideologisch signifikanter Praxis“.[44]

Besonders der Praxis kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu, da die einzelnen Individuen unterschiedlich stark durch diese Ideologie angesprochen werden, trotzdem aber genug Gemeinsames miteinander verbinden können.

Konkret werden drei Bevölkerungsschichten in diesem Zusammenhang erwähnt:[45]

1. Die marginalisierte Mitte
2. Die proletarisierten Intellektuellen
3. Die Unterschichten

Die marginalisierte Mitte erlebte keine primär ökonomische, sondern eher eine kulturelle Krise, da sie von vorne herein heterogen zusammengesetzt war. Sie idealisiert die Werte der alten Mittelschicht (patriarchale-personalistische Struktur sozialer Beziehungen) und fromme Lebensführung. So entstand eine Schicksalsgemeinschaft, die sich dem Kampf gegen die „Erosion der gottgewollten moralischen Ordnungsprinzipien“[46] verschrieben hatte und dieses Szenario durch eine religiöse Dramatisierung zunehmend radikalisierte. Riesebrodt sieht den Mechanismus dadurch in Gang gesetzt, dass die Eltern aus der marginalisierten Mitte ihre Kinder traditionell auf gute Schulen schickten, durch den Kontakt mit modernem Gedankengut entsteht aber eine Entfremdung der Kinder von ihren Eltern, verbunden mit einer entsprechenden Herausforderung der tradierten moralischen Werte.

Angehörige anderer gesellschaftlicher Schichten sehen im Lebensstil der marginalisierten Mitte das Ideal für ihr persönliches Leben (der als „American Way Of Life“ bekannt ist), das für sie eine Erinnerung an die eigene Kindheit, in der sie dieser Klasse nicht angehörten, darstellt und dem sie daher nacheifern, indem sie versuchen, den politischen, ökonomischen und kulturellen Erosionsprozess aufzuhalten und dafür zu sorgen, dass ihre eigenen Vorstellungen und Werte reproduziert werden. Der Statusverlust in der modernen Gesellschaft, den sie erleben, wird heilsgeschichtlich interpretiert und als Folge einer diabolisierten Welt gedeutet, deren Ziel es ist, eine Kultur auszurotten, deren Träger man stets war und immer noch sein will. Vorderstes Ziel ist es also, diese Kultur im gemeinsamen Kampf zu bewahren.[47] Die Folge ist der Rückzug aus dieser vermeintlich bösartigen Welt, auch um zu verhindern, dass man persönlich mit ihr in Kontakt kommt oder dass die Kinder durch diesen Kontakt Schaden nehmen und alles so noch viel schlimmer wird. Einen vollständigen Bruch mit der Welt in Form des Rückzugs in eine ökonomische und regionale Enklave lehnt diese Gruppierung jedoch ab.

Die proletarisierten Intellektuellen errichteten vor allem im städtischen Bereich ein Netzwerk von Hilfeleistungen, mittels dessen sie ihre Mitglieder rekrutieren konnten. Sie haben mit den marginalisierten Mitte-Fundamentalistinnen und -Fundamentalisten gemeinsam, dass auch sie eine politische Veränderung erreichen wollen. Ihre Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen ist jedoch deutlich radikaler, bisweilen erschufen sie sogar utopische Ordnungsvorstellungen.[48]

Die Unterschichten zeichnen sich weniger durch den Willen zu politischen Veränderungen als vielmehr durch einen charismatischen Fundamentalismus aus, in dem die leibliche Machterfahrung (Zungenrede, Ekstase) im Vordergrund steht. In solchen Phasen des Erfülltseins vom Heiligen Geist begegnen sie dem Ohnmachtsgefühl gegenüber jenen Mächten, die ihr Alltagsleben bestimmen und erfahren eine körperlich spürbare Dimension von Macht und Beschenktsein, die ihnen im Alltag bisweilen verwehrt bleibt. Diese gesellschaftliche bzw. politische Machtlosigkeit wird mit einer religiösen Herausgehobenheit aus dieser glücklosen Masse in der religiösen Ekstase kompensiert.[49] So lange sie nicht durch andere politisch aktive Gruppen mobilisiert werden, richten sie ihre Ressourcen eher auf die Bewältigung von Alltagsproblemen.

Schließlich stellt sich im Zusammenhang mit der Beschreibung fundamentalistischer Ideologie noch die Frage, ob sich die Ideale der Lebensführung und der Sozialordnung, die fundamentalistische Gruppierungen vertreten, bestimmten gesellschaftlichen Schichten zuordnen lassen. Riesebrodts nähere Analyse der Themen, die in Schriften, Ansprachen und Aktionen solcher Gruppierungen abgehandelt werden, fördert einen Überhang kultureller und sozialmoralischer Themen zutage.[50] Ökonomische Fragen bleiben im Hintergrund, deshalb geraten Autoren wie z.B. Salman Rushdie, die genau diese kulturellen und sozialmoralischen Regeln kritisch hinterfragen, viel eher ins Kreuzfeuer der fundamentalistischen Kritik als Politiker. Mit ihrer Kritik an den moralischen (insbesondere den sexualmoralischen) Positionen der Fundamentalistinnen und Funda-mentalisten werden sie als personifizierte „Verderber der Jugend“ gesehen, gegen die es mit aller Härte vorzugehen gilt. Solche sozialmoralischen Themen waren und sind natür-lich typische Themen der Vertreterinnen und Vertreter einer alten Mittelschicht, interessanterweise finden deren Aktionen (zum Beispiel jener der Abtreibungs-gegnerinnen und -gegner) immer wieder auch Unterstützung außerhalb ihres Ursprungs-mileus. Zudem gilt es, sich in Erinnerung zu rufen, dass Fundamentalismus nicht nur ein wiederkehrender Traditonalismus, sondern radikalisierter und idealisierter Traditiona-lismus ist. Daher sind seine kulturellen und sozialmoralischen Themen nicht unbedingt die Themen einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht, die nach diesen Idealen lebt, sondern eine idealisierte und radikal verengte Version davon.

Die kollektive Identität der Gruppierungen wird sowohl positiv als auch negativ bestimmt. Positiv in einem Dreischritt von Gesellschaftskritik, Formulierung und Verwirklichung letzter Werte und Sozialbeziehungen in der Alltagspraxis und einer heilsgeschichtlichen Dramatisierung der Moderne, negativ durch die klare Abgrenzung gegenüber Werten, Idealen und der Lebenspraxis anderer und deren konsequenter Ausgrenzung aus der Gemeinschaft.[51] Auch die Lebensführung, für die sich der Fundamentalismus stark macht, wird nicht nur negativ, sondern auch positiv abgegrenzt: Der als gottgewollt verstandene Geschlechterdualismus wird als Erklärung für unterschiedliche Rollen innerhalb der Gesellschaft herangezogen. Mann und Frau sind demnach von Grunde auf unterschiedlich, weil sie sich gegenseitig ergänzen, die klassische Familie ist die Verwirklichung genau dieser gegenseitigen Ergänzung. Die Frau hat gemäß dieser Rollenverteilung ihren von der Natur vorgegebenen Wirkungsbereich im Haushalt und bei der Geburt und Aufzucht der Kinder, der Mann erfüllt die Rolle des Zeugers des Nachwuchses, sowie des Ernährers und Beschützers.[52] Jegliche moderne Konsum- oder Freizeitkultur wird daher heftig zurückgewiesen, was sich auch in der Wahl der wünschenswerten Kleidung, der Speisegewohnheiten und Speisevorschriften ausdrückt. Die Religion bestimmt alle Bereiche des Lebens, auch die Freizeit. Die angestrebte politische Ordnung ist gekennzeichnet von der Durchsetzung und Aufrechterhaltung einer gottgegebenen Wahrheit. Die Demokratie dient den Fundamentalisten dabei zwar als Mittel zur Erreichung entsprechender Positionen mit politischem Einfluss, Kompromisse zu schließen ist jedoch nicht ihre Aufgabe. Die Wahrheit wird als bekannt und nicht verhandelbar vorausgesetzt.

Alle diese Ideale münden in ein Szenario der heilsgeschichtlichen Deutung der Moderne als eines Kampfes der göttlichen Mächte gegen die Schergen des Bösen. Verfolgt das moderne Weltbild mit seinem Focus auf den Menschen, der Kraft seiner Vernunft und des ständigen Fortschritts, der die Gegenwart auf die Zukunft hin überwindet, ein Geschichtsbild der immer weiteren Verwirklichung menschlicher Ideale, so sieht das fundamentalistische Weltbild das zu verfolgende Ziel in der Rückkehr zu einem früheren (als ideal und gottgegeben verstandenen) Weltbild. Die Aufgabe der Moderne ist es also nicht, den Fortschritt weiter voran zu treiben, sondern die früheren Verhältnisse wieder herzustellen. Jeder Fortschritt im modernen Sinn ist also ein Fort-Schritt von Gott und der von Ihm gestifteten Weltordnung. Diese umgekehrte Deutung der Moderne gibt der fundamentalistischen Ideologie eine ganz spezifische Identität, die den Nährboden für radikale Selbstaufgabe bis hin zur Selbstaufopferung liefert.

Wie kommt es also, dass sich auch in Ländern, in denen keine Diktaturen an der Macht sind, fundamentalistische Gruppierungen bilden?

Martin Riesebrodt sieht dafür drei Ursachen: Identitätskrise, Frustration bei Modernisierungsverliererinnen und –verlierern und die immer weiter voran schreitende politische und ökonomische Entfremdung.[53]

Im Detail bedeutet das:

1) Die Identitätskrise wird durch soziale Wandlungsprozesse ausgelöst. Alte Sozialbindungen werden schwächer und nicht in gleichem Maße durch neue abgelöst. Der und die Einzelne kann nicht mehr sicher sein, wem gegenüber er bzw. sie sich solidarisch verhalten soll, es gibt keine fertig vorgegebene Identität mehr, jeder Mensch sieht sich mit einem ständigen Entscheidungsdruck konfrontiert.
2) Die Modernisierungsverliererinnen und -verlierer betrachten den moralisch hohen Preis, den sie für den erreichten Aufstieg bezahlen mussten und idealisieren die Vergangenheit, der die Lebensführung der Mittelschicht als „gute alte Zeit“ als Modell dient.
3) Die zunehmende politische und ökonomische Zentralisierung schafft ein hohes Potential für Entfremdung und marginalisiert breite Schichten der Bevölkerung, die einst im Gesellschaftsmodell der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt hatten und sich dieser Wichtigkeit auch bewusst gewesen waren. Das fundamentalistische Milieu bietet solchen Schichten einen Raum, in dem sie ihre Kultur weiterleben und an die nächste Generation weitergeben können.

Hinsichtlich der Geschlechterbeziehungen innerhalb des Fundamentalismus unterscheidet Riesebrodt zweierlei Typen von fundamentalistischen Gruppierungen: erstens die legalistisch-literalistischen und zweitens die charismatischen.[54] Innerhalb der ersten Gruppierung dominieren Männer das Erscheinungsbild zwar äußerlich, indem sie alle Führungspositionen besetzen, nicht aber zwangsweise auch in Bezug auf die gesamte Mitgliederzahl (siehe dazu die detaillierte Untersuchung von Nancy T. Ammermann „Bible Believers“ aus dem Jahre 1980). In der zweiten Gruppe haben Frauen auch Zugang zu Leitungs- und Führungspositionen, das entscheidende Qualifikationsmerkmal ist weniger die Schriftkenntnis als die Begabung mit dem Heiligen Geist. Riesebrodt räumt jedoch ein, dass diese beiden Idealtypen in der Realität nicht sortenrein vorhanden sind. Hinsichtlich der Hintergründe, warum charismatische fundamentalistische Gruppierungen auch für Männer interessant sind, sieht er eine Ursache darin, dass solche Gruppierungen mit der Auflösung eines macho-patriarchalen Männerbildes den Männern, die im Gegenzeug das alternative Rollenbild des verantwortungsbewussten Familienvaters verinnerlichen, ein ähnliches Maß an Autorität zubilligen. Dieses Rollenbild widerspricht zwar den weit verbreiteten Vorstellungen von Männlichkeit in der Gesellschaft insgesamt, reinstalliert aber quasi durch die Hintertüre die gleiche Unterordnung der Frau unter den Mann nur unter umgekehrten Vorzeichen: Sie lässt ihm den Vortritt, weil er ein so verantwortungsbewusster und fürsorglicher Mann ist und nicht bloß, weil es ihm von Rechts wegen ohne Tilgung einer partnerschaftlich-emotionalen Bringschuld zusteht.

2.1.2. Tendenzen und Gefahren des religiösen Fundamentalismus

Fasst man das bisher Gesagte zusammen und versucht eine erste Bewertung dessen vorzunehmen, so lassen sich innerhalb des religiösen Fundamentalismus einige Tendenzen feststellen, die dem Fundamentalismus religiöser Prägung eigen sind. Einige davon entstehen als Wirkung von Religion an sich, andere hängen in ihrer Intensität entscheidend davon ab, wie einzelne Religionen mit ihren Fundamenten umgehen und die Lehre, die in ihnen enthalten ist, deuten und anwenden.[55]

Da ist zum einen die Gefahr zu nennen, dass Religion zu einer Fluchtburg wird, in die man sich zurückzieht, nachdem eine Rechtfertigung der persönlichen Überzeugung anderen gegenüber nicht gelingt oder erst gar nicht versucht wird, weil es an Toleranz mangelt. Hat es sich eine Religionsgemeinschaft in einer solchen Fluchtburg bequem gemacht, verabsolutiert sie bald ihre eigenen Antworten und neigt dazu, diese als verbindlich für alle durchsetzen zu wollen. Die Folge davon ist die Forderung der Einrichtung eines Gottesstaates bzw. der Rückzug aus der Öffentlichkeit in eine eingeschworene Gemeinschaft Gleichgesinnter. Eine andere Tendenz ist jene, die eigene Religion als eine Protestreligion gegen den Pluralismus der modernen Gesellschaft zu instrumentalisieren und ein Gegenmodell mit vermeintlich sicheren Gewissheiten und fester Lebenspraxis zu entwerfen. Ein solches Bestreben wird von der Überzeugung der Fundamentalistinnen und Fundamentalisten geleitet, die besseren Antworten auf die Probleme der Welt zu haben als jene, die deren religiöse Überzeugungen nicht teilen.

Jede Religion läuft grundsätzlich Gefahr, ihre Fundamente fundamentalistisch auszulegen, wenn sie Elemente aus ihrer Tradition stärker betonen möchte, tappt aber deshalb nicht gleich automatisch in diese Falle. So legen z.B. die protestantischen Kirchen großen Wert auf die Autorität der Heiligen Schrift, die Katholische Kirche hebt neben der Heiligen Schrift besonders die Tradition und ihr Lehramt hervor. Nicht jede katholische Kirche, in der traditionelle Feste des Jahreskreises gefeiert werden, gehört deshalb aber gleich zu der Piusbruderschaft und nicht jede protestantische Kirche ist automatisch eine fundamentalistische Kirche, wenn sie die Autorität der Heiligen Schrift betont. Schließlich gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen einer intensiven und gewissenhaften Exegese der Texte der Bibel und der Lektüre der Bibel als in der vorliegenden Form Wort für Wort von Gott selbst eingegeben zu betrachten.

Gerade an der Frage der Verbalinspiration entzünden sich immer wieder heftige Debatten, handelt es sich doch bei der Bibel um einen heiligen Text, in dem Gottes Offenbarung dem Menschen durch Verbalinspiration kundgetan wurde und der eine zweifellos geschützte Stellung einnimmt. Zum anderen musste sich die Theologie immer schon mit der Frage auseinander setzen, wie man sich Gottes Offenbarung als Gotteswort im Menschenwort am besten vorstellen kann, wenn man bedenkt, dass Menschen Fehler machen und sich ihre Sprache samt ihren Bildern und Metaphern über die Jahrhunderte verändert hat.[56] Am Beispiel des Bibelverständnisses zeigt sich die Notwendigkeit, die biblischen Texte auszulegen und immer wieder neu verständlich zu machen. Dazu gibt es im Christentum, aber auch im Judentum (wie zum Beispiel im Talmud) eine lange Tradition. Eine Religion nimmt jedoch dann fundamentalistische Züge an, wenn sie eines der enthaltenen Elemente absolut setzt. Das gilt sowohl für jene, die eine wortwörtliche Gültigkeit der Bibel in der uns heute überlieferten Form vertreten, genauso wie für jene, die verbissen an alten Traditionen (ohne tieferem Verständnis für die in ihnen ausgedrückten Glaubensinhalte) festhalten. Zweifellos ist es wichtig und richtig, das Wesen einer Religion und ihre Grundlagen ernst zu nehmen. Um dem Fundamentalismus zu wehren, braucht es aber das Zusammenspiel aller Fundamente. Klaus Kienzler vergleicht dieses Zusammen-spiel mit einem Orchester, in dem viele Musikerinnen und Musiker gemeinsam eine Symphonie aufführen und stellt dem die Vorstellung eines Fundamentalisten oder einer Fundamentalistin gegenüber der bzw. die ständig versucht, die erste Geige zu spielen, ohne auf die anderen Rücksicht zu nehmen.[57]

Nach dieser allgemeinen Beschreibung grundlegender Merkmale, Tendenzen und Gefahren von Fundamentalismus und der Gegenüberstellung einiger ausgewählter Einordnungsversuche in den Kontext der Moderne, gilt es nun in einem nächsten Schritt, die Geschichte des christlichen Fundamentalismus und dessen spezifische Ausprägung in den USA näher zu beschreiben, mit dem sich diese Arbeit in weiterer Folge befasst.

2.2. Entstehung des christlichen Fundamentalismus in den USA

Die Ursprünge des christlichen Fundamentalismus liegen in den USA. Dieser Satz ist wahr und falsch zugleich. Er ist wahr, weil der bei uns heute gängige Gebrauch des Wortes „Fundamentalismus“ im Kontext einer religiösen und teilweise auch politischen Protestbewegung seinen Anfang in den USA nahm. Dafür gibt es zahlreiche historische und soziologische Gründe, auf die es in weiterer Folge noch einzugehen gilt. Der Satz ist aber gleichzeitig ebenso falsch, denn eine solche Definition von Fundamentalismus lässt schnell, wird sie einmal absolut gesetzt, Ereignisse in der weiter zurückliegenden Vergangenheit des Christentums vergessen, bei denen sich radikale religiöse Überzeugungen mit der Anwendung von Gewalt im Auftrag von bzw. zumindest unter Duldung durch absolutistische Herrscherinnen und Herrscher auf eine dramatische Weise verbunden hatten. Die chiliastischen Bewegungen samt der Kreuzzüge wären ebenso als ein Beispiel dafür zu nennen wie die Religionskriege zwischen europäischen Ländern in der Folge der Reformation, die auf den Rücken der Bevölkerung ausgetragen wurden und Europa über Jahrzehnte hinweg zu schaffen machten[58]. Selbst innerhalb der Entdeckungsgeschichte der USA gibt es zahlreiche negative Beispiele für die unsägliche Anwendung von Gewalt im Namen Gottes gegenüber den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents durch (katholische) christliche Missionare.

Eingedenk dieser historischen Ereignisse lässt sich jedoch dennoch sagen, dass die Geschichte des Fundamentalismus im Sinne der eingangs getroffenen Definition im Bezug auf die Moderne in den USA beginnt. Einer der Gründe liegt sicherlich darin, dass die Gründerväter[59] der USA ihre Motivation dafür, ihre frühere Heimat zu verlassen und in die Neue Welt aufzubrechen, um dort eine Gesellschaft nach Ihren Vorstellungen zu errichten, aus ihrem starken (protestantischen) Glauben bezogen. Die Verfassung der USA und die Unabhängigkeitserklärung, zwei zentrale Dokumente in ihrer Geschichte, wurden von Männern verfasst, deren religiöse Überzeugungen sie entscheidend dazu motiviert hatten, mancherlei Entbehrungen auf sich zu nehmen und so die USA zu dem zu machen, was sie heute sind.[60] Seit der berühmten Ansprache von Präsident Abraham Lincoln im Jahre 1863 in Gettysburg, bei der er erstmals diese Worte verwendete und den Hinterbliebenen der Gefallenen des Bürgerkrieges Trost zusprach, verstehen sich die USA als eine „Nation unter Gott“. Dies kommt zum Beispiel in der viel diskutierten, aber nach wie vor üblichen „Pledge Of Allegiance“ zum Ausdruck, einem Treueid auf die Amerikanische Fahne, der in Schulklassen morgens vor dem Unterrichtsbeginn, aber auch zu besonders feierlichen Anlässen in der Öffentlichkeit, gesprochen wird.[61] Trotz der formalen Trennung von Kirche und Staat in der Verfassung spielt die Religion eine wichtige Rolle im Leben der US-Amerikanerinnen und Amerikaner und äußert sich in Form einer überkonfessionellen und nicht institutionalisierten „Civil Religion“.[62]

Diese besondere Stellung der Religion in der US-Gesellschaft und die günstigen Verhältnisse für die Herausbildung fundamentalistischer Massenbewegungen sind demnach eine Folge ihrer überwiegend von einem asketisch-protestantisch geprägten Christentum beeinflussten Entstehungsgeschichte und der entsprechenden religiösen Überzeugungen ihrer Gründer.[63] Anders als in den Ländern Europas, aus denen die meisten Einwanderinnen und Einwanderer in die USA kamen, herrschten hierzulande andere religiöse Strukturbedingungen vor als in den katholisch geprägten Ländern. Die Religion genoss in den USA eine starke Autonomie gegenüber dem Staat, es gab keine mit dem Einfluss der Katholischen Kirche in Europa vergleichbare hierokratische Herrschaft, außerdem waren Geistliche diesseits des Atlantik mangels staatlicher Finanzierung bzw. Bevorzugung auch finanziell sehr stark von ihren Gemeindemitgliedern bzw. wohlwollenden Gönnerinnen und Gönner abhängig.[64] So verwundert es auch nicht, dass dem religiösen Pluralismus in den Gebieten an der Nordostküste Nordamerikas, in denen die ersten Kolonien gegründet wurden, ein hoher Stellenwert beigemessen wurde. Jene Gebiete, des „neuen England“ wurden so zur Keimzelle der weiteren gesellschaftlichen und politischen Entwicklung in der Neuen Welt.

2.2.1. Die Neuenglandstaaten: Keimzelle des US-Protestantismus

Als prägende Glaubensgemeinschaft für die politische Entwicklung der Kolonien in der Neuen Welt ist die Anglikanische Kirche zu nennen, die sich im Jahre 1607 in Virginia niederließ, konkret jedoch deren reformerische Bewegung ab dem Jahre 1630 rund um die Stadt Boston in der „Massachusetts Bay“-Kolonie, die eine Einsetzung ihrer Bischöfe durch die englische Krone kategorisch ablehnte. In der Kolonie besaßen nur Mitglieder der Gemeinde auch Rechte als Bürgerinnen und Bürger, als Mitglied der Gemeinde galt jedoch nur, wer den Nachweis der „Erfahrung einer vollen spirituellen Erneuerung“[65] erbringen konnte. Die Ordnung innerhalb der Gemeinde war sehr streng, es genügte nicht, gläubig zu sein bzw. sich als gläubig zu bezeichnen, es galt auch, den Nachweis zu erbringen, dass man sich ganz genau an die sozialmoralischen Ordnungsvorschriften der Gemeinde hielt. Immer wieder wurden einzelne Frauen und Männer, die sich gegen eine solche formalistisch-rigide Befolgung der Vorschriften der Kolonialkirche wandten, verfolgt und aus der Kolonie vertrieben.

Ein Beispiel für eine Frau, die dieses Schicksal ereilte, war Anne Hutchinson. Anne, die Tochter eines Klerikers, war gemeinsam mit Ihrem Gatten, dem Kaufmann William Hutchinson, im Jahre 1634 aus England in die Massachusetts Bay ausgewandert und engagierte sich erfolgreich in der dortigen Gemeinde, indem sie wöchentliche Treffen von und für Frauen leitete, bei denen sie die Predigt des vergangenen Sonntags und eigene theologische Überzeugungen diskutieren konnten.[66] Ihre Treffen waren sehr schnell auch bei Politikern und Magistratsbeamten sehr beliebt, sodass sie innerhalb von nur drei Jahren einen nicht unerheblichen Einfluss innehatte. Als sie jedoch im Jahre 1637 angesichts der puritanischen Forderung nach strengem Gehorsam unter die kirchlichen und staatlichen Gesetze als Bedingung für die Zugehörigkeit (und damit die Staatsbürgerschaft) statt dessen das Kriterium des Erfülltseins von der Gnade und Liebe Gottes forderte, wurde sie wegen Missachtung der Gesetze der Kolonie verbannt und flüchtete nach New York, wo sie im Jahre 1643 verstarb.[67] Anne Hutchinson teilt ihr Schicksal auch mit einigen Baptistinnen und Baptisten, die im Jahre 1644 ebenfalls aus der Kolonie verbannt wurden. Sie alle kamen jedoch noch verhältnismäßig glimpflich davon: In den Jahren 1659 und 1661 wurden vier Quäker (Mitglieder der sogenannten „Gesellschaft der Freunde“, einer betont gegenkulturellen Glaubensgemeinschaft, die feste Riten bei der Feier von Gottesdiensten ebenso ablehnen wie die Weihe von hauptamtlichen Amtsträgerinnen und -trägern und die in einer langen Tradition des Pazifismus stehen)[68] in Boston öffentlich gehängt, nachdem sie sich auch nach mehreren Verbannungen geweigert hatten, die Kolonie zu verlassen.[69] Es dauerte schließlich bis zum Jahre 1692, als das Wahlrecht durch den „Act Of Toleration“ nicht mehr an die Kirchenmitgliedschaft gebunden war und somit erstmals ein außerreligiöses Kriterium für BürgerInnenrechte definiert wurde. Im Mutterland England war der „Toleration Act“ bereits 1689 verabschiedet worden und garantierte allen Bürgerinnen und Bürgern (mit Ausnahme der Unitarier und Katholiken) das Recht auf freie Religionsausübung und die Errichtung von eigenen Schulen und schloss auch das Recht auf Ausübung eines politischen Amtes mit ein.[70]

In den übrigen Neuenglandstaaten hatte sich bereits etwas früher ein religiöser Pluralismus etabliert. Schon im Jahre 1636 gründete der junge Geistliche Roger Williams in der Bucht des Flusses Narragansett eine Siedlung namens „Providence“ (Vorsehung).[71] Williams war ein glühender Anhänger der Überzeugung, dass es wahren Glauben nur durch eine persönliche und bewusste Erfahrung der Gnade Gottes und einer bewussten Entscheidung für die Taufe geben könne. Das Gebiet von „Rhode Island“, das schließlich im Jahre 1663 durch den Zusammenschluss von Providence mit einigen anderen Ortschaften vom englischen König Karl II. errichtet wurde, ist seither eine Hochburg der Baptistinnen und Baptisten.

Maryland mit seiner Hauptstadt Baltimore war ursprünglich von George Calvert, dem ersten Lord Baltimore, als Eigentümerkolonie (ähnlich wie auch Maine und New Hampshire durch die Herren George und Mason)[72] gegründet worden. Sein Sohn Cecil Calvert erhielt das Land nach dem Tod seines Vaters übertragen und gilt als der eigentliche Gründer des Landes. Er war Katholik und gab der Kolonie den Namen Maryland (zu Ehren der englischen Königin Henriette Maria, einer Französin katholischen Glaubens). Cecil wollte seine Kolonie zu einem Zufluchtsort für in England unterdrückte Glaubensbrüder und -schwestern machen.[73] Das Experiment schlug jedoch insofern fehl, als dass sich die Katholikinnen und Katholiken, die nach Maryland kamen, angesichts zahlreicher protestantischer Siedler aus benachbarten Regionen binnen kürzester Zeit in der Minderheit vorfanden, was dazu führte, dass in der Region, die eigentlich als bevorzugt katholische Kolonie gegründet worden war, die Duldung aller christlichen Konfessionen ausgesprochen wurde. Dennoch weist der Bundesstaat Maryland heute eine überdurchschnittlich großen Anteil an Katholikinnen und Katholiken an der Gesamtbevölkerung auf.

Als Geschenk des Königs Karl II. erhielt William Penn, der Sohn des Admirals Penn, der dem König treu gedient hatte, ebenfalls eine eigene Kolonie übertragen, die später unter ihrem heutigen Namen „Pennsylvania“ große Bekanntheit erlangen sollte. William Penn war ein Quäker und wollte für seine „Freunde“ einen Zufluchtsort errichten. Schon im Jahre 1682 begann er mit einer Gruppe von Siedlern, die er aus Europa mitgebracht hatte, mit der Errichtung seiner Kolonie, die sich den Grundsätzen der Friedensliebe, religiöser Toleranz und Humanität verpflichtet sah.[74] Die Stadt Philadelphia[75] wurde aufgrund dieser Grundsätze so benannt und entwickelte sich in Folge wirtschaftlich deutlich rascher als die übrigen Kolonien. Dies dürfte zum Einen daran liegen, dass sich William Penn mit den indianischen Einwohnern der Region gut stellte und es zu keinen Angriffen und Plünderungen auf beiden Seiten kam, zum Anderen war die prosperierende Entwicklung gewiss auch auf die liberale und fortschrittliche Art und Weise zurückzuführen, mittels der das Volk an der Regierung mitwirken durfte.[76]

Auch das Gebiet von Carolina (heute in North und South Carolina geteilt), war eine Schenkung des Königs Karls II. an eine Gruppe von englischen Adeligen und sollte sich hinsichtlich seiner geographischen Breite ursprünglich zwischen dem (damals spanischen!) Florida und dem Pazifischen Ozean (damals noch kaum erschlossenes Hinterland) erstrecken. Die Stadt Charleston verdankt ihren Namen dieser königlichen Stiftung, weitere wichtige Städte sind Raleigh und Charlotte, heute eine Drehscheibe des nationalen und internationalen Flugverkehrs und die wirtschaftlich bedeutendste Stadt in der Region,.[77]

In der Zeit zwischen der Gründung der Neuenglandkolonien, der Bildung der Union von Staaten als Vorläuferin der USA und der späteren Ausrufung einer Verfassung für die zweite „neue Union“, die auf die gescheiterte erste Union[78] folgen sollte, dominierte weitestgehend ein System territorialer Privilegierung bzw. Trennung der einzelnen Religionen.

Die Anglikanische Kirche bzw. die Kirche der Kongregationalisten beherrschte die Neuenglandstaaten weitestgehend, ausgenommen davon waren nur Pennsylvania, Maryland, Rhode Island und Delaware.[79] Selbst nachdem die USA (in Boston, MA) ihre Verfassung ausgerufen hatten, dauerte es bis zum Jahre 1833, als auch in Massachusetts der erste Verfassungszusatz, der das Recht auf freie Religionsausübung festschrieb, ratifiziert wurde und somit die Voraussetzungen für ein wirklich pluralistisches religiöses System geschaffen worden waren.

Für die weitere Entwicklung der Rolle der USA seit der Kolonialzeit sind zwei Besonderheiten festzuhalten: erstens, dass es immer wieder Wellen von religiösen Erweckungsbewegungen gab, die sich allesamt gegen die Herausbildung religiöser Autorität und Hierarchien richteten und die Rolle des Individuums bei der Gotteserfahrung sehr stark betonten.[80] Dadurch gelang es während solcher „Awakenings“ immer wieder, breite Schichten der Bevölkerung zu mobilisieren und sie für eine solche antiautoritäre, populistisch-demokratische Form von Religiosität zu begeistern. Zweitens verlor der puritanische Protestantismus, als Resultat der politischen, aber auch der religiösen Veränderungen im Land, immer mehr an Einfluss. Dieser ständig fortschreitende Bekenntnispluralismus formte so im Lauf der Zeit eine neue Integrationsideologie („Zivilreligion“ oder besser „staatsbürgerliche Religion“) für die Nation, in der die Eckpfeiler des „American Dream“ (Demokratie und Kapitalismus) religiös überhöht wurden und Nordamerika bzw. das Gebiet der USA zu einer Staatengemeinschaft wurde, dessen Volk sich mit einer göttlichen Mission in der Welt ausgestattet versteht.[81] Dennoch gab und gibt es innerhalb der USA eine nicht unwesentliche Zahl von Gläubigen, die dafür eintreten, ihre religiösen Überzeugungen durch staatliche Gesetze für alle verbindlich zu machen. Der wohl berühmteste Gerichtsprozess zu diesem Thema ist der so genannte „Affenprozess“ aus dem Jahre 1925, bei dem es um die Irrtumslosigkeit der Bibel in Bezug auf den Schöpfungsbericht und in Folge um das Verbot der Lehre von der Evolutionslehre an den öffentlichen Schulen ging. Gerade die Irrtumslosigkeit der Bibel ist eine der fünf „Fundamentals“, die die Eckpfeiler der fundamentalistischen Glaubenslehre bilden. Diesen fünf Grundüberzeugungen sowie dem (auch medial sehr spektakulären) Gerichtsprozess ist der folgende Abschnitt gewidmet.

2.3. Die erste Welle des Fundamentalismus in der öffentlichen Debatte in den USA: Die „Fundamentals“ und der „Affenprozess“

Innerhalb der Geschichte der USA, die in den Neuenglandstaaten ihren Anfang nahm, beginnt auch die Geschichte des Begriffs „Fundamentalismus“, jedoch erst rund 200 Jahre nach der Ausrufung der Union. Er findet sich zum ersten Mal in einer Schriftenreihe mit dem Titel „The Fundamentals“, die in den Jahren 1910 – 1915 vom kalifornischen Ölmilliardär Lyman Stewart herausgegeben wurde. Sie umfasst insgesamt 12 Bände und besteht aus einer Sammlung von Aufsätzen von insgesamt 64 verschiedenen Autoren aus England, Kanada und den USA, unter ihnen sowohl Geistliche, Professoren, als auch Laien, durchwegs Männer, was vermutlich daran liegt, dass zu dieser Zeit (noch) keine Publikationen von Frauen akzeptiert worden wären. Lyman Stewart war es ein wichtiges Anliegen, seine „Fundamentals“, die den Untertitel „Ein Zeugnis für die Wahrheit“[82] trugen, kostenlos an „jeden Pastor, Evangelisten, Missionar, Theologieprofessor, Theologie-studenten, Leiter von Sonntagsschulen, jede Sekretärin der Y.W.CA. und jeden Sekretär der Y.M.C.A. in der Englisch sprechenden Welt“[83] zu verteilen. Die Auflage aller 12 Bände erreichte die für die damalige Zeit erstaunliche Anzahl von 3 Millionen Exemplaren.[84] Im Jahre 1917 erschienen in Folge noch vier weitere Bände, 1958 und 1990 erschien nochmals jeweils ein Band, beide von unterschiedlichem Umfang. Die später erschienenen Ausgaben wurden zudem mehrfach überarbeitet, bevor sie veröffentlicht wurden. Die darin enthaltenen Aufsätze befassten sich zu einem Großteil mit der Verteidigung der Irrtumslosigkeit der Bibel, in weiterer Folge behandelten sie aber auch klassische theologische Fragestellungen wie die Dreifaltigkeit Gottes, die Lehre von Sünde und Schuld oder die Frage der Theodizee und enthielten zu einem wesentlichen Teil persönliche Glaubenszeugnisse. Immer wieder gab es auch schriftliche Angriffe auf andere Religionen in den USA zur damaligen Zeit wie z.B. gegen die Mormonen oder den Katholizismus.[85]

Aus der genannten Schriftreihe und der darin abgehandelten theologischen Fragen und Glaubenszeugnisse kann man jene fünf fundamentalen Prinzipien des christlichen Glaubens herausfiltern, auf die sich die fundamentalistischen Gemeinden als Minimalkonsens geeinigt haben:[86]

1. Irrtumslosigkeit der Bibel, die wortwörtlich zu interpretieren ist
2. Jungfrauengeburt
3. Leibliche Auferstehung Jesu Christi
4. Stellvertretendes Sühneopfer Jesu Christi
5. Physische Wiederkehr Jesu Christi

Von diesen fünf Punkten sind nicht alle Punkte gleich wichtig bzw. lassen sich die Punkte 2 bis 5 als Konkretisierungen des ersten Punktes verstehen: Wenn man die Bibel wortwörtlich liest und es keinen Zweifel daran gibt, dass sie ohne jeden Irrtum ist, ergeben sich die weiteren vier Punkte quasi als Konsequenz daraus.[87] In einzelnen Fällen ist es auch schon vorgekommen, dass vom wortwörtlichen Verständnis der Bibel insoweit abgerückt wurde, als dass der Irrtumslosigkeit der Vorrang eingeräumt wurde. Das bedeutete zum Beispiel im Zusammenhang mit der Verurteilung der Evolutionslehre von Charles Darwin durch fundamentalistische Gemeinschaften, dass ein Schöpfungstag unter Umständen auch einen längeren Zeitraum als 24 Stunden bezeichnen könnte.[88]

An diesen fünf Punkten lässt sich sehr gut erkennen, wer die Gegnerinnen und Gegner des Fundamentalismus waren: Das Festhalten an der wörtlichen Gültigkeit der Bibel und vor allem ihrer Irrtumslosigkeit bezieht eine Gegenposition zur historisch-kritischen Forschung, die Betonung der Geburt Jesu aus Maria der Jungfrau und auch die leibliche Auferstehung Jesu sowie seine Wiederkunft am Ende der Zeiten stellen sich deutlich in Distanz zur Naturwissenschaft, deren Erkenntnisse in der Moderne zunehmend zu den ausschließlich glaubwürdigen und allgemein akzeptierten geworden waren.[89] Die rationalen Forschungsmethoden der Naturwissenschaft hatten die Religion als etablierte und unhinterfragbare Autorität vom Thron gestoßen und deren Überlieferungen bestenfalls in den Bereich der bildhaften Sprache mit allerhöchstens allegorischem Erkenntniswert verdrängt. Im Fahrwasser der folgenden Absolutheitserklärung moderner Wissenschaft geschah also gleichzeitig eine Relativierung der religiösen Wahrheiten. Dies führte, besonders im Bezug auf deren Erklärungsmodelle für die Entstehung der Welt und des Menschen, zu heftigen Auseinandersetzungen. Sein Geschaffensein als Gottes Ebenbild in Gestalt von Mann und Frau (Gen 1,27) hob den Menschen deutlich aus der ganzen Schöpfung hervor und lieferte die Grundlage für dessen besondere Würde. Auch das traditionelle Familienbild, in dem der Mann das Haupt der Familie ist und sich die Frau ihm unterordnet, wurde biblisch begründet (Gen 2,23f). Die Evolutionslehre Darwins, wie sie die Naturwissenschaften aufgestellt hatten, löste den Menschen nun aus dieser besonderen Herausgehobenheit und stellte ihn auf eine Ebene mit anderen Tieren, deren Eigenschaften, wie wir sie kennen, plötzlich genauso nur ein Produkt eines biologischen Auswahlverfahrens darstellten wie jene des Menschen. Schließlich schlug es in den Augen der Fundamentalistinnen und Fundamentalisten dem Fass endgültig den Boden aus, als die Evolutionslehre aufzeigte, dass zwischen dem Menschen und bestimmten Affen eine verhältnismäßig nahe genetische Verwandtschaft besteht.

Einer der bisher spektakulärsten Gerichtsprozesse in den USA zu diesem Thema war der so genannte „Affenprozess“ von Dayton, TN im Jahre 1925. Im Staate Tennessee war es nämlich per Gesetz verboten gewesen, die Evolutionslehre in der Schule zu unterrichten. Der Biologielehrer John Scopes verweigerte diesem Gesetz seinen Gehorsam und ließ sich von einem Freund wegen Missachtung anzeigen, damit die Sache vor Gericht verhandelt werden musste.[90] Scopes und sein Freund wollten in der Öffentlichkeit beweisen, wie unsinnig das betreffende Gesetz, der sogenannte „Butler Act“, war. Unterstützt wurden sie von der „American Civil Liberties Union“, einer Vereinigung, die sich für die Einhaltung und Durchsetzung der verfassungsmäßig garantierten Rechte aller Bürgerinnen und Bürger einsetzte. Der Verein sorgte durch die Bereitstellung mehrerer Anwälte für eine professionelle Verteidigung vor Gericht, allen voran der Staranwalt und brillante Rhetoriker Clarence Darrow. Auf der Seite der Ankläger stand ihnen der ehemalige Außenminister William Jennings Bryan gegenüber, der seine Chance gekommen sah, einen Triumph gegen die Evolutionslehre zu erringen. Bryan hatte bereits drei Mal (1896, 1900 und 1908) erfolglos für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert und dann im Jahre 1915 erneut für Schlagzeilen gesorgt, als er sein Amt als Außenminister unter Präsident Woodrow Wilson mit der Begründung zurücklegte, dass sein Plan zur Beendigung des ersten Weltkrieges keine Mehrheit gefunden hatte, mit dem er den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg glaubte verhindern zu können. Als es zur Kriegserklärung kam organisierte er jedoch dennoch in seinem Umfeld finanzielle Unterstützung für den Krieg - wohl auch aus Loyalität zum Präsidenten.[91]

Als es jedenfalls zur Verhandlung kam war sich Bryan sicher, er könne mit den Argumenten punkten, dass der biblische Schöpfungsbericht objektiv wäre und der Vernunft entspreche und die Evolutionslehre hingegen nur auf Spekulationen und unbewiesenen Theorien basiere. Als ihn der Anwalt der Verteidigung jedoch im Kreuzverhör mit einer Reihe von bohrenden Fragen in Bezug auf die wörtliche Gültigkeit der Bibel auflaufen ließ, gab er schließlich zu, dass die Zeitspanne, in der die Welt erschaffen worden war, durchaus auch länger als 6 Tage zu je 24 Stunden gedauert haben könnte, womit er einen Dominoeffekt auslöste und das ganze Kartenhaus seiner fundamentalistischen Argumentation in sich zusammenbrach. Die Gegner der Fundamentalisten hatten einen fulminanten Sieg errungen, noch dazu, weil über diesen Prozess intensiv mittels des damals brandneuen Mediums des Radios berichtet worden war.[92] Die Strapazen des Prozesses und die erlittene persönliche Niederlage, die William Jennings Bryan erlitten hatte, setzten ihm jedoch offenbar so zu, dass er am Sonntag nach Ende des Prozesses überraschend verstarb.

Trotz mancher solcher Niederlagen im Kampf für ein wörtliches Bibelverständnis hielten die Fundamentalistinnen und Fundamentalisten in den USA an ihrem Glauben und ihren Überzeugungen fest. Was die bereits erwähnten fünf Punkte betrifft, so finden sich in einzelnen Dokumenten, abgesehen vom ersten Punkt, auch andere Glaubensinhalte unter einer Liste von fünf Punkten, wie zum Beispiel die Authentizität der Wunder Jesu in der „Five Points Deliverance“, die im Jahre 1910 von der Generalversammlung der Presbyterianer verabschiedet wurde, zu denen sich alle Kandidaten am „Union Theological Seminary“ in New York bekennen mussten.[93]

Nach einer Pause von rund 60 Jahren erlebte in den USA der politische Lobbyismus fundamentalistischer Prägung schließlich in den 1970er-Jahren seinen zweiten Höhepunkt. Einige wenige dieser Gruppierungen, die zu dieser Zeit gegründet wurden, sind bis heute noch aktiv, wenngleich sie im politischen Alltag in letzter Zeit weniger präsent waren, seitdem das Präsidentenamt wieder von einem demokratischen Kandidaten ausgeübt wird. Anders als sein Amtsvorgänger George W. Bush, pflegt der derzeitige US-Präsident Barack Obama keine besonders intensiven Kontakte zur sogenannten „neuen religiösen Rechten“ in den USA, so dass man jene Gruppierungen, die immer noch aktiv sind, nur im Umfeld einer ehemaligen Vizepräsidentschaftskandidatin aus Alaska, die das Amt des dortigen Governors inzwischen ebenfalls nicht mehr inne hat, in einer breiteren Öffentlichkeit wahrnehmen kann. Wie kaum einer anderen Bewegung gelang es diesen Gruppierungen der „Neuen Christlichen Rechten“, über einen längeren Zeitraum eine große Zahl von Unterstützerinnen und Unterstützern hinter sich zu vereinen, die nicht nur aus dem Lager der protestantischen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten kamen. Einige dieser Gruppierungen sind bis heute noch aktiv. Im folgenden Abschnitt sollen diese daher kurz vorgestellt werden.

2.4. Die zweite Welle des Fundamentalismus in der öffentlichen Debatte in den USA: „The (New) Christian Right“

War der „Affenprozess“ von Dayton, TN zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in erster Linie ein zeitlich begrenztes Medienspektakel gewesen, das bis auf weiteres keine weiteren politischen Wellen schlug, so begann sich das Engagement fundamentalistischer Gruppierungen, nach einer Reihe von umstrittenen Gerichtsverfahren in den 1960er und 70er-Jahren (und auch vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges) nach und nach zu verändern. Seit dem Affenprozess hatte es zwei Weltkriege gegeben, Frauen hatten die wirtschaftliche und politische Bühne betreten, die neuen medizinischen Erkenntnisse zur Empfängnisverhütung verschafften Frauen eine stärkere Möglichkeit zur Geburtenkontrolle und führten in der Gesellschaft zu einer Auflösung des obligatorischen Zusammenhangs zwischen Sexualität und Ehe bzw. Partnerschaft. So sehr diese Veränderungen von vielen begrüßt wurden, so groß waren auch die Sorge und der Widerstand bei vielen anderen. Zu jener Zeit wurden daher mehrere Organisationen gegründet, die sich als überkonfessionelle Foren jener Unzufriedenen und Besorgten verstanden und zum Teil noch heute aktiv sind. Die zentralen Themen der einzelnen Bewegungen umfassen ein breites Spektrum gesellschaftspolitischer Bereiche vom Kampf gegen das ERA („Equal Rights Amendment“), mittels dessen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern als Verfassungszusatz festgeschrieben werden sollte, das aber bis heute nicht von allen Bundesstaaten der USA ratifiziert wurde und somit nach wie vor nicht in Kraft ist, über die Ablehnung von Homosexualität, den Kampf gegen Abtreibung („Schutz des Lebens“), Wiedereinführung des Gebetes an öffentlichen Schulen, den Widerstand gegen eine Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitzes bis hin zur Lehre des „wissenschaftlichen Kreationismus“, also des biblischen Schöpfungsberichtes, anstelle der Evolutionslehre von Charles Darwin, an den Schulen.[94]

Die zahlreichen Gruppierungen, die sich dieser als „New Right“ bezeichneten konservativen Ecke zuordnen lassen, können auf drei Ebenen unterschieden werden: Da gibt es zum einen die Kernaktivistinnen und –aktivisten mit ihren jeweiligen Organisationen im Hintergrund, die die Gesamtbewegung überhaupt zusammen gebracht haben, zum anderen gibt es eine Reihe von Gruppen, die rund um ein bestimmtes Thema eine Koalition gebildet haben und aus unterschiedlichen religiösen Richtungen kommen.

Auf einer dritten Ebene schließlich sind noch jene zu nennen, die von den einzelnen Bewegungen mobilisiert werden sollen. Dabei lag der Fokus stets auf der großen Gruppe der Evangelikalen in den USA.[95]

Wie schon zu erkennen war, gab es eine ganze Reihe von Themen, rund um die die Aktivistinnen und Aktivisten der „New Right“ seit dem Ende der 1970er Jahre auf dem politischen Parkett umtriebig gewesen waren. Lange Zeit gehörte dazu auch eine radikal anti-kommunistische Haltung während der Zeit des Kalten Krieges, mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kommunismus in Europa und den politischen Veränderungen innerhalb der ehemaligen Sowjetunion verlor dieser Themenkomplex jedoch seine politische Aktualität. Nach wie vor aktuell sind jedoch die Forderungen nach einem ökonomischen Liberalismus und nach einem eher traditionell-konservativen Sozialstaat.[96] Angesichts wirtschaftlicher Probleme wie Arbeitslosigkeit, Inflation, hoher Steuern und nur langsam steigender Produktivität tritt die „New Right“ dafür ein, die Wirtschaft müsse so weit wie möglich von staatlichem Einfluss befreit werden, damit sie sich ungehindert entwickeln könne. Was die soziale und gesellschaftliche Ordnung betrifft, beklagt die „New Right“ einen fortschreitenden Rückgang der traditionellen Moral in der amerikanischen Gesellschaft und macht diesen für die daraus entstehenden sozialen Probleme verantwortlich. Schlagwörter dazu sind Abtreibung, Equal Rights Amendment, sexuelle Promiskuität, Drogenkonsum, Verbot des Schulgebetes etc.[97] Amerika befindet sich nach Ansicht der „New Right“ mitten in einer spirituellen Krise, die es zu überwinden gilt.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sich diese beiden Positionen (Liberalismus und Traditionalismus) zum Teil gegenseitig ausschließen und wären daher kaum dafür geeignet, um als homogene Ideologie eine große Zahl von Befürworterinnen und Befürworter zu finden. Tatsächlich aber zeigt sich, dass genau diese Kombination für die amerikanische Kultur trotz ihrer inneren Widersprüche am besten geeignet ist. Jede Ideologie für sich hätte keine große Chance auf Erfolg, da sie nicht in der Lage ist, einen breiten Konsens herzustellen. Miteinander kombiniert ergeben ein religiös motivierter sozialer Traditionalismus und der ökonomische Liberalismus offenbar genau die richtige Mischung, weil sie wechselseitig die Schwächen des jeweils anderen kompensieren. So wird es möglich, dass materieller und individueller Erfolg dank deren Verankerung unter eine göttliche Vorsehung und daraus resultierender transzendenter Werte erstrebenswert erscheint und für soziale Stabilität sorgen kann.

Innerhalb der „New Right“ bestand die „New Christian Right“ anfangs aus einer Vielzahl von mehr oder weniger schlecht organisierten Gruppen von Lobbyistinnen und Lobbyisten, Fernsehpredigern und Geistlichen, die von ihrer Heimatkirche enttäuscht worden waren und sich nun eine neue religiöse Heimat suchten, in der sie auch politisch aktiven werden konnten. Allesamt waren diese Gruppen lange Zeit nur lose miteinander verbunden. Die gesamte Neue Christliche Rechte wurde erst ab dem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen, als es einigen Organisationen gelang, eine beträchtliche Zahl an Mitgliedern hinter sich zu vereinen und dementsprechend aufzutreten. Zwei davon sollen nun kurz vorgestellt werden: die „Christian Voice“ von Robert Grant und Richard Zone in Kalifornien und die „Moral Majority“ von Jerry Falwell in Virginia. Außerdem gilt es noch auf zwei Vereine hinzuweisen, die von konservativ-fundamentalistischen Frauen gegründet wurden und bis heute unter anderem gegen die Ratifizierung des „Equal Rights Amendment“ in der Verfassung der Vereinigten Staaten Stimmung machen, nämlich die „Concerned Women Of America“ von Beverly LaHaye und das „Eagle Forum“ der katholischen Anti-Feministin Phyllis Schlafly.

2.4.1. „Moral Majority“

Wie keinem anderen vor ihm gelang es dem baptistischen Pastor Jerry Falwell, eine Bewegung namens „Moral Majority“ ins Leben zu rufen, die das fundamentalistische bzw. konservative religiöse Lager in den USA über die Konfessionsgrenzen hinweg hinter sich vereinte.[98] Falwell hatte sich bereits als Fernsehprediger einen Namen gemacht und mit der „Old Time Gospel Hour“ eine Fangemeinde geschaffen. Durch seine mitreißenden rhetorischen Fähigkeiten begeisterte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer, löste aber mit seiner provokativen und bisweilen selbstherrlichen Sprache immer wieder Kontroversen aus und wurde deshalb sogar einmal von einem Kabinettssekretär als „Ayatollah Khomeini in this country“[99] bezeichnet.

Jerry Laymon Falwell (1933 – 2007) wuchs in Lynchburg im Bundesstaat Virginia auf. Innerhalb seiner Familie war nur seine Mutter gläubig gewesen, sein Vater und sein Großvater waren Atheisten. Im Alter von 19 Jahren ließ sich Falwell taufen und studierte am Baptist Bible College in Springfield. Nach seinem Studienabschluss in Springfield gründete er in seiner Heimatstadt Lynchburg die „Thomas Road Baptist Church“. Die Gemeinde hatte zu Beginn nur ungefähr 35 Mitglieder, war aber über die Jahre hinweg stark gewachsen und zählte, als Falwell 2007 verstarb, 20000 Gläubige.[100] Dies ist gewiss auf den hohen Bekanntheitsgrad zurückzuführen, den sich Falwell als Fernsehprediger erworben hatte. Er war einer der ersten, die das Medium des Fernsehens zur Verbreitung von religiösen Sendungen, seinen Sonntagspredigten und zur Bibelverkündigung nutzten. Der Begriff des „Televangelismus“[101] ist zentral mit seiner Person verbunden.

Mit der Gründung der „Moral Majority“ wollte Falwell ein Forum ins Leben rufen, in dem sich alle Gläubigen, die mit den moralischen Veränderungen in der Gesellschaft nicht einverstanden waren, zusammenschließen konnten. Tatsächlich gelang es ihm, im gemeinsamen Kampf gegen Abtreibung, Homosexualität, Pornographie, Feminismus und gegen die Abschaffung des Schulgebetes neben den fundamentalistischen Protestanten auch konservative Katholiken, Juden und Mormonen für seine Sache zu gewinnen und gemeinsam auf ein erstes politisches Ziel einzuschwören: die Wahl ihres Wunschkandidaten Ronald Reagan zum Präsidenten der USA.[102] In wie weit die Aktivitäten der Moral Majority wahlentscheidend gewesen waren, ist nach wie vor umstritten, auf jeden Fall war es ein Verdienst der Bewegung, dass sich über 2 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner als neue Wählerinnen und Wähler registrieren ließen. Die Zustimmung zu Präsident Ronald Reagan war bei seiner Wiederwahl sogar noch deutlicher: Alleine in North Carolina gingen über 300.000 weiße Evangelikale erstmals wählen und stimmten für ihren Wunschkandidaten. Unter den stark fundamentalistisch beeinflussten „Southern Baptists“ stieg die Zustimmung beim zweiten Wahlgang deutlich an: Hatten im Jahre 1980 nur 29 % den republikanischen Kandidaten gewählt, so stimmten vier Jahre später 66 % für Reagan. Dies ist umso erstaunlicher, als diese WählerInnengruppe traditionell bisher immer die Demokraten unterstützt hatte.[103]

Eine mögliche Erklärung für diesen Meinungsumschwung ist jedoch sicher auch darin zu sehen, dass Reagans Amtsvorgänger James „Jimmy“ Carter selbst ein Southern Baptist gewesen war, seine Glaubensbrüder und –schwestern jedoch mit seiner Politik sehr enttäuscht hatte. Er hatte nämlich mit seiner Entscheidung, die kirchlichen Tagesschulen nur dann von der Steuer zu befreien, wenn sie die Gleichbehandlung der Rassen garantierten, eine Welle der Entrüstung losgetreten, die zur Gründung der „Moral Majority“ führte. Wenngleich sein Nachfolger Ronald Reagan die beiden stark kritisierten Entscheidungen des Höchstgerichtes („Roe vs. Wade“ 1973 legalisierte die Abtreibung, „Engle vs. Vitale“ 1962 verbot das Gebet an öffentlichen Schulen) nicht wieder aufhob, so machte er doch die Besteuerung der Tagesschulen wieder rückgängig.

Die Zahl ihrer Mitglieder wurde von der „Moral Majority“ zur Zeit ihrer höchsten Aktivität mit 7 Millionen[104] angegeben, diese Zahl wird jedoch mittlerer Weile sehr stark angezweifelt, unabhängige Analysen[105] nennen die Zahl von 800.000 Mitgliedern. Noch im Jahre 1986 hatte Jerry Falwell seine „Moral Majority“ um die „Liberty Federation“ erweitert, um seine Plattform auch in Richtung der weniger konservativen Gläubigen zu öffnen, er hatte damit aber keinen durchschlagenden Erfolg. 1989 löste Falwell die Bewegung schließlich auf. Als Grund gab er an, er wolle sich fortan ausschließlich um die „Liberty University“ in Lynchburg, VA, kümmern, deren Kanzler er bis zu seinem Tode war.[106] Die von ihm gegründete Universität ist inzwischen die größte private Universität im Bundesstaat Virginia und wird nun von Jerry Falwells Sohn Jerry Jr. als Kanzler geleitet.[107]

2.4.2. „Christian Voice“

Im gleichen Jahr wie die „Moral Majority“ gründeten die beiden Kalifornier Robert Grant und Richard Zone die „Christian Voice“. Ihre Organisation entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer religiöser Gruppen an der US-Westküste, die sich bereits seit einiger Zeit gegen Pornographie und Homosexualität und für die Stärkung traditioneller Familienwerte eingesetzt hatten.[108] Nur rund 18 Monate nach ihrer Gründung konnten sie bereits die stolze Zahl von insgesamt 187.000 Unterstützerinnen und Unterstützer vorweisen, darunter nicht nur Laien und Geistliche der Baptistinnen und Baptisten, sondern auch Mormonen und einige Priester der Katholischen Kirche. In ihrer Aufstiegsphase machte sich die „Christian Voice“ ihre guten Beziehungen zum Fernsehprediger Pat Robertson zunutze, der ihr in seinem dichten Netz zahlreicher lokaler Fernsehstationen ausgiebig Sendezeit einräumte.[109]

Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte die Gruppierung auch mit ihrer Idee, einzelne Kongressabgeordnete einem regelmäßigen „Morality Rating“[110] zu unterziehen. Anhand einer Liste von Kriterien bewerteten sie das Abstimmungsverhalten der betreffenden Personen hinsichtlich ihrer moralischen Integrität. Stimmte die betreffende Person bei Gesetzesvorlagen in Übereinstimmung mit ihrem christlich-traditionalistischen Wertekatalog in den Bereichen Schulgebet, Abtreibung, Schulbusgesetze oder Elternrechten ab, gab es dafür Pluspunkte, wich das Abstimmungsverhalten von den Vorgaben ab, wurden Minuspunkte verteilt. Einige grundsätzlich den Evangelikalen nahestehende Abgeordnete fielen mit Pauken und Trompeten durch diesen Test durch, nur ein einziger Abgeordneter (der Republikaner Richard Kelly aus Florida) erreichte die Bilderbuchwertung von 100 %.[111] Die Absicht hinter dem Verteilen von moralischen Noten hatte weniger den Sinn, den Abgeordneten nur in ihren Heimatprovinzen zu schaden, als vielmehr sie für die gesamte evangelikal-fundamentalistische WählerInnenschaft als unmoralisch zu brandmarken. Pat Robertson hatte aber nicht nur der „Christian Voice“ zum Start verholfen, er hatte auch bei der Gründung der „Christian Coalition“ von Timothy LaHaye seine Finger im Spiel. Anders als die Organisation ihres Mannes, war seine Frau Beverly mit ihrer Organisation weitaus erfolgreicher und ist es bis zum heutigen Tage.

2.4.3. „Concerned Women Of America“

Die CWA, wie sich die Organisation abgekürzt nennt, wurde 1979 von Beverly LaHaye gegründet. Beverly wollte mit ihrer Organisation einen Gegenpol zu anderen, feministischen Frauenorganisationen schaffen, weil sie davon überzeugt war, dass die Mehrheit der Frauen deren Ansichten nicht teilt.[112] Ausgehend von der Bibel und den dort enthaltenen Prinzipien haben sich die „Concerned Women“ in ihrer nunmehr 30-jährigen Geschichte immer wieder aktiv für traditionelle Familienwerte eingesetzt und dabei zahlreiche Erfolge verbuchen können. Außerdem treten sie für eine Stärkung der Nationalen Souveränität der USA, dem Verbot von Pornographie und „Obszönitäten“ im weitesten Sinne und eine Reform des Schulwesens ein, bei dem die Eltern die alleinige Autorität besitzen, zu entscheiden, was ihr Kind in der Schule lernen soll und was nicht.[113] Der Weg zu einer Veränderung der Gesellschaft führt dabei über Gebet und christliche Erziehung, jede und jeder (auch Männer sind aufgefordert, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden) soll dabei lernen, sein bzw. ihr von Gott geschenktes Potential zu entdecken und es für sich und seine Mitmenschen verantwortungsvoll einzusetzen.

Obwohl sich die „Concerned Women“ an keine christliche Konfession im Speziellen richten, geben sie doch vier grundlegende Punkte an, die für sie ihre grundlegenden religiösen Überzeugungen sind:[114]

1. Die Bibel ist die letzte Autorität für den Glauben und die Glaubenspraxis. Sie ist wörtlich offenbart und das Wort Gottes an den Menschen, sie enthält keine Irrtümer.

2. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Er wurde von der Jungfrau Maria geboren, lebte ein Leben ohne Sünde, opferte sich in seinem Tod auf und ist leibhaftig auferstanden von den Toten am dritten Tage und aufgefahren in den Himmel, von wo aus er wieder-kommen wird, um alle zu sich zu holen, die an ihn glauben.

3. Der Mensch stammt von Adam ab, durch den Sündenfall bedarf er jedoch der Erlösung durch die Gnade des persönlichen Glaubens an Jesus Christus, den Herrn.

4. Es ist die Aufgabe aller Menschen, Gott nach besten Möglichkeiten zu dienen und für die moralische und spirituelle Erneuerung zu beten, damit die Nation der USA zu jenen traditionellen Werten zurückfindet, auf denen sie einst gegründet wurde.

Wiewohl auch die anderen politischen Gruppierungen der „New Right“ die Bezeichnung „Christian Right“ gewiss zurecht tragen, ist dieses explizit ausformulierte Glaubensbekenntnis doch eine Besonderheit. Lassen sich die Überzeugungen, für die die einzelnen Gruppen eintreten, aus ihren Publikationen, den Themen, für die sie kämpfen und den Argumenten, die sie dabei vorbringen, heraus lesen, so findet sich nur bei den „Concerned Women“ ein solches Glaubensbekenntnis. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die CWA ganz bewusst dieses Credo gegeben haben, um auch für fundamentalistische Glaubensgemeinschaften attraktiv zu sein, die für gewöhnlich den Kontakt zu jenen Menschen, die Jesus Christus noch nicht als ihren Erlöser erkannt haben und daher keine „Geretteten“ sind, meiden. Ebenso auffällig an diesen vier Punkten des „Statement Of Faith“ ist, dass sich eine Organisation, die sich primär an Frauen richtet, in ihrem gemeinsamen Glaubensbekenntnis nicht als Menschen verstehen, die von Adam und Eva abstammen. Gerade eine wörtliche Interpretation der Bibel gemäß Punkt 1 würde hier nahelegen, den Menschen als Abbild Gottes zu verstehen, der als Mann und Frau geschaffen wurde.

Aus dem Namen ihrer Organisation heraus drängt sich die Frage auf, worüber die CWA denn konkret „besorgt“ (concerned) sind und welche Ziele sie verfolgen, damit sich jene Kritikpunkte, die dabei angesprochen werden, zum Positiven verändern. Es sind dies sechs „Core Issues“ (Kernpunkte), aufgefächert in insgesamt 15 Unterpunkte, denen ebenso viele Ziele gegenüberstehen:[115] Schutz des Lebens, Religionsfreiheit, Familienwerte, Pornografie, Erziehung der Kinder und Nationale Souveränität.

Die CWA setzen sich für einen umfassenden Schutz des menschlichen Lebens, vom Mutterleib bis zum Sterbebett, ein. Daher sind sie klar gegen Abtreibung und Stammzellenforschung sowie gegen Sterbehilfe, menschliches Klonen oder sonstige Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle. Ebenso unter den Schutz des Lebens fällt für die CWA auch ihr Eintreten gegen physische, psychische oder religiöse Gewalt gegen Frauen und Männer (!) sowie deren Familien, als Folge einer Abtreibung.

Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist für die CWA mit der Würde des Menschen verknüpft, weshalb sie sich für die Bewahrung der Menschenrechte einsetzen und gegen jedwede Maßnahmen stellen, die die Rechte des Individuums einschränken würde. Mit großer Sorge beobachten sie außerdem das Schwinden des Respekts für die Familie als Gemeinschaft von Vätern und Müttern in der Gesellschaft und einer zunehmend schwächeren Betonung der natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Sie beklagen die starke Zunahme von häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch in den USA und treten für eine Stärkung der traditionellen Familienwerte ein. Die CWA sind der Überzeugung, dass nur gesunde Familien mit Vätern und Müttern dazu beitragen können, der Prostitution bzw. der Nachfrage nach Prostitution ein Ende zu bereiten.

Auch der steigende Konsum und Missbrauch von Drogen sind in diesem Sinne ein Resultat der Auflösung intakter Familien und ein Zeichen für die Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der Menschen in der Gesellschaft von heute. Das Glücksspiel stellt eine ebenso große Bedrohung für die Familien dar und sollte daher am besten abgeschafft werden. Im Bereich der Erziehung der Kinder sehen die CWA akuten Handlungsbedarf in Richtung einer Stärkung der Rechte der Eltern, um besser auf die Inhalte, die in den Schulen vermittelt werden, Einfluss nehmen zu können. Hintergrund dieser Forderung ist die Debatte um die Evolutionslehre bzw. den biblischen Schöpfungsbericht und der Ruf nach einer moralisch wertvollen Sexualerziehung der Jugendlichen, die sich nicht nur auf das Erklären des richtigen Gebrauchs von Verhütungsmitteln beschränkt.

[...]


[1] Im Dezember 2008 räumte G.W. Bush in einer Fernsehsendung auf ABC ein, dass er nicht der Meinung sei, die Bibel wäre wörtlich zu verstehen. Vgl. dazu: http://www.associatedcontent.com/article/1293299/george_w_bush_bible_not_literally_true.html [aufgerufen am 1. Dezember 2009].

[2] Vgl.: Riesebrodt, Querschnitte, 13f.

[3] Siehe dazu z.B. Riesebrodt, Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung.

[4] Vgl.: Ammerman, Bible Believers, 134 - 147.

[5] Vgl.: Meyer, Fundamentalismus, 15 – 20.

[6] Vgl.: Ebd, 17.

[7] Ebd., 18.

[8] Vgl.: Ebd.

[9] Vgl.: Ebd., 18f.

[10] Vgl.: Ebd., 19.

[11] Vgl.: Türcke, Fundamentalismus.

[12] Vgl.: Graber-Haider et.al., Angst vor der Vernunft.

[13] Vgl.: Pfürtner, Fundamentalismus.

[14] Vgl. Münch, Kultur der Moderne, 1, 12.

[15] Vgl.: Meyer, Fundamentalismus, 44.

[16] Ebd., 156.

[17] Ebd.

[18] Vgl.: Ebd., 157.

[19] Vgl.: Munson, Fundamentalismus.

[20] Vgl.: Ebd.

[21] Vgl.: Ammerman, Nancy T.: North American Protestant Fundamentalism. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 1 – 66.

[22] Vgl.: Dinges, William D. / Hitchcock, James: Roman Catholic Traditionalism and Activist Conservativism in the United States. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 66 – 142.

[23] Vgl.: Deiros, Pablo A.: Protestant Fundamentalism in Latin America. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 142 – 197.

[24] Vgl.: Aran, Gideon: Jewish Zionist Fundamentalism: The Bloc of the Faithful in Israel (Gush Emunim). Artikel in: Fundamentalisms Observed, 265 – 345.

[25] Vgl.: Voll, John O.: Fundamentalism in the Sunni Arab World: Egypt and the Sudan. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 345 – 403.

[26] Vgl.: Sachedina, Abdulaziz A.: Activist Shi’ism in Iran, Iraq, and Lebanon. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 403 – 457.

[27] Vgl.: Ahmad, Mumtaz: Islamic Fundamentalism in South Asia: The Jamaat-i-Islami and the Tablighi Jamaat. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 457 – 531.

[28] Vgl.: Gold, Daniel: Organized Hinduisms: From Vedic Truth to Hindu Nation. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 531 – 594.

[29] Vgl.: Madan, T.N.: The Double-Edged Sword: Fundamentalism and the Sikh Religious Tradition. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 594 – 628.

[30] Vgl.: Swearer, Donald K.: Fundamentalistic Movements in Theravada Buddhism. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 628 – 691.

[31] Vgl.: Wei-Ming, Tu: The Search for Roots in Industrial East Asia: The Case of the Confucian Revival. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 740 – 782.

[32] Vgl.: Davis, Winston: Fundamentalism in Japan: Religious and Political. Artikel in: Fundamentalisms Observed, 782 – 814.

[33] Vgl.: Riesebrodt, Querschnitte, 13 – 35, hier: 18.

[34] Ebd.

[35] Ebd.

[36] Ebd.

[37] Ebd.

[38] Vgl.: Ammerman, Bible Believers, 34 – 37 sowie 167 - 183.

[39] Vgl.: Ebd.

[40] Vgl.: Ebd., 120 – 134.

[41] Vgl.: Riesebrodt, Rückkehr der Religionen, 70 – 72.

[42] Vgl.: Ebd., 72.

[43] Vgl.: Ebd.

[44] Ebd., 78.

[45] Vgl.: Ebd., 78 – 83.

[46] Ebd.

[47] Vgl.: Ebd., 80.

[48] Vgl.: Ebd., 82.

[49] Vgl.: Ebd., 83.

[50] Vgl.: Ebd., 84.

[51] Vgl.: Ebd., 86.

[52] Vgl.: Ebd., 88.

[53] Vgl.: Ebd., 91.

[54] Vgl.: Ebd., 97 – 117.

[55] Vgl.: Kienzler, Der religiöse Fundamentalismus, 21 – 27.

[56] Vgl.: Ebd., 24f.

[57] Vgl.: Ebd., 27.

[58] Vgl.: Pfürtner, Fundamentalismus, 47f.

[59] Die Autoren und Architekten der Verfassung der USA waren (leider) ausschließlich Männer.

[60] Vgl.: Löhnert, Building A Nation, 6 – 12.

[61] Vgl.: Löhnert, Zivilreligion, 57 – 59.

[62] Vgl.: Ebd.

[63] Vgl.: Riesebrodt, Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung, 40.

[64] Vgl.: Ebd., 40f.

[65] Ebd., 42.

[66] Vgl.: Hutchinson, Encyclopædia Britannica online.

[67] Vgl.: Ebd.

[68] Vgl.: Quakers, Encyclopædia Britannica online.

[69] Vgl.: Riesebrodt, Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung, 42.

[70] Vgl.: Toleration Act. Encyclopædia Britannica online.

[71] Vgl.: Stulz, Vereinigte Staaten, 11f.

[72] Vgl.: Ebd., 13.

[73] Vgl.: Ebd., 14.

[74] Vgl.: Ebd., 17.

[75] Anm.: Der Name der Stadt Philadelphia kann statt mit „Bruderliebe“ sicher noch zutreffender mit „Geschwisterliebe“ übersetzt werden, denn der männliche Plural im griechischen αδελφοι (Brüder) wird auch für Gruppen verwendet, in denen Männer und Frauen enthalten sind.

[76] Vgl.: Ebd.

[77] Vgl.: Ebd., 19.

[78] Vgl.: Löhnert, Building A Nation, 6f.

[79] Vgl.: Riesebrodt, Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung, 43.

[80] Vgl.: Ebd., 44.

[81] Vgl.: Ebd.

[82] Originaltitel: „A Testimony For The Truth“ [übersetzt von M.L.]

[83] Zitiert nach: Flory, Richard W.: The Fundamentals. Artikel in: Brasher, Encyclopedia Of Fundamentalism, 186f, hier: 186 [übersetzt von M.L.].

[84] Vgl.: Ebd.

[85] Vgl.: Ebd.

[86] Vgl.: Riesebrodt, Fundamentalismus als patriarchalische Protestbewegung, 12f.

[87] Vgl.: Kienzler, Fundamentalismus, 30.

[88] Vgl.: Palaver, Wolfgang: Amerikanischer Fundamentalismus: Zur Problematik der Vermischung von Religion und Politik. Artikel in: Niewiadomski, Eindeutige Antworten?, 40 – 60, hier: 44.

[89] Vgl.: Pfürtner, Fundamentalismus, 50f.

[90] Vgl.: Geldbach, Protestantischer Fundamentalismus, 79f.

[91] Vgl.: William J. Bryan, Encyclopædia Britannica online.

[92] Vgl.: Geldbach, Protestantischer Fundamentalismus, 80.

[93] Vgl.: Ebd., 75.

[94] Vgl.: Himmelstein, Jerome L.: The new right. Artikel in: Liebman/Wuthnow, New Christian Right, 13 – 30, hier: 13.

[95] Vgl.: Ebd., 15.

[96] Vgl.: Ebd.

[97] Vgl.: Ebd., 16.

[98] Vgl.: Whalen, Robert K.: Moral Majority, Artikel in: Brasher, Encyclopedia, 315 – 316.

[99] Ebd., 316.

[100] Vgl.: Falwell, Artikel in: Encyclopædia Britannica online.

[101] Bis zum heutigen Tag gibt es eine Reihe von religiösen Fernsehkanälen mit lokaler, aber auch überregionaler Reichweite, die jeden Sonntag Gottesdienste und Predigten im Fernsehen übertragen. Eine der neuesten und größten Kirchen dieser Art ist die „Crystal Cathedral“ in Garden Grove, CA, von wo aus jeden Sonntag die „Hour Of Power“ über Fernsehen und Internet übertragen wird. In dieser aus Stahl und Glas erbauten Kirche gibt es mehr als 2.300 Sitzplätze, ein Chorgestühl für 1000 Sängerinnen und Sänger und die drittgrößte Orgel der Welt.[101] Die protestantisch-christliche Gemeinde der „Crystal Cathedral“ umfasst mehr als 10.000 Mitglieder.

[102] Vgl.: Palaver, Wolfgang: Amerikanischer Fundamentalismus: zur Problematik der Vermischung von Religion und Politik. Artikel in: Niewiadomski, Eindeutige Antworten, 41 – 62 (hier: 52).

[103] Vgl.: Ebd.

[104] Vgl.: http://www.moralmajority.us/index.php?option=com_content&task=view&id=5&Itemid=29 [aufgerufen am 9. Dezember 2009]

[105] Vgl.: Whalen, Robert K.: Moral Majority, Artikel in: Brasher, Encyclopedia, 316.

[106] Vgl.: Ebd.

[107] Vgl.: Liberity University online: https://www.liberty.edu/aboutliberty/ [aufgerufen am 9. Dezember 2009]

[108] Vgl.: Guth, James L.: The New Christian Right. Artikel in: Liebman/Wuthnow: The New Christian Right, 31 – 39, hier: 31.

[109] Vgl.: Ebd., 32.

[110] Ebd., 33.

[111] Vgl.: Ebd., 35.

[112] Vgl.: CWA online: http://www.cwfa.org/history.asp [aufgerufen am 9. Dezember 2009].

[113] Vgl.: Ebd.

[114] Vgl.: Ebd.

[115] Vgl.: http://www.cwfa.org/goals-concerns.asp [aufgerufen am 9. Dezember 2009]

Ende der Leseprobe aus 426 Seiten

Details

Titel
"Zahlt es sich aus, eine Fundamentalistin zu werden?"
Untertitel
Eine religionssoziologische Auseinandersetzung mit dem christlichen Fundamentalismus in den USA unter Frauen vor dem Hintergrund der "Rational Choice Theory"
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Ethik und Gesellschaftslehre)
Autor
Jahr
2011
Seiten
426
Katalognummer
V168458
ISBN (eBook)
9783640855483
ISBN (Buch)
9783640855216
Dateigröße
5888 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fundamentalismus, Evangelikale, USA, Katholischer Traditionalismus
Arbeit zitieren
Mag. Markus Löhnert (Autor:in), 2011, "Zahlt es sich aus, eine Fundamentalistin zu werden?", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168458

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