Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Rezension der 2019 erschienenen Monografie "Paulus als interkultureller Vermittler. Eine Studie zur kulturellen Positionierung des Apostels der Völker" von Esther Kobel.
Inhaltsverzeichnis der Buchrezension
- I. Biografische Daten, Konfessionelle Zugehörigkeit & Forschungsschwerpunkte von ESTHER KOBEL
- II. Einordnung des Werkes, Diskussionsstand, Zentrale Positionen & Fragestellung
- III. Arbeitsmethodik, Grundsatzentscheidungen & Zentrale Aussagen
- IV. Ertrag des Werkes und kritikwürdige Aspekte
- V. Anhang für Interessierte: Anmerkungen zum Aufbau des Werkes & Definitionen von weiteren zentralen Begriffen bei ESTHER KOBEL
- VI. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Buchrezension
Diese Buchrezension beleuchtet die Monografie "Paulus als interkultureller Vermittler. Eine Studie zur kulturellen Positionierung des Apostels der Völker" von Esther Kobel. Das Hauptziel der Rezension ist es, Kobels Forschungsansatz, ihre Methodik und ihre zentralen Thesen kritisch zu würdigen und in den wissenschaftlichen Diskurs einzuordnen.
- Detaillierte Darstellung der Biografie und Forschungsschwerpunkte von Esther Kobel.
- Einordnung von Kobels Werk in aktuelle theologische und kulturwissenschaftliche Debatten.
- Analyse der methodischen Grundsätze und zentralen Aussagen von Kobels Monografie.
- Diskussion der Stärken und kritikwürdigen Aspekte von Kobels Forschungsergebnissen.
- Erläuterung wichtiger Begriffe und des strukturellen Aufbaus von Kobels Originalwerk.
Auszug aus der Buchrezension
III. Arbeitsmethodik, Grundsatzentscheidungen & Zentrale Aussagen
KOBEL verfolgt die Fragestellung stringent und zieht auch Aussagen der Apostelgeschichte über PAULUS hinzu, 30 denn PAULUS äußert sich in seinen Briefen z.B. nicht zu seiner tarsischen oder röm. Staatsbürgerschaft, anders als Apg 16,37-38 oder Apg 21,39.31 Ferner weiß KOBEL um die Prob- lematik, dass der Schreiber der Apg keine schriftstellerische Tätigkeit des PAULUS nennt.32 An die- ser Stelle präsentiert sich KOBELS stringente Arbeitsmethodik, denn sie vermerkt mit Verweis auf GERHARD SCHNEIDER,33 dass ihres Erachtens nicht eindeutig zu klären ist, ob das Schweigen der Apg in der Unkenntnis über die Existenz der Briefe begründet ist, oder ob dem Schreiber der Apg der Verweis darauf schlicht unnötig erschien. Im Sinne der Stringenz vertieft KOBEL dies nicht wei- ter, verweist jedoch auf weiterführende Literatur.34
Aus methodischer Sicht verbleibt KOBEL nicht bei der Analyse und Exegese der biblischen Beleg- stellen,35 sondern zieht auch außerbiblische griech. Literatur und Epigrafik hinzu. So legt sie z.B. dar, dass antike Inschriften die Zweisprachigkeit im Röm. Reich bezeugen.36
Eine Grundsatzentscheidung KOBELS ist, dass sie der Selbstdarstellung des Apostels nicht unkri- tisch folgt, weil die paul. Briefe ihres Erachtens kontextuell abhängig sind und sich auf konkrete Situationen und Fragen lokaler Gruppen beziehen.37,38 Darin zeigt sich KOBELS historisch-kritische Arbeitsmethodik, die auch Erkenntnisse von weiteren Forschenden berücksichtigt, z.B. wenn sie in Anlehnung an DOMINIK WOLFF und ODA WISCHMEYER festhält, dass PAULUS autobiografische Ele- mente regelmäßig dazu gebraucht, um seine jeweilige Argumentation zu unterstreichen,39 woraus folgt, dass autobiografische Aussagen des Apostels i.d.R. nicht als Selbstzweck verkürzt werden dürfen. 40,41
Im Sinne der zentralen Fragestellung – wie PAULUS sich selbst und sein Wirken als Völkerapostel, in Form eines interkulturellen Vermittlers beschreibt 42 fokussiert sich KOBEL auf 1 Kor 9, wo PAULUS sich im Sinne eines „[...] Gesandten [...]“43 bzw. „[...] Gesandtseins [...]“44 darstellt. KOBEL vermeidet damit erneut einen traditionellen Begriff, hier den des Apostels. Die zentrale These KOBELS ist, dass in 1 Kor 9,19-23 PAULUS Gesandt-sein als vermittelnde Tä- tigkeit beschrieben wird,45 die dann in 1 Kor 9,24-27 gleich zur Anwendung kommt, durch den Gebrauch von Wettkampfmetaphorik. So geht PAULUS nach KOBEL in 1 Kor 9 exemplarisch als interkultureller Vermittler vor, indem er sich der, in der hellen. Welt bekannten, Agonmetaphorik bedient,46 denn PAULUS sagt in 1 Kor 9,24-27: „Lauft, damit ihr den unvergänglichen Siegeskranz erlangt.“47 Damit verweist PAULUS auf die den Korinthern bekannten Isthmischen Spiele und zeigt so exemp- larisch seine „[...] Adaptabilität [...]“,48 weil er hier sein Sprechen dem Erfahrungshorizont und der Lebenswelt seiner Adressat*Innen anpasst, um sie zum „[...] nötigen Einsatz [...]“49 für das Evangelium zu gewinnen. Nach KOBEL ermutigt PAULUS seine Adressat*Innen hier also durch seine bikulturelle Sprache, bildlich gesprochen, zu „[...] Christus-Athleten [...]“50 zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Biografische Daten, Konfessionelle Zugehörigkeit & Forschungsschwerpunkte von ESTHER KOBEL: Dieses Kapitel stellt die Autorin Esther Kobel vor, ihre akademische Laufbahn und ihre Forschungsschwerpunkte, insbesondere im Bereich der Paulusbriefe und kulturwissenschaftlichen Exegese.
II. Einordnung des Werkes, Diskussionsstand, Zentrale Positionen & Fragestellung: Hier wird Kobels Monografie in den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs eingeordnet und ihre zentralen Thesen sowie die Hauptfragestellung des Werkes vorgestellt.
III. Arbeitsmethodik, Grundsatzentscheidungen & Zentrale Aussagen: Das Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise von Kobel, ihre terminologischen Entscheidungen und die wichtigsten Aussagen ihrer Arbeit, insbesondere die Analyse von Paulus' Selbstdarstellung.
IV. Ertrag des Werkes und kritikwürdige Aspekte: Dieser Abschnitt beleuchtet die Stärken und die als kritikwürdig erachteten Aspekte von Kobels Werk und liefert eine Einschätzung des Beitrags der Monografie zur Forschung.
V. Anhang für Interessierte: Anmerkungen zum Aufbau des Werkes & Definitionen von weiteren zentralen Begriffen bei ESTHER KOBEL: Der Anhang bietet zusätzliche Informationen zum Aufbau von Kobels Buch und definiert zentrale Konzepte wie Kulturtransfer und Bikulturalität, die für das Verständnis des Werkes wichtig sind.
Schlüsselwörter
Paulus, interkultureller Vermittler, Esther Kobel, Monografie, Bikulturalität, Kulturtransfer, Apostel der Völker, Neues Testament, Exegese, Kulturwissenschaft, Feministische Exegese, Johannes Gutenberg-Universität, Diaspora, Hellenismus, Judentum, 1 Korintherbrief, Agonmetaphorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die vorliegende Arbeit ist eine Buchrezension der Monografie "Paulus als interkultureller Vermittler. Eine Studie zur kulturellen Positionierung des Apostels der Völker" von Esther Kobel, die sich mit der kulturellen Positionierung des Apostels Paulus befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die interkulturelle Vermittlerrolle des Paulus, seine Bikulturalität, kulturwissenschaftliche Exegese, feministische Exegese und die Analyse der Paulusbriefe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren und kritisch zu bewerten, wie Esther Kobel darlegt, dass Paulus als interkultureller Vermittler kulturelle Transfers bewirkt hat und wie er sich selbst in den protopaulinischen Briefen beschreibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Rezension beschreibt, dass Kobel eine historisch-kritische Arbeitsmethodik verwendet, die die Analyse biblischer Belegstellen mit außerbiblischer griechischer Literatur und Epigraphik verbindet und eine differenzierte Sprachverwendung pflegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Rezension behandelt die Einordnung von Kobels Werk in den Diskussionsstand, ihre zentralen Positionen, die angewandte Arbeitsmethodik und Grundsatzentscheidungen sowie eine detaillierte Analyse ihrer Argumentation, insbesondere bezüglich 1 Kor 9.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Paulus, interkultureller Vermittler, Bikulturalität, Kulturtransfer, Exegese, Kulturwissenschaft und Agonmetaphorik charakterisieren die Arbeit.
Wie versteht Kobel den Begriff des 'Apostels'?
Kobel vermeidet den traditionellen Begriff des 'Apostels' und stellt Paulus stattdessen als 'Gesandten' oder 'Gesandtsein' dar, da der Begriff 'ἀπόστολος' zu dieser Zeit inhaltlich noch nicht klar definiert war.
Welche Rolle spielt die 'Agonmetaphorik' in Kobels Analyse?
Die Agonmetaphorik, also die Verwendung von Wettkampfbildern, dient Paulus laut Kobel in 1 Kor 9 dazu, sich exemplarisch als interkultureller Vermittler zu präsentieren und die Adressat*Innen durch eine ihnen bekannte Sprache zum Engagement für das Evangelium zu motivieren.
Gibt es auch Kritik an Kobels Arbeit?
Ja, die Rezension weist auf Kritikpunkte hin, beispielsweise ob die Aussage, dass Paulus' Berufung zum Gesandten für die Völker keinen kategorischen Bruch mit seiner Identität als Ἰουδαῖος bedeutet, angesichts mancher biblischer Belege eindeutig ist.
Was ist die "Histoire croisée" im Kontext von Kobels Werk?
Im Kontext von Kobels Arbeit bedeutet "Histoire croisée" (verflochtene Geschichte), dass kulturelle Transfers als multidimensionale und dynamische, nicht einseitige, sondern verflochtene Vorgänge verstanden werden.
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- Anonym (Author), 2025, "Paulus als interkultureller Vermittler. Eine Studie zur kulturellen Positionierung des Apostels der Völker" von Esther Kobel. Eine Rezension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684735